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Alt 30.03.14, 17:15   #16
nothor
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Ist zwar nicht mehr direkt Südstadt, aber auf jeden Fall der Süden der Stadt und unbedingt zeigenswert:



Es handelt sich dabei um den Eingang eines reinen Wohnhauses ohne jegliche Ladeneinbauten, eine Durchfahrt für eine gewerbliche Nutzung eines Hofes oder Hinterhauses existiert hier auch nicht. Sehr viel Aufwand also für ein Wohnhaus, was hat also der Architekt hier audrücken wollen?
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Alt 30.03.14, 19:15   #17
necrokatz
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^^ Warum vermutest du einen Sinn außer der Verzierung an sich?
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Alt 30.03.14, 19:57   #18
nothor
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Weil es schöner ist wenn hinter den Dingen ein Sinn steckt.
Die Gestaltung an sich weckt bei mir Assoziationen an Afrika. Wie dem auch sei, Verzierungen haben mindestens den Zweck, zu gestalten und zu repräsentieren. Und es ist bemerkenswert, dass man das in der Nachkriegszeit gemacht hat, ohne dass es dazu eine offensichtlichen Grund gab.
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Alt 10.04.14, 23:47   #19
Hans Ebert
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@nothor: Wow, danke für die schöne "Kunst am Bau"! Besonders das Mosaik ist klasse!! Erinnert an Miró mit diesen Phantasiegestalten aus geometrischen Formen. Schade, dass diese Kunstwerke so wenig bekannt sind und meist wenig beachtet werden. Umso wichtiger sie in Wort und Bild zu dokumentieren, bevor sie verschwinden. Der Denkmalschutz muss hier mehr tun - die Kunstgeschichte hört nicht 1933 auf.
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Erst wenn die letzte Fassade gedämmt, die letzte Villa entkernt, der letzte Garten zugebaut ist, werden die Menschen feststellen, dass Denkmalschutz doch sinnvoll ist.
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Alt 27.06.14, 18:05   #20
nothor
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Ein bisschen Siebziger in der Gibitzenhofstraße:



und nicht weit davon entfernt in der Landgrabenstraße grüßt der deutsche Michel:

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Alt 21.12.14, 19:59   #21
Hans Ebert
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Teil IV – Eine Runde durch Glockenhof

Ein paar Fotos aus der Südstadt hab ich noch ausgegraben. Zuerst ein Blick vom (mittlerweile leider geschlossenen) IMEX-Pavillon auf das schräg gegenüberliegende Eckhaus Allersberger Straße 36. Ein klassischer Nachkriegs-Eckbau. Die Hausecke ist gestalterisch geschickt durch einen vorspringenden Risalit, breite Fensterbänder und gerippte Unterfensterzonen ausgezeichnet:


Nun geht's wieder Richtung Altstadt. Die Scheurlstraße, benannt nach der Nürnberger Patrizierfamilie Scheurl von Defersdorf, gehört zu den wichtigsten Verkehrsadern in die Südstadt. Die Bebauung ist zum allergrößten Teil nach 1945 erbaut worden:


Breit gelagerte Wohn- und Geschäftshäuser säumen die Straße, leider stehen viele Läden leer. Während die Häuser zumeist dem typischen Nachkriegs-Understatement entsprechend schlicht gestaltet sind, kann man dennoch viele reizvolle Original-Details an den Häusern entdecken. An der Häusergruppe Scheurlstraße 20 und 20a z.B. die bauzeitlichen Ladeneinbauten mit variantenreichen Lösungen für die Türgriffe:




Scheurlstraße 25 – ein, wie ich finde, recht gut gelungener Nachkriegsbau mit leicht vorgewölbten Balkongeländern in typischer Wellenform. Die Putzflächen sind dezent durch Linien (Putzritzungen) aufgelockert:




Hand auf's Herz! Viele denken beim Haus Scheurlstraße 19 (bis zuletzt Sitz der Nordbayern-Post) zuerst: "Was für eine hässliche Nachkriegs-Kiste!" Dennoch, trotz der betont kubischen Form wartet der wohl in den 1960ern entstandene Block mit ein paar interessanten Details auf, etwa die Balkon-Mosaiken und die Fenster an der Nordseite. Selten wurden Klo-Fenster mit soviel attraktiver Außenwirkung gestaltet. Da sage noch einer, die moderne Baukunst kenne kein Ornament mehr:






Der Harsdörfferplatz – auch er nach einer Nürnberger Patrizierfamilie benannt – ist ehrlich gesagt keine Charme-Bombe. Doch einige Gebäude, die ihn rahmen, sind hochinteressant. Hier z.B. ein Beispiel für den gelungenen Wiederaufbau (mit Aufstockung) eines Jugendstilhauses von 1908 (Haus Nr. 14):





Schräg gegenüber ist mit Haus Harsdörfferplatz 17 ein reizvoller Wohnhausbau der 1900er Jahre weitgehend erhalten geblieben. Man beachte die hellen, in Nürnberg seltenen Ziegelwände, die man seinerzeit wegen ihrer Robustheit sehr schätzte. Wäre die Sandstein-Deko nicht, das Haus könnte auch in Berlin stehen. Ab dieser (etwas komischen, weil sehr stumpfwinkligen) Einmündung des Harsdörfferplatzes vor dem Haus heißt die Schweiggerstraße nach Osten hin Harsdörfferstraße:



