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Alt 08.05.08, 14:25   #31
Westropolis
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Westropolis ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Das nenn ich mal eine tolle Moschee die sich mit den Backsteinen auch an die Region anpasst. Einzig das Minerett wirk etwas deplaziert, ein wenig kleiner und auch in Backsteirot würde es vielleicht besser rüberkommen.
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Alt 08.05.08, 21:55   #32
Philip
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Philip könnte bald berühmt werdenPhilip könnte bald berühmt werden
Finde auch, dass die Fassade ganz ok ist. Nur das Minaret ist für seine höhe definitiv zu dünn.
Es hätte entweder einen größeren Durchmesser haben, oder kleinser sein müssen.
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Alt 14.05.08, 16:45   #33
Fabio
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Bauten am Essener Markt

Der Marktplatz liegt im Schnittpunkt zweier historischer Fernstraßen: dem Hellweg (West-Ost—Verbindung) und der Kölnischen Straße (Strata Coloniensis).


Grafik: Fabio


1043 Marktkirche
Siehe #21


Foto: Fabio


1885 Altes Rathaus (Peter Zindel)
Vor dem heutigen Hochhaus-Bau des Rathauses von 1979 am Porscheplatz befand sich das Essener Rathaus immer an der Südseite des Marktes gegenüber der Marktkirche. Das neu-gotische Rathaus von 1878 - 1885 nach einem Entwurf von Peter Zindel wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, der Turm und Teile der Fassade blieben zunächst erhalten.
1964 wurde das Rathaus abgerissen und anschließend der Bau des Kaufhauses Wertheim erstellt.
1987 wurde das Wertheim-Gebäude durch das heutige Geschäftshaus ersetzt.
Foto & Fotomontage: Fabio


1914 Schürmann-Haus (Oskar Schwer)
Das Einrichtungshaus Schürmann an der Kettwiger Str. 44 (1934 - 1994 Kaufhaus Hettlage, seitdem Appelrath u. Cüpper) wurde 1913 - 1914 nach einem Entwurf von Oskar Schwer erbaut (Baudenkmal Schürmann-Haus)


Foto: Fabio
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Alt 01.06.08, 19:23   #34
Fabio
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Bauten am Burgplatz und Kardinal-Hengsbach-Platz


Grafik: Fabio

Burgplatz
Der Burgplatz (Google Maps) ist der Ursprungsort der Stadt Essen mit einer über 1100-jährigen Geschichte.Essener Dom (Essener Münster)
Am Burgplatz befindet sich der Essener Dom, ehemals Münsterkirche, heute Kathedralkirche des 1958 gegründeten Ruhrbistums. Das Atrium verbindet die im Westen vorgelagerte Anbetungskirche St. Johann Baptist mit dem Westbau des Münsters aus ottonischer Zeit (um 1000). Die Münsterkirche und wenige Teile der Marktkirche sind die ältesten Bauwerke in der Essener Innenstadt. Altfrid, der spätere Bischof von Hildesheim, gründete die religiöse Frauengemeinschaft Essen um 845. Das Frauenstift bestand bis 1803. Das Münster wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und wieder aufgebaut. Der Essener Domschatz ist eine der bedeutendsten Sammlungen kirchlicher Kunstwerke in Deutschland (Goldene Madonna um 1000).Blick auf die Münsterkirche aus der 5. Etage der VHS:


Denkmal des Stiftgründers Altfrid vor der Münsterkirche:


Westbau des Münsters aus ottonischer Zeit:


Burgplatz mit Johanniskirche und Münsterkirche:


Johanniskirche:


Brunnen der Gründungsbistümer:

Alle Bilder: Fabio


1898 Reiterdenkmal Wilhelm I. (Hermann Volz)
Das Bronze-Reiterdenkmal für Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) von Hermann Volz (1847-1941) wurde am 23.10.1898 enthüllt. Bis 1928 stand es in der Mitte des Burgplatzes. Geschichte
Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) war seit 1861 König von Preußen und nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871 wurde er 1871 Deutscher Kaiser. Der Sieg über die bis dahin für überlegen gehaltenen Französischen Truppen durch Moltke gelang vor allem durch die doppelte Reichweite der Kruppschen Stahlkanonen im Vergleich zu den französischen Bronzekanonen. Alfred Krupp (1812-1887) trug so zur Gründung des Kaiserreiches bei und wurde als Kanonenkönig sehr reich. Kaiser Wilhelm I. besuchte Essen zuletzt im Jahr 1886.



Bild: Fabio


In den 1920er-Jahren wurde in einem ersten Architektur-Wettbewerb eine städtebauliche Konzeption gesucht, um den Burgplatz großstädtisch umzugestalten. Im Süden und Westen des Platzes entstanden danach die von Ernst Bode (1878-1944) entworfenen Großbauten mit Fassaden in Muschelkalk-Werkstein.

1924-1925 Blum-Haus (Ernst Bode, Städtisches Hochbauamt)
Das Blum-Haus wurde 1924-1925 nach einem Entwurf von Ernst Bode (1878-1944) mit einer Fassade aus großen Muschelkalk-Rustika-Quadern errichtet. Im Zusammenhang mit dem Bau entstand auch der Kurienplatz, heute Kardinal-Hengsbach-Platz. 1989 wurde das Gebäude entkernt und für das Textilhaus Peek & Cloppenburg umgebaut. Geschichte
Auf dem Grundstück stand zuvor die Villa des Industriellen Friedrich Grillo (1825-1888), der die Lichtensteinische Kurie, ein ehemaliges Wohnhaus der Essener Stiftsdamen, umgebaut hatte. Der jüdische Kaufmann Gustav Blum (1879-1935) errichtete 1925 als privates Projekt das damals größte deutsche Textilkaufhaus mit 600 Mitarbeitern. 1938 zwangen die Nationalsozialisten seine Söhne, das Geschäft im Zuge der Arisierung unter Wert zu verkaufen. Von 1938 bis 1987 existierte dort das Kaufhaus Loosen.





