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Alt 15.07.08, 16:10   #16
Kyrosch
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Kyrosch hat die ersten Äste schon erklommen...
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Zitat:
Zitat Turmbauer:
Du unterscheidest hier generell zwischen Metropole und/oder Provinz. Ich glaube, das Ruhrgebiet ist weder das eine noch das andere. Es ist eine Städtelandschaft mit den sich daraus ergebenden Vor- und Nachteilen.
Deine Aussage stimmt in 2 Punkten nicht: 1. ging es mir darum, den Unterschied zwischen Metropole und Provinz zu definieren, so, wie ich ihn sehe. Das mag man anders sehen, ich habe versucht den Unterschied so zu umreißen, wie ich es gemacht habe.

Und 2. habe ich das Ruhrgebiet weder aus Metropole noch als Provinz bezeichnet, ich habe ausgeführt, "dass das Ruhrgebiet sich auf den Weg gemacht hat, Metropole zu werden".

Und wenn das in meinem Artikel nicht klar genug herüber gekommen bist, so hoffe ich, es hiermit klar gestellt zu haben.
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Alt 16.07.08, 11:43   #17
Turmbauer
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Turmbauer könnte bald berühmt werden
Zitat:
Zitat von Kyrosch Beitrag anzeigen
Deine Aussage stimmt in 2 Punkten nicht: 1. ging es mir darum, den Unterschied zwischen Metropole und Provinz zu definieren, so, wie ich ihn sehe. Das mag man anders sehen, ich habe versucht den Unterschied so zu umreißen, wie ich es gemacht habe.
Da gebe ich Dir Recht. Dadurch, dass Du es Quasi als Einleitung für die Diskussion um den momentanen Stellenwert des Ruhrgebietes geschrieben hattest, bezog ich es für den Moment irrtümlich darauf. Es war aber eigentlich allgemein gehalten, sorry!

Zitat:
Zitat von Kyrosch Beitrag anzeigen
Und 2. habe ich das Ruhrgebiet weder aus Metropole noch als Provinz bezeichnet, ich habe ausgeführt, "dass das Ruhrgebiet sich auf den Weg gemacht hat, Metropole zu werden".
Das habe ich auch nicht so verstanden und ging ja auch klar aus Deinen Ausführungen hervor. Aber offen geblieben hast Du dabei gelassen, was es nun wirklich ist. Was ist Deine Meinung?

Geändert von Turmbauer (16.07.08 um 14:02 Uhr)
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Alt 16.07.08, 12:00   #18
Bewacher
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Bewacher hat die ersten Äste schon erklommen...
Das Postbank-Hochhaus...

...mit 91,59m Höhe feierte kürzlich seinen 40-ten Geburtstag. Die WAZ vom 15. Juli 2008 veröffentlicht eine Würdigung. Zeitweise standen ab 2001 einige Etagen leer und es habe Abriß-Überlegungen gegeben, aber derzeit sei das HH vollständig vermietet. Das Lever House in N.Y.C. sei sein architektonisches Vorbild.

