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Alt 08.09.17, 11:45   #16
Braunschweiger
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Braunschweiger ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Womöglich waren alle Entwürfe nicht herausragend. Der 2. Platz ist nochmal dramatisch langweiliger und völlig deplatziert für unsere Altstsadt.Der würde nur in eine moderne Retortenstadt passen.

Wie könnte denn jetzt vorgegangen werden mit dem ersten Entwurf von Welp von Klitzing?

Davon ist auch nicht alles schlecht. Aber:
- Es sollte der Bezug zur Umgebung geschaffen werden - Fachwerkhäusern, Gründerzeithäuser.Das wird mit schlichten, bunkerartigen Würfeln samt Flachdächern nicht vereinbar sein - auch wenn es in der Architektur gerade Trend ist. Dieser Trend wird in 10 Jahren wieder vorbei sein und was kommt dann...

-Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus Schuhstraße muss erhalten bleiben
.
-Teilüberdachungen schaffen, z.B. luftige Segel, damit die neue 'Gasse' auch bei schlechtem Wetter ankommt.

Es geht schließlich um unsere Altstadt, die auch noch für unsere nächsten Generationen ansprechend sein soll. Außerdem haben wir immer noch genügend Schandflecken, die kriegsbedingt in der Altstadt sind (Bohlweg, Ecke Neue Straße etc.).
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Alt 08.09.17, 13:56   #17
Architektenkind
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Architektenkind sitzt schon auf dem ersten Ast
Ich schließe mich den Vorschlägen von Ted Mosby und Schmittchen an, es ausgehend von dem Siegerentwurf mit einer Annäherung an historische Bautypen zu versuchen. Damit meine ich explizit keine Rekonstruktionen (bzw. Fake-Rekonstruktionen, denn an dieser Stelle war historisch keine Straße), sondern moderne Interpretationen. Ein Dachgeschoss mir Erkern oder ein Giebel können da schon Wunder wirken.

Dass so etwas umgesetzt wird, halte ich für wünschenswert, aber für unwahrscheinlich – genau wie den Erhalt des Schuhstraßen-Eingangs in seiner jetzigen Form. Beides würde Kosten verursachen bzw. Gewinnaussichten schmälern und liegt deshalb nicht im Interesse des Investors (der bekanntlich großen Einfluss auf politische Entscheidungen hat, weil an seiner Entscheidung für oder wider den Standort eine Menge Gewerbesteuern hängen). Dennoch sollte die Stadt den Investor in dieser Richtung unter Druck setzen, auch da schließe ich mich Ted Mosby an. Und öffentliche Kritik in dieser Richtung kann nur helfen.

Zitat:
Zitat von Ted Mosby Beitrag anzeigen
Auch die Meinung der Leser von News38 fällt unmissverständlich aus. Die ablehnenden Stimmen sind eindeutig in der Mehrheit. Hier geht es zum Artikel: https://www.news38.de/braunschweig/a...rnichtend.html
Ich finde, dieser Artikel ist eine Unverschämtheit. Schon die Überschrift ("Euer Urteil ist eindeutig") ist distanzlos, ranschmeißerisch und außerdem falsch: im Text kommen auch Gegenstimmen zu Wort, also ist "unser" Urteil wohl doch mehrdeutig. (Ursprünglich lautete die Überschrift, wie der URL noch zu entnehmen ist, sogar "Euer Urteil ist vernichtend", aber das war wohl selbst "News38" zu reißerisch)

Dann scheint kaum eine der zitierten Stimmen begriffen zu haben, was eigentlich Thema ist. Z.B. wird unterstellt, es gehe um 90 Mio. Euro aus dem Stadthaushalt statt um Investorengeld – was die Verfasser unwidersprochen stehen lassen. Ja, die Behauptung, das Ganze sei "teuer" (für wen denn?), wird sogar in diese dämliche Entweder-oder-Umfrage übernommen. Sorry, aber bei dieser indifferenten Form von "Content"-Journalismus werde ich aggressiv. War mal vom Fach und hätte mir nicht einmal als Praktikant erlaubt, eine derart manipulative Sülze zu veröffentlichen.

