PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dresden: Waldschlösschenbrücke [realisiert]


vondraussen
10.08.06, 11:14
Hallo, ich dachte, ein Forum zur Diskussion um das Weltkulturerbe des Elbtals und der Waldschlößchenbrücke wäre ganz interessant. Genau darum geht es in einem heutigen Artikel der FAZ, die sich aber eher mit juristischen Fragen auseinandersetzt. (http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E15A80CB3DF9F456981BCD428EEDD60 3C~ATpl~Ecommon~Sspezial.html)

Wie seht Ihr die Sache denn von der Stadtentwicklung her? Meine Meinung dazu ist, dass bei meinem letzten Dresdenbesuch alle Brücken eigentlich immer ziemlich leer waren. Als ich zum ersten Mal von den Plänen der Waldschlößchenbrücke hörte, habe ich mich deswegen gewundert, warum man einen so schönen Park durch eine Brücke kaputtmachen will.

Ich denke Brücken sind auch sehr laut. Die Düsseldorfer Rheinbrücke ist schrecklich laut, macht gar keinen Spass, von der Altstadt zum Medienhafen zu laufen, und dadurch geht der Bezug der zwei Stadtquartiere meiner Ansicht nach verloren.

semper
12.08.06, 17:59
Tja, hier haben sich die Dresdner für ein Bauwerk entschieden, dass gegen die Auflagen der Unesco verstößt. Mir ist auch schleierhaft, warum man hier einen so schönen Landschaftspark kaputt machen will, mit einem Bauwerk, dass höchstens einmal seinen Zweck erfüllen wird, wenn Deutschland mal wieder eine WM ausrichtet oder wenn Dresden unerwarteter Weise die Touristenzahlen von Paris und Nizza sprengen sollte. Deshalb ist die Frage, ob diese Brücke wirklich nötig ist mehr als berechtigt. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Unesco den Welterbestatus aberkennt, falls sich Dresden für den Brückenbau entschiedet. Die Dresdner sollten deshalb vor einen neuen Bürgerentscheid gestellt werden: "Waldschlösschenbrücke oder Weltkulturerbe". Ansonsten darf man nur darauf hoffen, dass Berlin regulierend eingreift.

Gruß

semper

Manuel
12.08.06, 18:31
Aber soll es wirklich in Ordnung gehen, dass die Unesco hier bestimmt, was gebaut wird und was nicht? Sollen wir akzeptieren, dass die Unesco den Status aberkennt, weil eine Blickachse verändert wird?

Und bitteschön: Es gab eine Volksabstimmung und eine klare Mehrheit für den Bau der Brücke. Wie kann es angehen, dass nunmehr über den klar formulierten Willen der Bevölkerung, des Souveräns, hinweg entschieden, das Ergebnis ignoriert wird?

Diese Brücke ist vermutlich unsinnig, muss dann auch nicht gebaut werden und entsprechend kann man auf den ganzen Konflikt wohl verzichten. - Das ändert aber nichts am m.E. mehr als zweifelhaften Auftreten der Unesco. Keiner weiteren Deutschen Stadt oder Region kann empfohlen werden, sich bei der Unesco auf die Liste setzen zu lassen. Seitens Landes- und Bundespolitik sollten solche Bestreben sogar unterbunden werden.

LugPaj
12.08.06, 19:00
@manuel, mit der Unesco gebe ich dir schon recht. Aber das mit dem Volksentscheid will ich nicht nachvollziehen. Es ist ziemlich fraglich, ob die Buerger genauso abgestimmt haetten, wenn sie ueber die ganzen Konsequenzen des projekts gewusst haetten. Deshalb faende ich es nun auch falsch, diesen Volksentscheid nun blind durchzusetzen.

Manuel
12.08.06, 19:10
Er wird ja vermutlich auch nicht durchgesetzt. Trotzdem stellt sich aber die Frage, ob der Bürger nun mündig ist oder nicht. Ist er es, müsste dieser Volksentscheid eigentlich gelten. Die Bürger mal auf Probe wählen zu lassen, solange an die Urne zu schicken, bis das Ergebnis passt oder bis man sicher sein kann, dass sie das auch wirklich wollen, was sie gewählt haben, geht eigentlich nicht.

Streng genommen muss es also heißen: Der Souverän hat entschieden und nun wird es auch so gemacht.

Aber sei´s drum, darum gehts hier ja auch nicht.

Ich behaupte einfach mal, dass es nicht sehr viele Länder auf der Welt gibt, die mehr für den Schutz heimischer Denkmäler machen, als wir. Und wir brauchen keine UNO-Architekturfriedenstruppe, die für uns die Entscheidungen trifft, bzw. regelrecht zum vermeintlich eigenen Wohle erpresst.

Diese Brücke hätte eine Blickachse beeinträchtigt. So zu tun, als ob das gesamte Stadtbild ganz Dresdens damit unwiederbringlich zerstört wäre, ist zudem maßlos übertrieben.

semper
12.08.06, 21:40
@manuel

erstens muss hier mal klar gestellt werden, dass es richtig ist, dass das Volk sich für die Brücke entschieden hat. Nach den neuesten Umfragen, nachdem das Volk jetzt die Konsequenzen kennt, ist die Mehrheit jedoch nun gegen die Brücke. Doch Bürgermeister und auch Landespolitiker wollen weder den geänderten Willen des Volkes noch den Beschluss des Stadtrates akzeptieren.

Zur Unesco muss man sagen, dass nicht etwa die Dresdner Altstadt, Zwinger oder Semperoper den Welterbetitel tragen, sondern einzig und allein das Elbtal und dieses wird eben durch die Brücke entstellt. Hier eine Brücke bauen zu wollen ist als ob man die Bamberger Altstadt abreist und sich dann wundert, dass die Unesco den Weltkulturerbetitel aberkennt.

Gruß

semper

Manuel
13.08.06, 13:11
Eben, nachdem das Volk die Konsequenzen kennt will es nun doch nicht. Aber dabei geht es nicht darum, dass das Elbtal verändert wird (das war von vornherein klar), sondern darum, dass die Unesco sagt, ihr habt falsch gewählt und wenn ihr das umsetzt werden wir Euch bestrafen.

semper
14.08.06, 09:46
natürlich geht es darum, dass das Elbtal verändert wird und zwar einzig und allein darum! Die Unesco sagt nicht, dass das Volk falsch gewählt hat, sie sagt nur, dass diese Entschiedung nicht mit den vertraglich festgelegten Bedingungen (die die Stadt Dresden liebendgern unterschrieben hat) übereinstimmt. Wie bei jedem Vertrag, der gebrochen wird ziehen die Vertragspartner die Konsequenzen. Die Beförderung des Elbtals auf die Rote Liste ist der Warnschuss, den Vertrag nicht zu verletzten. Der Unesco kann man hier wirklich keine Schuld geben. Das Volk hätte vorher schon von den Politikern ausreichend über jegliche Konsequenzen informiert werden müssen. Wie man aber jetzt sieht hat die Politik wohl gar kein Interesse am Volkswillen, noch am Weltkulturerbestatus!

Gruß

semper

Manuel
14.08.06, 10:28
Nein Semper, für so dumm halte ich die Dresdner nicht. Die haben von Anfang an gewusst, dass eine Brücke durch das Elbtal selbiges natürlich verändert. Ist ja wohl auch logisch. Trotzdem haben sie mit ja gestimmt. Nachdem die Unesco dann angefangen hat, die Stadt zu erpressen, haben die Dresdner es sich anders überlegt. - Die Unesco ist also das einzige Organ, dass legitim über der Demokratie steht.

Früher oder Später wird die erste Deutsche Stadt ihren Status aufgeben. Das ist dann ein sehr guter Tag für das Land.

CityHai
14.08.06, 18:04
Im Dresdner Rathaus ist das Thema längst zur Posse verkommen. Jetzt soll wieder mal abgestimmt werden. Ist ja auch am einfachsten. Man lässt die Bürger so lange wählen bis man in der Politik das Ergebnis hat, das man sich wünscht. Wieso dann überhaupt die Bürger entscheiden lassen was mit ihrer Stadt passiert? Die Dresdner sollten erneut geschlossen für die Brücke stimmen und der Unesco die Grenzen aufzeigen. Es darf einfach nicht sein das eine weltfremde Organisation deren Nutzen durch den Titel Weltkulturerbe mehr als fraglich ist, zum permanenten Vernichter der Zukunft Deutscher Städte wird!
Liebe Dresdner - jagt die Unesco da hin zurück wo sie hergekommen ist. Einzige Alternative wäre die Unesco selbst - diese wichtige Institution der Welt und Inhaber alles Wissens kommt selbst für die Mehrkosten eines Tunnelbaus auf. Dann könnte man reden. Vorher nicht.

rec
14.08.06, 23:39
Etwas merkwürdige Diskussion hier.

Erstens ist es doch wohl so, dass der Bürgerwille bei politischen Entscheidungen der Stadt Dresden bisher keine große Rolle gespielt hat. Ein Bürgerbegehren mit dem Ziel der Einhaltung der Gestaltungssatzung am Neumarkt, für das die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden über 60.000 Unterschriften gesammelt hat, wurde einfach vom Tisch gefegt, wohl in der nicht irrigen Annahme, die GHND habe sowieso keine Mittel für einen Rechtsstreit. Sich jetzt also bei diesem Brückenprojekt seitens der Stadt auf den Bürgerwillen zu berufen, ist grotesk. Der Bürgerwille findet ganz offensichtlich nur dann Beachtung, wenn er mit dem politischen Willen in Einklang steht.

Zweitens, die Stadt schmückt sich gern mit dem Titel des Weltkulturerbes für das Elbtal. Nun muss man einsehen, dass dieser Titel kein Selbstläufer ist, sondern Verantwortung verlangt. Während man beim Hochhausstreit in Köln noch eine gewisse Inkonsequenz in der Haltung der Unesco ausmachen konnte, trifft das in diesem Fall nicht zu. Wenn die Elbauen unmittelbar zum Weltkulturerbe gehören, kann man nicht einfach eine Brücke durchbauen.

sebastian c
15.08.06, 00:40
@CityHai

Also für eine eher unnötige Brücke stimmen; einfach nur "aus Prinzip" um die Unesco zu verjagen? Finde ich ziemlich absurd..wenn die bestehenden Brücken (soweit ich weiß 4 Stück in der City) ausreichend sind warum dann die Konfrontation suchen, viel Geld ausgeben und Park plus Talansicht zerstören?

rako
15.08.06, 10:01
Die Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Starrsinn ist oft fließend und in Dresden leider längst überschritten. Die Unesco hat in ihrer Entscheidung nicht generell gegen einen Brückenschlag entschieden, sondern nur gegen den beabsichtigten Entwurf, der an Grobschächtigkeit nicht zu überbieten ist. Leider verwechseln die Dresdner in diesem Falle Bürgersinn mit Wagenburgmentalität und verkennen, dass Dresdens einzig ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor der Tourismus ist (das bisschen IT-Technologie drum herum trägt jedenfalls nicht eine Wirtschaftsregion). Insoweit war man dabei sich aus falsch verstandener Eitelkeit den Ast abzuschneiden auf dem man sitzt. Die Notwendigkeit einer weiteren Elbquerung ist durchaus vorhanden. Zwei Möglichkeiten stehen nun zur Verfügung. Entweder man erarbeitet einen neuen Entwurf in Abstimmung mit der Unseco, der den ästhetischen Erfodernissen der Kulturlandschaft Elbetal genügt oder man baut einen Tunnel unter der Elbe. Leider sind die Fronten verhärtet und die Dresdner Volksseele folgt schon lange nicht mehr dem gesunden Menschenverstand.

CityHai
15.08.06, 10:08
Also für eine eher unnötige Brücke stimmen; einfach nur "aus Prinzip" um die Unesco zu verjagen?

