Justizzentrum Konstablerwache - Neuordnung bis 2027

  • Gerichtsviertel

    Nach einem Bericht in der heutigen Frankfurter Rundschau (Link) könnte der östlichen Innenstadt eine tiefgreifende Veränderung bevorstehen! Alle Gerichte außer dem Arbeits- und Landesarbeitsgericht sollen bis etwa 2010 in ein an der Adickesallee neu zu bauendes Justizzentrum umziehen. Also das Amts-, Land- und Oberlandesgericht sowie die Staatsanwaltschaften. Auf das Areal, auf dem sich heute die ehemalige Bundesanstalt für Ernährung (das große Gebäude mit der hellblauen Fassade) sowie die Arbeitsgerichte befinden. Letztere sollen wiederum in die Gutleutstraße umziehen, und zwar bereits Ende 2006 bis Anfang 2007.


    Im heutigen Gerichtsviertel soll dann nach 2010 ein neuer Stadtteil entstehen, was auch einen "Schub für die Zeil" bringen soll. Die Neuentwicklung soll die nicht unter Denkmalschutz stehenden Gerichtsgebäude, das Parkhaus Gericht, ggf. das C&A-Gebäude und wahrscheinlich auch eine Reihe weiterer Bauten aus den 50er- und 60er-Jahren an dieser Stelle umfassen. Sicher bleiben werden natürlich die beiden großen denkmalgeschützten Gebäudekomplexe des Amts- und Landgerichts aus der Gründerzeit (Justizgebäude A und B), für die u. a. eine Hotelnutzung in Betracht kommen könnte.


    Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, soll aber angeblich bevorstehen.

  • Frankfurt überrascht einen immer wieder. Glaube kaum, dass es noch eine andere Stadt dieser Grössenordnung gibt, die so viele grosse Projekte parallel angeht (Europaviertel, EZB, technisches Rathaus, Riedberg, Rebstockpark, Uni-Gelände Bockenheim etc.). Ich habe nur die Befürchtung, dass sich die Stadt da irgendwie verzettelt und nichts so richtig voran kommt. Ich finde die Gerichtsgebäude gar nicht störend und sie können meiner Meinung nach bleiben wo sie sind.

  • Gottseidank. Das wurde auch Zeit! Das Gerichtsviertel nimmt dieser Ecke die Lebendigkeit (die Leute laufen da irgendwie so gefesselt herum! ;) ) und ist schlichtweg erdrückend und langweilig. Es kann nur besser werden.

  • Das scheint mal wieder eine Schnapsidee wie der Abriss der Kleinmarkthalle zu sein. Das Gerichtsviertel stellt einen funtionierenden, historisch gewachsenen Teil der Stadt dar. Die Gebäude wurden oder werden gerade im Inneren für viel Geld denkmalgerecht saniert: Ein Justizzentrum in Frankfurt ist nicht notwendig, da es bereits seit Jahrzenten eines hat. Die Sanierung der östlichen Zeil geht auch ohne den Umzug der Gerichte. Dazu müsste ersteinmal der Rotlichtbezirk in der Nähe verschwinden. Die umnutzung der unter Denkmalschutz stehenden, sehr gut erhaltenen Gerichtsgebäude zu einem Hotel geht nicht ohne diese zu zerstören.

  • Ganz mein Rede. Das Problem der östliche Zeil ist nicht nördlich, sondern eindeutig südlich zu finden.

  • Der Meinung bin ich spontan auch. An den Gerichten scheitert die Belebung des Viertels nicht. Und wenn die derzeitige Gebäudestruktur unpassend ist, dann fragt man sich, warum sie für zig Mio umgebaut werden anstatt sie abzureißen und durch neue zu ersetzen. Denn wirklich schön sind die NAchkriegsbauten wirklich nicht.

  • Das Viertel ist nicht unbelebt, jedenfalls nicht tagsüber an Werktagen. Die Altbauten sind zwar etwas verwinkelt, aber ich denke nicht, dass man sagen kann, sie würden nicht funktionieren. Vielmehr zeigen die bereits renovierten Teile wieder voll und ganz ihre Qualitäten.


    Wieder eine ich-vermarkte-einen-Stadtteil-teuer-dafür-baue-ich-anderswo-preiswert-modern-und-zweckmäßig-Idee. Dass eine Umnutzung der Altbauten wahrscheinlich deren weitgehende Entkernung bedeuten würde, hat rako ja schon geschrieben. Nicht nur deswegen halte ich nichts von den Plänen. Natürlich muss für den bewussten Teil der Adickesallee eine Lösung gefunden werden, aber eben eine andere.


