Hier ist ja ständig nur von Verschiebungen die Rede. Wie sicher ist denn überhaupt, dass es mal so kommt? Wäre wirklich schade, wenn das Projekt ganz sterben sollte.
Gestern dämmerte mir eine mögliche Ursache für die letzte Verschiebung des Projekts: in den beiden auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindlichen Neubauten des Quartiers am Auswärtigen Amt ist offenbar noch absolut überhaupt nichts vermietet. Nur im Hotel ist etwas Leben, aber naja.
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Eingestellte Bilder sind von mir
Im "Nachbarthread" berichtete ich vor kurzem über die beginnenden Bauarbeiten für dei geplanten Straßen um die Friedrichswerdersche Kirche. Heute ist in der Mopo zudem noch ein Artikel über das Projekt "Falkoniergasse" erschienen. Dieses heißt jetzt "Kronprinzengärten" und soll nach Beendigung der Straßenarbeiten vorraussichtlich ab März 2011 realisiert werden. Allerdings scheinen die alten Entwürfe Makulatur zu sein denn wie die Mopo schreibt, habe der Investor Bauwert einen Wettbewerb für die Wohnbauten ausgerufen bei dem man die vorliegenden 21 Entwürfe nun sichten würde. Dabei orientiere man sich ingesamt an historischen Aufnahmen der Falkoniergasse. Man wolle voraussichtlich sechs oder sieben Architekten verpflichten um einen individuellen Charakter der Häuser zu ermöglichen. Die Entscheidung falle in den nächsten Wochen.
Ach, schade, dass aus der Falkoniergasse nichts wird - aber irgendwie war's ja abzusehen. Also andererseits vielleicht doch nicht schlecht, dass endlich was passiert.
__________________ "Manchmal ist es besser, durch Schweigen den Eindruck von Inkompetenz zu erzeugen, als durch Reden jeden Zweifel daran zu beseitigen."
Lisa Simpson
Nach allem was man da nun lesen konnte ist es kein großer Verlust, da ja seitens der Stadt und der Planer sehr auf Parzellierung und Kleinteiligkeit geachtet wird. Es findet ein entsprechender Wettbewerb statt und es wird einen höheren Wohnanteil geben anstatt Gewerbe und Büros. Warum also über vergossene Milch weinen wenn die Sahne serviert wird? ;-)
Aber warten wir mal ab was noch kommen wird. Die Grundlagen sind geschaffen und die klingen vielversprechend. Und vor allem : Es geht wirklich los !
Gott sei Dank bleibt uns die Falkoniergasse in der geplanten Form also erspart. Die Ankündigungen bzgl. der Überarbeitung der Pläne lässt aber kaum Gutes zu hoffen - offenbar historisierender Kitsch B statt historisierender Kitsch A...
"Historisierender Kitsch" - Künstlerisch anspruchslose Architektur, deren Zielsetzung vor allem darin besteht, etwas oberflächlich Hübsches, Entzückendes zu schaffen und sich zur Erreichung dieses Ziels (Bzw. aufgrund von Einfallslosigkeit und künstlerischer Impotenz des Architekten) eines eklektizistischen Mischmaschs zusammengeworfener Einzelteile verschiedener historischer Baustile bedient, deren Möglichkeiten bereits in einer vergangenen Epoche ausgeschöpft wurden, sodass mit ihnen keine neuartigen, innovativen Effekte mehr zu erzielen sind. Entscheidend für den Erfolg solcher Architektur ist der Anspruch, dass für ihr Verständnis und ihre Wertschätzung kein intellektueller Prozess, keine intensive Auseinandersetzung notwendig ist, sondern jede Hausfrau nach zwei Sekunden ausrufen kann "Ach, ist das aber reizend!". Besonders stark ausgeprägt waren diese Merkmale in der minderwertigen, historistischen Gründerzeitarchitektur des späten 19. Jahrhunderts. Falkoniergasse und Co fügen sich da nahtlos ein.
Zitat:
Objektbezogene Kritik ? Details?
