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Alt 19.07.14, 13:49   #76
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Am Obstmarkt wurden die Gebäude zwischen dem Rathaus am Fünferplatz und dem "Bratwurst Röslein" energetisch saniert. Die Außenhaut wurde mit einem WDVS versehen, und anschließend immerhin maximal an den Vorzustand angeglichen, um die Beeinträchtigung durch die erhöhte Fenstertiefe zu kaschieren.



Ich bin gespannt auf die Erdgeschosszone, und das, was anstelle des "Chongs Diner" nun dort einziehen wird.
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Alt 15.08.14, 09:18   #77
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Zwischenstand Stadtquartier

Zitat:
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Beim ambitionierten Berger-Projekt mit dem fast bescheidenen Namen "Stadtquartiere" sind einige Baublöcke bereits vollendet.
Das Projekt nähert sich der Fertigstellung. An der Inneren Cramer Klett Straße sind nun die Gebäude fast fertig gestellt und nicht mehr wieder zu erkennen. Ansicht 2012:



Die gleichen Gebäude, aus einer anderen Perspektive:



Dabei hat es leider das Gesimsband aus Metall erwischt, das einige Reliefs zu bieten hatte, die für die Wiederaufbauzeit typisch sind. Würde mich mal interessieren wo die abgeblieben sind. Bei Streetview lässt sich das Relief noch gut betrachten: Klick.
Auch an sonsten bin ich ja kein Freund von diesen Synthetik-Putzen, trotzdem denke ich ist die Sanierung für die Straße eine Aufwertung. Die Gebäude haben große, aufrechte Fenster erhalten und sind auch sonst keineswegs öde, aber auch nicht aufdringlich. Hier wäre allerdings auch mehr gegangen, aber gut.
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Alt 16.09.14, 00:12   #78
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Obere Schmiedgasse 54 - 2 Jahre später

Zum Tag des offenen Denkmals bot sich wieder einmal die Gelegenheit, die Baustelle der Fam. Votteler in der oberen Schmiedgasse 54 am Tiergärtnertorplatz zu besuchen. Seit ca. 2 Jahren ist dort "Baustellenwohnen" angesagt, damals waren wir schoneinmal vor Ort. (Beitrag vom 9.9.2012). Die vom Hausherrn angebotenen Führungen waren heiss begehrt, und schon gegen Mittag an die Schlangestehenden versprochen worden. Wer später kam sah in die Röhre. Wir hatten Glück. Zunächst ist schon im Laufe des Jahres aufgefallen, dass die Sandstein-Fassade freiliegt. Notwendig, um sie instand zu setzen, da sie sich gefährlich ausgebaucht und dadurch das gesamte Haus mitgezogen hat. Die Innenwände, die mit weichen Lehmgefachen ausgefüllt sind, haben die Bewegungen nämlich mitgemacht!

Blick von der Seite auf die mittig 40 cm ausbauchende Fassadenhaut:



Das 2-face-Haus:



Geplant ist, die Fassade als Sandsteinfassade instand zu setzen, die defekten Steine zu ersetzen, Risse zu schließen und sie mit der dahinterliegenden Fachwerkkonstruktion zu verankern. Die Oberfläche soll geschlämmt und anschließend gestrichen werden. Die Schlämmung - im Unterschied zum Verputzen - lässt das Fugenbild der Sandsteine sichtbar, verschafft der Oberfläche jedoch eine Geschlossenheit, die winddicht und frostfest ist und sich gut farbig fassen lässt. Vermutlich wird sie sandsteinfarben gestrichen und sogar ein Fugennetz aufgemalt, aber das hab ich nicht so ganz mitbekommen. Wie dem auch sei, es wird sicherlich ein Hingucker.
Im Erdgeschoss hat sich seither wenig Sichtbares getan, zumindest für denjenigen, der nicht jeden Tag dort arbeitet. Ähnlich in der Stube im 1. OG (früher das Erdgeschoss), wo die Besucher mit Kaffee und Kuchen empfangen wurden. Bis auf die Fenster ist auf dem Bild wohl alles weitgehend fertig:



Die Fenster, durch die der Blick auf den Tiergärtnertorplatz und das Albrecht-Dürer-Haus fällt, stammen aus den 1950'er Jahren. Sie sind zwar handwerklich solide gebaut, aber ziemlich kaputt nach 60 Jahren Wind und Wetter, und auch gestalterisch nur grob dem angenähert, was eigentlich hingehört. Nachdem die Fassade fertig ist, kommen auch neue Kreuzstockfenster mit barocker Anumtung hinein, die zwei große Flügel unten und zwei kleine oben mit insgesamt 6 Feldern beinhalten (wie jetzt).

