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Alt 04.06.17, 15:39   #31
nothor
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AOK am Frauentorgraben

Ja, schrecklich! Ich hatte gehofft dass die AOK diesen Standort vielleicht aufgibt und dort eine progressive städtebauliche Dominante entstehen kann, die auch die Gegend aufwertet. In der Presse wird die AOK damit wiedergegeben, dass man stolz sei ein schlichtes und einfaches Bürogebäude zu bekommen, dessen zentrale architektonische Aussage der sparsame Umgang mit den Mitgliedsbeiträgen sei. So sieht dann auch der Bau aus: sparsam. Für diese wichtige Lage m.E. völlig unpassend.

Vor 100 Jahren hat man hier ein hoch ambitioniertes Projekt verwirklicht, ebenfalls aus Vereinsmitgliedsbeiträgen finanziert und auch außerhalb der Stadt hoch beachtet. Gemeinsam mit den verlorenen Lessingsälen am Hotel Deutscher Hof, dem damals sensationellen Opernhaus und den Hotelprachtbauten an der Ringstraße war der Frauentorgraben eine Prachtstraße, die metropolitanen Glanz verströmte und viele Menschen anlockte. Das alte Kulturvereinshaus:


Ak aus Privatsammlung

Das Hotel Württemberger Hof, Vorgängerbau des heutigen ERGO-Bürohochhauses, war damals mit dem Grand Hotel erstes Hotel am Bahnhofsplatz:


Ak aus Privatsammlung

Aber selbst der aktuelle AOK-Bau aus den 1970'er Jahren strahlt ein gewisses Selbstbewusstsein aus, wenn man bedenkt was damals "en vogue" war:



Der Entwurf des Neubaus ist nochmal abgespeckter, hat keinerlei Vor- und Rücksprünge mehr und reduziert sich selbst auf eine einfache Büroschachtel. Die Monotonie der westlichen Hälfte des Frauentorgrabens bis zum Plärrer setzt er wunderbar fort, und auch die Nutzung als Bürohaus lässt diese Gegend nach Feierabend weiterhin Angstraum bleiben. Außer Spielhallen und einer Tankstelle gibt es da nicht viel.

Der Bau soll 2018 beginnen und 2 Jahre dauern. Der Publikumsverkehr wird im ehemaligen Telekomgebäude am Rathenauplatz abgewickelt. Mir wäre es lieber die AOK bliebe dauerhaft dort.

Übrigens, nichtmal die Architekten gmp präsentieren den banalen Entwurf auf ihrer Website.....
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Alt 07.06.17, 22:03   #32
nenntmichismael
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An die Eleganz und Ausdrucksstärke ehemaliger Prestigebauten am Altstadtring wie den Württemberger Hof oder - noch eindrucksvoller - den Kulturverein kommt heutige Profanarchitektur nicht mehr ansatzweise heran, jedenfalls nicht in Nürnberg, auch nicht in Bauklötzchen-Deutschland. Uns ist fast jegliches Gespür für Ästhetik abhanden gekommen oder aberzogen worden. Bloß nicht auffallen, bloß nicht prahlen, und auf gar keinen Fall mit öffentlichen Geldern. Außer der Elbphilharmonie hat Deutschland seit Jahrzehnten kein einziges Gebäude von architektonischem Weltrang zustande gebracht (erlaube ich mir laienhaft zu behaupten). Wer heutzutage geniale Architektur sucht, der findet sie an Orten, an denen sie kaum einer vermuten würde.

Hier mal drei Beispiele, die ich auf Reisen selbst in Augenschein nehmen konnte, auch wenn die verlinkten Photos nicht von mir sind, sondern frei verfügbar aus dem Netz:

Kulturzentrum, Baku, Aserbaidschan:


Bürger-Service-Zentrum, Tiflis, Georgien:


Hauptbahnhof, Lüttich, Belgien:


Alle drei Städte, insb. die beiden Kaukasus-Hauptstädte haben übrigens sehr schöne historische Altstadtkerne, die aufwendig herausgeputzt werden/wurden, und sind für Architekturbegeisterte jederzeit eine Reise wert.

