Leipziger Wohnungsbau

  • @ Kleist


    Es ist doch ganz normal dass in einer Großstadt nicht überall der gleiche Bauboom herrscht - außer in den chinesischen Groß(Mega)städten oder den UAE wie Dubai.


    Man muss das ganze viel differenzierter betrachten. Das man Plattenriegel aus Grünau heraus nimmt um die hohe Einwohnzahl auf kleinem Raum zu senken hat doch damit nicht viel zu tun. Trotzdem wird in der Südvorstadt, Connewitz, Zentrum-Süd und in Gohlis-Süd relativ zügig Lückenfüllung betrieben. Man wird in Europa und Nordamerika, zum Glück, nie von einem Flächendeckenden Bauboom sprechen können. Zumindest sind diese Zeiten vorbei. Es gibt immer gefragte und weniger gefragte Quartiere. Anders gesagt wirst du mit dem Argument nie von einem hohen Bauvolumen sprechen können.


    @ l´emigrant


    Man baut doch nicht nur der Nachfrage nach sondern bedient sich den noch eher geringeren Grundstückspreisen im Vergleich zu Frankfurt, Düsseldorf oder München. Wenn man jetzt nur für 7 - 8 Euro vermieten kann, wird man das in 5 Jahren vielleicht schon für 10 - 12 Euro.

  • ich halte es für eine sehr erfreuliche entwicklung, dass längst nicht mehr so viele neubauten wie in den 90er entstehen. die wurden damals oft schnell auf billigem bauland errichtet, während in der kernstadt der verfall voran schritt. durch die qualtätvollen sanierungen der gründerzeitviertel hat inzwischen zum glück ein umdenken eingesetzt. besonders die nachwende-wohnparks in randlagen verzeichnen mieter- und mietpreisrückgänge. darum entstehen neubauten heute fast nur noch als lückenschliessungen in altbauquartieren. und dort auch nur, weil (und wenn) sie vorzüge gegenüber ihrer nachbarbebauung wie tiefgaragen, grössere fensterflächen oder individuellere grundrisse aufweisen können.
    auf diese weise sind sie keine konkurrenz zu altbauten, sondern durchaus eine bereicherung für die altbauquartiere. wenn in absehbarer zeit der elstermühlgraben wieder durchgängig freigelegt sein wird, wird man entlang des kanals diese symbiose aus alt und neu am besten erkennen können.

  • ^ Dito. Wir verfolgen die Neubauvorhaben hier ja insbesondere so intensiv, seit es überhaupt Geschosswohnungsbau als Lückenschließung in Altbauquartieren gibt. So etwas war bis vor fünf Jahren quasi non-existent. Meinetwegen kann es auch erst einmal so ruhig bleiben, denn auch wenn wir hier architektonisch vielleicht nicht immer zufrieden sind, ist das meiste, was entsteht, doch zumindest hochwertig. Bei den Stadthäusern sieht es da schon ganz anders aus.

  • ^ Wobei in den 1990er-Jahren ein regelrechter Neubauboom auch in der Kernstadt ausbrach. Dieser dauerte solange an, bis man merkte, dass Leipzig gar nicht boomt, sondern schrumpft und in Folge viele Wohnungen leer standen.


    Dabei wurden z.T. recht außergewöhnliche Neubauten realisiert. Ich bin sonst kein Verfechter der 90er-Jahre-Postmoderne, aber folgendes Gebäude im Musikviertel scheint mir ein würdiger Vertreter seiner Zeit zu sein.

    Bild: Cowboy


    Aber stimmt schon, zwischen 1999 und 2005 wurden im Prinzip keine Geschosswohnungsbauten realisiert. Erst seitdem die Stadt wieder spürbar wächst, kommt erneut Schwung in die Sache.

  • Ergänzung zur #545
    Central Park Residence


    Die Vermietung beträgt laut Bauträger mittlerweile 70%, die Fertigstellung der Villen ist für Juni 2011 geplant.
    Es werden auch definitiv nur noch zwei Villen gebaut, eine dritte, wie ursprünglich geplant, kommt nicht hinzu, stattdessen wird die Fläche für die Außenanlagen mit gestaltet.

