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Alt 18.04.18, 12:23   #31
bernemerbub
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Das Hauptproblem des Paulsplatzes ist, dass er im Grunde gar kein Platz ist, sondern eine Baulücke. Da jedoch der Standortbestimmende Bau, die Paulskirche, mit dem Durchbruch der Berliner Straße ihre städtebauliche Einfassung verlor, ist diese Lücke nicht ohne weiteres wieder schließbar, ohne dass es zu mehr oder minder grotesken städtebaulichen Situationen führen würde, da die Rückseite der Kirche wegen der Berliner Straße nicht mehr eingefasst werden kann.
Sämtliche Vorschläge der späten 40er, der 60er sowie der 80er Jahre, als ernsthaft eine Bebauung erwogen wurde, blieben aus diesem Grund unverwirklicht: weil sie keine zufriedenstellende städtebauliche Situation für die Paulskirche geschaffen hätten.
Schon Goethe war ja der Ansicht, das die damals neue Kirche an sich nicht verwerflich sei, allein der Platz an dem sie ‚sticke’, sei nicht der richtige. Will sagen: die Kirche brauche, um zu voller Geltung zu kommen, mehr Platz.
Nun hat sie zwar Platz, aber leider nur einseitig, was zugegebenermaßen seltsam aussieht – so als habe man den Bau unachtsam in eine Ecke geschoben. Da man aber weder das ‚Neue Rathaus’ abreißen, noch die Paulskirche in die Mitte des Platzes wird schieben können, bleibt die Frage: was tun, wenn sich der Vorkriegszustand als nicht mehr realisierbar erweist, die zahlreichen Vorschläge einer Bebauung des Platzes aber nicht zufriedenstellend waren?

Ich kann mich noch gut an den großen Parkplatz erinnern, der bis in die späten 70er Jahre selbstverständlich den gesamten Platz einnahm. Als dieser dann weg war, sah der Platz arg öde aus. Den als vorläufige Kompromiss-Lösung gedachten Baumhain empfand ich aber immer als halbwegs akzeptabel, ja eigentlich als Bereicherung. Dass der Platz seither immer wieder für gewerkschaftliche Zwecke genutzt wird, ständig zu allen möglichen Themen Infostände auf- und wieder abgebaut werden, die Aussengastronomie endlich mal Platz hat Ausmaße anzunehmen wie man sie nur aus südeuropäischen Großstädten kennt (von Münchner Biergärten mal abgesehen), all das finde ich gar nicht mal so verkehrt.

Als gebürtiger Münchner ist mir schon früh aufgefallen, dass der Frankfurter sich schwer mit seinen wenigen, einigermaßen großen Plätzen tut. Die fast überall anzutreffende Enge scheint derart in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, dass die Weite schnell als störend empfunden wird. Wenn ich aber in dem kleine Café Stern am Paulsplatz sitze, das vorüberziehende Treiben und die gegenüber liegende Paulskirche betrachte, denke ich häufig: dieser Platz hat was. Er ist zwar nicht schön im klassischen Sinne (wie z.B. die Place Bellecour in Lyon), aber er funktioniert und bietet darüberhinaus immer wieder ein Forum für diverse Interessensgruppen.
Gerade dieses Forum ist meiner Ansicht nach ein ganz gutes Pendant zur demokratischen Tradition der Paulskirche.

Geändert von bernemerbub (20.04.18 um 11:03 Uhr)
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Alt 19.04.18, 23:48   #32
Zaungast 2015
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Zaungast 2015 könnte bald berühmt werden
Die Stadt hat hier die einmalige Chance diese Durchgangspassage zwischen Hauptwache/Römer als neue Achse zur "neuen" Altstadt und Dom zu etablieren. Heute hetzt man in der kurzen Grünphase über die Berliner oder parkt Touribusse für den schnellen Römerschnappschuss. Die längste Verweildauer auf dem Paulsplatz liegt momentan in der Weihnachtszeit, zum geselligen Afterworkglühwein. Hier ist ein ganzheitliches Konzept gefragt.

Reko ist natürlich zu begrüßen, was die beste Lösung ist, erschließt sich mir aber auch noch nicht. Man sollte auch über spätere Nutzung diskutieren. Sollte man zurück zu den Wurzeln und auch der Politik Raum bieten? Diskussionspunkte gibt es zur Genüge. Großartig wenn sich endlich was tut.
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Alt 20.04.18, 13:50   #33
Adama
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Adama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes AnsehenAdama genießt höchstes Ansehen
Hier noch ein Bild von oben:

Bild: https://abload.de/img/paulskirche8trd7.jpg

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Alt 20.04.18, 16:11   #34
regulator
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regulator könnte bald berühmt werden
Außen sollte man die Paulskirche meiner Meinung nach in jedem Fall wiederherstellen, zusammen mit den Rathaustürmen und -dächern! Stellt euch vor, man würde das als eine Art zusammenhängende Maßnahme durchführen und was für ein Gewinn das wäre.

Was das Innere anbetrifft, so halte ich den jetzigen Zustand für ziemlich schlecht, besonders dieses eigenartige, niedrige Zwischengeschoss mit einer Ausstellung. Jetzt natürlich überspitzt, aber wenn ich einer Kirche nach unten gehe, dann in eine Krypta. Das ist dann so, als wolle man da die deutsche Geschichte "beerdigen". Auch die Säulen dort, die im Hauptraum eine Entsprechung finden, sind seltsam. Ich bin eindeutig für eine Entfernung dieses Zwischengeschosses und eine deutliche Überarbeitung des gesamten Innenraumes. Ob das jetzt genau der Zustand vor 1945 sein muss, darüber sollte man diskutieren. Ich wäre auch dafür, aber vielleicht ließe sich auch eine überzeugende andere Gestaltung finden.

