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Alt 10.07.11, 12:38   #76
RMA
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RMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle Zukunft
Von der Kaulbachstraße sieht die Freiherr-vom-Stein-Schule eigentlich genauso aus wie die Riegelbebauung an der Berliner Straße. Irgendwie peinlich, wenn sowas 70 Jahre nach Kriegsende als Neubau hochgezogen wird. Gerade bei Schulbauten kann man sich ja wohl noch ein bisschen Individualität wünschen, damit man sich als Schüler nicht wie in einer Legebatterie fühlt. Da kann auch die EnEV keine Ausrede sein.
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Alt 11.07.11, 10:28   #77
Wikos
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Der Neubau der Freiherr-vom-Stein-Schule an der Schweizer Straße ist einer der größten Bausünden in Frankfurt/M. der letzten Jahre.

Zum Opfer fielen für die Neugestaltung übrigens nicht nur Nachkriegsbauten, sondern auch Altbestand aus der Jahrhunderwende. Ein Umstand, der in einem späteren Interview (FAZ vom 15.10.08 "Stadtgestaltung kann nicht nach Moden gehen") auch Mäckler erzürnte - Zitat: "Ich bin erschüttert, dass die Freiherr-vom-Stein-Schule in Sachsenhausen einfach abgerissen werden konnte. Das ist abenteuerlich. Am Südbahnhof stand ein wunderbares Gebäude. Wie man in einer Zeit, in der die Bevölkerung danach ruft, ganze Stadtquartiere wieder aufzubauen, solche Bauwerke einfach abreißen kann, ist mir ein absolutes Rätsel. Die Gebäude aus dem neunzehnten Jahrhundert sind Juwelen, die reißt man nicht ab. Man kann sie mit den Mitteln, die wir heute zur Verfügung haben, immer wieder ertüchtigen."
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Alt 11.07.11, 11:41   #78
Schmittchen
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Warum Bausünde? Leider lässt diese Aussage jede Begründung vermissen. Der alte Schulkomplex jedenfalls war ein verbasteltes Konglomerat, geprägt vorwiegend von heruntergekommenen Waschbetonbauten. Der letzte Rest des alten Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums war, abgesehen von dem erhalten gebliebenen Sandstein-Wappen, als solcher fast nicht erkennbar (ich würde ihm auch jede Eigenheit und Attraktivität absprechen). Das gründerzeitliche Schulgebäude wurde im Krieg beschädigt, den Rest besorgten Um- und Neubauten in den 60er- und 70er-Jahren. Den ziemlich jämmerlichen Rest als wunderbares Gebäude zu bezeichnen, wie dies der geschätzte Prof. Mäckler im FAZ-Interview tat, ist für mich nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar.

RMA, der Neubau der Schule war bekanntlich Teil des PPP-Projekts mit Hochtief. Das hat sich in Bezug auf Gestaltungswillen nicht positiv ausgewirkt. Doch kann man den Kostenaspekt nicht einfach außer Betracht lassen und sich lauter aufwändige und individuell gestaltete Schulbauten wünschen, auch wenn das gerade hier an der Kaulbachstraße angebracht gewesen wäre. Die Schulen wurden alle zu lange vernachlässigt, angesichts des immensen Nachholbedarfs musste auch eine Stadt wie Frankfurt auf die Kosten achten.
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Alt 11.07.11, 11:52   #79
OllaPeta
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Man kann aber sehr wohl von einer Bausünde in Bezug auf den Neubau sprechen, da in einem gründerzeitlich geprägten Viertel mit vorwiegend geschlossenen Blocks, ein solches "Kammgebäude", das den vorher ja noch vorhanden gewesenen Block nun in einer Art und Weise "auflockert", wie man es -so dachte ich bis dahin- heutzutage nicht mehr machen würde. Die fast vollständig freistehenden Brandmauern zu den Nachbargebäuden (Post am Südbahnhof) legen jedenfalls den Eindruck nahe, dass auf den städtebaulichen Kontext nicht im mindesten Rücksicht genommen wurde sondern rein die Funktion als Schulgebäude mit gut ausgeleuchteten Klassenräumen im Vordergrund stand.
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Alt 11.07.11, 19:30   #80
Xalinai
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Ein Schulneubau, der seine Funktion nicht erfüllt, wäre m. E. die größere Bausünde, denn auch die würde die nächsten 50 Jahre schädlich wirken.