Das sehen die Dresdner aber ganz anders sebastianc. Die aktuelle Verkehrslage in Dresden ist schlicht katastrophal. Ewige Staus zu den Stosszeiten belegen dies. Eine Berechtigung für den Bau ist klar vorhanden, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Viel wesentlicher fallen mir folgende äußerst fragwürdige Umstände ein, die mit Sicherheit der Diskussion bedürfen:

- Hat der Unesco Titel einen Nutzen für Dresden?
- Wieso lässt man die Bürger erneut abstimmen?
- Wer kommt für die Mehrkosten eines evtl. Tunnels auf?
- Hat die Unesco das Recht sich permanent als Verhinderer wichtiger Projekte vor allem in Deutschland wohlgemerkt zu präsentieren?
- bisher konnte die Unesco nur verhindern - doch das wird der Realität nicht gerecht. Wo sind die bezahlbahren alternativen Vorschläge der Unesco?

Manuel
15.08.06, 11:43
und verkennen, dass Dresdens einzig ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor der Tourismus ist (das bisschen IT-Technologie drum herum trägt jedenfalls nicht eine Wirtschaftsregion).

Tatsächlich? Dresden lebt vom Tourismus und sonstige Technologiefirmen in und um Dresden sind ein Zubrot? Oder ist es nicht vielmehr umgekehrt? Da solltest Du Dich vielleicht noch einmal informieren.

vondraussen
15.08.06, 11:51
Ich verstehe die Diskussion nicht. Wenn die UNESCO sagt, dass mit Brücke das Elbtal kein Weltkulturerbe mehr sein wird, dann ist das doch OK. Wenn die Bürger nun entscheiden, dass ihnen das das Weltkulturerbe nicht so wichtig ist, sondern sie lieber die Brücke haben wollen, dann ist das doch auch ok. Wo ist das Problem?

Ich möchte mal von dieser Diskussion etwas wegkommen. Es ist denke ich fatal zu glauben, immer mehr Strassen bringen mehr Wachstum. Dem ist nicht so. Ich lebe hier in der reichsten Stadt Europas (London) und die Verkehrsverhältnisse sind grotesk. Neulich stand ich um Mitternacht in einem 5km Stau, sowas kann auch schon mal um 2h morgens passieren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt glaube ich unter 10km/h in der Stadt. Es könnte einen oft zur Weissglut bringen, es gibt einfach nicht genug Strassen, keine Tunnels, zuwenig Brücken. Dem Wohlstand tut das überhaupt keinen Abbruch, wirklich null.

Dass Dresden sich durch die WBrücke entwickeln wird, kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil. Schnelle Erschliessung des Umlands führt nur dazu, dass mehr Leute nach draussen ziehen, und so verlieren die Städte an Attraktivität (ist meiner Ansicht nach ein Problem in Frankfurt). Lieber den Verkehrsfluss einschränken, dann müssen die Bürger stadtnäher wohnen und die Städte werden belebter.

CityHai
17.08.06, 14:30
Es ist denke ich fatal zu glauben, immer mehr Strassen bringen mehr Wachstum.
Schnelle Erschliessung des Umlands führt nur dazu, dass mehr Leute nach draussen ziehen, und so verlieren die Städte an Attraktivität (ist meiner Ansicht nach ein Problem in Frankfurt). Lieber den Verkehrsfluss einschränken, dann müssen die Bürger stadtnäher wohnen und die Städte werden belebter.

Sorry, ich respektiere deine Sichtweise aber bei diesen Argumenten kann man ziemlich leicht gegensätzlicher Meinung sein.
Niemand behauptet das es bei der WBrücke um Wachstum geht. Es geht darum die bestehenden meist historischen Brücken im Innenstadt Bereich zu entlasten. Tägliche Kilometerlange Staus zu den Stosszeiten sprechen eine eindeutige Sprache und genügen als Argument für den Bau einer weiteren Brücke. Diese Brücke wird kaum dafür sorgen das die Dresdner ihre schöne Stadt verlassen werden. Im Gegenteil. Sollte der Verkehrsfluss endlich angemessen laufen können, wird das sich positiv auf die Innenstadt auswirken und auch auf die dort gelegenen Wohnungen. (Lass uns schnell in der Innenstadt was einkaufen, dauert ja nicht länger als zum Grossmarkt auf der grünen Wiese)
London kann man wirklich in keinster Weise mit Dresden vergleichen. Das fängt bei der Struktur an (London besteht aus etlichen eingenständigen Städten mit der Grösse Dresdens) und zweitens ist ein Nahverkehrsnetz wie in London undenkbar in einem "Städtchen" wie Dresden. zum Autoverkehr gibt es in den meisten Deutschen Städten keine Alternativen da diese nicht finanzierbar sind.

rec
21.08.06, 06:16
Virtueller Flug entlang der Elbe. Vermittelt auch einen sehr guten Eindruck von Lage und Wirkung der geplanten Waldschlösschenbrücke:

http://www.dresden.de/index.html?node=41466&PHPSESSID=a5ed85a2d732858fa4320bfdd d3b8ed2

Manuel Karl
25.08.06, 22:00
Videostream (http://www.tagesschau.de/video/0,1315,OID5846926_RESms256_PLYinter nal_NAV_BAB,00.html)(Tagesschau.de) !

AeG
26.08.06, 02:00
"... sowohl Grüne als auch Linkspartei fordern, dass sich der Bund einschaltet" Kunststück. Grünenwähler haben meist noch keinen Führerschein (ausserdem kommt man von den trendigen Innenstadtwohnungen meist recht gut mit dem Fahrrad zur Uni) und PDS-Wähler dürfen von Amts wegen kein Auto besitzen, wenn sie volle Transferleistungen beziehen wollen (beziehungsweise sind zu alt, um übeerhaupt noch bis zum nächsten Verkehrsschild gucken zu können):D. Willkommen im Land der Klientelpolitiker!


Hut ab vor dem virtuellen Elbfug! Da muss jemand 'ne ordentliche Hardware besitzen. Sofern die im Film gezeigten Perspektiven nicht geschönt sind frage ich mich, welchen direkten Einfluss auf die Sichtbeziehungen Dresdens historischer Mitte die neue Brücke besitzen soll. Beim Tagesschau-Videostream sieht's dagegen ganz anders aus, man könnte zumindest mehr Einfluss vermuten. Oder geht's garnicht um den bourgeoisen und klerikalen Kern Dresdens, sondern um die direkt angrenzenden Areale?

Fachwerkhaus
26.08.06, 02:43
Man möge mir die Einmischung als Orts- und Sachfremden verzeihen, aber warum baut man nicht einfach eine historisierende Bogenbrücke mit Sandsteinfassade, die mit der übrigen Bausubstanz besser harmoniert als die gegenwärtige Konstruktion? Das Ding könnte meinetwegen zu 95% aus Stahlbeton bestehen, nur das Äußere müsste man der Umgebung anpassen...

rec
26.08.06, 10:01
Oder geht's garnicht um den bourgeoisen und klerikalen Kern Dresden, sondern um die direkt angrenzenden Areale?

Ja genau, zum Weltkulturerbe gehört in erster Linie das Elbtal, ich bin mir im Moment nicht sicher, ob die Altstadt überhaupt dazugehört.

LeFay
13.03.07, 13:02
Die Waldschlösschenbrücke wird nun doch gebaut, nachdem das OLG Bautzen unanfechtbar verkündet hat, daß der Bürgerentscheid zu beachten ist. Dies ist nun aber eine Gefahr für das Weltkulturerbe Dresdner Elbtal.

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EE8B0BE659A4C48CD9BD7F18A6A57C2 09~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Manuel
13.03.07, 13:13
Das ist eine gute Nachricht! Es konnte wohl schlecht angehen, dass die Mehrheit der Dresdner "falsch" abgestimmt hat, weil einer Organisation das Ergebnis nicht passte und die Dresdner nun damit erpresst werden. - Das wäre es nämlich geworden, wenn mit dem Ergebnis der Abstimmung nicht so verfahren worden wäre, wie das Oberverwaltungsgericht (http://www.oberverwaltungsgericht-bautzen.de/) es jetzt nocheinmal bestätigen musste.

Unglaublich, dass dazu überhaupt noch ein Urteil notwendig war und das Politiker die Frage stellen konnten, ob eine Entscheidung des Volkes überhaupt anerkannt werden muss. :nono:

Ferner ist das jetzt endlich mal eine Vorlage für die Unesco (http://www.unesco.de/). Jetzt müssen sie zeigen, ob sie wirklich tanzen können. - Ich glaube eher nicht. Und das führt dann endlich dazu, dass man bei der Unesco neu über sich und die eigenen Methoden nachdenken muss.

Bei der Wikipedia gibt es übrigens einen sehr umfangreichen Artikel zur Waldschlößchenbrücke. (http://de.wikipedia.org/wiki/Waldschl%C3%B6%C3%9Fchenbr%C3%BCcke )

rako
13.03.07, 19:30
^^Es gibt noch eine nächste Instanz, das Bundeverwaltungsgericht in Leipzig, erst wenn das entschieden hat ist der Rechtsstreit zuende. Die obersten Bundesrichter haben schon oft ein Urteil der niederen Gerichte kassiert. Sollte es aber dennoch geschehen, muss halt Dresden damit leben, dass der Welterbestatus weg ist. Wenn das der Preis ist, den die Dresdner für ihre Dickköpfigkeit zu zahlen bereit sind, na bitte! Die Unesco ist nämlich nicht generell gegen eine Brücke, sondern nur gegen den aktuellen Entwurf, den sie für zu grobschlächtig hält.

Im Übrigen, die Spielregeln sind beim Zuerkennen des Welterbestatus bekannt, den Dresdnern muss klar sein, dass man sich aus der ganzen Sache nicht einfach die Rosinen herauspicken kann und bei Verpflichtungen sich mit den idiotischen Argumenten von angeblicher Erpressung und unterdrücktem Volkswillen herausreden kann. Diese Argumente stammen von den Kommunalpolitikern, die sich nur nicht die Blöse geben wollen, zuzugeben, dass sie über etwas haben abstimmen lassen, was gar nicht im Wege eines Plebiszits zu entscheiden war. Deshalb schiebt man die Schuld auf die "böse" Unseso.

Lieber Manuel, ich glaube der Unesco ist es herzlich egal ob Dresden mitspielt oder nicht, wenn die Brücke gebaut wird ist der Status weg. Die Uneso ist eine weltweite Organisation die vor weit größeren Problemen steht, als in einem Land der ersten Welt den Eitelkeiten lokaler Provinzfürsten nachzugeben. Man stelle sich die weltweite Signalwirkung besonders in Gebieten vor, in denen das Kultur-und Naturerbe der Menscheheit aufgrund ideologischer Beschränktheit oder wirtschaftlicher Not tatsächlich bedroht ist. Jeder könnte eine Volksabstimmung abhalten und sich so den Verpflichtungen zum Erhalt von Kulturdenkmälern entziehen.

Im übrigen hat die Unsesco noch nie einer Stadt oder einem Land den Welterbestatus gegen ihren Willen verliehen, das geschieht immer nur auf Antrag der Interessierten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Dresdner in der ganzen Welt unterwegs waren ihr ach so liebliche Elbtal und dessen Unantastbarkeit anzupreisen.

Manuel
13.03.07, 19:53
Also Du denkst, dass die Unesco (http://www.unesco.de/) den Status wirklich entzieht? Bisher hat die Unesco nämlich nur ziemlich hoch geblufft. Und ich denke, dass das auch so bleibt. - Das Problem ist, dass die Unesco sich damit selber obsolet machen würde. Sie beschützt die Kulturgüter, indem sie mit dem Entzug ihres Schutzes droht. Sollte das Beispiel Schule machen, steht die Unesco bald ohne Kulturgüter da. Zumal die Dresdner kaum einen Unterschied merken werden (mit / ohne Unesco). - Denk mal darüber nach, welche Signalwirkung die Unesco wirklich erzeugen würde, wenn sie wegen dieser Brücke (http://de.wikipedia.org/wiki/Waldschl%C3%B6%C3%9Fchenbr%C3%BCcke ) den Status entzieht und es letztlich ohne Auswirkung bleibt.