1.) Wie ich schon im Frankfurt-Forum ausführte: Kleinteiligkeit ist im Zentrum einer modernen Millionenstadt völlig fehl am Platze, sie behindert die Funktionsfähigkeit und Effizienz der innerstädtischen Strukturen.
2.) Die historisierenden Dekorationselemente sind seit ungefähr 200 Jahren ausgelutscht und bis zum Überdruss verbraucht, damit ist nichts Innovatives und Neuartiges zu schaffen, sondern nur die tausendste Kopie der Kopie der Kopie der Kopie der...
3.) Die Gebäude sind für ihre zentrale Lage viel zu niedrig (Vielen Dank an die idiotische Berliner Traufhöhenverordnung...).
4.) Allem Anschein nach wird alles, was sich in den Gebäuden ansiedeln mag, dem obersten Preissegment angehören, das bedeutet - die Münchener Lenbachgärten lassen grüßen - meistens absolute Sterilität und Leblosigkeit. Ein weiteres Stück toter Stadtraum erwartet uns.
5.) Die Eintönigkeit von Kubatur und Farbgebung langweilt zu Tode.
^ Dir ist aber schon klar, dass dort die Friedrichswerder'sche Kirche sowie künftig die Schninkel'sche Bauakademie stehen, die einen gewissen Rahmen vorgeben? Mit welcher Begründung willst du an dieser Stelle Großstrukturen hinklotzen, die es in der weiteren Umgebung schon zur Häufe gibt?
Mit einigen deiner Kritikpunkte kann man vielleicht teilweise mitgehen, nur solltest du dann auch Alternativen bieten können. Großstrukturen, die die Berliner Traufhöhe sprengen sind es jedenfalls nicht.
Noch ausgelutschter als historische Dekorationselemente ist m.E. weiterhin das pseudointellektuelle Verlangen, dass nur Architektur, mit der man sich intensiv auseinandersetzen muss, gute Architektur ist. Der Drops sollte seit den 80ern gelutscht sein, weniger ewiggestrig als du selber Fans historisierender Architektur siehst, wirkst du damit auch nicht. Vor allem haben diese hochintellektuellen Architekturen bisher meist selber tote Stadträume geschaffen.
Ein wenig mehr solltest du inhaltlich also schon zu bieten haben, wenn du hier nicht hauptsächlich als Troll wahrgenommen werden willst.
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So vor 15 Jahren.Hier ein Bild vom Bau des Außenministeriums. So wie ich das sehe wird hier ein Stück Stadtreparatur betrieben die durch Krieg und dem seit 1995 abgerissenen langgezogenen Hochhaus des DDR Außenministeriums mehr als nötig ist. Ich kann auch nicht erkennen, dass die Funktionsfähigkeit der Stadt durch Wiederherstellung der alten Stadtstruktur an dieser Stelle in irgendeiner Weise geschädigt wird.
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Ich kann Deine Kritik nicht nachvollziehen. Warst Du überhaupt schon einmal dort? Ich empfinde die sich anbahnende Lösung als die bestmögliche. Natürlich kann es nicht original und in diesem begrenzten Sinne authentisch sein - aber deswegen ein krasses Gegenextrem zu fordern ist mE im Kontext der existierenden Bebauung kaum haltbar. In diesem Sinne schließe ich mich den meisten meiner Vorredner an. Wie der MOPO Artikel auch schreibt, bleibt nur noch zu hoffen, dass auch die Bauakademie wiederkehrt und von mir aus gerne auch das Stadtschloss. Aber das sind wieder zwei andere Threads
"Kleinteiligkeit ist im Zentrum einer modernen Millionenstadt völlig fehl am Platze, sie behindert die Funktionsfähigkeit und Effizienz der innerstädtischen Strukturen."
Da hat nun jemand aus den letzten 100 Jahren gar nichts gelernt.