Die eigentliche Führung indes beginnt eine Etage höher, vor der eigentlichen "guten Stube", die einst das 1. OG war. Dort an der Decke lassen sich auch bereits weitgehend instand gesetzte Lehmgefache begutachten:



Die rautenfärmig aufgeriffelten Flächen sind frisch verputzt, die Riffelung bietet dem Oberputz dann seinen Halt, um sich fest zu krallen. Über die Farbfassung der Decke wird wohl noch beraten, es wird wohl in Richtung terracotta gehen...
Die Wand indes zeigt ein Bimssteingefach ebenfalls mit mehreren Lagen Putzen und Farbfassungen:



In der Stube dann ist man schon ziemlich weit: Die alte Bohlendecke, eine der ältesten Nürnbergs, war ja beim letzten Mal schon zu bestaunen.



Im Vergleich zu 2012 ist nun aber ein fester Boden drin, und die westliche Innenwand (rechts im Bild) wurde restauratorisch freigelegt und befundet.



Man hat dabei mind. 3 verschiedene historisch relevante und für sich wertvolle Wandfassungen entdeckt. Zum einen hier gut zu sehen eine spätere, barocke Fassung mit Schnecken, Mäandern und farbigen Mustern:



Und vielleicht noch interessanter, darunter liegend eine frühere Wandmalerei, die schwer zu erkennen den Blick (wohl) auf den Tiergärtnertorplatz zeigt. Man kann auf meinem Foto zumindest einen grünen Hügel im Hintergrund erkennen, davor eine ziegelrote Dachfläche mit einem Turm mit gotischen Fenstern daneben. Da muss man aber mit guten Willen sehr genau hinsehen:



Dass das Gebäude eine reiche Umbaugeschichte hat, erkennt man auf diesem Bild recht gut:



Man erkennt die Türe mit einem abgesägten Türsturz rechts daneben, der zeigt dass bauzeitlich wohl eine nur 1,70 m hohe Tür eingebaut war. Kleine Türen haben die Wärme gehalten. Hohe Türen dagegen zeigen, wie später in den Palästen, dass man sich das Heizen durchaus leisten kann. Die Ostwand rechts ist ca. 60 Jahre alt und hat nach dem 2. Weltkrieg die alte Fachwerkfassade fast komplett ersetzt. Heute wohl die Mammutaufgabe am Projekt, hier wieder eine Fachwerk draus zu machen. Im hinteren Teil des Hauses sieht man es noch deutlicher, wie die Südwand Schritt für Schritt ausgetauscht wird. Die energetisch unter den herrschenden Gegebenheiten (Fachwerkanschlüsse, kein Platz) schwer beherrschbare Ziegelwand wird entfernt und gegen eine Fachwerkkonstruktion ausgetauscht, dass mit modernen, denkmalkompatiblen Materialien sowohl statisch ertüchtigt als auch energetisch vorteilhaft ausgebildet wird:



An der hier sichtbaren Südwand machen die Gefache aus Ziegelsteinen Probleme: Die Ziegel sind zwar verwindungssteifer als Lehmgefache, sie sind aber energetisch problematischer und zudem lastmäßig so schwer, dass es im Laufe der Zeit mannigfaltige statische Folgeschäden gegeben hat. Die kommen also auch noch weg, wenn ich das richtig verstanden habe.



