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Alt 22.03.10, 00:53   #1
Cowboy
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Maputo, Pemba / Mosambik

Nordöstlich von Südafrika grenzt die Republik Mosambik, wo ich im Januar und Februar 4 Wochen weilte und deren Hauptstadt ich euch gern vorstellen möchte. Später kommen noch ein paar Bilder aus dem tropischen Pemba, das ca. 2400km nördlich der Hauptstadt, unweit der Grenze zu Tansania, gelegen ist.

Da ich davon ausgehe, dass die wenigsten von euch Mosambik kennen, soll diese Galerie mehr die Lebensart rüberbringen. Ich hoffe, dass mir das einigermaßen gelingt. Die Qualität der Bilder bitte ich zu entschuldigen. Zwischenzeitlich war die Linse stark verschmutzt gewesen, was ich erst später bemerkte.

Los geht's:


Das Zentrum von Mosambik besteht hauptsächlich aus Wohnhochhäusern, die in der letzten Dekade der portugiesischen Kolonialherrschaft errichtet wurden, also noch vor 1975. Heute sind sie, wie so vieles in Mosambik, hoffnungslos abgewirtschaftet.












Tudo bom. Mosambik wird mit zwei Handynetzen abgedeckt, und das erstaunlich gut: Die zwei Anbieter, mcel und das südafrikanische Vodacom, übertrumpfen sich gegenseitig mit auffallender Werbung.



Gleich dahinter, schon ein wenig außerhalb von Maputo gelegen, der Busbahnhof für Fernbusse. Ein Erlebnis.








Nicht minder erlebnisreich der Hühnermarkt. Deutsche Tierschützer würden wahrscheinlich ob der Käfighaltung durchdrehen. In Mosambik sieht man's locker.



Huhn gleich tot. Hat man sein gewünschtes Huhn gekauft, wird es von den Marktfrauen sofort geköpft und gerupft.



Maputo wie es außerhalb des Zentrums zu 95 Prozent anmutet.




Einige Straßennamen verraten noch, woher einst der Wind wehte.





Maputo-Zentrum. Es ist heute kaum noch vorstellbar, dass das Zentrum in Zeiten portugiesischer Kolonialherrschaft, als die Stadt noch Lourenço Marques hieß, zu 95 Prozent von Weißen bewohnt wurde. Heute beträgt deren Anteil in der gesamten Stadt weniger als 2 Prozent.



Hauptbahnhof, 1892 von Gustave Eiffel entworfen und gebaut.



Weitere Bauten aus portugiesischer Kolonialzeit, die inzwischen nach und nach saniert werden.













Unweit der Altstadt erstreckt sich das Geschäftsviertel.





Basar



HIV stellt wie im gesamten südlichen Afrika eines der größten Probleme dar. Die offizielle HIV-Rate in Mosambik liegt bei 14 Prozent (in den Nachbarländern Zimbabwe 24 Prozent, Südafrika 21 Prozent, Swasiland 39 Prozent). In der ganzen Stadt hängen zahlreiche Plakate, die auf das Problem aufmerksam machen.



Sinn für Humor hat man trotzdem. Vinganca do Hitler. Auf Deutsch: Hitlers Rache.



Etwas außerhalb der Stadt entsteht das neue Volksstadion, das von Chinesen gebaut wird.



Wenn's in Maputo mal regnet, stehen gleich sämtliche Straßen unter Wasser.



Es gibt keine offiziellen Zahlen über Straßenkinder, aber man spekuliert, dass es rund Zehntausend sind. Meist sind sie gut organisiert, haben jeweils ihre eigenen Reviere, deren Grenzen man achten sollte, und halten sich mit Betteln und Diebstählen über Wasser.



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Alt 22.03.10, 00:54   #2
Cowboy
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Das Leben allgemein spielt sich meist auf der Straße ab. In jeder Straße werden Waren feil geboten, der Schwarzmarkt blüht ebenso an jeder Ecke.





So kriegen die Männer den Tag rum.



Und die Kinder spielen leidenschaftlich Fußball.





Oder kümmern sich rührend um ihre jüngeren Geschwister.



