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Alt 12.03.14, 19:45   #1
nothor
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Abriss und Neubau WBG-Ensemble Schillingstrasse




Im Rahmen des Europäischen Wettbewerbes EUROPAN-12 für Stadtentwicklung hat die WBG Nürnberg die Neubebauung eines ganzen Areals in der Südstadt ausgelobt. Genauer gesagt geht es dabei um einen gesamten Häuserblock vis á vis zum Südpunkt, der von der Pillenreuther Straße, der Sperberstraße, der Schillingstraße und der Galvanistraße eingerahmt wird. Derzeit befindet sich dort noch günstiger Wohnraum, d.h. kleiner, unsanierte Altbauwohnungen mit nicht mehr ganz zeitgemäßen Grundrissen, die zwischen 1919 und 1920 direkt nach dem ersten Weltkrieg erstellt wurden.





Insgesamt wirkt das Ensemble eigentlich absolut denkmalwürdig, da äußerlich weitgehend im Originalzustand, aber dennoch recht gepflegt. Die WBG hat sogar einige Gebäudeteile bereits saniert und energetisch zu ertüchtigen versucht. Mir, der ich zwischenzeitlich eigentlich meine ein Auge dafür zu haben, ob die Ästhetik eines Hauses durch halbherzige Dämmaßnahmen verunstaltet worden ist, ist das tatsächlich erst nach der Klopfprobe auf die Fassadenhaut aufgefallen. Der rechte Gebäudeteil ist gedämmt worden, man kann es auch am verkleideten Klinkersockel gut erkennen:



Dabei ist man m.E. überaus vorbildlich vorgegangen. Detail:



Doch lt. Bericht im heutigen Stadtanzeiger lohnt es sich für die WBG nicht, das Ensemble zu erhalten und zu sanieren, denn es sei zu marode, die Grundrisse nicht mehr zeitgemäß, und das ganze Ensemble würde sowieso mehr in die Gartenstadt denn an die Pillenreuther Straße passen.

Nun denn, ich denke hinter dem Wort "lohnen" steckt eher, dass man mit anderen Maßnahmen einfach mehr herausholen kann, z.B. über einen eurpopäischen Wettbewerb, den man entsprechend einschient, Fördergelder zu erhalten. Denn klar war natürlich, dass man in diesem Bereich aufstocken müsse und auch dürfe. Nun, sei es so. Ich bin ja ein Liebhaber von Altbausubstanz und es schmerzt mich gerade dann besonders, wenn so gut erhaltene Ensembles wie dieses, die zweifellos einen gewissen Seltenheitswert besitzen, verschwinden sollen. Aber es muss eben auch Platz für Neues geschaffen werden dürfen, und hier sprechen viele Gründe gegen das Ensemble und eine effizientere Ausnutzung des raren, innerstädtischen und hervorragend in die bestehende Infrastruktur eingebundenen Stadtraumes.

Die Ergebnisse des Wettbewerbes sind nun veröffentlicht und können unter http://www.europan.de/europan12/e12-nuernberg.html eingesehen werden.

Die Entwürfe hinterlassen bei mir jedoch gemischte Gefühle, insbesondere die Tatsache, dass der Entwurf eines spanischen Architekturbüros mit dem Titel "Sonnenblume" gleich angekauft worden ist. Dieser sieht eine Bebauung in "zeitgemäß" schlichter Gestaltung vor, und ist m.E. der schlimmste unter den Beiträgen, bestehend aus drei balanalst gestalteten solitären Wohnblöcken. Die intime Hofsituation wird vollkommen aufgegeben und eine "Banlieue"-Situation geschaffen, in der die m.E. Angsträume entstehen.
Blick von der Pillenreuther Straße aus (etwa auf Höhe des Südpunktes):


"Sonneblume", Architekten: Pau Bajet Mena (ES), Oscar Linares De La Torre (ES), Maria Giramé Aumatell (ES), Laura Bonell Mas (ES), Daniel López-Dòriga Sagalés (ES)