Ebenso wie die Ziegelwand rechts, von der vorhin schon die Rede war:



Der Segmentbogen in der Ostwand mit dem Fenster markiert außerdem den Platz für das Treppenhaus. Damit es nicht zu eng wurde, hat man mit dem Entlastungsbogen hier eine Konstruktion geschaffen, die eine dünnere Wandscheibe erlaubt hat, damit das Treppenhaus eine Ziegelbreite, also ca. 12 cm breiter werden konnte:



Das wird sukzessive verschwinden. Der aufmerksame Leser und Betrachter hat sich jetzt sicherlich gefragt, wohin denn die Fenster in der Ostwand zeigen, wenn das Haus doch direkt an seinem Nachbarn anlehnt (Siehe zweites Bild). Zu erklären ist das in einer Art Durchgang zwischen den beiden Häusern, sowohl als Fluchtweg als auch als Feuerschutz. Zwischen den Häusern existiert eine ca. 70 cm breite Gasse, die sich durch eine kleine Tür in der Fassade verrät. Einst hat der Nachbar nämlich seine Fassade bis an die Nr. 54 angebaut und so den Spalt optisch geschlossen, und diese Tür ist eingefügt worden:

.

Zuletzt noch ein Blick in die 3 Dachgeschossebenen darüber, in denen fleissig gearbeitet wird. ein Aufgang war für Besucher diesmal nicht möglich.

.

Insgesamt für den historisch interessierten und handwerklich neugierigen Besucher wie mich war das eine motivierende Besichtigung. So kann man Energie für die eigenen Projekte tanken, wenn man sieht das auch der Profi seine Zeit braucht und gfls. das ein oder andere durchaus wieder rückbauen muss oder neu plant, um die beste Lösung zu realisieren. Mir geht es so, und mir kam das Gefühl auf dass es hier in einigen Details ähnlich läuft. Wer sich näheres zur O.SchmG. 54 ansehen will, dem sei zunächst die Website des Bauherrn empfohlen: www.dxv-architektur.com Dort macht der Bauherr und Architekt erfreulicher Weise einige Hintergrundinfos, historische Aufnahmen und Pläne verfügbar: http://www.dxv-architektur.com/de-50...55_dxv_osx.php

Vielen Dank an den Hausherrn und seine Helfer für diese spannenden Eindrücke.
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Alt 01.11.14, 22:15   #79
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... und tatsächlich, anscheinend hat der Nachbar dann doch das Gefühl bekommen, dass es vielleicht garnicht so schlecht ist, wenn der eigene Nachbar Architekt ist und gerade das ganze Haus auf Vordermann bringen möchte, zumindest was die gemeinsame Fassade anbelangt:

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Alt 04.11.14, 22:52   #80
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"Hotel Elch" in der Irrerstraße 9-11

Es sei hier unbedingt erwähnt: Das traditionsreiche "Hotel Elch" in der Irrerstraße 9 kann nach eigenen Angaben auf eine Herbergstradition von über 672 Jahren zurückblicken - erstmals urkundlich erwähnt 1342. Das schon seit langem in seinem heutigen, attraktivem Äußeren bestehende Fachwerkhaus Irrerstraße 9 (links) wurde jüngst erweitert.



Das Hotel hat nun, wie Dexter schon 2012 berichtet hatte, das westliche Nachbarhaus, Irrerstraße 11, dazugekauft und darin massive Sanierungen durchgeführt. Von innen kenne ich es leider nicht, aber einiges, v.a. die Eingriffsstiefe, lässt sich von außen schon erahnen. Es heisst bspw. dass ein Aufzug eingebaut worden ist. Gottseidank ist davon außen nichts zu erkennen, würde man hier einen turmartigen Aufbau erwarten.
Immerhin lässt sich aber am Westgiebel gut erkennen, das weitere Fensteröffnungen erstellt wurden und eine zweite Reihe Dachgauben entstanden sind. Somit konnten neue Geschosse und Räume nutzbar gemacht werden.

Zustand 2012:




Zustand Sommer 2014:



Zustand heute:



Im Erdgeschoss ist eine gemütliche, allerdings auch moderne Hotellobby untergebracht. Außen lässt sich auch an den schweren Zugankern erkennen, wie man hier statisch ertüchtigen musste.



