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Alt 06.07.18, 10:41   #35
Odysseus
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Odysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiellOdysseus ist essentiell
@ Urban Freak

man sollte Camondo zukünftig einfach ignorieren, ich werde es jedenfalls tun. Mehr sage ich zu dem Thema nicht mehr.

Inhaltlich sollte man vielleicht einmal über die einzelnen Stücke, um die es geht, etwas differenzierter diskutieren.

1. Rossebändiger: geschaffen von Peter Clodt von Jürgensburg als Geschenk von Zar Nikolaus I. um 1846. Sie standen bis 1950 auf der Lustgartenseite des Schlosses und wurden anschließend in den Kleistpark versetzt. Daneben stehen heute 4 weitere Abgüsse dieser Statuen an der Anitschkow-Brücke in St. Petersburg.

Von allen ehemaligen Ausstattungsstücken ist die Rückkehr der Rossebändiger wohl am wahrscheinlichsten, weil beide sind komplett erhalten und fristen heute im Kleistpark ein Schattendasein. Auch sind die Skulpturen überschaubar groß und sehr leicht in das aktuelle Außengestaltungskonzept integrierbar. Rückkehrwahrscheinlichkeit bei 90 Prozent.

2. Neptunbrunnen: 1891 im Stil des Neobarock von Reinhold Begas geschaffener Brunnen an der Schlossplatzseite vor Portal II. 1950 abgebaut und 1969 am heutigen Standort vor dem Roten Rathaus wieder aufgebaut.

Hier ist die Diskussion schon deutlich schwieriger, weil der Brunnen an sehr exponierter Stelle steht und durchaus eine Funktion im heutigen Ensemble erfüllt. Auf der anderen Seite war er für den Standort am Stadtschloss geschaffen und gehört meiner Meinung nach auch dort hin. Die politischen Mehrheiten sprechen aber aktuell gegen eine Rückkehr.

Wie könnte ein Kompromiss aussehen? Die aktuelle Brunnenschale ist eine Neuanfertigung aus der Zeit um 1969 mit veränderten Maßen. Sollte es zu einer Umsetzung kommen, müsste die Schale ohnehin neu angefertig werden. Das heißt, dasss ein Komprimiss darin bestehen könnte, am Standort vor dem Schloss zunächst nur die Granitschale mit einer einfachen Fontäne zu schaffen und so den Platz für eine mögliche Rückkehr frei zu halten.
Rückkehrchance liegt bei aktuell 40 Prozent.

3. Oranierfürsten: An der Lustgartenseite standen insgesamt 5 Standbilder der Fürsten aus dem Hause Oranien. Vier der fünf Standbilder sind heute verloren, das fünfte wurde vor einiger Zeit mit Spenden aus den Niderlanden restauriet und steht aktuell vor der Humboldtbox.

Bei der Diskussion über die ehemaligen Außenanlagen werden die Oranier häufig vergessen, dabei ist einer der Oranier schon zurück gekehrt, die anderen werden als Spenden wohl folgen. Die Spenden hierzu kommen aus den Niederlanden und erinnern uns an die tiefen europäischen Bande und dass die Schenkungen aus den Niederlanden kommen, zeigen, dass das Berliner Schloss auch eine europäische Dimension hat.
Rückkehrwahrscheinlichkeit bei 90 Prozent.

4. Adlersäule: 1846 errichtet, stand sie bis 1950 unbeschädigt vor dem Berliner Schloss. Die Säule befand sich am Ende der Lustgartenterrassen Richtung Schlossbrücke an dem Punkt des ehemaligen Münzturms. Sie wurde 1950 abgetragen. Bis auf das Kapitell, das sich heute im Pergamonmuseum befindet, ist der Rest der Säule verloren.

Eigentlich ein sehr kleines Exponat, was ich persönlich sehr gelungen fand. Das Kapitell ist erhalten, somit wäre zumindest eine Teilrekonstruktion möglich. Allerdings habe ich Zeifel, ob man die Symbolik im Berliner Senat schätzen würde. Irgendwie ist eine Rückkehr auch nie wirklich diskutiert worden.
Rückkehrwahrscheinlichkeit bei 10 Prozent.

5. Nationaldenkmal: hier wurde schon extrem viel drüber diskutiert und alles gesagt. Das Denkmal an sich war durchaus ästhetisch (wenn man bedenkt, was für ein Monstrum man in Rom in die Stadt gesetzt hat, dass alle Dimensionen sprengt). Allerdings fand ich die damalige Positionierung vor dem Portal III nicht die beste Entscheidung. Heute ist nur noch der Sockel erhalten, auf dem nun das Einheitsdenkmal (Wippe) gebaut werden soll.

Eine Rekonstruktion des Denkmals ist auf aufgrund der Symbolik völlig illusorisch und vielleicht auch nicht das richtige Signal. Da es den Sockel noch gibt, ist die Fage, wie man damit umgeht. Ich wäre für einen Verzicht auf die Wippe und die Wiedereinsetzung der historischen Mosaike. Ob und wie man den Sockel dann weiter gestaltet, muss man sehen. Ich würde vielleicht erst mal ein paar Jahre abwarten, wie sich das Schloss entwicklelt und dann nochmal neu nachdenken.
Aktuelle Rückkehrwahrscheinlichekit bei 0 Prozent, Kolonnaden bei 20 Prozent.

Das mal als Zusammenfassung, was einst um das Stadtschloss herum stand und wie ich die Chancen der verbleibenen Exponate für eine Rückkehr einschätze. Andere mögen zu anderen Zahlen kommen
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