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Alt 23.07.12, 19:35   #31
nothor
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Ja, eine Sandsteinfassade wie die barocke auf der Zeichnung würde toll wirken in der gegend. Das Expose sagt aber auch aus wo das Problem ist. Die Deckenhöhe in dem Altbau liegt bei 2,18 m, was den Umbau nach heutigem Ratz-Fatz-Schnellbaustandard nicht möglich macht, wo man in Altbauten mit üblicherweise 3 m Deckenhöhe einfach Wohnkartons aus Leichtbauwänden, abgehängten Decken und Styropor-Außendämmung einzieht, bei denen nur noch 2,64 m Raumhöhe übrig bleibt und man keine massiven Wände mehr hat. In diesem Baus lebt man halt dicht an dicht, und wenn man halbwegs Raumgefühl haben will, brauchts eben einer echten Holzbalkendecke.... Sicherlich nicht unattraktiv, aber für Baufirmen natürlich ne Herausforderung.
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Alt 24.07.12, 09:01   #32
harher
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Da das Haus ja unter Denkmalschutz steht, gelten die Wärmedämmvorschriften ja nicht, bzw. nicht in dem sonstigen Umfang.
Wenn man in solch einem Haus leben möchte, dann muss man eben vielleicht etwas höhere Energiekosten akzeptieren. Dafür erhält man aber ein besonderes Ambiente. Man kann eben nicht alles haben ...
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Alt 25.07.12, 14:56   #33
Opa-Dos
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Man kann auch auf der Visualisierung gut erkennen, wie die gestalterischen Vorgaben der Umgebung zitiert werden, denn die Dachkante und auch die Einscheibenfenster sind keine Erfindung dieses Neubaus.

Die Nachkriegsbauten, die zugegebener Maßen mit geringerem Anspruch gestaltet sind als anderswo in der Altstadt werden immerhin so bald nicht verschwinden oder verbessert werden.

Dass ein privater "Häuslebauer" sich ein 200 qm Grundstück an der Äußeren laufer Gasse kauft um dort ein Altstadtverträgliches, kleinteiliges Wohnhaus zu bauen, halte ich für illusorisch. Klar, eien historisierende Fassade, oder gar eine Reko von was-auch-immer dort stand, wäre schöner. Aber es hätte auch weitaus schlimmer kommen können.
Referenz und Tradition:
Über die Sebalder Kontore mag sich jeder seine eigene Meinung bilden. Ich finde nur die Aussage das er "Nürnberger Tradition" mit quadratischen Fenstern und einer steil geneigten "Dach"fläche aufnimmt haaresträubend. Wenn als Maßstab der "Nürnberger Tradition" die Bausünden der 60er und 70er Jahre (also die Bauten mit geringem Anspruch) gelten, halte ich das für diskussionswürdig. Es bleibt zu klären, was man bei zukünftigen Bauten als Referenz in der Altstadt nimmt. Für den Entwurf der Stadtbibliothek wurde übrigens auch das dortige Parkhaus als Bauwerk in naher Umgebung zur Begründung des Entwurfes hinzugezogen.

Zur Parzelle:
Man muß nicht die alten Parzellen zwangsläufig wieder herstellen, aber wie man eine lange Fassade dezent gestalten kann, sieht man z.B. am Einwohnermeldeamt in der Äußeren Laufer Gasse.

Mein Kommentar zu diesem Kristall ist: Weniger Architektur geht nicht mehr, oder frei nach Venturi: Less is a bore. Aber es ist ja auch ein Kristall und kein Haus. Vielleicht sollten wir so weiterbauen, dann sind wir irgendwann keine Altstadt, sondern Silicon-Valley der Metropolregion.

P.S. Beim Scharrer-Gymnasium stand im Wettbewerbsurteil etwas von "fügt sich sensibel in die Umgebung ein".
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Alt 25.07.12, 15:39   #34
harher
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Warum manche hier von den Sebalder Kontoren so begeistert sind, verstehe ich auch nicht. Ich finde, der Neubau ist keine Verbesserung gegenüber dem Vorgängerbau. Der war so schlecht nicht, jedenfalls besser als die meisten Nachkriegsbauten in der Gegend.

Mal sehn wie das Dach nach einigen Jahren aussieht ...
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Alt 25.07.12, 15:43   #35
harher
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Ist übrigens schon auffällig, dass fast alle Bausünden in der Altstadt von städtischen/staatlichen Bauherrn stammen: Scharrer-Gymnasium, WiSo, ehem. Postdirektion, Wirtschaftsrathaus, Stadtbibliothek, Norishalle, Anbau Dürerhaus, Kreuzgassenviertel ...
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Alt 25.07.12, 17:23   #36
nothor
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@ harher: Und exakt deswegen sind die Sebalder Kontore für mich so befriedigend.