Mit der 150%-Taktik hat die Unesco sich folglich in die denkbar schlechteste Situation gebracht. Und das in der Tat vor dem Hintergrund, dass es wichtiger Aufgaben gibt, als die Dresdner Elbwiesen zu schützen und es wichtigere Schlachten zu schlagen gäbe.

Und eines ist definitiv sicher: Kein Deutsches Gericht wird das Ergebnis einer ordentlichen und gültigen Wahl kassieren, weil eine internationale Organisation mit Liebesentzug droht.

vondraussen
17.03.07, 10:45
Ich denke, man sollte Abstand nehmen von dieser Prinzipienreiterei. Auf beiden Seiten gibt es Argumente, nämlich auf der einen dass die Volksabstimmung dafür entschieden hat, zum anderen, dass sie dies vielleicht nicht getan hätte, wenn es klar gewesen wäre, dass das Unesco Welterbe verloren gehen kann.

Man sollte doch nochmal zurück zur Brücke kommen. Ist sie notwendig - das zweifle ich an, Staus zur Stosszeit sind doch normal, Grüsse aus London wo die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 6 km/h liegt und die Stadt trotzdem nicht zubetoniert wird.

Wichtiger ist mir aber: der Lärm. Angeblich klagen 50 Mio Einwohner in Deutschland über Lärm. Wenn die Brücke gebaut wird, dann werden die gesamten Elbwiesen darum herum als Erholungsgebiet verloren gehen, da es zu laut wird. Abschreckende Beispiele: Düsseldorf, die Rheinpromenade ist meistens ziemlich leer und da dröhnt es wie blöd von der Autobahnbrücke - deswegen funktioniert auch nicht die Anbindung des Medienhafens, da muss man unter der dröhnenden Brücke durchlaufen. Eisenbahnbrücke am Frankfurter Bahnhof: mindert die Wohnqualität im neuen Westhafen. Von der Ostseeautobahn hört man auch, dass viele Leute nun über Lärm klagen.

Man sollte dringend beim Strassenbau umdenken, die Strassendichte in Deutschland halte ich für übertrieben, und viele Strassen sind zu breit. Gerade im Osten gibt es so viele neue Strassen, die zu 95% der Zeit leer sind. Ist nicht nur Geldverschwendung. Bewahrung der Natur und Berücksichtigung des Lärmproblems sollte nach meiner Ansicht wichtiger genommen werden, als dies zur Zeit der Fall ist. Ich denke langfristig ist es besser für die Attraktivität von Dresden, wenn die Brücke nicht gebaut wird.

arnd
17.03.07, 12:43
^
Sehe ich genauso. Immer nur neue Straßen bauen kann echt keine Lösung sein. Ausserdem stellt sich für mich auch die Frage: Ist durch den Bau dieser Brücke echt so viel in puncto Verkehrsentlastung gewonnen? Kann da nicht etwas über P&R gemacht werden? Vielleicht wäre das ja eine Lösung.

Escobar
19.03.07, 18:19
laut dem neuen spiegel wird durch den bau der brücke nicht nur dem elbtal der sonderstatus entzogen sondern es werden angeblich in ganz deutschland schützenswerten stätten in zukunft nicht mehr anerkannt. was man davon halten soll...?
davon mal abgesehen wäre ein tunnel an der stelle sicher die bessere (aber auch teurere) alternative. obwohl ne historisierende brücke auch ganz gut werden könnte...

Artec
19.03.07, 19:09
stand schon mal jemand an der stelle wo die brücke gebaut werden soll?

meiner meinung nach stört die brücke an dieser stelle das bekannte dresden-ensemble nicht...die brücke steht viel zu weit elbaufwärts um das bild zu stören...die carolabrücke ist das störende bauwerk...

ich begrüße die entscheidung....

arnd
20.03.07, 13:35
Um sich noch einmal ein Bild davon zu machen, wie die Brücke einmal aussehen soll, stelle ich sie hier einfach nochmal rein

Computersimulation der Waldschlösschenbrücke (http://www.imageup.de/my.php?image=Dresdens%20geplante%20 Bruecke.32bw.jpg)

Der Link stammt aus dem aktuellen SPIEGEL und ist daher nur als solcher angegeben.
Ich finde, dass sie von der Ästhetik her Geschmackssache ist, aber wenn die Elbwiesen so sehr als Liegeplatz und als Ort zum Sich-in-der-Sonne-brutzeln-lassen geschätzt werden, dann meine ich auch, dass ein Tunnel oder eine Aufgabe des Projektes die bessere Wahl wäre.

Manuel
20.03.07, 13:46
Danke, sehr interessant. - Ich finde diese Lampen eigentlich störender, als die Brücke an sich.

Manuel
06.06.07, 12:08
Das Bundesverfassungsgericht wies heute eine Klage der sächsischen Landeshauptstadt zurück.

Aus der Pressemitteilung des BVG:

Die Welterbekonvention bietet nach Konzeption und Wortlaut keinen absoluten Schutz gegen jede Veränderung der eingetragenen Stätten des Kultur- und Naturerbes. Die Vertragsstaaten des Übereinkommens haben ausdrücklich die Souveränität der Staaten, in deren Hoheitsgebiet sich die geschützten Stätten befinden, und die bestehenden Eigentumsrechte anerkannt.

[...]

In Anbetracht dieses völkerrechtlichen Rahmens ist es verfassungsrechtlich möglich, dass sich der in einer förmlichen Abstimmung festgestellte Bürgerwille, als authentische Ausdrucksform unmittelbarer Demokratie, in einem Konflikt über die planerische Fortentwicklung einer Kulturlandschaft durchsetzt. [...] Als Folge müssen dann die möglichen Nachteile aus der Entscheidung – wie etwa der Verlust des Welterbestatus und ein damit einhergehender Ansehensverlust – in Kauf genommen werden.


Also wird die Brücke gebaut. - Die Mehrheit der Dresdner Bevölkerung hat es so entschieden. :daumen:

Pressemitteilung des BVG (http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg07-063.html)

Mittlerweile gibt es auch einen Beitrag auf welt.de dazu:
Dresden unterliegt auch in Karlsruhe (http://www.welt.de/kultur/article924697/Dresden_unterliegt_auch_in_Karlsruh e.html)

micro
06.06.07, 21:44
Möglichkeit 1: Verkehrstechnisch ist ein Tunnel doch äquivalent zu einer Brücke. Warum kann man das Abstimmungsergebnis für die Brücke nicht verwenden, um einen Tunnel zu bauen?

Möglichkeit 2: Warum wiederholt man nicht die Bürgerbefragung? Schließlich hat sich seit damals eine neue Situation ergeben. Der "Bürgerwille" wusste bei der Abstimmung ja nichts von einem drohenden Verlust des Welterbestatus. Heute würde die Befragung sicher zuungunsten einer Brücke ausgehen.

Manuel
06.06.07, 23:04
Solange abstimmen lassen, bis den Herren das Ergebnis passt? - Was hätte das noch mit Demokratie zu tun?

Das BVG hat vollkommen Recht: Das hätte die Bevölkerung schlicht früher wissen können. - Und sie hat es auch gewusst. Sie ist befragt worden, hat sich entschieden und das gilt nun. Etwaige vermeintliche Nachteile, sagt das BVG, müssen hingenommen werden.

Und nun wollen wir erst einmal abwarten, ob die Unesco wirklich die Drohung in die Tat umsetzt und dann wollen wir ersteinmal abwarten, was sich überhaupt ändern würde, wenn es passiert. - Meines Erachtens würde sich nämlich glatt garnichts ändern und die Unesco würde als zahnloser Tiger dastehen. - Die haben so oder so zu hoch gepokert.

Der Witz wäre: Durch diese ganzen Aktionen erhöht sich der Bekanntheitsgrad Dresdens noch mehr und es kommen noch mehr Touristen. :D

Trips
13.06.07, 02:50
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,488216,00.html

Neue Brücke, neues Glück.

Ob der Entwurf jetzt besser ist sei mal dahin gestellt.

Manuel
13.06.07, 02:55
Komisch: Unesco könnte neuerdings mit einer "unauffälligeren" Brücke leben.

damar
13.06.07, 10:13
Warum hat man in Dresden denn nie an einen Tunnel gedacht?

Wenn ich denn schon unbedingt im Weltkulturerbe-Gebiet etwas so Großes bauen möchte, dann doch so, dass man's nicht sieht. Wenn man die negativen Presseberichte, das Gerichtshickhack und den drohenden Verlust des UNESCO-Titels berücksichtigt, kann die Brücke doch gar nicht mehr so teuer sein. Eine schöne Flusslandschaft hat ja auch einen Wert - und sei's nur ein ästhetischer.

Trips
14.06.07, 23:35
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,488629,00.html

Kommando zurück, es kommt wohl doch der alte Entwurf.

Die wissen auch nicht was sie wollen.

Manuel
15.06.07, 03:56
Sie wussten was sie wollen und haben mehrheitlich dafür gestimmt. Trotzdem denke ich, dass ein neuer Brückenentwurf möglich sein sollte. Und wenn man damit 1.) der Bevölkerung ihre Brücke und 2.) der Unesco ihren Kompromiss geben kann, sollte man eine schlankere Version bauen.

Was bitte spricht denn dagegen, die Architektur der Brücke noch einmal zu überarbeiten? – Die Bevölkerung hat über eine Brücke abgestimmt, nicht über die konkrete Architektur der Brücke.

Aber das die Unesco nun auf einen solchen Kompromiss eingehen will, ist schon bezeichnend!

Dvorak
15.06.07, 07:07
Ich weiß nicht, wie es in Sachsen ist, aber in Niedersachsen wird nur über konkrete Entwürfe abgestimmt, und nicht darüber, ob man generell eine Brücke bauen möchte. Es ist zulässig, über ein konretes Gebäude abzustimmen, nicht aber ob man an einer bestimmten Stelle irgend ein Gebäude haben möcht oder nicht.
Eine dezentere schönere Brücke wäre natürlich um längen besser, der Alternativvorschlag zu Waldschlösschenbrücke, ist aber einer der fiesesten Entwürfe die ich kenne, da finde ich den alten besser.

micro
17.06.07, 23:09
(1) Das BVG hat vollkommen Recht: Das hätte die Bevölkerung schlicht früher wissen können. - Und sie hat es auch gewusst. Sie ist befragt worden, hat sich entschieden und das gilt nun. Etwaige vermeintliche Nachteile, sagt das BVG, müssen hingenommen werden.

(2) Und nun wollen wir erst einmal abwarten, ob die Unesco wirklich die Drohung in die Tat umsetzt und dann wollen wir ersteinmal abwarten, was sich überhaupt ändern würde, wenn es passiert. - Meines Erachtens würde sich nämlich glatt garnichts ändern und die Unesco würde als zahnloser Tiger dastehen. - Die haben so oder so zu hoch gepokert.

(3) Der Witz wäre: Durch diese ganzen Aktionen erhöht sich der Bekanntheitsgrad Dresdens noch mehr und es kommen noch mehr Touristen. :D
(1) Ich dachte, kürzlich im Fernsehen gehört zu haben, dass die UNESCO-Drohung zum Zeitpunkt der Abstimmung nicht bekannt war. Und voraussehen können hätten das wohl allenfalls Spezialisten.

(2) IMHO hat die UNESCO Recht mit der Kritik, der Entwurf ist sehr unsensibel.

(3) Das glaube ich nicht. Die UNESCO-Welterbestätten ziehen internationale Touristen an, die Debatte wird aber sicher nicht im Ausland verfolgt.

micro
30.06.07, 13:35
Ein polemischer Artikel in der Welt:

Seltsame Hüter - Die Unesco verrennt sich (http://www.welt.de/kultur/article985288/Seltsame_Hueter_-_Die_Unesco_verrennt_sich.html)

Dr.Faust
30.07.07, 21:51
Die Arbeiten an der umstrittenen Brücke durch das Dresdner Elbtal sollen am 13. August beginnen. Das teilte die Stadtverwaltung am Montag mit. Die Landschaft gehört zum UNESCO- Welterbe. Mit dem Bau wird nach jahrelangen Querelen ein Bürgerentscheid von 2005 umgesetzt. Gleichzeitig wird damit jedoch die Aberkennung des Welterbetitels sehr wahrscheinlich.
Der Verkehr könnte im März 2010 über die Brücke und durch einen damit verbundenen Tunnel fließen. Die Fertigstellung hänge von der Strenge der Winter ab. Die Brücke soll etwa 635 Meter lang sei, der anschließende Tunnel auf der rechten Elbseite 400 Meter. Das gesamte Bauprojekt soll rund 156 Millionen Euro kosten. Bei Straßenverbreiterungen würden einzelne Grundstücke in Mitleidenschaft gezogen.