Heute:


Blick in die Schillingstraße:


"Sonneblume", Architekten: Pau Bajet Mena (ES), Oscar Linares De La Torre (ES), Maria Giramé Aumatell (ES), Laura Bonell Mas (ES), Daniel López-Dòriga Sagalés (ES)

Heute:


Ich kann es kaum erwarten, bis man diese kubistische, auf die einfache Verarbeitung von Polystyrolplatten hin optimierte Würfelbauweise endlich mal überwunden hat. Die unmotivierte Komposition aus geraden Linien mit viel Beton, die versiegelte Fläche mit gelegentlichem Einstreuen von wenigen Bäumen, die wie in Blumenkästen stehend verortet sind, wirklen schon in der Visualisierung sehr trostlos. Wer immer die Entwürfe gekauft hat, ich hoffe nur deshalb, um sie in Schubladen verschwinden zu lassen. Denn die übrigen Entwürfe haben m.E. deutlich mehr Potenzial, auch um das angestrebte Ziel zu erreichen, die Südstadt als attraktiven Wohnraum fortzuentwickeln. Zumindest erhofft sich die örtliche SPD diesen Impuls davon. Quelle: http://www.spd-in-der-suedstadt.de/d...der-suedstadt/

Sieger des Wettbewerbes ist der Entwurf "Yourban" eines deutschen Teams:


Architekten: Christian Wolff (DE), Benjamin Scharf (DE), Anne Scholz (DE)

Dieses zeichnet sich durch seine offene Bauweise aus, die mit großen Fenstern helle Wohnungen erzeugt, und die sich konzeptionell auf einen gemeinschaftlichen Hof konzentriert. Hierauf richtet sich alles aus. Auch mir gefällt dieser Entwurf deutlich besser. Ich kann nur hoffen, dass die WBG eher diesen Entwurf realisiert, als den angekauften. Immerhin will man ja auch Eigentumswohnungen unter den geplanten 1 - 5-Zimmerwohnungen vorsehen, die für viel Geld gekauft werden wollen. Alle Entwürfe werden ab Mai im Südpunkt ausgestellt werden, und es ist hier noch nichts in Steinb gemeißelt, wird berichtet.

Ich fürchte jedoch, dass man sich eher an der "Sonnenblume" orientieren wird, womit man das Stadtbild von gegenüber in der Galvanistraße fortsetzt:



Denn man hat leider nicht aus den städtebaulichen Erfahrungen der letzten 60 Jahre gelernt, und daher prophezeihe ich, dass schon in 30 Jahren diese Neubausiedlung so bemitleidenswert aussieht wie der jetzige Bestand.
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Alt 12.03.14, 20:32   #2
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Es sind noch ein paar Wochen bis zum 1. April
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Alt 12.03.14, 23:07   #3
Saxonia
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Das sind ja deprimierende Aussichten. Derartiger Wohnungsbau aus der frühen Zwischenkriegszeit ist absolut denkmalwürdig. Zeigt der Denkmalschutz sich angesichts der Abrissplanungen völlig unbeteiligt?
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Alt 04.04.14, 20:53   #4
Gelber Löwe
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Wbg-Häuser an der Schillingstraße werden abgerissen!

.... da bin ich mal auf den Neubau gespannt!
http://www.nordbayern.de/nuernberger...tsForm-2145986
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Alt 14.04.14, 17:05   #5
John Robie
 
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Die Entwürfe lassen Schlimmes erahnen: Klötze mit sinnfrei verteilten Löchern.

Das Bild in dem von "Gelber Löwe" zitierten Link zeigt die formale Stimmigkeit der Anlage. Sicherlich sind Gärten, die der Selbstversorgung dienen, heutzutage nicht mehr erforderlich.

Andererseits scheint es eine Nachfrage dafür zu geben, wie manch hilflos wirkender Versuch in "urban gardening" zeigt.