In einem der vielen Slums vor den Toren der Stadt. An dieser Stelle mal der Hinweis, dass die Kriminalität längst nicht so hoch ist, wie vielleicht erwartet. Man sagt, dass die Kriminalität drüben in Südafrika, allen voran in Johannesburg, deutlich höher sei. Sogar das Auswärtige Amt warnt mehr vor Reisen nach Südafrika, immerhin beliebtes Touristenland, als vor Mosambik. In Armenvierteln wie auf folgenden Bildern zu sehen, kann man sich, zumindest tagsüber, uneingeschränkt bewegen. Natürlich sollte man gesunden Menschenverstand walten lassen und sein Glück nicht herausfordern. Mosambikaner sind zudem, das muss auch gesagt werden, ausgesprochen freundliche Menschen.










Am Ufer der Delagoa-Bucht erstreckt sich das Regierungsviertel.




Abschließend noch zwei Ansichten von Maputo vom Wasser aus gesehen.




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Alt 23.03.10, 23:57   #3
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Hochinteressante Bilder, und danke auch für den Hintergrundbericht. Die dortige Stimmung lässt sich gut erahnen.

Mir war vollkommen unbekannt, dass in Mosambik Portugiesisch gesprochen wird.
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一犬影に吠ゆれば百犬声に吠ゆ。 (Ikken kage ni hoyureba hyakken koe ni hoyu)
Bellt der Hund einen Schatten an, bellen hundert Hunde mit.
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Alt 24.03.10, 21:26   #4
porteño
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Vielen Dank für die Fotoserie, das nenne ich mal ein ausgefallenes Reiseziel.

Einige Sachen erinnern mich stark an Bolivien (Chaos auf den Straßen, Müll, Häuser) aber bei anderen Bildern muss dir ein kleiner Fehler unterlaufen sein... ich könnte schwören, dass das erste und das fünfte Bild OFFENBACH zeigen!
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Alt 25.03.10, 07:56   #5
Schmittchen
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Auch ich möchte diese Fotoserie in den höchsten Tönen loben. Wäre schön, wenn sie noch fortgesetzt würde, wobei Bilder des Alltagslebens besonders interessieren. Man hat ja doch nur sehr wenig Vorstellung davon, wie dieses in Mosambik so aussieht.

In Offenbach sind die Satellitenschüsseln anders ausgerichtet. Sonst ist freilich alles gleich.
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Alt 25.03.10, 11:33   #6
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Soweit ich weiß, war die DDR ja massiv in Mosambik engagiert. Beide Länder waren halt früher kommunistisch. Die DDR hat dort auch einen bedeutenden Anteil zur Industrialiserung des Landes beigetragen (der mit dem Abzug der DDR-Einheiten wieder verfallen ist). Inwieweit ist dieser Einfluss in der Stadt noch sichtbar?

Buchtipp:
Matthias Voß - Wir haben Spuren hinterlassen, Die DDR in Mosambik
Amazon

Für einen kurzen Überblick:
http://de.wikipedia.org/wiki/Moatize


Ich glaube in diesem Reggae-Lied von Udo Jürgens wurde Mosambik als Urlaubsziel erwähnt
Udo Jürgens - Die Sonne und du
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Der Schrei nach dem Turmhaus
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Alt 25.03.10, 11:42   #7
Kent
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Frage: Hat die DDR auch irgendwelche bedeutenden Bauwerke dort hinterlassen. Ich weiß, dass Hermann Henselmann wohl in Vietnam für Ho Chi Min einen Palast gebaut hat (Kulturzentrum Hanoi). Auch für Tunis sollte ein Bau entstehen DDR- Entwurf für Tunis.
Auch Österreich soll ja damals für den Diktator Idi Amin fast die gesamte Hauptstadt gebaut haben. Hast du evtl. ein paar Infos?
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Der Schrei nach dem Turmhaus
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Alt 25.03.10, 14:18   #8
Cowboy
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^ Bauwerke aus der Hinterlassenschaft der DDR gibt es in Maputo wohl nicht, erst recht keine bedeudenten. Jedoch stimmt es, dass die DDR, und viel mehr noch der große Bruder von ihr, ideologisch und wirtschaftlich stark in Mosambik involvierte. Das führte dann schnell zum Bürgerkrieg, der von den damaligen Großmächten mit finanziert wurde. Heute erinnen noch ein paar Straßennamen (siehe Fotos) und ein paar ausrangierte W50 am Straßenrand an diese Zeit. Und die Jugend fährt, wie bei uns, gern Schwalbe, mitunter sieht man auch die eine oder andere MZ knattern. In der DDR gab es zudem eine beachtliche Zahl mosambikanischer Gastarbeiter und Studenten.