Ich habe mir sagen lassen, dass für die von außen recht wenig sichtbaren Maßnahmen doch ziemlich viel Geld in die Hand genommen werden musste. Zumindest für den Passanten hat die Irrerstraße hier ein neues altes Schmuckstück zurück. Hoffentlich setzt sich das in absehbarer Zukunft auch in anderen Objekten fort.
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Alt 20.11.14, 15:18   #81
DocHobbit
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DocHobbit hat die ersten Äste schon erklommen...
Beim Umbau des Sparkassengebäude in der Lorenzer Straße wird momentan das Gerüst entfernt und lässt einen ersten klaren Blick auf die Fassade zu. Hab heute Mittag gleich mal ein Foto mit dem Handy gemacht:

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Alt 24.12.14, 00:16   #82
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Obere Wörthstraße 20

Quasi zum Jahresabschluss und das auch nur im Vorbeigehen gab es noch eine sehr erfreuliche Sanierung in der Altstadt zu entdecken. Das ehemalige Handwerkerhaus, das ich nur etwas traurig und leerstehend kenne, sah bis vor Kurzem noch so aus:



Ein mutiger Privatmann hat die Chance ergriffen und sich das Gründerzeithaus gesichert und wunderbar instand gesetzt. Heute schaut es wieder aus wie neu:



Die Rückseite ist als Fachwerk aufgebaut und lässt sich am Besten vom Henkersteg sehen, und mit viel Zoom auch fotografieren:



Bald allerdings wird davon kaum noch etwas zu sehen sein, denn das Ufer wird an der Stelle demnächst vom Projekt "Pegnitzlauben" verbaut werden, wo einst das Kontiki stand. Die Bauarbeiten sind schon in vollem Gange:



Der östlich begrenzende Gründerzeitbau - oder handelt es sich dabei nur um eine vorgeblendete Fassade (?) - an der Nordflanke der Oberen Wörthstraße ist also wunderbar wiederhergestellt. Nun wartet noch der westlich abschließende Bau auf zumindest ein paar hübschere Fenster. Hier ein Foto (entzerrt):

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Alt 25.12.14, 11:59   #83
Hans Ebert
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Wow! Danke für die schönen Aufnahmen zum Fest, @nothor! Ich finde es toll, dass es immer wieder mutige Eigentümer gibt, die sich mit ihrer Immobilie identifizieren und sie behutsam restaurieren. Das Handwerkerhaus oben ist super geworden! Wie viel mehr Qualität ein historisches Gebäude so gleich bekommt, erstaunlich! Das Eckhaus ist mir die Tage auch aufgefallen; es ist ja leider ein bisserl "verlebt", sage ich mal. Es ist übrigens KEIN Einzeldenkmal (warum auch immer – wahrscheinlich ist eine Speisekammertür 1926 ausgetauscht worden – *höhöhöhö*), unterliegt aber dem Ensembleschutz.
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Erst wenn die letzte Fassade gedämmt, die letzte Villa entkernt, der letzte Garten zugebaut ist, werden die Menschen feststellen, dass Denkmalschutz doch sinnvoll ist.
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Alt 25.12.14, 13:04   #84
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Obere Wörthstraße 20

Jep, ich sollte mir vielleicht angewöhnen bei solchen Objekten direkt mit der Liste zu arbeiten. Zur Oberen Wörthstraße 20 heisst es dort

Zitat:
schmaler viergeschossiger Steildachbau, Nordseite Fachwerk verputzt, um 1580, Südseite neugotische Sandsteinquaderfassade mit Chörlein, 1895
Auszug Denkmalliste

Das erklärt nun auch die zunächst für die Gründerzeit nicht so ganz passenden Kassettenfenster, die ich eher in die Barockzeit verorten würde.
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Alt 25.12.14, 13:27   #85
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Vordere Ledergasse 8

Nach der wiederauferstandenen Schönheit "Obere Wörthstraße 20" steht womöglich eine weitere Verschönerung an, diesmal in der Vorderen Ledergasse die Hausnummer 8 (nähe Saturn). Dort steht ein ehemaliges Gerberhaus, Auszug Denkmalliste: "viergeschossiger massiver Satteldachbau, im Kern 16. Jahrhundert, Dacherker und Chörlein in neubarocken Formen der Neugotik und Neurenaissance 1889, mit rückwärtigem dreigeschossigem Flügel". Man erkennt am Gebäude den laufenden Umbau des Erdgeschosses - bisher war dort wohl ein Juwelier ansässig - und einige Fassadenproben in den Obergeschossen.



