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Alt 22.11.15, 03:50   #136
Urbanist
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Na endlich, es wurde höchste Zeit!
Umso bedauerlicher, dass mit den ID und GD-Gebäuden bereits Tatsachen geschaffen wurden bzw. werden, die das Erscheinungsbild des Ensembles in der Zukunft nachhaltig beeinträchtigen und geradezu als Versuch gewertet werden müssen, gegen die Struktur des RUB-Campus anzubauen.
Wahrscheinlich wird sich die Freude über den Denkmalschutzstatus für das ungeliebte Kind bei der Universitätsleitung wohl in Grenzen halten, da neben den davonlaufenden Kosten mit dieser Entscheidung der Plan, die gesamte Zentralachse umzukrempeln wohl vom Tisch sein dürfte.
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Alt 22.11.15, 12:46   #137
Databo
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Zitat von Urbanist Beitrag anzeigen
Na endlich, es wurde höchste Zeit!
Umso bedauerlicher, dass mit den ID und GD-Gebäuden bereits Tatsachen geschaffen wurden bzw. werden, die das Erscheinungsbild des Ensembles in der Zukunft nachhaltig beeinträchtigen und geradezu als Versuch gewertet werden müssen, gegen die Struktur des RUB-Campus anzubauen.
Ja, die Entscheidung war überfällig. Daß man nach dem katastrophalen ID-Gebäude die gleichen Fehler jetzt bei GD wiederholt, obwohl die Entscheidung für den Denkmalschutz erwartet und bei IC bereits berücksichtigt wurde (wenn auch mit fragwürdigem Ergebnis, weil man es widerwillig getan hat), ist besonders irritierend und läßt sich in der Tat praktisch nur mit Mutwilligkeit erklären.

Zitat:
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Wahrscheinlich wird sich die Freude über den Denkmalschutzstatus für das ungeliebte Kind bei der Universitätsleitung wohl in Grenzen halten, da neben den davonlaufenden Kosten mit dieser Entscheidung der Plan, die gesamte Zentralachse umzukrempeln wohl vom Tisch sein dürfte.
Das stimmt vermutlich, zumindest war es gerüchtehalber so zu vernehmen. Bezeichnend ist ja, daß es immer noch keine Meldung der Universität zum Denkmalschutz gibt. Die Kosten laufen ohnehin schon davon, was bei der laufenden Planung für die Sanierung der N-Reihe gut zu beobachten ist. Wegen der notwendigen technischen Ausstattung sind die N-Gebäude naturgemäß die teuersten. Die ursprüngliche, zumindest einigermaßen nutzerorientierte Planung für NA wurde gerade aus Kostengründen auf den Kopf gestellt. Jetzt liegt ein Plan vor, der zwar im Budgetrahmen liegt, den Nutzeranforderungen aber in nahezu allen Aspekten völlig widerspricht und damit unbrauchbar ist.
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Alt 23.11.15, 00:00   #138
Xysorphomonian
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Genau die Tatsache, dass die Nutzeranforderungen ziemlich hinten angestellt wurden, sind mein Problem mit dem gesamten Denkmalschutz. Ich verstehe die Beweggründe des Denkmalschutzes durchaus, allerdings reichen sie m.M.n. nicht aus, um diesen Schritt zu gehen.
Zuviel spricht dagegen: Die Sanierung der RUB ist dermaßen kostenintensiv und kompliziert, dass ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, sie abzureißen und neu zu bauen. Und genau das ist es, was die I-Reihe gerade durchläuft.

Zudem fehlt jede Akzeptanz derer, die die Uni nutzen. Das gut gemeinte Konzept einer Campus-Uni mit viel Grünflächen dazwischen hat seine Planungsfehler, die nun dank des Denkmalschutzes nur im zu engen Umfang behoben werden dürfen.

Und die Tatsache, dass die Uni aus allen Nähten platzt und nun Räumlichkeiten in der Stadt anmieten muss, ist für die Stadt eine gute Entwicklung, aber es verwässert einige der wenigen Vorteile, die das Konzept hatte, nämlich eine Uni der (relativ) kurzen Wege zu sein, doch sehr.

Die Architekten hatten im Sinne des Zeitgeistes damals geplant: moderne Hochhäuser, nahe der Autobahn und mit vielen Parkplätzen. Wenig bis gar kein Schnörkel, am liebsten nackter Beton. Man wollte (aus geschichtlich gut nachvollziehbaren Gründen) alles anders machen als bisher. Nicht unbedingt besser. Hauptsache: Anders. Auch, wenn nicht alle ihre Ideen falsch waren: Die meisten Ideen von damals dürfen heute als überholt gelten.
Statt aber die historische Chance zu nutzen, mal zu hinterfragen, was klappt und was nicht und dann die Fehler von damals auszubügeln, weil gerade sowieso alles der Verdammnis anheim zu fallen droht, stülpt man die Glocke des Denkmalschutzes darüber und nötigt so weiteren Generationen von Studenten auf, mit diesem unhandlichen Koloss hantieren zu müssen. Nötigt der Stadt Bochum auf, das weiterhin der nicht zu vernachlässigende Imageträger 'Universität' immer zuerst mit aus heutiger Sicht mehrheitlich als hässlich empfundenen Gebäuden verbunden wird, egal, wie gut Lehre und Forschung hier sind.
Es gibt eine Menge Studenten, die nur zum Studieren einpendeln und kaum die Stadt besuchen. Wer will es ihnen verdenken? Die RUB ist nicht dazu geeignet, Neugier auf den (durchaus spannenden) Rest von Bochum zu wecken.

Hier hat sich meiner Ansicht nach der Architektur-Betrieb mal wieder selbst auf die Schulter geklopft, und alle noch so laut schreiende Kritik von allen Seiten ignoriert, weil man das damals für eine bahnbrechende Idee hielt, und man soll ja heute noch sehen, was damals Bahnen gebrochen hat. Auch, wenn man es mittlerweile besser wissen sollte.