Nachtrag: Leider zu spät bemerkt...
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Alt 16.07.08, 13:44   #19
Kyrosch
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Zitat:
Zitat von Turmbauer Beitrag anzeigen
....Aber offen geblieben hast Du dabei, was es nun wirklich ist. Was ist Deine Meinung?
Tja, lieber Turmbauer, „was ist es wirklich“? unser Ruhrgebiet. Wenn ich Dir diese Frage mal so einfach beantworten könnte, wie Du sie gestellt hast. Hierüber werden Diplom- und Doktorarbeiten verfasst und Du willst eine kurze knackige Antwort.
Ich gebe mein Bestes, wohlwissend, dass alles, was ich schreibe, mehr Fragen aufwerfen wird, als das es Antworten gibt.
Was ich inhaltlich unter einer Metropole verstehe, habe ich weiter oben angerissen und skizziert. Was ich nicht erwähnt habe, ist die Frage, Metropole im Vergleich wozu? Beispiel: Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen etc. sind heute schon selbständig Metropolen – nordrhein-westfäliche Metropolen. Sie sind Metropolen von und in Nordrhein-Westfalen, das dürfte unstrittig sein. Sind es aber auch deutsche Metropolen? Da kämen mir erste leise Zweifel.
Köln und Düsseldorf sind nordrhein-westfäliche Metropolen, hier würde ich schon eher zustimmen, wenn die Frage aufkäme, ob es auch deutsche Metropolen sind.
Sind Düsseldorf und Köln aber auch europäische Metropolen? Hamburg, Berlin, ja da würde ich im europäischen Maßstab noch zustimmen, aber Köln europäische Metropole? Oder Düsseldorf? Auch hier würde ich wieder zucken.
Und dann, Du ahnst es schon, fehlt nur noch der Bezug zu Weltmetropolen.
Entschuldige diesen Exkurs, aber das muss klar sein, wenn man festlegen will, wer oder was eine Metropole ist.
„Was ist es wirklich“? Und damit kommen wir zum ersten Problem des Ruhrgebietes, wer oder was sind wir wirklich? Uns ist nämlich ein Teil unserer Identität abhanden gekommen. Das uns alle Verbindende, Gemeinsame, der Bergbau, die Stahlindustrie, die Schrebergärten, die Tauben und anderes ist weggebrochen. Und so nimmt es nicht Wunder, dass die Verantwortlichen der einen Stadt ihre Zukunft darin sehen, Metropole Westfalens zu werden, die anderen sehen ihre Zukunft im Sauerland, wieder andere sehen sich im Münsterland oder lieber als Appendix von Düsseldorf am Niederrhein. Und so gibt es starke Zentrifugalkräfte.
Und nun gibt es auf der anderen Seite sehr starke Kräfte, die dieses Vakuum durch identitätsstiftende Projekte zu kompensieren versuchen. Eines dieser Projekte findet am Wochenende in Dortmund statt, ein anderes ist die Kulturhauptstadt 2010. Es gibt aber noch ganz andere Projekte, z. B. den Emscher Landschaftspark, ein sehr identitätsstiftendes und über sehr viel Jahre angelegtes Projekt mit entsprechender Nachhaltigkeit.
So, und nun hat die Landesregierung eine Verwaltungsstrukturreform für die nächste Legislaturperiode angekündigt. Das wird etwa gegen 2012/ 2013 umgesetzt werden. Hiervon hängt vieles (ich sage sogar alles) ab. Und danach wäre es für mich sehr viel leichter, Deine Frage zu beantworten.
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Alt 16.07.08, 14:52   #20
Turmbauer
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Nun lieber @Kyrosch,

vielen Dank für Deine Mühe. Es war mir klar, dass man, um diese Frage überhaupt beantworten zu können, weit ausholen und erst grundsätzliche Definitionen heranführen muß, um daran vielleicht die Lage im Ruhrgebiet versinnbildlichen zu können. Und mir viele da eben auch nur der Begriff Städtelandschaft ein. Als ein einheitliches Gebilde sehen es bestenfalls die Bürger und einige Wirtschaftsförderer auf der MIPIM oder Expo Real, aber die Politiker aus den von mir unter #20 beschriebenen Gründen nicht.

Was die Definition des Begriffs Metropole angeht, kann man in Wikipedia eine Antwort bekommen, welche zwar einen Rahmen zieht, aber durchaus flexibel gehandhabt werden kann.

http://de.wikipedia.org/wiki/Metropole

Danach sind Essen und Dortmund, wie Du schon schriebst, in der Tat Metropolen. Im Gegensatz zu Dir sehe ich sie auch als Deutsche Metropolen, weil sie in einigen Bereichen durchaus in der deutschen Spitze stehen. Der Unterschied zu beispielsweise Düsseldorf oder Köln ist nur der, dass diese Städte in Deutschland auch als Metropole wahr genommen werden. Das geht aber nicht unisono damit, dass Essen und Dortmund es daher nicht sind.

Wir sind uns ja weitgehend einig darüber, dass eine neue Verwaltunkstrukturreform für das Ruhrgebiet her muß und ich hoffe sehr, dass die Politiker ihr Versprechen und Beschlüsse einhalten. An Stelle des Verbundes soll ja der Regierungsbezirk Ruhr stehen. Das wird die Entwicklung dieser Region beschleunigen, an deren Ende eine vereinte Stadt im Zentrum und eine Metropol-Region im Umland (den jetzigen Grenzen des Ruhrgebietes) stehen könnte. Und nur dann sehe ich auch die Chance, das Kirchturmsdenken zu begraben. Argumentiert habe ich das ja ebenfalls unter #20. Und nur bei einem Regierungsbezirk Ruhrgebiet, da gebe ich Dir Recht, lässt sich die Frage nach einer Definition für das Ruhrgebiet vielleicht beantworten.