Wagahai, Portugiesisch ist die einzige Amtssprache in Mosambik (drüben in Südafrika gibt es mehrere, ich glaube 4). Daneben existieren noch mindestens 12 Stammessprachen. Auf Wikipedia ist zu lesen, dass nur etwas mehr als 20 Prozent der Bevölkerung Portugiesisch spricht. Mit Verlaub, aber diese Zahl ist stark untertrieben. Nach meiner Beobachtung sprechen nahezu 100 Prozent Portugiesisch, selbst auf dem Land. Die meisten der jungen Erwachsenen können zudem kaum noch ihre Stammessprache sprechen, weshalb nur Portugiesisch in Frage kommt. Allerdings spricht man in Mosambik ein sehr einfaches Portugiesisch, was mir wiederum sehr gelegen kam. Der Wortschatz dort ist nicht annähernd mit dem unsrigen zu vergleichen.

Sonst sind die Lebensverhältnisse in Mosambik bemerkenswert bescheiden. Es ist sicher für jedes Land erstrebenswert, unabhängig zu sein. Wirtschaftlich gesehen hat Mosambik seit dem Weggang der Portugiesen (man spricht von über 80 Prozent, die 1975 das Weite gesucht haben), der kurzen sozialistischen Ära und vor allem durch einen 16 Jahre andauernden sowie sehr blutigen Bürgerkrieg nur verloren. Dass das Land seit 10 Jahren nicht mehr zu den fünf ärmsten Ländern der Welt zählt, ist nicht dem Umstand zu verdanken, dass es dort besser geworden ist, sondern dass andere Länder noch weiter zurückgefallen sind (z.B. Bangladesh und wahrscheinlich auch Haiti). Das Land ist so fruchtbar, aber man baut nichts an, sondern bezieht seine Lebensmittel aus Südafrika. Früher bauten die Leute auch Reis an. Es gab 4 Qualitätsstufen, heute bezieht man den Reis mit Geldern aus dem Westen teuer aus China. Die Reisfelder im Norden Mosambiks liegen brach. Das Land ist, besonders an der langgestreckten Küste, wunderschön, aber es gibt kaum touristische Nachfrage. Drüben in Südafrika tobt der Massentourismus, werden ganze Busladungen in den Nationalparks ausgespuckt, im Limpopo-Nationalpark auf mosambikanischer Seite, der direkt an den südafrikanischen Kruger NP grenzt, steht man alleine auf weiter Flur. Hinzu kommt die allgegenwärtige Korruption, die das Land wirtschaftlich lähmt.

Und weil das Land vom Rest der Welt abgeschnitten ist, freut man sich in Mosambik auch so sehr darauf, dass die Fußball-WM schon im Nachbarland stattfindet. In Maputo ist sprichwörtlich der WM-Hype ausgebrochen, als ob das Ereignis in der eigenen Stadt, im neugebauten Stadion stattfinden würde. Man verspricht sich wohl mit der WM in Südafrika, dass auch dieses Land wieder mehr in den Fokus des Weltgeschehens rücken wird. Der WM-Austragungsort Nelspruit, Hauptstadt der südafrikanischen Provinz Mpumalanga (ehemals Eastern Transvaal), liegt in der Tat auch nur 180km westlich von Maputo, also gut 2 Stunden mit dem Auto entfernt.
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Alt 25.03.10, 18:52   #9
Nick
Noch nicht bestätigt!
 