Sehr schade.
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Alt 23.11.15, 07:05   #139
Urbanist
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So wie ich Databo verstanden habe ist die Hintanstellung der Nutzerinteressen bei der Planung für die Sanierung von NA keineswegs auf den Denkmalschutz zurückzuführen, sondern auf Kostensenkungsstrategien seitens des Staatshochbauamts, da auf Grund zu knapp bemessener Etats das Sanierungsprogramm insgesamt unter immer größeren finanziellen Druck gerät.
Wir haben ja verstanden, daß du den RUB-Campus als Zeugnis des strukturalistischen, brutalistischen Hochfordismus der 1960er Jahre nicht magst, er ist aber genau wegen dieser Qualität jetzt als Denkmal anerkannt worden.
Und ich versichere dir, daß ich und auch andere ihn genau deswegen LIEBEN.
Ich kann mich noch genau erinnern wie ich als Kleinstadtkind Ende der 80er den Campus zum ersten Mal gesehen habe und dachte "wie geil ist das denn, das ist gebaute Science-Fiction"!
Das war wie ein Versprechen daß eine ganz andere Welt möglich ist.
Im übrigen ist der Campus keineswegs nur "schnörkellos", es gibt skulpturale Kunstwerke wie das HZO und die UB, selbst die Geschoßbauten (vor allem die N-Reihe) erinnern an brutalistische Meisterwerke von Kenzo Tange, und der ganze Campus ist reich ausgestattet mit einem hochkarätigen Programm der Gegenwartskunst der 1960/70er Jahre, u.a. die Op-Art Glasfenster von Victor Vasarely im HZO.
Auch das von dir vorgetragene Argument der Campus sei unhandlich verstehe ich nicht; die Lernfabrik funktioniert doch wegen der auch von dir erwähnten kurzen Wege erstaunlich gut wenn man bedenkt, daß sie einst für 10.000 Studierende geplant war, und nicht für über 40.000 Studierende die heute dort lernen.
Daß die Universität aus allen Nähten platzt und zusätzliche Räume angemietet werden müssen kann man nun weiß Gott nicht der Architektur der 60er Jahre anlasten.
Vielleicht solltest du lieber in Heidelberg oder Münster studieren, wenn du dich mit dem 60er Jahre Futurismus wirklich nicht anfreunden kannst.
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Alt 23.11.15, 09:27   #140
Databo
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Urbanist hat schon vieles klargestellt und treffende Worte gefunden. Die folgende Replik hatte ich bereits fertiggestellt, bevor ich seinen Beitrag gelesen hatte.

Zitat:
Zitat von Xysorphomonian Beitrag anzeigen
Genau die Tatsache, dass die Nutzeranforderungen ziemlich hinten angestellt wurden, sind mein Problem mit dem gesamten Denkmalschutz. Ich verstehe die Beweggründe des Denkmalschutzes durchaus, allerdings reichen sie m.M.n. nicht aus, um diesen Schritt zu gehen.
Du drehst mir die Worte im Mund herum. Ich habe mit keinem Wort behauptet, daß die Nutzeranforderungen beim Grundentwurf hintenangestellt wurden. Im Gegenteil, die Gebäude sind in ihrer jetzigen Form ausgesprochen nutzerfreundlich und ließen sich auch so wiederherstellen oder gar weiter verbessern. Die Konstruktion erlaubt aber im Innern der denkmalgeschützten Hülle eine so enorme Flexibilität, daß man auch das glatte Gegenteil erreichen kann, und genau das zeichnet sich gerade ab, weil das Budget für die Sanierung unzureichend ist. Ich befürchte, daß es fast nur schlechter werden kann, als es heute ist, weil moderne Laborgebäude noch viel mehr auf Kosteneffizienz getrimmt werden als vor 50 Jahren und auf mich oft kalt, abstoßend und unpersönlich wirken. Das ist hier anders, wo ich mich in meiner Arbeitsumgebung durchaus wohlfühle.

Zitat:
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Zuviel spricht dagegen: Die Sanierung der RUB ist dermaßen kostenintensiv und kompliziert, dass ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, sie abzureißen und neu zu bauen. Und genau das ist es, was die I-Reihe gerade durchläuft.
Und was willst Du uns damit sagen? Ja, die I-Reihe durchläuft das, weil man festgestellt hat, daß der Neubau hier kostengünstiger ist als die Kernsanierung. Was günstiger ist, wird für jedes Gebäude einzeln untersucht. Für das Ergebnis macht es keinen Unterschied, ob man kernsaniert oder abreißt und in gleicher Form neu aufbaut.

Zitat:
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Zudem fehlt jede Akzeptanz derer, die die Uni nutzen.
Das ist eine unbelegte Behauptung und in dieser Absolutheit und Pauschalität in jedem Fall falsch. Wie ich in meiner Anwort auf einen früheren Beitrag von Dir bereits geschrieben habe, nutze ich die Uni seit vielen Jahren – zuerst als Student, dann als Mitarbeiter. Ich habe sie immer akzeptiert, fand sie vom ersten Tag an ungeheuer eindrucksvoll und, ja, auch schön und sehe sie wie gesagt als sehr funktional und nutzerfreundlich an. Damit bin ich auch nicht alleine. Viele mögen sie, anders als ich, nicht schön, gar häßlich finden, doch die Zweckmäßigkeit wird sehr viel weniger angezweifelt. Das fiele auch schwer, denn sie ist objektiv vorhanden.

Zitat:
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Das gut gemeinte Konzept einer Campus-Uni mit viel Grünflächen dazwischen hat seine Planungsfehler, die nun dank des Denkmalschutzes nur im zu engen Umfang behoben werden dürfen.
Natürlich hat das Konzept Fehler, so wie wohl jedes andere auch. Ich würde von Dir nur gerne mal etwas Konkretes hören. Bisher schreibst Du nur um den heißen Brei herum. Was sind Deiner Ansicht nach die gravierendsten Fehler? Inwiefern behindert der Denkmalschutz die Behebung dieser Fehler? Was würdest Du besser machen?

