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Alt 12.02.18, 07:25   #31
antonstädter
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Auf den Spuren der Meißner Straßenbahn (Teil V)

Zu Beginn von Teil 5 einige Bemerkungen zur Verkehrsgeschichte…

Nachdem der Betrieb sich fast erwartungsgemäß als zunehmend defizitär erwies, war der Fortbestand gegen Ende des Ersten Weltkriegs aktiv bedroht. Fast hätte die Meißner Bahn das Schicksal so manch anderer geteilt und wäre ähnlich wie in Freiberg oder Zittau nach nur wenigen Jahren des Betriebs wieder verschwunden. Jedoch hatte weder die Stadt Meißen noch die örtliche Industrie hieran ein gesteigertes Interesse, so dass die Stadt die Anlagen per 1.1.1917 übernahm. Ab nun firmierten sie als „Städtische Straßenbahn Meißen“. Trotz der in den zwanziger Jahren unternommenen Modernisierungen war zumindest dem Personenverkehr kein langes Leben mehr beschieden. Zwar wurde der Fuhrpark aufgemotzt und durch die Übernahme von Fahrzeugen der umgespurten Leubener Vorortsbahn in Dresden noch einmal aufgestockt, doch verzögerte dies den Niedergang nur um einige Jahre. Letztlich starb die Bahn auf Raten: 1933 die Strecke zum Bahnhof (durch den Brückenbau), 1936 der Personen-Restverkehr zwischen Buschbad und Neugasse, kurz darauf wurden die nicht mehr benötigten Gleise in der Altstadt und am Buschbad ausgebaut...

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Stadtplanausschnitt mit der Strecke zwischen Jaspisstraße und Kühnestraße. Gut zu erkennen die ausgedehnten Industrieanlagen des in den zwanziger Jahren stillgelegten Jacobiwerks, heute durch Wohnhäuser überbaut.




Wohnhäuser aus den fünfziger und sechziger Jahren auf dem ehemaligen Fabrikgelände.






Ab nun heißt die Talstraße Ossietzkystraße, früher war sie nach den Werken als Jacobistraße benannt.




Südlich der ehemaligen Jacobiwerke dominiert genossenschaftliche Großwohnbebauung aus den zwanziger Jahren.




Der Hang zu kunterbunten Fassaden scheint immer ausgeprägter, je mehr man sich von den Zentren entfernt, ein Trend, der auch schon andernorts aufgefallen ist. Auf jeden Fall offerieren die Häuser rund um die Haltestelle Kühnestraße ein Kompendium an geschmacklosesten Fassadenfarben, frei nach dem Motto: Hässlicher unsere Städte und Gemeinden, mal‘ mit!






Mietshaus und ehemaliges Emaillierwerk in der Ossietzkystraße.






Bahnunterführung an der ehemaligen Schamottefabrik. Darüber das heute nur noch dem Güterverkehr dienende Gleis der „zweiten Leipzig-Dresdner Eisenbahn“, der Strecke Borsdorf-Coswig, eine bis zum Abbau des zweiten Gleises zwecks Reparationsleistungen zweigleisige Hauptbahn, auf der Ende der 1990er Jahre noch Fernzüge fuhren. Diese vorsätzliche Vernichtung wertvollster Verkehrsinfrastruktur ist nicht nur bedauerlich, sondern hochgradig fahrlässig. Der wirtschaftlichen Gesundung des mittelsächsischen Raumes abseits der drei großen Städte wurde hiermit ein Bärendienst erwiesen.




Stadtplanausschnitt mit dem südlichsten Streckenabschnitt zwischen Kühnestraße und Buschbad.




Blick durch die Bahnunterführung, die bis 1966 auch noch das Streckengleis der Schmalspurbahn aufnahm.




An der früheren Haltestelle „Schamotte“, der letzten Zwischenhaltestelle vor dem Endpunkt. In den früheren Ziegel- und Schamottefabriken sind heute zahlreiche kleinere Firmen ansässig.






Frühere Tonwarenfabrik Tittelbach. Bis hierhin wurde die Strecke nach Einstellung des Personenverkehrs verkürzt.




Wohnhäuser kurz vor dem Buschbad. Nur noch wenige Meter, dann haben wir den südlichen Endpunkt der Meißner Straßenbahn erreicht.






Buswendeschleife der Linie C. Die Straßenbahn fuhr noch einige Meter weiter bis zur Buschmühle, deren Geschichte sich bis ins Jahr 1220 zurückverfolgen lässt.




Wunderschön saniert zeigen sich deren Gebäude.








Ein- und Ausblick in bzw. aus dem Hof, in den früher ein Straßenbahn-Anschlussgleis führte.






Endpunkt Buschbad im historischen Vergleich, im Hintergrund der Götterfelsen. Von der einst beliebten Ausflugsgaststätte fehlt heute leider jede Spur.






Blick vom Streckenende in Richtung Meißen.




Wir verabschieden uns vom Triebischtal mit diesem Blick von der Buswendeschleife an der Buschmühle und kehren für den letzten Teil in die Meißner Innenstadt zurück.

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Cependant, qui sait? La terre a des limites, mais la bêtise humaine est infinie! (Gustave Flaubert)
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Alt 12.02.18, 07:36   #32
antonstädter
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Auf den Spuren der Meißner Straßenbahn (Teil VI)

Im sechsten und letzten Teil unserer Meißner Straßenbahn-Saga soll der bislang etwas vernachlässigte Güterverkehr zu seinem guten Recht kommen.

