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Alt 22.06.16, 14:47   #31
DaseBLN
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^ Auf den ersten Blick hat das mit den Eckbetonungen ein wenig wie Stalinstil auf mich gewirkt

Ansonsten: abwechslungsreiche Fassaden weitestgehend ohne Effekte wie versetzte Fenster und damit eher an der klassischen Moderne orientiert (die längeren ähnlich gestalteten Fassadenabschnitte funktionieren trotzdem und erinnern an Fabrikgebäude), verschiedene Materialien, darunter augenscheinlich auch Klinker und Naturstein, eine Einfassung des ehemaligen Bahnpostamts mit unterschiedlichen Schrägdächern und das weiß verkachelte Gebäude an der Wintergartenstraße, der offensichtlich den Lebensmitteleinzelhandel aufnimmt, funktioniert aufgrund seiner Symmetrie als Eingang zu den Krystallpalast-Höfen auch für sich als Fixpunkt für den Platz am Hahnekamm (hat der eigentlich nen Namen? Ich wäre ja für Schützenplatz):


Quelle: Conpartis / Stadt Leipzig

Absoluter Kniff auch, einen Fassadentyp immer noch leicht um die Ecke herumzuziehen, um so den einzeln sichtbaren Abschnitten mehr Diversität zu geben.

Wenn das alles so kommt und nicht noch verschlimmbessert wird, man da echt nicht meckern, ich habe selten einen gleichzeitig und von einer Firma hochgezogenen Block gesehen, der so organisch gewachsen wirkt. Wenn dieses und die anderen Projekte der Umgebung festiggestellt sind, werden alle anliegenden Straßen gutes fotographisches Material für Vorher-Nachher-Vergleiche vom Urban Wasteland zum Urban, ähh, Dreamland?

Das von miuiuwonwon abfotografierte Material liegt übrigens auch im offiziellen pdf der Stadt auf der Auslegung zum Bebauungsplan ab: klick, deswegen bin ich mal so frei, einige weitere Details einzustellen.

Die Ecke an der Kreuzung Brandenburger Straße / Sachsenseite / Planstraße - ich vermute mal, Sichtbeton wird das nicht, eher Naturstein:

Quelle: Conpartis / Stadt Leipzig

Der nördliche Nachbar des Bahnpostamts - fast schon klassische Geschäftshausarchitektur, augenscheinlich in Steinoptik:

Quelle: Conpartis / Stadt Leipzig

Der südliche Nachbar des Bahnpostamts am Hahnekamm, verklinkert:

Quelle: Conpartis / Stadt Leipzig

Wohnbebauung in der Hofmeisterstraße - sieht aus wie Strukturputz

Quelle: Conpartis / Stadt Leipzig
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Alt 22.06.16, 16:43   #32
hedges
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Ja - meckern kann bei einer Umsetzung wirklich nicht. Hier wird kein falscher Eindruck vermittelt, sondern hier wurde ganz explizit eine stark urbane Architektur am Hauptbahnhof, mit Naturstein- und Klinkerfassade, entworfen. Das einzige was mich stört ist die Gebäudehöhe am Hahnekamm. Für mich ist es nicht so richtig schlüssig den schon im Bahnpostamt existieren Bruch in der Höhe, mit einem niedrigeren Gebäude noch weiter zu verstärken.
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Alt 22.06.16, 16:56   #33
DaseBLN
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^ Stimmt, zumal ja direkt an der Wintergartenstraße wieder höher gebaut werden darf. Ich vermute mal, diese Vorgabe der Stadt (14,5 Meter maximal zur Straße) hängt dem Bayrischen Hof zusammen, dürfte ziemlich genau dessen Traufkante entsprechen. Ist natürlich die Frage, ob man darauf heutzutage bei einem Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite wirklich Rücksicht nehmen muss, zumal der künftige Nachbar des Bayrischen Hofs an der Ecke Hahnekamm / Brandenburger Straße sich ja wohl auch eher am ehemaligen Hotel Continental orientieren wird. Vielleicht machen aber gerade diese doch immensen Höhensprünge den "gewachsenen" Eindruck aus, den das Ganze am Ende hoffentlich vermitteln wird.
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Alt 22.06.16, 22:04   #34
Altbaufan_
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^
insgesamt für den Entwurf "aus einer Hand" i.O., jedoch fehlt mir bei Planstraße / Hofmeisterstraße und Wintergartenstraße / Rosa-Luxemburg-Straße / Hofmeisterstraße doch ein wenig Abwechslung. Es sind über weite Strecken gleiche bzw. sehr ähnliche Rasterfassaden ohne große Abwechslung.
Aber da das Grundstück nicht 10, sondern einem Investor gehört, kann man wohl nicht mehr erwarten.