P.S.: Ich habe übrigens den Eindruck, die Reaktion auf jedes größere Städtebau-Vorhaben fällt seit Jahren erst einmal "vernichtend" bzw. "eindeutig" aus, und zwar relativ unabhängig von Charakter und Qualität eines Projektes: Der wutbürgerlich gesenkte Daumen überwiegt immer. Sollte man an anderer Stelle vielleicht einmal grundsätzlich diskutieren, woran das liegt.
__________________
"Gute Ansichten sind wertlos. Es kommt darauf an, wer sie hat." Karl Kraus
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Alt 08.09.17, 14:36   #18
Braunschweiger
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Braunschweiger ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Ich denke nicht, dass es in diesem Fall mit Wutbürgern zu tun hat. Erstmal ist es begrüßenswert, dass ein Investor so viel Geld in die Hand nimmt und ein ganzes Areal verändern will - da ist nur die Frage wie?

Wie wir jetzt schon mehrfach angesprochen haben, ist es ein Entwurf und dieser kann verändert werden? Die Architekten Welp von Klitzing müssen eben nur mehr auf die Interessen und Wünsche der Bürger/innen eingehen und ein offenes Ohr zeigen.
Die Stadt und die Bürger/innen müssen ebenso Druck ausüben.
Vorschläge s.o.

Dann wird es am Ende auch ein geglücktes Projekt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger und für unsere Innenstadt, und nicht nur im günstigsten Interesse des Investors und in der Auslebung von persönlichen Ideen/ Trends des Architekturbüros.
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Alt 08.09.17, 15:29   #19
Ted Mosby
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Ted Mosby ist ein geschätzer MenschTed Mosby ist ein geschätzer MenschTed Mosby ist ein geschätzer MenschTed Mosby ist ein geschätzer Mensch
^^

Dass „News38“ nicht „Die Zeit“ ist, sollte klar sein. Ebenso, dass viele Menschen heutzutage ihre Meinung online kundtun, bevor Sie nachdenken oder sich informieren. Die Unkenntnis, von der zahlreiche Kommentare, auch in der Online Ausgabe der „Braunschweiger Zeitung“, zeugen, kann aber auch darauf zurückgeführt werden, dass die Informationspolitik der Stadt eindeutig Defizite aufweist. Mehr Bürgerbeteiligung wäre hier absolut wünschenswert und notwendig. Schließlich geht es nicht um irgendein x-beliebiges Investorenprojekt, sondern um eine umfangreiche Baumaßnahme im historischen Herz der Stadt.

Wenn im Vorfeld die Bedeutung des Denkmalschutzes hervorgehoben wird, um dann einen Entwurf zu präsentieren, der den Komplettabriss eines denkmalgeschützten Gebäudes vorsieht, kann das auch zu einem Vertrauensverlust führen. Dass dieser Aspekt von der „Braunschweiger Zeitung“ bislang offenbar überhaupt nicht aufgegriffen wurde, finde ich persönlich fragwürdiger als den o. g. Artikel zur Online-Umfrage.

Braunschweig hat im Zweiten Weltkrieg und den Jahrzehnten danach sehr viel historische Bausubstanz verloren. So viel, dass ich es für bedenklich halte, mit den verbliebenen Resten im Jahr 2017 derart leichtfertig umzugehen.

Wie gesagt, ich kann der Grundidee, die Passage durch eine Gasse zu ersetzen, sehr viel abgewinnen. Doch auch gute Ideen können leider schlecht umgesetzt werden. Damit das nicht passiert, ist es notwendig eine Diskussion in Gang zu setzen - und zwar bevor Fakten geschaffen werden.

Geändert von Ted Mosby (08.09.17 um 16:47 Uhr)
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Alt 08.09.17, 16:14   #20
Ted Mosby
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Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Der wutbürgerlich gesenkte Daumen überwiegt immer. Sollte man an anderer Stelle vielleicht einmal grundsätzlich diskutieren, woran das liegt.
Das wäre tatsächlich einmal einen eigenen Thread wert, denn ich denke, dass sich dieser Eindruck empirisch untermauern lässt. Dabei sind Infrastruktur-Projekte vermutlich noch stärker betroffen als Städtebau-Vorhaben.

Ohne zu sehr vom Thema hier abzuweichen, würde ich mal thesenhaft in den Raum werfen:

1.) Es gibt eine Angst vor Veränderungen, die von einer (kultur-)pessimistischen Grundstimmung zeugt. Vielen Menschen geht es gut, doch befürchten sie, dass sich das ändern kann. Änderung wird mit Verschlechterung gleichgesetzt.