Eine Gefahr, dieses Bestreben noch zu kippen sehe ich in der durch den Verlust von Bergbau und Industrie verloren gegangen Identität und dem damit Verbundenen Willen, sich eine neue zulegen zu wollen. Beispiele hierfür hattest Du ja schon genannt. Wobei sich hier Dortmund und Essen bereits positioniert haben und Duisburg nicht weiß, ob es nun zum Rheinland oder dem Ruhrgebiet gehören will. Da beides auf die Stadt zutrifft, macht es die Entscheidung in diesem Falle nicht einfacher. Auch hier könnte der neue Regierungsbezirk die Frage beantworten, wie ich denke.
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Alt 17.07.08, 00:35   #21
RiCoH
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Städtebarometer 2008

Unternehmer bewerten ihre Stadt: Essen landet auf Platz 15 von 20 Städten.
http://www.staedtebarometer.de/homepage
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Alt 17.07.08, 12:27   #22
Turmbauer
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^^^^

Ich möchte es gerne mal allgemein formulieren und gar nicht unbedingt bezogen auf diese Bewertung verstanden wissen:

Zahlen und Fakten lügen nicht. Aber es kommt in erster Linie auf den Blickwinkel und auf die Aussage an, die eine Statistik bewirken soll.

Sprich: Wer will was mit einem Ranking erreichen und welche Basics liegen zugrunde?

Man kann es sehen wie man will, aber meiner Meinung nach gibt es immer noch so was wie gesunden Menschenverstand und eine gefühlte Statistik. Das sollte uns dazu ermächtigen, jede Statistik oder jedes Ranking genaustens zu hinterfragen, bevor wir es einfach so akzeptieren. Wie meinte einst Winston Churchill: "Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe."

Was mir bei den Rankings der letzten Zeit so durchgeht ist, dass es keine Berücksichtigung findet, dass Essen eine prosperierende Stadt ist, in der zur Zeit über 1,5 Milliarden Euro verbaut werden. Wenn es z.B. um die Perspektive und das Entwicklungspotenzial der Stadt geht, wird dies sehr deutlich. Denn hier schneidet die Stadt nur mittelmäßig ab.
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Alt 17.07.08, 14:56   #23
Kyrosch
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Cui bono ?
Es sind sogar mehr als 2 Mrd. €, lieber Turmbauer. Und diese Zahl ist valide.
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Alt 17.07.08, 15:05   #24
ApplicantX
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ApplicantX befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Momentan sind ja das schönste in Essen die Autobahnen
--kann man schnell raus
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Alt 28.07.08, 16:55   #25
Kyrosch
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Metropole oder nicht Metropole - Teil 2

Zitat:
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.... Aber offen geblieben hast Du dabei gelassen, was es nun wirklich ist. Was ist Deine Meinung?
#22 Turmbauer
So, lieber Turmbauer, mit # 24 habe ich natürlich Deine Frage nicht oder nur sehr unzureichend beantwortet. Ich hatte ein wenig darauf gehofft, dass sich vielleicht auch andere Mitglieder des Forums an der Diskussion beteiligen würden. Das ist leider ausgeblieben, daher will ich hier, in Teil 2, konkreter werden, was mir – sieht man es negativ – als Spekulation auslegen werden wird – sieht man es positiv – ist es eine Vision; ist es meine Vision der Metropole Ruhr.
Wenn ich von der Metropole Ruhr oder dem Ruhrgebiet spreche, gilt im Folgenden immer das Gebiet, so, wie es der RVR definiert mit den insgesamt 53 Kommunen, aufgeteilt in 11 kreisfreien Städten und 4 Kreisen, die auch gleichzeitig Mitglieder des RVR sind.