Zitat:
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Und die Tatsache, dass die Uni aus allen Nähten platzt und nun Räumlichkeiten in der Stadt anmieten muss, ist für die Stadt eine gute Entwicklung, aber es verwässert einige der wenigen Vorteile, die das Konzept hatte, nämlich eine Uni der (relativ) kurzen Wege zu sein, doch sehr.
Den letzten Teil dieses Satzes kann ich mit Ausnahme der Worte „einige” (Du nennst nämlich nur einen Vorteil) und „wenigen“ unterschreiben, deshalb halte ich die Anmietung von Gebäuden in der Stadt auch für einen großen Fehler. Als Notmaßnahme für den Zeitraum der Sanierung kann ich sie natürlich akzeptieren, als positive Entwicklung und tolles neues Konzept, als das sie verkauft wird, lehne ich sie aber ab. Man sollte nach Ende der Sanierung wieder alles auf dem Campus konzentrieren.

Zitat:
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Die Architekten hatten im Sinne des Zeitgeistes damals geplant: moderne Hochhäuser, nahe der Autobahn und mit vielen Parkplätzen. Wenig bis gar kein Schnörkel, am liebsten nackter Beton. Man wollte (aus geschichtlich gut nachvollziehbaren Gründen) alles anders machen als bisher. Nicht unbedingt besser. Hauptsache: Anders. Auch, wenn nicht alle ihre Ideen falsch waren: Die meisten Ideen von damals dürfen heute als überholt gelten.
Hier gebe ich Dir zum Teil recht. Die städtebaulichen Konzepte der 60er Jahre waren in großen Teilen menschenfeindlich und sind auch aus meiner Sicht überwiegend gescheitert. Im städtischen Raum und allgemein dort, wo gewohnt wird, haben Hochhäuser mit großen, zugigen Freiflächen, Parkplätze und breite Straßen meiner Meinung nach absolut nichts zu suchen. Der Campus funktioniert aber anders und hat auch gar nicht alle der Fehler, die ab den 60er Jahren oft gemacht wurden. Es gibt durchaus einige enger eingefaßte, zum Verweilen einladende Plätze, nicht alle davon frei zugänglich. An anderen Stellen ermöglicht gerade die Weite großartige Ausblicke in die Umgebung, die auch am Wochenende Besucher und Fotografen anziehen. Es gibt sicher noch eine Menge zu verbessern, aber die RUB ist bei weitem nicht so unwirtlich und abstoßend wie manche Hochhaussiedlungen der 60er und 70er Jahre. Ihre Aussage mit den fehlenden Schnörkeln ist im übrigen falsch. Davon gibt es an der RUB eine Menge, ich erwähne hier nur die Balkone. Die Zeit, in der man jede Art von Verzierung ablehnt und nur noch gesichtslose Schuhkartons baut, ist dagegen heute.

Zitat:
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Statt aber die historische Chance zu nutzen, mal zu hinterfragen, was klappt und was nicht und dann die Fehler von damals auszubügeln, weil gerade sowieso alles der Verdammnis anheim zu fallen droht, stülpt man die Glocke des Denkmalschutzes darüber und nötigt so weiteren Generationen von Studenten auf, mit diesem unhandlichen Koloss hantieren zu müssen.
Was droht der Verdammnis anheimzufallen? Das verstehe ich nicht. Und nochmal: Nichts an dieser Universität ist „unhandlich“. Sie ist zweckmäßig und funktioniert sehr gut. Hast Du ein besseres Konzept, so viele Mitarbeiter und Studenten auf so verhältnismäßig kleiner Fläche so effizient unterzubringen? Und bei der Planung der Sanierungsmaßnahmen wird sicher hinterfragt, was klappt und was nicht, es werden Fehler behoben und leider viele neue gemacht, aber all das eben im Rahmen der bestehenden Anlage.

Zitat:
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Nötigt der Stadt Bochum auf, das weiterhin der nicht zu vernachlässigende Imageträger 'Universität' immer zuerst mit aus heutiger Sicht mehrheitlich als hässlich empfundenen Gebäuden verbunden wird, egal, wie gut Lehre und Forschung hier sind.
Kannst Du das belegen?

Zitat:
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Es gibt eine Menge Studenten, die nur zum Studieren einpendeln und kaum die Stadt besuchen. Wer will es ihnen verdenken? Die RUB ist nicht dazu geeignet, Neugier auf den (durchaus spannenden) Rest von Bochum zu wecken.
Das ist ein sehr konstruierter Zusammenhang, der für mich wenig Sinn ergibt. Ja, die RUB ist eine Pendleruniversität, und auch zu diesem Thema hatten wir hier schon eine Diskussion. Die RUB hat nun einmal – wie alle Ruhrgebietsuniversitäten – einen sehr großen, dicht besiedelten Einzugsbereich, der es einem großen Teil der Studenten ermöglicht, während des Studiums weiterhin in ihrer Heimatstadt, oft bei ihren Eltern, zu wohnen. Das hat für den einzelnen sicher Nachteile, was die soziale Interaktion angeht, ist aber andererseits ein Vorteil, weil es weniger Begüterten die Entscheidung für ein Studium erleichtert und den Wohnungsmarkt in Bochum erheblich entlastet. Dadurch (und durch die ansonsten eher abnehmende Bevölkerung) sind wir trotz steigender Studentenzahlen zum Glück weit von Münsteraner oder Tübinger Verhältnissen entfernt. Und es gibt durchaus auch in Bochum Gegenden, die recht stark von Studenten geprägt sind. Ob die Architektur der RUB jemanden vom Rest der Stadt fernhält, müßte man untersuchen, ich halte es aber für unwahrscheinlich. Ich denke, die Studenten sind intelligent genug, sich selbst ein Bild von der Stadt zu machen und sich auch nicht vom Campus abschrecken zu lassen, wenn sie ihn tatsächlich häßlich finden sollten.