Für eine große Schulanlage ist die viel und gern geschmähte Kammbebauung, die es erlaubt, überdacht zwischen den verschiedenen Trakten zu wechseln, ein sehr sinnvolles Konzept (vergleiche Wöhlerschule) - im konkreten Fall, mit der Möglichkeit im geschlossenen Gebäude zu bleiben, auch noch energetisch sinnvoll.
Positiv wirkt das Konzept auch auf die Unterhaltskosten, da eben nicht jeder Wechsel zwischen den Schulgebäuden bei schlechtem Wetter dazu führt, dass der Belag der Wege ins Gebäude geschleppt wird (vergleiche hierzu das Hörsaalzentrum am Campus Westend, da liegt im Winter fast mehr Streugut im Erdgeschoss als draußen)

Davon abgesehen ist auch die Kammbebauung der Berliner Straße nicht schlecht - ich habe immer das Gefühl, dass ein Großteil der Kritik an dieser Stelle nicht wirklich auf die bestehenden Gebäude eingeht sondern in erster Linie der nicht mehr existenten alten Bausubstanz nachtrauert.
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Alt 11.07.11, 22:46   #81
RMA
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Wenn die Bebauung der Berliner Straße so herausragend ist, wieso will man sie dann nach dem Innenstadtkonzept möglichst hinter Bäumen verstecken? Klar, viel mehr kann man nicht machen, da sie mittlerweile denkmalgeschützt ist. Insofern wäre das Nachtrauern vergebene Liebesmüh, mal abgesehen davon, dass die Berliner Straße eh gnadenlos durch einstige historische Viertel geschlagen wurde und selbst der Abriss der Gebäude die Situation nicht beheben würde.

Aber zurück zur Schule: schön, dass die funktionalen Vorteile einer Kammbebauung erläutert wurden. Darum geht es hier aber gar nicht. Bei einer Schule darf man sich meines Erachtens auch etwas Individualität wünschen. So wie sie nicht Schule #1234, sondern Freiherr-vom-Stein-Schule heißt. Zumindest ist dies mein Verständnis der Leistung eines Architekten. Ansonsten bedürfte es wohl nur noch der Ingenieure und Computer.

Und nochmal zu dem, was Mäckler gesagt hat: ich interpretiere seine Aussage so, dass der angemessene Umgang mit gründerzeitlicher Substanz im 21. Jahrhundert gewesen wäre, diese von den von Schmittchen genannten Verunstaltungen zu befreien, und zumindest soweit erhalten, wieder erlebbar zu machen. Von einer rekonstruierenden Wiederherstellung auf Basis der überkommenen Substanz, wie sie in den neuen Bundesländern bei Wohngebäuden längst üblich, in Frankfurt (siehe Bahnhofsviertel) glücklicherweise langsam auch in Gebrauch kommen, rede ich noch gar nicht mal. Wobei eigentlich auch das eine Selbstverständlichkeit sein sollte, bedenkt man, wie wenige gründerzeitliche Schulbauten überhaupt überliefert sind (gegenüber der erschlagenden Zahl von Gründerzeitwohnhäusern).
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Alt 12.07.11, 23:26   #82
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Wenn ich schon beim zitieren bin, dann möchte ich auch hierzu ein Zitat bemühen. Diesmal von Albert Speer Jr.: "Nur das Zusammenspiel von Alt und Neu ergibt Vielfalt. Zur Schönheit einer Stadt gehört, dass ihre Bauten verschiedene Epochen spiegeln. Diese Bauten müssen nicht immer besonders schön sein, sie müssen im Ausdruck für etwas stehen. Der Charakter einer Stadt wird stark von ihrer Geschichte geprägt, nicht nur von ihrer momentanen Funktion." (s. Spiegel Online 18.05.10 "Die Geschichtslosigkeit ist Schuld an der Baumisere"). Ein Kammbau mag für eine Schule praktisch sein. Aber wenn wir Bauten nur nach formalen Gesichtspunkten errichten würden, dann könnten wir uns Diskussionen über die Schönheit einer Stadt gleich sparen.

