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Alt 22.03.17, 13:05   #271
Stadtstruktur
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Ich bin nicht ideologisch gegen Rekonstruktionen an sich, wenn sie gut begründet und plausibel sind. Es gibt da ein Streuungsfeld auch bei bisherigen Projekten - was genau auch von dem architekten in dem Beitrag diskutiert wird: Zum Beispiel der Wiederaufbau der Frauenkirche ist relativ kongruent, weil die ursprüngliche Funktion (für die der Bau mal gebaut wurde) auch der Nutzung jetzt fast 1 zu 1 entspricht. Der Palast Barberini war schon immer ein sammelsurium an Funktionen - und die jetzige Nutzung entspricht eher dem anspruch der äußeren Hülle. Das Humboldtforum ist (wie in dem Beitrag erwähnt) schon kritischer zu beurteilen - da dort jetzt irgendwelche Funktionen reingestopft werden, ohne das die Räume ideal dafür sind, nur um die Reproduktion des Stadtschlosses zu legitimieren. Noch schwieriger wird es meines Erachtens bei der Bauakademie die historischen konstruktiven inneren Strukturen und heutige Nutzungsansprüche in Übereinstimmung zu bringen...
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Alt 23.03.17, 08:15   #272
Bau-Lcfr
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Zitat:
Zitat von Stadtstruktur Beitrag anzeigen
... Das Humboldtforum ist (wie in dem Beitrag erwähnt) schon kritischer zu beurteilen - da dort jetzt irgendwelche Funktionen reingestopft werden, ohne das die Räume ideal dafür sind, nur um die Reproduktion des Stadtschlosses zu legitimieren....
Wie im Schloss-Forum bereits geschrieben - im vergleichbaren Warschauer Schloss wurden auch die Innenräume rekonstruiert, die dienen jetzt als Museum - eine wesentlich bessere Lösung. Ähnlich im Teil des Breslauer Königsschlosses - zu den Puppen mit historischer Bekleidung siehe hier.

Ein Negativbeispiel - ein kurz nach der Wende in die Altstadt hineingequetschtes EKZ neben einer Kathedrale, mit Naturstein+Glas konnte es noch den an Plattenbauten gewohnten Menschen gefallen. Mit Vollverglasung wird es nur noch schlimmer - mit dieser Architektursprache kann man an diesem Ort kein vernünftiges Ergebnis erzielen. Einige Fassaden-Rekonstruktionen, u.U. mit Glasabschnitten dazwischen, würden hingegen interessant wirken.
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Alt 25.06.17, 12:42   #273
Whywolf_Larry
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Zitat:
Ein kleiner elitärer Kreis aus Künstlern, Architekten und Städtebauern
Sie meinen Hedgefondmanager, Investoren und Bauingenieure. Die bauen 80%der Gebäude in Deutschland, geben also auch den "Stil" vor, also das Originäre. Im übrigen war es schon immer so, nur haben sich die Arbeitsmethodiken und Materialien verändert.

Zitat:
An Architekten wie Antoni Gaudi und Frank Gehry sollte man sich orientieren,
Ahja einen "Kreis elitärer Künstler" kritisieren aber die Elitärsten "Pseudo-Architekten" des Universums loben. Ich glaube eher ihnen fehlt die Selbstreflexion und deswegen fällt Ihnen ihr Mangel an Argumenten nicht auf.