An der Südseite der Harsdörfferstraße folgt etwas monotone Wohnbebauung in Blockform, auch diese jedoch mit hübschen Details an den Eingängen – hier die bauzeitlichen Türen mit Flugdach und gebogenen Metallgriffen:




Folgt man der Harsdörfferstraße weiter gen Osten bis zur Kreuzung Regensburger/Hainstraße, genießt man den Anblick der neugotischen Peterskirche und des mit originellen Sgraffiti ausgestatten Eckbaus (ehem. Restaurant "Merkur"), das @nothor bereits hier vorgestellt hat: http://www.deutsches-architektur-for...6&postcount=92 Der Sgraffito an der Harsdörfferstraße bebildert und erklärt – wie so oft bei "Kunst am Bau" der 1950er/1960er Jahre – den Namen der Straße und verweist auf den Nürnberger Patrizier und Dichter Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658), den geistigen Vater des "Nürnberger Trichters" (der einem das Wissen im übertragenen Sinne "eintrichtert" – die Pädagogik der 50er/60er fand das wohl noch kindgerecht…).

Zurück nach Westen. Zwischen vielen Neubauten haben sich im Stadtteil Galgenhof noch ein wenig Altbausubstanz erhalten, besonders in den Hinterhöfen wie hier an der Enderleinstraße:


In der Strauchstraße, benannt nach dem Maler und Kupferstecher Lorenz Strauch (1554-1630), hat ein beeindruckendes Bauwerk der Gründerzeit die Bomben überdauert. Heute wirkt das Haus mit seinen Neorenaissance-Fassaden inmitten der zurückhaltenden Nachkriegsbebauung fast schon protzig, wie aus der Zeit gefallen. Und doch: Gerade solche Brüche sind es, die den Reiz eines gewachsenen Stadtbildes ausmachen:





Ein, wie ich finde, fast schon denkmalwerter Wohnbau an der Strauchstraße 16, wenngleich eine Restaurierung hier Not täte. Man beachte die gut gelöste, asymmetrische Gliederung der Schmalseite zur Enderleinstraße mit breiten Fenstern und Balkonen; diese verfügen noch über die bauzeitlichen Geländer mit Holzlattung – ein Beleg dafür, mit welch einfachen Mitteln die Wiederaufbauzeit es verstand, Gebäuden etwas Filigranes und Ornamentales zu verleihen. Man beachte auch die originalen Haustüren mit zackig-dynamisch geschnittenen Griffen – das ist Rockabilly am Wohnhausbau! …und wird leider immer seltener:







Auch das Haus Strauchstraße 7 zeigt, dass man es nach 1945 durchaus verstand, Häuser zu errichten, die ein Straßenbild angenehm bereichern – auch hier mit einfach, aber wirkungsvollen Mitteln. Man beachte besonders die wohl originale Farbfassung mit hellbraunen Farbfeldern auf Beige und die filigranen Balkongeländer:





Der Laden im Erdgeschoss ist mittlerweile leider verschwunden und mit ihm die bauzeitlichen Ladeneinbauten. Immerhin hat der Bauherr darauf geachtet, dass Wand und Fenster an dieser Stelle mit dem überlieferten Baubestand in Einklang stehen.
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Geändert von Hans Ebert (21.12.14 um 21:37 Uhr) Grund: Bild ergänzt.
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Alt 24.12.14, 13:57   #22
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Danke, Hans_Ebert, deine Beiträge schulen den Blick für die Gestaltungskunst der Nachkriegszeit. Denn was "Jugendstil" ist erkennt ja nun mittlerweile jeder Immobilienmakler auf Anhieb

Leider stellt sich der Block an der Südseite der Harsdörfer Straße nicht mehr so dar, wie du ihn noch vor die Linse bekommen hast. Er ist dieses Jahr im Zuge der Renovierungen am Ort mitsamt dem Eckgebäude und dem Wandbild "Nürnberger Trichter" verändert worden. Dabei wurde die Fassade gestrichen und leider auch die Türelemente ausgetauscht:



Das gewählte Grau ergibt gerade in diesen trüben Tagen ein trauriges Bild, das bisherige Terracotta wäre auch nicht schlecht gewesen. Wer weiss was da immer für beweggründe hinter stecken, vielleicht war Grau günstiger im Einkauf. Wie dem auch sei, die Türe ist zwar durchaus passend zum Haus, aber eben eine völlig moderne geworden:



Für sich genommen finde ich sie auch garnicht mal so schlecht. Alelrdings fehlt ihr schon ein bisschend as Understatement der Orginalen aus den Sechzigern. Danke für diesen Thread!
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Alt 25.12.14, 11:55   #23
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@nothor: Ach schade, das hatte ich noch gar nicht bemerkt! Ich bin in letzter Zeit nicht mehr in der Gegend gewesen. Die Außendämmung kann ich aufgrund des aktuellen Werbungs-Bombardements der Dämmungshersteller nachvollziehen, aber die Türen? Die waren doch in Ordnung. Schade… naja, der Block war jetzt nicht die Créme der Baukunst, aber dennoch ist es bedauerlich. Wollen wir hoffen, dass die schönen Einzelbauten und insbesondere die Kunst am Bau künftig mehr Würdigung erfahren.
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Alt 25.12.14, 12:50   #24
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Hm, interessant dabei ist ja, dass bei der Maßnahme gar keine zusätzliche Dämmung montiert wurde, das ist soweit ich das noch sehe der Originalputz darunter. Neues Farbkonzept, neue haustüre, die Dachlandschaft hat die Schornsteine verloren, aber keine Styropordämmung. Man vergleiche die Fenstertiefe, die Bearbeitung des Gebäudesockels, die Einhausung des Eingangsportals, das Traufgesims und nicht zuletzt die Fenstergewände, die bei jedem fenster noch da sind, allerdings nun rythmisch deutlich anders gemalt sind.
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Alt 25.12.14, 18:18   #25
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@nothor, ja stimmt. Das finde ich ja ganz gut, aber das Farbkonzept passt m.E. überhaupt nicht zum Gebäude. Ist völlig asymmetrisch, während die Fassaden durch die Treppenhausfenster eine deutliche vertikale Betonung haben. Vielleicht sollte man solche Konzepte doch nicht immer Malermeister Klecksel machen lassen, sondern lieber jemanden, der was von Architektur versteht. Und die neuen Haustüren – der typische Schrott halt, den sie jetzt wirklich überall einbauen mit diesen tatsächlich ganz praktischen, aber in der Masse langweiligen Griffen über die ganze Türhöhe. Die Renovierung ist meiner Ansicht nach uninspiriert, misslungen und deutet auf einen profunden Mangel an Geschmack und Verständnis der Architekturgeschichte hin.
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Alt 14.01.15, 20:43   #26
nothor
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Nun ist dieser Thread wirklich noch nicht alt und es verschwinden schon nach und nach die hier gezeigten Beispiele. Das erst im März 2014 gezeigte Bild, für das wir noch keinen Titel hatten....

Zitat:
Zitat von nothor Beitrag anzeigen
Auch am Maffeiplatz:



Möglicher Titel? Vielleicht "Früchte der Arbeit"...
ist nun verschwunden:



Aber was ich zuerst dachte, dass es unter einer Dämmung verschwunden ist, stimmt garnicht, man hat tatsächlich nur die Fassade frisch gestrichen. Die Proportionen und Dachüberstände, Fensterlaibungen usw. sind exakt so geblieben. Man hat dem Gebäude nichtmal ein grundlegend neues Farbkonzept überstülpen wollen, sondern es lediglich frisch getrichen und dabei einfach das Fassadenbild übermalt:

Ansicht März 2014:



heute:



Oh wie schade, wirklich schade. Anscheinend hat jemand sein Fassadenbild absolut nicht gemocht. Das Stadtbild jedenfalls profitiert davon nicht.
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Alt 15.01.15, 00:14   #27
Hans Ebert
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@nothor: Danke für aktuellen, wenn auch traurigen Bilder. Für mich auch absolut unverständlich. Solange es jedoch keinen Schutz für solche Fassadenkunst gibt und solange auch das Bewusstsein über den Wert dieser Kunst am Bau nicht in der Öffentlichkeit angekommen ist, wird so etwas noch öfter passieren. Allein bleibt die Hoffnung, dass man das Bild vielleicht eines Tages wieder wird aufdecken können.
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Alt 15.01.15, 01:21   #28
Saxonia
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Ein Neuanstrich war hier meiner bescheidenen Meinung nach noch dazu recht unnötig. Ist vergleichsweise gut in Schuss gewesen die Fassade.
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Alt 15.01.15, 21:24   #29
Gelber Löwe
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Gelber Löwe sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von nothor Beitrag anzeigen

Aber was ich zuerst dachte, dass es unter einer Dämmung verschwunden ist, stimmt garnicht, man hat tatsächlich nur die Fassade frisch gestrichen. Die Proportionen und Dachüberstände, Fensterlaibungen usw. sind exakt so geblieben. Man hat dem Gebäude nichtmal ein grundlegend neues Farbkonzept überstülpen wollen, sondern es lediglich frisch getrichen und dabei einfach das Fassadenbild übermalt:

Ansicht März 2014:



heute:



Oh wie schade, wirklich schade. Anscheinend hat jemand sein Fassadenbild absolut nicht gemocht. Das Stadtbild jedenfalls profitiert davon nicht.
Uff!
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Alt 15.01.15, 22:20   #30
Hans Ebert
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@Gelber Löwe: Du sagst es! Aber die in München warten lieber, bis von den Bauwerken der Wiederaufbauzeit und ihrer Fassadenkunst fast nichts mehr da ist, bevor sie sie unter Denkmalschutz stellen. Das hatten wir doch schon mal, so vor 40 Jahren…
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