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Alt 23.10.08, 22:25   #1
lguenth1
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Stadt der Moderne - Stadt im Umbruch

Zuerst möchte ich dem Forum und seinen Nutzern ein Kompliment aussprechen: Es ist gelungen, die derzeitigen Umbrüche in Leipzig hier lebendig werden zu lassen. Wenn man bei der Welt liest, daß Leipzig seit der Wende 40.000 Einwohner vom Stadtrand ins Zentrum gelockt hat, dann muß das zur hier gezeigten Vielfalt von anspruchsvollen Sanierungen führen. Und auch wenn wir alle wissen, wie weit der Weg noch ist, wie schwierig die wirtschaftliche Lage bleibt, so muß es doch derzeit eine Freude sein, Bürger Leipzigs zu sein.
Ich selbst sehe das aus der Perspektive eines Bewohners einer der vielen wunderschönen, aber nach der Wende darniederliegenden Kleinstädte im Herzen des Sachsendreieckes, der mehr oder weniger Beziehungen in alle drei Oberzentren hat. Weit mehr als Leipzig ist für mich jedoch Chemnitz zweite Heimat. Diese ewig zu kurz gekommene Stadt soll deshalb in diesem Thema etwas näher beleuchtet werden.
Das heutige Chemnitz hat seine Rolle vor allem in der Gründerzeit gefunden, als mit der einsetzenden industriellen Revolution sein lärmendes Herz aus Fabriken, Schloten und Maschinen zu schlagen begann. Chemnitz wurde zum sächsischen Manchester, zum Ruß-Chemnitz. Innerhalb von nur 30 Jahren verdreifachte sich die Einwohnerzahl auf 300.000 Personen. Dies ging einher mit einer völligen Überformung mit Gründerzeitbauten. Historische Bauten sind hingegen absolute Mangelware.
Seit den zwanziger Jahren hat die Stadt jedoch eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen müssen. Schon durch die Weltwirtschaftskrise getroffen, haben die angloamerikanischen Bombenangriffe mit dem Höhepunkt am 5. März 1945 der Stadt fast den Rest gegeben. Sage und schreibe 95 % der Innenstadt wurden zerstört. Der Wiederaufbau der neuen sozialistischen Musterstadt, die seit 1953 den Namen von Karl Marx trug, geschah unter völliger Mißachtung des historischen Stadtgrundrisses. Den Planungen der SED-Bonzen verdanken wir heute die Verbauung der innenstadtnahen Bereiche mit Wohnblocks in Großplattenbauweise. Und während die Gründerzeitviertel mehr und mehr verfielen, begann 1974 der Bau des riesigen Plattenbauviertels namens "Fritz-Heckert-Gebiet". Dieses saugte bis zu 90.000 Chemnitzer auf.
Mit der Wende setzte erneut eine dramatische Entwicklung ein. 20 Prozent der Einwohner verließen die Stadt, deren bauliche Hülle für 400.000 Einwohner konzipiert war, aber nur noch 250.000 beherbergt. Bis heute haben die Stadtoberen kein schlüssiges Konzept gefunden, wie sie auf diese Entwicklung reagieren sollen. Vor allem die stadteigene GGG setzte und setzt vor allem auf die Sanierung ihrer riesigen Plattenbaubestände, während denkmalgeschützte Gründerzeitbauten nahezu wahllos aus Häuserzeilen herausgerissen werden. Das Ergebnis ist beiderseitig verheerend: Die Gründerzeitviertel sind bis auf die leuchtende Ausnahme Kaßberg noch immer verfallen und perforiert, trotzdem ist der Bevölkerungsschwund in den Plattenbaugebieten unaufhaltsam.

Den Chemnitzer jedoch scheint all das nur wenig zu interessieren. Deshalb befürchte ich auch, dass dieses Thema bald wieder im Nirvana verschwindet. Ich kann mich jedenfalls aus Baden-Württemberg nicht wirklich darum kümmern.