Gegen irrationale Ängste kann man rational kaum argumentieren. Hier hilft wohl tatsächlich nur eine umfangreiche, transparente Informationspolitik, zu der es gehört, die Befürchtungen der Menschen anzuhören, so absurd sie manchmal auch sein mögen. Diese Befürchtungen müssen aber auch ernst genommen werden.

Um auf das Projekt der Burggasse zurückzukommen: Wenn Stadtbaurat Leuer in der Verlautbarung der Stadt sagt, an den Eingangsbereichen werde von den Architekten noch im Detail weitergearbeitet und die in der Folge gefundenen Vorzugslösungen müssten dann auch mit den Denkmalbehörden des Landes abgestimmt werden, so klingt das nicht nach einem offenen Prozess, der eine irgendwie geartete Bürgerbeteiligung vorsieht.

2.) Mehr Meinungsfreiheit und Möglichkeiten zur medialen Verbreitung: Im Gegensatz zu früheren Generationen sind die Menschen es gewohnt, ihre Meinung frei zu äußern, und dank Internet & Social Media können sie dies hierzulande auch jederzeit tun. Das, was man früher als Stammtischgerede bezeichnete, findet heute viel öffentlicher auf Facebook statt. Dies führt auch dazu, dass es leichter wird, Gleichgesinnte zu identifizieren und vereinfacht, um es einmal grob kommunikationstheoretisch zu formulieren, das Durchbrechen der „Schweigespirale“.

Dies kann man aktuell leider auch am Beispiel von Verschwörungstheorien beobachten. Grundsätzlich ist der Prozess im demokratischen Sinne jedoch begrüßenswert. Klar ist aber auch: Im kaiserlichen Berlin dürfte es wesentlich einfacher gewesen sein, den Bau einer U-Bahnstrecke oder eines neuen Stadtviertels durchzusetzen als heute.

Schwieriger wird es dann, das grundsätzliche Verhältnis von Demokratie und Architektur zu bestimmen. Viele architektonische und städtebauliche Leistungen, die wir heute bewundern, sind eben nicht unter demokratischen Bedingungen entstanden und wären heute auch gar nicht mehr umsetzbar. Auch das Selbstverständnis der Architektur wäre ein wichtiger Aspekt: Ist Architektur Kunst? Kann Kunst „demokratisch“ sein?

Das ist ein ungeheuer spannendes Thema, wäre hier aber dann doch absolut off-topic.
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Alt 08.09.17, 16:48   #21
Ted Mosby
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Um auf den Siegerentwurf zurückzukommen. In der Verlautbarung der Stadt habe ich noch diesen Satz gefunden:

„Da die Gebäudeeinheiten nicht Altstadt simulieren oder historisierend wirken, sondern den Maßstab der Innenstadtbebauung und typische Fassadenelemente der Umgebung aufgreifen und interpretieren, entsteht ein zeitgemäßes Ambiente.“

Welche typischen Fassadenelemente der Umgebung sind hier denn bitteschön gemeint? Wer definiert ein zeitgemäßes Ambiente?

Wäre es nicht Sache der Stadt und ihrer Bürger, darüber zu diskutieren, an welchen städtebaulichen Leitbildern man sich an dieser Stelle orientieren sollte?
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Alt 08.09.17, 17:29   #22
Ted Mosby
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Die ersten Stimmen aus den Ratsfraktionen sehen den Entwurf überwiegend positiv, wie regionalbraunschweig.de berichtet: http://regionalbraunschweig.de/ratsf...egend-positiv/
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Alt 08.09.17, 21:29   #23
Ted Mosby
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Ackerhof-Portal als Tor zur Burggasse?

Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier Selbstgespräche führe (wie unschwer zu bemerken ist, lässt mir die Sache keine Ruhe) möchte ich doch in Ergänzung meiner Kompromissvorschläge in Post #12 noch einen Gedanken loswerden.

Gesetzt den Fall, der Abriss des Gebäudes in der Schuhstraße ließe sich nicht mehr verhindern, wäre m. E. noch eine Option gegeben, wie die nördliche Eingangssituation zur „Burggasse“ verbessert werden könnte.