Der Entwurf von "Yourban" ist zwar um Klassen besser, aber dass der "Statt-Garten" samt Bebauung wie ein Krankenhaus wirkt, schmälert meine Begeisterung um ein ganzes Stück.
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Alt 27.05.14, 22:05   #6
nothor
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Die WBG hat die Wettbewerbsergebnisse nun der Öffentlichkeit präsentiert:

http://www.nordbayern.de/nuernberger...tein-1.3657704

Interessant, auch im Hinblick auf die Leserkommentare, ich habe im Vorfeld versucht in Erfahrung zu bringen, wann die wo die Entwürfe zu besichtigen seien. Weder bei der WBG noch im Südpunkt, der als Ausstellungsort seinerzeit im Stadtanzeiger genannt wurde, konnte man mir weiterhelfen. Was dann passierte, ist, dass es im Rauschen der übrigen Alltagsmeldungen unterging.
Aber auch aktuell kann ich auf der Webpräsenz der WBG keinerlei Informationen zum Projekt finden.

Unterdessen berichtet der Artikel, dass die WBG mit dem Abriss auch die Umsiedlung der jetzigen Bewohner beabsichtige, die das wiederum selbst anscheinend nicht schade finden. Die WBG bezahlt die Umzüge, wobei diese Großzügigkeit nicht überbewertet werden sollte: Ein durchschnittlicher Ein-Mann-Haushalt zieht innerhalb Nürnbergs problemlos für 1.000 EUR um, bei einem drei-Personen-Haushalt kann man mit vielleicht 3.500 EUR rechnen. Der Quadratmeter Eigentumswohnung wird vermutlich das gleiche kosten. Die WBG als Großvermieter wird wohl keine weiteren Maklerkosten zu bezahlen haben. Insofern scheinbar also eine rundherum runde Sache....(?)
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Alt 29.07.14, 11:15   #7
Kapitaen
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Online Petition FÜR den Erhalt des Ensembles "Hummelstein"

Ich habe FÜR den Erhalt des Ensembles "Hummelstein" eine Online Petition gestartet und würde mich über Unterstützung sehr freuen:

https://www.openpetition.de/petition...hren-1919-1920

Die Argumentation der WBG bzw. ihres Pressesprechers Dieter Barth und dem Technischen Leiter, Harald Behmer ist vollkommen falsch.
Die Wohnanlage hat 1919/1920 5,5 Mio Mark gekostet. Das war ein sehr hoher Preis, höher als bei anderen Wohnanlagen.
Die verwendeten Materialien waren keineswegs billiger Nachkriegsschutt, wie seitens der WBG behauptet wird. Vielleicht ist es den Herren der WBG nicht bekannt, aber im ersten Weltkrieg gab es in Deutschland keinerlei Kriegshandlungen, es fiel deswegen auch kein Schutt an. Es sei denn, die WBG hatte damals z.B. Schutt aus Belgien importiert.
Im zweiten Weltkrieg wurden lediglich drei Häuser zerstört: Das zweite Haus in der Pillenreuther Straße (damals Katzwanger Stra. 58) und die beiden Häuser, Ecke Schilling/Sperberstraße. Diese drei Häuser wurden 1952 komplett neu aufgebaut, mit den alten Grundrissen. Und genau diese drei Häuser wurden vor einigen Jahren komplett saniert und renoviert, wie auf Bildern zu erkennen ist. Ich bin die Tage in der Wohnanlage gewesen, um mir Vorort ein Bild zu machen: Die Wohnungen besitzen in der Regel 55qm, drei Zimmer und Wohnküche. In jedem Haus ist im zweiten Stockwerk eine Vierzimmer-Wohnung mit Wohnküche und zusätzlich zwei Kammern. Von einem ungünstigen Schnitt der Wohnung oder von zu kleinen Wohneinheiten kann also ebenfalls nicht gesprochen werden, wie seitens WBG immer behauptet. Zu jeder Wohnung gehört ein Gartenanteil mit 25 bzw. 30 qm. Letzeres für die größeren Vierzimmer-Wohnungen. Die Keller der Häuser weisen keinerlei Feuchtigkeit oder Schäden auf. Es gibt keine Risse im Mauerwerk der Fassaden, weder im Innenhof noch zur Front.
Seitens WBG wird versucht, die Wohnanlage möglichst schnell und unbürokratisch abzubrechen, um einen großen Teil Eigentumswohnungen zu errichten.
Nett, wenn die WBG behauptet, die Anlage wäre nicht denkmalwürdig oder ein Vergleich mit ähnlichen Häusern in der Gartenstadt, der Werderau, der Fliegersiedlung etc. komme nicht in Frage... Entscheidet jetzt schon die WBG, welche Häuser denkmalwürdig sind?
Herr Barth erklärte außerdem, "ALLE" wären gegen einen Erhalt des Ensembles. Auf meine Nachfrage, wer "ALLE" sind, erklärte er mir, es handelt sich dabei um die 37 europäischen Architekten, die an einem Wettbewerb für eine geplante Neubebauung teilgenommen haben. Diese Aussage entbehrt auch jeglicher Logik und Intelligenz.
Die WBG hat die Wohnanlage "Hummelstein" seit Jahrzehnten, peu a peu dem Verfall preisgegeben. Die dort getätigten Investitionen waren gleich null. Trotzdem ist die Wohnanlage noch in einigermaßen guten Zustand.
Vor zehn Jahren publizierte die WBG zusammen mit Bernd Windsheimer ein Buch, anlässlich des 90-jährigen Bestehens. Die Wohnanlage "Hummelstein" fand schon damals keinerlei Erwähnung mehr. Deshalb ist davon auszugehen, dass schon damals der Plan reifte, die Wohnanlage abzubrechen, damit möglichst viel Eigentumswohnungen gebaut werden können, die der WBG hohen Profit versprechen. Auch wenn die WBG keine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mehr ist, sollte primär bezahlbarer Wohnraum geschaffen und erhalten werden. Herr Barth sieht diese Sachlage anders. Er erklärte mir wortwörtlich, die WBG lebe nicht von Steuergeldern. Barth hat sich wahrscheinlich noch nie Gedanken gemacht, wer den Bestand der WBG finanziert hat, zumindest den größten Teil wie Langwasser, Nordbahnhof, Nordostbahnhof, Johannis, Dr.-Lupe-Platz, Hasenbuck, Ludwigsfeld, Nordring etc. Diese Siedlungen wurden ausschließlich durch die öffentliche Hand finanziert, also durch den Steuerzahler. Auch entspricht es nicht der Tatsache, das die Geschäftsführer der WBG über deren Politik entscheiden. Selbstredend muss nicht jeder Tausch einer Türklinke im Stadtrat behandelt werden, die Politik und die Richtung werden jedoch im Stadtrat beschlossen.
Es kann nicht angehen, dass die WBG aus wirtschaftlichen Gründen einen nahezu original erhaltenen Wohnblock aus der Zeit, direkt nach dem ersten Weltkrieg, schnöder Profitgier opfert. Das Ensemble steht ganz beispiellos für das Bauen nach dem ersten Weltkrieg mit einer Architektur, die sich noch sehr am Bauen der ausgehenden Kaiserzeit orientiert.
Mittlerweile haben sich zum Glück auch schon Stadträte für den Erhalt der Wohnanlage ausgesprochen und es ist zu hoffen, dass sich noch möglichst viele Mitstreiter für den Erhalt des Ensembles finden werden.
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Alt 01.08.14, 15:10   #8
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Zitat:
Zitat von Kapitaen Beitrag anzeigen
Ich habe FÜR den Erhalt des Ensembles "Hummelstein" eine Online Petition gestartet und würde mich über Unterstützung sehr freuen:
Danke, an der Petition habe ich mich mal beteiligt. Obwohl die Planungen schon sehr weit gediehen sind, die Ergebnisse sind ja der Öffentlichkeit bereits vorgestellt worden, ist es trotzdem interessant zu erfahren, auf wieviel öffentliches Interesse die Planungen stoßen. Schließlich hat Verdichtung positive aber auch negative Auswirkungen, insbesondere auf die Verkehrs- und Lärmbelastung in einem Viertel.

