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Alt 19.09.11, 22:41   #1
mr-arcgraph
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Fürth: Verkehrsbauwerke

Auf Grund des Rundbriefes aus Februar 2011 des Stadtheimatpflegers Dr. A. Mayer habe ich mir die ehemalige "Central-Garage" an der Ecke Ottostraße, Mathildenstraße in Fürth angesehen. Voher war aber noch der Lokschuppen in der Nähe des U-Bahnhofes Stadtgrenze auf der Agenda. Auch hier hat sich ja bis heute nichts getan. (Siehe dazu u.a. Nürnberger Zeitung, 27.8.2011 und Nürnberger Zeitung, 17. 9. 2011)

Neben der Central-Garage steht bereits ein Informations-Container des Projektentwicklers, der mit Modell und Bauschild auf den absehbaren Umbau verweist. Kurz faßt der Denkmalpfleger das aus meiner Anschauung vor Ort gewonnene Fazit bereits zusammen: "Es wäre sehr schade, wenn dieses Gebäude völlig entstellt würde, wie es nun anscheinend angedacht ist." Auf das "einzigartig seit 1928" wie der Bauträger wirbt wird aus meiner Sicht keinerlei Rücksicht genommen.


Das Modell. (Quelle: M.Richter, September 2011)

Durch den Umbau in ein Wohnhaus ist von der bisherigen Fassade und damit auch Funktion kaum noch etwas zu erkennen. Das Gebäude liegt am Rande der Fußgängerzone und ihm gegenüber ein modernes Parkhaus, so daß die Umnutzung in eine Garage sehr sicher nicht mehr wirtschaftlich wäre. Das Erdgeschoß wurde zuletzt von einem Laden genutzt, wie sich aus der Ansicht am Ort ergibt.


Das Original (Quelle: M.Richter, September 2011)

Dem Modell nach wird die hohe Attika zur Mathildenstraße abgebrochen und dem Gebäude ein Steildach aufgesetzt, daß zwei Ebenen umfassen wird. Allein dies führt dazu, daß die moderne Ansicht Central-Garagen von 1928 verloren geht und einem Wohnhaus ohne gestalterischem Anspruch der 1950er oder -60er Jahr zu gleichen beginnt. Durch das Bauschild ist nicht zu erkennen, inwiefern der Aufzugsturm über zwei Ebenen greifende Öffnungen besitzt. Die Simulation und das Modell zeigen hier, daß zwei lange Fensterbänder entstehen sollen. Das wäre als moderne Interpretation eines vorhandenen Fassadenelementes noch akzeptabel. Erschütternd aber ist, daß auch die Schmalseite geschoßhohe und nicht durchgehend zusammengefasste Fenster erhält, die mit keinen bestehenden Fassadenöffnungen korrespondieren, aber auch nicht als nachträglich eingebrachtes Element zu erkennen sind. Im Modell sind die kleineren Fassadenöffnungen im Kopf, vermutlich der Maschinenraum des Aufzugturmes, größer als im Bestand dargestellt, so daß auch hier zu befürchten ist, daß Originalsubstanz verloren geht. Auch das Erdgeschoß wird soweit durch große Schaufensteröffnungen in unterschiedlichen Längen aufgebrochen, daß der Aufzugstandort nicht mehr erkennbar ist. Eine weitere Gedankenlosigkeit ist die Veränderung der Fensterteilung sowohl in der Hauptfassade zur Mathildenstraße, als auch in der untergeordneten Fassade parallel zur Ottostraße.

Die Staffelung der Fassade in Richtung Ottostraße (vier Fensterachsen dreigeschossig, dann zwei zweigeschossig) ist nicht nachvollziehbar. Aus gestalterischen Gründen sollte hier die dreigeschossige Höhe durchgehend ausgeführt und darauf verzichtet werden, bodentiefe Fenster auszuführen. Die Fassade wirkt nicht vertikal und verliert gleichzeitig trotzdem die halbwegs vorhanden Horizontale.

Fazit: Die Geschlossenheit des Aufzugsturmes müßte mindestens in Richtung Ottstraße erhalten bleiben. Allein das ehemalige Portal des Aufzuges könnte Schaufensterfläche zur für ein Café nutzbaren Freifläche werden. Die beiden aufgesetzten Dachgeschosse müssten hinter der Attika mit Terassenflächen beginnen, so daß die hohe Attika, die wesentlich die Proportion der Fassade an der Mathildenstraße bestimmt erhalten bleibt. Die Überhöhung des Aufzugturmes durch eine Stahl-Glas-Konstruktion als modernes Element sollte etwa einen halbe Meter höher als im Modell und der Visualisierung ausgeführt werden, um die Vertikal stärker zu betonen.

