Zurück   Deutsches Architektur-Forum > Architektur, Städtebau und Bauwesen: Regionale Themen > Süden > Nürnberg/Fürth/Erlangen

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 30.01.16, 14:24   #76
Sugar Ray
Urbanaut
 
Registriert seit: 31.07.2013
Ort: Nürnberg
Alter: 33
Beiträge: 20
Sugar Ray befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
[QUOTE=nothor;509799]"Eine Realisierung dieser Maßnahme wäre eine Nürnberger Antwort auf grundlegende Fragen unserer Zeit und Zukunft." Zitat Sugar Ray Banister, aktuell unter...

https://www.sugarraybanister.de/urba...-als-stadtoase

Danke für den Hinweis! Was mich seit geraumer Zeit am meisten wurmt: wo findet eigentlich der Diskurs statt? Dieses Forum erscheint mir reichlich tot. Auf Facebook bzw. in den Gruppen dort ist jetzt auch nicht so der Mob am toben. Irgendwo müssen doch die Resonanzräume existieren um das Thema der Stadtentwicklung an die Oberfläche zu bringen. Es passiert ja auch nichts, wenn wir hier alle nur vor uns hingrummeln.
__________________
Sugar Ray Banister
Fotografie und subjektiver Urbanismus aus Nürnberg und dem Rest der Welt: http://www.sugarraybanister.de. Meine Fotos stehen unter einer CC-BY Lizenz.
Sugar Ray ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.16, 20:20   #77
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
Zu diesem Thema hatte ich erst diese Woche ein interessantes Gespräch, also "totes Forum". Mir wurde gesagt warum solle man hier etwas sagen oder schreiben, wenn man keine eigenen Erkenntnisse, Entdeckungen oder Infos beizutragen hat. Stimmt. In Nürnberg allgemein wird zwar viel gebaut, aber:

- es sind kaum Informationen dazu aufzutreiben
- viel Bautätigkeit geht von den hiesigen Oligarchen (Schultheiss, Bauhaus & Co.) der Baubranche aus, die ihre immergleichen Konzepte und immergleichen Entwürfe überall hinbauen, und diese Architektur scheinbar auch vor Scham kaum öffentlich kommunizieren. Überregionale oder internationale Büros bauen hier äußerst selten.
- Insgesamt hat man das Gefühl dass hier grundsätzlich mit Informationen gespart wird. (Ich weiss z.B. bis heute nicht wie der Nachfolgebau des Fruchthauses Schell am Aufseßplatz aussehen soll - wäre das nicht mal einer Vorstellung wert?)
- Die wenigen geführten öffentlichen Diskussionen eher elitär zwischen Bauherr, Politik und "Professionellen" laufen...
- ... und sich das meist auf die dicken Brocken beschränkt, insbesondere Frankenschnellweg und RPG. Die Quelle ist ja seitens der Stadt ausdiskutiert.
- Die "Volksmeinung" wird wenn überhaupt im knappen Umfragenkasten der NN auf Seite 22 befragt. Über jeden Verkehrsunfall gibt es einen Beitrag, oft mit Foto, oder der Dauerbrenner "Hundewelpen", aber die Stadtentwicklung als Ganzes scheint entweder nicht zu interessieren oder auch völlig zu überfordern. Unsere Zeitungen helfen hier nicht weiter.
- Und der Rest ist Soziologie (Studentenstadt vs. Arbeiterstadt, fränkisches Gemüt etc.)

Nur was soll denn geschehen? Es passiert nur etwas wenn Druck aufgebaut wird, aber woher soll der kommen? Ich finde um die Quelle hat es durchaus Diskussionen und Aktionen gegeben, aber vielleicht zu wenige, nicht richtig adressiert, zu wenig medienwirksam, zu wenig spektakulär, vielleicht zu wenig vernetzt mit anderen. Immerhin dein Zitat - das ich sehr bemerkenswert finde - habe ich im Presseecho der letzten Monate so nicht auffassen können, da war der Tenor irgendwie weniger visionär. Eher "wir wollen" und nicht "Nürnberg braucht".