PS: Auf dem Grundstück schräg gegenüber in der Rosa-Luxemburg-Straße (Neubau ImmVestWolf) steht bereits ein Kran, aber sonst nichts... (auch keine Baugrube). Stand: 18.06.
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Alt 23.06.16, 11:26   #35
C. S.
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C. S. könnte bald berühmt werden
Eine Höhenanpassung an den Bestand Wintergartenstraße kann sich auch auf das Hochhaus beziehen! ;-) Knapp 100 m wären das dann... Wie hätten wir es gerne?

Allerdings ginge es bei der Gesamtnutzung des Grundstücks auch mit Verschattungsproblemen einher. Im Endeffekt ist es wohl positiv, dass es rund 20 Jahre brauchte, bis ein valider Bedarf für ein valides und solides Projekt sorgt.
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Alt 23.06.16, 11:27   #36
C. S.
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C. S. könnte bald berühmt werden
Eine Höhenanpassung an den Bestand Wintergartenstraße kann sich auch auf das Hochhaus beziehen! ;-) Knapp 100 m wären das dann... Wie hätten wir es gerne?

Allerdings ginge es bei der Gesamtnutzung des Grundstücks auch mit Verschattungsproblemen einher. Im Endeffekt ist es wohl positiv, dass es rund 20 Jahre brauchte, bis ein valider Bedarf für ein valides und solides Projekt sorgt.
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Alt 23.06.16, 11:53   #37
DrZott
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DrZott ist einfach richtig nettDrZott ist einfach richtig nettDrZott ist einfach richtig nettDrZott ist einfach richtig nettDrZott ist einfach richtig nett
Brüche in der Höhe gab es auch bei historischer Bebauung regelmäßig - ob gewollt oder ungewollt.

Im Allgemeinen können diese sogar zu einer Belebung beitragen. Im konkreten Fall könnte ich mir vorstellen, daß damit das historische Gebäude optisch und metaphorisch hervorgehoben wird. Eigentlich keine schlechte Idee.
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So Sie bei mir Photos sehen, sind diese von mir. Wenn Sie keine sehen, brauchen Sie eine Brille. ;)
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Alt 24.06.16, 23:55   #38
Birte
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Birte wird schon bald berühmt werdenBirte wird schon bald berühmt werden
Ich bin angenehm überrascht von der Verschiedenheit der einzelnen Bereiche hinsichtlich Materialien und Gestaltung. Auch gefällt mir, dass offenbar auch kleine Läden vorgesehen sind. Nun bin ich auf die Umsetzung gespannt - die hoffentlich nicht hinter den Entwürfen zurückbleiben wird.
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Alt 25.06.16, 13:57   #39
hedges
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Zitat:
Zitat von C. S. Beitrag anzeigen
Eine Höhenanpassung an den Bestand Wintergartenstraße kann sich auch auf das Hochhaus beziehen! ;-) Knapp 100 m wären das dann... Wie hätten wir es gerne?
Tatsächlich konnte ich mir das im Kontext mit dem Wintergartenhochhaus tatsächlich vorstellen. Mit einem Sockelbau welcher den Blockrand an dem Platz schließt, wäre es städtebaulich auch verträglich.
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Alt 27.06.16, 22:24   #40
Altbaufan_
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Die Hofmeisterstraße 10 ist momentan in Sanierung und eingerüstet.