Nicht falsch verstehen, ich bin eigentlich ein vehementer Bewahrer alter Substanz. Aber ich bin vermutlich auch zu jung und zu schlecht informiert um zu wissen, wie die Ecke dort einmal ausgesehen hat. Was ich aber kenne ist der Erstentwurf der Kontore, und da ist der zweite einfachmal eine deutliche Verbesserung. Es gibt übrigens auch eine Visualisierung auf der der Bau mit weiss-grauem Stein verkleidet ist anstatt mit rotem. Vielleicht finde ich die noch irgendwo.

Aber wie gesagt, die Altstadt hat an anderer Stelle, auch prominenteren Orten, Bauten, die ganz und gar nicht gefallen können. Der Wöhrl, das Postgebäude in der Adlerstraße, die Parkhäuser, Teile des GMN, die Sebalder Höfe, das Scharrer Gym, die Unigebäude, Kaufhof und jüngst die Bibliothek.

So, und während die Stadt die Bibliothek (Luitpoldhaus) baut und dabei offensichtlich komplett auf Altstadtverträglichkeit pfeifft, werden einem privaten Bauherrn mit den Kontoren Auflagen gemacht in dergestalt, dass er den Erstentwurf komplett wegschmeissen konnte.
Die Stadt Nürnberg geht also hier also ganz öffentlich ohne Hehl mit miesem Beispiel voran. Und der private Bauherr an den Kontoren lässt sich trotzdem darauf ein und baut dort ein Experiment was er eigentlich zunächst nicht wollte. Er hätte auch sagen können: Okay, nicht unter diesen Bedingungen, hier bleibt erstmal eine hässliche Brache.

So. Nun sag ich mir: Mir wäre es lieber ein Gebäude wie die Kontore mit den Rechteckfenstern, der roten Steinfassade und diesem fiesen Dach in vergrößerter Form als Luitpoldhaus neben dem Gewerbemuseum zu sehen, als dass ich eine verkleinerte Kopie der jetzigen Bibliothek am Laufer Schlagturm sehen möchte. Hier verhält sich m.E. der private Bauherr vorbildlicher als die Kommune.

Deswegen: Mir gefallen die Kontore. Die Bibliothek ist eine Frechheit. Ich hoffe ganz ehrlich dass das Ding wegen baulicher Mängel oder was in einigen Jahren wieder eingerüstet wird und verschwindet. Da dort Steuergelder verbaut werden finde ich habe ich das Recht dazu.

Mir ist übrigens aufgefallen, dass die roten Farbflecken, mit denen die Fassade des Rathauses bei dem Farbbombenanschlag "verziert" wurde, keine 24 Stunden später restlos entfernt wurden. Die Stadt macht also sehr deutliche Unterschiede zwischen den Touristen-Paradewegen und der "Steppe", dem Rest der Altstadt.
Ich empfinde aber die oben genannten zumeist öffentlichen Gebäude als Flecken auf der Altstadtfassade. Die gehören grundsätzlich auch entfernt. Is nur leider nicht so einfach.
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Alt 26.07.12, 09:28   #37
harher
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Dieser Sichtweise stimme ich zu. Von der Stadt Nürnberg kann man wirklich nicht viel erwarten. Noch ein anderes Beispiel: Spielzeugmuseum - Totalentkernung. Dann lässt man das Volksbad verfallen, usw usw
Private Bauherren müssen da tatsächlich mit höheren Ansprüchen an Qualität und Gestaltung zurecht kommen. Da ist die Stadt strenger, wenn sie aber selbst die Kosten tragen muss, sieht sie das immer recht locker.
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Alt 03.09.12, 21:40   #38
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Zum Tag des offenen Denkmals am 09.September 2012 bietet sich die Gelegenheit, Nürnbergs ältestes Fachwerkhaus in der Oberen Schmidgasse 54 von Innen zu besichtigen.

Link: http://maps.tag-des-offenen-denkmals.de/#/land/by

Das Haus ist in Beitrag Nr. 10 schonmal kurz vorgestellt worden.
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Alt 09.09.12, 20:07   #39
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Heute ergab sich die oben angekündigte Gelegenheit, das Haus auch von Innen zu besichtigen. 2012-1338= 674 Jahre verbriefte Gebäude- und Architekturgeschichte eines Privatwohnhauses. Wo gibts das schon noch im Zentrum einer Großstadt.