LugPaj
09.08.07, 15:02
Baubeginn der Waldschlösschenbrücke vom Gericht gestoppt
http://www.sueddeutsche.de/,tt2m2/kultur/artikel/618/127415/

LeFay
09.08.07, 18:09
Ich würde ja mal gern wissen, ob es da tatsächlich diese Fledermäuse gibt! Teilweise wurden ja Tiere erfunden von Gutachtern, um einfach einen Grund für einen Baustopp zu haben. Das kontrolliert niemand. Aber teilweise war es dann so, als tatsächlich kontrolliert wurde, hat man ein halbes Jahr lang dort kein einziges der benannten Tiere gefunden...

Ben
09.08.07, 22:15
Haben die sich erst letzte Woche dort eingenistet oder wieso hat man X Jahre (seit wann gibt es die Pläne?) gebraucht, um das festzustellen?

NewUrban
06.11.07, 05:18
Die Arbeiten an der umstrittenen Brücke durch das Dresdner Elbtal sollen am 13. August beginnen. Das teilte die Stadtverwaltung am Montag mit. .

Seltsam, das Datum kommt mir bekannt vor...Im Sommer 61, am 13. August, da bauten wir die Mauer und keiner hats gewusst...So hätten sie es mal mit der Brücke machen sollen...:lach:

Aber nun im Ernst: Ich hoffe das Ding wird nie gebaut, obwohl ich zugeben muss, das es eine sehr schöne Brücke ist! die kleinen Bögen, die sich zu dem großen Mittelbogen auswachsen, schon schick, an anderer Stelle! Hier fände ich einen Tunnel angebrachter.

CityHai
06.11.07, 12:51
Gott sei Dank wird die Brücke endlich gebaut.
Zu keinem Zeitpunkt habe ich verstanden, wieso man sich in Deutschland so sehr von der Unesco auf der Nase rumtanzen läßt. (siehe Vgl. Köln-Deutz)
Da würde ich als Dresdner viel eher Bauchschmerzen bei den Brutalo-Neubauplänen am Neumarkt haben!!

vondraussen
06.11.07, 13:49
Ich hoffe auch, dass die Brücke nicht gebaut wird. Wie kann man nur eine so schöne Gegend wie die Elbwiesen zerschneiden und dadurch zerstören? Wenn man den Nutzen und diesen Schaden gegeneinander aufwiegt, so finde ich doch, dass der Schaden weit überwiegt. Wenn Dresden dadurch an Attraktivität verliert, dann gibt es wahscheinlich auch noch einen ökonomischen Schaden.

arnd
06.11.07, 13:55
Sehe ich ähnlich. Gerade was Image-Angelegenheiten betrifft, sollte ein Ort wie Dresden doch einen Vorbildcharakter haben. Wieso kloppen die sich so ewig um eine Brücke, wo es doch mit einem Tunnel kein Gezeter gibt? Kann mir das mal einer klar sagen?

@CityHai
Wenn Du den Vorschlag für das Gewandhaus meinst, dann stimme ich Dir voll und ganz zu. Wenn der Plan platzt, dann ist eine Bedrohung abgewendet.

CityHai
06.11.07, 14:13
@arnd - genau diese kommende "Krebsgeschwür" meine ich. Selbst wenn der "entschärfteste" Entwurf gebaut wird - in diesem Umfeld wird er immer ein störender Fremdkörper bleiben. Es wirkt fast so, als ob das Gewandhaus ein Zugeständnis an die Mordernisten ist, um den Großteil des historisch bedeutsamen und imo sehr gut gelungenen rekonstruierten Umfeldes verwirklichen zu "dürfen" :nono:
Eine solche polemik an diesem Ort - das hat der Neumarkt aufgrund seiner Bedeutsamkeit nicht verdient.
Und über eine Kilometerweit außerhalb der Sichtachsen gelegene - zugegeben sehr ästhetische und notwendige Brücke - wird unnötigerweise seitens der Unesco jahrelang übrigens auf Kosten der Steuerzahler und Bürger gestritten!
Skandalös!

arnd
18.11.07, 13:06
Laut der Homepage der Stadt (http://www.dresden.de/de/02/02/01/2007/11/pm_035.php?lastpage=zur%20Homepage&PHPSESSID=s2geuqffamoj5d7seqdmde160 2) geht es ab morgen dann los d. h. dass das Bäumefällen, archäologische Grabungen und das umlegen diverser Leitungen beginnt.

Wie jetzt der zu erwartende Schaden in puncto Image noch abgewendet werden kann, ist mir persönlich schleierhaft.

Cowboy
18.11.07, 14:14
^ Bis vor kurzem dachte ich auch, dass Dresden einen großen Imageschaden bevorstünde, wenn ihr (also eigentlich dem Elbtal) der Welterbetitel aberkannt würde. Mittlerweile denke ich das nicht mehr. Warum? Die Unesco als auch die Bevölkerung wurden offensichtlich doch im Vorfeld des Bürgerbegehrens in Kenntnis gesetzt, und offensichtlich erhob die Unesco zu diesem Zeitpunkt keine Einwände gegen den Bau. Erst nach der Pro-Brücken-Entscheidung der Dresdner kam das Veto der Unesco. Will die Unesco ein Exempel statuieren oder hat sie einfach nur gepennt? Ich bin gegen die Brücke aus rein ästhetischen Gründen, aber die Dresdner haben nun mal so entschieden (wird ja sonst immer gekräht, die Bürger werden nicht gefragt). Die Elbwiesen sind wirklich einmalig schön und unverbaut, aber es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Unesco in diesem ganzen Affentheater um die Brücke den Imageschaden davontragen wird, nicht Dresden.


Noch ein paar Ansichten von den Elbtalwiesen auf dem Dresdner Stadtgebiet, aufgenommen von mir im April 2007:

http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P4230511.jpg

http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P4230510.jpg

http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P4220487.jpg

http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P4230509.jpg

Torsten
18.11.07, 19:19
UNESCO Welterbetitel hin oder her, warum kann denn nicht einfach der gesunde Menschenverstand als Leitlinie dienen.
Ja, es hat einen Bürgerentscheid gegeben und ja, die Bürger haben sich für die Brücke entschieden. Aber stand denn ein Tunnel zur Wahl?
Warum in Gottes Namen ist das Regierungspräsidium sichtlich bemüht diese Brücke in dieser Form an dieser Stelle durchzupeitschen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, das ein Tunnel den Lückenschluß für den motorisierten Individualverkehr an dieser Stelle genauso gut herstellen kann. Weiterhin gibt es Gutachten und Expertisen, die besagen, daß der Tunnel keine Mehrkosten gegenüber der Brücke verursachen würde.
In Dresden wurden schon an ganz anderer Stelle Tunnel gebaut. Wenn ich nur an den Bramschtunnel denke. Ein Tunnel mit zwei Röhren und zwei Fahrbahnen in jede Richtung um, mal polemisch ausgedrückt, zehn Wohnhäuser zu unterqueren. Oder der sogenannte Ingridtunnel im Weiseritztal, um nicht mehr um einen Felsvorsprung herumfahren zu müssen. Und an dieser sensiblen Stelle des Elbtales soll kein Tunnel möglich sein? Warum muß ein Herr Milbradt unbedingt diese Brücke haben?
Mir persönlich ist der Welterbetitel eigentlich egal. Ich bin bei meinen Besuchen in meiner Heimatstadt Dresden immer wieder begeistert vom unverbauten Elbtal. Spaziergänge am Elbhang an den drei Schlössern vorbei sind immer wieder ein Genuß. Warum soll all das von den Nebenwirkungen einer Brücke beeinträchtigt werden? Sollen sich doch die Brückenbefürworter, welche Hurra zu ihrem sogenannten Sieg schreien im Sommer mal auf die Terasse des Restaurants Waldschlößchen setzen. Der Lärm der Bautzner Straße verleidet dieses Vergnügen bereits heute, selbst nach dem Austausch des Straßenpflasters gegen Bitumenbelag. Wollen wir diesen Lärm auch über den Elbwiesen und auf der anderen Elbseite vor dem Klinikum?
Ich bin der Meinung, UNESCO Welterbetitel hin oder her, weil ich Dresden liebe, kommt für mich an dieser Stelle nur ein Tunnel in Frage.

erbsenzaehler
24.11.07, 17:08
Hier mal ein recht frischer Artikel aus der ZEIT, der die Misere um die Dresdner Waldschlösschenbrücke sehr gut verdeutlicht und auch aufzeigt, wie es zum angeblich demokratischen Bürgerentscheid sowie dem nun vorliegenden Eklat kam - und was den Dresdner Bürgern alles verschwiegen wurde. Unbedingt lesenswert!

DIE ZEIT, Artikel: Dumm baut gut (http://www.zeit.de/2007/48/Dresden-Waldschloesschenbruecke?page=all)

Tilou
25.11.07, 17:58
Unfasslich. Wenn man sich den Verlauf der ganzen Angelegenheit so durchliest, scheint eine vernünftige Lösung kaum mehr möglich zu sein. Die Gräben sind festgefahren. Jetzt geht es nur noch um die brachiale Durchsetzung politischen und technokratischen Willens, möglichst schnell, bevor der Sturm der Entrüstung immer größer wird. Wieso nur hat man erst mit der Frauenkirche ein Baukunstwerk von Weltrang wieder erstehen lassen, um jetzt den symbolträchtigen Titel eines Weltkulturerbes so achtlos wegzuwerfen? Für eine Brücke, deren technischer Nutzen im besten Fall zweifelhaft ist?

Der gewichtigste Widerstand kann allerdings nur von den Dresdner Bürgern selbst kommen. Hoffe sehr, dass es mit genügend Unterschriften zu einem neuerlichen Volksentscheid kommen muss.

micro
25.11.07, 22:32
Das ist wirklich skandalös, was in Dresden passiert. Interessant, dass auch Foster, Calatrava und von Gerkan sich schon geweigert haben, an einer Brücke mitzuwirken und einen Tunnel vorschlagen. Wer hält da so verbohrt an einer Brücke fest, wenn ein Tunnel nicht teurer wäre? Ist hier noch alte Stasidenke im Spiel?

Cowboy
26.11.07, 10:59
^ Aber natürlich. Wenn in Hamburg ein besonders seltenes Naturschutzgebiet für ein paar Arbeitsplätze zuplaniert wird, juckt das niemanden die Bohne. Wenn im Osten hingegen eine Brücke gebaut wird, ist selbstverständlich böse Stasidenke im Spiel. Danke für diese fundierte Erkenntnis (mal abgesehen von der Tatsache, dass die Entscheidungsträger in Dresden fast ausnahmslos "Wessis" sind; sind inzwischen vielleicht kollektiviert worden). Und wer behauptet eigentlich, dass ein Tunnel nicht teurer wäre?

micro
26.11.07, 22:42
In Hamburg gibt es ja nicht soviel zu verschandeln wie in Dresden ;)

Cowboy
15.01.08, 10:49
Letzte Nacht wurde diesem Spiegel-Bericht (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,528610,00.html) zufolge die von Umweltaktivisten besetzte 200 Jahre alte Buche von der Polizei geräumt. In diesen Stunden wird die Buche gefällt, die dem Bau der Waldschlösschenbrücke im Wege steht. Bereits am Sonntag demonstrierten ca. 3500 Menschen mit einem Fackelzug durch Dresden (http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/fackelzug01.jpg) gegen den Bau der Waldschlösschenbrücke.

