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Alt 21.07.09, 10:01   #1
PhilDo
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PhilDo sitzt schon auf dem ersten Ast
Datteln: NewPark

Weiß nicht, ob jemand schon dieses Projekt gepostet hat, hab es zumindest nicht gefunden. Beim NewPark handelt es sich um ein neues Industriegebiet auf der Fläche der ehemaligen Dortmunder Rieselfelder.
Vor dem Hintergrund der Diskussion über zunehmdende Flächenversiegelung finde ich vor allem dieses Projekt kontrovers. Das geplante Gebiet für großflächige Industrieanlagen grenzt an die naturgeschützten Lippeauen und würde in Kombination mit einer notwendigen Erschließungsstraße große erhaltenswerte Flächen versiegeln.

Das Gebiet wird vor allem von der Stadt Datteln vorangetrieben, auch andere Städte sollen sich daran beteiligen. Die Stadt Waltrop als Nachbargemeinde ist nach Kritik aus dem Projekt ausgestiegen.

Ich bezweifele, ob solch ein Projekt vor dem Hintergrund bestehender Brachflächen notwendig oder vertretbar ist. Weitere Informationen findet ihr unter den nachfolgenden Links.


Quelle: Stadt Datteln

Weitere Infos:

Infos der Stadt Datteln

Rieselfelder Dortmund

Kritik an Erschließung
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Alt 21.07.09, 11:43   #2
Nick
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Prinzipiell finde ich das Projekt gut:

1. Es entstehen im direkten Dortmunder Einzugsgebiet tausende neue Arbeitsplätze.
2. Zwar gibt es keine zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen für Dortmund, aber sicherlich neue Arbeitsplätze, auch für Dortmunder.
3. Die Überschneidungen mit den Dortmunder Großprojekten sind minimal bis gar nicht vorhanden (minimale Überschneidungen mit dem Areal Westfalenhütte).
4. Industriebetriebe + Begleiterscheinungen bleiben außerhalb des Stadtgebiets.
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Alt 21.07.09, 20:08   #3
Le-Wel
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^ 1. "Im Einzugsgebiet", also ungefähr 15-20 Km von der Stadtmitte. Liegt der durchschnittliche Arbeitsweg im Ruhrgebiet nicht bei etwa 11 Kilometern? (Da aus dem Gedächtnis, könnte ich mich irren.)

2. Wasserstraßen, Bahnlinien, Autobahnen, Stromleitungen usw. sind relativ weit entfernt. Es gibt im Ruhrgebiet unzählige Grundstücke der einstigen Zechen, Hütten und anderen Betrieben, die wesentlich besser erschlossen sind. Bis auf große freie Flächen gibt es dort einfach nichts.

Der Standort war einst für ein Kraftwerk vorgesehen, welches sinnigerweise abseits entstehen müsste. Welche moderne Industrieproduktion bedarf großer Entfernung von den menschlichen Siedlungen?

3. Dorthin kann man einzig und alleine mit dem Auto kommen, wobei die durch die Siedlungsstruktur bedingte (es sind auch Industrieansiedlungen gemeint) Verkehrsstruktur des Ruhrgebiets bereits jetzt kritisiert wird. Möchte man im Norden Dortmunds Tausende zusätzlich durchfahrende Autos erleben? Dass Dortmund auf eigene Kosten gut getaktete Schnellbuslinien in dieses Gebiet einrichtet, glaube ich nicht.

4. Ist etwas jenseits des Themas der Stadtplanung - die Industrie befindet sich in Deutschland weiterhin auf dem Rückzug, während die Rolle der Dienstleistungen zunimmt. Weiterhin werden eher Industrieflächen freigemacht als zusätzliche benötigt. (Mit der Ausnahme der Logistik, die jedoch im Gebiet ohne Infrastruktur keinen Sinn ergibt.)

5. Es entstehen erst einmal keine neue Arbeitsplätze, sondern 100 Mio. EUR Kosten. Wer garantiert diesen Ansturm der ansiedlungswilligen Firmen? Wenn der Werbetext mit "sechs Flughäfen" und einer halben Million Studenten in der "dichtesten Hochschullandschaft des Kontinents" wirbt, sind offenbar sämtliche Flughäfen und Unis des Landes gemeint - "Standortvorteile", die man überall in NRW genauso hat. Sogar mit dem Duisburger Hafen wird geworben - den hat man allerdings im Hafengebiet oder in Rheinhausen ortsnah.

Eine allgemeine Anmerkung: Wenn das Land nicht 90% von 2,9 Mio. EUR Planungskosten übernommen hätte, wäre die absurde Idee wahrscheinlich längst gestorben. So hat man in Datteln halt 2,6 Mio. kassiert, die man freudig ausgeben kann.