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Micha.Richter
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Geändert von mr-arcgraph (20.09.11 um 10:39 Uhr) Grund: Fotos des Autors, abgelegt auf der eigenen Domain, siehe Link, IPTC-Daten der Bilder und Signatur
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Alt 20.09.11, 10:36   #2
mr-arcgraph
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Lokschuppen in Fürth

Aus dem Rundbrief des Stadtheimatpflegers Dr. Alexander Mayer vom Februar 2011
Zitat:
Eisenbahn-Jubiläum
Im Jahre 2010 stand wieder ein Jubiläum im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit. Diese Jubiläen haben nicht nur den Selbstzweck als „Event“, sondern dienen der Bewusstseinsbildung oder besser: der Selbstbewusstseinsbildung in Fürth. In den letzten Jahren lässt sich – nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen Jubiläumsfeierlichkeiten – ein wachsendes Geschichtsbewusstsein in Fürth ausmachen. So habe ich mich wieder intensiv mit dem entsprechenden Jubiläum befasst, dieses Mal war es bekanntlich das 175jährige Jubiläum der Bahn, zu dem ich v.a. ein Buch zur Verkehrsgeschichte von Fürth schrieb sowie eine Ausstellung im Rahmen der leider nur kurzzeitigen „Wiederauferstehung“ des Ludwigsbahnhofes an der Freiheit konzeptionierte. Die Bahn selbst hat im Jubiläumsjahr praktisch nur negative Schlagzeilen gemacht.
Auch ich als Heimatpfleger kann über sie nicht viel Positives berichten.
Der historische Lokschuppen an der Stadtgrenze – unter Umstanden der älteste in Deutschland – verfällt weiter. Die Immobiliengesellschaft Aurelis – ehemals ein Tochterunternehmen der Bahn – lässt den Lokschuppen planmäßig verfallen (im Grundbuch ist übrigens nach wie vor die DB als Eigentümer verzeichnet). [...]
(Auszug aus http://www.dr-alexander-mayer.de/dow...ndbrief-67.pdf )

Herr Mayer schreibt weiter, daß die DB AG im Zusammenhang des Umbaues von Bahnsteigen und der Unterführung sogar angefragt hatte, ob Teile des Bahnhofsgebäudes dafür abgerissen werden könnten.

Im August 2011 machte zumindest ein Gutachten wieder etwas Hoffnung:

Zitat:
Historischer Lokschuppen: Neuer Anlauf zum Rettungsversuch
Ein Gutachten zeigt Möglichkeiten zum Erhalt des historischen Lokschuppens auf
(Quelle: Nürnberger Zeitung, 27.8.2011)

Danach ist die Bausubstanz nicht so schwer geschädigt, wie der äußere Anblick auf das Gebäude mit seinem zerstörten Dach vermuten läßt. Mit 100.000 EUR wäre zumindest eine minimale Bauzustandssicherung - im Wesentlichen ein dichtes Dach - zu erreichen. Seitens der Stadt gibt es keine Nutzungsideen und kein Geld, das hier eingesetzt werden könnte. Nun hat sich laut den Regional-Zeitungen eine Schlosserei gemeldet, die den Lokschuppen sanieren möchte. Das Berufsförderungszentrum Nürnberg würde die Dachsanierung mit unterstützen.

Zitat:
Schlosserei am Lokschuppen interessiert
Möglicher Pächter erhöht die Aussichten auf eine Sanierung des Fürther Baudenkmals
(Quelle: Nürnberger Zeitung, 17. 9. 2011)

Die Sanierung und gar Nutzung durch einen Gewerbetreibenden wäre die beste Lösung für diesen, nach Meinung des Stadtheimatpflegers womöglich ältesten Lokschuppen in Deutschland. Seine schlechte Erreichbarkeit, ausschließlich über den Recyclinghof Jakobinenstraße, macht eine weitergehende öffentliche Nutzung eher unmöglich.
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Micha.Richter
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Alt 21.09.11, 11:20   #3
nothor
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Schade um den Charakter des Baukörpers "Central Garage". Zur Zeit mutet es ja noch etwas an wie ein venezianisches Wohnhaus, v.a. durch den sehr großen Abstand zwischen oberster Fensterreihe und Dachgesims zur Hauptstraße. Aus dem Gebäude könnte man extrem viel machen ohne den bestehenden Charakter zu zerstören, sondern sogar unter dessen Beibehaltung!

Selbstverständlich sollte auch der Schriftzug an der Hauptfassade erhalten bleiben.
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Alt 05.10.11, 21:38   #4
Planer
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 28.11.2008
Ort: Nürnberg
Beiträge: 318
Planer könnte bald berühmt werden
wenn man sich anguckt was dieser Bauträger sonst so auf den Markt wirft...
(z.B. http://www.bauhaus-bautraeger.de/referenzen/townhouse/)

dabei sind die vor einigen Jahren durchaus "gut" gewesen.
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