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1926-1929 Baedeker-Haus (Ernst Bode, Städtisches Hochbauamt)
Unter Weiterführung der Fassade im Rustika-Stil des Blum-Hauses wurde 1926 bis 1929 das Baedeker-Haus nach Entwürfen von Ernst Bode (1878-1944) als einheitlicher Monumentalbau errichtet. Nach dem Krieg wurde das Gebäude wieder instand gesetzt.Geschichte
1817 erwarb Gottschalk Dietrich Baedeker (1778 - 1841) die ehemals dort stehende Harrach'sche Kurie, ein Wohnhaus der Essener Stiftsdamen, und führte dort die Druckerei und Buchhandlung der seit 1775 in Essen ansässigen Firma G.D. Baedeker weiter. Sein ältester Sohn Karl Baedeker (1801 - 1859) wurde Autor von Reiseführern, die lange Zeit in Essen gedruckt wurden.





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Die vier Fassadenplastiken von Josef Enseling (1886-1957) beziehen sich auf die Buchhandlung Baedeker. Die Skulpturen stellen Wissenschaft, Handel, Arbeit und Kunst dar.

Bild: Fabio



1928 Lichtburggebäude (Ernst Bode, Curt Bucerius)
Das Lichtburggebäude wurde 1928 als Büro- und Geschäftshaus mit Groß-Kino und Gastronomie nach Entwürfen von Ernst Bode (1878-1944) und Curt Bucerius im Stil der neuen Sachlichkeit der 1920er-Jahre erbaut. Die Lichtburg ist mit 1.250 Sitzplätzen einer der größten Filmpaläste Deutschlands. Hinter der aufrollbaren Leinwand befindet sich eine Bühne für Theater- und Kabarettveranstaltungen. Im Zweiten Weltkrieg wurde 1943 das Gebäude durch die Bombenangriffe beschädigt und der Zuschauerraum brannte völlig aus. Das Kino wurde 1948-50 wieder aufgebaut und avancierte in den 50er- und 60er-Jahren zum Filmpremierentheater. Dank eines Bürgerbegehrens blieb die Lichtburg erhalten und von 2002 bis 2003 erfolgte die Renovierung im Stil der 50er-Jahre.
Außenarchitektur: Architekt DWB Ernst Bode
Projektleitung: Architekten BDA Richard Heydkamp und Curt Bucerius
Innenarchitektur: Architekt Lothar Kaminski vom Büro Heydkamp & BuceriusGeschichte
1933/1934 wurde der jüdische Kino-Betreiber Karl Wolffsohn durch massiven Druck des Essener Gauleiters Josef Terboven zum Verkauf der Lichtburg weit unter Wert gezwungen.







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2002–2004 VHS - Volkshochschule(Hartmut Miksch, Wolfgang Rücker)
Nach einem Entwurf der Architekten Hartmut Miksch und Wolfgang Rücker wurde in den Jahren 2002 bis 2004 im Rahmen der Renovierung der Lichtburg das Gebäude um die neue VHS erweitert. Der Entwurf wurde im Jahr 2006 vom Ministerium für Bauen und Wohnen NRW und der Architektenkammer NW als vorbildliches Bauwerk in NRW ausgezeichnet. Ein Besuch der VHS lohnt sich auch wegen einer Fahrt mit dem gläsernen Aufzug und der damit verbundenen Aussicht.












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1952 - 1956 Burggymnasium (Horst Loy)
Die als Schulgebäude genutzte ehemalige Jesuitenresidenz wurde 1943 durch einen Bombenangriff völlig zerstört. Der Neubau für das Gymnasium erfolgte von 1952 bis 1956 nach Entwürfen des Architekten Horst Loy (Architekt des Museums Folkwang in Essen-Rüttenscheid). Der Bau umfasste die drei Bauabschnitte Klassentrakt, Turnhalle und Aula. Geschichte
Das Burggymnasium ist eine der ältesten Schulen Deutschlands, im Jahr 852 gab es dort eine Schule für adlige Damen. Carl Humann (1839 - 1896), der Entdecker des Pergamonaltars (Pergamonmuseum Berlin), war Schüler des Burggymnasiums.



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1955-1956 Bischofshaus (Emil Jung )
Das Bischofshaus wurde 1955-1956 nach Entwürfen von Emil Jung (1882-1964) zunächst als Pfarrhaus geplant und gebaut. Die Eingangstür und der goldene Engel wurden 1956 von Ewald Mataré (1887-1965) geschaffen. Mit Gründung des Ruhrbistums wurde das Gebäude Bischofshaus.


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Kardinal-Hengsbach-Platz (Kurienplatz)
Der Kurienplatz (Kurie = Wohnung einer Stiftsdame) entstand mit dem Bau des Blum-Hauses im Jahre 1928. Der Kurienplatz wurde 1994 nach Kardinal Franz Hengsbach (1910 – 1991, Gründerbischof des Ruhrbistums 1958 , Ruhrbischof – Kumpel Franz, Wikipedia) benannt.
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1980 C&A-Haus
C&A schenkte 1980 der Stadt die Brunnenanlage City-River zur Eröffnung ihres Neubaus.


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Denkmal Wachsames Hähnchen
Das Wachsame Hähnchen ist das Wahrzeichen der Essener Schützen. Es hatte einst die Essener Bürger nachts geweckt und somit vor einer Räuberbande gewarnt. Später setzten die Essener Schützen ihrem Wachsamen Hähnchen ein Denkmal, das Oberbürgermeister Reismann-Crone 1936 vergolden ließ.

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Alt 03.06.08, 15:04   #35
Turmbauer
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Turmbauer könnte bald berühmt werden
Sehr gute Arbeit @fabio, weiter so!

Die vielen schönen Bilder und dazugehörigen Geschichten zeigen mir, dass Essen nicht geschichtslos ist. Und es ist schon gar nicht, was vielfach behaupten wird, gesichtslos.

Es wäre schön, wenn wenigstens einige Gebäude, die in dieser Zeit entstanden sind, rekonstruiert werden könnten oder Häuser wie das Eick-Haus oder der heutige Kaufhof in ihren ursprünglichen Zustand zurück versetzt werden könnten, was meint Ihr?
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Alt 03.06.08, 16:46   #36
Wohnklotz
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Ja schöne Bilder, tolle Infos!

@Turmbauer
Selbstverständlich wären ein paar Rekonstruktionen wirklich älterer Gebäude toll. Alleine schon der Abwechslung halber.
Ausserdem sahen einige selbst im Ruhrgebiet wirklich interessant aus.
Teilrekonstruiert wird irgendwie bestenfalls im Stile der 50er - was sowieso der vorherrschende Baustil ist....wird man diesen Fluch irgendwann einmal los???