Nachtrag:
Was ich z.B. super finden würde wäre eine regelmäßige Kolumne unseres obersten Stadtbaumeisters in der NN oder NZ, meinetwegen monatlich oder quartalsmäßig, in der - gerne auch als Interview - bestimmte Themen besprochen werden.
Super finde ich zwar die geführten Stadtteiltouren zu bestimmten Punkten, in der oft Hr. Maly über bestimmte Projekte informiert, aber das ist eben sehr punktuell, geskripted und eben ist auch nicht jedem Interessierten die Teilnahme möglich. Mehr Online wäre gut.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.02.16, 21:20   #78
Planer
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 28.11.2008
Ort: Nürnberg
Beiträge: 315
Planer könnte bald berühmt werden
Sehr interessante Punkte in Euren Beiträgen.

Aber einige "provokante" Gegenfragen:

- was wäre anders, gäbe es einen Diskurs?

- wer würde denn heute teilnehmen?

- wer hätte denn Interesse Stadtenwicklung usw. wirklich zu diskutieren?

- Gäbe es da Unterschiede zu früheren Zeiten (bei den Teilnehmern, bei den Ergebnissen, bei den Folgen und Wirkungen)?

- Ist/Läuft es in anderen Städten wirklich anders?



Ich glaube das es derzeit nicht so viel anders als früher ist. Es gibt einige Themen, die schaffen es "Aufreger" zu werden und monatelang die Diskussion zu beherrschen (Stichworte: Augustinerhof Anfang 1990er, Verstuhlung Schöner Brunnen 2006, Neubau Stadtbibliothek um 2010, heute sog. Kopfbau am Hbf). Diese ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich - es ändert sich aber i.d.R. nichts (Ausnahme war der Jahn'sche Entwurf, der ohne das damals gerade neue eingeführte Instrument des kommunalen Bürgerentscheids in der überarbeiteten Form gekommen wäre (heute gäbe es darüber keinen Bürgerentscheid mehr...)). Das merkt der Bürger und zieht sich wieder zurück. Nach einiger Zeit kommt dann mal wieder ein Thema das es schafft und alles geht von vorne los.


Dazu kommen allgemeine gesellschäftliche Veränderungen und v.a. Veränderungen im politischen Diskurs.
Bis ca. zur Mitte der 1990-er Jahre gab es Diskussionen und politschen Streit um das große Ganze. Gab es schließlich eine Entscheidung, wurde sie i.d.R. akzeptiert und entsprechend gehandelt. In Nbg. bspw. lange Diskussionen um ein kommunales Müllkonzept Anfang der 1990er mit u.a. Einführung der Pfandtassen auf dem Christkindlesmarkt und Aufbau der Recyclinghöfe in kommunaler Trägerschaft oder das eigentlich noch gültige EK2000....


Seit dem hat es sich schleichend geändert, mit einem Schub in den letzten 10 Jahren. Inzwischen gibt es bei den meisten Themen einen Konsens zwischen den meisten Parteien - zumindest nach außen hin. Alle sind für Umweltschutz, Förderung des ÖPNV, Stärkung der Bildung, Schaffung von Parkanlagen, attraktive Stadträume gestalten usw. usf.
Dafür wird jede Kleinigkeit diskutiert, in Frage gestellt, vertagt und wieder von vorne begonnen. Man sehe sich nur die Trauerspiele im Stadtrat an. Über einzelne Straßenbäume in Planungen wird leidenschaftlich diskutiert, die Gestaltung oder Aufteilung des öffentilchen Raums aber nicht. Über den Namen der neuen Kunstvilla wurde monatelang gestritten, die inhaltliche und finanzielle Ausrichtung gerade mal im Ansatz diskutiert. Über die Sanierung der Schultoiletten muss die Verwaltung dem Stadtrat regelmäßig Bericht erstatten, der dann gerne ausführlich kommentiert wird. Die pädagogische Situation, die Entwicklung der Abgänger ohne Abschluss und die mangelhafte personelle Ausstattung der Schulen wird zwar ebenfalls berichtet, dann aber schnell abgehakt. Die Liste ließe sich fortsetzen...

D.h. die Politik fällt für einen ernsthafen Diskurs auch aus (Frage: welche Person mit Format geht heute noch in die Politik bzw. bleibt dort? man sehe sich nur die Stadträte der letzten Jahre an und wer zurück- bzw. nicht mehr antrat). Sehr deutlich zu erkennen war das an der Quelle: weil die einen eher dagegen waren, waren die anderen dafür und dann umgekehrt. Wirklich auseinander gesetzt, behaupte ich jetzt einfach auf Basis der öffentilchen Äußerungen, hat sich damit kein Stadtrat, sondern nur geguckt was die jeweiligen Vorturner gemacht haben. Das merkt der Bürger und schaut lieber was beim Club passiert - dort gibt es mehr Spannung, Emotionen und Überraschungen.