Um die stadtbildprägende Substanz ist es in jedem Falle schade.
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Alt 07.08.14, 00:14   #9
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Am 07.08. um 17:00 Uhr lädt der Initiator der Petition zu einem Vor-Ort-Termin in der Pillenreuther Straße Ecke Sperberstraße ein, für diejenigen, die sich ein genaueres Bild vom Ensemble machen wollen! Die Info wurde nur über FB verteilt, daher kann ich hier leider nichts verlinken.
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Alt 13.08.14, 13:45   #10
Kapitaen
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Neuer Artikel im Stadtanzeiger zum Thema:
http://www.nordbayern.de/nuernberger...chst-1.3823196
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Alt 09.09.14, 23:38   #11
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Nun hat sich auch die Stadtbild-Initiative eingeschaltet, um gegen den Kahlschlag des Nürnberger Stadtbildes an dieser Stelle einzutreten:

http://www.nordbayern.de/region/nuer...cher-1.3874470

Erstaunlich ist immer wieder, die die Stadt Nürnberg versucht Touristen und Investitionen anzulocken mit dem Hinweis auf Nürnbergs einmaliges Stadtbild, und auf der anderen Seite die Pflege und Entwicklung des Stadtbildes im richtigen Gleichgewicht anscheinend keinerlei Rolle spielt.
Mit der Stadtbildinitiative haben sich nun weitere Vereine und Initativen für einen Erhalt stark gemacht. Wer ausführlich wissen möchte worum es geht:

http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/?page_id=190
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Alt 10.09.14, 20:01   #12
nothor
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WBG-Wohnungsbau sorgt für Ärger

titeln die Nürnberger Nachrichten online und in der heutigen print-Ausgabe, in der gleich sage und schreibe drei Artikel zur Anlage in der Schillingstraße zu lesen sind:

http://www.nordbayern.de/region/nuer...?cid=19.285017

Im Hauptartikel kommt die WBG zu Wort, die ihre wirtschaftlichen Überlegungen für die Planungen zum Abriss der 71 Bestandswohnungen und Errichtung von neuen 130 Neubauwohnungen darlegt. Die Überlegungen sind sicherlich durchaus nachvollziehbar. Genau gelesen ist aber schnell sichtbar, dass die derzeitigen 71 Wohnungen, die allesamt dem einzig in Nürnberg wirklich raren Segment des günstigen Wohnraumes genommen werden und die WBG so zunächst zur Wohnungsknappheit in diesem Segment beiträgt. Versprochen wird, dass beim Neubau ca. 1/3 der 130 Wohnungen, also ca. 42 Stück, geförderter Wohnungsbau sein werden. Bedeutet also, dass erhebliche Investitionen unternommen werden, um am Ende doch 30 Wohnungen weniger im nachgefragtesten Segment anbieten zu können. Da muss man sich schon die Frage gefallen lassen, ob das in der fast 100-jährigen Tradition der WBG steht. In der Fachsprache nennt man das "Gentrifizierung".

Dass die derzeitigen Bewohner auch bei einer Sanierung mit Erhalt der Anlage ausziehen müssten, ist allerdings eine Behauptung, die durch entsprechende Organisation der Maßnahme schnell haltlos wird. Innerhalb des Ensembles umzuziehen denke ist wird für die Mehrheit wohl kein Problem sein, und bei schrittweiser Sanierung ist das problemlos.