Bis ca. 2010 war das Haus bewohnt, dann hat der jetzige Eigentümer, ein Architekt mit Spezialisierung auf Denkmalbestand, es erworben und sich zum Ziel gesetzt, es binnen 5 Jahren denkmalgerecht und energetisch zu sanieren. Der Hausherr höchstselbst nahm sich die Zeit, die Besucherhruppen durch das Haus zu führen. Dabei wird auch erst deutlich, was es mit diesem Fachwerkhaus tatsächlich auf sich hat. Von außen sieht es südseitig nicht wirklich "fachwerkig" aus:



Außerdem erschließt sich einem nicht direkt, was es mit der Teilung auf sich hat. Ich nahm an, der besagte linke teil wäre die Nummer 58 "Zum Albrecht Dürer Haus". Dem ist nicht so. Stattdessen ist das Gebäude heutzutage in die Nummern 54 und 56 geteilt: Vom Keller bis zum Dachfirst. Es ergibt sich gewissermaßen ein Raumgefühl wie in den beliebten Reihenhäusern, wie sie massenweise in und um Nürnberg gebaut werden.

Rückseitig (Hofseite) sieht man nun das Fachwerk endlich, wie es auch mal auf der Vorderseite gewesen ist:



Betritt man das Haus durch die in Sandstein einfasste Haustür steht man schon wenige Meter weiter vor einer Treppe. Ab in den Keller:



Dort erklärte der Hausher sodann die Baugeschichte. An der Wand erkennt man die Ursprüngliche Gründung des Gebäudes, die viel höher gelegen hat als der heutige Kellerboden. Der jetzige keller wurde unter den alten ausgegraben und untermauert.



Das jetzige Erdgeschoss ist eigentlich in der Erbauungszeit der Keller bzw. das "Souterrain" gewesen. Es wird vermutet, dass die Straße einst ertüchtigt und um ca. 1 - 1,50 m abgesenkt wurde. Besonders gut sichtbar ist dass, wenn man die Höhe der Gebäudezugänge der Hausnummern 56/54 und 58 vergleicht. Wahrscheinlich stammt aus dieser Zeit die vorgeblendete Sandsteinfassade.

Im (heute) 1. OG dann erwartet man die "Bèlle Étage":




Dieser Raum wird künftig gewerblich genutzt. Hier sind die Sanierungsarbeiten augenscheinlich am weitesten. Lediglich die Fenster und die Hofwand sehen noch sehr "baustellig" aus.
Das Gebäude hat eine lange Tradition als Bäckerei. Im Keller stand einst der Backofen. Dessen Esse durchzog das gesamte Haus durch alle Decken mittig bzw. die hier betrachtete Haushälfte an der Westwand.



Die Esse wurde aber (außer im Spitzboden) entfernt und dient nun der Schachtung der Haustechnik. Der große Technikkasten rechts bietet alle Zuleitungen für dieses Geschoss. Der Denkmalschutz schreibt hier viel vor, z.B. dürfen keine Leitungen unter Putz oder im Boden verlegt werden. Hierfür sind die Boden-Abschlussleisten als Kanalwege vorgesehen. Ebenfalls sollen keine Deckenleuchten eingebaut werden. Bei einer Deckenhöhe von rd. 2,15 m ist das aber eh Unfug.

Hier wird aber auch der Effekt der vorgeblendeten "Neubau"-Renaissance-Sandsteinfassade deutlich. Die Fenster in den sandsteinernen Fensterlaibungen passen nicht so recht zum Raum. Man steigt eine Stufe hinauf und ist auf einem Podest, erst dann hat man die Fensterbank auf der richtigen Höhe. Die Fensteroberkante liegt höher als die Zimmerdecke. Daher ist sie nach oben durch hölzerne Fachungen aufgeweitet. Die Decke zum darüberliegenden Zimmer ist also dünner:



Hinauf geht es über eine Wendeltreppe, die einen sehr wackeligen Eindruck macht. Grundsätzlich ist sie aber ertüchtigt worden und hielt den Besuchermassen stand:



Das heutige 2.OG war nach dieser Systematik also früher das 1. OG, die "Bèlle Étage". Das wird schnell deutlich an der barocken Holzkassettendecke und der höheren Deckenhöhe von hier ca. 2,40 m:



Dieser Raum ist auch schon stimmiger, die Fenster sitzen richtig und das Raumgefühl wirkt echter.
Das eigentliche Highlight des Hauses ist allerdings der weitgehend erhaltene originale gotische Dachstuhl mit den verblatteten Holzbalken. Dem Hausherren liegt besonders viel hieran, pure Geschichte aus höchstwertig ausgesuchten Baumstämmen von mittlerweile bestimmt 700 Jahren alter, die bis heute tragen:



Ebenfalls die Wände tragen teilweise noch die Füllungen aus Lehm und Putz aus dieser Zeit, teilweise noch mit Farbfassungen:



Bis auf den Spitzboden bin ich über die Leitern nicht rauf, man durfte aber. Insgesamt Hiermit bedanke ich mich nochmal für diese hochinteressante Begehung eines im Umbruch befindlichen Denkmals, das beeindruckender kaum sein könnte.