    Die Gerichtsgebäude an der Ecke Kurt-Schumacher-Straße / Seilerstraße und gegenüber des Arabella sollten allerdings schon saniert oder sogar neu gebaut werden. Wobei eine ansprechendere Fassade besonders zur Schumacher-Straße und nach Möglichkeit auch weniger Gitter und Stacheldraht, dafür mehr Durchlässigkeit für Fußgänger in dieser Ecke wünschenswert wäre. Und für das alte Untersuchungsgefängnis zwischen Oberlandesgericht und Justizgebäude A müsste eine neue Nutzung gefunden werden, vielleicht als Jugend- bzw. Low-Budget-Hotel, was ja bereits im Gespräch war. Oder eben als Hochsicherheitstrakt der Gerichte, für so eine Nutzung ist es ja gebaut. Dann ist es aber auch gut.

  • ich halte dieses Projekt auch für sinnlos, zumal gerade erst vor wenigen Jahren doch eine Erweiterung der Gerichtsgebäude entlang der Ostzeil fertig gestellt wurde.
    Man kann sich manchmal echt nur über die Stadtverwaltung wundern...

  • Die Initiative scheint von der Landesregierung zu kommen.


    Du meinst vermutlich das Gebäude des Oberlandesgerichts an der Zeil: Das wurde nicht erweitert, nur saniert. Gebaut wurde dieser 1961 fertiggestellte Kasten übrigens als Hertie-Hauptverwaltung.

  • Sehr gute Idee. Die Ecke sieht wirklich ziemlich verwahrlost aus. Wird Zeit, dass diese haesslichen Nachkreigsbauten abgerissen werden und neuer Schwung ins Viertel kommt. Die Neubauten sollten sich dann am Stil der alten Gerichtsgebauede orientieren. Aber von mir aus auch qualitativ hochwertig modern.


    Darueber hinaus koennte ein geplantes Justizzentrum bestimmt effizienter arbeiten als ein ueber die Jahre gewachsenes Ensemble.

  • Ich bin dort gerade vor ein paar Tagen durch gelaufen und habe wirklich spontan gedacht, dass man die Ecke komplett umbauen müsste. Von daher freue ich mich über die Meldung. Es gibt, glaube ich, sogar eine ganze Reihe von guten Gründen dafür. Hier mal einige davon:


    1.)
    Die östliche Zeil leidet schon ein wenig unter dem großen (sogar erst vor wenigen Jahren gebauten) Bürogebäude auf der nördlichen Seite, das (glaube ich zumindest) auch zum Gericht gehört. Abgerissen wird das zwar bestimmt nicht, aber vielleicht können im Erdgeschoss ja Ladenflächen entstehen. Überhaupt sollte man den Wegzug des Gerichts nur als Anfang sehen, ist doch besser wenn überhaupt etwas passiert! Dann steigt auch die Chance, dass sich im südlichen Teil auch was tut.


    2.)
    Wenn man von der Bergerstraße in die City läuft, hat man die Qual der Wahl: entweder an der hässlichen und viel befahrenen Konrad-Adenauer-Str. direkt an den schrecklichsten Gerichtsgebäuden entlang, oder mitten durchs Gerichtsviertel, durch die total abgewrackte Klapperfeldstraße, vorbei an Stacheldrahtzaun und Gefängnismauern.
    Kurz gesagt, wird das Quartier umgestaltet, sollte man auch gleich eine neue Straßenführung finden, durch die die Bergerstraße, die immerhin so etwas wie die Lebensader des östlichen Frankfurt darstellt, besser an die Zeil herangeführt wird.


    3.)
    Mehr Wohnungen in der City sind ja wohl nichts Schlechtes. Schließlich wird Frankfurt als eine der wenigen deutschen Städte in den nächsten Jahrzenten mehr Einwohner haben als heute. Und wenn das Viertel irgendwie zur Belebung der Innenstadt beitragen kann, dann hat das meinen Segen (unterm Strich bringt das eher mehr Cafes, mehr Clubs, usw.). Gerade abends ist die frankfurter City ja nun wirklich ziemlich tot, gerade im östlichen Teil laufen ja wirklich fast nur komische Gestalten rum :Nieder:



    Von den Kosteneinsparungen brauche ich gar nicht anzufangen...
    Habe ich schon die Nähe zum Polizeipräsidium (ebenfalls Adickesallee) erwähnt? Da es sich bei dem Knast wohl um ein Untersuchungsgefängnis handelt, könnten sich da durchaus Vorteile ergeben.