Geändert von Le-Wel (21.07.09 um 22:00 Uhr)
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Alt 24.07.09, 18:05   #4
nikolas
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Pressemitteilung:

Zitat:
"Mit der Unterzeichnung des Gesellschaftervertrages fiel jetzt in Datteln der Startschuss für die weitere Entwicklung des landesweit ersten Industriegebietes in überregionaler Tägerschaft. Der newPark in Datteln soll vor allem Industrieunternehmen mit großem Flächenbedarf Raum bieten.
Acht Gesellschafter tragen das Pilotprojekt regionaler Kooperation: die Stadt Datteln, der Kreis Recklinghausen, die WiN Emscher-Lippe Gesellschaft zur Strukturverbesserung mbH, die IHK Nord Westfalen, die Städte Olfen und Lünen, die LEG Stadtentwicklung Kommunal GmbH und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Kreis Unna mbH.
Die Partner teilen sich die Finanzierung des 100 Millionen Euro teuren Industriegebietes und entscheiden über die Vermarktung der Flächen für die Ansiedlung großflächiger Unternehmen. Im Gegenzug werden die Partner an den Einnahmen aus Grund- und Gewerbesteuer beteiligt. Erste Ansiedlungen im 136 Hektar großen newPark sollen ab 2012 möglich sein.
Die Stadt Dortmund und die Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH wollen in den nächsten Monaten ebenfalls über eine Beteiligung an der newPark GmbH entscheiden.

Pressekontakt: newPark Planungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Dr. Petra Bergmann, Christoph Jünemann, Telefon: 02363/107-322, E-Mail: newPark@stadt-datteln.de"

Quelle: Presseverteiler Informationsdienst Ruhr
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Alt 25.07.09, 12:34   #5
Nick
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Sollte sich die Stadt Dortmund beteiligen? (@ Nikolas)

Unbedingt! Dortmund als Oberzentrum dieser Region muss mit ins Boot geholt werden: Erstens locken die Gewerbesteuereinnahmen und zweitens gibt es in Dortmund keine großflächigen Areale, die zur Ansiedlung von Industriebetrieben geeignet sind. - Es existiert lediglich ein sehr überschaubarer Bereich auf der Westfalenhütte. - Und drittes bleibt, wie bereits erwähnt, die Schwerindustrie schön außerhalb der Stadtgrenzen.

Zitat:
Ist etwas jenseits des Themas der Stadtplanung - die Industrie befindet sich in Deutschland weiterhin auf dem Rückzug, während die Rolle der Dienstleistungen zunimmt. Weiterhin werden eher Industrieflächen freigemacht als zusätzliche benötigt.

Das stimmt natürlich nicht, viel zu pauschal! Was uns diese Finanz-/Wirtschaftskrise deutlich gezeigt hat, ist die Wichtigkeit einer funktionierenden Industrie! Dafür gibt es X-Beispiele. Deutschland wird für immer ein High-End-Standort bleiben, siehe z.B. die Pharma- oder die Chemieindustrie.
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Alt 26.07.09, 08:41   #6
Le-Wel
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Zitat:
Zitat von Nick Beitrag anzeigen
Erstens locken die Gewerbesteuereinnahmen und zweitens gibt es in Dortmund keine großflächigen Areale, die zur Ansiedlung von Industriebetrieben geeignet sind.
Vielleicht sollte man den größten Teil des alten Industriegebiets Phoenix-Ost der Industrie belassen, statt dort für viel Geld künstliche Seen und EFH-Siedlungen anzulegen - wonach man viel weiter gelegene und nur mit Autos erreichbare Gebiete zu meinen braucht? Entweder will man die Industrie haben oder nicht, für etwas davon sollte man sich entscheiden.

Dann gäbe es noch Phoenix-West mit 110 ha (1/3 der Fläche in Datteln), ebenfalls einst Industriegebiet. Ich finde es absurd, dort eine parkähnliche Siedlungsstruktur errichten zu wollen, auf der IT-Firmen ansiedeln sollten -als ob diese große Flächen brauchen würden.