Zitat:
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Hier hat sich meiner Ansicht nach der Architektur-Betrieb mal wieder selbst auf die Schulter geklopft, und alle noch so laut schreiende Kritik von allen Seiten ignoriert, weil man das damals für eine bahnbrechende Idee hielt, und man soll ja heute noch sehen, was damals Bahnen gebrochen hat. Auch, wenn man es mittlerweile besser wissen sollte.
Welche laut schreiende Kritik? Von wem? Was genau sollte man heute besser wissen? Ich kann mich hier nur wiederholen: Wenn Du etwas kritisieren willst, werde konkret! Nur dann kann man auch konkret darüber diskutieren. Deine völlige Ablehnung der Architektur des RUB-Campus ist in allen Deinen Beiträgen zum Thema mehr als deutlich geworden. Diese Meinung akzeptiere ich natürlich, auch wenn ich sie überhaupt nicht teile, aber es ist nicht besonders ergiebig, sie immer wieder mit denselben falschen, verdrehten, unbelegten oder undefinierten Behauptungen verbreiten zu wollen.

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Sehr schade.
Wie Dir sicher nicht entgangen ist, sehe ich das anders.
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Alt 23.11.15, 14:01   #141
Xysorphomonian
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Databo, nichts läge mir ferner, als Dir die Worte im Munde herum zu drehen. Ich nahm das nur als Aufhänger, um auf andere Dinge hinzuweisen:
Es gibt ein paar Probleme, die man hätte mit einer Neuordnung der Zentralachsen hätte beheben können.
Beispielsweise ist das mit den kurzen Wegen so eine Sache: Zwar liegt alles recht nah beieinander, aber meistens muss man durch eine undurchsichtige Ebenenordnung und eher zufällig wirkende Anordnung von Treppen unnötig oft die Ebene und auch die Richtung ändern, um von einem Gebäude ins andere zu kommen. Das verlängert die Wege und macht sie unübersichtlich. Das macht auch die Behindertengerechtigkeit zur Herausforderung, die man an einigen Stellen ganz gut, an anderen mehr schlecht als recht gelöst hat. Zudem hat genau das noch einen schwer wiegenden Nebeneffekt: So gibt es an der Universität viele 'Angsträume', also Gegenden, in denen viele (meint: ich selber zwar nicht, aber gehört habe ich diese Beschwerde oft genug) sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht sicher fühlen: Einsame, unübersichtliche Orte mit wenig Beleuchtung.
Das hätte man durch Neuordnung der Zentralachsen nachbessern können. Genau das passiert leider nicht.
Im HZO sind die Hörsäle nicht besonders klug angeordnet, es gibt Zwischenebenen, die vermeidbar wären, und das ganze unübersichtlich machen und einige Barrieren hinzufügen.

Ein strukturelles Problem mit den Hochbauten ergibt sich zur 'Rush-Hour', also in der Praxis regelmäßig rund um die geraden vollen Stunden: So sind im GD einige Seminarräume in den oberen Etagen angeordnet, was regelmäßig zu Stau an den Fahrstühlen führt. Dem ist man mit dem Bau von sieben Fahrstühlen je Hochbau begegnet. Soweit zu den strukturellen Schwierigkeiten.

Das eigentlich durchdachte Entwässerungsprinzip der großen Plätze an der Uni ist mittlerweile zum Problem geworden: Kaum ein Tag, an dem alle Platten über der Ablauffläche intakt sind, und diejenigen, die es sind, sind oft verzogen, so dass sie nicht an allen vier Ecken aufliegen und laut wippen, wenn man darauf tritt. Im Audioguide wird das beschönigend "der Sound der Ruhr-Uni" genannt, aber auf mich wirkt es eher 'heruntergekommen'.

Was die Kapazität anbelangt, platzen die Hörsäle bei einigen Vorlesungen aus allen Nähten, Treppenplätze sind an der Tagesordnung.

Die Architektursprache, hier wird es wirklich subjektiv, macht von oben einiges her: Die Disziplinen des 'Hafen des Wissens' liegen wie Ozeanliner gleichberechtigt nebeneinander, sieht man von einigen (auf mich planlos hineingequetscht wirkenden) Zubauten ab, sehr strukturiert und aufgeräumt.

Nur, dass sich die wenigsten der Uni von oben nähern. Kommt man mit der Bahn, beschreitet man eine S-Kurve und muss über eine Treppe einen Höhenunterschied von fünf Metern überwinden, um auf dem zentralen Platz anzukommen.
Kommt man mit dem Auto und parkt unter de Zentralachse, ist der erste Eindruck ein Haifischmaul, danach kommen orange beleuchtete, enge Parkhäuser, die dazu gehörigen Treppenhäuser sind feucht, zugig und ebenfalls sehr eng.
Die UB vermittelt mit ihrem hohen Atrium nicht den Eindruck, dass hier der Mensch im Mittelpunkt steht. Auch die langen hohen Flure in den Fakultätsgebäuden wirken wie enge, hohle Gassen.
Und warum hat man konsequent alle Hörsäle tageslichtfrei gestaltet?

Damit, dass alles der Verdammnis anheim zu fallen droht, wollte ich ausdrücken, dass die Uni nach 50 Jahren ein gigantischer Sanierungsfall ist. Das beginnt bei den weiter oben beschriebenen Waschbetonplatten und zieht sich durch über Auswaschungen von Kalk, die mittlerweile Tropfsteine bilden, bis hin zu blinden Fenstern, undichten Dächern und den verbauten, gesundheitsschädlichen Materialien wie Asbest.

Die Vorteile möchte ich nicht herunterspielen. So sind die Wege (trotz komplizierter Wegebeziehungen, s.o.) überschaubar, und die Uni auf den ersten Blick sehr aufgeräumt. Die Bezeichnung der Gebäudereihen "I" für Ingenieurwissenschaften, "N" für Naturwissenschaften, "G" für Geisteswissenschaften und "M" für Medizin erklärt sich recht fix von selbst, zudem waren die kompletten Fakultäten eng zusammen in einem Gebäude untergebracht, alles, was der Medizinstudent zum Studium braucht, findet er im MA, was der Physikstundent braucht, im NB. Juristen wie Psychologen müssen mittlerweile des öfteren in die Stadt pendeln, um Vorlesungen zu halten oder zu besuchen, einen Termin beim Prof wahrzunehmen oder in ihr Büro zu kommen. Auch viele Sprachkurse finden in der Stadt statt. Hat für Bochum natürlich Vorteile. Wie gesagt, ein zweischneidiges Schwert. Ich laste es übrigens nicht der Architektur der Epoche an, dass die Kapazitätsgrenze erreicht ist, sondern äußere die Befürchtung, das irgendwann die Ausweitung der Kapazitäten mit dem Denkmalschutz kollidieren.