  • Rosentalresidenz Leipzig

    Hallo, liebes DAF Forum.


    Nachdem ich hier lange stiller und passiver Mitleser war wirds Zeit auch mal ein paar eigene Photo`s hochzuladen.


    Fangen wir also an.


    Die Baulücke Elsbethstraße 16-20 wurde im Herbst geräumt und wird nun durch einen Neubau geschlossen.


    Bild vom Sonntag:



    Vorzustand:


    http://maps.google.de/maps?f=q…Q&cbp=12,338.49,,0,-12.32


    Google meint dass es sich dabei um die Rosentalresidenz Leipzig handelt.


    Ein erstes (kleines) Rendering sieht man auf der Seite der Huebner Architekten.



    Weitere Informationen sind leider Mangelware.
    Der Bauträger Seniosana gibt auf seiner Homepage eine Kapazität von 42 Seniorenwohnungen und einen Baustart Mitte 2009 an. Die neue Homepage befinde sich im Aufbau *g*


    Die spannende Frage wäre ja ob das ziemlich verfallene Eckgebäude Elsbethstraße 20 (in der Visualisierung ganz links angeschnitten) Teil des Projektes ist oder ob lediglichlich der Neubau dazwischen die zukünftige Rosentalresidenz bildet...

  • ^ Na das sieht doch ganz ordentlich aus. Ich vermute, der Eckbau gehört mit dazu, hier ist nämlich explizit von "Elsbethstr. 16-20 und Lindenthaler Str. 34" die Rede. Die Eröffnung im September 2011 ist aber wohl unrealistisch ;)

  • ^ Jep, die in der Entstehung befindliche Lückenschließung mit ihrer Abstufung zum niedrigeren Eckhaus wirkt sehr solide, um nicht zu sagen: harmonisch. Der Baustart für diese sog. Rosentalresidenz wurde offensichtlich schon mehrfach verschoben, von daher gut, dass dieser jetzt erfolgte, obgleich die Fertigstellung wohl frühestens im Sommer 2012 sein dürfte. Natürlich nicht minder schön die geplante Sanierung des Eckhauses zur Lindenthaler Straße aus. Und dank Gugel Striet Fjuh weiß man jetzt immer gleich, wo auch die kleinen Projekte der Stadt erfolgen.

  • Das wohl zeitlich in Verzug geratene Wohnheim für Medizinstudenten der Uniklinik scheint nun konkret zu werden, zumindest hat der Projektentwickler, die Casa Concept, für den geplanten Lückenschluss in der Sternwartenstraße im Oktober letzten Jahres die Baugenehmigung eingereicht. Die ca. 80 Appartmentwohnungen sollen für ca. 300 Euro kalt vermietet werden.


    Es gibt auch neue Entwürfe zu diesem Projekt. Markant bleibt weiterhin der Abstand zwischen Lochfassade und Gebäude, der mittels sog. Laubengänge ausgefüllt wird. Aus heutiger Sicht sehr gewöhnungsbedürftig finde ich die konsequente Verwendung von Sichtbeton bis in die Wohnbereiche.


    Visualisierung der Straßenfassade



    Ebenso wenig verheißungsvoll die Rückseite



    Visualisierung der Laubengänge




    Studentenbude oder schon Jugendarrest?

    Bilder: Casa Gobau






    An der Ecke Ferdinand-Rhode-Straße/Haydnstraße wird demnächst ein drittes Stadthaus mit dem Projektnamen Duo Cube errichtet. Auch wenn der Name angesichts der folgenden Visualisierung verwirren mag, das Gebäude stellt ein Eckdoppelhaus dar. Für den Entwurf zeichnet (sich) das Leipziger Büro Auspurg, Borchowitz + Partner verantwortlich.