Jetzt zu den heute gemachten Impressionen aus Chemnitz. Ihr könnt meinen Weg gerne bei Google Earth mitverfolgen. Hauptsächlich war ich auf dem Sonnenberg, einem übel beleumundeten Gründerzeitviertel, und in der Innenstadt unterwegs. Beginnen wir in der Reinhardtstraße. Hier will die GGG kurz vor knapp schnell noch die Häuser Reinhardtstraße 18 und 20 und Palmstraße 21 wegreißen:

Reinhardtstraße (die Sanierungswürdigkeit steht bei einem Blick ins Innere außer Frage)






Palmstraße 21


Solcherlei Abrisse bieten fantastische Einblicke ins Stadtgebiet und werten auch die umliegenden Gebäude auf. Vor allem der Abriß von Eckgebäuden ist empfehlenswert.







In der Sebastian-Bach-Straße waren vor Jahren schon große Sanierungspläne in der Zeitung. Wer kennt solche Ankündigungen nicht. Das ist daraus geworden:


Doch auch auf dem Sonnenberg gibt es Lichtblicke – folgende Sanierungen sind allesamt von der Firma Wahl + Partner in Angriff genommen worden. Die scheint für meinen externen Blick die Chemnitzer Entsprechung zur Leipziger Stadtbau AG zu sein. Auf allen Baustellen wurde tatsächlich gewerkelt.

Sebastian-Bach-Straße 20


Würzburger Straße 43




Markustraße


In den Kasernen auf der Heinrich-Schütz-Straße sollen demnächst mehrere Schulen untergebracht werden. Mal schauen...






Vielleicht wird das Ergebnis ähnlich sehenswert wie die Humboldtschule:


Ein Beispiel für sehenswerte Industriearchitektur (Hofer Straße)


Der Hort des Bösen (GGG in der Clausstraße, bezeichnendes Foto):


Auch das Gebäude Humboldtstraße 50 wird fallen – trotz der ruhigen Wohnlage und des guten Zustandes. Hier habe ich aber auch eine Unterhaltung von zwei Rentnern aufgeschnappt, die sich über 10 Chaoten und ihre laute Musik ereiferten. Man darf nicht vergessen, dass 30% der Sonnenberg-Bewohner Hartz-4 beziehen. Nur wenige schwarze Schafe darunter reichen aus, um allen umliegenden Häusern das Leben zur Hölle zur machen.


Abschließend noch ein paar Eindrücke der Innenstadt, die seit einigen Jahren wieder aufgebaut wird. Man darf nicht vergessen, dass hier vorher wirklich eine große Leere war. Es gab schlicht und ergreifend kein urbanes Zentrum, die Kaufkraft war komplett in die neuen Einkaufscenter auf der grünen Wiese abgewandert – eine politische Entscheidung der Nachwendezeit, unter der die Stadt bis heute bitterböse zu leiden hat.

Der zentrumsnahe Volksfestplatz. Dieser ist gerade erst für eine Million Euro hergerichtet worden und wird jetzt wohl wieder für den Neubau eines Porta-Möbelhauses geopfert. Porta sucht seit sage und schreibe neun Jahren einen Standort – damit ist alles zu den stadtplanerischen Leistungen der Stadtspitze gesagt.


Vermutlich wird auch die Hartmannfabrik weichen müssen, das Herz der Chemnitzer Industriegeschichte. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Ruine, für die ich keine sinnvolle Nutzung sehe. Schwierige Entscheidung...


Der vorletzte Neubau der Innenstadt ist dieses abscheuliche Parkhaus. Aber wer mit dem Chemnitz-Center konkurrieren will, muß für günstige Parkmöglichkeiten sorgen.


Die eigentliche Innenstadt mit Galerie Roter Turm und Markt:


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Alt 23.10.08, 23:25   #2
ForzaLE
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Erstmal willkommen im Forum lguenth1.
Ich finde Chemnitz ein spannendes Thema und hab deinen Beitrag interessiert gelesen. Für meine Wahrnehmung hat diese Stadt zwei extreme Seiten. Auf der einen Seite ist dort die verhältnismäßig gute wirtschaftliche Entwicklung vor allem im Maschinenbau und dem damit verbundenen Abbau von Arbeitslosigkeit (vor allem im Vergleich zu Leipzig) als auch die Gunzenhauser Sammlung, die viele Kunstfreunde nach Chemnitz zieht. Die andere Seite sieht man halt wenn man dort ist. Ich muss ehrlich sagen mein vorherrschendes Gefühl als ich letztes Jahr mal da war, war "So schnell wie möglich wieder weg hier!". Vielleicht lag es auch an meiner weiblichen Begleitung aber Spaß beiseite, vor allem das Chemnitzer Zentrum ist eine echte städtebauliche Katastrophe. Die Galerie Roter Turm mag Kolhoff(?) ja ganz gut geglückt sein aber im Prinzip ist es auch nur ein ganz schnödes EKZ mit den üblichen Filialisten. Die Innenstadt hat - mal abgesehen für Freunde der DDR Moderne - null Aufenthaltsqualität. Gerade für jemanden aus einer Stadt wie Leipzig ist der Eindruck des Chemnitzer Zentrums in jeder Hinsicht echt bedrückend.
Ich schreib das wirklich nur als persönlichen Eindruck, wohl wissend das man von einer Stadt schnell den falschen Eindruck bekommen kann, wenn man sich nur lange genug in der falschen Ecke aufhält.
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Alt 24.10.08, 00:32   #3
lguenth1
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Ich denke, Dein Eindruck ist soweit korrekt. Die wirtschaftliche Entwicklung ist dabei wirklich der Pluspunkt - ohne daß dies außerhalb der Stadt wirklich wahrgenommen würde, weil einfach die für die überregionalen Medien interessanten Leuchttürme fehlen. Auch die umliegenden Orte tragen wesentlich dazu bei (z.B. Komsa in Hartmannsdorf, Roth und Rau in Hohenstein-Ernstthal, Freiberg als Vorzeigestadt im Osten etc.) Diese Kleinteiligkeit macht aber auch resistenter gegen Krisen wie jetzt in Dresden, wo in der Chipindustrie und bei KBA in Radebeul auf einen Schlag tausende Arbeitsplätze verlorengehen.
Die Innenstadt ist vor allem als Zweckbau im Kampf gegen die vorherrschenden Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu sehen. Sie reiht sich in in den deutschlandweiten Trend zu Shopping-Malls in Innenstadtbereichen ein (siehe Höfe am Brühl in Leipzig). Städte wie Leipzig hatten eben ganz andere Startbedingungen, weil dort Krieg und "Wiederaufbau" eben halbwegs intakte urbane Zentren übriggelassen haben. Man kann gerne über die Aufenthaltsqualität der Chemnitzer Innenstadt nachdenken, wenn man sich statt der Neubauten dort die vorherige riesige Brachfläche vorstellt...
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Alt 12.09.18, 10:00   #4
Wittappona
 
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Zitat:
Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
Ich denke, Dein Eindruck ist soweit korrekt. Die wirtschaftliche Entwicklung ist dabei wirklich der Pluspunkt - ohne daß dies außerhalb der Stadt wirklich wahrgenommen würde, weil einfach die für die überregionalen Medien interessanten Leuchttürme fehlen. Auch die umliegenden Orte tragen wesentlich dazu bei (z.B. Komsa in Hartmannsdorf, Roth und Rau in Hohenstein-Ernstthal, Freiberg als Vorzeigestadt im Osten etc.) Diese Kleinteiligkeit macht aber auch resistenter gegen Krisen wie jetzt in Dresden, wo in der Chipindustrie und bei KBA in Radebeul auf einen Schlag tausende Arbeitsplätze verlorengehen.
Die Innenstadt ist vor allem als Zweckbau im Kampf gegen die vorherrschenden Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu sehen. Sie reiht sich in in den deutschlandweiten Trend zu Shopping-Malls in Innenstadtbereichen ein (siehe Höfe am Brühl in Leipzig). Städte wie Leipzig hatten eben ganz andere Startbedingungen, weil dort Krieg und "Wiederaufbau" eben halbwegs intakte urbane Zentren übriggelassen haben. Man kann gerne über die Aufenthaltsqualität der Chemnitzer Innenstadt nachdenken, wenn man sich statt der Neubauten dort die vorherige riesige Brachfläche vorstellt...
Das ist, was ich auch denke.
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Alt 12.09.18, 10:34   #5
arnold
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arnold ist im DAF berühmtarnold ist im DAF berühmt
Ich halte den Wiederaufbau der Chemnitzer Innenstadt - gemessen an dem, was 1990 dort noch vorhanden war und aus welcher schlechten Position heraus sich Chemnitz entwickeln musste für sehr gelungen und facettenreich. Vollkommene Zerstörung und DDR-"Wiederaufbau" lassen sich nun nicht in wenigen Jahren Stadtreparatur ungesehenen machen. Fehlende Leuchttürme hin oder her - Chemnitz hat einfach überhaupt kein Image, mit dem es Werben und sich auch international präsentieren könnte. Ich hoffe hier wirklich auf die Kulturhauptstadt-Bewerbung und die positiven Image-Effekte daraus. Vorausgesetzt es wiederholen sich nicht wieder die Bilder von Hitlergrüßen vor dem Karl-Marx-Kopf.