Hier offenbart sich dennoch der im Nachhinein schwer zu behebende Fehler der Denke der damaligen Epoche: Die Uni wurde sprichwörtlich auf ein Parkhaus gesetzt, und recht weit weg von der nächsten SPNV-Haltestelle, den dem Auto galt damals die Zukunft. Die Uni sollte also schnell mit dem Auto von allen Seiten erreichbar sein. Das rächt sich jetzt, denn nicht nur, dass das Pendeln zwischen Uni und Stadt mit der U35 dadurch erschwert wird, die Parkhäuser und -plätze sind zur Kernzeit ständig am Limit.

Ab davon gibt es durchaus Orte an der Universität, die zum Verweilen einladen, das habe auch ich immer so empfunden. Nur sind es wenige, und es gibt genug Orte an der RUB, die in ihrer Unwirtlichkeit zu sagen scheinen: "Es gibt hier nichts zu sehen, bitte gehen Sie zügig weiter!" - Die Frage, die ich stelle, ist: Muss das so sein?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Uni ist also heruntergekommen, in ihrer Kapazität in einigen Fakultäten über die Grenze hinaus, und an einigen Stellen gibt es Schwächen in der Planung, die sich erst in der Praxis offenbart haben. Das sind die Punkte jenseits der Architektursprache, jenseits der subjektiv empfundenen Ästhetik.

Auch ich sehe diese übrigens, empfinde sie persönlich aber eher als Hochglanz-Bildband-Schönheit, die an einem stressigen Tag bei leichtem Nieselregen ihren Zauber verliert. Zumal sich auf dem dem Beton bei Regen Feuchtichkeitslinien abbilden, was ihn ungepflegt wirken lässt. Aber das ist, wie gesagt, subjektiv.

Ich bleibe dennoch dabei, dass die Uni für Einpendler wie zugezogene Studenten eine Visitenkarte der Stadt ist, weil es oft der erste, manchmal der einzige, zweifelsfrei aber der Ort der Stadt ist, an dem sie am meisten Zeit verbringen. Das mag vielleicht auf Dich konstruiert wirken, ist jedoch das, was ich in vielen Gesprächen mit Studenten gehört habe. Ich frage mich eben, ob diese Visitenkarte in dieser Form einen guten Eindruck hinterlässt.

Eine Umfrage unter den Studierenden und Mitarbeitern, ob sie es für sinnvoll erachten, die Ruhr-Universität unter Denkmalschutz zu stellen, hat nie statt gefunden. Wird sie auch nicht. Die Behauptung meinerseits, zu ahnen, wie sie ausfiele ist, zugegeben, anmaßend. Sie stützt sich auf viele Gespräche, die ich darüber geführt habe. Ich habe ich außerhalb dieses Forums überaus selten erlebt, dass der Denkmalschutz als sinnvoll oder positiv betrachtet wird. Die Mehrheit der Reaktionen waren zwischen Verwunderung und Empörung anzusiedeln. Aber die Antwort auf die Frage, ob diese repräsentativ sind, muss ich schuldig bleiben.

Urbanist hat ein wunderbares Beispiel dafür geliefert, was ich meinte, als ich sagte, dass sich hier der Archtekturbetrieb selbst auf die Schulter klopft. Man liebt den Campus u.a., weil Victor Vasarely sich hier verewigt hat, und weil er an Kenzō Tanges 'Meisterwerke' erinnert. Man erwartet, so scheint es, dass der Nutzer sich mit den Gebäuden auseinandersetzt, es ist nicht immer eine Ästhetik auf den ersten Blick. Das tun aber die meisten Nutzer nicht, und das kann man auch nicht von ihnen verlangen, hier nimmt sich Architektur zu wichtig. Dennoch liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters, ich schlage daher vor, das wir uns einig sind darin, dass wir uns nicht einig sind. Vielleicht versöhnt es mich ja mit der Architektur, wenn die Sanierung vollendet ist und der Campus nicht mehr so ungepflegt und heruntergekommen wirkt.

Auch wird bei der Sanierung das eine oder andere hoffentlich verbessert. Es werden, auch da sind wir uns einig, neue Böcke geschossen, oder einfach Prioritäten so gesetzt, dass sich für einige Nutzer neue Probleme ergeben. Eine Priorität, von der ich jetzt schon ahne, dass sie die alten Probleme unbefriedigend oder gar nicht löst und womöglich neue Probleme nach sich ziehen wird, ist das Spardiktat, denn oft ist die günstigste Lösung nicht die beste. Nichtmal die zweitbeste. Sondern eben nur die günstigste.

Denkmalschutz ist für eine weitere Priorität, an der schwer zu rütteln ist. Damit ist er eine Hürde, die aufgestellt wird, wenn es darum geht, all die genannten Dinge verändern zu wollen. Die Priorität der Nutzbarkeit rückt mit dem Denkmalschutz noch weiter nach hinten, jetzt (je nach Gewichtung des Sparzwanges) an zweite oder dritte Stelle. Und das, um das auch noch zu beantworten, finde ich schade.

