Rossi-Hochhaus [Lichtenberg | realisiert]

  • Kann es sein, dass der Entwurf wieder verändert wurde?



    Quelle: http://www.berlinarchitekt.de/aktuelles.htm)


    Aus Beitrag #32 war ja dieser Entwurf:

    Quelle: http://www.berlinarchitekt.de/aktuelles.htm)


    Ich meine hier nicht nur die Farbe, sondern vor allem auch die fehlenden zwei "Turmaufbauten", die in dem Entwurf aus #32 allerdings auch nur schemenhaft angedeutet wurden. Das hatte der hässlichere Vorgängerentwurf aus #38 den beiden nämlich voraus: Es gab da noch richtige Aufbauten auf den Eckbereichen.


    Einen großen Verlust sehe ich auch darin, dass man diese tonnengeölbeartige obere Etage abgerissen hat. Dieses Bild zeigt, dass dort wirklich extravagantere Raumstrukturen entstanden wären:

    Quelle: http://www.berlinarchitekt.de/aktuelles.htm)

  • Also mir gefiel der Entwurf mit der dunkleren, naturfarbenen Sockelbebauung am besten.
    Wenn sich die Pläne auch weiterhin noch so verändern bekommen wir vielleicht doch noch ein buntes, zusammengewürfeltes Haus, wie es von Rossi geplant war.;)

  • Seit kurzem verschwindet die graue Betonfassade des Gebäudes, nach einer ganzen Dekade, zumindest schonmal hinter den Wärmedämmplatten.
    Das ist ja nun fast schon sowas wie eine Ära die zu Ende geht.;)

  • Bei dem neuen "Andels Hotel" hat man vor ca. 2 Wochen damit begonnen, die neue Turmspitze zu konstruieren. Die erste der etwa 3 neuen Etagen ist bereits fast fertig.



  • Soooooo,
    jetzt endlich auch mal wieder Senf von mir ;)


    Der neue Turmaufbau ist mittlerweile im Rohbau komplett. Und große Teile der unteren, neuen Fassade wurden auch schon angebracht. Die obere Hälfte wird scheinbar ein gewöhnlich verputztes weiß. Des Weiteren wurden auf der Rückseite auch schon solche grauen "Dekoaufbauten" installiert.

  • Habe heute mal 2 Bilder von der bereits fertiggestellten Ecke gemacht. Unter anderem steht der Turm noch in nacktem Beton da, während einige Bereiche schon fertig entpackt wurden. Die untere Hälfte ist weniger dunkel, als es die Renderings vermuten ließen.


    Mein Fazit:
    Es sieht weder besonders gut, noch besonders schlecht aus.




  • Die unteren Stockwerke mit der Steinplattenverkleidung wirken auf mich überraschend angenehm, jedenfalls im Vergleich zum vorherigen Zustand. Die Türme verstärken noch den Eindruck einer Festungsanlage.

  • Was für eine Aufgabe wäre es gewesen ein Haus eines der bedeutendstenen Architekten und Theoretikers der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Ende zu bauen und nicht zu massakrieren.

  • Was für eine Aufgabe? Bei Caparol anrufen und ein paar Eimer Farbe bestellen hätte jeder gekonnt. ;)

    Dass Rossi ein großer Vordenker der europäischen Strömungen des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts war, entspricht der Realität. Auch mögen einige seiner Bauten herausragende Details und vor allem sehr individuelle Intentionen besitzen. Ob der ursprüngliche Entwurf für die "Landsberger Arkaden" aber funktioniert hätte, wage ich zu bezweifeln. Schon das Baller-Ungetüm ein paar Meter weiter schert sich einen Dreck um den Genius loci und brüskiert die realsozialistische Umgebung mit der Pose: "schaut her, ihr armesligen Blöcke, so schreibt man einen (kurzlebigen) Top-Ten-Hit!". Integrativ sieht erst recht im Falle von Rossis Werk an dieser Stelle anders aus. Ich sah jedenfalls im Ursprungsentwurf eine irrwitzige Baumasse mit gähnend langweiliger Kubatur, die durch die Rossi-Tapete hier nur noch absurder wirkte. Was beim Quartier Schützenstraße noch bedingt funktionierte, entpuppte sich an der Landsberger als gescheiterter Versuch, die Mißstände, die derartige Funktionsmonster generieren, mit bunter Maske und großem Namen zu verschleiern. An der Stelle wäre mir selbst jeder zeitgeistig "klassische" Patzschke-Entwurf im kleinteilig parzellierten Blockrand deutlich lieber gewesen. Die moralische Halbwertzeit solcher expressiven Monumente schätze ich im Übrigen nicht höher ein als die der meisten postmodernen Kreationen. Dagegen wirkt die IBA-Wohnbebauung Rossis an der Koch-/Wilhelmstraße beinahe vorbildhaft zeitlos (trotz der unglücklichen und vielfach kritisierten Eck-"Stütze").