Anmerkung: Jetzt sehe ich erst, dass der Post von dir Lguenth auf den Wittappona geantwortet hat, ja schon Ewigkeiten zurückliegt... Meinen Senf lass ich trotzdem mal stehen.

Dazu noch eine Frage an den Admin: Könnte man einen eigenen Strang öffnen, in dem es vornehmlich über Image und Öffentlichkeitsarbeit geht? Gehört schließlich auch zur Stadtentwicklung.
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Alt 12.09.18, 11:03   #6
Cowboy
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Cowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes AnsehenCowboy genießt höchstes Ansehen
^^ Dafür gibt es doch schon den Strang "Chemnitzer Stadtgespräch" und diesen hier. Außerdem halte ich es jetzt für keinen guten Zeitpunkt, einen Image-Thread über Chemnitz zu eröffnen.
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Alt 24.10.08, 00:57   #7
dj tinitus
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hallo lguenth1 und danke für die zum teil beklemmenden bilder.
im grunde hast du die ursachen (industriestadt, kriegszerstörung, ddr-misswirtschaft, abwanderung, konkurrenz durch plattenbauten und eigenheime) für diese misere ganz richtig benannt. ähnliches trifft man ja überall im osten an, entsprechend sieht es auch aus. in chemnitz nur etwas krasser, weil auch die geschichte etwas krasser verlief. vor diesem hintergrund würde ich die stadtentwicklung nicht ganz so pessimistisch beurteilen.
bis zur wende war die innenstadt eine wiese, jetzt beginnt sich wenigstens wieder so etwas wie eine city zu entwickeln. manche der neubauten (galerie roter turm, kaufhof) sind sogar recht gelungen. die sanierung des jugendstilviertels kassberg hast du ja schon erwähnt. und den plattenbauvierteln muss man nun mal zugestehen, dass sie (bedingt durch hanglagen und hohen grünanteil) durchaus attraktive wohngegenden sind. da ist es um so schwerer, quartiere wie sonnenberg zu revitalisieren. und wenn da kaum jemand wohnen will, wird dort halt auch kaum saniert.
nichts desto trotz kann man hoffen und erwarten, dass mit den neuen förderrichtlinien auch dort die investitionsbereitschaft steigen wird. das wird sicher nicht jedes haus retten, aber gerade der umbau ehemaliger fabriken in lofts ist ein trend, von der chemnitz mit seiner reichen industrie(architektur)geschichte noch stark profitieren könnte.
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Alt 24.10.08, 09:03   #8
Schnack
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Schnack sitzt schon auf dem ersten Ast
Tut mir leid, dass ich hier so widersprechen muss, aber an der reinen Entwicklung der Stadt kann ich nur sehr wenig positives finden. Dabei meine ich garnicht mal das Zentrum, was so schlecht nicht ist und auch die stark mittelständisch geprägte Wirtschaft ist ein absolutes Plus für Chemnitz, aber hier wurde (wird?) vollkommen sinnlos mal hier und da was weggerrissen. Dabei hätte man doch garnicht das Problem erstmal viel mehr periphere Plattenbauten wegzureißen, weil ja dort zum Teil über die Hälfte der Leute weggezogen ist. Da darf man einfach nicht in einer schon vom Krieg und DDR Misswirtschaft so ausgehöhlten Stadt auch noch intakte Quartiere zerstückeln. Das absurde an der ganzen Sache ist doch, dass erst letztens hier bei uns in der Freien Presse stand, dass man in Chemnitz nun wieder die Wohnbebauung im inneren fördern will und anspruchsvolle Architektur möchte. Aber wieso reißt man das erst zusätzliche Löcher, die dann wieder bebaut werden müssen ? Vielleicht wird das für mich als Außenstehenden auch alles nur zu negativ dargestellt in den Medien, aber deine Bilder bestätigen das ja. Meine Hoffnung leigt darin, dass der guten wirtschaftlichen nun auch bald die gute städtebauliche Entwicklung folgen wird.
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Alt 24.10.08, 09:21   #9
Alextine
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Also...