Geändert von Le-Wel (26.07.09 um 08:58 Uhr)
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Alt 21.08.09, 17:48   #7
nikolas
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Dieses Projekt widerspricht allen raumplanerischen Errungenschaften, die das Ruhrgebiet die letzten 20 Jahre hervorgebracht hat. Der letzten 20 Jahre deshalb, weil vorher so etwas wie nachhhaltige Raumplanung in dieser Region kaum praktiziert wurde.
Was geschah vorher?
Nahezu sämtliche Ruhrgebietskommunen reagierten, auf die seit den 1960er Jahren sich anbahnende strukturelle Wirtschaftskrise, mit ein und der selben stereotypen Verhaltensweise: extensive Flächenausweisung [wegen erwarteter Emmisionsbelastungen: am besten so weit weg vom eigenen Stadtzentrum wie möglich; zwecks erwarteter Gewerbesteuer: noch innerhalb der eigenen Stadtgrenzen!]. Wurde man hierbei durch die damals praktizierte Flächenrückhaltungspolitik der altindustriellen Platzhirsche behindert, ging man eben dazu über, die ohnehin rar gesähten Grünflächen der Region als Industriegebiete auszuweisen. Dabei stets das selbe Mantra vor sich hinbetend: "Die werden schon kommen! Die werden schon kommen!" "Wo ein Angebot, da auch eine Nachfrage, usw...ff"
Was geschah dann?
Nun, die Investoren kamen nicht! Zumindest nicht in der gewünschten Größenordnung. Produzierendes Gewerbe tätigte seine Neuansiedlungsinvestitionen lieber gleich in Billiglohnländern. Um die Erschließungskosten wieder reinzuholen, wurden die ausgewiesenen Flächen nun an Discounter, Möbelmärkte und alle sonstigen Gewerbe, die sich nicht um Lagegunst und Gestaltungsanspruch zu kümmern brauchten, verramscht.
Und dann?
Wir befinden uns mittlerweile tief in den 80er Jahren: DU-Rheinhausen, HAT-Henrichshütte uvm. schließen. (Brach-) Fläche gab es nun zu Hauf. Nur "Landschaft", für das an Petrarca u.a. geschulte Auge, die gab es im Ruhrgebiet nicht mehr. [Was die Schwerindustrie über Jahrhunderte nicht für sich in Beschlag genommen hatte, war nun durch Wellblechzweckbauten verstellt.] Dafür jede Menge Siedlungsbrei, Wasteland oder, wie Thomas Sieverts u.a. versucht haben es auf den Begriff zu bringen: Zwischenstadt. Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Stadt nicht Land[-schaft]. Vielmehr ein charakterloser Hybrid. Ein Zwitter der Baugeschichte.
Aber egal, das Ruhrgebiet war ja nicht auf Schönheit hin gebaut, sondern sollte zweckdienlich sein. Verfügte man nicht über eine der besten harten Infrastrukturen Europas, ja Weltweit? Saß hier nicht ein Arbeitsheer von Malochern in den Startlöchern, die nur darauf warteten mal wieder in die Hände spucken zu dürfen?
Nun, das schon, aber der Zeitgeist nahm wie so oft eine andere Wendung als geplant. Neue Begrifflichkeiten begannen zu zirkulieren: "Small is beautyful", "new urbanism", "Umweltbewußtsein", "Dienstleistungsgesellschaft", "Freizeitgesellschaft" und folglich auch "weiche Standortfaktoren".
Flüchtig klang das, schwer zu greifen. Harte Standortfaktoren vs. "Lebensqualität". Investitionsentscheidungen wurden jetzt wohl "mehr so aus´m Bauch heraus" getroffen. Wenn dem so war, und dem war so, dann hatte das Ruhrgebiet gegenüber München, Stuttgart und anderen "Residenzstädten" + Umland [= "Landschaft"] schlechte Karten.
Stark verkürzt: Ohne "Landschaft" - und der darin enthaltenen Freizeitmöglichkeiten - keine "High Potentials". Und genau diese Jungs waren es ja, für die es sich im "postindustriellen" Zeitalter einzig zu buhlen lohnte.
Was war folglich zu tun?
Ein Paradigmenwechsel musste vollzogen werden. Die Bereitstellung von Fläche [die ohnehin niemand nachfragte] hatte der Herausbildung von "Landschaft" zu weichen.
"Copy Munich"? Den Schwarzwald in den Pott holen? Nun, so einfach war es nicht. Zentralistische Baukultur ließ sich ja nicht einfach auf dieses polyzentrische Siedlungsgebilde übertragen. Gewachsene Kulturlandschaften nicht einfach translozieren. Überhaupt nicht? Doch, ein bishen schon. Hierfür galt es aber erstmals den Unterschied zwischen Stadt und Land[-schaft] im Ruhrgebiet klar zu definieren und dementsprechend zu konturieren. "Fläche" genug war hierfür ja vorhanden. In den kommunalen Hinterhöfen [=Stadtgrenzen] und in der Zwischenstadt, da galt es sich umzusehen: Devastierte Fläche ohne Ende, dazwischen ein bishen Restgrün, Ackerbau, "Industrienatur". Zerstückelt und durch Infrastruktur zerschnitten, das schon, aber nicht unmöglich, durch intelligente Flächenaddition und Rekultivierung, daraus ein gestaltetes Ganzes zu formen. Was Grün war sollte fortan Grün bleiben [und nicht durch Ausweisung von Eigenheimsiedlungen und Industrieflächen versiegelt werden], ehemalige Industrieareale sollten nun als Industrienaturelle "Brückenköpfe" fungieren.
Freiraumflächen unterschiedlichster gestalterischer Qualitäten sollten so -per Patchworkverfahren- zu Landschaft geformt werden: dem Emscher Park. Denn erst wo Park als "Landschaft" ist, gewinnt die Stadt als "Gegenstück" wieder Konturen, wird wahrnehmbar, wird sichtbar.
Eine Jahrhundertaufgabe, aber der Rückzug der Industrie sowie der demographische Wandel machten es möglich, ja sogar zu einer ökonomischen Notwendigkeit. Die quantitative Nachfrageflaute nach Fläche, zwang dazu, eben diese, in qualitative "Landschaft" zu transformieren. Auch das schuf Arbeitsplätze und Know-How, zudem Freizeitwert und damit "Lebensqualität".
Um diesen Wandlungsprozess [hin zu mehr Qualität] in Gang setzten zu können, musste neben dem realwirtschaftlichen Strukturwandel, der sich ja vor allem durch ersatzlosen Strukturverlust auszeichnete, auch ein mentaler Strukturwandel in den Köpfen der Ruhreinwohner [und der diese repräsentierenden Kommunalverwaltungen] stattfinden. [Die IBA Emscher Park [Laufzeit 1989-1999] diente hier als Katalysator, der Prozess ist aber bei weitem noch nicht abgeschlossen!!!]
Von vielen liebgewonnenen Dingen galt es sich nun entgültig zu verabschieden:
  • Großansiedlungen im industriellen Sektor wird es nie wieder geben. Wer Big Shots im Wahlkampf verspricht und dafür prophilaktisch Flächen ausweist, lügt! [Bestandserhaltung des status quo, das wäre schon viel]
  • Ansiedlungserfolge von Unternehmen lassen sich im 21. Jahrhundert nur über urbane und landschaftliche Qualitäten erzielen. Deshalb Finger weg von 08/15 Ansiedlungen mit großem Flächenverschleiß, wenig Arbeitsplätzen und geringer Produktionstiefe.
  • In diesem dichten Siedlungsgefüge gilt es die Region als Ganzes zu begreifen. "Landschaft", will sie nicht zum Stadtpark oder gar Grünstreifen verkommen, kann im Ruhrgebiet nur über die interkommunalen Grenzen hinweg konstituiert werden. Ebensowenig machen ökologische Probleme [Flächenversiegelung = Hochwasser, Luftverschmutzung und andere Kontaminatiosprobleme] vor kommunalen Grenzen halt. Demnach interessiert es sehr wohl, was sowohl die eigene Kommune, als auch die Ruhrgebietsnachbargemeinde an ihren jeweiligen Stadtgrenzen so treibt, bzw. ansiedelt.
Und jetzt?
Das Jahr 2009 hat uns erreicht. Die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 steht vor der Tür, der interkommunale Ausbau des Emscher Landschaftsparks schreitet voran, die Renaturierung der Emscher gewinnt Konturen. Postindustrielle "Landschaft" beginnt sich zu konstituieren... Also alles tutti, oder? Nicht ganz!
Und zwar so lange nicht, wie meine altklugen Abhandlungen mit Sätzen und Begrifflichkeiten wie diesen hier konfrontiert werden:
  • "134 ha Fläche", "großindustrielle Ansiedlungserfolge", "9000 neue Arbeitsplätze", "hundertmillioneuroinvestitionplusp rojektiertefolgeinvestitionenindopp elterhöhe", "bis jetzt aber leider noch keine konkrete Investitionszusage oder Absichtserklärung auf dem Tisch"
  • "Es entstehen im direkten Dortmunder Einzugsgebiet tausende neue Arbeitsplätze. [...]
    Industriebetriebe + Begleiterscheinungen bleiben außerhalb des Stadtgebiets."
  • "Und drittes bleibt, wie bereits erwähnt, die Schwerindustrie schön außerhalb der Stadtgrenzen."
In diesem Sinne wünsche ich dann fröhliche Ansiedlungserfolge im schwerindustriellen Sektor!
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Alt 30.09.09, 14:33   #8
Nick
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NewPark beschlossen

