Neubebauung am Schinkelplatz/Werderscher Markt

  • Es ist die Frage, ob es überhaupt notwendig ist, den Schinkelplatz auf östlicher Seite fassen zu müssen. Der Schinkelplatz wurde direkt an den Spreekanal gesetzt. Da liegt es doch irgendwie in der Natur der Sache, daß der Platz zum Kanal hin offen ist.


    Sehe ich genauso..und was man vielleicht auch nicht außer acht lassen sollte: wenn es zu einem Wiederaufbau der Kolonnaden kommt oder alternativ der Einheitswippe..könnte man die gar nicht sehen, wenn der Platz zum Spreekanal hin auch noch bebaut würde.
    Fände ich schade!

  • Genau. Ein Markt oder Platz wird erst durch seine Platzwände zum Platz. Sonst ist es urbane Steppe - bestensfalls.

  • Ich finde es ist einfach zu früh um über den Schinkel Platz zu urteilen. Zum einen ist wie schon Pumpernickel bemerkte die Kanalseite noch eine große Baustelle und die Begrünung nach Lenné auch nicht komplett, zum anderen hat der Platz auch kaum eine Funktion da die Bauakademie eben nur eine Plastikplane ist und sich dort Belebung erst einstellen wird wenn dort entweder die Rekonstruktion oder ein anderes Projekt realisiert ist...


    Auch der Werdersche Markt wird belebt werden wenn in der dann angrenzenden Bauakademie Geschäfte oder Cafes untergebracht sind und die Friedrichwerdersche Kirche als Museum geöffnet wird.


    2025 ist es dann soweit... :D

  • ^unabhängig davon, ob die Bauakademie nur als Fassade oder Gebäude existiert, gibt sie dennoch die Kubatur wieder. In Verbindung mit dem Moneo-gebäude und dem Galeriehaus entsteht schon eine Art Platzfassung. Die Funktion würde ich dem nicht aberkennen, da vor allem die friedrichswerdersche Kirche endlich eine definierte Front- und Seitenansicht bekommt. Die architektonischen Elemente der Kirche verbinden sich mit dem Städtebaulichen Elementen und werden somit in Szene gesetzt. Demnach ein riesen Plus für die Kirche :daumen:. Aber ich stimme dir zu, wenn der Platz erst einmal belebt ist, erfährt die ganze Geschichte natürlich eine neue Qualität. Hoffentlich wird der Raum dann auch tatsächlich gastronomisch genutzt.

  • ^ Was meinst du damit, wenn du von einer Verbindung architektonischer Elemente mit städtebaulichen Elementen sprichst? Das klingt irgendwie intellektuell, ist aber wohl eher eine Trivialaussage fürs Phrasenschwein.

  • Mich irritiert, dass man die Schäden an der Kirche nicht zum Anlass genommen hat, einmal grundsätzlich unsere Art des Bauens zu hinterfragen. In Japan, Kanada, den USA, Neuseeland, Australien, Skandinavien,... Holzbauweise ist ja nun wahrlich nicht exotisch oder unerprobt, hätte aber wesentlich simplere Gründungsarbeiten bedeutet. Und wieso es hier überhaupt Tiefgaragen braucht, wenn direkt vor der Haustür ein nagelneuer U-Bahnhof gebaut wird, kann man auch nur mit unserem altbackenen Baurecht erklären. Klar, Stelllplätze müssen nachgewiesen werden - das Leitbild der autogerechten Stadt.


    Es sind bundesrepublikanische Gewohnheiten, die zu dem Desaster der nun maroden Kirche geführt haben. Gewohnheiten, die so oder so einmal auf den Prüfstand gehören und so oder so verheerende Schäden verursachen. Holzbauweise kapselt CO2 aus der Umwelt ab, Stahlbetonbauweise ist einer der größten CO2 Quellen der menschlichen Zivilisation mit bezifferbarem Effekt auf den Klimawandel. Es ist eigentlich ein running gag, dass wir lieber unsere Stahlbetonhöhlen mit Giftmüll bekleben (Wärmedämmverbundsysteme sind nichts anderes, pardon, "Sondermüll" ist der juristisch korrekte Begriff dafür), als wie in Norwegen einfach Gebäude mit wenigen Etagen in Holzbauweise errichten und die Hohlräume der Wände mit Schafswolle vollstopfen - ja, Schafswolle ist billiger als Wärmedämmverbundplatten zu bekommen und hat beste Dämmwerte und ist "nachwachsend". Aber Schafswolle hat kein DIN-ISO-Irgendwas Zertifikat und erfüllt die EU Norm 1234 nicht und überhaupt, Sondergutachten und EnEV und blablabla. Alles kaputtreguliert.