Das es so ist, liegt auch am anderen Umfeld (siehe oben). Für eine wirkliche Auseinandersetzung mit einem Thema, wird keine Zeit gewährt. Sobald eine Partei etwas in die Welt/Internet gesetzt hat, wird von den anderen bereits eine Reaktion / Kommentar erwartet. Also konzentriert man sich als Politiker auf die Themen wo jeder mitreden kann und eine Meinung haben darf, ohne (Fach-)Wissen zu benötigen (bspw. der Name eines neues Museums oder die Anzahl von Parkplätzen vs. Baumscheiben).
Planer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.07.16, 00:47   #79
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
Passend zum Strang und auch in direktem inhaltlichen Zusammenhang mit der Quelle äußert sich Sugar Ray Banister in seinem Blog aktuell:

https://www.sugarraybanister.de/nuer...s-quelle-areal

und prägt dabei den Begriff des "Heimzentrierten", des Nürnberger Stereotyp, der sich nicht für abstrakte Dinge wie Stadtentwicklung interessiert, weil "die da oben" eh machen was sie wollen und es ja so übel garnicht ist. Mir ham ja alles.

M.E. tut der Turbokapitalismus, der einen mit Konsum rund um die Uhr beschallt, die mediale Reizüberflutung und die enormen, persönlichen Freiheiten die einem der relative Wohlstand gibt um sich den oben genannten Dingen zu widmen auch kaum noch die Luft und den Raum, um durchzuatmen, und sich zu fragen 'was passiert eigentlich in meinem direktem Umfeld?' - und das alles in der raren Freizeit, die die meisten noch übrig haben.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.07.16, 11:25   #80
Dexter
Silbernes Mitglied

 
Benutzerbild von Dexter
 
Registriert seit: 01.10.2008
Ort: Berlin
Alter: 38
Beiträge: 773
Dexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfachDexter braucht man einfach
Ja, die Beiträge von Sugarray sind spannend und erhellend. In einigen Punkten (auch abseits des Themas Quelle) komme ich allerdings zu anderen Beobachtungen als auch Schlüssen.

Es gibt zwei Begriffe die ich gern in Spiel bringe. Die Hol- und die Bringschuld.

1. Jedes Milieu, jede soziale Gruppe ist verantwortlich für Ihre Ziele politisch und medial einzutreten. Das nenne ich "Bringschuld". Bislang ist es nur den Altstadtfreunden gelungen, sich in den Prozess der Stadtentwicklung medienwirksam breit und gesamtgesellschaftlich einzubringen.
Was fehlt die "Jungen Wilden" die bspw. die Quelle bespielten? Die Bereitschaft aus ihren Zirkeln der gegenseitigen Bestätigung herauszutreten und für Ihre Interessen auch abseits der eigenen Gruppe in den etablierten Gremien zu kämpfen. Stattdessen wird zu stark von der vermeintlich offenkundigen Nützlichkeit des eigenen Tuns ausgegangen, dessen Bedeutung die Politik und die übrige Stadtgesellschaft ja wohl endlich entdecken oder erkennen müsse.

2. Die Realität sieht da eben leider anders aus. Im Rathaus ist man, auch aus nachvollziehbaren Gründen, sehr stark vom "verwalten" der Stadt geprägt und stürzt sich mit ganzer Kraft auf die gesellschaftlichen Brot & Butter-Themen wie Kita-Ausbau und Brückensanierung. Aber auch im Rathaus gibt es eine "Hol-Schuld" neue Entwicklungen aufzugreifen und gemeinwohlorientierte Gruppen für deren Ziel in die Pflicht zu nehmen (und dabei nach Kräften Hilfestellung zu geben).