Geändert von Xysorphomonian (23.11.15 um 14:10 Uhr) Grund: Ergänzung
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Alt 23.11.15, 19:23   #142
Databo
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Xysorphomonian, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Wenn man auf dieser konkreteren Ebene diskutiert, wird vieles deutlicher, und ich stelle fest, daß wir gar nicht so weit auseinanderliegen. Bei den meisten Kritikpunkten stimmen wir durchaus überein und ziehen lediglich verschiedene Schlußfolgerungen. Einen Großteil der von Dir zu Recht angesprochenen Probleme sehe ich nicht als Folgen des Konzepts an sich, sondern seiner baulichen Ausführung, damals nicht vorhergesehener Entwicklungen und späterer Fehlentscheidungen. Ich bin daher der Ansicht, daß sich die meisten dieser Probleme im Rahmen der bestehenden Architektur lösen lassen. Wenn ich Zeit habe, werde ich später noch genauer auf einige der Punkte eingehen.
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Alt 28.11.15, 18:36   #143
kato2k8
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Vielleicht solltest du lieber in Heidelberg oder Münster studieren, wenn du dich mit dem 60er Jahre Futurismus wirklich nicht anfreunden kannst.
Richtig, lieber das Heidelberger Theoretikum aus der ersten Hälfte 70er. Oder doch lieber Münster?
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Alt 01.12.15, 22:05   #144
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Wie aus verschiedenen Quellen verlautet, beabsichtigt die Universitätsleitung, gegen die Denkmalschutzentscheidung zu klagen. Dies würde auch erklären, warum sie sich öffentlich bisher nicht geäußert hat. Gutheißen kann ich dieses Vorgehen allerdings nicht; ich würde erwarten, daß man jetzt in die Offensive geht, seine Argumente vorlegt und in eine offene Diskussion eintritt. Natürlich soll der Denkmalschutz die sinnvolle Nutzung des Geländes nicht verhindern. Das bedeutet aber nicht, daß man ihn generell ablehnen muß, vielmehr sollte man über seine konkrete Gestaltung diskutieren. Ob das hinter den Kulissen passiert, weiß ich nicht.

Der Beitrag des Denkmalpflegers Hans Hanke vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im soeben erschienenen, gestern im „Blue Square“ vorgestellten Buch „Ruhr-Universität Bochum – Architekturvision der Nachkriegsmoderne“ bereitet mir jedenfalls große Sorgen. Er beschreibt dort detailliert die denkmalwürdigen Eigenschaften, Details und Einzelbauten der Ruhr-Universität, schließt sein Kapitel aber mit der für mich beunruhigenden Beschreibung der Aktivitäten der LWL-Denkmalpflege, die seit 2006 beratend in alle Baumaßnahmen und Planungen eingebunden sei. Alle Maßnahmen, die seitdem ausgeführt wurden, bezeichnet er als denkmalverträglich bzw. denkmalgerecht, ausdrücklich auch ID (bei dem es nur auf Höhe und Fassade angekommen sei) und IC. Die Beratungen zu GD, ZGH, ZEMOS und SSC nennt er problemlos. Die größte Herausforderung sei der Wettbewerb zur Zentralachse gewesen, bei dessen Siegerentwurf der Molestina-Architekten die zuvor als denkmalwürdig eingestuften Gebäude Musisches Zentrum, Studierendenhaus und HZO abgerissen werden sollen. Seine Bewertung gebe ich hier wörtlich wieder: „So bedauerlich der Verlust der genannten Gebäude sein könnte, wenn die Entwürfe tatsächlich zur Ausführung kommen: nicht nur im Vergleich zu den weiteren 13 Wettbewerbsentwürfen ist hier der Charakter der Zentralachse und des Campus bewahrt worden. Der Kompromiss ist im Miteinander berechtigter Interessen akzeptabel und notwendig.” (S. 139) Der Kulturjournalist Till Briegleb sieht das in seinem Beitrag völlig anders: er kritisiert sowohl den Molestina-Entwurf scharf und detailliert (S. 150–154) als auch die bisherigen Bauten ID („in allen Belangen durchschnittlich“, S. 153) und IC („wie ein weltweit verwechselbarer Büroneubau“, „die flachen angebissenen Balkonbänder“, die das Stützenraster „störend verunklaren“, S. 154). Sein Fazit lautet: „Mit denkmalwürdiger Sanierung hat diese Neuverschalung definitiv nichts zu tun.“ (S. 154) Fritz Eller, einer der Architekten der N-Gebäude und des HZO, sagt in einem ebenfalls im o. g. Buch veröffentlichten Interview, daß man seiner Meinung nach die Institutsbauten sehr gut sanieren könne, weil auch aktuelle Hochschulbauten im Prinzip immer noch genauso konzipiert seien wie die in Bochum, und daß auch allgemein die meisten Bauten saniert und mit neuer Technik versehen werden könnten. Das Hauptproblem des Campus sei, daß man die Pflege 50 Jahre lang vernachlässigt habe. (S. 85–86)

Ich kann sowohl Briegleb als auch Eller hier zustimmen; sie sprechen mit ihrer Fachkenntnis genau das aus, was ich aus meiner laienhaften Perspektive in einigen vorherigen Beiträgen geäußert habe. Die Ansicht der Denkmalpfleger irritiert mich dagegen sehr. Kompromisse sind sicher nötig, erklären aber weder absichtlich verunklarende Fassaden noch den beabsichtigten Abriß von Gebäuden, die nicht einmal einer Alternativplanung im Weg stehen, wie des HZO. Hanke selber nennt übrigens die „ursprünglichen Sichtachsen, wie zum Beispiel vom verglasten Kanzel-Café im Hörsaalzentrum Ost (HZO) über die Wasserachsen […]“ besonders schützenswert … (S. 133)

Das angesprochene Buch „Ruhr-Universität Bochum – Architekturvision der Nachkriegsmoderne“ kann ich im übrigen allen sehr empfehlen, die an der Geschichte und Architektur der Ruhr-Universität interessiert sind. Es beleuchtet den Universitätsbau von allen Seiten und bietet nicht zuletzt eine Vielzahl interessanter historischer Fotos.