    Umgekehrt haben Bauten der Stahlbeton-Ära auch die mit Abstand kürzeste Lebensdauer in unseren Städten, während uralte Ziegel- und Holzbauten (hierzulande historisch vorwiegend im Fachwerkverbund üblich gewesen) gepflegt und erhalten werden. Und wahrlich nicht jeder 0815 Ziegel-Blockrandbau in Berlin steht unter Denkmalschutz. Deren Erhalt ist einfach wirtschaftlich, Stahlbeton ist in der Realität nämlich eine richtige Diva. Er verzeiht keinerlei Fehler beim Bau, die rächen sich teilweise erst mit jahrzehntelanger Verzögerung, Stahlbeton ist ein Ressourcenfresser und bzgl. Sanierungskosten eine tickende Zeitbombe.


    Und zum Leitbild der autogerechten Stadt muss man wohl auch nichts mehr sagen. Im Grunde haben sich hier alle Defizite des Bauens der letzten 60 Jahre kulminiert gezeigt und ihre Schädlichkeit in seltener Deutlichkeit anschaulich gemacht, indem das Gesamtkunstwerk des Kirchleins im Grunde unwiderbringlich zerstört wurde. Ja, man kann vermutlich restaurieren. So wie man auch ein Gemälde von Da Vinci nach Vandalismus restaurieren könnte. Es wäre aber trotzdem nicht mehr das Gemälde von Da Vinci. Bei Rekonstruktionen ist das halt nun einmal nicht zu vermeiden und auch gar nicht das Problem, man rekonstruiert ja nicht einen Baukörper, sondern man rekonstruiert Baupläne. Ein Kunstwerk wird erneut geschaffen. Eine Replika. Aber originale Kunstwerke sollten doch verdammt nochmal erhalten werden, wenn sie noch vorhanden sind. Und man wusste um den Baugrund. Und es ist ein prominenter Bauplatz. Wo, wenn nicht hier, hätte Berlin einmal zeigen können, wie progressiv und experimentierfreudig es ist (so sieht man sich ja immer gerne selbst), als mit hierzulande neuen Bauformen.


    Stattdessen wurde einfach alles mit Stahlbeton zugekleistert. Wie üblich. Das ganze ist genauso ein failure wie die Betonwürfelcity am Hbf. Da ist nichts mehr zu retten. Die Bauakademie sehe ich inzwischen v. a. unter dem Stichwort "Stadtreparatur", da die Neubebauung, auch wenn noch nicht einmal fertig, bereits jetzt absehbar von unseren Enkeln als "Bausünde" dieser Dekade bezeichnet werden wird. Und als Ziegelbau dürfte sie die Stahlbetonnachbarn deutlich überdauern. Welch Ironie, das der einzige Bau aus unserer Zeit, der in diesem Viertel dauerhaft bestand haben dürfte, ausgerechnet eine historische Rekonstruktion sein dürfte. Wann haben wir angefangen Bauen als "fortschrittlich" zu bezeichnen, das nur noch eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat und außer verschwendeten Ressourcen und Sondermüll unseren Nachfahren keinerlei Erbe hinterlässt? Das Bauen unserer Zeit ist, sorry, einfach richtig zum Kotzen. Und hier wird das im Kontrast zum Kirchlein deutlich, wie selten irgendwo anders.

  • @ Pumpernickel: In Berlin müssen doch (zum Glück) gar keine PKW-Stellplätze mehr bereitgestellt werden. Dass sie dennoch oft gebaut werden, resultiert eher aus der (irrigen?) Annahme der Bauherren, die Wohnungen so besser verkaufen zu können.


    Holzbauweise hätte ich an dieser Stelle auch charmant gefunden.

  • ^^^
    Ihr glaubt wirklich dass Eigentümer oder Mieter der dort gebauten Wohnungen im Luxuspreissegment nur mit der U Bahn oder dem Rad durch Berlin fahren und ihre Einkäufe im Jutebeutel nach Hause tragen?
    Rad sicherlich aber für den SUV und den Porsche muss auch irgendwo Platz sein...