Es ist bloß eine Idee, und ich weiß nicht, ob sie sich räumlich umsetzen ließe, weil mir das Datenmaterial dazu fehlt (vielleicht könnte Dvorak hier Abhilfe schaffen, falls er mitlesen sollte): Wäre es nicht eine Option, an dieser Stelle das Ackerhof-Portal wieder aufzubauen, über das wir hier vor Jahren bereits ausgiebig diskutiert haben?

Das spottet zwar den historischen Gegebenheiten, gleichwohl ist es in Braunschweig ja auch in der Vergangenheit nicht unüblich gewesen, historische Bauten zu versetzen.

Sollte das von den Maßen her passen, könnte man sprichwörtlich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Portal würde anstelle der jetzt vorgesehenen Baulücke eine großzügige Eingangssituation zur neuen Gasse schaffen, also die derzeit beabsichtigte Wunde im Straßenzug vermeiden, sowie eine attraktive Sichtbeziehung aus Richtung Norden (Ringerbrunnen) herstellen - und zugleich könnte die Stadt ggf. den Investor an den Kosten der Wiedererrichtung beteiligen. Der hätte im Gegenzug ein Aushängeschild für seine Shopping-Meile.

Ist nur eine Idee, doch was meint ihr?

P.S.: Wie einem heutigen Artikel der "Braunschweiger Zeitung" zu entnehmen ist, befindet sich das Gebäude der Buchhandlung Pfankuch nicht im Besitz der Investoren. Die Gestaltung hier ist also noch völlig offen. Das führt mich zu der Frage, wie es sich mit den Nachbarbauten des zum Abriss vorgesehenen Hauses in der Schuhstraße verhält. In der Visualisierung sind hier großzügige (Schau-)Fensterflächen vorgesehen. Ist das zwingend, oder werden da am Ende womöglich nur verkleidete Brandmauern stehen?
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Alt 08.09.17, 23:08   #24
Braunschweiger
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Braunschweiger ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Da sieht man mal, wie leichtfertig unsere politischen Vertreter mit diesem doch sehr sensiblen Bereich in der Innenstadt umgehen.

Ted, deine Kritik an der Braunschweiger Zeitung und den städtischen Vertretern ist berechtigt. Auch die Braunschweiger Zeitung sollte auf den Bürgerwillen eingehen und darüber berichten/diskutieren.

Wie agiert also unser Denkmalschutz (wenn man doch alles machen kann, was man möchte) und was ist uns unsere Geschichte wert?

Jetzt sind auch deutliche Unterschiede zu Großbritannien erkennbar.

Dort darf an denkmalgeschützten Gebäuden im Wesentlichen nichts verändert werden und es gibt klare Register, die diese Gebäude in Gruppen einteilen.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft auch die Umgebung der geschützten Gebäude; so müssen Nachbargebäude einen ähnlichen Stil haben und starke Auflagen erfüllen. Somit kann es auch niemals zu einem Stilbruch kommen.

Die Starke Durchfräsung Hutfiltern wäre demnach unmöglich, der Abriss des geschützten Fachwerkgebäudes Schuhstraße verboten/strafbar und die hinteren Gebäude müssten sich dem Stil der Gebäude Schuhstraße /Hutfiltern anpassen.
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Alt 21.09.17, 16:08   #25
GreenLion
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GreenLion hat die ersten Äste schon erklommen...
Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
in Braunschweig soll eine moderne Bebauung eine andere moderne Bebauung ablösen - auf einem Gelände, das nie etwas anderes war als eine Hinterhoflage.
Das stimmt so auch nicht.. Das Gelände war mal mehr, da befand sich die mittelalterliche Bebauung des Stifts St. Ägidien mit Maria-Magdalenen-Kapelle zugänglich über die kleine Burg..
Abgerissen für's Pressehaus..
Die Braunschweiger Zeitung ist seitdem einige Male umgezogen..., das mittelalterliche Kulturerbe bleibt seitdem trotzdem unwiederbringlich zerstört.

Und jetzt opfert man halt noch "ein wenig" mehr... bis überhaupt nichts mehr da ist.. Schließlich kann man es den neuen Bewohnern und den Kunden nicht zumuten unter denkmalgeschützten Häusern durchzugehen...
Wir haben ja schließlich seit den Bombardierungen noch ganz viel mittelalterliche Bebauung über, da kommt es auf die paar Häuser ja auch nicht mehr an.. Diese neuen identitätslosen Häuser (die so in jeder anderen Stadt auch stehen würden) sind ja umso wichtiger als das kulturhistorische Erbe Braunschweigs..