Ältere Komplettrekonstruktionen hält man sich für die Ost-Städte/Metropolen vor.
Weil die sich nie mit Bergbau die Finger dreckig machen mussten, geschichtlich teilweise (damals) bedeutender waren, und man scheinbar daran schuld ist, dass sie sich während der DDR-Zeit runtergewirtschaftet und selbst verschandelt haben...

Die Ruhrgebietsbewohner werden in ihrer Bescheidenheit immernoch ausgenutzt . Man bleibt hier Mensch 2ter Klasse.
Argumente wie "die Städte sind pleite - es gibt zu viele Arbeitslose" kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Der Wirtschaftliche Motor Deutschlands war auch zu Zeiten des Wirtschaftswunders hier. Und genau zu dem Zeitpunkt hat man uns die ganze Sch... eingebrockt unter der wir heute noch leider müssen....

Der Wiederaufbau fand einfach zu einseitig statt...das war nicht überall so..
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Alt 04.06.08, 03:16   #37
dj tinitus
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dj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nett
nee wohnklotz, das hat mit bergbau oder ddr nichts zu tun. wenn in essen heute noch das karstadt gesprengt oder das hans sachs haus bis zur unkenntlichkeit ausgehöhlt wird, dann sind die gründe einzig vor ort zu suchen.
und das ist für ganz deutschland schade, denn die (noch) verbliebenen architektonischen zeugnisse im ruhrgebiet sind nicht nur für stadt oder region, sondern für die gesamte republik bedeutsam. hier hat deutschland den sprung in die moderne geschafft. jede einzelne etappe könnte hier architektonisch dokumentiert werden. wenn nicht heute, dann wäre es sicher in hundert jahren interessant.
die ruhrgebietsbewohner sind sicher nicht bürger zweiter klasse. ob die örtlichen stadtplaner und denkmalschützer zweiter klasse sind, ist eine andere frage. aber die sollte man besser ganz ohne ost-west-debatte beantworten.
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Alt 04.06.08, 04:30   #38
Wohnklotz
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@dj tinitus

Was ist dann mit den Bahnhöfen von Dortmund und Essen?
Die sind seit Jahrzehnten sanierungsbedürftig und es wird immer wieder verschoben und weiter Geld gekürzt.
Andere Betonbunker stellt man kurzerhand unter Denkmalschutz und streicht einmal drüber...

Wieviel soll jetzt nochmal in Essen ausgegeben werden? 70 Mio?

In Dresden waren es über 250 Mio. und in Leipzig glaub ich auch in etwa.
Da ging es ironischerweise aber noch wesentlich schneller mit der Bewilligung der Gelder...

Das wir hier fast nur 4-klassige Stadtplaner haben, ist wohl wirklich so.
Hier werden oft nur die primitivsten Klötze die oft noch nicht mal besonders alt sind unter Denkmalschutz gestellt.

Insgesamt muss man aber sagen, dass gerade Essen im RG noch "Glück" gehabt hat.
-Wohl nur durch die damaligen EW-Zahlen und den Sitz der Konzerne.
Traurig aber wahr...

Wenn man sich in gesamt Deutschland die Schuldenstände mancher Städte mal ansieht, könnte man aber tatsächlich den Eindruck bekommen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.
Die RG-Städte sind zwar relativ hoch verschuldet, aber werden oft deutlich stärker zum sparen gezwungen, als andere Städte die proportional noch weit mehr Schulden haben.
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Alt 04.06.08, 11:59   #39
Turmbauer
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@Wohnklotz

Das mit den schönen neuen (alten) Bahnhöfen in Leipzig und Dresden (auch Köln) erkläre ich mir so, dass dort eine schöne alte Bausubstanz schon vorhanden war, während im Ruhrgebiet kein Stein mehr auf dem anderen stand. So eine Substanz wieder auf Vordermann zu bringen, kosten natürlich wesentlich mehr Geld als die Instandhaltung, und als solchen muß man ja den Bochumer- und zukünftig auch den Essener HBF bezeichnen, irgendwelcher monotonen Nachkriegsarchitektur. Gebe allerdings ebenfalls zu bedenken, dass die Aufbauhilfe Ost da eine Rolle spielen mag genau so wie die allgemeine Ignoranz der Bundes- und Landesbehörden gegenüber dem Ruhrgebiet. Beispiele mit Stuttgart und Köln gibt es aber auch in Westdeutschland.

Was dir angesprochene Komplettkonstruktion von alten Gebäuden angeht, gibt es vielleicht zwischen Ost und West eine entscheidenden Unterschied: Nach dem Krieg hat man im Westen so schnell wie möglich begonnen, nach damaligen architektonischen Gesichtspunkten und dem Wunsch nach Weitläufig- und Großzügigkeit entsprechend die Städte wieder aufzubauen. Schnell mußte die Wirtschaft angekurbelt werden, Wohnraum und Arbeitsplätze wurden geschaffen. Im Osten blieben die Ruinen bzw. durch den Krieg gezeichneten Häuser bestehen, was sich im Nachhinein als großes Glück für die Ostdeutschen Städte erweisen sollte. Denn Anfang der 1990er Jahre war das Verständnis für alte Architektur wieder ein ganz anderes als noch nach dem Krieg. Sanieren und Rekonstruieren statt abriss. Zudem steht außer Zweifel, dass ein Komplett-Abriss der erhaltenen Bausubstanz, und davon gab es ja reichlicht, und ein Neuaufbau wohl noch teurer gekommen wäre.
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Alt 05.06.08, 22:52   #40
Philip
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Zu #41.

Es besteht ja immer noch die kleine Chance das einer der beteiligten Partner abspringt und so das Projekt zum platzen bringt. Mir wäre es fast lieber, es würde jetzt Platzen als das er demnächst so teuer renoviert wird. Denn genau das wird ja passieren. Der Bahnhof wird im wesentlichen neu gestrichen. Und dazu 70 Mio. €??? Lieber sollte man ihn verrotten und verfallen lassen, damit in 20 Jahren die Chance besteht einen neuen Bahnhof zu bekommen, anstatt den jetzigen noch weitere 50 Jahre ertragen zu müssen.