Das Ruhrgebiet ist – schon heute – in Teilbereichen eine europäische Spitzenmetropole, keine Frage. Eine europäische Spitzenmetropole jedoch, die auf sehr tönernen Füßen steht, fragil, fremdbestimmt und unkoordiniert. Ein tönerner Riese, den ich gerne mit der EU vergleiche, vielstimmig wie beim Turmbau zu Babel. Wer diesen Passus und den damit verbundenen Inhalt belächelt, den kann ich sehr, sehr gut verstehen. Die Metropole Ruhr ist ein riesig starker Bär, der im Kettenhemd und am Nasenring durch die Manege geführt wird, hilflos und tapsig. Das ist der Status quo.
Dem gegenüber stehen die zahlreichen Aktivitäten, die sich im Hintergrund abspielen. Aktivitäten, die nur ein Ziel kennen: zusammen zu führen, was zusammen gehört. Das sind kulturelle Aktivitäten, wirtschaftliche Aktivitäten ebenso wie politische Aktivitäten, Aktivitäten eben auf allen nur denkbaren Ebenen. Ich habe unter # 24 einige identitätsstiftende Aktivitäten bereits erwähnt. Meine Quintessenz hieraus lautet, dass ich den Eindruck habe, es wird im Hintergrund eine sehr, sehr gute Arbeit geleistet, die allerdings ihre Zeit braucht und diese Zeit müssen wir ihr auch geben. Die teilweise desolate Haushaltslage einiger Kommunen im Revier tut ihr Übriges dazu, beschleunigt den Prozess. Von daher bin ich über die Verschuldung einiger Revierkommunen gar nicht so traurig.
Der nächste entscheidende Schritt wird etwa 2012/ 2013 folgen, wenn es gilt, den zweiten Teil der Verwaltungsstrukturreform umzusetzen. Dann werden erstmals die Grenzen des Ruhrgebietes rechtlich definiert und festgelegt. Dann wird die Metropole Ruhr erstmals ein eigenes gewähltes Parlament haben mit einer gewählten Identifikationsfigur an der Spitze. Dann verläuft die jeweilige Diskussion in Sachfragen nicht mehr wie bisher Dortmund gegen Essen oder Bochum gegen Gelsenkirchen, sondern Partei gegen Partei, z. B. CDU kontra SPD oder wie auch immer. Eine Ruhrgebietspolitik kann erstmals in der Geschichte das Kirchturmdenken ablösen und ersetzen, uff, lange genug hat es gedauert.
Ich bin überaus zuversichtlich, dass das gelingen und umgesetzt werden wird.
Dann, lieber Turmbauer, sind wir eine richtige europäische Metropole mit 5,3 Mio. Menschen auf rund 4.600 qkm in einer rechtlich klar definierten Form. Nur, lieber Turmbauer, wir sind dann eine Metropole nach eigenem Empfinden. Eine Metropole lebt vor allem auch davon, dass sie außerhalb als Metropole wahrgenommen und anerkannt wird. Wir werden dann die erste europäische Spitzenmetropole sein, bei der das dann noch nicht der Fall ist, die erste europäische Spitzenmetropole ohne entsprechenden Flughafen, ohne entsprechenden Bahnhof. Eine Spitzenmetropole ohne die entsprechenden Insignien einer solchen Metropole. Und daran wird in den darauf folgenden Jahren nach der Verwaltungsreform zu arbeiten sein.
Die Metropole Ruhr wird einen Flughafen erhalten, der mit Berlin, Frankfurt und München in der ersten Liga der deutschen Flughäfen konkurriert, einen Zentralbahnhof, hinter dem die heutigen Hauptbahnhöfe in Dortmund, Duisburg, Bochum oder Essen nur noch die zweite Geige werden spielen müssen. Diese und weitere Insignien einer Metropole werden in den Jahren nach 2013 entwickelt werden müssen, denn das Meisterstück steht uns einige Jahre später ins Haus.
2028 oder 2032: die olympischen Sommerspiele in der Metropole Ruhr!!!
Die Metropole Ruhr wird sich um eine dieser beiden Olympiaden bewerben und sie werden gewinnen. Und bis dahin muss die Infrastruktur stehen, der Flughafen, der Bahnhof und vieles mehr. Und wenn das gelingt, und ich in 100 %-ig davon überzeugt, dass das gelingen wird, dann, lieber Turmbauer, sind wir als Spitzenmetropole in Europa angekommen und werden auch von außen so gesehen.
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Alt 31.07.08, 15:11   #26
Turmbauer
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Turmbauer könnte bald berühmt werden
Danke für Dein gelungenes Referat @Kyrosch. Deine Einschätzungen über das Ruhrgebiet, was es hat, noch braucht, was es ist und noch werden kann, teile ich mit Dir. Natürlich ist mir auch klar, dass auch eine Portion Vision darin steckt, aber wer keine Visionen hat, glaubt auch nicht an die Zukunft.

