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Alt 18.10.17, 19:49   #4471
lguenth1
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lguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphärelguenth1 sorgt für eine nette Atmosphäre
Wegen der Diskussion zur Sanierungsqualität sollte ich vielleicht noch eine Klarstellung einwerfen, weil mehrfach angedeutet wurde, dass man trotz Denkmalschutz im Inneren der Gebäude wohl freie Hand hätte. Dies ist nicht der Fall, wie man der Seite des Landesamtes für Denkmalpflege entnehmen kann:

Zitat:
Grundsätzlich erstreckt sich die Denkmaleigenschaft auf Substanz und Erscheinungsbild insgesamt, auch des Inneren. Abweichendes gilt nur, wenn ausdrücklich nur Teile geschützt sind (z. B. nur die Fassade).
Da das Denkmalschutzgesetz ein relativ zahnloser Tiger ist, muss das natürlich noch nicht allzu viel heißen.
__________________
D-A-F Projektkarte Chemnitz
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Alt 19.10.17, 21:04   #4472
LEonline
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LEonline ist im DAF berühmtLEonline ist im DAF berühmt
Die GutsMuthsstraße 39 wurde einer Zweitsanierung unterzogen:



vorher:

https://www.google.de/maps/@51.33197...7i13312!8i6656

Rückmarsdorfer Str. 1 vorher:



und nachher bei nervigem Gegenlicht:




Eigene Bilder
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Alt 20.10.17, 23:50   #4473
Leonidas
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Leonidas befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Scharnhorststraße 2

Zitat:
Zitat von Cowboy Beitrag anzeigen
Was die Scharnhorststraße 2 angeht, hoffe ich, dass sie sehr hochwertig saniert wird. Ich glaube zu wissen, dass auch innen noch viel Originales erhalten ist. Aber so langsam verfällt das Gebäude zusehends. Fotos von diesem Gebäude gab es zuletzt im März hier.
Ja, das stimmt. Das Treppenhaus ist im originalen Zustand mit Fenstern in die Wohnungen, Jugendstiel Wohnungstüren sowie originaler Bemalung mit Rosenmotiv und auch die kompletten Wohnungsausstattungen. Mit Oberlichtern über den Flügeltüren mit original Türklinken und Schlüsseln. Die Decken sind fast 5 Meter hoch und haben Kassetten aus Stuck es gibt noch die originalen Parkettböden in den Zimmern zur Straße und Dielen in Küche und Bad.

Die Grundrisse sind auch im Original erhalten. Es gibt pro Etage zwei Wohnungen mit einer Größe um die 130/150 m² und 4-5 Räumen. Das bedeutet, dass eher WGs dort wohnten und wohnen. Außerdem ist der Standard mit Ofenheizung und Boilern auch eher der des Jugendstils und dementsprechend günstig, was die Mietpreise betrifft.

Die unteren Wohnungen scheinen jetzt leer zu sein. Da waren vorher eher StudentenWGs drin. Dort scheint sich auch etwas zu tun. (wie wir gelesen haben) Die oberen Wohnungen sowie das Atelier sind schon über mehre Jahre von denselben Mietern bewohnt. (Das Atelier wurde übrigens für Bruno Héroux (Maler, Grafiker, Schrift- und Exlibriskünstler) von Wünschmann geplant und gebaut).

Das Haus gehört zur Zeit einer Erbengemeinschaft in den alten Bundesländern. Mehrere Eigentümer haben auch unterschiedliche Meinungen und das verzögert, so könnte ich mir vorstellen, auch einige Entscheidungsfindungen. Das kann Vorteile haben: Das Haus hat die brutalen Sanierungen in den 90er und Nuller Jahren überstanden, aber auch Nachteile: die Bausubstanz wird dadurch auch nicht besser.

Aber einen entscheidenden Vorteil hat das Haus, es war immer bewohnt und dadurch auch gegen den Zerfall geschützt. Ich denke wenn Altbaufan da mal in einer Wohnung stehen würde, wäre es für ihn das reinste Paradies.