Aber ich schweife ab. Den Entwurf für den AOK-Neubau finde ich ehrlich gesagt gar nicht mal so schlecht. Er kommt an das m.E. sehr gelungene Neubaukonzept für den Hauptpost-Kopfbau am Bahnhofsplatz nicht heran, aber er gefällt mir mit seiner klaren Schlichtheit eigentlich ganz gut. Etwas sehr viel Extravaganteres würde auch nicht passen zu einer gesetzlichen Krankenversicherungsgesellschaft. Außerdem gefällt mir, dass die Dimensionen sich wieder mehr in die allgemeine Blockbebauung am Altstadtring einfügen. Den bisherigen AOK-Bau habe ich immer als überdimensionierte Beton-Wucherung empfunden. Gut, dass das Ding weg kommt. M.E. wird es stark darauf ankommen, was für Material für die Fassadenverkleidung genommen wird. Ich hoffe inständig auf Naturstein. Die Verwendung von Naturstein sollte sowieso innerhalb der Altstadt und entlang der Stadtmauer zur Pflicht gemacht werden, um jenseits der Formensprache ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen.
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Alt 07.06.17, 22:45   #33
nothor
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Dem stimme ich zu.



Ich war vergangene Woche in Riga unterwegs, und selbst weit außerhalb der Altstadt werden Wohnblöcke errichtet, wie man sie sich hier nur wünschen würde.
Der AOK-Bau an der Ringstraße kommt da bei Weitem nicht ran. Was zählt hier mehr, die "Armut der Krankenkasse" oder die exklusive Lage an der Ringstraße? Seit wann kann jeder Bauen was er will? In einer Stadt sollte es eine Gestaltungssatzung geben, gerade vis-à-vis der wichtigsten Denkmale, wie unserer Altstadtmauer.
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Alt 07.06.17, 23:33   #34
nenntmichismael
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"Gestaltungssatzung": völlig richtig.

Und dabei ginge es keineswegs um "Butzenscheibenromantik". Es geht um die Herstellung eines Anforderungs-Minimums - oder auch: einer roten Linie - bei der optischen Selbstpräsentation der Stadt. Vor vielen Jahren hat mich während eines Sprachkurses in dieser Hinsicht Salamanca nachhaltig beeindruckt. Innerhalb der Unesco-geschützten historischen Altstadt gab es eine ganze Reihe von öffentlichen wie privaten Bauten teils mit extravagantesten Formen. Aber es gab ein verbindendes Element: Das verwendete Fassadenmaterial war der für die Stadt typische hellgelbe Sandstein. Durch diese ganz einfache Maßnahme harmonierten schlichte mittelalterliche Bauten, aufwendige Barock-Fassaden und hypermoderne Gebäude miteinander und stellten sich als stimmige Einheit dar - ohne dass damit gestalterischer Kreativität Grenzen gesetzt gewesen wären.

Es muss ja nicht das Material sein. Es könnten auch bestimmte Formen sein. Oder Erfordernisse an (hier fehlt mir der Spezialausdruck) die Gesamtmasse der Gebäude. Aber irgendeine Linie muss in Nürnberg endlich her. Zumindest in der sogenannten "Altstadt". Dass so gut wie alles erlaubt ist und dass dabei dem gestalterischen Anspruchsniveau nach unten keine Grenzen gesetzt sind, ist in Bezug auf des ehemaligen Reiches ehemaliges Schatzkästlein schon wirklich erschütternd.
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Alt 08.06.17, 11:46   #35
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Heute Morgen im Radio gab es einen Beitrag über die Milliardenüberschüsse unserer gesetzlichen Krankenkassen. Demnach war die reichste Krankenkasse die AOK. Soviel zur "armen Krankenkasse".
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Alt 08.06.17, 13:36   #36
Franconia
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Was hatte ich Hoffnung in den Abriss des AOK Gebäudes. Was stattdessen geplant ist streichelt nicht gerade die Seele. Es ist zwar besser als der 70er Schick, aber mein Gott wäre da mehr drin gewesen.
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Alt 08.06.17, 22:29   #37
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Dexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfach
Es ist enttäuschend. Und irgendwie nicht schlüssig.

Wenn die AOK tatsächlich so sparen möchte, weshalb beauftragt sie ein sehr nahmhaftes, sicherlich nicht günstiges Architekturbüro mit der Planerstellung?
Betrachtet man das Ergebnis, dann hätte das sicher der ein oder andere Vorstadtarchitekt in Nürnberg nicht schlechter hinbekommen.


- Der Kulturverein war ein "Divenbau" sondergleichen und passte hier eigentlich kaum, aber natürlich, wie die meisten Bauten aus dieser Zeit, solide und wertig anmutend in der Ausführung.

- Der AOK-Bau aus den 70ern bricht hier auch alle Regeln des eigentlich stark reglementierten Altstadtrings, wirkt aber insgesamt eher störend und wenig wertig.