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Nick ist einfach richtig nettNick ist einfach richtig nettNick ist einfach richtig nettNick ist einfach richtig nettNick ist einfach richtig nett
Danke für die tollen Eindrücke! Ich möchte noch einmal auf die wirtschaftliche Schwäche Mosambiks eingehen: Diese ist nicht nur hausgemacht. So habe ich vor einigen Jahren durch ein persönliches Gespräch erfahren dürfen, dass einer der bescheidenen Hauptdevisenbringer der Anbau von Zuckerrohr ist. Bescheiden, weil EU und NAFTA sich auch hier gegen konkurrenzlos billige Produkte abschotten, um die eigene Industrie, in diesem speziellen Fall die verhältnismäßig unbedeutene Zucker-Industrie, zu schützen. Solange der Westen die Politik des Protektionismuses bzw. der Einbahnstraßen-Globalisierung aufrechterhält, ist es für ein Vierte-Welt-Land fast unmöglich sich selber zu helfen. Man hört zwar von der Politiker-Kaste immer wieder den fast schon berühmten Spruch "Hilfe zur Selbsthilfe", aber wenn es drauf ankommt zählt eine Spende oder die Androhung von Jobverlagerungen, z.B. von Südzucker, mehr als irgendein entferntes Land auf der anderen Erdhalbkugel. So war des Weiteren zu erfahren, dass eine Senkung bzw. eine Abschaffung der Einfuhrzölle auf Zucker, über Nacht 200.000 neue Arbeitsplätze in Mosambik entstehen lassen würde. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 20 Mio. Menschen ist das fast schon ein schockierender Wert. Gerade die Chinesen machen dem Westen momentan vor, wie man sich praktisch neue Absatzmärkte heranzüchtet. Daher hoffe ich sehr, dass der Westen für seine arrogante Außenhandelspolitik mal ein bisserl abgestraft wird.
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Alt 25.03.10, 21:48   #10
sebastian c
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sebastian c ist einfach richtig nettsebastian c ist einfach richtig nettsebastian c ist einfach richtig nettsebastian c ist einfach richtig nettsebastian c ist einfach richtig nett
Eines dieser Beispiele, die berühmte EU-Zuckermarktordnung, von denen man als "EU-Bürger" nicht gerne hört, über deren Auswirkungen man aber ganze Bücher schreiben kann. Innerhalb der EU wird ohne Ende subventioniert, sicherlich auch mit ursprünglich guten Absichten wie dem Erhalt der eigenen Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Was der ganze Akt aber an negativen Auswirkungen hat, einmal für uns, da einfach Milliarden an Steuergeldern verbrannt werden um die überteuerte euopäische Produktion absetzen zu können, vor allem aber für meist ärmere Drittländer, das ist schon fast beschämend.
"Hilfe zur Selbsthilfe" ist ja traditionell auch für viele Bundespolitiker nur angesagt, wenn gerade ein großer Kongress und entsprechende Medienaufmerksamkeit da ist. Wer Zeit hat, kann sich ja mal ein wenig in den Bundeshaushalt oder die aktuellen Pläne unseres ("Das Ding schaff ich ab"-)Entwicklungshilfeministers einlesen.


Aber zurück nach Mosambik. Trotz aller Armut kann ich mir vorstellen, dass das lebendige Treiben auf den Straßen auch seinen Charme hat..?
Fällt man als Tourist sehr auf?
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Alt 31.03.10, 08:30   #11
Cowboy
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Vor Ostern schaffe ich es nicht mehr, die Bilderreihe fortzusetzen, aber die Fragen sollen nicht unbeantwortet bleiben.

Trotz aller Armut kann ich mir vorstellen, dass das lebendige Treiben auf den Straßen auch seinen Charme hat..?

Ja, aber man muss sich erst eins, zwei Tage an "das lebendige Treiben" gewöhnen. Die Mosambikaner allgemein sind anfangs zurückhaltend, aber wenn man ihnen offen begegnet, erfährt man, wie warmherzig sie sein können. Besonders in Pemba, Provinzhauptstadt von Cabo Delgado (siehe nächstfolgende Fotos), scheint die Herzlichkeit kaum Grenzen zu kennen. Trifft man den richtigen Ton, wird man auf der Straße gegrüßt, von fremden Leuten zum Essen nach Hause eingeladen, bei älteren Menschen kullern schnell Tränen, nur weil man ihnen die Ehre erweist, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Und wenn es wieder gen Heimat geht, wird man auf dem Flughafen von seiner neuen, großen Fangemeinde verabschiedet, als sei man ein Hollywoodstar, und man muss ihr versprechen, sobald wie möglich, und dann am Besten mit der ganzen Familie, zurückzukommen. Klingt für uns alles ziemlich surrealistisch, ist es irgendwie auch.

Fällt man als Tourist sehr auf?