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Alt 02.12.15, 14:54   #145
Databo
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Die WAZ hat heute einen Artikel zum Thema Denkmalschutz für die Ruhr-Universität veröffentlicht, in dem das in meinem gestrigen Beitrag genannte Gerücht bestätigt wird, daß die Universität Rechtsmittel eingelegt hat. Auch eine kurze Stellungnahme des Pressesprechers der RUB ist in dem Artikel zu finden.
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Alt 02.12.15, 17:05   #146
Querenburg
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Also in der :bsz wurde vom Denkmalstatus schon einige Wochen zuvor berichtet, glauben der Ganzen Sache konnte man jedoch erst wirklich schenken, nachdem am 30. November im Blue Square in der Buchpräsentation ,,50 Jahre Ruhr-Universität Bochum – eine Architekturgeschichte", direkt am Anfang es erwähnt wurde das die RUB unter Denkmalschutz steht und somit man abwarten müsse, was dies für die Umbaupläne bedeutet.
Insgesamt finde ich es etwas Lachhaft das man die Präsentation nicht auf der Uni selber Vorgetragen hat, gut das Blue Square befindet sich nun in der Innenstadt und kann sich als eine Art kommunikative Brücke verstanden werden zwischen Bürger und Uni.
Die Präsentation war sehr gut besucht,
so gut das zum Schluss einige Personen stehen mussten bzw. wieder gegangen sind. Aber das Blue Square scheint ja irgendwie für feierliche Aktivitäten stetig im Mittelpunkt zu stehen, suggeriert nur den Eindruck, als würde man sich vom Campus selber distanzieren wollen. Das Blue Square Synonym für Dezentralisierung der Campus-Struktur.
Betrachte ich mir die Visionen des Ideenwettbewerb, stell ich mir die Frage ob das ganze ein Prestige für ein gewisser Personenkreis sein könnte, die sich ein Denkmal auf einem Denkmal setzten wollen.
Das die Universität Kernsaniert wird empfinde ich als Richtig, sei hier das Problem PCB angesprochen und die Problematik in einigen Präsenzbestände oder anderweitigen Räumlichkeiten, das fehlen an Steckdosen an Arbeitsplätzen.
Die Universität muss sich von den Schadstoffen einfach befreien und sich Technisch unseren heutigen und Zukünftigen Standards anpassen.
Was ich als Student jedoch nicht Nachvollziehen kann, das eine Universität die nach 50 Jahren mal weitgehend frei von Großbaustellen ist, sich nun urplötzlich neu Erfinden muss.
Stichwort Magistrale bzw. Zentralachse.
Schaue ich mir die Pläne an, kommt der leise Verdacht auf, als wolle sich die Verwaltung in den Mittelpunkt stellen.
Die heutige Universitätsbibliothek als Mittelpunkt am Forum, für die Studenten errichtet, wo auch einfach Platz und Raum in den von Licht durchfluteten Gebäude gegeben ist, soll ja laut Plänen in die G-Reihe ziehen. Stelle ich mir als Student zurecht doch die Frage was das soll!
Zum anderen wie wird es Garantiert, das bei einem möglichen Umzug ein durchgehender Zugang zu Literatur gegeben ist.
Dann eine neue breite Universitätsbrücke wo letztendlich die Verwaltung in der UB untergebracht, sich in den Mittelpunkt fokussiert, ebenfalls am Forum die Hörsäle aus dem HZO unter die Oberfläche des Forums verband. Man fühlt sich da nur etwas verdrängt.
Würde das Forum selber durch die Neugestaltung für Großveranstaltungen nichts mehr Taugen, da die Grünfläche in der Mitte erhebliche Schäden erleiden würden, könnte es dann auch nicht zu Probleme kommen wie man sie doch bei der Kölner Philharmonie zum Beispiel hat, wenn eine große Schar an Menschen über das Forum verkehren und zur gleichen Zeit unterhalb des Forum Vorlesungen stattfinden?
Kommt dann noch die Rampe hinzu, die bis zum Botanischen Garten hinunter führen soll, ist das Wirklich Behinderten gerecht? Ich stelle mir nur mal die Steigung vor.
Wo besteht an der jetzigen Situation ein Problem? Wenn man einfach eine von zwei Seiten Treppen an der UB die zum Forum hinabführen Behindertengerecht ausbaut. Von dort aus käme man doch ohne Probleme zur G-,I- und N-Reihe.
Also welchen Nutzen ziehe ich wirklich daraus aus diesem Prestige?
Einige betrachten die Universität nüchtern als ein Ort wo man nur lernt und noch? Es ist doch schließlich nicht nur ein Ort wo man lernt, sondern wo man auch einen Teil seiner Zeit Verbringt.

Wo ich viel mehr Nutzen und eine Steigerung der Aufenthaltsqualität sehe ist, wenn man z.B vor den Hörsälen mehr Bänke zur Verfügung stellt sei es im HZO oder in der G-Reihe so das man sich nicht immer auf die Heizkörper setzen muss.
Verbindungen schaffen so das man von GC bis ND oder bis zur UB zum Beispiel bei schlechten Wetter sich auf der Uni trocken bewegen zu können.
Dann existieren doch eine Zahl an Binnenhöfe zwischen den Hochhäusern, warum kann man die nicht zugänglich machen? Währen ideale Räume für eine Pause oder im Sommer lernen zu können.
Beispiel GA-Gebäude Ebene 02, schafft Arbeitsplätze mit Stühlen und Tischen, stellt vor der Antikensammlung Couchs hin für Pausen oder Freiräume, gibt den Wände warme Farben. Das sind in meinen Augen alles so Kleinigkeiten wo man viel mehr mit erreichen kann, als den Studenten eine Großbaustelle aufzulasten, aus der UB zu verdrängen und in die Unterwelt zu verdammen.