Kampflamm
15.01.08, 16:44
Die Brücke sieht doch ganz ok aus. Wie viele Touris reisen denn irgendwo in die Vororte, um von der Wiese aus die Innenstadt zu betrachten? Auf die UNESCO sollte man schon aus Prinzip nicht hören. In Berlin versaut Chipperfield alles aber in Köln darf man keine HH bauen.

Torsten
16.01.08, 00:12
@Kampflamm: So wie ich die Gegend kenne, wohnen in diesen Vororten auch Einheimische. Soll ja noch Stadtplaner geben, die Städte nicht nur als eine Ansammlung von Touristenattraktionen sehen.
Der Welterbetitel wurde übrigens nicht für den freien Blick aus den Elbauen auf die Innenstadt vergeben. Den Titel gab es für eie unberührte naturbelassene innerstädtische Flußlandschaft welche unter anderem auch durch unverbaute Sichtbeziehungen glänzt.

Ohne das die Brücke bereits gebaut wurde, sind schon in Vorbereitung der Bauarbeiten 200 Bäume gefällt worden. Es ist ja nicht nur die Brücke selbst, welche die Gegend zukünftig prägen wird, es wird als Zufahrt zur Brücke ein riesiger Verkehrsknoten mit bis zu sieben Fahrspuren und diversen Auffahrrampen auf den Hang gesetzt. Die Brücke wird hier eine wichtige Verkehrsachse kreuzen, welche in Richtung Innenstadt parallel zur Elbe verläuft.

Übrigens bin ich nicht wegen des UNESCO Welterbetitels Gegner dieser Brücke, sondern wegen des drohenden Verlustes dieser Landschaft.

Stahlbauer
28.01.08, 22:26
@Torsten: Leider muss ich Dich verbessern. Das Dresdner Elbtal ist nicht naturbelassen. Die Verbindung von Stadt und Naturraum ist es was das Dresdner Elbtal schützenswert macht. Also eine vom Menschen geschaffene Landschaft.

Cowboy
29.01.08, 07:27
Um der drohenden Aberkennung des Welterbetitels zu entgehen, hat eine Kommission unter Leitung des ehemaligen Baudirektors der Frauenkirche und eines Dresdner Ehrenbürgers einen neuen Entwurf der Waldschlößchenbrücke vorgestellt. Dieser sieht eine Verschlankung der Brückenfüße um 60 Prozent sowie eine Verschlankung der Brückenbögen um 1 Meter bzw. 50cm und der Brücke insgesamt um 50cm vor. Des Weiteren sollen die Brückenterrasse von derzeit 3600qm auf 1900qm reduziert und die Beleuchtung in die Handläufe der Brücke integriert werden. Über den neuen Entwurf entscheidet heute der Stadtrat.

Torsten
30.01.08, 22:04
@Stahlbauer: eine naturbelassene inerstädtische Flußlandschaft ergibt zwangsläufig eine Verbindung von Stadt und Natur. Ich sehe da keinerlei Widerspruch. Zumindest in Deutschland dürfte ein innerstädtischer Flußlauf mit derartig weiträumigen Überschwemmungsflächen in einer Stadt dieser Größenordnung einmalig sein.
Außerdem ist es unbestritten, daß es sich hier um eine Siedlungs- und Kulturlandschaft handelt. Spätestens mit dem Anlegen und Befestigen der Treidlerpfade beiderseits des Flußes zum Ziehen von Frachtschiffen wurde die Landschaft durch den Menschen verändert.

Blaplakon
16.03.08, 19:19
Auch beim Festakt zur Verleihung des Deutschen Brückenbaupreises wurde am Hörsaalzentrum demonstriert:
http://img91.imageshack.us/img91/5314/1003081734av1.th.jpg (http://img91.imageshack.us/my.php?image=1003081734av1.jpg)
blaplakon

vondraussen
22.04.08, 22:12
Der Stadtrat hat dafür entschieden, ein Bürgerbegehren pro Tunnel zuzulassen. Der OB hat angekündigt dagegen zu klagen. Es gab keine Mehrheit für einen sofortigen Baustopp.

Cowboy
23.04.08, 14:29
Mit Verlaub, und bei allem Verständnis gegen die Waldschlösschenbrücke: Ein erneutes Bürgerbegehren wirft m.E. ein ganz schlechtes Licht auf eine direkt-demokratische Einflussmöglichkeit der Bürger. Wenn solange abgestimmt werden darf, bis das gewünschte Ergebnis vielleicht doch noch erzielt wird, ist ein Bürgerbegehren in Zukunft das Papier nicht wert.

Der neue Bürgerentscheid "Welterbe erhalten durch Elbtunnel am Waldschlößchen" zieht nun die Tunnel-Alternative in Erwägung, ohne im Vorfeld überhaupt geklärt zu haben, ob eine Tunnel-Variante baulich überhaupt machbar wäre, und wer bereit ist, die enormen Mehrkosten letztendlich zu tragen.

vondraussen
23.04.08, 17:43
@Cowboy....vielleicht hast Du bezüglich der Tunnelkosten recht, doch ich denke, auch bei der Brücke kann man keinen Festpreis garantieren.

Was an der ganzen Sache verwundert, ist die Prinzipienreiterei und Starrsinnigkeit der Brückenbefürworter, nicht einsehen zu wollen, dass sich die UNESCO nun gegen die Brücke stellt. Ob dies eine Meinungsänderung darstellt oder nicht, mag doch dahingestell sein. Tatsache ist, dass die UNESCO dagegen ist, und dass dies ursprünglich nicht bekannt war. Ob die UNESCO damit Recht hat oder nicht, ist doch müßig.

Nach meiner persönlichen Meinung, die sicherlich auch dadurch geprägt ist, in London zu wohnen, wo es für die meisten Bewohner einfach vollkommen undenkbar ist, nicht mit ÖPNV zur Arbeit zu fahren; in der schlicht keine Strassen gebaut werden, sondern eher zugemacht werden; und in der auch viele Leute mit sechstelligen Gehältern kein Auto haben.....nun, da frage ich mich, ob eine Querung überhaupt notwendig ist. Als ich zum letzten Mal in Dresden war, waren die bestehenden Brücken fast immer malerisch leer. Vielleicht ist das ganze ja sowieso Geldverschwendung. Und wenn eine Querung gebraucht wird: das wunderschöne Elbtal mit Autolärm seine Ruhe zu nehmen, das kann es doch nicht sein.

AeG
30.06.08, 00:34
Wie steht's eigentlich aktuell um die Brücke?

Ich habe gerade zufällig das hier gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=GjvwjS84CQc Olaf Schubert, vielleicht der derzeit bekannteste Dresdener (und m. E. einer der begabtesten deutschen Comedians, auch wenn das eher auf der Bühne als in seinen Kurzfilmen sichtbar wird) hat sich zum Brückenbau geäußert. Möglich, dass der Film im Olaf-typischen Trash-Style schon etwas älter ist. Aber zumindest einige Sachverhalte seiner naiv-verhaspelten Darbietungen treffen die Sache m. E. besser als die Medienberichte oder die politischen Debatten. Herrlich finde ich vor allem "Der große Diktator Nicolae Unescu hat befohlen ..." oder die Darstellung der UNESCO-Schergen beim heimlichen Platzieren von Gummi-Fledermäusen (mit fettem 'U' auf dem Rücken) :lach:! Der Einwand, die Brücke wäre eh nur ein zusätzliches Militär- oder Terroristen-Ziel, spielt auch hervorragend mit den oft absurden Argumenten der untersten Protestler-Schicht.

Schubert hat übrigens ein Architektur-Studium an der TU Berlin absolviert. Kennt den zufällig jemand persönlich?

Cowboy
30.06.08, 09:24
Der bekannteste Dresdner Entertainer ist wohl Gunther Emmerlich. Zum Thema Schubert und Waldschlösschenbrücke habe ich vor einiger Zeit schon mal folgende lustige Episode in die Shoutbox gestellt: http://www.youtube.com/watch?v=dJD0HAb97oI&feature=related

Schön, wie Schubert da von "pseudorumänischen Demograden a la Nigolai Unesgo" schwafelt.

AeG
30.06.08, 12:02
Stimmt, den Hern Emmerlich hatte ich übersehen, sorry. Einigen wir uns auf den Zweitbekanntesten ;)? Aber wie steht's nun aktuell um die Fledermäuse ... äähm ... die Brücke?

Cowboy
01.07.08, 11:19
AeG, um die süße kleine Hufeisennase (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4e/Rhinolophus_hipposideros.jpg), die es in Sachsen dank des Brückenstreits zur populärsten Fledermausart geschafft hat, schert sich niemand mehr. Die war für die Öko-Fraktion nur Mittel zum Zweck. Ansonsten gibt es kaum Neuigkeiten, außer dass der Bau zügig voranschreitet (http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/Matthias20Watzke2019-06-08-WSB_058.jpg). Die Brückengegner hingegen hoffen weiterhin, dass die WSB mittels neuem Volksbegehren gestoppt werden kann.

heiji
01.07.08, 12:28
Die Brückengegner hingegen hoffen weiterhin, dass die WSB mittels neuem Volksbegehren gestoppt werden kann.Hoffentlich hoffen sie vergebens, denn das kostet dann noch mehr...

Ich bin nicht gegen eine Brücke, aber gegen diesen Beton. Bisschen mehr Sandsteinirgendwas und Stahlbögen (die Form der jetzigen Bögen finde ich richtig gelungen, passt zu den bestehenden Bogenbrücken der Innenstadt) und das Ding sähe wie ein anderes Blaues Wunder aus bzw wie ein Übergang von Blauer-Wunder-Hängebrückenoptik in die Bogenoptik der anderen Brücken. Man könnte sogar Bruthöhlen für die Fledermäuse irgendwo hinbasteln und Touristen diese zeigen. *gg* "Hufeisenbrücke"...

micro
04.07.08, 19:55
Dresdens künftige OB schimpft auf die Unesco (http://www.welt.de/kultur/article2176972/Dresdens_kuenftige_OB_schimpft_auf_ die_Unesco.html) (Die Welt, 4. Juli 2008, 11:03 Uhr)
Die Unesco hat entschieden, das Dresdener Elbtal vorerst nicht aus der Liste des Weltkulturerbes zu streichen. Die sächsische Regierung geht allerdings davon aus, dass die Brücke weitergebaut wird. Damit käme in einem Jahr das Aus fürs Kulturerbe.

Meine Meinung zu dem Theater: Schön dumm, sich den Welterbestatus aberkennen zu lassen. Ich dachte, Sturheit wäre vor allem ein norddeutsches Phänomen. Bürgermeisterin Orosz schimpft und sieht "keine Alternative" zu einer Brücke. Kann der Frau mal bitte jemand erklären, was ein Tunnel ist?? :nono:

arnd
04.07.08, 22:18
Sehe ich ähnlich. Als ob die Stadt nicht schon genug in der Vergangenheit gelitten hätte, wofür wir letztendlich die Verantwortung tragen. Meiner Meinung nach sollte diese Frau wg. massiver Befleckung des deutschen Kulturwesens und Rufschädigung angezeigt werden und die jetzigen Betonsegmente für die Brücke sofort verschwinden, und sei es mit C-4.

Halt:Ich weiss, es klingt wieder nach einem meiner Kampfaufrufe, aber nur weil ich ehrlich bin, kann ich noch lange nicht abgeurteilt werden, oder!?

Cowboy
05.07.08, 08:49
^ Zumindest ist dein Beitrag Sinnbild für die Brückengegnerschaft: Sachliche Argumentation ausgeschlossen, moralisch bankrott.

CityHai
05.07.08, 14:14
"Die Unesco hat entschieden, das Dresdener Elbtal vorerst nicht aus der Liste des Weltkulturerbes zu streichen."


Posse :nono:

Westropolis
05.07.08, 14:28
Find die Diskussion lächerlich Entwicklungsländer und die USA können ihre Natur und Kulturdenkmäler zubauen wie sie wollen und wir dürfen nichtmal so eine normale Brücke bauen das nenn ich unfair.