Zitat:
Gebaut werden sollte was gefällt. Und da darf es in einem demokratischen und freien Land keine Tabus geben.
Aha und einen Satz später gilt das nicht für DDR-Bauten, die man polemisieren darf, im Kontrast zu Nazi-Gebäuden die man nicht, aufgrund der German Angst, polemisieren darf, weil es ja nur Gebäude sind. Was denn nun?
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"Wenn die Essenz des lebens die Information in der DNS ist, dann sind Gesellschaft und Zivilisation [Städte] nur riesige Speichersysteme."
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Alt 25.06.17, 21:17   #274
Stadtstruktur
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Natürlich kann man das, was da jetzt entsteht, als "schön" bezeichnen - wenn konventionelle Architekturtypologien der europäischen Kunstgeschichte "Schönheit" ausmachen... Ich finde jedoch auch andere Typologien "schön" - ich bin da nicht so festgelegt. Kritisch finde ich es, wenn es um die Restauration einer "heilen Welt" geht, in der ich möglichst ungestört bin. Kontrast, Infragestellung und Widerspruch (in diesem Kontext wabert ja der Vorschlag des "Zweifels" durch die Gründungsintendanz eingebracht in der Diskussion umher) sind viel fruchtbarter, als Selbstbestätigung. Das gilt auch für Architektur. - Wie gesagt - das das Humboldtforum jetzt in dieser Form gebaut wurde, ist wohl Ausdruck einer Rückwärtssehnsucht bestimmter Teile unserer Gesellschaft - das ist auch ok. Schwierig finde ich es jedoch, wie religös dieser Glaube an das Stadtbild von 1939 propagiert wird und wie es wie ein Sakrileg von den Reko-Jüngern behandelt wird, wenn man eine andere Meinung vertritt. Eine sachliche Diskussion erscheint mir (und da bin ich gesern wieder bestätigt worden) aussichtlos. Leider wird ja von manchen dieser Akteure die Gestaltungshoheit über die gesamte Berliner Mitte beansprucht - die nach diesem Leitbild bereinigt werden soll (ich erinnere mich lebhaft an die Diskurse zur Gestaltung des rathausforums, wo ich die Diskussions- und Mobilisierungsstrategien dieser Akteure persönlich verfolgen konnte). Schade finde ich aber, dass andere Belange und andere Sichtweisen von vielen dieser Akteure weggewischt werden. Leider eskaliert dadurch immer der Diskurs und alle Fronten verhärten sich (notgedrungen) - weil es dann nur noch um Sieg oder Niederlage geht, nicht um den Kompromiss. Daher finde ich das geplante Patchwork im Umfeld des Humboldtforums viel ehrlicher als die Rückkehr in einer Zeitmaschine für das Gesamte Umfeld in das Jahr 1939.
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Alt 25.06.17, 22:04   #275
Konstantin
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Konstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle ZukunftKonstantin hat eine wundervolle Zukunft
Ich wüsste nicht, das jemand auf den Zustand von 1939 beharrt - warum sollte man auf diesen rekurrieren? In Potsdam beispielsweise sprach die Gestaltungssatzung in Fällen von Rekonstruktion stets von der Fassung der "höchsten künstlerischen Ausprägung". Da kommen wir der Sache schon eher nahe.

Es geht jedoch hier nicht um Patchwork oder heile Welt - das ist genauso idelogisch, Stadtstruktur, wie Du es deinen Gegner vorwirfst. Die polymorphe Stadt ist nicht mehr rückgängig zu machen. Es geht darum einzelne Orte konsistent zu gestalten und nichtdas ganze Zentrum mit der gleichen Soße aus Alt und (vermeindlich) Neu zu überziehen.

Es sollte vielmehr Orte historischer und Orte moderner Architektur im Zentrum geben. Wenn - wie jetzt - beide Fraktion versuchen die jeweils andere Architektur zu diskreditieren kommt eben in beiden Fällen Mist raus.
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Alt 25.06.17, 22:27   #276
Hausschwamm
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Hausschwamm ist einfach richtig nettHausschwamm ist einfach richtig nettHausschwamm ist einfach richtig nettHausschwamm ist einfach richtig nettHausschwamm ist einfach richtig nett
Zitat:
Zitat von Whywolf_Larry Beitrag anzeigen
Aha und einen Satz später gilt das nicht für DDR-Bauten, die man polemisieren darf, im Kontrast zu Nazi-Gebäuden die man nicht, aufgrund der German Angst, polemisieren darf, weil es ja nur Gebäude sind. Was denn nun?
Der Unterschied zwischen DDR- und Nazi-Architektur ist dabei wohl der ausschlaggebende Punkt.