Besonders reizvoll an diesem Gebäude ist der Aufzugserker und das hölzerne Chörlein, wobei ich mind. das Chörlein ins 19. Jahrhundert stecken würde, denn es blockiert ja gewissermaßen den Aufzug des Aufzugserkers. Ich kann mir daher kaum vorstellen, dass das im 16. Jahrhundert schon so gebaut worden ist. Das Chörlein ist definitiv als Schmuckdetail eingefügt worden.



Da es sich um ein Einzeldenkmal handelt denke ich kann man hier ein schönes Ergebnis erwarten. Überhaupt, im Zuge des Neubaus des Wöhrl-Flügels sollte die gesamte Vordere Ledergasse eine Aufwertung erfahren, denn Gehwege, die nur 1 Meter breit sind, das kanns ja wohl nicht sein.
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Alt 25.12.14, 18:15   #86
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Danke für die aktuellen Bilder, @nothor! Es wäre schön, wenn das Gebäude soll toll instandgesetzt würde wie das Kaufmannshaus in der Ob. Wörthstraße. Ich denke auch, dass der Erker neuer ist, auch die Reliefs am Korpus sehen mir recht historistisch aus. Hier wäre es auch mal gut, wenn man den 1960er/70er Jahre-Ladeneinbau rückbaut – er greift so tief in die Fassade ein, dass eine moderne Interpretation der ursprünglichen Front meiner Ansicht nach hier besser ist als der Erhalt der Fensterwand.
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Alt 18.01.15, 22:04   #87
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Sanierung Fassade Polizeipräsidium

In der ersten Sitzung des Baukunstbeirates Nürnberg war als TOP 3 die Überarbeitung der Fassade des Polizeipräsidiums Mittelfranken am Jacobsplatz. Der Bauherr, das Polizeipräsidium selbst, wünscht sich eine energetische Effizienzsteigerung, mehr Sicht- und Blendschutz und ein etwas offeneres, einladenderes Erdgeschoss. Der Aufgabe haben sich bbp-Architekten angenommen, und das Bauvorhaben aufgrund seiner Sensitivität inmitten historisch bedeutender Umgebung am Montag dem Baukunstbeirat vorgestellt. Dankenswerter Weise geht die Präsentation einher mit einigen aufschlussreichen Visualisierung. Konkret geht es um folgende Gebäude:


Quelle: Vorlage bbp-architekten beim Baukunstbeirat Nürnberg, 14.01.2015

Den baulichen Referenzrahmen bildet freilich der Jacobsplatz.....



...mit seinen beiden Sakralbauten, der frühgotischen Jacobskirche....



...sowie der imposanten klassizistischen St. Elisabeth-Kirche:



Beide Bauten geben als Material der Wahl für die Fassade Natursandstein vor, daher ist auch für die Neugestaltung eine Sandsteinfassade vorgeschlagen.
Direkt an die St. Elisabeth-Kirche schließt sich das Polizeipräsidium an, das durch einen etwas zurückhaltenderen Baukörper gebührlichen Abstand von der von der Kirche gewinnt, ohne eine Baulücke zu bilden. Der Bestand, ein Neubau aus den 1970'er Jahren, ist schon damals rücksichtsvoll aus Sandstein erstellt worden:



Für diesen Verbindungsteil schlagen sich die Architekten eine Verkleidung aus Metall vor, wobei zunächst von Aluminium die Rede war. Da man damit aber direkt "böse Blicke" erntete, korrigierte man direkt hin zu sandsteinkompatiblen Metalloberflächen, wie Bronze oder entsprechend eloxiertes Blech. Schließlich will man es ja besser machen als die Architen damals in den Siebzigern. Hierzu gibt die Vorlage beim BKB Details bekannt.