  • ^Wer so eingefleischter Autofahrer ist, der wird von vorneherein woanders Unterschlupf suchen. Das sind Wohnungen für Urbanisten, die typische Rad-ÖPNV-Car Sharing Klientel der Gegenwart. Man zieht in das historische Herz der Hauptstadt um UdL, Museumsinsel und Co. jeden Tag in sich aufzusaugen, das ist ja der eigentliche Luxus an diesen ansonsten recht unscheinbaren Wohnungen. Nicht um möglichst nichts davon zu sehen und sich nur zwischen Wohnung und Tiefgarage zu bewegen und sich anschließend durch den dichten Verkehr im Zentrum zu quälen. Es ist ein Klischee aus dem letzten Jahrhundert, dass Wohlstand mit dicken Karren einhergeht und umgekehrt nur "kleine Leute" mit U-Bahn oder Fahrrad fahren. Ich empfehle dir mal einen Urlaub in den reichsten Gegenden der Schweiz am Zürisee, so wenige KFZ bzw. soviele Leute auf Drahteseln wie dort siehst du in Berlin/Brandenburg nirgendwo. Es ist heutzutage ähnlich wie z. B. das Zigarettenrauchen eher zunehmend ein "Unterschichtenphänomen" noch solch großen Wert auf ein KFZ zu legen.

  • ^ Sorry, aber ich finde, du überinterpretierst.


    Das sind Wohnungen für reiche Menschen. Und ob diese reichen Menschen eingefleischte Autofahrer sind oder einen Sinn für Architektur haben, steht in den Sternen.

  • Hallo zusammen!


    Verfolge seit mehrere Jahre dieser Forum,muss heute unbedindt einsteigen:)


    Arbeite seit drei Jahren am Hausvogteiplatz,kenne fast alle Projekte in der Umgebung.Zum glück habe ich viele Kunden die in der nähe wohnen.


    Alle die ich kenne besitzen ein oder mehrere Autos,man kauft die Parkplätze sogar in den anderen Häuser.


    Du hast gar keine Ahnung Pumpernickel:nono:

  • Ein KFZ zu besitzen und dieses zu benutzen dürften zwei verschiedene Dinge sein. Mag ja sogar sein, dass die neuen Bewohner ihre regelmäßigen Besorgungen und Fahrt zur Arbeit sehr viel mit dem Rad oder ÖPNV erledigen - vieles haben sie ja direkt vor der Tür. Vielleicht bestellen sie sich für Großeinkäufe auch einen Lieferservice. Und vielleicht legen sie auch nicht so großen Wert darauf eine besonders dicke Karre zu besitzen. Was ich allerdings nicht glaube ist, dass sie auf den Komfort eines jederzeit verfügbaren Fahrzeugs in eigenem Besitz verzichten wollen. Car-Sharing oder Taxi ist nunmal nicht für jeden und jede Fahrt das Non-plus-Ultra. Und wenn man es sich leisten kann, dann hält man sich eben auch das Auto in der Tiefgarage bereit. In Berlin kann man sich dies wohl im Gegensatz zu etwa Paris, London oder New York in den besseren Vierteln auch noch ganz gut leisten ohne gleich Multimillionär zu sein. Auch am Zürichsee werden viele der dort Wohnenden sicher ein Auto in der Garage haben (dürfte dort auch noch finanziell machbar sein), sie fahren halt dann nur weniger rum.


    Ansonsten ist der Tiefgaragenbau neben empfindlichen Gebäuden an sich nicht das Problem. Es hätte nur von Anfang an eine schonendere Baumethode gewählt werden müssen. Wäre zwar teurer gewesen, dies wäre aber bei den Preisen, die dort erzielt werden, nur unwesentlich ins Gewicht gefallen. Aber hinterher ist man halt immer schlauer.

  • Es sind bundesrepublikanische Gewohnheiten, die zu dem Desaster der nun maroden Kirche geführt haben. Gewohnheiten, die so oder so einmal auf den Prüfstand gehören und so oder so verheerende Schäden verursachen. Holzbauweise kapselt CO2 aus der Umwelt ab (...) "nachwachsend". Aber Schafswolle hat kein DIN-ISO-Irgendwas Zertifikat und erfüllt die EU Norm 1234 nicht und überhaupt, Sondergutachten und EnEV und blablabla. Alles kaputtreguliert.


    Naja stimmt nicht ganz, das würde stimmen wenn der Baumbestand weltweit eine Solide Basis hätte und man nur Wirtschaftswälder schröpft. Tut man aber nicht, ein Baum braucht lange um zu wachsen und ein Baum lässt große Mengen des gespeicherten Co2 wieder in die Atmosphäre wenn er stirbt.
    Ohne Stabilen Urwald-Grundbestand ist die Holzbauweise in Vollkonstruktiver Bauweise der reinste Schwachsinn.
    Das einzige Allumfassende, ausgeglichenste Material, vorausgesetzt eine entsprechende Bauweise ist der Ziegelstein. Man sollte eher mal versuchen Stahl und Holz in Deckenkonstruktionen zu minimieren bzw. mit Biochemischen Ersatzstoffen und Nanotechnologien simplere Basistoffe wie z.b. Proteine welche sich Bakteriell herstellen lassen und eine Stahlähnliche Rohdichte erreichen können. Das würde wirklich Probleme lösen, stattdessen wird nur auf der Mikroebene an Symptomen gearbeitet und diese dank Reakpitalisierungszyklen ätzend langsam eingeführt.