DDR-Architektur (nach dem Sozialistischen Klassizismus) sieht im ganz großen Regelfall einfach aus wie billigste Zweckbauten, die besseren Gebäude sehen aus wie schlecht aufgehübschte Zweckbauten, die wenigen Perlen der DDR-Architektur sind auch nur im Kontext ihrer Entstehungszeit als attraktiv zu betrachten, dummerweise waren diese Entstehungszeiten die geschmacklich schlimmsten Zeiten.

Nazi-Architektur wirkt eben immer wie bei den Römern aus Asterix & Obelix, ein wenig geschmacklos kopiert, übertrieben großkotzig, wertig und massiv, aber irgendwie spricht es trotzdem an.

Beim Stadtschloss und der Umgebung handelt es sich aber um:

– einen reparierten, nun wieder geschlossenen Platz mit historischer Architektur.

– die Reparatur des Endpunkts der Sichtachse von Unter den Linden, die im hinteren Bereich ab Charlottenstraße mit Humboldt-Universität und Bebelplatz ebenfalls von historischer Bebauung geprägt ist.

Somit ergibt sich ein kleines aber feines Ensemble, in dem man das alte Zentrum Berlin ein wenig erleben kann. Dort einem modernen Bau den Vorzug gegenüber einer Fassaden-Rekonstruktion zu geben, das wäre nun wirklich die Verschwendung einer einzigartigen Chance gewesen. Das Schloss an sich sehe ich als einen recht belanglosen Bau an, der in seinen Proportionen eher missglückt ist. Ohne das vorhandene Umfeld, wäre er eine Rekonstruktion nicht wert gewesen.

Beim Kommandantenhaus sieht man doch wunderbar, wie gut das funktioniert. Die meisten jüngeren Berliner wissen doch gar nicht, dass das auch eine Rekonstruktion ist. Wenn auch noch die Bauakademie kommt, dann ist das ein sehr schönes und in sich stimmiges kleines Gebiet. Deswegen stört mich auch die Einheitswippe an diesem Ort.
Die Stella-Fassade war so betrachtet auch eine sehr dumme Idee, denn die einmalige Chance eine recht große Spreeseite vom Bode-Museum über Dom und Schloss bis zum Zeughaus fast in ihrer früherer Form erleben zu können, die wurde dadurch vertan.

Sonst halte ich von Rekonstruktionen auch nicht viel. Ganze Viertel wiederaufzubauen, wie z.  B. Prinzipalmarkt in Münster, finde ich zwar vereinzelt nicht schlimm, aber auch nicht erstrebenswert. Jetzt in Berlin gleich noch ein ganzes Vorkriegsviertel rekonstruieren zu wollen, wie einige das fordern, das halte ich für vollkommenen sentimentalen Quatsch.
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Alt 25.06.17, 22:38   #277
Contra
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Contra befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Zitat von Whywolf_Larry Beitrag anzeigen
Sie meinen Hedgefondmanager, Investoren und Bauingenieure. Die bauen 80%der Gebäude in Deutschland, geben also auch den "Stil" vor, also das Originäre. Im übrigen war es schon immer so, nur haben sich die Arbeitsmethodiken und Materialien verändert.
Seit wann darf jeder Invenstor bauen was er will? Schließlich gibt es Gestaltungssatzungen, Wettbewerbe und Gestaltungsgremien, die sehr großen Einfluss haben.

Zitat:
Zitat von Whywolf_Larry Beitrag anzeigen
Ahja einen "Kreis elitärer Künstler" kritisieren aber die Elitärsten "Pseudo-Architekten" des Universums loben. Ich glaube eher ihnen fehlt die Selbstreflexion und deswegen fällt Ihnen ihr Mangel an Argumenten nicht auf.

Das Gehry und Gaudi Pseudo-Architekten sind, ist mir neu. Vielleicht könnten sie das näher erläutern. Jedenfalls haben diese Herren ernshaft versucht Neues zu kreieren.