Auf einen Punkt möchte ich aber eingehen, da ich diesen etwas anders sehe: Und zwar geht es um den Konkurrenzkampf der Kommunen untereinander oder besser gesagt, ums Kirchturmsdenken. Ich bin der Meinung, dass ein eigener Regierungsbezirk den Kampf um Investoren und Kunden nicht beendet. Kann man ja gut am Beispiel Düsseldorf und Essen erkennen, die sich in einem Bezirk befinden. Erst müßte eine Vision, die überall schon heiß diskutiert wurde, wahr werden. Eine gemeinsame Stadt mit einem Oberbürgermeister und einem Stadtkämmerer.

Ich kann die derzeitig Situation, also den Kampf, den die Städte untereinander austragen, sehr gut nachvollziehen. Eine Stadtspitze hat zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger zu handeln (was leider nicht immer geschieht). Kein Wunder, dass jede Stadt versucht, Unternehmen, Investoren und neue Bürger in die Stadt zu holen und nicht dem Nachbar zu kommen lassen möchte. Unternehmen bringen Geld, ggf. neue Bürger u. damit Kaufkraft in die Stadt. Ein neues Stadion, EKZ, ein Vergnügungspark oder Konzerthaus bringt Geld in die maroden Kassen und löst nicht selten Synergien aus, auf die eine Stadt nicht verzichten möchte und kann. Und dann ist das Dicht an Dicht der Städte nun mal eine besonderer Situation und führt schon zwangsläufig zum Konkurrenzkampf. Allenfalls bei Projekten, wo keiner der Kommunen Verzicht üben muß und es einen Vorteil bringt, kann über eine Zusammenarbeit nachgedacht werden. Für mich zählen dazu der gemeinsame Kauf von Gütern und Dienstleistungen genau so wie die Planung und Durchführung eines gemeinschaftlichen Flächennutzungsplanes.

Gerade mancher Revier-Bürger ruft lautstark zum Umdenken auf, zum Ende des Kirchturmsdenkens. Er ist sich dabei offenbar aber nicht bewußt, in welcher Lage die Städte stecken und worauf man sich, wenn man dies wirklich wollte, eventuell einzustellen hat. Hier ist eben Weiterdenken gefordert und nicht einfache Parolen. Unter Berücksichtigung der gegeben Umstände, wie ich sie geschildert habe, müßte man dann zu dem Schluß kommen, dass nur eine Stadt, also ein OB und ein Stadthaushalt dieses Kirchturmsdenken beenden könnte. Nur dann gibt es keine Eifersüchteleien mehr, weil alles in eine Kasse fließt und jeder was davon hat, ob jetzt in Dortmund oder Duisburg das Geld gemacht und ausgegeben wird. Diese Städte wären dann Bezirke einer großen Stadt, wie sie @Kyrosch in Seiner Vision schon beschrieb.

Die entscheidende Frage zu dieser Version lautet: Wären Politiker und der Bürger, die dieses Denken unbedingt abgeschafft sehen wollen, bereit, auf Kompetenzen und Selbstständigkeit zu verzichten. Wohl kaum, vermute ich mal. Also hat die ganze Geschichte ein besonderes Geschmäckle, ja könnte man sogar fast von einer Doppelmoral sprechen. Denn: Man kann nicht einerseits das Ruhrgebiet als Einheit sehen, für sich und seinen Stadtteil die Eigenständigkeit und Ruhe fordern, aber dann die Politiker und Unternehmer kritisieren, die sich für das Wohl des Bürgers einsetzen, indem sie mit allem Engagement und allen Mitteln Arbeitsplätze und neue Bürger in die Stadt holen, die ja letztendlich auch dem Einwohner zugute kommen (sinkende Steuern, Erhalt der Infrastruktur etc.). Die Stadt und nicht das Ruhrgebiet ist nun mal Verantwortlich für den Stadtteil und seine Bürger und das scheinen viele zu übersehen. Kommt man mit seinen Überlegungen erst so weit, bricht das Kartenhaus schnell zusammen.