Zu den Heimzentrierten: Ja, die Studie trifft die Vergangenenheit doch ganz gut. Auch in Anbetracht des kontinuierlichen Zuzugs - in den vergangenen 5 Jahren von allein 10 000 Menschen (die Zahl bezieht keine Flüchtlinge ein) - erlebt Nürnberg aber wohl die größte gesellschaftliche Umwälzung seit den 1950er Jahren. Auch die Einkommensentwicklung- und Verteilung ist stark in Bewegung gekommen (Generation der Erben, beschleunigte Ablösung der Industriearbeitermilieus durch breite mittelständische Dienstleistungsmilieus).

Da ich nur alle paar Wochen in Nürnberg vorbeischneie empfinde ich diese Entwicklung als unübersehbar - im Guten (Belebung öffentliche Plätz der Altstadt, aufblühen von Kunst- und Kleingewerbe, Galerien, Boutiquen usw.) wie im Schlechten (soziale Kluft und aggressive Stimmung an Verkehrsknoten, zunehmende Verwahrlosung von diesen Teilen des öffentlichen Raums)

Die Quelle habe ich persönlich längst aus den Augen verloren. Was passiert hier eigentlich? Wohin soll die Reise gehen? Man liest nichts, man hört nichts...


d.

Geändert von Dexter (24.07.16 um 13:02 Uhr)
Dexter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.07.16, 12:31   #81
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
Danke, gut analysiert, so empfinde ich es auch.
Gerade die von dir beschriebene Bringschuld, sich mit seinen Vorstellung durch formulierte Forderungen in etablierte Gremien zu kämpfen, es dort zu plazieren und durch die Instanzen zu fechten, fehlt. Ich meine aber auch aus persönlichen Erfahrungen heraus feststellen zu können, dass diese "etablierten Gremien" leider oft auch nicht mehr ernst genommen werden, oder ihnen die Legitimität abgesprochen wird. Allein deshalb, da sie nicht bereit wären die eigenen Argumente abzuholen. Hinzu kommt noch ein gesellschaftlicher Megatrend - mindestens in Deutschland - weniger öffentlich zu demonstrieren und mehr zu liken, teilen, Petitionen zu zeichnen. Politisches Interesse findet am Smartphone oder PC statt, und bleibt zu oft dort.

Zur Quelle: Da geschieht aktuell nichts. Der Eigentümer Sonea Sierra hat wohl wieder Teile verkauft und beabsichtigt nach wie vor die Einrichtung eines EKZ, nachdem die Stadt wohl klargemacht hat, dass die Einzelhandelsverkaufsfläche keinen qm größer sein darf als verarbedet. Dass es um die Quelle still ist werte ich aber als gutes Zeichen, der Denkmalschutz schützt sie vor voreiligem Abräumen und solange besteht auch Hoffnung, dass sich etwas konzeptionell Spannendes herauskristiallisiert. Die Zeit spielt für die Quelle, die Bürgerschaft ist im Umbruch und das Thema Arbeitsplätze und Wachstum hat zunehmend weniger Durchschlagskraft. Ich persönlich kenne nämlich keinen einzigen arbeitslosen Menschen.
An diese Stelle treten mittlerweile Teilhabe und lebenswertes Umfeld, zumindest hoffe ich das.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.06.18, 10:06   #82
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell


Die Quelle hat anscheinend einen neuen Besitzer:

http://www.nordbayern.de/region/nuer...kler-1.7751439

Das riesige und schwierige Areal ist wohl dabei vom glücklosen Portugiesen Sonea-Sierra an einen Düsseldorfer Investor überzugehen. Die Gerchgroup ist dabei wohl spezialisiert auf besonders komplizierte Fälle:

http://gerchgroup.com/projekte/
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.06.18, 10:55   #83
nenntmichismael
Junior-Mitglied

 
Benutzerbild von nenntmichismael
 
Registriert seit: 28.11.2016
Ort: Brüssel
Alter: 44
Beiträge: 96
nenntmichismael könnte bald berühmt werden
Der offenbar kurz vor dem Vollzug stehende Verkauf ist eine gute Nachricht, da die Chance steigt, dass „etwas“ geschieht. Allerdings ist das Quelle-Areal für mich ein Musterbeispiel dafür, wie der Denkmalschutz NICHT funktioniert. Ein reiner Zweckbau ohne ästhetischen Anspruch, ausgelegt auf die spezifische Nutzung durch ein Versandhaus ist hier in seiner vollen Gänze vom Denkmalschutz unter eine Glasglocke genommen worden.