Parallel dazu wird in der Rosa-Luxemburg-Str. 8 neu gebaut:
http://www.deutsches-architektur-for...postcount=2130

Da ich nicht so recht weiß, ob zum "Krystallpalast" auch das Grundstück direkt daneben im Bereich Hofmeisterstraße bis Hans-Poeche-Str. gehört, poste ich es mal hier.
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Alt 28.06.16, 22:36   #41
Altbaufan_
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Die Stadt Leipzig berichtet zum Osten:

http://www.leipzig.de/news/news/inne...twickelt-sich/

Die Baugenehmigung für den v.a. im Dachbereich stark beschädigten Bayr. Hof wurde erteilt, d.h. hier dürfte es auch bald losgehen. Verantwortlich ist wieder einmal Immovaria, die sich sehr gern an schwierige Fälle oder Eckgebäude traut.
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Alt 29.06.16, 03:14   #42
LE Mon. hist.
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LE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfach
Bewegte Bilder

Info TV Leipzig, 28.06.2016
Bauvorhaben im Leipziger Osten
700 neue Wohnungen sollen gebaut werden
http://www.info-tv-leipzig.de/news/i...ipziger-osten/

LVZ, 28.06.2016
Leipziger Osten
Rathaus forciert Bautempo auf Brachen
http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Ra...po-auf-Brachen
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Alt 31.05.17, 17:40   #43
Altbaufan_
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Die LVZ berichtet hinter der Bezahlschranke über das Areal:
- autoarmes Quartier
- 600 Bewohner
- 230 Pkw- und 700 Fahrradstellplätze

LINK

Auf Leipzig.de etc. habe ich dazu nach kurzer Recherche noch nix gefunden.
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Alt 04.06.17, 21:54   #44
LE Mon. hist.
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Bebauungsplan Nr. 426

Vorlage - VI-DS-03368
Betreff: Bebauungsplan Nr. 426 "Neubebauung Brandenburger Straße/ Hofmeisterstraße/Hahnekamm; Stadtbezirk Mitte, Ortsteil Zentrum-Ost;
Satzungsbeschluss
https://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020...OLFDNR=1005209

Hier unter anderem:

7 Bebauungsplan Teil A: Blatt 1 Planzeichnung, Planzeichenerklärung
8 Bebauungsplan Teil A: Blatt 2 Zeichnerische Darstellung zur Fassade,
9 Bebauungsplan Teil B: Text
10 Begründung zum Bebauungsplan

Der CDU-Fraktion fällt es offensichtlich sehr schwer anzuerkennen, dass sich das Mobilitätsverhalten junger urbaner Haushalte der oberen Mittelschicht (für andere werden die Neubauten kaum bezahlbar sein) und kaum weniger gut betuchter Studierender 2017 ff. von dem 1977 oder 1987 im Westen der Republik unterscheidet. Das nennt man dann wohl konservativ.

Sehr interessant ist auch, dass es nach Auffassung der CDU-Fraktion Leipzig an anderer Stelle Investoren nicht zugemutet werden kann, sie bei 30 % der Wohnungen zu Mietpreis- und Belegungsrechten (Sozialwohnungen) zu verpflichten, solange die Fördermittel aus dem entsprechenden Programm des Freistaates dafür zur Verfügung stehen. Hier wollen sie den Investor "wegen des Vorrangs der Berücksichtigung des Gemeinwohls" dazu zwingen, auf eigene Kosten ein zweites Tiefgaragengeschoss zu bauen, "was wegen der Grundwassersituation vor Ort vermutlich die Kalkulation gehörig durcheinanderbringt". So setzt halt jede_r seine/ihre eigenen Prioritäten.

An der Hofmeisterstraße entsteht ein sogenanntes "autoarmes Quartier". Warum die CDU-Fraktion gegen eine Reduzierung der PKW-Stellplätze im Rahmen dieser Investition gestimmt hat, erklärt Stadtrat Ansbert Maciejewski:

„Autoarmes Quartier“ verlagert Probleme nur in die Nachbarschaft
http://www.cdu-fraktion-leipzig.de/2...nachbarschaft/

Zitat:
"... Problematisch erscheint uns die festgelegte Stellplatzbeschränkung. 460 wären gemäß Sächsischer Bauordnung eigentlich vorzusehen. Nur die Hälfte davon soll tatsächlich entstehen.