Torsten
05.07.08, 15:05
@Cowboy, jetzt enttäuschst Du mich aber. Die pauschale Beschreibung einer großen Bevölkerungsgruppe, welche hier mal nicht Deiner Meinung ist als "moralisch bankrott" hätte ich von Dir nicht erwartet.

Auch bei diesem Streit ist es so, daß die Menschen verschiedene Prioritäten im Leben setzen, daß ihnen verschiedene Dinge mehr oder weniger wichtig sind.
Und mal ehrlich. die Interviewschnipsel, welche man ausnahmslos von Brückenbefürwortern auf Dresdner Straßen eingefangen hat und im Rahmen der neuesten UNESCO-Entscheidung oder auch Nichtentscheidung in den Nachrichten verschiedenster Sender zum Besten gegeben hat, lassen dann doch leichte Scham in mir aufkommen, aus Dresden zu stammen. Was da so zu hören war ...
Eine nicht unbedeutende Rolle in der Argumentation der Brückenbefürworter spielt die Annahme, es mit dem Brückenbau "denen da oben", hier muß die UNESCO für herhalten, mal richtig zu zeigen. Jetzt erst recht. Aber das ist mir als Argument für eine Brücke an dieser Stelle und in dieser Form mit all ihren Auswirkungen zu wenig.

oh weh, jetzt mache ich mir meine ganze schöne grüne Bewertung kapputt

Cowboy
05.07.08, 15:52
^ Aber nicht durch mich, mein lieber Torsten. Ich weiß auch nicht, wer sich hier mit der Vergabe roter Laternen behaupten will.

Eine nicht ganz unbedeutende Rolle bei diesem ganzen Theater spielt sicherlich auch, dass die Brückengegner so tun, als ob es nie eine direkt-demokratische Abstimmungsmöglichkeit der Bürger für die WSB gegeben hätte, und die Unesco so tut, als ob sie vor diesem Begehren nie informiert worden wäre. Es wäre jetzt sehr vermessen, nur weil die Unesco gepennt hat, den Brückenbau zu stoppen, der bislang schon über 30 Millionen Euro gekostet hat, und dafür einen Tunnel zu planen, wo irgend so ein Experte später sagen wird, dass das nur mit einem Mehraufwand im dreistelligen Millionenbereich möglich sei. Eine Tunnelvariante wäre natürlich auch mir lieber gewesen, aber der Zug ist dahingehend bereits vor Jahren abgefahren.

Und ich finde nicht, dass du dich schämen solltest, aus Dresden zu stammen. Zumindest die Hardliner, die für oder gegen die Brücke argumentieren, stammen überwiegend aus dem Westen. Der gemeine Dresdner Bürger hat andere Probleme...

Johnny
05.07.08, 17:05
Tiefensee bietet Sachsen finanzielle Unterstützung an, falls man sich für den Bau eines Tunnels entscheidet. Sachsens Regierungssprecher nennt das Populismus, da die Mittel Sachsen ohnehin zustünden und schon für andere Projekte verplant seien.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,564064,00.html

micro
05.07.08, 17:18
[SIZE="1"], dass die Brückengegner so tun, als ob es nie eine direkt-demokratische Abstimmungsmöglichkeit der Bürger für die WSB gegeben hätte, und die Unesco so tut, als ob sie vor diesem Begehren nie informiert worden wäre.

Man kann von der Unesco wohl kaum erwarten, dass sie sich weltweit mit irgendwelchen Bürgerabstimmungen zu Brücken beschäftigt oder gar ihre Bewertungen davon abhängig macht.

Man kann aber sehr wohl erwarten, dass die demokratische Abstimmung in Anbetracht der geänderten Rahmenbedingungen wiederholt wird.

Diese Posse, wie auch andere Auffälligkeiten in Ostdeutschland (Neonazis, überstarke Linkspartei), zeigen leider sehr deutlich, dass man dort auch fast 20 Jahre nach dem Mauerfall immer noch unglaublich unbeholfen der Demokratie gegenübersteht.

Honnecker ist weg, nun sucht man sich einen anderen "Diktator" in Form einer ach so demokratischen Brückenabstimmung, an der man zwanghaft festhalten zu müssen glaubt.

Cowboy
05.07.08, 17:42
Super micro, zuerst war's die Stasidenke, die für dich ausschlaggebend an dem Festhalten der WSB war, jetzt sind's die Neonazis, die Linken und überhaupt die Ossis, die von einer starken Hand (wie dem WSB-Bürgerbegehren) geführt werden wollen. Auf so einen Blödsinn antworte noch nicht mal ich.

DiggerD21
05.07.08, 17:47
Meine Meinung: Es wurde viel öffentlich diskutiert und abgestimmt, nun ist die Brücke bereits im Bau und damit ist der Zug abgefahren. Es sei denn, die Brückengegner (und nur die) zahlen die Mehrkosten für Beseitigung der im Bau befindlichen Brücke.
Gibt es denn irgendwelche Schätzungen, was der Stadt für ein ökonomischer Schaden entstehen würde, wenn der Titel weg ist (also Ausfall an Touristen)?

micro
05.07.08, 19:19
Auf so einen Blödsinn antworte noch nicht mal ich.
:nono: Unlogisch, denn Du hast geantwortet. Meine letzten beiden Absätze waren aber eh nicht an Dich adressiert.

Ist ja nur eine Theorie von mir. Andere äußern ihre ja auch.

Jetzt bitte möglichst sachlich weiter.

Dvorak
05.07.08, 21:54
Ich fände es gut, wenn der Erbe-Titel endgültig flöten geht. Gehört eine Stadt zu den wichtigsten Kulturgütern der Welt, in der man alte Fassaden vor Beton pflanzt um kitschig schöne Postkarten zu produzieren? Oder eine, die die prägendsten Orte der Stadt einem rein technischen Städtebau unterwirft, der keine anderen Ziele hat, als die Stadt einfach abzuwickeln? Dresden ist für mich seit der Wende eher ein Beispiel für kulturellen Niedergang, als kulturelles Highlight, woanders bemüht man sich um die Pflege eben dieser Kultur, in Dreden sorgt man sich darum nicht!

@Westropolis:
Auch Dresden darf bauen, was es will, nur wird es dann genauso wie die Städte in den USA und in China kein Weltkulturerbe mehr sein.

DiggerD21
05.07.08, 22:39
Es ist doch nicht ganz Dresden Weltkulturerbe, sondern nur das Dresdner Elbtal, welches sich halt auf Stadtgebiet befindet.

AeG
06.07.08, 03:01
micro, ich glaube, Du übertreibst. Mag sein, dass im tiefsten Ostdeutschland die Uhren anders ticken. Das wird aber vermutlich Wirkung und nicht Ursache sein. Es bemängelt ja auch kaum einer den krankhaften und typisch westdeutschen Misanthropen-Kult, der aus dem Überfluss heraus alles unter Generalverdacht stellt, was vom Tage X an von Menschenhand geschaffen wurde und geschaffen werden soll. Nach meiner Überzeugung steckt darin nicht weniger Ideologie, als in der sturen Beibehaltung des Brückenkonzeptes. Übrigens, die schillerndsten Linken (wenn man's mal unabhängig vom Label betrachtet) und die einflussreichsten rechtsextremen Vorkäuer sind allesamt originär westdeutsch.


Wenn man allerhand profilierungswütige Politiker sowie die Wortmeldungen und Aktivitäten zweckgebundener Vereinigungen, die von Robin Wood bis zur UNESCO aufgrund der eigenen Legitimation geradezu genötigt sind Missstände zu erkennen bzw. zu erfinden, kritisch hinterfragt und ggf. aus der Debatte rauskürzt, dann bleibt vor allem eins: eine seit mehr als einem Jahrzehnt völlig unbefriedigende Situation, die Elbe an dieser Stelle mit Individualverkehrsmitteln zu queren. Und das Ganze findet in einem der dichtesten Siedlungsgebiete Europas statt! Demagogen mögen die Lösung dieses Problems in der Ausrottung des motorisierten Individualverkehrs sehen. Es wäre jedoch blauäugig anzunehmen, zukünftige Mobilitätskonzepte für alle Verkehrsteilnehmer (die es zwangsweise geben wird) würden in Sachen Flächenverbrauch mit den heutigen, derzeit vor allem auf effizienten Strecken und zu lukrativen Zeiten verkehrenden, ÖPNV-Mitteln auskommen können. Außerdem sollten nach meiner Auffassung die Restriktionen von Heute nicht zu Hemmnissen für morgen werden. Wir wissen nicht, wie sich das Mobilitätsverhalten künftig entwickeln wird. Zusammengefasst: eine Elbquerung muss her, aufgrund der schon lange bestehenden Probleme möglichst bald!

Die Frage, ob es eher eine Brücke oder ein Tunnel werden soll, stellt sich leider nicht mehr wirklich, auch wenn ein Tunnelbau aus bekannten Gründen zu bevorzugen wäre. Die Querung ist aber nicht Selbstzweck, sie wird zeitnah benötigt! Bei den hierzulande üblichen umfangreichen Genehmigungsverfahren bedeutet aber die Aufgabe des Brückenkonzeptes zu Gunsten eines Tunnels eine Verzögerung von vielen Jahren (die zusätzlich mit den länger währenden Baumaßnahmen erklärbar sind). Das ist Punkt eins. Punkt zwei: die Gelder, die Tiefensee heute für das Tunnelprojekt in Aussicht stellt, fehlen bei anderen Infrastrukturprojekten, wo sie im Einzelfall sicher ähnlich wichtig sind. Außerdem wird inzwischen aus Dresden kolportiert, diese Gelder seien eh für Sachsen vorgesehen gewesen und Tiefensees Angebot lediglich ein durchschaubares Täuschungsmanöver (wobei ich nicht weiß, wie das motiviert sein sollte). Zu den tatsächlichen Kosten eines Tunnelbaus, der dann zu den Marktpreisen von 2015 oder 2020 errichtet wird, kann heute noch niemand mit Bestimmtheit Auskunft geben. Gerade bei öffentlichen Bauvorhaben gab es in der Vergangenheit nicht wenige, politisch bedingte, extreme Fehleinschätzungen.

Die Rolle der UNESCO ist nicht zwingend als unparteiisch anzunehmen. Sie ist in ihrer Arbeit auf die Mithilfe nationaler Komitees angewiesen. Diese werden zwar vorrangig mit fachkompetentem Personal besetzt, jedoch obliegt deren Berufung politischen Entscheidungsträgern (so ähnlich wie das auch bei den ARD-Rundfunkräten ist, was u. a. erklärt, weshalb die Politmagazine der einzelnen Sendeanstalten häufig im Sinne der jeweiligen Landesregierungen agitieren). Wer hier im konkreten Fall von wem gesteuert verantwortlich ist, wissen die anwesenden Dresdener vielleicht besser. Auffallend bei diesem Streit ist unter anderem, dass es die UNESCO erst sieben Jahre nach dem Beginn der Brückenplanungen für notwendig befand, das Elbtal als Welterbe-Kulturlandschaft zu klassifizieren. Dem vorausgegangen waren allerhand Querelen auf lokalpolitischer Ebene. Wer dort nicht den Verdacht der Instrumentalisierung bekommt, muss sehr optimistisch sein. Interessant auch, dass die UNESCO erst ein halbes Jahr nach dem Bürgerentscheid, der den Abschluss dieser Querelen bilden sollte, aktiv wurde und das Subjekt auf die "Rote Liste" der gefährdeten Stätten setzte. Und spätestens die Sichtung dieser Liste lässt erkennen, dass wir es hier mit einem national gesteuerten Problem zu tun haben. Vielleicht bin ich ja voreingenommen, aber ich sehe in dieser Liste keinen vergleichbaren Fall, der auch nur näherungsweise mit der Banalität des Waldschlösschenbrücken-Problems mithalten könnte. Wenn in dieser Liste von Schutzwürdigkeit gesprochen wird, dann betrifft das vor allem signifikante Zerstörungen durch Verwahrlosung, durch ideologischen Missbrauch oder durch Naturkatastrophen. Seltener ist auch von Abrissen die Rede. Es geht jedoch nie um die (notwendige) Ergänzung einer Kulturlandschaft.