    Ich bin also ganz froh, dass statt dessen eine weniger provozierende, dafür eher integrierende und zeitlosere Fassade umgesetzt wurde. Ein weniger massives "Scharnier" hätte allerdings es auch gerne werden dürfen. Meine Meinung.

  • @ AeG
    Was ich an dem Entwurf kritisiere ist, das völlig Desinteresse an Rossis Ideen , der sich qua Maßstab schon an den Platten orientiert hat, sie aber eben zu einer Archittectura metafisica transformiert hat.Ich fand die rossischen Volumetrien wesentlich geglückter, als was da jetzt steht, und dieses gekünstelte Kleinmachen eines Volumen durch Grau- und Weissschattierungen, genauso ungeschickt wie der unglücklichen Versuche die Platten über farbige Zonierungen „menschlich" zu machen.

  • Mag sein, dass es sich um allgemeines Desinteresse gegenüber Rossi handelt (was schade wäre). Ich meine aber mich zu erinnern, dass nach dem relativ frühen Ableben Rossis schon aus Urherberrechtsgründen eine spätere Umsetzung des Entwurfes durch einen anderen Bauherren nicht aushandelbar gewesen sei. Zur implizierten metaphysischen Komponente von Rossis Arbeiten will ich mich lieber nicht äußern, das gäbe höchstens dicke Luft. (bei manchen Themen schalte ich automatisch auf stur, kann ich nichts gegen unternehmen ;); ich habe mich damals schon nach Möglichkeit um jede Vorlesung und jeden Prof gedrückt, der diesen oder vergleichbare Ansätze gerne aufarbeiten wollte - einer von denen war übrigens Tonon, der hier in jüngster Zeit gerade von uns beiden in anderen Zusammenhängen erwähnt wurde).

    Deinen Vergleich mit den Platten finde ich gewagt. Volumina durch dekorative Elemente oder funktional bedeutungslose Gliederungen optisch zu verschlanken, ist eine uralte Sitte. Dabei lediglich mit simplen, geometrisch unbeholfenen Materialwechseln zu hantieren, ist leider eine fatale jüngere "Errungenschaft", da hast Du recht (wobei uns im Zuge der Ökologisierung, sprich Plättung, und der Volkstümelei noch viele dieser Ergüsse bevorstehen, wie ich jedenfalls vermute). Ich wäre aber schon froh, wenn es bei der massenhaften Sanierung ostdeutscher Wohnblöcke bei simlpen Grau/Weiss-Schattierungen geblieben wäre! Hand auf's Herz, da sind doch noch ganz andere Sachen verbrochen worden, die jede halbwegs ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema vermissen lassen, oder? Wobei, einiges davon ist zumindest in der oberflächlichen Wirkungsweise nicht so weit entfernt von Rossis jüngeren Entwürfen. ;)

  • Jaja bauen und denken......(Tonon)
    Ich glaube nicht, daß es sich um ein allgemeines Desinteresse an Rossi handelt, sondern um das Desinteresse dieses bauftragten Büros.
    Dieser Rohbau war doch wirklich einen Steilvorlage.
    Ich habe übrigens nochmal in meinem Rossi nachgeschaut, der Entwurf war ursprünglich garnicht bunt und schreiend(darf ich leider nicht scannen)
    Mich erinnert er jetzt fatal an Versuche Anfang der 90er Jahre Platten über turmartige Ecksitutionen aufzumotzen.
    Im übrigen würde ich am liebsten den ganzen Prenzlauer Berg grau oder weiss streichen, aber Farbe wem Farbe gebührt.

  • Äähm ich habe gerade Schwierigkeiten, Dir zu folgen, sorry. Ich dachte, etwaiges mangelndes Interesse als Grund für die Überarbeitung sei Deine Vermutung?