Zitat:
Zitat von Whywolf_Larry Beitrag anzeigen
Aha und einen Satz später gilt das nicht für DDR-Bauten, die man polemisieren darf, im Kontrast zu Nazi-Gebäuden die man nicht, aufgrund der German Angst, polemisieren darf, weil es ja nur Gebäude sind. Was denn nun?
Genau das ist es doch. Rekos werden polemisiert, aber Nazibauten und DDR-Bauten nicht. Dabei könnte man da genauso oder vielleicht sogar extremer polemisieren. Weg mit der Polemik und lasst die Ästhetik entscheiden.
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Alt 26.06.17, 08:56   #278
Stadtstruktur
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Zitat von Konstantin Beitrag anzeigen
Es sollte vielmehr Orte historischer und Orte moderner Architektur im Zentrum geben. Wenn - wie jetzt - beide Fraktion versuchen die jeweils andere Architektur zu diskreditieren kommt eben in beiden Fällen Mist raus.
Ich finde es interessante, wenn EIN Ort unterschiedliche Ebenen aufweißt und nicht zur "guten Stube" gestaltet wird - diese architektonische Zonierung der Stadt in unterschiedliche "historische" Viertel finde ich nicht gut, sondern die historische Komplexität eines Ortes mit immer neuen Layern weiterzuentwickeln...
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Alt 26.06.17, 20:18   #279
Bau-Lcfr
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Zitat von Stadtstruktur Beitrag anzeigen
... wenn konventionelle Architekturtypologien der europäischen Kunstgeschichte "Schönheit" ausmachen... Ich finde jedoch auch andere Typologien "schön" ...
Es kommt auf den konkreten Entwurf an. Kürzlich gefiel mir auf Anhieb das neue Kinogebäude in Arnheim mit Verklinkerung in verschiedenen Farben, Gastronomie im EG und einem etwas niedrigeren Teil ähnlicher Höhe wie die älteren Bauten auf dem dritten Foto - auf dem Weg aus der nahen Altstadt. Vergleichen wir die Gestaltung mit halbwegs neuem Kinobau in Düsseldorf-Lörick - zwei Glaswände, ein wenig Stahlkonstruktion, der Rest bloß mit Weißputz. Der erste Entwurf würde selbst inmitten der Altstadt nicht so sehr stören, der in Lörick wirkt hoffnungslos plump und billig (oder dieses Duisburger Multikino - nicht besser). Es sind ungefähr 100 Km Luftlinie zwischen den beiden Bauten.

Ich nehme an, die Postings darüber sind aus dem Potsdamer Altstadt-Thread rausgeflogen. Es gibt durchaus Bauten der Moderne in altstädtischen Bereichen, die als Bereicherung angesehen werden können, etwa das Hamburger Chilehaus wurde zum Weltkulturerbe. Es gibt neben den Rekos ein paar interessante Entwürfe im Frankfurter Dom-Römer-Bereich sowie Alt-Sachsenhausen.
Das aber wenn man überhaupt sich um einen Stil, eine Expression bemüht - die häufigere Praxis ist heutzutage, möglichst plumpe und gesichtslose Kubatur, für die die Moderne als bequeme Rechtfertigung herhalten soll. Man muss nicht etwas älteres 1:1 kopieren, aber sich um einen individuellen interessanten Entwurf bemühen - auf jeden Fall.
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Alt 29.06.17, 22:50   #280
Saxonia
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Aus dem Berliner Parlaments- und Regierungsviertel kursieren derzeit verstärkt solche Bilder im Netz. Einige Gebäude (Reichstag, Paul-Löbe-Haus) haben offensichtlich vor den heutigen Regenmassen kapituliert.
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Alt 24.04.18, 20:53   #281
UrbanFreak
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Zitat von Camondo Beitrag anzeigen
... und da unter „ästhetisch und schön“ jeder Betrachter etwas anderes empfindet kommt man mit deinem Vorschlag auch nicht weiter.
Das würde bedeuten das Wissenschaftsgebiet der Soziologie komplett zu ignorieren. Dort bedient man sich nämlich Befragungen um Tendenzen in der Gesellschaft zu erkennen.