    Diese Liste könnte man noch fortführen. Ihr seht also, dass das durchaus keine Schnapsidee ist...

  • 1. Das nördliche Gebäude wurde zwar nicht neugebaut aber kernsaniert. Da zeigt sich aber schon das erste PRoblem. Der Spaß hat das Land schon einen schönen zweistelligen Mio.-Betrag gekostet. Wenn man da jetzt wieder auszieht kann man das Gebäude nur abreißen, denn die Flächen bekommt man nicht vermietet. Da gibt es in der Stadt wesentlich attraktivere Flächen.


    2. Wird es gar nicht so viel Wohnnutzung geben können. Denn entlang der Konrad-Adenauer-Straße will ja keiner Wohnen und die Altbauten fallen in der Beziehung auch flach. Auch die Idee, dass C&A neubaut finde ich recht abenteuerlich. Das Gebäude ist doch für ein KAufhaus optimal.


    3. Was wird aus den Altbauten? Hotelnutzung klingt zwar schon am sinnvollsten, aber wie viele Hotels denn noch? Opernplatz, FrankfurtHochVier, Bundesrechnungshof, Rennbahn, AirrailCenter.... Die Stadt muss sich mal entscheiden, was sie will, damit die entsprechenden Flächen dann auch zügig entwickelt werden können und nicht wie das Arreal des Bundesrechnungshofes langsam aber sicher vergammeln. (An dem Standort zeigen sich auch wunderbar die Auswirkungen eines innerstädtischen Tunnels -Rampe).
    Wenn die Gebäude ihren Charakter behalten sollen, dann bleibt eigentlich nur die Weiternutzung, ansonsten müsste zuviel zerschlagen werden.


    4. Konsequenzen: Weiterentwicklung des bestehenden Arreals. Wenn man andere Gebäude bauen kann, dann ja wohl auch neue Verwaltungstrakte. Diese würden dann weiterhin entlang der Konrad-Adenauer-Straße entstehen. Das Gefängnis würde man abreißen und verlegen. Das zentrale Archiv/ Verwaltungsgebäude würde man über Tunnel mit den beiden Altbauten verbinden. Ob man nun in einem riesen Kasten für 2000 Angestellte durch die Gegend rennt, oder durch einen Tunnel zum Gericht ist auch egal. Auf den heutigen Flächen könnte dann wenigsten ein hochwertiger Neubau für Wohnungen entstehen, am besten mit Blick auf einen der Altbauten und Dachterasse. Die Stadt müsste dann versuchen dadurch Aufbruchstimmung im Viertel zu erreichen und eine Wohnnutzung vorschreiben.

  • Schließe mich an: Ich freue mich über die Möglichkeiten, die sich dort auftun! Die beiden schönen Gebäude (die Einzigen!) stehen ohnehin unter Denkmalschutz und werdensicherlich eine gute Verwendung (zB als Hotel) finden.


    Oben in der Adickesallee liegt viel unschönes Gelände brach, das bietet sich hervorragend an, gut zu erreichen und viele Parkplätze können dort auch geschaffen werden.


    Für die östliche Innenstadt kann das ein Glücksgriff bedeuten - vorausgesetzt, die Mischung Wohnen und Läden UND Grün stimmt. Und bitte bitte bitte nicht alles mit Sozialbauten vollpflastern. Dann droht die Ecke noch schlimmer als jetzt zu werden. Ansonsten sehe ich ein Stadtquartier in der Tradition der Berger Straße mit Wohnen und Cafes und allem.


    Ich hoffe sehr, daß sich die maßgeblichen Stellen in Frankfurt dazu duchringen können!!