Witzig war, dass die Renaissance-Sandsteinfassade ihren blenderischen Zeck gut erfüllt. So manch Neugieriger hat sich vor dem Haus verdutzt umgesehen und nach dem ältesten Fachwerkhaus gefragt. Hat man dann auf das gebäude No 54/56 hingewiesen, gabs ungläubige Blicke. Der Architekt selbst hätte glaube ich die originale Fachwerkfassade wieder, wenn ich das recht verstanden habe. Die Sandsteinfassade, die derzeit leider auch zu schlicht verputzt ist, ist sicher auch ganz schön. Sioe trägt nicht und ist auch sonst wohl nur unzureichend mit dem Tragwerk des Hauses verknüpft, sodass sie sich nach außen ausbaucht. Mit Haltehaken wird sie künftig fixiert werden.

In mittlerwer zukunft wird dann die Hausnummer 56 Thema werden, die sich angeblich in etwas kritischerem Zustand befinden soll.
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Alt 17.11.12, 16:16   #40
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Erfreuliches aus der Altstadt.....

.. kann man rund um die Adlerstraße entdecken. Das in Beitrag Nr. 15 vorgestellte Haus Adlerstraße 16 steht zwischenzeitlich befreit von Gerüsten wieder strahlend da. Wie angekündigt ist die Fassade barock-rosa geworden. Und das Chörlein wurde nicht als dunkel gebeiztes Holz - wie sonst fast überall - belassen, sondern ebenfalls in eine barocke Farbfassung gesteckt. Ich find's toll:



Von weitem ist diese Hauszeile aus den drei Altbestandbauten echt schnieke: Einmal Fachwerk, einmal Gotik, einmal Barock und einmal Gründerzeit. Echt klasse:



Und dann noch das von Dexter in Beitrag Nr. 24 gezeigte Haus in der Königstraße strahlt gleich in der Nachbarschaft wieder den Charme der 50'er Jahre aus. Blick aus der Adlerstraße:



Zwischenzeitlich, da auch in der Altstadt immer mehr Details aus den 50'ern verschwinden, ist dieser Anblick schon sehr erfreulich.
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Alt 17.11.12, 16:31   #41
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... und weniger erfreuliches

... ist vor allem in den Blöcken abseits der Schaurouten in der Altstadt zu sehen. Hier grassiert das Dämmfieber. Ganze Blöcke verschwinden in Styropor. Der Block zwischen Martin-Treu-Straße, Heugässchen udn Tucherstraße ist nun nach fast 3 Jahren Baumaßnahmen komplett verhüllt. Vorzustand aus Google Maps teilweise zu erkennen: Link.

Während die Martin-Treu-Straße seit einem jahr fertig ist, schön-kleine Fensterchen und dicke Fassadendämmung, die den eh schon schmalen Gehweg nicht komfortabler machen...



... befindet man sich an der Tucherstraße nahe dem Abschluss. Auch hier werden die Fenster kleiner und die Fassade glatter:



Gleich um die Ecke, immernoch in der Martin-Treu-Straße, wird ein weiterer 50'er-Jahre-Bau verpackt. Seltsamerweise erspart man sich hier sogar die Brandsperren, die es eigentlich alle 2 Etagen geben muss.



Insgesamt profitiert unser Wohnumfeld nicht wirklich von dieser Form der energetischen Ertüchtigung. Es profitieren nur die Beteiligten der Wertschöpfungskette bis zum vorletzten Glied. Die Bewohner wiederum oder Nacheigentümer haben den Ärger mit der aufwändigen Wartung der Fassade und ggf. sonstigen Nachteilen.
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Alt 17.11.12, 17:29   #42
harher
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Diese Dämm-Manie ist wirklich erschreckend. Viele doch recht einfache Häusern aus den 50er und 60er Jahren hatten immerhin oft an den Fassaden Schmuckelemente. Nun wird alles platt gemacht. Die Häuser werden ja deswegen ansonsten auch nicht wertiger. Die Raumaufteilung und die Geschosshöhen bleiben ja auf dem alten (mickrigen) Niveau.
Das kommt davon, wenn man solch blödsinnige Subventionierungsorgien in die Welt setzt, wie mit diesen Ökogesetzen.