Wie ein Elefant in der Antarktis...
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Alt 02.04.10, 10:25   #12
Isek
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Zitat:
Huhn gleich tot. Hat man sein gewünschtes Huhn gekauft, wird es von den Marktfrauen sofort geköpft und gerupft.
Von der Frau würde ich mir auch gerne den Kopf verdrehen lassen!
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Alt 12.04.10, 00:55   #13
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Irgendwo im Nirgendwo zwischen Maputo und Pemba

Abseits der Großstädte scheint sich Mosambik die letzten 500 Jahre kaum verändert zu haben. Die Menschen leben meist in einfachen Lehm- und Strohhütten, Strom gibt es nur für jene Dörfer, die entlang der Fernverkehrsstraßen liegen, und Fernverkehrsstraßen, die einzigen Straßen, die das Privileg haben, durchweg asphaltiert zu sein, gibt es in diesem Land nur sehr wenige. Es gibt keine Supermärkte, keine Fast-Food-Ketten (die habe ich, bis auf KFC, auch in den Großstädten nicht gesehen, nicht mal Mc Donalds scheint es in Mosambik zu geben), keine Gewerbeparks, nur hier und da ein paar Tankstellen, in denen man, wenn man Glück hat, Benzin tanken und sich mit ein paar Lebensmitteln eindecken kann. Am Straßenrand bieten viele Frauen Obst und Gemüse an, um ein paar Dinheiros mit nach Hause zu bringen. In vielen Dörfern gibt es zudem große Märkte mit einem vielfältigen Angebot an Lebensmitteln.


Markt in der Provinz Gaza, ca. 400km nördlich von Maputo



Ein typisches Dorf in Mosambik: Manhagaze, Provinz Gaza.



Menschen im Dorf Nancutse, Provinz Gaza. Zwei junge Frauen beim Maisbrei stampfen. Sieht nach körperlich harter Arbeit aus.



Der stolze Papa mit seinen Kindern.



Eheglück auch im hohen Alter.



Wenn im Dorf gekocht wird, dauert es meist mehrere Stunden.



Ein großes Problem in Afrika, so auch in Mosambik, stellt nach wie vor die Aufbereitung mit sauberem Trinkwasser dar. In den Städten, sofern man Wasserleitungen in seiner Wohnung hat (geschätzt 30 bis max. 50 Prozent der Städter), die darüberhinaus auch noch funktionieren (sind meist total veraltet), gibt es nur fließendes Wasser für wenige Stunden. Auf dem Land ist man gänzlich auf Brunnen, sog. fontes, angewiesen. Oftmals muss man kilometerweit für sauberes Trinkwasser laufen, wie hier zwei junge Mädchen in Manhagaze.



Aber auch in Großstädten, wie hier in Nampula, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Nordmosambik, ist die Mehrzahl der Bevölkerung auf Brunnen angewiesen.





Von Pemba gelangt man mit einem Linienbus, der einmal täglich fährt, ins 400km südlich gelegene Nampula. Die Fahrt dauert im Normalfall 8 Stunden.



Aber in Mosambik ist freilich nichts normal, zumindest nicht aus deutscher Sicht. Reifenpanne, eine Stunde unfreiwillige Pause.




Die atemberaubende Landschaft entschädigt die Strapazen der Fahrt.

Grün, grüner, Nordmosambik. Sonnenaufgang bei Pemba.





Rio Lúrio, Grenzfluss zwischen den Provinzen Cabo Delgado und Nampula.



Landschaft in Nampula.



An den wenigen Haltepunkten wird der Bus von Marktleuten umzingelt. Unterwegs stieg übrigens ein Japaner mittleren Alters ein, der mit Rucksack allein 3 Monate durch Mosambik tingelte. Auf meine Frage, wie ihm das Land gefällt, kam ein "Das ist genau das, was ich als Ausgleich zu meinem 14-Stunden-Büroalltag in Japan gesucht habe" zurück. Ich glaube, darüberhinaus ist er auch ziemlich vermögend, und sieht wahrscheinlich seine Reise in einem der ärmsten Länder der Welt als Herausforderung.




Bairro in Nampula-Stadt




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Als Letztes stelle ich euch dann Pemba vor. Dann gibt's auch wieder mehr Häuser zu sehen. Versprochen.
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Alt 12.04.10, 18:25   #14
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Herausragende Serie, ganz ausgezeichnet fotografiert - da sind viele unglaublich ausdruckstarke Bilder dabei. Vielen Dank!
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Alle von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders angegeben, von mir selbst gemacht.
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Alt 13.04.10, 15:10   #15
Jo-King
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Klasse Serie. Die Beschreibungen dazu sind wirklich toll. Wirklich Super.!
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