... diese Bilder sind wahrlich nicht die schönen Ecken von Chemnitz und vermitteln deshalb auch ein schlechtes Bild!

Auch der Sonnenberg hat schöne Straßenzüge und nicht nur solche Ecken wie sie hier gezeigt werden! Außerdem kann ich nur immer wieder darauf hinweisen sich den Kassberg anzuschauen oder die beschaulichen Stadtteile Rabenstein und Reichenbrand!

Tja, und wer hier aus Leipzig über unsere Innenstadt meckert der sollte auch daran denken das bei uns erst ca 1999 mit dem Ausbau begonnen wurde. Somit haben die Städte DD und L einfach auch 9 Jahre Vorsprung! Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los das man nach der Wende die Stadt Chemnitz von Bund- und Länderseite her am liebsten totgeschwiegen hätte! Wurde in anderen Städten schon viel Geld in die Restaurierung (zB. L-HBF) gepummt, passierte in Chemnitz rein gar nichts! Es schien kein Interesse an unserer Stadt zu geben!

Das von euch gelobte Wirtschaftswachstum ist genau das auf was wir Chemnitzer stolz sein sollten. Im Gegensatz zu DD und L wurden hier nicht Mrd.-Beträge vom Bund investiert um große Unternehmen ala´BMW,DHL, AMD und so weiter in die Städte zu locken! Bei uns sind es die kleinen und mittelständigen Unternehmen (natürlich mit Hilfe von VW) die Chemnitz überhaupt am leben gehalten haben!
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Alt 24.10.08, 10:27   #10
DrZott
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@ lguenth1: herzlichen Dank für die Information!
Chemnitz ist aus Leipziger Sicht in der Tat sui generis und auch ich hatte meine negativen Aha-Erlebnisse.
Gibt es denn Zahlen, wie viele Gründerzeitbauten (Wonhäuser, Industriearchitektur etc.) und Jugendstil-Gebäude noch existieren? Vor allem: wie viel davon ist saniert / unsaniert?? Stehen diese Häuser verteilt oder gibt es noch kompakte Viertel? Und vor allem: haben Sie noch ein paar Infos zu dieser "GGG"? Klingt nach der LWB aus dem Jahr 2000.
Die Hoffnung für die Chemnitzer Altbauten liegt wie in Leipzig darin, daß die Plattenbaugebiete trotz aller Gegenmaßnahmen massiv Einwohner verlieren. Entscheidend ist dann, wohin diese Leute ziehen.
Zu den Arbeitsplätzen: Chemnitz hat da in der Tat die beste Struktur, vor allem mit dem Maschinenbau eine hochinnovative Branche. Auch hier ist jedoch die Frage: wie viele Arbeitsplätze gab's in dem Bereich vor 1990, in wie viele sind es jetzt?
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Alt 26.11.08, 20:20   #11
stinoknot
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Der bevölkerungsrückgang ist ein nicht zu stoppenden Entwicklung. Natürlich tut es unglaublich weh wenn Gründerzeitler abgerissen werden. Man muss sich schon realisieren wie die leute heutzutage wohnen wollen. Die so dichte Stadtstruktur wie die wärend der Gründerzeit üblig war, lässt zu wenig raum für grün. Eine kleine auflockerung der bebauung liegt dann auf der hand. natürlich solte man damit äusserst behutsam mit umgehen, und erst die nachkriegsbauten abreissen, aber die perforierung die es hinterlässt, muss nicht unbedingt was schlimmes sein.