Ich denke, es war schon damals ein gut abgewägter Kompromiss als man die Durchgänge zur Burgpassage schuf, und jetzt geht man halt noch paar radikale Schritte weiter.. Und sowas gilt eigentlich verhindert..

Geändert von GreenLion (21.09.17 um 16:26 Uhr)
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Alt 22.09.17, 11:31   #26
Architektenkind
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^ Unbestritten war der Krieg ein fürchterlicher Einschnitt in die Stadtgeschichte, und auch danach ist noch viel zerstört worden, was man hätte erhalten können. Auch habe ich bereits geschrieben, dass ich gegen den Abriss in der Schuhstraße bin. Trotzdem ist Deine These irreführend, wonach man auch heute noch sukzessive abreiße, bis nichts mehr übrig sei, und dabei einzigartige Braunschweiger Architektur ständig durch "identitätslose Häuser" ersetze. Das ist, mit Verlaub, wohlfeiler Kulturpessimismus - man bekommt schnell Applaus dafür, ohne allzu viel begründen zu müssen. Ich versuche es mal mit ein paar Gegenargumenten:

1. Im Gegensatz zu Deinem Argument vom langsamen Verschwinden jeglicher historischer Substanz wurde in Braunschweig seit Ende der Achtziger einiges (teil-)rekonstruiert, was bereits weg war: Das Landschaftliche Haus am Eiermarkt, mehrere historische Fassaden des Kohlmarkts, die Schlossfassaden, im Krieg ruinierte Gründerzeithäuser, etc. Zumindest innerhalb des Umflutgrabens ist heute mehr historisch anmutende Bausubstanz zu sehen als vor 30 Jahren.

2. Dass das industrialisierte Bauen der letzten hundert Jahre viel Verwechselbares hervorbringt, ist leider wahr. Falsch ist die Gegenthese, vor 400 Jahren wäre jedes Gebäude der unverwechselbare Ausdruck einer einzigartigen (in diesem Falle Braunschweiger) Stadtkultur gewesen. Das trifft auf Repräsentationsbauten wie das Gewandhaus oder das Altstadt-Rathaus sicher zu - Häuser wie das bedrohte in der Schuhstraße entsprechen aber einem Typus, wie er in dessen Entstehungszeit in ganz Norddeutschland verbreitet war. Noch heute findet man dutzende Exemplare davon in zahlreichen Städten.

3. In der Burgpassage geht es - mit Ausnahme eines einzigen Gebäudes - darum, modernes Bauen der 1980er- durch modernes Bauen der 2010er-Jahre zu ersetzen. Beides ist in gewisser Weise verwechselbar, das stimmt, aber die neue Variante scheint sich mir doch deutlich stärker an den Charakter einer Altstadtgasse mit Windungen und kleinen Plätzchen anzulehnen als die bestehende Passage. Will man den vorliegenden Entwurf fair beurteilen und kritisieren, gehört dieser Umstand dazu. Sonst erweckt man den Eindruck, hier solle Häuserzeilen-Weise historische Bausubstanz durch Stahlbeton ersetzt werden. Und das ist einfach falsch.
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Geändert von Architektenkind (22.09.17 um 14:46 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur
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Alt Gestern, 01:50   #27
Braunschweiger
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Ich verweise nochmal darauf, dass das Fachwerkgebäude Eingang Schuhstraße unter Denkmalschutz steht und nicht abgerissen werden darf.
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Alt Gestern, 09:04   #28
Architektenkind
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^ Ist das irgendwie als Kommentar zu meinem Beitrag gemeint, oder wolltest Du das nur mal so einwerfen? Im Übrigen ist Denkmalschutz immer nur relativ, nicht absolut – wenn die Stadt den Entwurf haben will, wie er ist, denn wird sie den Weg dahin freimachen.
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Alt Gestern, 13:02   #29
Braunschweiger
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Dann bräuchten wir auch keinen Denkmalschutz mehr, die Stadt/Investor würden Gesetze brechen bzw. sich sogar strafbar machen und geltendes Recht würde ausgehölt. Was sollen denn da die Bürgerinnen und Bürger denken?

Wir sollten uns alle mal in das Denkmalschutzrecht genau einlesen..!
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