Ich halte den Schulbau für eine große Bausünde. Weil er erhaltenswerte historische Spuren der Schule getilgt hat und mit seiner modernen Formensprache und seiner mangelhaften Blockrandbebauung eine völlig unbefriedigende Bausituation in der altbaugeprägten Hedderichstraße geschaffen hat.
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Alt 13.07.11, 08:55   #83
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Hier treffen nun aber alt und neu aufeinander. Schau dir das Gebastel und Verbau der alten Schulanlage auf Google Maps noch mal an: Ein Neubau im 70er-Kasten-Stil zwischen dem alten Schulgebäude und dem historischen Postbau, ein durch eine Sporthalle zugestellter, total verwinkelter Hof. Da kommt nur noch der Aufbau des Schauspielhauses mit, was die unübersichtlichkeit angeht.

Jetzt sag, was hätte man da hinstellen sollen, wenn man alle Bedingungen erfüllen will:
  • Energetische Anfordeungen des Jahres 2011
  • Infrastrukturanforderungen einer modernen Schule
  • Sporthalle
  • Übersichtlicher Schulhof
  • Behindertengerechter Ausbau
  • Kostenrahmen
So wie das Schulgelände aussah, wurde der ursprüngliche Bereich zwischen Hedderichstraße und Schweizer Straße irgendwann um das zur Post hin liegende Gelände erweitert. Damit stand das alte Schulhaus mitten auf dem Grundstück und alles andere musste außen herum erweitert werden. Ohne einen Komplettabriss des Bestands konnte hier kein sinnvolles Ergebnis erreicht werden.

Eine geschlossene Blockrandbebauung entlang der Hedderichstraße (Südseite) hätte das gesamte Schulgelände verschattet (den Effekt sieht man auf Google Maps noch sehr schön), ein Offenlassen der Seite hätte den Lärm des Südbahnhofs vollständig auf das Gelände gelassen.
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Alt 13.07.11, 09:27   #84
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Ein erfrischend realistischer und sachlicher Beitrag, Xalinai. Was als Grundlage noch fehlt sind Fotos des früheren Gymnasiums: In älteren Beiträgen (leider in mehreren Strängen verstreut) ist auch davon die Rede, dass die Substanz des gründerzeitlichen Bauteils so schlecht war, dass ein Erhalt als nicht sinnvoll erachtet wurde.
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Alt 13.07.11, 09:33   #85
Wikos
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Ich weiß nicht ob wir vom selben Gebäude sprechen. Aber was ich hier an der Front zur Hedderichstraße auf dem Foto sehe http://freiherr-vom-stein.de/ ist ein "Mischmasch" aus verschiedenen Materialien und Formen das seines gleichen sucht. Ich glaube es ist nicht zuviel verlangt, dass sich ein Architekt mit der Umgebung befasst und einen quartiersfähigen Neubau erschafft. Bei einer Schule die 100 Jahre auf dem Buckel hat sollte man zudem Respekt vor den historischen Erbe haben.

Im übrigen: Das Gebäude verschatten, haben Gebäude so an sich. Und gegen eine Teilverschattung ist schon mal garnichts einzuwenden. Ich kenne kein Schulgebäude in Deutschland welches nicht schattige Bereiche bietet -sei es durch Bäume oder schatten spendende Gebäude. Gerade im Sommer brauchen die Schüler auch schattige Plätze.
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Alt 13.07.11, 10:53   #86
tscheibörd
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Mal wieder etwas zu einer anderen Schule:
das Montessori Kinderhaus der Anna-Schmidt-Schule Im Trutz Frankfurt 10 (hier wurde kürzlich die Erweiterung des Oberstufengebäudes fertiggestellt - wie im Forum berichtet) wurde komplett abgerissen. Ein Kran ist bereits aufgebaut, ein Display mit dem zu erwartenden Bauprojekt leider nicht. Auf der Homepage der Schule sind ebenso keine Informationen zu finden.
Auch Fotos kann ich leider nicht liefern, da ich keine brauchbare Kamera besitze.
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Alt 13.07.11, 10:56   #87
epizentrum
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Freiherr-vom-Stein-Schule