Die Neubaupläne sind nicht Fisch nicht Fleisch. Zwar werden städtebauliche Fehler behoben (z.B. die Grundstücköffnung nach Süden durch die geplante Gasse und die Blockrandbebauung), dies jedoch nicht vollends und konsequent. Warum wird nicht die klassische Altstadtring-Kubatur und Formensprache des Neubaus gegenüber (Zeltnerstraße/Frauentorgraben) aufgenommen und durch eine wertige Fassade ergänzt? Es muss hier ja, zumindest aus meiner Sicht, kein Ausrufezeichen sein wie die Vorgängerbauten. Wichtiger ist eine hochwertige Ergänzung des Straßenzugs...


d.

Geändert von Dexter (09.06.17 um 11:00 Uhr)
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Alt 10.06.17, 13:05   #38
Gelber Löwe
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Ich finde dem Neubau der AOK-Krankenkasse hätte es gut getan, wenn man bei der Gebäudegestaltung bzw. dem Vorplatz einige Sachen optisch getan hätte:

1.) Ein künstlerische Bildgestaltung (mir fällt gerade das Fachwort dazu nicht ein) der Frontfassade in Bezug auf das Wesen einer Krankenkasse.
2.) Der Vorplatz hätte als kleine Ruhezone gestaltet werden können (Bäume, 1-2 Bänke und wieder einen moderen Brunnen (oder halt den sanierten alten).

Mir kann keiner sagen das, dadurch die Gesamtkosten wesentlich gestiegen wären.
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Alt 11.06.17, 13:47   #39
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Ja, ein großformatiges Fassadensgraffitto wäre eine enorme Aufwertung des gesichtslosen Entwurfs. Es wäre kaum teuer und stünde in der Tradition der Nürnberger Nachkriegsmoderne.

Aber wie ich schon zu oft beklagt habe, in Nürnberg ist es privaten Bauherren erlaubt, die Grenzen erwartbarer Gestaltungsqualität weit zu unterschreiten, selbst in gehobenen Lagen.
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Alt 11.06.17, 21:40   #40
Gelber Löwe
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Was mich interessieren würde:
Wie ich aus einer damals veröffentlichten Broschüre entnehmen konnte, wurde bei der Grundsteinlegung (1967) eine Art Zeitkapsel eingemauert.Der Inhalt waren Formulare,Pläne ,Münzen und Tageszeitungen.
Wird sowas normalerweise bei einen Abriss geborgen?
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Alt 16.06.17, 22:06   #41
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Seltener Anblick, das Plärrerhochhaus verhüllt. Und auffällig: Keine SAMSUNG-Werbung dran, garnix!

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Alt 17.06.17, 09:49   #42
DS-17
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Irgendwie auch ein wenig ein Armutszeugnis, denn heißt das nicht, dass die Attraktivität von Werbeanzeigen in dieser Lage nicht einmal genutzt werden? Ich hätte nichts dagegen, wenn die Plane bedruckt wäre. Aber Nürnberg muss sowieso schon deutlich an seiner Attraktivität und seinem Außenbild arbeiten. Das ist ja seit Jahren schon bekannt.
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Alt 17.06.17, 12:17   #43
nothor
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Naja Plakatwerbung an Baustellenplanen würde ich jetzt nicht als attraktivitätsteigernd bezeichnen. Ich frage mich vielmehr ob das nicht entgangene Einnahmen für den Bauherren sind. Hat es die N-Ergie nicht nötig ein paar Mark zusätzlich einzunehmen? Mir scheint als verdiene man in Nürnberg prächtig und als gehe es der Stadt bei Weitem nicht so schlecht wie es immer behauptet wird. Umso mehr ärgert mich der Stillstand bei einigen Projekten, diese Perspektivlosigkeit bei der Quelle z.B. oder das Volksbad. Geld ist offensichtlich da.
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Alt 04.07.17, 08:36   #44
Gelber Löwe
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So, ich habe von der AOK inzwischen eine Anwort bekommen:

Der Grundstein (die in dem die Zeitkapsel ist) bleibt erhalten und bildet sogleich das Fundament des neuen Gebäudes.

Der Brunnen (des Bildhauers G. Rossow) der vor dem jetzigen Gebäude steht, wird fachmänisch abgebaut, eingelagert und somit für eine weitere Verwendung gesichert!
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Alt 04.07.17, 11:25   #45
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Danke für die Recherche. Die Aussage hinsichtlich der Verwendung der Brunnenskulptur könnte aber auch etwas vielversprechender lauten. Ich vermute nämlich, dass das Ding in einem Depot verschwindet.

In den Nürnberger Depots liegen unglaubliche architektonische Schätze, die bei Rückbauten, Abrissen und aus den Trümmerhaufen gerettet wurden. Nur was nützen sie dort, wenn es kein Programm gibt das sie systematisch wieder ins Stadtbild zurück bringt. Die einzigen, die dem systematisch nachgehen, sind die Altstadtfreunde Nürnberg.
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