Der Bestandshauptbau führt nur noch im Erdgeschoss die Materialität der Zwischenbaus bzw. der Umgebung weiter, und setzt in den Obergeschossen auf ein anderes Material, ich schätze irgend eine Art Schiefergestein oder dergleichen:



Der Haupteingang erhält besondere Aufmerksamkeit, der sich heute sehr martialisch, fast etwas brutalistisch präsentiert durch seine aufdringliche Gestaltung:



Die Neugestaltung sieht hier eine Zurücknahme der Eingangssitiation vor, die als abschreckend empfunden wird. Der Haupteingang spricht die Sprache einer Zeit, in der Ämtergebäude wohl so angelegt waren, um Besucher abzuschrecken und zum umdrehen zu bewegen. Zum heutigen Zeitgeist passt das nicht mehr. Hier wird auf mehr Offenheit durch gläserne Türen und große Erdgeschossfenster gesetzt. Die vom öffentlichen Raum entrückte Wirkung wird durch die sandsteinernen Einfriedungen mit den Sträuchern noch verstärkt. Auch hierfür sehen die Architekten vor, das Gebäude an den Weg heran zu führen, und durch bodentiefe Glasflächen "zu erden":


Visualisierung: bbp Architekten

Leider wird auch die Bronzene Noris über dem Haupteingang entfernt. Zugegeben, sie ist für den doch recht kleinen Eingang wirklich zu groß, aber zum Wegwerfen und Einschmelzen wiederum auch zu Schade. Ich hoffe man hat für Sie einen Plan B! Das kleinere Wappenlogo daneben Sollte doch im Innern, im Empfang beispielsweise, einen Platz finden! Ich finde es immer Schade, wenn solche Details aus dem Stadtbild verschwinden. Bereinigt wird schon mehr als genug.
Für den Seitenbau an der Schlotfegergasse ist eine vergleichbare Überarbeitung vorgesehen. Der Bestand fällt dorthin qualitativ deutlich ab, es liegt hier eine simpel verputzte Lochfassade vor, die auf einem Erdgeschosssockel aus Backstein ruht:



Die Neuplanung ist hier eindeutig eine Aufwertung, da sie die höherwertige Gestaltung des Hauptbaus übernimmt:


Visualisierung: bbp Architekten

An der fensterlosen Achse des Giebels wäre indes sogar Platz für die Noris vom Haupteingang, die hier deutlich schöner wirken würde!
Die konsequente Weiterführung der Fassadengestaltung ist hier m.E. schon sinnvoll, da auch die Schlotfegergasse nicht Arm ist an städtebaulicher Attraktivität:



Der Bäckerhof stellt eines der wenigen verblieben Beispiele der Nürnberger Gründerzeit, des "Nürnberger Stils" dar, und ist hier noch gut erhalten:



Ein schönes Projekt, das in der Presse auch durchweg Lob eingeheimst hat (leider nichts davon online). Einzig der verschwindende Gebäude"schmuck", stellt für mich einen kleinen Wehrmutstropfen dar. Wäre Schade, wenn die Dinge auf den Müll geraten oder in irgendeinem Depot verschwinden.
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Alt 19.01.15, 20:40   #88
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Erweiterung Kirchenbauamt am Egidienplatz

Ebenfalls im Baukunstbeirat, allerdings schon in der Sitzung am 13.03.2014, war die geplante Erweiterung des Kirchenbauamtes am Egidienplatz. Der Bestand stellt sich derzeit noch als in Benutzung dar, und macht nicht wirklich einen sanierungsbedürftigen Eindruck:





Es ist geplant, das Gebäude zu erweitern, indem der nördlich gelegene kleine Parkplatz zwar bestehen bleibt, jedoch überbaut wird. Der Neubau soll dabei passend an den Bestand angefügt werden. Die senkrechte Balkonachse wird geschlossen und verglast, und wird dadurch im Ergebnis zu einem zentrierenden Element. Die gesamte Planung ist so angesetzt als würde man den Entwurf aus den 1950'er Jahren weiterbauen: Sowohl die Ausbildung eines Sockels, als auch die verputze Lochfassade und das flache Walmdach bleiben. Man verzichtet sogar ausdrücklich auf eine Nutzung des Dachgeschosses zugunsten des bestehenden, altstadttypischen Daches, das an sonsten hätte mit seltsamen Blechgauben oder unpraktischen Dachfenstern durchlöchert werden müssen:


Architekten: Baum + Kappler Nürnberg

Der Baukunstbeirat äußert sich sehr zufrieden mit dem Entwurf, gibt jedoch diverse kleinere Hinweise, insbesondere zur ebenfalls vorgesehen Wärmedämmung nach außen, die - schlecht gemacht - die Proportionen oft völlig ruiniert. Der Sandsteinsockel wird dabei definitiv verschwinden und durch entsprechend gestrichenen Dämmputz ersetzt. Auch die ausgestellten Erdgeschossfenster werden darunter ziemlich beeinträchtigt. Eien aktuellere Visualisierung von der Homepage der Architekten zeigt wiederum ein straff durchgestaltetes Erdgeschoss, wobei die Obergeschosse wiederum recht undifferenziert wirken:


Architekten: Baum + Kappler Nürnberg

Man darf also gespannt sein, wie - wenn überhaupt - die Architekten Baum und Kappler die sensible Gestaltung der für Nürnberg sehr bedeutsamen Wiederaufbaujahre über die energetische Sanierung hinüber bewahren können. Immerhin ist das Team in Nürnberg kein unbekanntes. Von Ihnen stammt sowohl die Überarbeitung der Fassade der Sparkasse in der Lorenzer Straße, sowie auch (leider) die sanierte Stadtbibliothek. Wann es mit der Maßnahme losgeht ist mir nicht bekannt.
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Alt 19.01.15, 21:50   #89
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Nürnbergs Ältestes Fachwerkhaus: Obere Schmidgasse 54

Das Webmagazin "samson-magazin" widmet Herrn Daniel Votteler vor ein paar Tagen einen stattlichen Artikel zu seinem respektablen Mammutprojekt. Hier im Forum finden sich ja auch von den öffentlichen Terminen vor Ort, zuletzt zum Tag des offenen Denkmals im September 2014, einige bebilderte Beiträge. Wer von solchen Projektberichten nicht genug bekommen kann, und wer sich auch sonst für das eine oder andere im Tagespresseeinerlei zu kurz kommende interessiert, dem sei das regelmäßige Ansteuern des samson-magazin aus Nürnberg sehr empfohlen:

http://www.samson-magazin.de/zeichen...4122043/2.7411
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Alt 01.02.15, 17:11   #90
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Hintere Ledergasse 43

Bereits vor einigen Jahren ist es bekannt geworden, die Altstadtfreunde haben sich nach dem noch nicht ganz fertig gestellten Pellerhof nun ein weiteres Projekt ins Rettungsboot geholt, die Hintere Ledergasse 43. Das alte Gerberhaus haben die Altstadtfreunde vor über 10 Jahren erworben und bereiteten seither die Rettung und Instandsetzung vor, damit das Gebäude irgendwann bald wieder so frisch aussieht wie sein östlicher Nachbar, die Nummer 41:



Die Nummer 43 sieht dann doch ganz schön verwahrlost aus:



Der bisherige Plan der Altstadtfreunde sah vor, die oberen zwei Geschosse wie ursprünglich bei Gerberhäusern üblich, wieder als offene Galerie zu gestalten. So war es auch bei den Stadtführungen zu hören, eine Visualisierung gab es damals auch (Beitrag). Doch im aktuellen Rundschreiben teilen die Altstadtfreunde mit, dass der Denkmalschutz dabei nicht mitspielt, und die Wiederherstellung (Rekonstruktion) der Galerien nicht erlaubt hat. Nun wollen die AF also eine Notlösung verwirklichen, wonach sich die Fachwerkgalerien als Putzritzung, möglicherweise farblich abgesetzt, außen an der Fassade werden ablesen lassen.

Aus Sicht des Denkmalschutzes mag der Standpunkt vertretbar sein, wenn das Gebäude so wie es heute dasteht sozusagen konserviert werden soll, und die 300 Jahre als Gerberhaus die 100 Jahre als gründerzeitliches Wohnhaus nicht überwiegen. Überzeugend finde ich das aber nicht. Dennoch wird man sich auf ein ansehnliches Resultat freuen können, dessen Realisierung vor allem auf bürgerschaftlichem Engagement fußt (Spenden, Eigenleistungen).
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