Aber wer außer einem anderen Versandhändler würde denn diese Immobilie für irgendwas brauchen – und dann auch noch in Dimensionen, die den gesamten Riesenkomplex füllen? Und das auch noch in all ihrer denkmalgeschützten Klobigkeit und Hässlichkeit? Antwort: Niemand. Nicht mal ein Versandunternehmen, denn die operieren heutzutage nicht mehr aus staugeplagten Städten heraus, sondern von der grünen Wiese aus.

Ich bin für den Erhalt alter Industriebauten durchaus zu haben. Manche lassen sich gut umnutzen (wie bei der AEG). Andere lassen sich in superchice Lofts umbauen oder sogar in Teilen reanimieren (wie beim Tucher-Areal). Aber es gibt einfach auch Bauten, die haben das Ende ihrer sinnvollen Nutzbarkeit erreicht und hindern die weitere Entwicklung der Stadt, die bei Freiflächen und Brachen nicht mehr allzu viel ungenutztes Potential hat.

Der Denkmalschutz müsste die Größe haben, Entscheidungen auch zu überdenken und ggf. zu korrigieren. Der Fall Quelle-Areal wäre so ein Fall, wo das dringend geboten erscheint.

Eine sinnvolle Kompromiss-Lösung könnte sein, den identitätsstiftenden Turm und meinetwegen einen der vier Flügel des Baus zu erhalten. Der Rest aber sollte entwidmet, abgerissen und zeitgemäß-zukunftsfähig neu gebaut werden.
nenntmichismael ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.06.18, 18:27   #84
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
Der Denkmalschutz muss gar nicht das Problem sein. Wenn man hier einen modernen Ansatz verträte und mit willigen und fähigen Investoren das richtige Gespräch führt müssten auch Kompromisse drin sein. Ich finde es richtig, dass die Quelle unter Denkmalschutz steht. Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist wenn tatsächlich keinerlei baulichen Veränderungen am Gebäude vorgenommen werden dürfen, um es nutzbar zu machen und damit schlussendlich auch zu erhalten. Die niedrigen Decken und die angeblich so geringen Deckenlasten dürften doch eigentlich nicht das Problem sein. Die enorme Gebäudetiefe wohl schon eher, aber das zeigen bereits die dicht gebauten Gründerzeitviertel in ganz Europa, was dann zu tun ist: Man bricht einfach Lichthöfe hinein. Von der Straße aus wäre das völlig unsichbar, und man würde automatisch die Belichtungsproblematik lösen. Soweit ich weiß ist aber auch die Straßenfassade problematisch, da dort die Fensterunterkanten zu hoch sind, wohl auf kopfhöhe. Aber auch das kann man lösen indem man sie halt einfach tiefer setzt. Wenn ich mir angucke was mit dem Tucherturm gemacht wird, neue Fassade, neue und größere Fenster, neue Geschossdecken, Anbau, dann mag mir nicht in den Sinn dass soetwas nicht auch mit dem Quellebau denkbar wäre. Dadurch würde eine Win-win-Situation entstehen, von der langfristig auch das Institut Denkmalschutz profitieren würde. Denn ein nicht nutzbares Bauwerk dieser Größe ist tatsächlich kaum zu erhalten.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.18, 17:03   #85
nenntmichismael
Junior-Mitglied

 
Benutzerbild von nenntmichismael
 
Registriert seit: 28.11.2016
Ort: Brüssel
Alter: 44
Beiträge: 96
nenntmichismael könnte bald berühmt werden
Den Verkaufs-Vollzug hatten wir hier noch nicht vermeldet. Seit gestern ist es amtlich und es soll wohl tatsächlich auf Wohnen und Gewerbe rauslaufen:
https://www.br.de/nachrichten/mittel...bauen-100.html

Damit steht der Entwicklung des "Quelle-Palais" (oder auch der "Quelle-Arkaden") nichts mehr im Wege.
nenntmichismael ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.07.18, 19:53   #86
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
Und da steht es auch, die Planung sieht vor Lichthöfe hinein zu sägen. Und schwupp, ist das ach so unüberwindbare Problem dann doch keines mehr. Und ob das wirklich so ungeheuer teuer ist mag ich angesichts dieses kleinen Projektes eines Privatmannes in der Südstadt auch nicht fraglos glauben. Und wo, wenn nicht da, ließen sich beliebig große, gar riesengroße Lofts mit Industriecharaker auf den Markt bringen, denn dieses Angebotsspektrum ist derzeit in Nürnberg quasi garnicht vertreten. Da fällt mir nur das vergleichweise kleine und abgelegene Bauprojekt der Tramlofts am Fuchsloch ein. Ich denke wenn man das Projekt "Quelle" clever angeht kann man da auch was draus machen. Von alleine, wie es sich wohl Sonea Sierra dachte, gehts halt nicht.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.18, 11:53   #87
nenntmichismael
Junior-Mitglied