Doch der Vorschlag der Stadtbildinitiative geht noch weiter. Anstatt hier nur zu sanieren, also neue Leitungen, neue Böden, Fenster, Klingeln, Elektrik und Sanitär, bietet sich die Schillingstraße in der jetzigen Form für ein besonderes Konzeptwohnen an, wovon es in Nürnberg noch viel zu wenig gibt. Gärten zur Selbstversorgung, kurze Wege, Generationenwohnen, Nachbarschaftsprojekte. All das ließe sich hier perfekt ausprobieren, denn die Sazialstruktur ist bereits vorhanden. Man bedenke, die Anlage ist voll vermietet. Einige der Bewohner haben sich dem Vernehmen nach bereits selbst angeboten, Renovierungsarbeiten vorzunehmen, erfuhren jedoch seitens der WBG leider keine Unterstützung.

Unter dem Strich bleibt das wirtschaftliche Interesse, (130-42) 88 hochpreisige Wohnungen auf den markt zu geben, um die Bilanz aufzubessern. Für ein Wirtschaftsunternehmen ist das auch durchaus nachvollziehbar. Allerdings darf man sich dann nicht Traditionsbewusstsein und soziale Verantwortung auf die Fahne schreiben.

Völlig richtig, dass sich die Öffentlichkeit gegen dieses Vorhaben wehrt. Der Vorstand der WBG, gleichsam Stadtspitze Nürnbergs, könnte der WBG durchaus alternative Grundstücke anbieten. Am Nordostbahnhof, gegenüber des Leipziger Platzes gähnt einen bereits seit Jahren die Brache eines baureifen Grundstücks in bester Lage an.
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Alt 12.09.14, 18:59   #13
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Und hier nun die Darstellung der Befürworter des Erhalts der Siedlung im Nürnberger Stadtanzeiger:

http://www.nordbayern.de/nuernberger...lten-1.3877149

Deutlich wird insbesondere die unreflektierte Entscheidung, die Siedlung einfach abzureissen, ohne Gutachten, ohne Bewohnerbeteiligung, ohne Einbeziehung von Experten. Gefragt wurden einzig Architekten, die sich um das Engagement in einem Neubauvorhaben bemühten.
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Alt 17.12.16, 19:19   #14
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Abriss hat begonnen





Der Abriss des historischen Ensembles Schillingstraße hat begonnen. Als eine der ersten und ältesten sozialen Wohnungsbauprojekte in Nürnberg verschwindet diese architektonisch nicht uninteressante Siedlung im Reformstil aus dem Stadtbild. Der Charakter des Wohngebietes rund um die Sperberstraße geht an dieser Stelle verloren.



Ersetzt wird das Ensemble durch ein etwa zweieinhalbfach größeres Bauvolumen aus einem Architektenwettbewerb. Fertigstellung ist in zwei Jahren geplant.



Die Stadtbildinitiative Nürnberg, die sich für den Erhalt des Ensembles eingesetzt und für eine alternative Planung für die Häuser geworben hatte, begleitet den Verlust im Stadtbild auf ihrer Website:

http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/

Ob es der Neubau wieder auf 100 Jahre Nutzungsdauer mit diesen verhältnismäßig geringen und zuletzt keinerlei Instandsetzungsaufwand bringen wird, werden wir wohl noch sehen. Während früher ein Architekt nur im absoluten Ausnahmefall sein Bauwerk wenige Jahrzehnte später unter der Abrissbirne sehen musste, wird das wohl in Zukunft häufiger werden. Die Frustrationstoleranz unter den Architekten wird zunehmend gefordert sein.
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Alt 17.12.16, 20:46   #15
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Das langweilige Ding ist aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen? Eine simple Baumassenstudie könnte nicht viel anspruchsloser aussehen. Dafür völlig intakte Gebäude abzureißen, ist schon ziemlich verrückt.
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