Was soll denn das bedeuten? Endlich mal wieder großmaßstäblich hinklotzen wie Scharoun oder Hilbersheimer, oder? Am besten noch als Gebäude-Grundriß die eigenen Initialen (wie H.), aber besser endlich ein Hochhaus an die Linden, gell? Und natürlich wieder die funktionsgetrennte Stadt und endlich mal wieder große, große Straßen für unsere automobile Zukunft.
Mann-o-mann. Das es solche Leute noch gibt...
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Kunst soll die Menschen berühren, nicht unterhalten (Kurt Masur)
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Künstlerisch anspruchslos ist so ziemlich jede architektonische Strömung in heutiger Zeit. Zugegeben: Bei historisierenden Neubauten fällt dieses Defizit am meisten auf und entlarvt die vorherrschende Stümperhaftigkeit unserer Tage.
Bei historisierenden Neubauten kommt es also vor allem auf alte Proportionen und Harmonien sowie Qualität im Detail an. Warten wir also erstmal ab, wie gut oder schlecht die Ausführung der Falkoniergasse wird, bevor PER SE abgelehnt wird
Bei den nahegelegenen Townhäusern gibt es eine ganze Reihe sehr gelungener Beispiele mit historisierender Optik, ohne altbacken, spießig, verbrecherisch oder sonstwie negativ auszusehen.
Die Welt hat sich verändert, es gibt gute historisierende Architektur (wobei moderne Bauhauskisten selbst historistisch sind) - mach einfach die Augen auf!
Besonders interessant finde ich, dass es verwerflich zu sein scheint sich der Stilelemente einer vergangenen Epoche zu bedienen bzw. Gestaltungselemente aufzugreifen, welche bereits andere verwendet haben !
Dies negiert die Sinnhaftigkeit und Qualität ganzer Architekturepochen und wirft den gesamten Historismus über den Haufen - und zwar pauschal ! Wo sich doch gerade die gründerzeitlichen Stadtquartiere allerhöchster Beliebtheit erfreuen.
Dies ist weder der Versuch eine Lanze für den Historismus zu brechen, noch die pauschale Befürwortung und Unterstützung für bestimmte Architekturstile oder einzelner Elemente. Aber der Grundsatz, dass Architekten nur Dinge bauen dürfen, die kein anderer vorher so erbaut hat und auch die Verwendung bewährter Stilelemente stringend abzulehnen ist schlicht nicht diskutabel, da auch historisch in keinster Weise jemals so erfolgt und auch nciht sinnvoll.
Immer haben sich Architekten der Stilemente ihrer Vorgänger bedient und diese weiterentwickelt oder eben auch die Weiterenttwicklung in dem Sinne betrieben neue Elemente zu erdenken und zu reduzieren. Skulpturale Bauwerke mancher Zunftangehörigen wie Gehry etc. wirken ja nur dadurch, dass es diese Entwicklung so gibt ! Wie sollte man sich sonst von etwas abheben können ? Und selbst Gehry wird ja aufgenommen und sein skulpturales, dekonstruktivistisches Denken fortgeführt.
Die Argumentation eliminiert sich also selbst was deine Doktin betrifft. ( @ gardelon )
1.) Wie ich schon im Frankfurt-Forum ausführte: Kleinteiligkeit ist im Zentrum einer modernen Millionenstadt völlig fehl am Platze, sie behindert die Funktionsfähigkeit und Effizienz der innerstädtischen Strukturen.
Ich bin erstaunt heutzutage tatsächlich noch jemanden anzutreffen, der die stadtplanerischen Entgleisungen des vergangenen Jahrhunderts glorifiziert.
Wahrscheinlich ist dir garnicht bewusst, dass es sich hier nicht um eine 'moderne Millionenstadt' handelt, sondern um eine über Jahrhunderte gewachsene Struktur. Ersteres findest du bestenfalls noch im arabischen Wüstensand, letzteres in Europa. Leider haben ein paar Ereignisse in der Vergangenheit zu mutwilligen und weiträumigen Zerstörungen geführt. Dies zu korrigieren und der Stadt wieder ihr Gesicht zurückzugeben ist die vordringlichste Aufgabe unserer Zeit.