Man muss sich vielleicht vor Augen führen, dass die Anlegung der Dresdener Elbwiesen – im Gegensatz zu vielen anderen wertvollen Stätten - keinem kulturhistorisch einzigartigen und unwiederbringlichen, weltlichen oder religiösen Umstand zu verdanken ist. Vielmehr wurde hier im Nachhinein die Verquickung von pragmatischen, konservatorischen Ansätzen und dem Willen zur Nutzbarmachung des Areals auf eine ästhetisch eher zufällig bedeutsame Stufe gehievt. Es existieren weltweit unzählige ähnliche Fälle der Landschaftsüberformung. Kaum einer von diesen ist in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Kein einziger Fall ist wegen zeitgemäßer Anpassung auf die berüchtigte „rote Liste“ geraten. Die Waldschlösschenbrücke – sofern wir sie noch erleben werden – zerstört diese Landschaft nicht! Sie schafft notwendigerweise neue Sichtbeziehungen und verändert die bisherige Anmutung im Bereich der Zufahrten und Brückenlager partiell. Das Weltkulturerbe wird somit nur im Bereich weniger Promille beeinflusst.

Die wortführenden und meinungsbildenden Medien haben es bis heute nicht geschafft, die Trennung zwischen dieser Kulturlandschaft und der touristisch verwertbaren Attraktivität Dresdens herauszustellen. Die Touristen, die diese Stadt besuchen, um sich während ein paar günstigen Tagen in den Sommermonaten an den Elbwiesen zu erfreuen, dürften die absolute Ausnahme darstellen und oft eher zufällig fündig geworden sein. Die Attraktivität Dresdens liegt für seine Besucher vor allem in den barocken Bauten, im Mythos und dem Wiederaufbau begründet, dessen Sinnbild vor allem die Frauenkirche ist. Ob von den Brühlschen Terrassen aus sieben oder acht Brücken sichtbar sind, ist dagegen reichlich irrelevant. Ich gebe zu, durch diese unglückliche Berichterstattung bin auch ich anfangs getäuscht worden. Aber die Silhouette Dresdens stand bei der Diskussion um die Brücke niemals im Vordergrund! Dafür sind die Dresdener Innenstadt und der Brückenstandort räumlich viel zu sehr voneinander getrennt. Wer in der Gegend ist und eher die Landschaft als den städtischen Trubel bevorzugt, dem bieten sich seit eh und je allerhand deutlich attraktivere Lagen an, als es die Elbwiesen sein können.

Ich habe einiges an Verwandtschaft in der Gegend. Dazu gehören auch pensionierte, fachlich versierte Akademiker, die den Streit um die Brücke seit Anbeginn mitverfolgt haben. Ich kann es ihnen nicht verübeln, wenn sie die Positionen der Kritiker als maßlos überzogen und selbstgerecht beurteilen und wenn sie sich über ein paar Hauptschüler amüsieren, die in Robin Wood eine letzte Chance zur Mitgestaltung zu sehen glauben. Zum Glück schwingen in der Dresdener Seele scheinbar auch immer eine Portion Ironie und Gelassenheit mit.

Es gibt in Deutschland allerhand Vereinigungen, deren „Oberindianer“ vom Hass und der Agitation gegenüber städtebaulicher Veränderung, gegenüber Wachstum, Individualverkehr oder Investitionen leben müssen. Das Gleiche trifft - oft mit umgekehrten Vorzeichen - auf allerhand lokale Politprominenz zu. Wenn man diese und ihre oft noch pubertierenden Gefolgsleute rausrechnet, dann bleibt am Ende ein relativ kleiner Konflikt übrig, der zwischen den sicherlich notwendigen Konservierungsbedürfnissen der UNESCO und den Mobilitätsbedürfnissen einer ganzen Agglomeration auszutragen ist. Ich halte es für eine schlechte Diskussionsgrundlage, wenn die eine Seite sich auf ihre internationalen Protegés beruft, während die andere mühsam versuchen muss, sich über die Erfordernisse im Hier und Jetzt Gehör zu verschaffen. Besonders schade finde ich, wenn dann auch noch einige auf der Links-/Rechts-Extremisten-Schiene herumreiten und den Betroffenen mangelnde politische Kompetenz bescheinigen. Die Institution Weltkulturerbe ist auch nicht Selbstzweck. Sie ist für den Bürger gemacht und muss sich dessen Interessen gegebenenfalls unterordnen. Das wurde mittlerweile auch höchstrichterlich beschieden! Die Erpressungsversuche der UNESCO – nichts anderes ist das, als Aufschub verkleidete, Ultimatum der letzten Woche – schießen hier deutlich über das Ziel hinaus! Sie bauen in meinen Augen auch auf die Unwissenheit ortsfremder Meinungsmacher. Wenn die UNESCO ihr Gesicht wahren will, sollte sie langsam über eine geeignete Rückzugsstrategie nachdenken. Sonst kommt vielleicht irgendwann noch jemand auf den Gedanken, diese Organisation möge ihr städtebaulich und architektonisch völlig deplaziertes, minderwertiges und alle Maßstäbe sprengendes Hauptquartier im südlichen Paris auf eigene Kosten ersetzen.

micro
06.07.08, 05:12
Punkt zwei: die Gelder, die Tiefensee heute für das Tunnelprojekt in Aussicht stellt, fehlen bei anderen Infrastrukturprojekten, wo sie im Einzelfall sicher ähnlich wichtig sind.
Das Leben ist selten ein Nullsummenspiel, auch wenn wir alle immer wieder dazu neigen, das anzunehmen, weil es logisch erscheint, und weil man nicht alle Gesichtspunkte berücksichtigt. Geld, das man irgendwo hin gibt, muss ja schließlich an anderer Stelle fehlen, ok. Aber dabei vergisst man, dass Geld, klug eingesetzt, einen Gewinn bringen kann, der den Verlust mehrfach ausgleicht.

Der Welterbestatus dürfte so viele, auch internationale, Touristen in die Stadt spülen, dass es sich langfristig auf jeden Fall lohnen dürfte. Was ich "dem Osten" vorwerfe (ohne damit jemanden persönlich angreifen zu wollen oder das überhaupt zu können), ist, dass man dort immer noch zu wenig international denkt. Es wird nicht gesehen, dass man auch einen finanziellen Verlust machen wird, wenn man den Welterbestatus verspielt.

Die Arbeit der Unesco ist wissenschaftlich. Historisch und erdgeschichtlich besonders interessante Plätze in ihrer Vielfalt werden entsprechend kenntlich gemacht, um Interessierten damit Anhaltspunkte zu geben, aber auch um ein Gesamtbild zu erstellen. Für die Aufnahme gibt es nunmal bestimmte Kriterien. Welchen Grund sollte die Unesco haben, "erpresserisch" tätig zu sein und sozusagen aus Spaß irgendwelche Städte zu piesacken?

Ich habe an die 50 Welterbestätten gesehen, allerdings nicht um einen Sport daraus zu machen, sondern weil sie sich oft zufällig mit dem deckten, was ich nach Beschäftigung mit meinen Reisezielen selbst für besonders sehenswert hielt. Das habe ich dann erst später gemerkt, als ich mal die Unesco-Liste durchgegangen bin. Aus dieser Erfahrung heraus sehe ich den Welterbestatus aber auch zunehmend als Qualitätsurteil, so dass ich Welterbestätten vermehrt auch gezielt ansteuere. Es ist eine brauchbare Entscheidungshilfe, und man wird selten enttäuscht.

Manche Plätze sind nunmal nicht sooo besonders, so dass der Welterbestatus auf der Kippe steht. Und wenn dann ein paar unpassende Gebäude aus dem Boden schießen, kündigt die Unesco entgegenkommenderweise an, dass die Kriterien bald nicht mehr erfüllt sind. Ich sehe darin keine Schikane, sondern einen objektiv ablaufenden Prozess.

Cowboy
06.07.08, 07:25
@ Dvorak, wie DiggerD21 bereits schrieb, ist nicht die Stadt Dresden, sondern das Elbtal Weltkulturerbe. Was Dresden angeht, so steckt nicht nur die Stadt, sondern auch der Freistaat, der sich bekanntlich vehement für die Brücke einsetzt, enorm viel Geld in die Dresdner Kultur (Städteranking gefälligst?). Dein Standpunkt zum Thema Rekonstruktion ist uns allen hinlänglich bekannt, und dein Eindruck, dass Dresden ein Beispiel für kulturellen Niedergang ist, sei dir von Herzen gegönnt. Aber weder hat das was mit der Realität, noch mit dem Thema Waldschlösschenbrücke zu tun.

@ micro, die wenigsten Touristen, die Dresden besuchen, interessieren sich für den Welterbetitel. Sie kommen, wie AeG bereits ausführte, wegen der (barocken) Stadt und ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Sie besuchen die Frauenkirche, das Grüne Gewölbe, den Zwinger, die Hofkirche, den im Wiederaufbau befindlichen Neumarkt, die quirlige Neustadt und vieles mehr. Das Elbtal erkunden sie nur, wenn noch Zeit bleibt, und dann meistens in Form einer Schaufelraddampferfahrt zur Schlossanlage Pillnitz (oder darüber hinaus in Richtung Sächsische Schweiz), wo sie sich sicher nicht an einer weiteren Brücke stören werden. Genauso wie der Touri heute nicht sagt, das Elbtal ist Weltkulurerbe, deshalb muss ich unbedingt nach Dresden, wird er bei einer Aberkennung nicht sagen, die Unesco hat den Titel entzogen, da fahre ich bestimmt nicht hin.

Zur Unesco hat AeG schon sehr ausführlich geschrieben. Von mir nur soviel: Den Vorwurf der Posse muss sich nicht die Stadt Dresden, sondern die Unesco gefallen lassen. Anders ist es auch nicht zu erklären, warum sie der Stadt noch 1 Jahr Gnadenfrist gewährt, wo doch der Bau der WSB schon in vollem Gange ist. Es wurden bereits über 2 Millionen Euro verbaut. Entweder hätte sie den Welterbetitel schon jetzt aberkennen müssen, oder ihn fürs Elbtal (zähneknirschend) beibehalten.

AeG
06.07.08, 08:19
Der folgende Beitrag überschneidet sich etwas mit Cowboys Letztem. Sorry, ich hatte ihn bereits zuvor begonnen.

Mag sein, dass der Ossi zu wenig international denkt. Er hat ja auch historisch bedingt eine andere Sicht auf sich und die Welt. Das kollektive, opferartige Wir-Gefühl und die Angst zu kurz zu kommen, sind relativ stark ausgeprägt. Vermutlich ist Vieles von dem hausgemacht. Aber dieses Lebensgefühl teilt er mit zahlreichen anderen Minderheiten hierzulande. Kein Wunder, wird er doch wie diese gerne pauschal kategorisiert und von den Meinungsmachern abgegrenzt. Wo die Rechtsextremen im Westen vier Prozent erhalten, sind’s im Osten sechs - schon ist der „der Ossi“ ein Nazi. Dabei ist er in dem Bestreben, sich selbst der Nächste zu sein, vermutlich dem Amerikaner, dem Italiener, dem Afghanen oder dem Chinesen ähnlicher als „der Wessi“, der wiederum auch historisch bedingt dazu neigt, seinen Selbstwert über das häufig kasteiende, eher virtuelle internationale Ansehen zu definieren – was dem Deutschen im Ausland mittlerweile bei nicht wenigen auch den Ruf des Krankhaften beschwert hat.
__________

Selbstverständlich existiert kein natürliches Interesse der UNESCO, einzelne Erdteile und deren Bewohner in ungerechter Weise zu piesacken. Aber sie ist nun mal kein unabhängiger, einzig von innen heraus agierender Expertenverein. Indem die Personalwahl durch politische Entscheidungsträger erfolgt und in dem Maße, in dem sich ebenso motivierte Gestalter entsprechender Organisationen bemächtigen (wofür sich in Deutschland eine ausgeprägte Kultur entwickelt hat, siehe „der Marsch durch die Institutionen“) ist die UNESCO auch nicht gänzlich unpolitisch. Das kann man im Fall der Waldschlösschenbrücke bereits dem zeitlichen Ablauf entnehmen. Die Aberkennung des Weltkulturerbe-Status war nur möglich, nachdem dieser erst im Anschluss an die lokalen Querelen vergeben wurde. Die zeitlich enge Abfolge von politischen Entscheidungsprozessen, der Status-Zuerkennung und der direkt im Anschluss erfolgten Aberkennungsdrohung (dazwischen liegt jeweils weniger als ein Jahr; mit dem lange schon in der heutigen Form existierenden Streitsubjekt kann das kaum begründet werden) legen die Vermutung der Instrumentalisierung der UNESCO zum verlängerten Arm politischer Strömungen nahe.