Soviel dazu, im eigentlich falschen Thread.
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Alt 06.06.08, 10:22   #41
Turmbauer
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In zwanzig Jahren muß eh ein neuer Bahnhof her, ob jetzt renoviert wird oder nicht. ist, dass dieser Bahnhof der Stadt ein schlechtes Image verschafft und das kann sich Essen nicht leisten. Also so schnell wie möglich umbauen...
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Alt 14.06.08, 01:08   #42
Fabio
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Bauten am ehemaligen Kettwiger Tor

Die Innenstadt von Essen war bis zu den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg eine verwinkelte Altstadt. Abgesehen von den Kirchen fielen die meisten alten Gebäude entweder den Bomben oder in der Folgezeit der Abrissbirne zum Opfer. Nach langem Parteienstreit setzte sich die SPD mit ihrem Konzept eines modernen Geschäfts- und Verwaltungszentrums gegenüber den konservativen Parteien durch, die wieder eine flache, enge Wohnstadt aufbauen wollten. Die Baudezernenten Sturm Kegel (1945-1951) und Josef Walther Hollatz (1951-1963) waren für den Wiederaufbau in Essen zuständig. Einige Bauten aus der Kaiserzeit und aus den 1920er- und 1930er-Jahren wurden in der südlichen Innenstadt (Google Maps) trotz des Drangs nach Erneuerung wieder aufgebaut.


1883-1912 Hotel Vereinshaus - seit 1975 Essener Hof
Gegründet 1883 als evangelische „Herberge zur Heimat“ erfolgte 1887 die Grundsteinlegung für den Neubau. 1904 fand die Einweihung als „Hotel Vereinshaus“ statt. Das alte Vorderhaus wurde 1912 ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zu 70% zerstört und in der Nachkriegszeit wieder aufgebaut. 1975 wurde das „Hotel Vereinshaus“ in „Hotel Essener Hof“ umbenannt Der Name „Essener Hof“ wurde Mitte der 1970er-Jahre frei, als das gleichnamige Kruppsche Privathotel Essener Hof am Limbecker Platz abgerissen wurde, um Platz für den Erweiterungsbau des Kaufhauses Quelle (später Sinn) zu schaffen.Geschichte „Ruhrbesetzung“
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war die Weimarer Republik durch den Versailler Vertrag von 1919 zu Reparationen verpflichtet. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten in Deutschland stellten 1922 die Alliierten die Reparationszahlungen in Form von Geld auf Sachleistungen wie Stahl und Kohle um. Als im Januar 1923 die Lieferungen im Rückstand gerieten, nahmen Franzosen und Belgier dies zum Anlass, um mit 60.000 Soldaten in das Ruhrgebiet einzumarschieren. In Essen wurden 13 streikende Krupp-Arbeiter erschossen, die sich einer Beschlagnahmung widersetzten. Von 1923 bis 1924 wurde das „Hotel Vereinshaus“ von den Franzosen beschlagnahmt (180.000 Reichsmark Besatzungsschäden).



Im Gebäude befindet sich das Kino Astra-Theater mit einem Kinosaal im 50er-Jahre Stil.






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1911-1912 Handelshof (Carl Moritz & Werner Stahl)
Der Handelshof ist ein Hotel- und Geschäftshaus, das von 1911 bis 1912 nach Entwürfen der Architekten Carl Moritz (Architekt der Alten Oper Köln) und Werner Stahl erbaut wurde. Im Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude ausgebrannt und 1952 - 1956 wieder aufgebaut worden. Aus den 1950er-Jahren stammt auch die Leuchtschrift „Essen - Die Einkaufsstadt“. Nach den Jahren als Kanonenstadt strebte Essen ein neues Image an.
In den 1970er- und 1980er-Jahren befand sich im Erdgeschoß des Handelshof die Diskothek Mississippi, heute Sitz der Touristikzentrale. Die Stadt will das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zur Finanzierung des Stadion-Neubaus von Rot-Weiß-Essen verkaufen.Geschichte
Hitler und Mussolini besuchen 1937 die "Waffenschmiede des Reiches".
Bild: Geschmückter Handelshof 1937

Der bekannte Schauspieler Heinz Rühmann (1902-1994) wurde in Essen zu der Zeit geboren, als seine Eltern noch das Hotel Stemme hinter dem Handelshof führten. Er wuchs dann ab 1906 in Wanne auf, wo sein Vater Heinrich Rühmann die Bahnhofsgaststätte im Hauptbahnhof leitete. Grund für die Stadt Herne den Bahnhofsvorplatz in Wanne-Eickel „Heinz-Rühmann-Platz“ zu benennen (Herne-Chronik). Von 1913 bis 1916 übernahm der Vater das Hotel Handelshof in Essen und so war Heinz Rühmann wieder in seiner Geburtsstadt. Nach der Scheidung seiner Eltern und dem darauf folgenden Suizid seines Vaters zog Rühmann 1916 mit seiner Mutter nach München.
Der Essener Thorsten Stegmann schuf 1999-2000 eine Heinz-Rühmann-Plastik aus Bronze, die den Schauspieler in der Rolle eines Clowns zeigt. Diese steht heute als Leihgabe am Potsdamer Platz vor dem Filmmuseum und nicht wie von Thorsten Stegmann und der Mehrheit der Essener gewünscht am Handelshof, da 2002 die Verantwortlichen der Stadt die Figur am Standort Willy-Brandt-Platz ablehnten.



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1913-1915 Eick-Haus (Georg Metzendorf)
Das Eick-Haus wurde 1913-1915 nach einem Wettbewerbs-Entwurf von 1911 des Architekten Georg Metzendorf (1874-1934) als Geschäftshaus für das Unternehmen „A. Eick Söhne“ gebaut. Prunkvoller Mittelpunkt war ein zweigeschossiger in Marmor verkleideter Teppichsaal mit Galerie. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Beim Wiederaufbau wurde der Innenausbau geändert. Geschichte
Die Firma A. Eick Söhne war damals Essens führendes Kaufhaus für Teppiche, Wohnungseinrichtungen und Dekorationen. In den Schaufenstern wurden Raumkunstobjekte ausgestellt, die von der „Essener Raumkunstgruppe“ entworfen wurden. Mitglieder dieser Künstlervereinigung waren:
- Georg Metzendorf (1874-1934), schuf in Essen u. a. die Gartenstadt Margarethenhöhe (1909–1934/38), Haus am Theaterplatz (1927–1930)
- Edmund Körner (1874-1940), schuf in Essen u. a. die Königliche Baugewerkeschule (1908), die Alte Synagoge (1911-1913), die Börse / Haus der Technik HdT (1924), Wasserturm Frillendorf (1925)
- Alfred Fischer (1881-1950), schuf in Essen u. a. die Verwaltung Ruhrsiedlungsverband (1927-1929) und das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen
- Adolf Otto Holub, Künstler der Wiener Werkstätte GmbH.