Der WDR vermeldet, dass der Regionalrat der Bezirksregierung Münster den Bau des Industriegebiets NewPark in Datteln beschlossen hat. - Wie ich finde eine gute Nachricht, trotz oder gerade wegen des vorherigen Beitrags. In der Tat ist es nämlich so, dass es durchaus noch eine Vielzahl von expandierenden/florierenden Industrieunternehmen im Ruhrgebiet gibt. Bestes Beispiel ist die "Hoesch Spundwand" in Dortmund (nicht weit entfernt von der Innenstadt). Diese möchte bis zu 400 Mio. € am Standort investieren, siehe hier, trotz Bürgerproteste. Eine Verlagerung von Kapazitäten außerhalb der dicht bewohnten Innenstadt wäre aber wohl nicht nur Meinung nach, um einiges sinnvoller, als ein Ausbau von genau jenen zwischen Wohnhäusern, Schulen und Kindergärten. Daher sollte sich Dortmund, trotz der momentanen Engpässe und der Wirtschaftskrise am Projekt beteiligen (Stichwort: Gewerbesteuer). Übrigens wäre die Alternative zum NewPark ein Kohlekraftwerk gewesen.
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Alt 30.09.09, 21:13   #9
nikolas
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Zitat:
Zitat von Nick Beitrag anzeigen
Der WDR vermeldet, dass der Regionalrat der Bezirksregierung Münster den Bau des Industriegebiets NewPark in Datteln beschlossen hat. - Wie ich finde eine gute Nachricht, trotz oder gerade wegen des vorherigen Beitrags.
Mein vorheriger Beitrag war einen Appell an die ästhetische Urteilskraft. Nachdem es sich hierbei um ein Architekturforum und nicht um ein Kaffeekränzchen für Wirtschaftsförderer handelt, sollte m.E. bei jeder Argumentation im DAF, das insistieren auf gestalterischen Anspruch stets Vorang vor profanen Nützlichkeitserwägungen erhalten.
Kurzum: Nicht die Tatsache allein das gebaut wird soll uns hier berauschen, sondern das Was und Wie des Gebauten, gilt es im Diskussionsforum kritisch zu hinterfragen und ggf. zu würdigen.
An Profanität,falschen Heilsversprechungen [Milliardeninvests, 10 000e von neuen Arbeitsplätzen, etc.] und daraus resultierender Hässlichkeit leidet diese Region bereits zu genüge und hat damit den Anschluss ans Investitionskarussell des 21. Jahrhunderts verloren.
Dieses stellt mittlerweile ganz andere Anforderungen an die [Lebens- und Erlebnis-] Qualität von "Raum", als das man mit der schieren Verfügbarkeit von "Fläche" in Westeuropa noch irgendwie punkten könnte. Das können Schwellenländer bekanntlich besser und billiger.
Expansions-"Fläche", für die wenigen Wachstumsbranchen der Region, ist zudem mehr als genug vorhanden. Wenngleich man mit dieser in einer Städtregion nicht so verschwenderisch umgehen kann und soll [!], wie es manche ländliche Regionen zu tun pflegen. Hier gilt es eben klug und nachhaltig zu wirtschaften und nicht für jedes "08/15-Schuhkartoninvest" die Beine breit zu machen.
Will diese Städteagglomeration international nicht mehr nur über ihre schiere Masse definiert, sondern auch über ihre darin enthaltene städtbauliche und landschaftliche Qualität ernst genommen werden, gilt es dies alles endlich konsequent zu berücksichtigen.
Nicht mehr und nicht weniger wollte ich durch meinen letzten Beitrag deutlich machen. So viel zum Allgemeinen, nun zu deinem "Beste[n] Beispiel [...] "Hoesch Spundwand" in Dortmund":
In der Tat bildet die Produktion von Z-förmigen Spundwänden ein Ärgernis für die angrenzenden Bewohner. [Bleibt zu fragen wer sie da hat bauen lassen? Wir befinden uns schließlich mitten in einem Industriegebiet.] Nur weil es vieleicht wünschenswert wäre, wird es aber auch mit New Park zu keinem Umzug kommen. In dem von dir zitierten Beitrag wird mit keiner Silbe erwähnt, dass das Unternehmen unter Platzmangel leidet. Wäre dem so, dann wäre auch Herr Mager [und damit die Politik] mit einer Erweiterungsfläche im direkten Umfeld zur Stelle. Ein Umzug nach New Park würde zudem den Verlust der exzelenten Hafen- und Gleisanbindung sowie weiterer Infrastrukturen vor Ort für das Unternehmen bedeuten. Und Dortmund müsste sich fortan die Gewerbesteuereinnahmen an diesem Unternehmen mit den New Park Anteilseignern teilen. Das kann Herr Mager, in seiner Funktion als kommunaler Wirtschaftsförderer, demnach so auch nicht wollen...
Die Errichtung eines Kohlekraftwerks war nicht die Alternative [und damit das kleinere oder größere Übel] zu New Park, sondern ein Vorläuferprojekt für das Gelände, dessen Scheitern erst den Weg für New Park frei machte. Raumästhetisch sicher ein vergleichbar brutaler Eingriff in die Landschaft, hätte dieses aber mit Sicherheit Strom produziert. New Park nährt bislang nur Illusionen und Subventionsritter.
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Alt 01.10.09, 08:52   #10
Nick
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Bei soviel Polemik weiß man ja gar nicht wo man anfangen soll, deshalb noch eine knappe Richtigstellung und dann ist das Thema für mich vom Tisch:

Zitat:
Großansiedlungen im industriellen Sektor wird es nie wieder geben.


Mit meinem simplen Gegenbeispiel (Hoesch Spundwand) ist diese Aussage ja schon mehr als entkräftet worden. Und glaube mir es gibt noch einige andere Beispiele.

Zitat:
Mein vorheriger Beitrag war einen Appell an die ästhetische Urteilskraft.


Dito! Deshalb haben Betriebe aus der Schwerindustrie auch nichts in Innenstadtnähe zu suchen. Kann die Anwohner der Weststadt in ihren Protesten deshalb nur beipflichten/unterstützen.

Zitat:
In der Tat bildet die Produktion von Z-förmigen Spundwänden ein Ärgernis für die angrenzenden Bewohner. Bleibt zu fragen wer sie da hat bauen lassen?


Betroffen sind Teile der West-, sowie der Nordstadt. d.h. Ein Großteil der Wohnbebauung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zitat:
Und Dortmund müsste sich fortan die Gewerbesteuereinnahmen an diesem Unternehmen mit den New Park Anteilseignern teilen.

Bist du nicht ein Verfechter dieser ominösen Ruhrstadt?! In diesem konkreten Fall kann das östliche Ruhrgebiet zusammenarbeiten und einen gemeinsamen "Masterplan Industrie" aufstellen (ganz nach dem Vorbild "Masterplan Einzelhandel").

Zitat:
Nur weil es vielleicht wünschenswert wäre, wird es aber auch mit New Park zu keinem Umzug kommen.


Warum vielleicht?! Nein, es wäre wünschenswert, Punkt!
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Alt 03.10.09, 21:43   #11
nikolas
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^^
Mit deinem simplen "Gegenbeispiel" ist erst mal gar nichts bewiesen.
Bei diesen Maßnahmen handelt es sich weder um eine Groß- noch um eine Neuansiedlung. Ein Unternehmen beabsichtigt an seinem Standort in Dortmund Geld zu investieren, um seine bisherige Produktion von U-förmigen Spundwänden auf die Komponente Z-förmige Spundwände zu erweitern. Gut und schön! Das Unternehmen beweist damit seine Treue zum exzelenten Standort am Dortmunder Hafen. Von einem Umzug kann jedoch keine Rede sein und wäre ökonomisch auch nicht darstellbar. Der einzige der diese Investitionen mit New Park in Verbindung setzt bist du, und das ist logisch so nicht zulässig. Mit keiner Silbe erwähnst du zudem, dass in der Region bereits ausreichend aufbereitete Industriefläche für eine potentielle Betriebsumsiedlung vorhanden wäre. Paradigmatisch seien folgende Quellen herangezogen. [ruhrAGIS Rohdaten + leg]

Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass du mit deiner angebotsorientierten Flächenvorhaltungspolitik gewichtige Fürsprecher auf deiner Seite hast. Gerade in letzter Zeit werden aus Kreisen der regionalen IHKs wieder vermehrt Stimmen laut, die sich für eine vehemente Ausweisung von Industrie- und Gewerbeflächen, auf Kosten des Grün- und Freiflächenanteils in der Region aussprechen.
Die Argumentation stützt sich hierbei im wesentlichen auf zwei Argumente.
So werden zum einen aufgrund immisionsrechtlicher Problematiken Standortgefährdungspotentiale und Flächennutzungskonflikte [die von dir geschilderten Anwohnerproteste bei Hoesch Spundwand beschreiben einen Aspekt dieses Sachverhaltes] ins Feld geführt.
Zum anderen will man prophylaktisch dafür Sorge tragen, dass auch flächenintensive, aber nur eine geringe Arbeitskräftedichte auweisende Industriebetriebe zu jeder Zeit [also auch kurzfristig], an jedem Ort der Region erschlossene Gewerbe- und Industrieflächen, jedweder Größenordnung vorfinden. Man argumentiert v.a. damit, dass ein erwarteter Konjunkturaufschwung nicht durch eventuelle Flächenengpässe abgewürgt werden darf.
Daran ist erst mal nichts Falsches. Als Lobbyisten ist das auch ihr gutes Recht dies einzufordern, ja sogar ihre Pflicht und Schuldigkeit.
Gleichzeitig gilt es aber festzuhalten, dass diese kurzfristigen Forderungen [mir geht es hier insbesondere um die Umwandlung von Grün- und Freiflächen zu Industriegebieten], der Natur der Sache nach, eben auch zu kurz greifen.
Einige Argumente und weiterblickende Perpektiven seien dafür ins Feld geführt:
  • Auf dem Gebiet des RVR existieren ca. 7.800ha Brachfläche [Stand 2002]. Nicht alle Flächen davon [z.B. Halden] lassen sich per Flächenrecycling wieder zu neuen Industriestandorten reaktivieren. Gleichwohl leitet sich für mich allein aus der schieren Menge an devastierter Fläche im Ruhrgebiet der Imperativ ab, ausschließlich wiederaufbereitete Fläche der wirtschaftlichen Nachfrage zuzuführen, anstatt immer wieder aufs Neue Grünflächen dafür auszuweisen. In einer Städteregion wie dem Ruhrgebiet ist "Raum" schließlich ein knappes und damit kostbares Gut.
  • Als potentielle "Flächenfresser" lassen sich im Ruhrgebiet v.a. folgende Cluster festmachen: Chemie, Metallverarbeitung, Bergbau, Energie und Logistik. Im einzelnen lässt sich das wie folgt darstellen:
  • Die chemische Industrie im Wirtschaftsgefüge des Ruhrgebietes außerhalb der Emscher-Lippe Region nur eine geringe Bedeutung. Flächenengpässe sind aber auch in der Emscher-Lippe Region nicht zu verzeichnen.
  • Metallverarbeitung und -Produktion: Die Stahlproduktion im Ruhrgebiet beschränkt sich mittlerweile ausschließlich auf den Standort Duisburg. Dieser Standort verfügt aktuell über Überkapazitäten, was sich darin äußert, dass bereits instalierte Produktionsanlagen und Hochöfen überhaupt nicht angefahren bzw. angeblasen werden.
  • Metallverarbeitende Betreibe sind hingegen über die gesamte Region nahezu gleichmäßig verteilt. THYSSENKRUPP als bedeutendster Player in der Region befindet sich momentan in einer tiefgreifenden Umstrukturierungsphase. Ziel dieser Maßnahmen ist es seine Kompetenzfelder von vormals 5 auf 2 zu reduzieren. Dies hat unmittelbar zur Folge, dass 10% der Arbeitsplätze bei TKS in Deutschland bis 2011 ersatzlos gestrichen werden. Mit einer verstärkten Flächennachfrage durch TKS kann in den nächsten Jahren folglich nicht gerechnet werden.
  • Bergbau: Mit einer schwarz-gelben Bundesregierung wird es zu keinem "Ausstieg vom Austieg" kommen, d.h. der unter der großen Koalition gefasste Ausstiegsbeschluss zur Subventionierung der Steinkohleförderung in Deutschland wird 2012 nicht noch einmal auf den Prüfstand kommen. Steinkohleförderung in Deutschland wird damit ab 2018 Geschichte sein. Das die Flächennachfrage und das Brachflächenangebot der Region davon nicht unberührt bleiben wird, bedarf eigentlich keiner Erwägung.
  • Energiegewinnung im Ruhrgebiet meint im wesentlichen die Verfeuerung von Steinkohle. Die aktuell eingeleiteten Repoweringmaßnahmen der Stromkonzerne wird auf lange Sicht zur Existenz von wenigen Kraftwerken mit höheren Wirkungsgraden in der Region führen. Auch dieser Trend wird die Flächenbilanz des Ruhrgebietes nicht unberührt lassen.
  • Verbleibt somit einzig die Logistikwirtschaft als expandierendes und flächenintensives Nachfragecluster in der Region. 2001 standen Logistikpotentialflächen von 1465 ha an unterschiedlichsten Standorten im Ruhrgebiet zur Verfügung. [Quelle] Nachdem seitdem immer wieder neue Flächen in den regionalen Markt eingespeist wurden [Westfalenhütte, LogPort II etc.] dürfte sich am Faktum Flächenüberhang nichts grundlegendes geändert haben.
  • Fazit: Die von mir in Teilen verwendete Studie kommt folglich auch zu dem Ergebnis, dass Flächenangebotsdefizite im Ruhrgebiet weniger im quantitativen als im qualitativen Bereich zu suchen sind. Deshalb wird auch davor gewarnt, den Markt nicht unnötig mit Flächen zu "überschwemmen", sondern vielmehr auf eine eindeutig qualitative Flächenprofilierung [Präferenzstrategie]zu setzen, als auf kurzfristige Ansiedlungserfolge zu schielen.
Neben dieser zugegebenermaßen grobschlächtigen Auflistung potentieller Nachfragecluster gilt es auch die negative demographische Entwicklung in der Region [führt bekanntlich zum zahlenmäßigen Rückgang der (Erwerbs-)Bevölkerung] sowie die fortschreitende Tertiärisierung [führt tendenziell zu einer sinkenden Flächennachfrage pro Erwerbstätigen sowie steigenden Qualitätsansprüchen an die Fläche selbst] der Ruhrwirtschaft zu berücksichtigen. Beide Faktoren werden sich mittelfristig gegenseitig verstärken und in weiten Feldern zu einer Stagnation des quantitativen Immobilienbedarfs durch gesättigte Märkte führen. Dies wiederum wird zur Folge haben, dass begangene Bausünden nicht mehr im ausreichenden Maße durch den Nachfragemarkt [Umnutzung, Bauen im Bestand, Konversion, Abriss-Neubau, etc.] geheilt werden können. Drum prüfe wer sich "ewig" bindet!