Warum habe ich mich für die RUB überhaupt entschieden?
Alles liegt Zentral so das man nicht wie in Köln oder anders wo kreuz und quer Pendeln muss, bietet Räume des Rückzugs, hier wäre zum Beispiel das Querforum-Ost erwähnt, wie eine grüne Agora zwischen der Akropolis und Pnyx in Athen.
Betrachtet man alte Bilder vom Querforum-Ost und vergleicht man diese mit der heutigen Situation, so hat sich aus der grauen Landschaft eine grüne Vegetation entwickelt, die Universität ist nicht so grau wie man meint.
Viel grün umgibt sie, sei es in den Querforen oder in den Binnenhöfen, blickt man aus den Hochhäuser ist man umgeben von Buchenwald und die Bauwerke tragen doch schließlich auch eine Farbe und sind somit alles andere als grau, das HZO ist mehr braun als Grau.
Kling zwar plump, ist aber so. Eine Reaktivierung des künstlichen Wasserfalls würde natürlich das Querforum-Ost aufwerten.
Ästhetisch empfinde ich die RUB auch als sehr Reizvoll, das Thema Silhouette ist prägend, aber die Universität wirkt dermaßen Miteinander durch die Brüstung-Struktur inklusiven Brücken und Treppen verwoben, das durch die Umbaupläne ziemlich stark Zerstört wird.
Das man sich Generell nicht mit dem Campus anfreuenden kann, zeigt sich ja schon alleine an dem kommenden GD-Gebäude.
Neben der Kernsanierung ist es auch Richtig das sich die Universität erweitert, doch wenn man schon eine Reihe erweitert, sollte diese sich doch an einer äußerlichen Gesamtstruktur orientieren, also an GBCF, GABF usw., einfach die Beibehaltung von Balkonen.
Dies würde viel mehr Integrationsfähig sein, als ein Bauwerk das sich bewusst von allem sich distanziert.
Durch den Status Denkmal, erhoffe ich mir sehr, dass das Prestigeprojekt ein Ende findet und zum Umdenken anregt.

Eindrücke die in meinen letzten 2 Semestern entstanden sind.

Thema Bänke vor den Hörsälen, links zu sehen die Heizkörper.


Thema Verwobenheit der Brüstung-Struktur.



Brüstungen, Treppen und Brücken ein Spiel mit der Hanglage, mit grünen Zwischenräume.


Ein wahrscheinlich bewusstes Spiel mit den Höhen, es enstehen verschiedene Sichtachsen.
Von oben bekommt man eine Übersicht über die Gesamtanlage, von unten gesehen konzentriert sich alles nur noch auf das Forum.




Thema künstlicher Wasserfall im Querforum-Ost.
Ein Ort den ich bevorzugt aufsuche im Sommer, anders als im Querforum-West ist dieser Bereich nicht zu stark frequentiert, liegt zum einen an der Wegführung.


Quelle: http://www.panoramio.com/user/2899725 (Bilder stammen von mir)

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Alt 08.12.15, 19:21   #147
Querenburg
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GD-Neubau & Fundament von IA

(Ersatzneubau)-GD.
Aktueller Baustand: 8.Dezember 2015



Die neue Zufahrtsstraße ist schon fertig.






Blick vom Blakon des GCFW-Gebäudes.












Scheint etwas älter zu sein der Beton.





Übersicht vom Gelände von IA- und IB


Neues Fundament für das IA-Gebäude.




(Bilder sind von mir)

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Alt 05.02.16, 20:55   #148
Databo
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BLB ist mit dem Neubau der Gebäude IA-IB an der RUB im Zeitplan

Mit der zeitgerechten Beauftragung von HOCHTIEF Building als Generalübernehmer hat der Bauherr Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Dortmund einen weiteren Meilenstein im gesamten Projektablauf erreicht. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Dortmund hat HOCHTIEF Building als Generalübernehmer beauftragt, den neuen Gebäudekomplex IA-IB schlüsselfertig zu planen und zu bauen. IA-IB – die beiden „Urgebäude“ der RUB aus dem Jahre 1965 – mussten bis September 2015 im Rahmen der Schadstoffsanierung zurückgebaut werden. Jetzt werden die Gebäude IA-IB in der Architektursprache der modernisierten I-Reihe der Ruhr-Universität Bochum bis Juli 2018 in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wieder aufgebaut. Die Fakultät für Geowissenschaften mit dem Institut Geologie, Mineralogie und Geophysik und dem Geografischen Institut sowie die Fakultäten für Mathematik und für Psychologie werden dann in die Gebäude einziehen.

Quelle: Pressemitteilung BLB

Zum Thema gibt es auch einen Artikel in der WAZ, in dem eine Visualisierung der Neubauten gezeigt ist. Das Bild ist in höherer Auflösung hier zu finden.

Zwei Kräne sind in den letzten Tagen bereits aufgestellt worden. Hier noch Fotos vom Abriß der alten Gebäude:

Von Norden:
12.03.2015


13.05.2015


04.06.2015


17.07.2015


Von Nordwesten:
09.12.2014


12.03.2015


13.05.2015


04.06.2015


Von Westen:
09.12.2014


12.03.2015


13.05.2015


04.06.2015


17.07.2015



09.12.2014


12.03.2015


17.07.2015


Von Südwesten:
09.12.2014


12.03.2015


13.05.2015


04.06.2015


17.07.2015



Fotos: eigene Aufnahmen
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Alt 06.02.16, 10:14   #149
Kostik
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Neubau der Gebäude IA-IB an der RUB

Wenn ich richtig gezählt habe, werden bis zu fünf Kräne für den Neubau der Gebäude IA-IB aufgebaut.

Zitat:
Zum Thema gibt es auch einen Artikel in der WAZ, in dem eine Visualisierung der Neubauten gezeigt ist. Das Bild ist in höherer Auflösung hier zu finden.
Die Visualisierugen sehen ziemlich realitätsnahe aus. Solche sieht man sonst nur sehr selten

Fotos 30.01.2016









Fotos: mit freundlicher Erlaubnis von Bastian n.
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Alt 07.02.16, 20:24   #150
Ruhrgebietskind
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Trotz der intensiven Diskussion über Sinn und Unsinn des Denkmalschutzes der Ruhr Uni muss ich doch betonen, dass ich den Denkmalschutzwert der einzelnen Gebäude für mich nicht realisiert habe. Sind es jetzt die Rundum-Balkone, die besonders schützenswert sind, die Materialien, die Anordnung oder einfach nur das gesamte Waschbetonemsemble? Was muss bei einer Renovierung oder Restauration erhalten bleiben und was nicht? Die jezt in der WAZ gezeigten Visualisierungen zeigen deutliche Veränderungen an den balkonen. Jetzt kommt eine weiße Farbgebung zum Tragen gegenüber dem Natur belassenen Waschbeton der Ursprungsfassaden.
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