Lok Nummer 3 überdauerte im Verkehrsmuseum Dresden. Leider verschwand sie dort mit der unverständlichen und skandalösen Auflösung der Nahverkehrsaustellung und kann heute wie bereits angedeutet als Leihgabe zu ausgewählten Terminen in Meißen im Depot an der Jaspisstraße besichtigt werden.

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Noch einmal zurück zur Kerstingstraße mit dem Güterstreckengleis, das kurz zuvor von der Stammstrecke abzweigte.




Über die „König-Albert-Brücke“ querte die Güterstrecke die Triebisch. Blick zurück ins Triebischtal, im Vordergrund die Porzellanmanufaktur.




Über etwa fünfhundert Meter folgte die Strecke nun dem Neumarkt, der kein Platz, sondern ein richtiger Straßenzug ist.




Blick zurück zur Triebischbrücke.





Wir passieren die Nikolaikirche, die vor 1150 errichtet wurde. Ihr heutiges Aussehen verdankt sie dem Wiederaufbau nach einem Stadtbrand Mitte des 15. Jahrhunderts.




Blick durch den Neumarkt. Eine Schönheit ist er wahrlich nicht.




Auch die ehemalige Keramikfabrik Teichert besaß Anschluss an die Straßenbahn. Offenbar bewarb man die eigenen Produkte durch gezielte Platzierung von Fayence-Applikationen in der Fassade des Firmengebäudes.






Die Neumarktschule wird heute ironischerweise als Seniorenresidenz genutzt. Es entzieht sich der Kenntnis des Verfassers, ob hier einige Bewohner in genau jenem Klassenzimmer untergebracht wurden, in denen ihnen Lehrer Lemke einst das Einmaleins einbleute…




Die Haltestelle Neumarkt dient als Pendant zur Neugasse für die in Richtung Bahnhof fahrenden Stadt- und Regionalbusse. Rechts wird die Straße von den „Neumarkt-Arkaden“ begrenzt, einem jener potthässlichen Einkaufstempel, die landauf, landab unsere Städte verunzieren. Dahinter befindet sich der neue S-Bahnhof Meißen-Altstadt, der über das Einkaufszentrum zu erreichen ist.




Reste der Oberleitungsaufhängung am Neumarkt.




Am Hahnemannsplatz. Hier endete die Güterstrecke nach Stilllegung des Reststücks zum Elbkai 1947.






Gedenktafel am Eckhaus.




Historisches Straßenschild in der Poststraße, der die Güterstrecke bis 1947 weiter zum Elbufer folgte.




Poststraße, Blick zurück zum Neumarkt.




Poststraße, Blick elbwärts.




Poststraße, Eckhaus zur Martinstraße.


An der Uferstraße bog die Güterstrecke nach Norden auf die Uferstraße ab. Die vor einigen Jahren sanierte Eisenbahnbrücke trägt nun wieder zwei Gleise, dafür aber keinen durchgehenden Personenverkehr nach Döbeln und Leipzig mehr.




Eine zum Bahnhof fahrende „C“ biegt auf die Uferstraße ein. Anders als die Straßenbahn befahren die Stadtbusse die Neugasse nur in Richtung Triebischtal, Richtung Bahnhof geht es über den Neumarkt. Somit folgen sie landwärts der Personenstrecke (außer dem kurzen Umweg über die Gerbergasse statt den Heinrichsplatz) und in Richtung Bahnhof bis zur Elbbrücke der Güterstrecke.




Blick hinüber nach Cölln.




Uferstraße in Richtung Elbbrücke. Heute ist sie als Hochuferstraße durchgehend ausgebaut, früher diente sie nur als Zubringer zum Elbkai.




Blick von der Brücke auf das Elbkai. Von den noch bis zur Jahrtausendwende weitgehend vorhandenen umfangreichen Gleisanlagen ist seit dem Bau der Hochuferstraße nichts mehr zu sehen.




Zum Abschluss noch einmal eine Fotothek-Aufnahme mit Burgberg und dem Elbkai, auf dem bei genauem Hinsehen ein Güterzug der Straßenbahn zu erkennen ist.




Der Güterverkehr endete offiziell am 31.12.1967. Danach galt es noch einige Reichsbahn-Güterwagen zurückzuüberführen, dann war endgültig Schluss. Noch lange zeugten Gleisreste am Neumarkt und der Talstraße sowie in einigen Fabrikanschlüssen von der Existenz der Bahn, doch sind diese mittlerweile nahezu vollständig verschwunden. So sind es einige Oberleitungsrosetten, die die Erinnerung an die Meißner Straßenbahn greifbar werden lassen. Es bleibt der Wunsch, dass diesem ganz besonderen Betrieb in Zukunft etwas mehr öffentliche Aufmerksam zuteil wird. Er hätte es verdient.
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Alt 11.07.18, 16:20   #33
Oberschaffner
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Oberschaffner befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Tausend Dank für die spannende Fotostrecke. Weiß jemand mehr über das ehemalige Depot oder sogar ein Foto besteuern? Ich meine mich erinnern zu können, irgendwo gelesen zu haben, dass das Depot noch bis nach der Wende existiert haben soll?
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