  • Ich würde mal gerne wissen wer da hinziehen soll wenn da Wohnungen gebaut werden, die östliche Zeil war schön immer ein Problemgebiet. Die Gerichtsgebäude funktionieren sehr gut uns sind übrigens fast alle durch Brücken miteinander verbunden, durch die man sehr schnell in jedes Gebäude gelangt. Das OLG ist luxussaniert worden und eignet sich kaum für eine normale Büronutzung. In die alten Bauten Hotels unterzubringen würde die alten Gebäude zerstören, die alle sehr gut durch den Krieg gekommen sind. Da macht der Denkmalschutz mit Sicherheit nicht mit. Was die Erreichbarkeit angeht, so könnten die Gebäude nicht besser erreichbar sein. Im übrigen macht das Gerichtsviertel nur einen kleinen Teil der östlichen Zeil aus. Die Gegend krankt nicht an den Gerichten sondern am Rotlichtbezirk, an den schäbigen Läden uns dem entsetzlichen Kraftwerk mitten in der Stadt.

  • - War immer, wird höchste Zeit, dies zu ändern.


    - Ein neuer Gerichtskomplex käme vielleicht auch ohne (!) "Brücken" usw. aus - wäre eine Überlegung, huh?


    - Wenn das OLg zB für eine Hotelnutzung vorgesehen ist, so können wir die anfallenden Problem, so denn welche kommen, getrost dem neuen Betreiber überlassen, ebenso wie die anfallenden Kosten.:D


    - Da es unter Denkmalschutz steht, dürfte ja gar nichts grundlegend verändert oder gar zerstört werden. Nicht nachvollziehbar, Deine Befürchtungen.


    - Erreichbarkeit? Ich muss jedenfalls äußerst selten zum Gericht....


    -Das (im übrigen völlig versteckte) Kraftwerkchen an der Stolzestaße ist häßlich, aber nicht häßlicher als viele der heruntergekommenen Wohnbaracken in der Gegend.


    - Und wenn wir schon dabei sind: Wohnbaracken ziehen schäbige Läden nach sich.


    - So geht das. Ich freu' mich schon jetzt auf die Abrissbagger, wie sie bis auf die alten schönen Gebäude alles plattmachen!!!-


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    Bitte kein Zitieren des gesamten davorstehenden Beitrags, siehe auch unsere Regeln. Danke.

  • Ich freue mich immer über direkte Antworten: Offensichtlich habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt. Mein letzter Beitrag bezog sich nicht nur auf das Gerichtsviertel, das nur einen kleinen Teil der Gegend um die östliche Zeil ausmacht. Im übrigen den ansehnlichsten. Von einer Hotelnutzung des OLG war nie die Rede sondern von den Altbauten aus dem 19.Jhdt und aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dass Du äußerst selten zu Gericht musst ist für Dich sicherlich erfreulich, es gibt tatsächlich aber eine Menge Leute die dort täglich hin müssen, weil sie dort beschäftigt sind. Das sind mehrere Hundert Mitarbeiter, ganz zu schweigen von den restlichen Besuchern die mittelbar dort ihre Brötchen verdienen. Das es ein "Kraftwerkchen" an der Stoltzestraße geben soll ist mir neu, auf jeden Fall steht eins an der Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Allerheiligenstraße und es ist auch leider nicht ganz so gut kaschiert. Das ganze Ding sieht von der nördöstlichen Ecke der Konstablerwache ziemlich schäbig aus.

  • Was aus den prachtvollen Justizgebäuden A und B unter keinen Umständen werden darf, voraussichtlich aber werden wird, zeigt ein atemraubendes Beispiel aus München. Hier der von LugPaj eröffnete Thread mit aufschlussreichen Links.


    Das mit dem Heizkraftwerk ist leider nur zu wahr und geht einmal mehr auf das Konto der Mainova, die für eine ziemlich große Zahl abstoßender Bausünden auf dem Stadtgebiet verantwortlich ist (ich denke u. a. an das Umspannwerk Osthafenplatz neben dem Lighttower oder das nahe der Alten Oper, Letzterem steht wenigstens der Abriss bevor).

  • Es sind sogar noch wesentlich mehr Menschen die regelmäßig zum Gericht müssen, Anwälte, Notare, Eigentümer von Immobilien etc. Bei Gericht werden ja auch viele Register geführt, die man regelmäßig einsehen muss.

  • rako


    Ich weiß, ich habe zufällig viel mit Anwälten zu tun, rein beruflich of course.


    An der Adickesallee könnten hunderte von Stellplätzen geschaffen werden.


    Ich stelle mir das so vor: Zur Adenauerstraße hin höhere Blockrandbebauung, die ihrerseits das dahinterliegende Wohn- und Geschäftsviertel (mit Parks und Supermarkt etc) vor zu viel Straßenlärm schützt - das könnte ein rischtisch schnuckelisches Viertel werden!!