Ich kann mir vorstellen, dass der Denkmalschutz, nicht nur wegen des prominenten Architekten, ein besonderes Augenmerk auf dieses Haus haben wird. Es ist heute ja schon eine Rarität ein Haus in Leipzig zu finden mit diesem originalen Innenleben.

Für mich ist und bleibt es im aktuellen Zustand das letzte verwunschene Haus auf der August-Bebel-Straße. Denn da sieht mal wie würdevoll ein Haus altern kann. Es braucht einen starken Charakter, sich gegen die gelifteten Nachbarn zu behaupten.
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Alt 21.10.17, 00:36   #4474
Leonidas
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Leonidas befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Zitat:
Zitat von Altbaufan_ Beitrag anzeigen
^^
Ich suche in Hinterhofbutzen auch nicht nach erhaltenswertem . Mir ging es schon um die klassischen Altbauten direkt an den Hauptstraßen und Seitenstraßen, egal ob Gohlis, SüVo oder Schleußig.

Es gibt bei den alltbekannten Bauträgern auch Bilder von vorher/hinterher, da waren Beispiele dabei, wo Stuck vorher da war und hinterher wegsaniert, Decken abgehängt, alte Türen durch Baumarkt-Imitation ersetzt. Sowas fällt vermutlich nicht nur in meiner Auffassung unter Kaputtsanierung, egal was Cowboy davon hält und ob der Denkmalschutz vor 30 Jahren noch nicht da war oder sich auf die Hülle + Treppenhaus beschränkt . Wenn man es überspitzen will, ist es genauso wie am Dresdner Neumarkt - DisneyLand - alte Fassade mit neuem Innenleben und das ist mE nicht Sinn und Zweck von "erhalten und erneuern". Behutsame Sanierungen gehen auch mit mehr Erhalt, aber vielleicht schrumpft dann die Rendite. Während ich Parkett statt Dielen noch nachvollziehen kann, hört der Spaß beim entfernen der originalen Türen (kann man aufarbeiten), Stuck oder deutlich abgehängten Decken auf tlw. gerade so 2,50 m auf, ebenso wie bei der tlw. 100%igen Grundrissänderung.
Ansonsten stimme ich northor zu, ich sehe das sehr ähnlich.
Für die Fassade und das Treppenhaus gibt es verschiedene Förderungen und diverse Abschreibungen. Beim Innenleben der Wohnungen sieht es da anders aus. Deswegen werden die Treppenhäuser und Fassaden immer so toll saniert und die Wohnungen eher weniger.

In den 90er Jahren war das leider Gang und Gebe und viele Häuser hätten es auch nicht überlebt ohne schnelles Handeln. Deswegen war es möglich, dass soviel Innenleben einfach rausgerissen und vernichtet wurde. Auch war der Geschmack anders. Aber das hatten wir ja schon.

Es ist auch schwierig, da die Wohnungen Sondereigentum sind, den Eigentümern dort Auflagen zu erteilen. Jeder will etwas anderes und der eine mag Stuck der andere eher nicht usw.

Außerdem ist es doch so, dass die wenigsten Eigentümer in den Wohnungen selber wohnen. Da ist es einfacher und billiger einen Schaden durch Mieter in einer 0815 Tür zu ersetzen, als eine Gründerzeit reparieren zu lassen. Da trifft Kapitalismus auf Idealismus.

Es ist natürlich schade, aber leider läuft es so auf dem Wohnungsmarkt. Fassade und Treppenhaus sind Gemeinschaftseigentum, da bestimmen mehrere Eigentümer über die Sanierungsmaßnahmen.

Aber ich verstehe, was uns Altbaufan sagen will. Die Seele wird dem Haus genommen.