(Nur nebenbei: analog wird die Landschaft mit diesen schicken grünen Silos für die Biogasanlagen zugestellt und natürlich mit diesen häßlichen Propellern...)
Ist einfach verrückt das alles!
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Alt 17.11.12, 23:21   #43
nothor
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Da sagst du was. Wobei ich Autobahnen, Großparkplätze und Braunkohletagebaue auch nicht schön finde, aber damit bin ich aufgewachsen. Die Jugend von heute wird mit Windrädern, Biogasanlagen, Wärmespeichern (ist ja eins in Schweinau geplant, eine echte Monstrosität) und natürlich mit Plastikfenstern -und Türen aufwachsen. Naja, ich kenne auch nicht wenige Menschen, die besitzen nicht ein Möbelstück aus massivem Holz. Verbunden mit Laminat/-Fliesenfußboden und wärmegedämmten Häusern wissen diese schon heute nicht mehr was Massivholz ist.

Naja es gibt noch Ecken in der Altstadt mit eigenem Charme und Potenzial, nämlich rund um die hintere Ledergasse 25. Google streetview vorzustand Link. In dem haus befand sich bis vor kurzem die Wirtschaft "Blaue Glocke", heute vorbei gegangen sah ich dass das Haus leer steht und der Putz im Erdgeschoss abgeschlagen ist. Die oberen Etagen stehen augenscheinlich leer:



Weiss jemand was dort vor sich geht? Das Haus besitzt einen Sandsteinsockel und schön profilierte Fensterlaibungen, ich schätze es ein als Barockhaus. Direkt daneben ein weiteres Haus dieser Zeit, die Nummer 27:



An dieser Ecke stehen noch die uralten Nürnberger Bürgerhäuser, leider kaum noch als solche Erkennbar. Kein Tourist zückt dabei den Fotoapparat. Man könnte so viel draus machen. Ein Jugendstilhaus hält attraktiv die Stellung (nur bei den Fenstern war man wieder geizig)....



... und dieses Gebäude fällt durch die sehr stark ausgebauchte Wand auf:



Das Nachbarhaus in der Hutergasse wird ja aufwäöndig wiederher gestellt. Sobald es fertig ist gibts Foto!

Was mich in diese Ecke gelockt hatte waren die Baugerüste in der Hinteren Ledergasse 21. Vorzustand.



Dort wurde ein 50'er-Jahre-Wohnhaus mit Kunststofffenstern und Styroporfassade ruiniert. Nichteinmal den farblich abgesetzten Erdgeschossbereich hat sich der hungerleidende Eigentümer geleistet. Als Vertreter seiner Epoche ist es nun nicht mehr erkennbar. M.E. sollte soetwas in der Altstadt nicht möglich sein, so ein haus gehört in eine Neubausiedlung nach Thon oder so. Wenn das Potenzial dieser Ecke derartig wegsaniert wird, wird unsere Stadt leider echt nicht schöner.
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Alt 18.11.12, 07:18   #44
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Glücklicherweise sind bislang denkmalgeschützte Häuser von der Dämmwut ausgeklammert. Hoffentlich bleibt das auch so, denn wenn Mieter mal Mietminderung wegen zu geringer Energieeffizienz bei denkmalgeschützten Häusern fordern können, dann gute Nacht!

Es soll schon Fälle gegeben haben, wo Fachwerkfassaden gedämmt und die neue Styroporfront mit ein paar Brettern als Fachwerk getarnt wurde.

Bei vielen zählt Tradition und Ästhetik nichts.

Beispiel der OB von Tübingen, Palmer:
... betonte der grüne Oberbürgermeister auf einer "Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt", dass das Bedürfnis nach Ästhetik nicht über den existenziellen Fragen der Menschheit stehen dürfe. Notfalls, drohte Palmer, wolle er ganz Tübingen "einpacken".
http://www.uwe-rada.de/themen/stadt_verschandelung.html

Solche Leute denken eindimensional - nur in Richtung Öko/Energie. Das ist sehr schlicht um nicht zu sagen stumpfsinnig.

Geändert von harher (18.11.12 um 09:21 Uhr)
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Alt 09.12.12, 01:22   #45
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Nachtrag zur Hinteren Ledergasse 25, das Haus auf dem ersten Foto des Beitrags Nr. 55:

In den einschlägigen Immobilienportalen wird das gesamte Haus zum Verkauf angeboten. Kaufpreis 270.000 EUR für ca. 274 qm. Es wird eine denkmalgerechte Kernsanierung als erforderlich angegeben. Na ich bin ja mal gespannt wie das weitergeht...
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