Der Kopfbau hatte ursprünglich ein Pagodendach, das nach dem Krieg durch ein Flachdach ersetzt wurde.
Die Fenster im ersten Obergeschoss der Süd-Fassade wurden später (nach 1957) zugemauert. Hier eine Rekonstruktion:


Das ursprünglich nicht zugehörige Eckgebäude Derendorf-Haus (Nord-Ost-Ecke) wurde im Krieg zerstört und der Nachfolgebau wurde dem Eick-Haus angeglichen.


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1922-1925 Börse, seit 1936 Haus der Technik – HdT (Edmund Körner)
Nach einem Entwurf des Architekten Edmund Körner wurde das Gebäude von 1922 bis 1925 zunächst für die Börse geplant und gebaut. Seit 1936 wird das Haus nach dem Umzug der Börse nach Düsseldorf als Haus der Technik geführt und für Seminare und Tagungen genutzt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte bis 1953 die Instandsetzung. Im Arkadengang zur Hollestraße befinden sich Läden. Die Rückseite des Gebäudes folgt in zahlreichen Winkeln dem abfallenden Straßenverlauf.










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1924 - 1933 Hauptpost (Hoeltz, Lindemann)
Die Hauptpost wurde als Gegenstück zur Börse entworfen. Der Bau zitiert in den beiden ersten Bauabschnitten des Architekten Hoeltz eine mittelalterliche Stadt mit Wehranlagen und Stadttor. Die Ziegelfassade war sehr umstritten und galt nach den Erfolgen der Bode-Bauten am Burgplatz (Lichtburg, Blum- und Baedeker-Haus) als nicht mehr zeitgemäß. Der Architekt Lindemann entwarf daher 1930 den dritten Gebäudeteil im Stil der neuen Sachlichkeit mit einer Muschelkalk-Werksteinfassade.Geschichte „Rote Ruhrarmee“
Nachdem der rechtsradikale Kapp-Putsch in Berlin im Frühjahr 1920 nach vier Tagen gescheitert war, machte die „Rote Ruhrarmee" gegen die SPD-geführte Reichsregierung Front. Es kam zu Straßenkämpfen in Barmen, Duisburg, Elberfeld, Essen, Remscheid und Velbert. Am 19. März 1920 marschierten bewaffnete „bolschewistische“ Gruppen in Essen ein. Die bürgerlichen Verteidiger aus Polizei und Einwohnerwehren des Wasserturms an der Steeler Straße und in der Hauptpost wurden getötet (40 Tote am Wasserturm). Anfang April 1920 wurde der Aufstand von der Reichswehr niedergeschlagen. Es war die größte Aufstandsbewegung, die es in Deutschland seit den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts gegeben hat.













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1925 Stein-Haus (Anton Stein)
Das vom Architekten Anton Stein entworfene Geschäftshaus aus Sandsteinquadern wurde 1925 erbaut.




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Vereinzelt kann man noch weitere alte Fassaden auf der Kettwiger Straße entdecken, wie zum Beispiel die des ehemaligen Hotels „Zum Ritter“:






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1948 Glockenspielhaus
In der Limbecker Straße befand sich seit 1928 das erste Glockenspiel der Firma Juwelier Deiter. Das 1938 erworbene Haus Kettwiger Straße 22 wurde nach dem Wiederaufbau 1948 das neue Stammhaus Deiter. Im Folgejahr wurde das im Krieg versteckte Glockenspiel mit der Bergmanns-Figur wieder installiert.


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1952 Allianz-Haus (Wilhelm Eggeling)
Das von Wilhelm Eggeling entworfene Allianz-Haus ist das erste Essener Hochhaus nach dem Zweiten Weltkrieg.


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1954 Haus am Kettwiger Tor (Wilhelm Eggeling)
Das ebenfalls von Wilhelm Eggeling entworfene Gebäude wurde aufgrund des Standortes nahe dem ehemaligen südlichen Stadttor „Haus am Kettwiger Tor“ genannt. Der zweigeschossige Flachtrakt mit Einkaufspassagen ist mit einem schmalen sechsgeschossigen Baukörper kombiniert. Die gebogene Form des Hauses zitiert architektonisch „einen Menschen mit offenen Armen“, der den Stadtbesucher vom Bahnhof kommend am Kettwiger Tor empfängt.


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vor 1930 Hotel Königshof – 1930 DeFaKa – 1977 Horten
An der Stelle des heutigen Kaufhauses Galeria Kaufhof stand früher das Grandhotel, das später in Hotel Königshof umbenannt wurde. 1930 wurde das Gebäude abgerissen und durch das Kaufhaus DeFaKa (Deutsches Familienkaufhaus) ersetzt. Es folgte 1977 der DeFaKa -Abriss und der Neubau des Kaufhauses Horten– der heutige Bau der Galeria Kaufhof.

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Mein nächster Beitrag beschreibt die Bauten am Hirschlandplatz.
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Alt 17.06.08, 14:13   #43
Turmbauer
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Turmbauer könnte bald berühmt werden
Mensch Fabio, aus Deinem ganzen Bildmaterial könnte man glatt einen umfangreichen Bildband nur über die City heraus bringen. Und das meine ich ernst. Besser in Szene gesetzte Bilder und dazu gehörige Geschichten habe ich bisher jedenfalls kaum gesehen. Freue mich schon auf den Hirschlandplatz/ Wiener Platz. Leider ist das Sparkassenhaus an der Seite zum Platz (Restaurant Vapiano) z.Z. eingerüstet.
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Alt 15.07.08, 16:21   #44
Fabio
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Ort: Essen
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Fabio sorgt für eine eindrucksvolle AtmosphäreFabio sorgt für eine eindrucksvolle AtmosphäreFabio sorgt für eine eindrucksvolle Atmosphäre
Bauten am Hirschlandplatz und Theaterplatz


Grafik: Fabio

Aufgrund der wirtschaftlichen Hochkonjunktur und als Börsensitz war Essen um 1900 ein attraktiver Standort. So entwickelte sich an der Lindenallee das Essener Bankenviertel, in dessen Zentrum heute der Hirschlandplatz liegt (Google Maps).