    Umgekehrt haben Bauten der Stahlbeton-Ära auch die mit Abstand kürzeste Lebensdauer in unseren Städten, (...) die rächen sich teilweise erst mit jahrzehntelanger Verzögerung, Stahlbeton ist ein Ressourcenfresser und bzgl. Sanierungskosten eine tickende Zeitbombe.


    Nee stimmt nicht, erst ist einfach Billig und man reißt ihn gerne wieder ab obwohl er von Baufehlern abgesehen beim erstellen mal abgesehen extrem langlebig ist. Das ist einfach nur die Verwertungslogik, was billig ist und sich schnell abschreibt ist reversibler. Das hat mit dem Material erstmal nichts zu tun. Sanierungsmäßig ist nur die Dämmung das Problem und Systemungerechte Bauen von Beton bes. bezgl. der Abmessungen und Zusammensetzungen, wo man halt am falschen Ende spart.
    Auch ist am explodieren des einsatzes von Beton eher der Markt schuld mit seinem Höher, Besser mehr welches den immer kleiner Abschreibungszyklen entgegenkommt. Vernünftig gebaut steht er Ziegelkonstruktionen wenig nach. Als Bauaddition für Formgeprägte und Hohe Häuser ist Beton sehr gut und eine Ideale Ergänzung.


    Wann haben wir angefangen Bauen als "fortschrittlich" zu bezeichnen, das nur noch eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat und außer verschwendeten Ressourcen und Sondermüll unseren Nachfahren keinerlei Erbe hinterlässt? Das Bauen unserer Zeit ist, sorry, einfach richtig zum Kotzen. Und hier wird das im Kontrast zum Kirchlein deutlich, wie selten irgendwo anders.


    Gegenfrage wann haben wir das nicht?
    Bauen hat sich selbst in Systemisch wenig weiterentwickelt da es schon immer einer gewissen Masseträgheit unterlag. Auch wurde schon immer kräftig weiter gebaut und zerstört. Das gehört zu den Fiktionen unserer Zeit das wir so arrogant sind zu glauben, das man früher irgendwie mehr oder weniger für die Ewigkeit gebaut hat. Das ist Augenwischerei aus der Romantik. Das Mittelalter und die Neuzeit waren genauso rapide wachsend und zerstörend nur das mehr externe Gründe, insbesondere der Einfluss der Natur hinzukam. Mit der Erfindung der Eisenbahn konnte der Mensch zum erstenmal die Natur überwinden und hat sich aus der verselbständigten Expotentielen Steigerung der Produktion sich selbst als neue Konstante des Wandels eingesetzt.

  • Hallo zusammen,
    bin auch seit Jahren schon eifriger Leser des Forums...nun muss ich auch noch meinen Senf dazu geben...:)
    Pumpernickel hat Recht, in meinem Umfeld fallen mir spontan schon 5 Personen ein welche solche Urbanisten sind mit teurer Eigentumswohnung in der City ohne Auto dafür mit Velo und Mobility Vertrag (CareSharing).
    Viele Grüsse vom Zürisee..

  • Die Bauarbeiten zwischen Niederlagstraße und Schinkenplatz gehen zügig voran. Start der folgenden Bilderreihe ist die Nordwestecke.




    Von dem schmalen Verbindungsweg auf der Nordseite des Projektes lässt sich die zukünftige Größe des Innenhofes erahnen.





    Das Abknicken des Gebäudes am Werderschen Markt ist mittlerweile sehr gut zu erkennen.




    Aus städtebaulicher Sicht gefällt mir der Umstand ganz gut, dass durch die Zurückweichen des Komplexes an der Südostecke der Blick auf der Berliner Dom ermöglicht wird.


  • ^ Die gesteigerte Zahl der Sonnenschirme vermag mich trotzdem nicht zu überzeugen. Ich verstehe diese verschachtelte Kiste einfach nicht. Einerseits ist das Gebäude viel zu grob, andererseits viel zu detailreich und wirr in der Formensprache. Nicht Fisch noch Fleisch also.

  • ^ Viel wird auch von der Materialität abhängen. Die Sockelbreich scheint mir irgendwie marmoriert, die darüber liegenden werden hoffentlich nicht nur geputzt. Trotzdem ne komische Kiste.

  • Zitat entfernt da eh fehlerhaft.
    Bato


    Ähm sagt mal, fällt das nur mir auf, das erste Bild kann unmöglich das gleiche Gebäude darstellen, denn das wäre ja durchaus "erträglich". Oder bringe ich etwas durcheinander.