Jeder sollte sich daher überlegen, worauf er bereit ist, zu verzichten, bevor er derartige Forderungen stellt. Gilt für Politiker und Bürger gleichermaßen.

Mein Wahlspruch zu diesem Thema, welches meiner Meinung nach auf die einzelnen Städte wie auch auf eine Ruhrstadt zutrifft: Geht es der Wirtschaft einer Stadt gut, geht es der Stadt gut und letztendlich dem Bürger.
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Alt 01.08.08, 16:10   #27
Kyrosch
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Zu 33 Turmbauer
Lass mich Dir zunächst herzlich danken für Deine für mich erfreuliche Erwiderung auf meine Einschätzung „Metropole oder Nichtmetropole – Teil 2“. Schön, dass wir in der Sache so dicht bei einander sind. Vor allem aber danke ich Dir für Deinen Widerspruch in Deinem 2-ten Absatz, in dem es um den Konkurrenzkampf der Kommunen geht, was Du anders siehst als ich. So eröffnest Du mir nämlich die Gelegenheit, einen scheinbar noch unklaren Punkt glattziehen zu können.
Wie ist der derzeitige Status quo? Wir als Ruhrgebiet sind Teil eines Regierungsbezirkes, dem ein Regierungspräsident vorsteht. Dieser RP ist aber nicht vom Volke gewählt, sondern vom Ministerpräsidenten ernannt. Es ist ein politischer Beamter. Der Regierungsbezirk in seiner jetzigen Form ist eine Behörde, eine Landesmittelbehörde.
Die Aufgaben des RP sind zuvorderst, das regionale Zusammenleben zu überwachen, es zu kontrollieren und es zu koordinieren. So genehmigt oder verwirft er kommunale Haushalte. Er überwacht, genehmigt oder verwirft regionale Flächennutzungspläne, er ist für den privaten Flugverkehr und dessen Abwicklung ebenso in klar definierten Grenzen zuständig wie für den Umweltschutz, die Polizei, Schulen, das regionale Straßenwesen und vieles mehr. Aber immer nur als „Handlanger“ und im Auftrage der Landesregierung.
Er ist nicht nur nicht vom Volke gewählt und legitimiert, er hat auch keine repräsentativen Aufgaben, er ist also nicht Sprachrohr des Regierungsbezirkes, ebenso wenig hat er die Aufgabe, den Regierungsbezirk politisch weiter zu entwickeln, politische Akzente zu setzen. Er ist halt ein rein administrativer Beamter, ein Erfüllungsgehilfe.
Ihm gegenüber steht nun ein Gremium, das man nicht wirklich als Parlament bezeichnen kann: der sogenannte Regionalrat, der sich aus Abgesandten der kreisfreien Städte (im Regierungsbezirk D´dorf sind es 53) mit Stimmrecht und 27 beratende Mitglieder ohne Stimmrecht zusammensetzt. Ein Kaffeekränzchen, das man nicht wirklich ernst nehmen kann. Reine Vertreter ihrer jeweiligen Kommune, bzw. Lobbyisten von Verbänden und Organisationen. Ein Gremium ebenso wie der RP, bestehend aus Handlangern und Erfüllungsgehilfen. Und während der RP der Landesregierung dient und auch nur ihr gegenüber verantwortlich ist, sind die Mitglieder des Regionalrates ausschließlich ihren Verbänden, Organisationen und Kommunen gegenüber verantwortlich. Die Bürger des Ruhrgebietes haben hierauf keinerlei Einflussmöglichkeiten, weder RP noch der Regionalrat muss sich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern des Reviers rechtfertigen.
So weit der Status quo in Kurzform. Das hierbei Kirchturmdenken und entsprechendes Handeln vorprogrammiert ist, dürfe klar sein. Was aber wird sich nun durch die Verwaltungsstrukturreform ändern?
Der Regierungspräsident wird nun ersetzt durch einen vom Volke (also den Bürgerinnen und Bürgern des gesamten Ruhrgebietes) gewählten und somit legitimierten, ich nenne ihn nun, 1. Bürgermeister der Metropole Ruhr. Den Titel „1. Bürgermeister“ habe ich aus Hamburg entnommen, er gefällt mir und soll einzig der besseren Unterscheidung wegen dienen. Diese Wahl kann nun direkt vom Volke aus erfolgen oder auf dem parlamentarischen Wege, also indirekt vom Volke.