Hier der Innenraum von 1892: https://upload.wikimedia.org/wikiped...nraum_1892.jpg Das jetzige ist nun wirklich eine Notlösung.
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Alt 23.04.18, 16:34   #35
frank353
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Jeder, der in die Paulskirche kommt, ist erst einmal geschockt. Von außen schon sehr kühl gestaltet und mit einem Notdach ausgestattet, ist der Innenraum doch wenig beeindruckend. Kein Mensch würde dafür in eine andere Stadt fahren, geschweige denn reisen. Den selben Eindruck habe ich auch oft bei ausländischen Gästen in der Alten Oper erlebt, oder im Römer. Menschen aus anderen Städten können das nicht verstehen, dass man so eindrucksvolle und geschichtlich wertvolle Gebäude innen so schäbig gestaltet.

Die Paulskirche steht ja schon. Was fehlt ist lediglich eine weitgehend historische Herstellung der Innenräume und des Daches.

Das wäre doch eine einmalige Sache in Deutschland. Das erste Parlament in Deutschland! Zumal der Bau dann auch endlich für Veranstaltungen richtig nutzbar wäre.

Ich verstehe es nicht! Es ist auch nicht zu verstehen.

Da behält der Frankfurter lieber seinen 1940-50er Mief, als eine klassizistische Kirche, die in Grundzügen schon vorhanden ist, wiederaufzubauen.

Vielleicht noch ein Wort zum ehemaligen Kuppeldach. Nach meinem Kenntnisstand sollte das Dach auch einen Bezug zur Revolutionsarchitektur der 18. Jahrhunderts in Frankreich haben und dazu braucht es nunmal zwingend eine Kuppel und kein Flachdach.
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Alt 24.04.18, 07:42   #36
Bau-Lcfr
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Bau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle ZukunftBau-Lcfr hat eine wundervolle Zukunft
^ Das Dach der Paulskirche habe ich nie als temporär empfunden - es ist weniger sichtbar als die Fassaden. An der Kirche selbst stört nichts und auch der Innenraum wurde in so vielen Bauten nach dem Krieg neu hergestellt bzw. umgebaut. Was stört, ist die mehrspurige Berliner Straße hinter der Kirche - und auch die Fassaden an dieser Straße könnten gerne historische werden, als passender Hintergrund für die Kirche.
__________________
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Alt 24.04.18, 11:18   #37
bernemerbub
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Zitat:
Zitat von frank353 Beitrag anzeigen
Jeder, der in die Paulskirche kommt, ist erst einmal geschockt. [...] Zumal der Bau dann auch endlich für Veranstaltungen richtig nutzbar wäre.
Nun, nicht jeder. Meine Wenigkeit nicht, und mag ich auch einer noch so kleinen Minderheit angehören, die dieses "Denkmal für den Aufbau Deutschlands" (Titel eines Buches über die Paulskirche von Dieter Bartetzko) sehr, sehr schätzt.

Auch geht es mir so, dass ich die Architektur der 40/50er Jahre, die ja im Wesentlichen eine Wiederaufbau-Architektur ist, nicht per se als 'miefig' empfinde. So hatte ich z.B. vor einigen Jahren, als ich noch am Weckmarkt hinter dem Dom wohnte, eine sehr alte Nachbarin, die schon vor dem Krieg in der Innenstadt, am Rande der Altstadt lebte. Nachdem sie ausgebombt wurden, bei Familienmitgliedern unterkamen und wenige Jahre später wieder in die Altstadt zuückkehren konnten, waren sie unglaublich froh nicht mehr die Enge, die Dunkelheit und den Mief der Altstadt vorzufinden, sondern helle, für damalige Verhältnisse großzügige Wohnungen um begrünte Innenhöfen gruppiert. Nostalgisch in Sachen Altstadt war meine Nachbarin nie, überhaupt nicht.
Und all die Jahre, die ich dort in der neuen 'Altstadt' lebte, habe auch ich sie nie als 'miefig' erlebt.

Und was die Möglichkeiten von Veranstaltungen in einer originalgetreu wiedererrichteten Paulskirche betrifft: Was bitte sollen das denn für Veranstaltungen sein? Freilich, Gottesdienste. Aber Preisverleihungen ohne Foyer für das obligatorische Catering, ohne ein Tiefgeschoss mit Garderoben und Toiletten? Harte Kirchenbänke, statt halbwegs bequemer Bestuhlung?
Wäre ein ziemlicher Rückschritt in Sachen Nutzungsmöglichkeit des Gebäudes.
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Alt 24.04.18, 11:49   #38
Reiner03
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Ich finde die Paulskirche in ihrer jetzigen Form auch nicht schlecht aber das ist mMn in diesem Fall nicht der entscheidende Punkt.
Die PK hat zweimal in ihrer Geschichte eine historische Rolle gespielt. Als Sitz des Parlaments 1848/49 und als Symbolbau des Wiederaufbaus (nicht nur architektonisch) 1948.
Eine entscheidende Rolle kam ihr aber nur 1848/49 zu. Damals war sie Dreh-und Angelpunkt der deutschen Geschichte. Ein Jahrhundert spaeter war sie das sicherlich nicht.
Schon aus diesem Grund sollte die PK meiner Meinung nach zumindest annaehernd in den Zustand von 1848/49 zurueckversetzt werden.
Darueber hinaus ist es fuer mich unabdingbar, ein der Bedeutung der PK angemessenes Museum / Dokumentationszentrum zu errichten. Aus Platzgruenden kann das vermutlich nur ein separates Gebaeude sein, gerne auch ein Gebaeude, dass sich in Lage und Aussehen an der Alten Boerse orientiert.
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