    Bilder: Auspurg, Borchowitz + Partner

  • diese ganze schön wetter architektur .... bei strahlendem sonneschein und perfektem lichteinfall, hat es aus künstlerischer sicht schon seine seiten, die man unter umständen als positiv bewerten könnte. aber irgendwie hab ich den eindruck, dass die (zum teil realitätsfremden) architekten alle in der karibik wohnen, und nicht wissen, dass es in leipzig ab un zu mal schmuddelwetter gibt. un wenn es draußen schon nass un grau ist, dann würde ich drin, in so einem grauen betonbunker, wirklich nen klapps kriegen. da muss man doch depressiv werden.

  • Also bei der Ferdinand-Rhode-Straße 26 hatte mir der bisherige (auch am Grundstück beworbene) Entwurf von königwanderer Architekten besser gefallen:



    Quelle: königwanderer Architekten


    Beim Medizinerwohnheim in der Sternwartenstraße finde ich das Sichtbetonparadies auch ziemlich krass, auch wenn die Lochfassade mit den Laubengängen eigentlich ganz interessant ist. Ich kann mir momentan nicht so richtig vorstellen, dass das in der Form genehmigt wird. In dem Zusammenhang hoffe ich, dass die gegenüber stehenden Plattenbauten keinen Einfluss auf eine solche Entscheidung haben.

  • Das Wohnheim für Medizinstudenten und die Ecke Ferdinand-Rhode-Straße/Haydnstraße, besonders in der Version der königwanderer Architekten, eignen sich perfekt als Kulisse für ein Remake von Uhrwerk Orange oder auch Fahrenheit 451. Als angsterfüllte Vision der Zukunftswelt sind sie ideal. Als ein Zuhause völlig inakzeptabel.

  • ^ willkommen im forum,
    allerdings denke ich nicht, dass du dir dieses urteil erlauben kannst.


    beim eckhaus ferdinand-rhode-strasse/haydnstrasse wäre vor allem ein vergleich der grundrisse der beiden entwürfe interessant. und wie es zu diesem wechsel kam.

  • @ JConly: wenn solche Stadthäuser als Zuhause völlig inakzeptabel wären, würden sie zum Einen kaum gebaut werden und zum Anderen keineswegs die für Leipziger Maßstäbe hohen Preise erzielen. Andersherum wird ein Schuh daraus: eben weil der Wohnqualität so viel Raum beigemessen wird, fällt die Darstellung nach außen oft dagegen ab. Wo dies bei den gezeigten hochwertigen Entwürfen der Fall ist, die zumal auf einem Karree entstehen, bei dem seit jeher Konsens ist, es modern zu bebauen, erschließt sich mir allerdings auch nicht ganz.

  • Der Titel des "Wohnheims für Medizinstudenten" sagt mit MEDSPACE eigentlich schon alles. Sieht ziemlich SPAC(E)IG aus, was die Straßenfassade betrifft, oder einfach nur nach Lochkäse. :D Auch bei der Hoffassade gebe ich DenkMal recht, auch wenn sie besser aussieht, als die Straßenfassade.


    Die Idee zwischen Fassade und den Wohnräumen mit den Laubengängen finde ich gut, gefällt mir sehr. Erinnert mich irgendwie auch an das Innere des Museums für bildende Künste Leipzig. Das Studentenzimmer selbst, ein reiner Betonbunker.


    Der Entwurf der neuen Stadtvilla im Musikvietel finde ich neben den zwei weiteren, schon existierenden Villen, ganz passend. Vielleicht wird der Entwurf von "königwanderer Architekten" an anderer Stelle dieser Fläche realisiert.


    P.S. Dankeschön, Cowboy, für die beiden Funde.

  • Die Idee zwischen Fassade und den Wohnräumen mit den Laubengängen finde ich gut, gefällt mir sehr.