Ich habe mich in diesem Beitrag bewußt sehr allgemein gehalten. So fand das Wort NewPark kein einziges Mal Erwähnung. Mir ist es auch nicht um dieses Einzelprojekt als solches bestellt, sondern es geht mir viel mehr um den allgemeinen Umgang mit "Raum" in dieser Region.
Der Umgang mit "Raum" lässt wiederum auch einen indirekten Rückschluss auf die Selbstwahrnehmung der Region zu. Das das Ruhrgebiet mal die Industrieregion der Nation war steht außer Frage. Ob das aktuell noch der Fall ist wage ich zu bezweifeln [Standortentwicklung + Wirtschaftsraum]. Ob das wieder so werden kann und soll halte ich mir noch offen. So lässt sich mit der selben Vehemenz, wie die von mir zitierten Lobbyisten eine Re-Industriealisierung der Region fordern und dafür auch bereit sind noch den letzten Rest von Landschaft zu opfern, für das genaue Gegenteil als Leitbild plädieren. Das Wort Strukturwandel würde dann in diesem Kontext bedeuten, seine Ressourcen konsequent und ausschließlich auf "Nachhaltigkeit" zu konzentrieren. D.h. [Schwer-] Industrie wird es weiterhin geben, aber nicht um jeden Preis. Bei strittigen Entscheidungen erhält Landschaftsschutz kategorial Vorfahrt vor Flächenversiegelung. Der Auf- und Ausbau von "weichen Standortfaktoren" dominiert zukünftig gegenüber der Bereitstellung von "harter" Infrastruktur... [siehe z.B. aktuell auch:Baukultur als Standortvorteil]
Nur die eine oder die andere Gangart wird es sicher auch zukünftig nicht geben und wäre in ihrer Ausschließlichkeit wahrscheinlich auch nicht wünschenswert.
Als holzschnittartige und pointierte Gegenüberstellung mag sie jedoch der eigenen Positionsbestimmung hilfreich sein und damit als weitere Diskussionsgrundlage dienen. Kurzum: Quo vadis Ruhrgebiet?

Edit 07/10/2009

Klappern gehört zum Geschäft. Der NewPark wird auf der ExpoReal als restriktionsfreies sowie flexibles und damit wohl auch gestaltungsbefreites Industrieareal beworben.: video_new_park.wmv
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Alt 09.10.09, 09:30   #12
Nick
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Gewerbeflächen-Defizit