Ja, es ist richtig, dass die Sächsische Bauordnung und die zugehörige Verwaltungsvorschrift derartige Reduzierungen zulässt. Aber sie schreibt sie nicht vor. Sollte die Stellplatzreduzierung an dieser Stelle so kommen, wie in der Vorlage beschrieben, wird die Lebens- und Aufenthaltsqualität im ganzen Quartier leiden. Mit Rechenübungen kann Stellplatzbedarf zwar heruntergerechnet werden. Wir glauben aber, dass die reale Wirklichkeit eine andere sein wird, als die berechnete.

Wer von Ihnen ist eigentlich in letzter Zeit mal an der Hofmeisterstraße gewesen? Schon heute kann man dort kaum von einer entspannten Parksituation sprechen. Mit einer weiteren Bebauung im Viertel wird sich diese Situation kaum entspannen. Im Gegenteil. Mit diesem Bauprojekt wird unter der Überschrift „autoarmes Quartier“ östlich des Hauptbahnhofs weiter verdichtet und bereits bestehende Probleme werden verschärft und nicht gelöst.

Wer derartige „autoarme“ Quartiere sehen will, kann sich in Schleußig oder der Südvorstadt schon mal ein Bild machen, wie das dann aussieht. Nur dass diese Quartiere über 100 Jahre alt sind. Ähnlich wie die Denkweise der Grünen. Oder die von Kaiser Wilhelm II, der sagte „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Aber ich will Ihnen nichts vom Pferd erzählen. Unser Ziel als Stadträte sollte sein, bei Bauvorhaben dieser Größenordnung bereits vorhandenen Stellplatzbedarf im Umfeld gleich mit zu bedienen.

Das scheint aber offenbar weder im Interesse der Baubürgermeisterin, noch im Interesse des Investors zu sein. Apropos Investor: nachdem die CDU-Fraktion ihren Änderungsantrag eingereicht hatte, hielt die Krystallpalastareal GmbH & Co. KG aus Tübingen es vergangenen Freitag zunächst für notwendig, sich bei Frau Dubrau zu beschweren und sie zu bitten, ich zitiere: „all Ihren Einfluss geltend zu machen dass dieser Änderungsantrag nicht erfolgreich ist.“

Offenbar hat man sich dann am Montag überlegt, dass es vielleicht sinnvoll wäre, die eigentlichen Entscheider zu kontaktieren, also schrieb man allen Fraktionen einschließlich der CDU die Bitte, den Änderungsantrag abzulehnen. Ich verstehe schon, dass dem Investor eine Aufhebung der Stellplatzbeschränkung nicht gefallen würde, müsste er doch dann ein zweites Tiefgaragengeschoss bauen, was wegen der Grundwassersituation vor Ort vermutlich die Kalkulation gehörig durcheinanderbringt. Das ist für den Einzelnen vielleicht ärgerlich, aber wir sind dennoch der Auffassung, dass die Berücksichtigung des Gemeinwohls für uns als Stadträte Vorrang haben sollte. Gleichzeitig warf uns die Krystallpalastareal GmbH vor, das gesamte bisherige Bebauungsplanverfahren in Frage zu stellen.

Ich gebe hier diesen Vorwurf gern an die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig weiter. Diese hat in Ihrer Stellungnahme im Rahmen des B-Plan-Verfahrens deutlich gemacht: „Die IHK lehnt eine Beschränkung der Stellplatzanzahl aus Gründen der Mobilitätssicherung sowohl für die Wohn- als auch für die Gewerbenutzung strikt ab. (…) Eine Beschränkung der Stellplatzanzahl (…) entspricht nicht den Bedürfnissen der Investoren wie auch nicht der Bewohner und Gewerbetreibenden (inkl. Händler) der Stadt Leipzig…“, nachzulesen in der Vorlage im Abwägungsvorschlag zum B-Plan auf Seite 2 von 9. Ein Einwand, der von der Verwaltung natürlich nicht berücksichtigt wurde und den sich die CDU-Fraktion deshalb mittels Änderungsantrag zu Eigen gemacht hat.