 
Benutzerbild von nenntmichismael
 
Registriert seit: 28.11.2016
Ort: Brüssel
Alter: 44
Beiträge: 96
nenntmichismael könnte bald berühmt werden
@nothor: Ja, ich bin da jetzt auch grundsätzlich vorsichtig optimistisch gestimmt. Trotzdem bisschen Wasser in den Wein: Die Lichthöfe sind ja nur eine von vielen Fragen. Die wichtigste für mich ist, ob in diesem Monstrum wirklich ernsthaft jemand wohnen will - und wie es sich dann dort lebt. Das berührt grundsätzliche Aspekte wie auch geschmackliche. Fangen wir mit letzteren an. Riesige Flächen, nicht enden wollende Flure, klobige und knallharte Stahlbetonbauweise, alles strikt im rechten Winkel, für meinen Geschmack eigenartige und etwas hoch liegende schmale Fensterbänder, dazwischen fensterlose Turmvorbauten wie Bollwerke... Für mich sprengt dieser Komplex die Dimensionen des Menschen-Adäquaten. Kann man da die einzelnen Wohneinheiten so zerstückeln, dass es sich "humaner" anfühlt? Dass man sich wirklich wohl fühlt?

Und das bringt mich zum zweiten, grundsätzlicheren Punkt: Was für Sozialstrukturen entwickeln sich denn in so einem Riesenkomplex? Schlendert man da durch die 100 Meter langen Flure und hält ein Schwätzchen mit dem Nachbarn? Eher nicht. Selbst wenn die Appartements für sich genommen gelingen, wird sich dort jeder in seinen Hasenstall zurückziehen. Selbst der Norikus, der deutlich feingliedriger aufgebaut ist, hat da doch bekanntermaßen seine sozialen Probleme - dabei hat der noch den Wöhrder See vor der Tür, während man nach Verlassen des "Quelle-Palais" direkt an der Fürther Straße steht, oder hintenraus an den Bahngleisen.

Ich will ja nicht nur defätistisch sein. Vielleicht haben die Entwickler ja ein paar tolle Ideen, zum Beispiel die Anlage eines Anwohner-Parks auf den riesigen Dachflächen, oder Komplettverglasungen nach innen zu den "Lichthöfen", in denen es sonst auf den unteren Etagen auch ganz schön finster werden kann. Vielleicht werden auch die endlos langen geraden Strukturen aufgebrochen. Ob das alles machbar und finanzierbar ist und ob Aufwand und Wirkung (und Profit) dann in einem guten Verhältnis stehen können, da bin ich noch nicht so recht überzeugt.

(Mit den wirklich gelungenen Tram-Lofts, die schlichtweg in einen "menschlicheren", "organischeren" Industriebau eingefügt werden konnten, ist die Herausforderung der Entwicklung des Quelle-Areals m.E. jedenfalls nicht zu vergleichen. Bei den Tram-Lofts gibt es große hölzerne Fenster, gußeiserne Treppenläufe und auch in der Montagehalle schräge Winkel. Die Quelle besteht aus Beton und rechten Winkeln. Da fehlen einfach die Grundvoraussetzungen, um alte Industrie-Elemente charmant wieder aufleben zu lassen.)
nenntmichismael ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.18, 15:35   #88
AK-1982
Fast ein Mitglied

 
Registriert seit: 27.02.2013
Ort: Nürnberg
Beiträge: 11
AK-1982 befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Bei angedachten 700.000 € Invest kann viel passieren Baulich, was sicher nötig ist.