Im Ruhrgebiet zeichnet sich erstmals ein Gewerbe- und Industrieflächenengpass ab. Bis 2018 benötigt man nach einer Studie 150 Hektar zusätzliche Flächen. Weitere Details und Zahlen, siehe hier.
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Alt 13.06.10, 16:02   #13
nikolas
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^^
Die Studie besagt doch eigentlich nur das eine: Dass der Auftraggeber RAG-Montan [nach eigenen Angaben mit 12 000ha Flächen an Ruhr und Saar selbst der Großgrundbesitzer par excellence in der Region] es über die Jahre verabsäumt hat, genügend Flächen revitalisiert und auf den Markt zu werfen. Aber das hat die RAG-Montan sicher nicht alleine zu verantworten. Die Brachflächen im Ruhrgebiet schwanken je nach Erhebungsart in Summe zwischen 8 500 – 10 000ha. Ein Großteil davon eignet sich sicher nicht für die zur Debatte stehenden Neuansiedlungen; die schiere Summe sollte gleichwohl zu denken geben, respektive zu einer wirklich nachhaltigen Flächenpolitik verleiten. Auch die Tatsache, dass der zukünftige Flächenbedarf für die Untersuchungsregion allein auf Basis der Daten des fetten Jahres 2008 berechnet wurde, macht die zitierte Studie sicher nicht aussagekräftiger.
Aber nun zur Sache selbst:
Bis vor einigen Tagen noch geisterte ein Wettbewerb "Bebauungsplan für das Industrieareal newPark in Datteln" durch´s Netz. Dieser Wettbewerb wurde allem Anschein nach zu Gunsten einer profanen Stellenausschreibung für Stadtplaner aufgegeben. Wer weiß mehr?
Aus gegeben Anlass aber noch einmal kurz Fundamentalkritik:
Bei NewPark handelt es sich um einen „Gewerbe- und Industrieansiedlungsbereich für flächenintensive Großvorhaben“. Zielgruppen sind nationale und internationale Unternehmen mit flächenintensiven industriellen und gewerblichen Produktionsstätten. Die Schwerpunktsetzung liegt dabei auf Haus- und Gebäudetechnik sowie Energie- und Umwelttechnik. Geplant ist ausschließlich die Industrienutzung mit Einheiten größer als 10 ha zuzulassen. D.h. Keine Logistik, kein Groß- und Einzelhandel, etc. Abwerbungen aus den Anrainerkommunen sollen ebenfalls ausgeschlossen sein. Die Frage erscheint mir daher berechtigt, was passiert wenn keiner kommt? Konkreter: Ist es wirklich gewährleistet, dass die Geldgeber, also die klammen Ruhrgebietskommunen, in Zeiten leerer Kassen, das nötige Maß an Geduld aufbringen werden, bis sich in NewPark was vernünftiges zusammengeclustert hat?
Ein mögliches Worst-Case-Szenario kann ich mir an dieser Stelle deshalb einfach nicht verkneifen: Die beteiligten Pleitekommunen sind aufgrund der dramatischen Haushaltslage gefordert ein rasches Return on Investment einzufordern. Die NewPark Planungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH wird folglich unter Druck gesetzt, die zu vermarkteten Grundstücksflächen zu verkleinern und/oder die hohen Ansiedlungsrestriktionen aufzulockern, um NewPark leichter an den Mann bringen zu können. Als letzte Exit-Option besteht auch noch die Möglichkeit das Areal an einen Heuschreckeninvestor zu verscherbeln, der dann diese unappetitliche Aufgabe übernimmt. Zurück bleibt ein Gewerbegebiet wie jedes andere auch, nur das was vorher Landschaft war, ist dann unwiederbringlich verloren. Time will tell...
Das war jetzt natürlich spekulative Miesepeterei, aber so richtig vernünftig-durchdacht wirkt das Projekt nun auch nicht, als das es nicht zu polemischen Spitzen verleiten würde.
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Alt 13.05.11, 16:56   #14
nikolas
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Zweifellos haben die Philosophen Recht, wenn sie uns sagen, dass alles nur durch den Vergleich groß und klein sei.“ Jonathan Swift (1667-1745)

So wie es aussieht wird bei Mega-Park wohl alles ein bishen kleiner ausfallen, als es uns der vollmundige Marketingsprech vor Jahren noch verkünden wollte...
Das meint im Einzelnen:
  • Es war einst von 23000 Arbeitsplätzen die Rede, die da geschaffen werden sollten. Heute würde man sich laut Dr. Petra Bergmann, Geschäftsführerin der newPark GmbH, über 5000 freuen.
  • Hinter den Kulissen wird auch eifrig um die Auslegung des Begriffs "Flächengröße" gezerrt und gerangelt. So wird mittlerweile in Frage gestellt, ob es den Not tut, besagte Flächen ausschließlich in Größen über 10ha anzubieten.
  • Das Ziel, 2011/12 die erste Industrieansiedlung zu melden, ist auch nicht zu halten. Erst im Jahre 2013 könnte es frühestens so weit sein.
  • Alles in Allem genug Zeit, die Sinnhaftigkeit des Ganzen noch einmal zu überdenken. Bis jetzt wurden erst 1,5 Mio. EURO verbrannt; und das von der Vorgängerregierung. Nur Mut!
Quelle: Industrieregion Vest: newPark: Zweifel und Hoffnung - DerWesten

siehe auch:
Zehn Jahre NewPark-Entwicklungsgesellschaft: Ein ganz langer Anlauf - DerWesten
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Alt 25.11.11, 21:22   #15
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Aufsichtsrat beschließt Grundstücksankauf

PM: "Der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung der newPark GmbH haben am 25.11.2011 in Recklinghausen den Ankauf des Grundstücks für die Realisierung des Industrieareals newPark beschlossen.
„Wir haben heute grünes Licht für eine zweistellige Millioneninvestition in die wirtschaftliche Zukunft der Region gegeben. Wenn in den nächsten Tagen auch das Land seine Zustimmung erteilt, ist der Weg frei. Dann können wir noch in diesem Jahr die Flächen ankaufen, auf dem das Industrieareal newPark entstehen wird“. Mit diesen Worten fasst der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Klaus Bussfeld die heutigen Beschlüsse von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der newPark GmbH zusammen.
Beide Gremien haben dem Ankauf der 503 ha großen Flächen durch die newPark GmbH zugestimmt. Finanziert werden soll der Grunderwerb durch einen Kredit. Voraussetzung für den Ankauf ist jetzt nur noch, dass auch die nordrhein-westfälische Landesregierung ihre abschließende Zustimmung zu dem unterschriftsreifen Modell einer 100%-Landesbürgschaft gibt. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat vor einigen Tagen in einem Interview mit dem Wirtschaftsspiegel der IHK Nord Westfalen bereits signalisiert, dass das Land die Region durch Flächensicherung unterstützt.
Die Unterzeichnung des Kaufvertrags muss noch in diesem Jahr erfolgen, da das notarielle Kaufpreisangebot zum 31.12.2011 ausläuft. Durch den Erwerb wird die newPark GmbH zu einem der größten Grundstückseigentümer in Datteln und Waltrop"

Quelle: newPark-News

UPDATE 12|2011
: Newpark muss warten | DerWesten
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