    Ist doch aber gerade in Verbindung mit der fensterlosen Fassade in unseren klimatischen Breiten völlig unangemessen. Im dahinterliegenden Treppenhaus, hier Laubengänge genannt, verfangen sich Wind, Regen und Schnee. Bei so einem Winter wie letzten Monat türmt sich der Schnee direkt vor den Wohnungstüren der Studenten und Fließen im Treppenhaus, wie auf einer der Visualisierungen zu sehen, halte ich aufgrund der drohenden Nässe auch für reichlich unangebracht. Sicher, man kann dem geplanten Neubau, auch wenn er hier und woanders nicht auf große Zustimmung stößt, nicht vorwerfen, dass er banal sei, aber ich frage mich zudem, wer dort für 300 Euro kalt pro Bude einziehen soll. Der einzige Vorteil scheint mir in der unmittelbaren Nähe zur Uniklinik zu liegen. Aber wenn schon: Die gerade bei Studenten beliebten Gründerzeitstadtteile Stötteritz und Reudnitz-Thonberg (also da, wo uns User Riesz netterweise immer mit aktuellen Fotos versorgt) liegen nur zwischen 5 und 15 Minuten mit dem Fahrrad entfernt, wo man in einer WG für weit weniger Geld in hochherrschaftlichen Gründerzeitwohnungen wohnen kann. Ich sehe deshalb auch von wirtschaftlicher Seite her keinen Bedarf für ein solches Wohnheim.


    Der geplante Kubus im Musikviertel sagt mir schon eher zu. Nicht, weil ich ein Fan von Kuben bin, aber die Architektur ist erstens urban und passt zweitens zu den zwei banachbarten Stadthäusern. Das finde ich allemal besser als banale Vorstadtbebauung in die Großstadt zu holen, wie in Hannover geschehen. Das ganze brach liegende Feld sollte ja ursprünglich m.W. mit Stadthäusern gefüllt werden. Das geht reichlich schleppend voran. Ich denke, entweder sind die Grundstücke dort inzwischen zu teuer oder die Stadt ist von diesem Plan abgerückt. Der Leipziger Wohnungsmarkt befindet sich ja bekanntlich im Wandel und diese Brache im Musikviertel ist schon jetzt prädestiniert für Geschosswohnungsbau.

  • Noch nicht erwähnt wurde, dass Sichtbeton zumindest für Außenfassaden einfach ungeeignet ist. Das sollte man seit den 1970ern eigentlich gerlernt haben. In 10 Jahren sieht das Gebäude dann so versifft aus, dass man es verkleidet oder mit irgendeinem knalligen Anstrich versieht. Ich gebe zu, dass die Visualisierung v.a. der Straßenfassade durchaus ihren hippen Reiz hat, aber es handelt sich hier ja um ein Gebäude, in dem Menschen leben sollen, und nicht um ein Kunstwerk, das im Museum im Glaskasten steht. Das scheint den Architekten irgendwie entgangen zu sein.


    Zu den praktischen Unmöglichkeiten hat Cowboy eigentlich schon alles gesagt. Hinzufügen könnte man noch, dass die Innentemperaturen im Hochsommer ohne Klimaanlage kaum erträglich sein dürften.

  • Cowboy - Ist doch aber gerade in Verbindung mit der fensterlosen Fassade in unseren klimatischen Breiten völlig unangemessen. > Da hast Du Recht. Vielleicht werden noch Fensterscheiben eingesetzt. Ich frage mich nur, wenn die Straßenfassade keine Fenster besitzt, warum dann eine Tür mit Glasscheiben. Falsch ist es ja nicht. Angst, das jemand unerlaubt ins Haus kommt? Da kann man auch durch's erste Fenster springen.

  • ob sich die casa concept vorher einmal mit ein paar studentenumfragen oder wenigstens beim studentenwerk informiert haben, bevor sie solch ein ungetüm in auftrag geben? damit ist doch die sanierungstätigkeit der beiden nachbargebäude ad absurdum geführt.

  • wahrscheinlich wird das ding sogar das ergebnis von studentenumfragen sein. immerhin gab es doch keine kooperation von architekturstudenten der htwk noch noch einem anderem fachberein (angewandte sozialkunde oder so was feingeistiges) mit dem ziel, zu ermitteln, welche bedürfnisse studenten an ihre unterkunft stellen. ^^


    so fensterlos kann die fassade auf keinen fall bleiben, zumindest in den unteren 4 metern. einbrüche in studentenwohnheime sind momentan wieder groß in mode. erst letzte woche traf es einen bekannten in der straße des 18. oktobers.