1986 Hirschlandplatz (Genheimer & Partner, Rose-Herzmann)
In Gedenken an die jüdische Bankiersfamilie Hirschland benannte 1986 die Stadt Essen den Wiener Platz in Hirschlandplatz um. Der ehemalige Parkplatz wurde 1986-1987 nach einem Konzept der Büros Genheimer & Partner (Essen) und Rose-Herzmann (Essen) als grüner Platz umgestaltet.


Bild: Essen gestaltet die City, Bürger-Info der Stadt Essen, 1991

Hirschlandplatz, Blick aus der 7. Etage des Lindencenters nach Norden
Bild: Fabio


Hirschlandplatz, Blick in Richtung Lindencenter (SEB-Bank)
Bild: Fabio


Hirschlandplatz, Blick in Richtung Grillo-Theater
Bild: Fabio

Im Zentrum des Hirschlandplatzes steht ein von der Sparkasse Essen gestifteter Figurenbrunnen, der nach der Einweihung als „reines Dekorationsobjekt“ kritisiert wurde. Es fehle der künstlerische Wert oder ein Bezug auf die Stadtgeschichte.


Hirschlandplatz, Figurenbrunnen der Sparkasse
Bild: Fabio


1901–1908 Essener Credit-Anstalt (Peter Zindel), heute Deutsche Bank
Die Essener Credit-Anstalt ließ 1898-1901 ihr Gebäude nach einem Entwurf von Peter Zindel (Architekt des alten Essener Rathauses) in der Lindenallee errichten.Geschichte
Die Essener Credit-Anstalt wurde 1872 unter Mitwirkung des Industriellen Friedrich Grillo (1825-1888) gegründet. Die Bank war damals führend bei der Finanzierung der Schwerindustrie im Ruhrgebiet. 1925 ging die Essener Credit-Anstalt in der Deutschen Bank auf.




Essener Credit-Anstalt um 1910-1930
Bild: Denkmalpfad


Die Kuppel war früher das Zeichen des Bankenviertels
Bild: Fabio


Blick vom Deutschlandhaus-Parkhaus in die Lindenallee
Bild: Fabio


Essener Credit-Anstalt. Lindenallee
Bild: Fabio


Essener Credit-Anstalt, oben im Schild ist noch die alte Bezeichnung ECA zu sehen
Bild: Fabio


Essener Credit-Anstalt, Detail
Bild: Fabio


Essener Credit-Anstalt, Detail
Bild: Fabio


um 1900-1910 Reichsbank (Julius Habicht)
Das Gebäude der Reichsbank wurde vom Reichsbankbaudirektor Julius Habicht (1874–1912) entworfen und im zweiten Weltkrieg zerstört.Heute befindet sich dort ein Haus der Commerzbank.


Blick in die Straße “An der Reichsbank“, links die Hirschlandbank
Bild: Fabio


um 1900-1919 Rheinische Bank (Julius Habicht ?)
Das Gebäude der Rheinischen Bank wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Geschichte
1919 übernahm die Mitteldeutsche Creditbank das Gebäude der liquidierten Rheinischen Bank. 1929 fusionierte die Mitteldeutsche Creditbank mit der Commerzbank. Dr. Karl Goldschmidt (1857-1926) war von 1911 bis 1926 Mitglied das Bankenaufsichtsrates. Geschäftspartner der Essener Wirtschaft waren u. a. Coca-Cola, HOCHTIEF, Karstadt, Krupp und RWE.



Bild: WAZ vom 28.11.2007

1950 Commerzbank (Curt Bucerius & Dr. Börnke)
Nach dem Krieg wurde 1950 an der Stelle des Gebäudes der Rheinschen Bank das von den Architekten Curt Bucerius und Dr. Börnke entworfene Gebäude eingeweiht. Curt Bucerius war auch an der Nachkriegsgestaltung des Lichtburggebäudes beteiligt.


Blick vom Hans-Toussaint-Platz (Toussaint war von 1949 bis 1956 OB)
Bild: Fabio


1910 Bankhaus Simon Hirschland (Carl Moritz)
Das Familienunternehmen Hirschland ließ 1910 das Gebäude nach einem Entwurf von Carl Moritz (Architekt der Alten Oper Köln) bauen.
Das Gebäude der Hirschlandbank wurde im Jahr 2000 zunächst entkernt und anschließend als Erweiterung des Kaufhauses Galeria Kaufhof bis 2001 umgebaut. Die denkmalgeschützte Fassade wurde saniert (Planung: Büro Genheimer & Partner, Essen / Bauausführung: HOCHTIEF, Essen).Geschichte
Das 1841 von Simon Hirschland (1807-1885) gegründete Bankhaus beteiligte sich früh an der Finanzierung des Bergbaus. Unter der Führung von Isaac Simon Hirschland (1845-1923), dem „Banker von Essen“, wuchs das Bankhaus zur größten Privatbank Deutschlands. Seine Geschäftspartner waren Mathias Stinnes (1790-1845, Unternehmensgründer für Schifffahrt und Kohlenhandel) und Alfred Krupp (1812-1887, größter Waffenproduzent seiner Zeit). Seine Söhne Kurt Martin (1882-1957) und Georg Simon Hirschland (1885-1942) bauten die Bank zu einem internationalen Kreditinstitut aus.