Die Verwaltung schreibt in der Vorlage, „die Beschränkung der Stellplätze besteht darin, dass über diese zur Erschließung des Plangebietes notwendigen Stellplätze hinaus keine weiteren Stellplätze „freiwillig“ errichtet werden dürfen“. Genau diese weiteren Parkplätze wären aber im Interesse des Gemeinwohls an dieser Stelle sinnvoll und nötig. Und ich glaube auch nicht, dass die für das Vorhaben selbst berechneten Stellplätze einem Praxistest standhalten. Eine Verpflichtung zum Verzicht auf ein eigenes Auto kann schließlich weder bei Mietern, noch bei Eigentümern juristisch durchgesetzt werden.

Offenbar plant man aber bereits damit, das „autoarme Quartier“ zu Lasten des Umfeldes herzustellen. Die Krystallpalast GmbH verweist selbst darauf, dass am Busbahnhof ein großes Parkhaus entstehen würde, so dass später ausreichend Stellplätze zur Verfügung stehen.

Und das ist das eigentlich Tragische: Leidtragende sind die Bewohner und Anlieger im Umfeld. Diese bezahlen nämlich letztlich den Preis für die grüne Träumerei vom Autoarmen Quartier.

Bemerkenswert finde ich auch folgenden Satz aus der Vorlage: „Die Projektentwicklungsgesellschaft verpflichtet sich, durch die zielgerichtete Vermarktung und durch gesonderte Hinweise in den Mietverträgen, dafür zu sorgen, dass umweltbewusste Mieter und Nutzer angesprochen werden.“

Umweltbewusst ist nach dieser Lesart offenbar nur, wer kein eigenes Auto hat. Mit Verlaub, aus diesen Sätzen spricht eine selbstgerechte Arroganz und moralische Überheblichkeit, die mir bisher wirklich nur in grünen politischen Kreisen begegnet ist.

Ich bitte Sie herzlich um Zustimmung zum Änderungsantrag der CDU und gegen die Stellplatzbeschränkung. Ich glaube, wir sind das den Menschen im Umfeld dort schuldig.

Geändert von LE Mon. hist. (05.06.17 um 06:52 Uhr)
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Alt 05.06.17, 08:50   #45
PhilippLE
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PhilippLE sitzt schon auf dem ersten Ast
Zitat:
Zitat von LE Mon. hist. Beitrag anzeigen
Der CDU-Fraktion fällt es offensichtlich sehr schwer anzuerkennen, dass sich das Mobilitätsverhalten junger urbaner Haushalte der oberen Mittelschicht (für andere werden die Neubauten kaum bezahlbar sein) und kaum weniger gut betuchter Studierender 2017 ff. von dem 1977 oder 1987 im Westen der Republik unterscheidet. Das nennt man dann wohl konservativ.
Die Diskussion um das autoarme Quartier gab es hier ja schon mal - und wie gesagt darf man sicher bezweifeln, ob gerade das angesprochene zahlungskräftige Klientel ökologisch bewusst auf Erst- und vielleicht auch Zweitwagen verzichten will und kann. Wenn es das nicht tut, geht der Schuss natürlich nach hinten los. Die Kraftfahrzeuge verschwinden dann eben nicht elegant in der Tiefgarage, sondern verstopfen öffentliche Parkflächen - und auch gerne mal Flächen, die noch nicht einmal zum Parken gedacht sind.

Es wird ja abseits unverbindlicher Hinweise auch keinen Regelungsmechanismus geben (können), der das unterbindet. Was das Mobilitätsverhalten junger urbaner Haushalte angeht - da gibt es natürlich welche, die bewusst auf das Auto verzichten (Haushalte, die es sich nicht leisten können, sind hier ja irrelevant). Aber ist das wirklich das Klientel, das sich von einem solchen - mit Verlaub - Schickeria-Objekt angezogen fühlt? Und was passiert mit all den lobenswerten Vorsätzen, wenn die Realität mit unschönen Wegen zu Arbeitsplatz und Kinderbetreuung zuschlägt? Es ist schon auffällig, dass das Parkchaos im politisch grünsten Stadtviertel Leipzigs am schlimmsten zuschlägt (Schleußig).

Aber vielleicht ist es sinnvoll, hier ideologische Scheuklappen abzulegen und das autoarme Quartier einfach als Experiment zu sehen. Es wird sich ja zeigen, ob das so funktionieren kann.
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