Meine negative Kritik im ursprünglichen Beitrag bezog sich auf verschiedene Details, die das Gebäude in meinen Augen billig wirken lassen. Daher meine Zuspitzung als "Freiwilige Feuerwehr eines Vorortes Frankfurts". Sicher muss ein modernes Schulgebäude all die Anforderungen erfüllen, die Du aufzählst, Xalinai. Ein Kamm könnte in diesem Fall die beste Lösung gewesen sein, wobei auch ich eher zu einem Blockrand tendieren würde, der sich in ein so gestaltetes Gründerzeitviertel harmonischer einfügt. Ich denke, man kann dieses Argument gut am Satellitenfoto der Stadtplan-Website der Stadt Frankfurt nachvollziehen. (Der erste Link ist ein Bildschirmfoto vom Stadtplan, das ich nicht direkt einbinden darf.) Die Baukörper sind sicherlich unstrittig Fremdkörper. Mit einem Blockrand hätte man mit gleicher Firsthöhe voraussichtlich aber nicht die gleiche BGF erreichen können und hätte in die Höhe gehen müssen, was wiederum für eine beengte Schulhof"schlucht" gesorgt hätte. Eine weitere Variante wäre eine "U"-Bebauung mit den Flügeln bis zur Schweizer Straße gewesen und Lichthöfen in den Riegeln. Allerdings senkt auch das die Ausnutzung des Geländes. Dem könnte eine halb unterirdische Sporthalle, wie wir sie von anderen Schulen Frankfurts kennen, entgegenwirken. Hauptproblem ist sicher eine zu hohe Flächenanforderung auf dem kompakten Gelände. Die Schule des 21. Jahrhunderts benötigt im Vergleich zur Bildungsstätte der Kaiserzeit mehr Platz: Sporthalle und eine Caféteria, kleinere Schulklassen und damit eine größere Raumanzahl mit entsprechendem Verkehrsflächen-Overhead, behindertengerechter Ausbau etc. Eine weitere Alternative wäre demnach ein Umzug - was die Sache komplizierter, zeitaufwendiger und evtl. ebenfalls teurer gemacht hätte.

Wie dem auch sei, losgelöst von der Umgebung, störe ich mich an der 'billigen' Wirkung, wie anfangs gesagt: Die beiden Kämme liegen auf den flachen Riegeln wie zwei Kühe auf dem Donnerbalken. Durch ihre gedrungene Höhe, aber gleichzeitige große Breite wirken sie von der Seite plump. Dazu hängen sie auch noch über dem Sockelriegel und erdrücken ihn damit vollends. Siehe Foto.

Dann das "Gesicht" zum Westen hin. Der Schulhof ist ordentlich gestaltet, allerdings zu einem guten Drittel ein öder Parkplatz. Sicher ein Tribut an die Kosten; denn eine Tiefgarage ist teuer. Nach drei Seiten hin ist der Schulhof nicht eingefasst und damit Blicken und auch dem Straßen-/Bahnlärm ausgesetzt. Soweit zum Thema Schulhof mit Aufenthaltsqualität. Dann lieber mehr Schatten und "Geborgenheit". Gelungen ist wirklich nur die Platanengruppe mit ihrer wohnlichen Ausstattung mit Sitzgruppen.

Eingangsbereich: Das Rendering geht völlig in Ordnung. Die schmalen Seitenwände und Decken wirken leicht, fein und auch durch den dunkelroten Anstrich elegant. Dazu tragen auch die großen Glaselemente an der Front mit schmalen, kontrastierenden Rahmen bei. Die Realität: Unterschiedlich dicke Rahmen um die Glasscheiben, die Türen sehen aus wie vom Baumarkt gekauft, vor allem aber ziehen sich breite Seitenwände und eine noch breitere Decke um das Glas. Verputzt und ockerfarben angestrichen. Neu ist das Glasvordach zwischen diesen beiden (unterschiedlich breiten) Klötzchen. Das ist an sich gar nicht so schlecht, geht aber etwas unter. Es wirkt wie der Haupteingang, der links und rechts von LKW-Zufahrten flankiert wird. Sorry, aber das ist billig und "ungestaltet".