Auf jeden Fall hat dieser 1. Bürgermeister nicht nur die Kompetenzen und Aufgaben des heutigen RP´s, er hat zusätzlich die Aufgabe, das gesamte Ruhrgebiet zu vertreten, für das gesamte Ruhrgebiet zu sprechen und die Aufgabe, im Rahmen der ihm dann übertragenen Aufgaben das Revier weiter zu entwickeln. Er/ Sie ist die Nummer 1 im Revier und eine nicht mehr so einfach zu übergehende Instanz und Kraft seines Amtes und seiner vom Bürger verliehenen Legitimation eine Autorität, die Sprachrohr von 5,3 Mio. Menschen ist.
Ihm gegenüber steht ein vom Volke gewähltes Parlament, ich nenne dieses Parlament zur besseren Unterscheidung Bürgerschaft. Hier finden sich die gewählten Vertreter und Vertreterinnen des gesamten Ruhrgebietes zusammen, also aus allen 11 kreisfreien Städten und 4 Kreisen. Sie sind nicht mehr alleine Abgesandte ihrer jeweiligen Heimatstadt, sie sind Abgesandte ihrer Parteien und finden sich in den verschiedenen Fraktionen zusammen. So sitzen in den einzelnen Fraktionen die Vertreterinnen und Vertreter aus Dortmund, Essen und Bochum ebenso zusammen wie aus dem Kreise Wesel und Duisburgs. Politische Entscheidungen werden in den Fraktionen diskutiert und zu einem Ergebnis geführt und dieses Ergebnis wird letzten Endes gemeinsam durchgesetzt und auch gemeinsam vertreten. Im Ergebnis ringen Partei gegen Partei miteinander und Fraktion mit Fraktion und nicht mehr Dortmunder gegen Essener, Bochumer gegen Herner und Gelsenkirchener gegen Recklinghauser. Und da es mehr als eine Fraktion in diesem Parlament geben wird, ist sicher gestellt, dass sich der Lokalpatriotismus relativiert und in zunehmendem Maße und mit zunehmender Dauer das große Ganze (das Revier) in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen rücken wird.
Das heißt, die Metropole Ruhr und deren Weiterentwicklung rückt in den Fokus der politisch Handelnden, denn dafür werden sie gewählt, das ist ihre Aufgabe, dafür werden sie bezahlt. Konkurrenten sind in der Zukunft nicht mehr Düsseldorf und Köln, sondern innerhalb Deutschlands Berlin, Hamburg, München und Frankfurt; auf der europäischen Ebene Paris, London oder Madrid.
Selbstverständlich wird diese politische Ebene einen eigenen Etat erhalten, keine Frage. Und der RVR, zu dem in diesem Zusammenhang auch noch vieles zu schreiben wäre, wird nicht mehr benötigt werden, auch hier würden Kapazitäten und Ressourcen frei werden.
Ein Letztes, lieber Turmbauer: Eine einheitliche Stadt wird es auf absehbare Zeit nicht geben, die Erfahrungen von Eingemeindungen in der Vergangenheit haben tiefe Wunden und Verletzungen verursacht (siehe Wattenscheid, Kettwig, Wanne Eickel etc.). Das war zu Zeiten von Berlin und Hamburg noch sehr viel einfacher. Zu diesen Zeiten ging das noch per Order de Mufti. Hier hat man aus der Vergangenheit Lehren gezogen.
Andererseits, wenn diese meine Vision Wirklichkeit werden würde, hast Du de facto das was Du willst, die Ruhrstadt, wir wären eine Stadt und niemand hätte das gemerkt und von daher hätte auch niemand Grund, dagegen zu klagen
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Alt 01.08.08, 16:37   #28
Bewacher
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Ich habe gerade begründet schreiben wollen, warum ich die Vision einer Ruhrstadt als reinste Horrorvision empfinde - besser doch nicht. (Im Augenblick sind es übrigens drei verschiedene Regierungsbezirke mit Teilen des Ruhrgebiets darin, nicht einer - zum Glück vielleicht. So darf ich im Regierungsbezirk Düsseldorf wohnen und das ist mir lieber als irgend ein RegBez. Ruhr-irgendwas. BTW: Aus der Wikipedia erfährt man, dass die einst angedachte Schaffung eines Regierungsbezirks Ruhrgebiet in dieser Legislaturperiode des NRW-Landtags nicht stattfinden wird - es wird wohl auch künftig verschoben bis es aufgehoben wird. Dafür will sich Kreis Wesel aus dem Ruhrgebiet verabschieden, die neuesten Infos publiziert die RP vom 2. August 2008.)