Die Familie Hirschland zählte zu den ganz reichen Familien im Ruhrgebiet und war als Mäzen geschätzt, so beteiligte sie sich finanziell am Bau der Synagoge (1911-1913). Die jüdische Familie Hirschland spendete 1922 gemeinsam mit dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat unter Führung des Hitler-Freundes Emil Kirdorf (1847-1938) Geld für den Ankauf der Gemäldesammlung von Karl Ernst Osthaus (1874-1921, Sohn des Hagener Bankiers Ernst Osthaus), die den Grundstein für das Museum Folkwang legte.
Quelle: Denkmalpfad Essen (6)

1938 wirkte die Deutsche Bank bei der Arisierung der Hirschlandbank mit. Der Essener Gauleiter Josef Terboven (1898-1945), einst selbst Bank-Lehrling in den Jahren 1923–1925 bei der Essener Credit-Anstalt, wollte damals unbedingt Georg Hirschland liquidieren lassen. Die Familie Hirschland mußte die Bank mit Verlust verkaufen und konnte Deutschland verlassen. Geschäftlich lebte die Bank in der Firma Trinkaus & Burkhardt weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Familie eine Entschädigung, sie sprach sich aber dagegen aus, dass die Bank wieder ihren Namen führen sollte.
Quelle: Zeit-Artikel „Schwere moralische Schuld“


Hirschlandbank um 1910
Bild: Denkmalpfad


Hirschlandbank, Ansicht Lindenallee
Bild: Fabio


Hirschlandbank, Ansicht „An der Reichsbank“
Bild: Fabio


Hirschlandbank, Eingang Lindenallee / rechts: Simon Hirschland-Siegel
Bild: Fabio


um 1900 Hotel Kaiserhof Essen
In der Lindenallee befand sich in der Zeit der Kohle- und Stahlbarone das „Hotel Kaiserhof Essen“. Der Eingangsbereich wurde im Krieg durch Bomben beschädigt und nicht wieder in der alten Form hergestellt. Im Jahr 1974 wurde das Hotel abgerissen.
Hotel Kaiserhof, rechts das alte Hotel-Logo – eine Variante des Essener Stadtwappens
Bildmontage: Fabio

Geschichte
1931
Adolf Hitler (1889–1945) hat im Hotel Kaiserhof mehrfach Verhandlungen mit führenden Männern der Ruhr-Groß-Industrie geführt. Ein besonders großer Förderer Hitlers war ab 1927 Emil Kirdorf (1847-1938) vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat. Kirdorf war ein Reaktionär und erklärter Gegner der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften. Nach der russischen Oktoberrevolution 1917 und den Erfahrungen beim Ruhraufstand der roten Ruhr-Armee 1920 wuchs bei den Ruhrindustriellen die Angst vor einem kommunistischen Umsturz und vor dem Verlust ihrer Unternehmen. Mit Hitlers Kampfansage gegen den „Bolschewismus“ sicherte er sich nach anfänglicher Skepsis die Unterstützung der Ruhr-Groß-Industrie.
Quelle: eka (16 März 2007)- Hitler als Werkzeug der Industrie

1934
Hitler und Göring logierten im Kaiserhof anlässlich der Hochzeit des Essener Gauleiters Josef Terboven (1898 - 1945), dem späteren Reichskommissar für das besetzte Norwegen. Die Essener Gauleitung hatte ihren Sitz im Glückaufhaus. Terbovens Trauung in der Münsterkirche fand am 29.06.1934 statt. Hitler traf am Rande der Trauung u. a. Fritz Thyssen (1873-1951) und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1870-1950). Es war der Vorabend des Röhm-Putsches. In einem Jähzornausbruch befahl Hitler, gegen die SA-Führer los zu schlagen und noch in der Nacht vom 30.06.1934 reiste er von Essen nach München und weiter nach Bad Wiessee, um Röhm persönlich zu verhaften. In der „Nacht der langen Messer“, vom 30.06. bis 01.07.1934 wurden über 200 SA-Führer und NS-Gegner getötet. Nach den Staatsmorden distanzierte sich Fritz Thyssen schrittweise von Hitler, so nahm er u.a. Kredite beim jüdischen Bankhaus Simon Hirschland auf.
Quelle:Die Thyssens – Tragödie der Stahlbarone

1970
Im Hotel Kaiserhof Essen unterschrieben am 01.02.1970 die damalige sowjetische Außenhandelsgesellschaft Sojugazexport und die deutsche Ferngasgesellschaft Ruhrgas das 1. deutsch-sowjetische Erdgas-Röhren-Geschäft. Im Gegenzug zur Lieferung von Erdgas aus der Sowjetunion an Ruhrgas wurden Verträge über Mannesmann-Großrohre für den Bau einer Erdgaspipeline unterzeichnet. Anwesend waren der damalige sowjetische Minister Ossipow und der Vorstandschef der Mannesmann AG Dr. Egon Overbeck.
Quelle: Deutschland Online

1973
Das Hotel-Inventar wurde 1973 versteigert, später folgte der Abriss des Gebäudes.
Quelle: Loge „Schwarzer Diamant“ – Die Aktion Kaiserhof


1975-1976 BfG-Bank, heute SEB-Bank bzw. Lindencenter
Auf dem Grundstück des ehemaligen Hotels Kaiserhof folgte 1975-1976 der Neubau der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG-Bank), ab 2004 Sitz der SEB-Bank. Das Gebäude heißt heute Lindencenter (Google Maps).


Lindencenter, Ansicht vom Hans-Toussaint-Platz
Bild: Fabio


1928-1930 Haus am Theaterplatz (Sparkassengebäude) (Georg Metzendorf, Jakob Schneider)
Georg Metzendorf (1874-1934) entwarf mit seinem Partner Stadtbaurat Jakob Schneider (1889-1981) das Haus am Theaterplatz. Der Bau war ein Gemeinschaftsprojekt des Kaufhauses „Eintracht“, des Möbelhauses „Kramm“, des Vereins „Haus der Technik“ und der Essener Sparkasse. Bei der unterschiedlichen Fassadengestaltung wurde jeder am Bau beteiligte Partner mit einem „individuellen Außenauftritt“ berücksichtigt.

Metzendorf und Schneider schufen in Essen auch die Gartenstadt Margarethenhöhe und das Haus des Ruhrverbandes in Essen-Süd.