tscheibörd, danke für den Hinweis zur Anna-Schmidt-Schule. Die Kameraträger unter uns werden da sicher demnächst vorbeischauen.
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Alt 13.07.11, 21:00   #88
Xalinai
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Zum Gründerzeitviertel: In dem Abschnitt der Hedderichstraße befinden sich außer dem Schulgebäude noch genau drei weitere Häuser mit beachtlichen Baulücken, durch die modernere Hintergebäude un der Bahndamm zu sehen sind. Das macht für mich kein Gründerzeitviertel.
Vor dem Neubau war die Quote sclechter, denn da stand da das alte Schulgebäude und der 70er Klotz.

Die Ansicht Hedderichstraße zeigt drei Baukörper, das durchgehende Erdgeschoss und die beiden Querriegel (benutzte man die Kamm-Metapher wären das Zinken, keine Kämme ). Die Durchdringung des Erdgeschossblocks durch die Querriegel wird durch den Überstand materialisiert und damit die Gliederung des Gebäudes betont - die Natursteineinsätze in der Erdgeschossfassade betonen noch einmal den Eindruck des Auffangens der schweren Querrigel durch die Masse des Erdgeschosses.

Bei einem massiven, nicht durch eine derartige Gliederung und den Materialmix strukturierten Blockrandbau wäre hier im Forum doch als allererstes nach Kleinteiligkeit und Gliederung gerufen worden und die Kritik auf den dann "monolithischen Block" gerichtet worden.

Dass die Konstruktion der Eingangstüren dann wieder von der Realität eingeholt wurde, ist halt so - eine Leichtigkeit mit Glas in hauchdünnen Stahlrahmen wie sie Balser, Elsässer und May in den 20ern des letzen Jahrhunderts bauen konnten, wird mit heutigen Isolier- und Sicherheitsglasscheiben (Schulgebäude!) und dann möglichst noch mechanischer unterstützung bei der Türöffnung (Barrierefreiheit) zu einem vernünftigen Preis nicht wieder machbar sein.
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Alt 13.07.11, 21:56   #89
Wikos
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@Xalinai: Deine Anmerkung, dass es sich dabei nicht um ein Gründerzeitviertel handelt ist falsch. In der Hedderichstraße Richtung Südbahnhof steht direkt ein Gründerzeitler neben der Schule und gegenüber stehen, bis auf einen Neubau, ausschließlich Gründerzeitler. Begrenzt wird die Schule im Westen von der historisch bebauten Schweizer Straße. Selbst Richtung Kaulbachstraße hin stehen fast ausschließlich Gründerzeitler. Mehr historische Bebauung geht eigentlich schon nicht mehr für Frankfurt/M.

Dann noch zu sagen "Vor dem Neubau war die Quote sclechter, denn da stand da das alte Schulgebäude und der 70er Klotz" ist abenteuerlich. Wie soll die Quote vorher schlechter gewesen sein, wenn ein Gründerzeitler-Restgebäude weggerissen wurde und dafür ein Neubau errichtet wurde? Bitte kehre wieder zu einer sachlichen Diskussion zurück.

Geändert von Wikos (14.07.11 um 09:30 Uhr)
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Alt 14.07.11, 09:39   #90
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Anna-Schmidt-Schule (hier: Im Trutz Frankfurt)

tscheibörd machte gestern auf die Baustelle der Anna-Schmidt-Schule aufmerksam. Im Trutz Frankfurt 12 dürfte die Adresse sein. Dort fehlt das Nachkriegsgebäude der Montessori-Einrichtungen (Kinderhaus, Schule), und man bereitet gerade eine Baugrube vor. Ein Kran steht auch schon. Bilder von heute früh:



Der alte Eingang mit alter Hinweistafel:



Im Vordergrund ein Berg Styropor, ganz hinten das Arca-Haus von C. Mäckler (von 1994!), im Hintergrund die sanierten Gebäude der Anna-Schmidt-Schule, dazwischen die zukünftige Baugrube:


Bilder: epizentrum

Weitere Infos: Satellitenkarte, Street View, Bing Luftbild, Website des Montessori-Kinderhauses, Wikipedia-Artikel zur Anna-Schmidt-Schule
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