Geändert von Bewacher (03.08.08 um 12:01 Uhr) Grund: neue Infos; u.a. RP vom 2. August 2008
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Alt 02.08.08, 11:29   #29
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@Kyrosch: Die Begriffe "Handlanger" und "Erfüllungsgehilfe" sind in meinen Augen sehr unglücklich gewählt. Die Bezirksregierungen sind Landesmittelbehörden und grundsätzlich gegenüber der Landesregierung weisungsgebunden, aber
  • der Landtag und mithin die Landesregierung wird vom Volke (auch des Ruhrgebiets) gewählt und
  • Aufgabe der Bezirksregierungen ist sehr wohl die Weiterentwicklung des Gebiets. Der Regierungspräsident ist schon ein Spitzenbeamter, der etwas zu sagen hat.
Kurz: Mittlere Landesbehörde zu sein ist nichts anrüchiges. Oberbürgermeister sind außerhalb der kommunalen Selbstverwaltung übrigens untere Landesbehörde.

Du übersiehst vielleicht auch die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe als Organe kommunaler Zusammenarbeit i.R.d. kommunalen Selbsterwaltung? Sie entsprechen doch etwa dem, was Dir vorschwebt? Dort ist das RG natürlich wiederum geteilt...

Dass der Regierungspräsident nach der Verwaltungsstrukurreform direkt gewählt wird, wäre mir neu. Wenn es überhaupt weiterhin Bezirksregierungen geben wird (das ist offen) werden sie ihre demokratische Legitimation weiterhin über das Land und (im Falle der Auflösung der Landschaftsverbände) über die Kommunen beziehen. Maximal sind sie dann also mittlere Landesbehörde (wie heute die BRen) und kommunales Organ zur Wahrnehmung gemeinsamer Aufgaben (wie heute die Landschaftsverbände) - weitere Kompetenzen oder gar eine echte Zwischenebene zwischen Kommunen und Land sind nicht in Sicht. Die Gemeindeordnung und das Landesorganisationsrecht sind nebenbei Landesgesetzgebung - an das Gesetz ist die ganze öffentliche Verwaltung ohnehin gebunden.

Das mit dem 1. Bürgermeister liefe also nur über Eingemeindungen - Essen, Bochum usw. sind dann Stadtteile und keine Städte mehr (es würde mich sehr wundern, wenn das so käme).

Die Landespolitik fährt nach meiner Beobachtung auch eher auf Bewachers Schiene: Man sucht nach der Integration von Rhein-Ruhr, nicht nach der Spaltung (Beispiele: RRX, B8n, A44).
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Alt 04.08.08, 10:34   #30
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Rü-Karrée als Immobilie mit Marke

In etlichen Essener Threads wird die Gesichtslosigkeit diverser Schuhkartons beklagt. Ein Artikel vom 31. Juli 2008 betont, wie wichtig individuelle, wiedererkennbare Architektur sei. Die Zeit der uniformen Bürogebäude gehe zu Ende.

Als positives Beispiel wurde das Rü-Karrée in Rüttenscheid erwähnt, wo nach der behutsamen Sanierung die 13.000qm Fläche schnell vermietet würden - es gebe sogar mehr Interessenten als Fläche im Angebot.

So sieht das historische Ensemble aus
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