    Der Rohbau war sicher eine "Steilvorlage", keine Frage. Als Pragmatiker mutmaße ich aber, dass neben den Urheberrechtsfragen vor allem die geringe Vereinbarkeit mit dem geänderten Nutzungskonzept, die gegenüber den Neunzigern deutlich veränderte Marktsituation und die Reduzierung der Bewirtschaftungskosten zu den primären Ursachen der Überarbeitung gehören. Wäre ja auch nicht das erste, in den Boomjahren großspurig angekündigte, Berliner Projekt, das dann viele Jahre später als reiner Zweckbau das Licht der Welt erblickt. Warten wir ab, was uns die ORCO noch am Leipziger Platz bescheren wird (in erster Instanz auch mal Standort für einen schillernden Rossi-Entwurf gewesen)


    Ich besitze leider nur Material, bei dem die Dokumentation mit der Papageienversion beginnt. Und da Rossi ja schon zuvor wegen dieser Pracht hierzulande populär wurde, hätte ich stark vermutet, einen dezenteren Entwurf hätte es von ihm hierfür nie gegeben. War das tatsächlich ein regulärer Beitrag, z. B. innerhalb eines mehrstufigen Wettbewerbes (was mich für Berlin nicht wundern würde, die Masche ist ja hier sehr gängig, einen bestimmten Namen UND einen bestimmten Entwurf haben zu wollen, siehe Fosters Reichstag oder Johnsons Bürokübel am Checkpoint Charlie - könnte man sogar die Herrn Chipperfield und Pei einrechnen, wenn man unbedingt will). Schade, dass das "Dürfen" dem Zeigen entgegensteht (falls sich Deine Skrupel nur auf die Forenregeln beziehen: gegen das Scannen, woanders hochladen und anschließende Verlinken mit der Originalseite des Hosters hat hier m. E. niemand etwas einzuwenden; damit wäre der Forenbetreiber wohl rechtlich gesehen aus der Nummer raus). Ich wäre jedenfalls sehr neugierig auf diese frühe Version!


    Die Verbindung der Platten über Eckbauten halte ich grundsätzlich für keine schlechte Idee. Schließlich war die offene Zeilenstruktur auch weniger der CvA oder sonstigen Ideologien, als vielmehr z. B. den Kranbahnen, der effektiven Anlage der Montage-Taktstraßen oder dem Auskommen mit möglichst wenigen Typenelementen geschuldet. Dass einige dieser neuen Verbindungsglieder den dekorativen Leithammel abgaben, wird wohl dem Zeitgeist zuzuschreiben gewesen sein. Hier: "Postmoderne für Arme", ausgeheckt von der Hauswartstochter (die im Kunst-LK 'ne Eins oder Zwei gehabt haben soll!). Allerdings ist die Gegend um die Landsberger Allee, Ecke Storkower Straße von diesen Verschönerungskuren noch einigermaßen verschont geblieben. Die dort vor allem anzutreffenden P2 und QP lieferten schließlich dank ihrer Keramikverblendungen eine bedingt verwertbare Vorlage, was man etwa von den Kies-Dekoren, wie sie z. B. später in Hellersdorf gängig waren, nicht behaupten kann, weshalb dieser Stadtteil auch den Kitsch-Rekord innehält. "Rossi's Magic Cube" hätte hier viel besser hingepasst - meinetwegen im Tausch gegen die "Helle Mitte" ;). In Adlershof steht z. B. ein Hotel (ehem. Stasi-Gästehaus) mit strenger Lochfassade, das malerisch durch ein knallrot abgesetztes "Dach" samt Fledermausgauben und durch (nachts beleuchtete!) Pyramidenzipfel aus LKW-Planen an den Ecken heute wohl in der Fernwirkung eine bourgeoise Burg imitieren soll (welche Ironie der Geschichte!). Wieviel Luft ist da noch bis zu Rossis "Landsberger Arkaden"?


    Ich weiß nicht, wie ernstgemeint Deine Ambitionen bezgl. des Umfärbens des Prenzlauer Bergs sind. Ich schlage Dir aber schon mal vor, statt des weiß-grauen Anstriches Ganzkörperkondome aus Sandstein zu beantragen - machten auch eher einfarbig. Aber vor allem brächte diese Forderung viel mehr Stimmen für das notwendige Volksbegehren ein! :lach:

  • Wenn ich mir die vergangenen Entwürfe so anschaue: Hier scheint (ausnahmsweise mal) das beste entstanden zu sein! Gefällt mir wirklich gut!

  • Der turm wirkt recht hoch auf den Bildern, auf den Entwürfen kam er mir nicht so hoch vor. Sieht aber gut aus und gibt der Ecke mit dem gegenüberliegendem Haus fast ein Torcharakter. Mal sehen, wenn es fertig ist.

  • Wird ja viel diskutiert über Rossi. Am Ende hat das System versagt, Rossi ist tot, Der Unternehmer Pleite und aus der Asche entstand ein neues Gebäude.


    Wer die Hütte mal von innen sehen will kann sich ja melden.