Das Gebäude wurde 1984 nach Plänen des Essener Büros Genheimer & Partner zur Ladenpassage umgebaut und in Theaterpassage umbenannt. Im Obergeschoss befinden sich die beiden Spielstätten CASA und BOX des Schauspiels Essen für das jüngere Publikum.
Sparkassengebäude um 1930
Bild: Denkmalpfad


Turm der Sparkasse an der Ecke Kapuzinergasse / Rathenaustraße
Bild: Fabio


Rathenaustraße
Bild: Fabio


2. Hagen / Theaterplatz
Bild: Fabio


Leider war das Gebäude zum Zeitpunkt der Aufnahme teilweise eingerüstet.
Bild: Fabio


Eingang Hirschlandplatz
Bild: Fabio


Kapuzinergasse
Bild: Fabio


Eingang Rathenaustraße
Bild: Fabio


Innenansicht Theaterpassage
Bild: Fabio


Innenansicht Theaterpassage
Bild: Fabio


Innenansicht Theaterpassage
Bild: Fabio


Innenansicht Theaterpassage
Bild: Fabio


1928-1929 Deutschlandhaus (Jakob Koerfer)
Der Kölner Architekt Jakob Koerfer (1875-1930) entwarf das Deutschlandhaus als technisches Rathaus für die Stadt Essen. Noch heute ist hier das Essener Liegenschaftsamt untergebracht. Es war das erste Hochhaus in Essen. Ein Paternosteraufzug ist dort noch immer im Betrieb.
Deutschlandhaus um 1930, vorne rechts: Hotel Kaiserhof
Bild: Denkmalpfad


Deutschlandhaus, Ansicht vom Hans-Toussaint-Platz
Bild: Fabio


Deutschlandhaus, Ansicht Lindenallee
Bild: Fabio


Deutschlandhaus, Ansicht Lindenallee
Bild: Fabio


Deutschlandhaus, Ansicht vom Hirschlandplatz
Bild: Fabio

An der Nordseite des Deutschlandhauses wurde 1989-1990 ein Parkhaus errichtet. Das Parkhaus wurde von dem Essener Büro Genheimer & Partner entworfen.


Deutschlandhaus-Parkhaus, Einfahrt 3. Hagen
Bild: Fabio

Ein Jahr später wurde der Umbau zur Ladenpassage Lindengalerie fertig gestellt. Die Umbauplanung stammt ebenfalls vom Essener Büro Genheimer & Partner.


Lindengalerie, Eingang 3. Hagen
Bild: Fabio


Innenansicht Lindengalerie
Bild: Fabio


Innenansicht Lindengalerie
Bild: Fabio


Innenansicht Lindengalerie
Bild: Fabio


Lindengalerie, Büste Jakob Koerfer
Bild: Fabio


1890-1892 Grillo-Theater (Heinrich Seeling)
Der Industrielle Friedrich Grillo (1825-1888) kündigte 1887 in der Essener Stadtverordnetenversammlung die Schenkung eines Theaters an. Nach Grillos Tod spendete seine Witwe die Geldsumme für den Bau des ersten Stadttheaters im Ruhrgebiet. Der Architekt Heinrich Seeling (1852-1932) entwarf das Theater im neoklassizistischen Stil. Der heutige Stilmix entstand nach dem Krieg, als das Theater nach dem Geschmack der 1950er-Jahre als schlichteres Gebäude instandgesetzt wurde.
Das Schauspiel Essen ist zum dritten Mal in Folge zum „NRW Schauspiel des Jahres“ gewählt worden.
Grillo-Theater um 1910
Bild: Denkmalpfad


Grillo-Theater im Jahr 1948 kurz vor der „Entschnörkelung“
Bild: WAZ vom 03.04.2008


Grillo-Theater, Frontansicht Theaterplatz
Bild: Fabio


Grillo-Theater, Seitenansicht 2. Hagen
Bild: Fabio


Gedenktafel für den Theater-Mäzen Friedrich Grillo
Bild: Fabio

Die Reliefs schuf Herbert Lungwitz (1913-1932), der auch die Fassadenfiguen des Amerika-Hauses Ruhr (heute Stratmann-Theater, Leo’s Casa) auf dem Kennedyplatz schuf:


Relief von Herbert Lungwitz
Bild: Fabio


Relief „Posaunenengel“ von Herbert Lungwitz
Bild: Fabio

1907-1908 Kulissenhaus
Das Kulissenhaus wurde 1907-1908 erbaut und aus theaterbaugeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt.
Kulissenhaus, Theaterplatz
Bild: Fabio


Theaterviertel, hinten: Torbogen zum Kulissenhaus, vorne: Brunnen vor dem Plaza Büro Center
Bild: Fabio


Theaterplatz
Bild: Fabio


Kapitell am gegenüberliegenden Gebäude der Stadtverwaltung
Bild: Fabio


2002 Plan-Skulptur (Renate Neuser, Martin Stotz)
Bild: Fabio


1907-1908 Hauptsteueramt, seit 2006 Villa Dinnendahl
Das ehemalige Hauptsteueramt wurde 1907-1908 erbaut und 2006 nach dem Industriepionier Franz Dinnendahl (1775-1826) in Villa Dinnendahl umbenannt.

Geschichte
Die erste funktionstüchtige Dampfmaschine wurde 1712 in England konstruiert. Franz Dinnendahl baute auf dem Grundstück der heutigen Villa Dinnendahl die erste Dampfmaschine im Ruhrgebiet. Diese Dampfmaschine wurde auf der Zeche Vollmond in Bochum-Langendreer in Betrieb genommen. Sie wurde zum Abpumpen des eindringenden Grundwassers in das Bergwerk eingesetzt und ermöglichte damit die Kohlegewinnung im Tiefbau.



Gedenktafel für Franz Dinnendahl
Bild: Fabio


Villa Dinnendahl, Trentelgasse
Bild: Fabio


Blick vom Deutschland-Parkhaus in die Trentelgasse, links: Villa Dinnendahl, rechts: das mit Efeu bewachsene Kulissenhaus
Bild: Fabio

Geändert von Fabio (16.07.08 um 12:17 Uhr) Grund: Fehler bei der Jakob Koerfer-Verlinkung
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Alt 16.07.08, 00:05   #45
Philip
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Philip könnte bald berühmt werdenPhilip könnte bald berühmt werden
Hallo Fabio,

wie immer eine ausgezeichnete Photoreportage.

Mich interessiert, weshalb man das Grillo-Theater „entschnörkelt“ hat. Wäre die Behebung der Kriegsschäden zu teuer / aufwendig gewesen? Wirklich schade.

Statt immer nur mit Photomontagen der Zeche Zollverein könnte Essen durchaus mal mit Impressionen wie dem "Blick vom Deutschlandhaus-Parkhaus in die Lindenallee" oder einer Photomontage der der architekturhistorisch wichtigen Gebäude der Innenstadt mit den Hochhäusern im Hintergrund werben, um vor 2010 endlich das Ruhrgebiets-Image los zu werden. Oder vielleicht besser, um das Image des Ruhrgebiets zu verändern.
Philip ist offline   Mit Zitat antworten
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