Hier ein Bild von oben.
http://www.sueddeutsche.de/bayern/fr...ft-1.3338409-3
AK-1982 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.18, 18:25   #89
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
@ nenntmichismael: Ich kann deine Bedenken zwar verstehen, aber ich teile deine Furcht nicht unbedingt. Die Angabe, dass Lichthöfe hineingeschnitten werden sollen, zeigt mir dass hier der Denkmalschutz weg kommt vom Substanzfetisch und jeder Stein da bleiben muss wo er grad ist. Was ich damit meine kann man sich vielleicht vorstellen wenn man das von AK-1982 verlinkte Luftbild ansieht: Um daraus bewohnbare Substanz zu machen müssten im Prinzip wesentliche Teile der Geschossfläche weg, damit nicht nur Lichtschächte sondern auch echte Höfe entstehen können. Im Grunde müsste m.E. strukturell etwas entstehen was der gründerzeitlichen Blockrandbebauung nahe kommt (Luftbild) Diese Viertel erfreuen sich heute in ganz Deutschland großer Beliebtheit. Zuden würde es ermöglichen, dass wesentliche Teile der Außenfassade - und nur um die kann es bei der Quelle doch gehen - stehenbleiben und die Quelle somit im Gedächtnis der Stadt erhalten bleibt.

Das ist eine Herausforderung für die Architekten, aber mit den typischen Problemen, die wir in Hochhaussiedlungen haben hat das ja nicht wirklich etwas zu tun. Die entstehen dort ja vielmehr durch die Angsträume zwischen den solitär gesetzten Hochhäusern, bei denen das Sicherheitsgefühl verloren geht, besonders nachts. Zugleich kann die Anonymität einer Briefkasten- und Klingelanlage mit 200 Namen das nicht ausgleichen.

Die Quelle ist bedingt durch ihre geringe Bauhöhe von nicht mehr als 5 Stockwerken nicht höher als die übrigen Gründerzeitwohnhäuser in Eberhardshof. Und wenn man viele Eingänge und viele Treppenhäuser hinter den Fassaden hinzufügt mit jeweils rund ein Dutzend Wohneinheiten ergeben sich auch attraktive Adressen, an denen man sich wohlfühlen könnte.

Du hast natürlich Recht, wenn man in das Gebäude mit nur keine Ahnung 4 Eingängen oder so und hunderte Meter lange Flure einrichtet, an deren Ende dann die Wohnungen liegen, muss es scheitern. Ich denke aber nicht das das passiert, allein schon des Brandschutzes wegen. Ein fiktives Rechenbeispiel:
250.000 qm insgesamt. Durch Lichthöfe reduziert sich die Fläche auf maximal 180.000 qm. Wenn ich verschiedene Wohnungen unterbringen möchte zwischen 30 qm und 250 qm komme ich auf durchschnittlich vlt. 100 qm. Macht also 1.800 Wohneinheiten. Bei 20 Wohnungen je Eingang/Treppenhaus bin ich immernoch bei 90 Eingängen/Treppenhäusern. Das klingt viel, aber das hast du auf vergleichbarer Fläche in der dichten Innenstadt ganz schnell und ist auch nötig, damit sich die Bewohner mit ihrem Haus identifizieren können. Und wenn noch Geschäfte im EG hinzukommen, eine Schule und Behörden, dann reduziert sich das noch weiter. Ich sehe also nicht, dass das nicht klappen kann, man muss aber auf die Wohnqualität achten und zusehen, dass es kein Bienenstock wird.

@AK-1982: Allerdings, mit 700.000 EUR Investitionssumme wird das nix.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.18, 22:56   #90
nothor
DAF-Team
 
Benutzerbild von nothor
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: In der Noris
Alter: 39
Beiträge: 2.547
nothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiellnothor ist essentiell
Ah, ich las eben in der heutigen NZ dazu: 700.000.000 EUR werden wohl investiert und es bleiben nach Hineinschneiden von Lichthöfen noch 170.000 qm Geschossfläche übrig. Da lag ich ja nicht so weit weg davon. Ich bin gespannt und auch der Meinung, dass das bislang das vielversprechendste ist, was ich zur Quelle seit langem gehört habe.
Das bislang von Künstlern genutzte Heizhaus soll wohl auch weiterhin von Künstlern genutzt werden können.
__________________
Fotos von mir, andernfalls ist die Urheberschaft angegeben.

nothor ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 02:27 Uhr.


Powered by vBulletin (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, Jelsoft Enterprises Ltd.
©2003-2018 Deutsches Architektur-Forum