Diese gehen nämlich (genau so wie Jahrzehnte oder Jahrhunderte davor) in die gleiche Richtung: Klassische, harmonische Architektur mit Profilen, Ornamenten und Pilastern. Und ohne "Brüche", Beton und Schießschartenfenstern.

Das was Omi und Opi und manche Forumsteilnehmer mit ihrer Frau intuitiv erkennen, ließe sich jederzeit auch wissenschaftlich nachweisen.
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Kann man neues, schönes bauen? Das ist hier die Frage.

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Alt 24.04.18, 22:13   #282
Architektenkind
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Das was Omi und Opi und manche Forumsteilnehmer mit ihrer Frau intuitiv erkennen, ließe sich jederzeit auch wissenschaftlich nachweisen.
Du attestierst Freunden moderner Architektur also eine Art Geschmacks-Perversion? Muss ich zum Arzt gehen, wenn mir Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie gefällt? Sie weist keinerlei Pilaster, Ornamente oder Profile auf; dennoch finde ich sie schön. Umgekehrt kann sich der Berliner Dom vor Zierrat kaum retten, und ich finde ihn überladen und kitschig. Meine Intuition scheint kaputt zu sein, das ist wissenschaftlich erwiesen! Bin ich vielleicht krank?

Im Ernst: Ganz falsch ist das nicht, was Du schreibst. Aber so verkürzt, wie Du es schreibst, wird es falsch. Mit "der Wissenschaft" muss man vorsichtig sein, wenn nicht es nicht um Gravitationskonstanten oder Thermodynamik geht, sondern um Leute. Die sind nämlich geprägt von ihrer Gesellschaft und ihrer Zeit. Befragungen bilden immer nur einen Status Quo des Zeit-Geschmacks ab. Und der ändert sich.

Dennoch gebe ich Dir in einem recht: Auch mir gefallen gute, historische Bauten besser als das meiste, was heutzutage errichtet wird. Das hat aber weniger damit zu tun, dass neue Gebäude sich nicht nach der tradierten Formensprache richten. So prägend diese historisch gewachsene Sprache auch für mich nach wie vor ist, so gibt es doch herausragende Architektur, die sich an ganz andere Gestaltungsregeln hält. Das Problem ist eher die industrialisierte Bauweise, gepaart mit renditeorientierten Bauherren, die Qualität bei neuzeitlichen Neubauten genauso hintanstellen wie bei historisierenden.

Was das Molkenmarkt-Viertel angeht: Ich wünsche mir hier, wie bereits erwähnt, eine moderne Architektur, die in ihren Formen Anleihen an das historische Viertel nimmt. Keine Rekonstruktion, aber auch keine Verweigerung des Alten, wie es für den Städtebau des mittleren 20. Jahrhunderts typisch war. "Kann man neues, schönes bauen?" Natürlich kann man das – im Prinzip. In der Praxis ist das oft schwierig, weil moderne Bautechniken die industriell gefertigte Billigkiste ermöglichen und es deshalb einen Wettbewerbsnachteil darstellt, hochwertig zu bauen. Hier sind tatsächlich politische Vorgaben gefragt. Und da bin ich skeptisch.

P.S.: Was meine Omi und meinen Opi betrifft – die sind nach dem Krieg aus einem unsanierten Fachwerkhaus (mit Hinterhof-Klo und Kohle-Ofen) in einen modernen Fünfzigerjahre-Wohnriegel gezogen. Sie blieben zeitlebens Fans von Fünfzigerjahre-Wohnriegeln, obwohl sie meine Wohnung in einem sanierten Fachwerkhaus (mit Badezimmer und Zentralheizung) noch kennengelernt haben. Soviel zum Thema Prägung und Wissenschaft.
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"In einer Welt, die verrückt spielt, ist nur ein Irrsinniger wahrhaft geisteskrank." H. Simpson
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Alt 24.04.18, 23:07   #283
UrbanFreak
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Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen

P.S.: Was meine Omi und meinen Opi betrifft – die sind nach dem Krieg aus einem unsanierten Fachwerkhaus (mit Hinterhof-Klo und Kohle-Ofen) in einen modernen Fünfzigerjahre-Wohnriegel gezogen. Sie blieben zeitlebens Fans von Fünfzigerjahre-Wohnriegeln, obwohl sie meine Wohnung in einem sanierten Fachwerkhaus (mit Badezimmer und Zentralheizung) noch kennengelernt haben. Soviel zum Thema Prägung und Wissenschaft.
Genau da gebe ich dir ja Recht: Das ist eben die Assoziation einer ganz kleinen Generation, die die Evolution moderner Technik in einem Maße erlebt hat, wie das wahrscheinlich kaum eine andere Generation wieder erleben wird. (Es sei denn wir fliegen bald auf den Mars und leben in Großarkologien...).

Diese Assoziation der Moderne - der rationalen, ökonomischen Perspektive ist vorbei. Das muss man einfach anerkennen. Daher ist es für mich auch in Ordnung, einzelne Gebäude der Moderne unter Denkmalschutz zu stellen.

Aber es sollte sich doch bitte unter Fachleuten endlich ein Konsens finden, dass die Moderne eben eines ist: Vorbei.

Haken wir sie also ab und wenden wir uns wieder herrlich irrationalen, aber künstlerisch interessanten Gebäuden zu. Diese Umkehr passiert ja übrigens nicht nur in der Architektur - auch in der Technik gewinnt das Design immer mehr Aufmerksamkeit. Wenngleich dies immer noch minimalistisch ist (man hat ja auch keine historischen Vorbilder), ist doch der Geist dahinter der gleiche: Lass es mich erleben, genießen - schmeichle meinen Augen. Das ist des Kunden Wunsch.

Daher: Wer sein Geld klug investieren will, wer als Bauherr Nachhaltigkeit im Blick hat: Investiert in eine Architektur der klassischen Formen.
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Alt 24.04.18, 23:55   #284
Taxodium
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Kann man den Wissenschaftlern glauben schenken?

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Das was Omi und Opi und manche Forumsteilnehmer mit ihrer Frau intuitiv erkennen, ließe sich jederzeit auch wissenschaftlich nachweisen.
Zum Beispiel nachzulesen in einem Artikel aus der FAZ vom April 2017 in dem Prof. Friedrich Thießen von seiner Forschung an der TU Chemnitz berichtet.
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Alt 25.04.18, 23:44   #285
Baukörper
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Solche Forschungen kann man sich doch beinahe sparen!

Wollen wir nicht alle in voll sanierten Villen wohnen? Mit großen Garten und altem Baumbestand. Am Besten mit Wasser (Meer oder See) und Bergen in der Nähe. Auch Bahn, Autobahn, Flughafen und Stadtzentrum dürfen nicht weit sein. Natürlich sollte es auch nicht allzu viel kosten. Hinzu kommt noch eine schnelle Datenverbindung, gute Arbeitsplätze, viele Freizeitangebote...

Das was wir uns Alle wüschen und das was gerade möglich ist, geht nun mal leider oft weit auseinander. Und das nicht nur aufgrund eigener finanzieller Unzulänglichkeiten, sondern auch mangels Angebot.

Die "kleine Generation" die sich gefreut hat, in 50er Jahre Wohnriegeln zu leben, war gar nicht so klein, denn die vielen schönen Fachwerkhäuser und romantischen Bauernhäuser, die wir uns heute mit allem Komfort vorstellen können, gab es damals nicht. Und auch das Leben im dritten Hinterhof hatte nichts Schönes und eine Wohnung im Vorderhaus konnten sich nur wenige leisten (ganz zu schweigen vom großen Wohnungsmangel aufgrund der Kriegsschäden).

@UrbanFreak: Ich würde an Deiner Stelle nicht so schnell das Ende der Moderne fordern oder herbeisehnen. Das was danach kommt könnte schlimmer sein!
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