Folgendes Bild finde ich ein gutes beispiel wie manche teilen von Chemnitz aussehen könnten. Mann bekommt dan eine Villenartige Struktur a la Dresden Blasewitz

http://maps.live.com/default.aspx?v=...cl=1&encType=1
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Alt 26.11.08, 20:32   #12
LEgende
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@stinioknot:

In einer Stadt wie Chemnitz von Auflockerung zu sprechen ist schon mehr als zynisch!
Ich vermute mal, du wohnst in einem Plattenbau oder einem EFH auf dem Lande?
Wenn du hier ein wenig mitgelesen hättest, müsstest du mitbekommen haben, dass gerade die Nachfrage nach schön und ordentlich sanierten Gründerzeithäuser in den letzten Jahren stark gestiegen ist.
Die jungen Leute von heute wollen genau SO wohnen! In geschlossenen Gründerzeitgebieten, wo aufgrund der Geschlossenheit der Wohnbebauung auch eine Vielzahl an Leuten wohnen, und somit auch auf den Straßen etwas los ist. Natürlich möchte man auch Grünflächen haben, und die gibt es ja auch: Dank Kriegslücken und früher großzügig angelegten Parks. Im übrigen reden wir hier von einer STADT, und keinem Dorf! Städte haben es an sich, dass sie dicht bebaut und bewohnt sind. Wem das nicht gefällt, der kann ja aufs Land ziehen. Aber scheinbar sehnen sich die Leute wieder in die geselligen Städte.
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Geändert von LEgende (26.11.08 um 21:27 Uhr)
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Alt 02.12.08, 20:20   #13
lguenth1
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Auch heute illustrieren wieder Zeitungsmeldungen den Abwärtstrend des Heckert-Gebietes. Die Freie Presse berichtet, daß der Kinobetreiber Cine-Star seinen Mietvertrag im Vita-Center nicht verlängert. Begründet wird der Rückzug mit den seit Jahren sinkenden Besucherzahlen. Der attraktivere Innenstadt-Standort kannibalisiere das Lichtspielhaus im Plattenbaugebiet (4 Säle).
Die Stadtverwaltung plant zudem, zwei der Jugendklubs im Heckert zu schließen und so auf die demographische Entwicklung und die sinkende Zahl der Jugendlichen zu reagieren.
Wenn man all dies liest, noch dazu die aufgewärmten Meldungen von der zweiten Leerstandswelle bedenkt (http://www.sz-online.de/nachrichten/...asp?id=2011461), dann sollte man schnellstens Konsequenzen für die Stadtplanung ziehen und den Menschen offensiv vermitteln, welche Stadtteile eine Zukunft haben - und welche nicht...
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Alt 02.12.08, 20:25   #14
Klaus1971
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Hm...Chemnitz. Jaaa...nachdem ich da viele Male, zuletzt am vorigen Wochenende, gewesen bin und jedes Mal einfach nur tief frustriert diese Gesteinswüste wieder verlassen habe, stelle ich mir die Frage, wo da überhaupt noch etwas zu finden ist, was die Bezeichnung "Stadt" rechtfertigt... ohne das irgendwie böse zu meinen, aber was man da beim durchqueren der "Innenstadt" zu sehen bekommt, macht alles andere als den Eindruck einer Stadt von 300000 Einwohnern.
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Alt 02.12.08, 21:38   #15
LEgende
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Die Jugend wird so oder so mit den Füßen abstimmen. In Plattenbauten will in der Zukunft keiner mehr wohnen, da braucht man kein großer Hellseher sein. Viel Spaß in Chemnitz, willkommen in Leipzig!
Anders lernt es die Politik nicht. Traurig nur, dass dann wieder Leute den Kopf für etwas hinhalten müssen, obwohl deren Vorgänger dran Schuld sind. Es trifft immer die Falschen.
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