Und meist werden die Wohnungen vom Bauträger in der Planungsphase an die Interessenten verkauft, die dann das nehmen, was dieser Ihnen anbietet und verspricht. Da, wie schon oben erwähnt, die meisten nicht selbst dort wohnen wollen, ist Ihnen nur wichtig was kann dort für Miete verlangt werden. Und da bringt die Fußbodenheizung locker 30 Cent pro m² mehr als die normale. Ebenso ein Gäste WC oder auch der Handtuchtrockenheizkörper ( 25 Cent pro m²) und so kommen dann noch die Spots dazu und weil die Nebenkosten nicht die potentiellen Mieter abschrecken sollen, wird die Decke eben abgehängt.

Und so stehen dann die Wohnungen im Kontrast mit dem Rest des Hauses.
Bei den Grundrissen ist es leider häufiger in den 90er und 2000er Jahren zu den Verkleinerungen auf 2 Raumwohnungen gekommen, weil der Markt nicht für die großen Wohnungen da war.

Jetzt fehlten 3 und 4 Zimmerwohnungen, weil plötzlich und unerwartet die Familien da sind, die in der Stadt leben wollen und nicht am Rand auf der grünen Wiese im Eigenheim. Das sind die Singles und Paare aus den 2 Raumwohnungen der 90er, die jetzt Nachwuchs haben und kaum eine bezahlbare passende Wohnung in der Stadt finden. Aber das konnte sich vor 15 bis 20 Jahren keiner vorstellen. Auch verkauften sich kleine Wohnungen besser, weil diese billiger waren.

Aber ein Umdenken findet ja schon statt.
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Alt 22.10.17, 21:47   #4475
Altbaufan_
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Zentrum-Nord
Delitzscher Straße 5
... war bis 2016 noch bewohnt.


Rückseite schon etwas länger eingerüstet:


Löhrstraße 10
Fassadensanierung


Sprung ins Zentrum-NordWest
Hinrichsenstraße 46
Fassadensanierung


Friedrich-Ebert-Straße 116
Zweitsanierung (Sitz der LION Holdig)


Fregestr 1 - 3
Mind. eine WE in der Nr. 1 ist noch bewohnt, auch wenn es nicht danach aussieht. Seit 2014 hat sich hier nichts getan. Eigentümer war damals GRK (= Instone).


Hintergründe dazu


Zentrum-West

Max-Beckmann-Straße 10 vor Sanierung
...war bis 2016 bewohnt und alles andere als unbewohnbar:

Fotos von innen:
Link zum Projekt der GGH/DGG

Max-Beckmann-Straße 11 (vorn) u. Nr. 9 dahinter
Die 11 unsaniert, aber bewohnt


Kolonnadenstraße 9, 7, 5
Nr. 9 wird von GRK im Erstbezug angeboten via Immoscout.


Kolonnadenstraße 15-21


Der Bereich Kolonnadenstraße ist trotz der citynahen Lage noch von vielen einfachen Sanierungen geprägt. Das wird wohl nicht mehr lange so bleiben, da auch die Plattenbauten sicher irgendwann saniert werden und sich mit DGG und GRK nun die ersten Bauträger dort hochwertigen Wohnraum schaffen. Ob GRK hier nur fremd verwaltet, lässt sich leider nicht herausbekommen.

(eigene Aufnahmen Okt. 2017)
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Alt Gestern, 23:19   #4476
Altbaufan_
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Altbauten von innen ->

Um noch mal an das Thema anzuknüpfen... anbei ein Beispiel aus dem Täubchenweg 2, wie es mit maximalem Erhalt auch zu Wohnraum fürs 21. Jh. kommen kann:
- Stuck erhalten
- Decken nicht abgehängt
- Räume, soweit erkennbar, nicht verändert (habe Vorher-Aufnahmen gesehen)
- Türen original aufgearbeitet
Nur die Dielen sind durch Parkett ersetzt, aber das ist heute halt Standard. Ansonsten ist der Charakter des Altbaus hier wesentlich besser erhalten.

(Link verfällt, sobald vermietet)
https://www.immobilienscout24.de/expose/100208979
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