Die Feststellung, die Welterbestätten würden im Regelfall auch auf individuelles privates Interesse stoßen, ist banal. Das dürfte jedem halbwegs kulturell Gebildeten bzw. Interessierten ähnlich gehen. Die UNESCO fungiert hier doch aber mehr als Wegweiser, denn als Etikettierer. Das Interesse an den meisten ausgewiesenen Orten ist auch ohne dieses Label gegeben und existierte bereits vor der Gründung dieser Organisation. Wichtiger ist doch der Konservierungsgedanke. Womit ich wieder beim Thema bin, dass ich es als sehr merkwürdig empfinde, dass der drohenden Aberkennung im Fall der Dresdener Elbquerung schnell noch die angeblich so bedeutsame Anerkennung vorausgehen musste. Und wie im letzten Beitrag schon erwähnt, die Gesellschaft, in der sich die Elblandschaft samt der geplanten Brücke auf der „roten Liste“ befindet, verstärkt nur noch diesen Missbrauchsverdacht.

Apropos Missbrauch: ich betrachte es schon als reichlich unredlich, wenn die Aberkennungsdrohung, die sich eindeutig auf das Elbtal und nicht auf die Stadt an sich bezieht, heute von der UNESCO oder den eigenartig engagierten Politikern gegen den zukünftigen Stadttourismus zu Felde geführt wird. Die Tourismuszahlen haben sich bisher nahezu unabhängig vom kilometerweit vom Stadtzentrum entfernten Elbwiesenstandort der zukünftigen Brücke entwickelt. Für die überwiegende Zahl der Besucher spielt diese Gegend bisher keine derart überragende Rolle. Die geschickt formulierten Drohungen suggerieren aber, durch den Brückenbau würde das Antlitz der populären Dresdener Attraktoren in Mitleidenschaft gezogen werden. Es wird zudem völlig vernachlässigt, dass es sich lediglich um eine weitere Brücke handelt. Von einer neuen Qualität kann dabei keine Rede sein. Dort sind bereits einige existent. Die Regelung, die eine Maximalzahl an Brücken aus verschiedensten Epochen vorsieht, möchte ich mal sehen. Die Waldschlösschenbrücke weicht auch nur geringfügig von den Dimensionen der anderen Brücken ab – etwa in dem Maße, wie immer einer der Größte sein muss. Legitim wäre es aus meiner Sicht allenfalls, über die zeitgeschmäcklerische Gestaltung des Bauwerkes nachzudenken. Mit etwas gutem Willen ließe sich sogar ein Stück Kulturerbe hinzugewinnen. Schade, dass der zwischenzeitlich eingeschlagene Weg der UNESCO, sich mehr an der Gestalt als an der Brücke selbst zu stören, mit dem neuesten unsäglichen, erpresserischen Ultimatum wieder verlassen wurde. Das viele Geld, dass heute angeblich für einen Tunnel zur Verfügung gestellt werden kann (warum engagierte sich nicht schon vor zehn Jahren jemand derart, die Querung wäre längst fertiggestellt und alle wären zufrieden?!) könnte man genau so gut, dabei aber zeitnah und effizient, in eine wesentlich attraktivere, vielleicht einmalig elegante Gestaltung der Brücke investieren!

heiji
06.07.08, 14:51
Wenn ich mich recht erinnere, hat doch die Unesco sich nur an der Form der Brücke empört. Es wurden schlankere Füsse entwickelt und die Strassenbeleuchtung anders gestaltet. Oder nicht?

Ich meine ja, dass die Form mit den Bögen eigentlich genau die passende ist. Die ganzen Innenstadtbrücken sind ja Bogenbrücken (genau wie die alte Carola sie auch einst war). Einzig die Materialien und paar EInzelheiten stören. Die Betonbögen sind mir irgendwie zu "betonig" und zu massiv. Irgendwie fehlt mir Sandsteinoptik, denn das passt Meilen besser zum Gesamtbild der Stadt. Dieses ganze grau macht die Umgebeung irgendwie trostloser als die Brücke selber und das würde die Landschaft zerstören. Und irgendwie irgendwo Stahlfachwerk wäre auch passender für das Städtegesamtbild. Schliesslich haben diese Kombination bereits Blaues wunder und Hauptbahnhof, beides Verkehrswahrzeichen der Stadt. Ja selbst die alte, im Krieg zerstörte Carolabrücke hatte beides.

Hätte man eine solche Brücke geplant, wäre ein Tunnel nicht nötig gewesen, da die Brücke ein Gewinn für die innenstädtischen Charakters des Kulturerbes gewesen wäre.

Ausserdem: Ich will nicht die Leute kritisieren, die den Welterbetitel gerne behalten wollen. Ich kitisiere die Unesco mit ihren Entscheidungen. Die Brücke ist mitten im Elbtal, richtig. Nur: Von so vielen Punkten aus wird man sie nicht sehen können. Warum muss Pillnitz mit Einbussen belastet werden, obwohl man von dort die Brücke nicht sieht? Warum muss das Altstadtessemble bzw die Canaletto-Silouette "entUNESCOsiert" werden, obwohl die Brücke da nicht steht? Auch hat die Brücke keinen Einfluss auf das Ostragehege. Ich halte ja die ganzen Bauten der Pirnaischen Vorstadt viel viel destruktiver als die Brücke. Selbst die so nahe an der Altstadt gelegene neue Carolabrücke ist immens hässlicher als die WSB. Trotzdem wurde das Welterbe anerkannt.
Man könnte ja jetzt genauso argumentieren, dass im Mittelrheintal zu viele Industrieschiffe verkehren und das Bild stören...

Warum wurde denn das Welterbe erteilt? Na weil der Städtebau besonders gut in die Elblandschaft integriert wurde. Einfach die Brücke überarbeiten und ästhetischer in die Landschaft integrieren, da kann dann auch keiner von der Unesco was sagen. Man wollte schliesslich schon weit "vor Unesco" dort eine Brücke bauen.
Tunnel wäre natürlich noch besser. ;)

AeG
06.07.08, 15:58
heiji, Du schließt Dich in Deinem Beitrag meiner Meinung absolut an, wie ich sehe. Du scheinst nur leider noch nichts vom neuesten UNESCO-Ultimatum aus dieser Woche gehört zu haben. Darin wird eine Brücke grundsätzlich kritisiert und in spätestens einem Jahr als Ursache für den Status-Entzug herhalten müssen, ganz unabhängig von ihrer Form.

Es ist übrigens nicht der Verdienst der Dresdener oder der Sachsen, wenn Brückenkonstruktionen heute im Allgemeinen weit weniger elegant wirken als noch vor 50, geschweige denn vor 100 Jahren. Die "Schuldigen" dafür kann man getrost in Berlin, in Bonn oder auch in Brüssel suchen.

Dvorak
07.07.08, 00:25
@Cowboy:

Mir ist schon klar, dass der Welterbetitel nur für das Elbtal gilt, das hab ich einfach falsch formuliert. Ich glaube aber nicht, dass man da so einfach die Grenze ziehen kann, sicher spielt auch immer die ganze Stadt eine Rolle bei der Vergabe eines solchen Titels, zumal es sich in diesem Fall ja nicht um ein einzelnes Gebäude oder Gebäudeensemble handelt, sondern eben um einen relativ großen Tiel der Stadt.

Ich habe mich zu keiner Rekonstruktion geäußert, sondern zu dieser unsägliche Art alte Fassaden einfach vor Beton zu hängen. Ich kenne niemanden der sich das als Normalzustand wünscht. So etwas ist einfach kulturelle Barberei! Braunschweig hat sich mit eben so einem "kulturellen Projekt" nämlich dem Schloss als Kuturhauptstadt beworben, und außer Gelächter nichts dafür kassiert.

(Vor circa 3 Wochen hat an der Uni ein Architekt von einer Dresdner Posse erzählt. Dabi ging es darum, das ein Mäzen (die Dresdner werden ihn besser kennen als ich) eine Künstlerkolonie in Dresden bauen wollte. Der Architekt hat sich dann unter Künstlern an den verschidensten Hochschulen umgehört un immer zu hören bekommen, Dresden sei der letzte Ort an den man gehen würde. So viel zum kulturellen Status der Stadt.)

Cowboy
07.07.08, 21:38
^ Ja, ja, schon klar, ausgerechnet der Architekt geht an verschiedene Unis, um sich bei den Künstlern umzuhören, die ihm dann aber blöderweise zu verstehen geben, dass sie lieber nach Braunschweig statt nach Dresden gehen würden. Jetzt aber bitte wieder zurück zum Thema Waldschlösschenbrücke.

micro
08.07.08, 21:31
Vorhin in ZDF-"heute" ein Bericht über eine geplante Rheinquerung im Unesco-Welterbegebiet nahe der Loreley zwischen St. Goar und Goarshausen. Es wurde ausdrücklich auf die Analogie zur Waldschlösschenbrücke hingewiesen.

Anders als an der Elbe will man sich am Rhein auf jeden Fall mit der UNESCO abstimmen und eine "weltkulturerbeverträgliche" Lösung suchen. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, auch eine Tunnellösung kommt in Betracht. Wirtschaft und Anwohner sind pragmatischerweise eher für eine feste Verbindung der beiden Städte, ein Fährunternehmer hat im ZDF das Argument ins Feld geführt, dass Fähren auch ein fester Teil der dortigen schützenswerten Kulturlandschaft seien.

War nicht einfach, im WWW eine Quelle zu finden, die das back-upt. Hier ein Bericht vom SWR (http://www.swr.de/nachrichten/rp/-/id=1682/nid=1682/did=3721348/1bb0bsd/index.html).

dj tinitus
08.07.08, 22:41
die beiden projekte sind bezüglich der verkehrsführung nicht vergleichbar.
entlang des rheins gibt es bereits uferstrassen und -befestigungen, die tunnelrampen würden auch direkt und parallel zum fluss gebaut - quasi ein tunnel in u-form. in dresden gibt es hingegen breite elbwiesen beiderseits des flussses. tunnelrampen wie bei st. goar sind damit nicht vereinbar.

heiji
08.07.08, 23:04
Vorhin in ZDF-"heute" ein Bericht über eine geplante Rheinquerung im Unesco-Welterbegebiet nahe der Loreley zwischen St. Goar und Goarshausen. Es wurde ausdrücklich auf die Analogie zur Waldschlösschenbrücke hingewiesen.

Anders als an der Elbe will man sich am Rhein auf jeden Fall mit der UNESCO abstimmen und eine "weltkulturerbeverträgliche" Lösung suchen. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, auch eine Tunnellösung kommt in Betracht. Wirtschaft und Anwohner sind pragmatischerweise eher für eine feste Verbindung der beiden Städte, ein Fährunternehmer hat im ZDF das Argument ins Feld geführt, dass Fähren auch ein fester Teil der dortigen schützenswerten Kulturlandschaft seien.

War nicht einfach, im WWW eine Quelle zu finden, die das back-upt. Hier ein Bericht vom SWR (http://www.swr.de/nachrichten/rp/-/id=1682/nid=1682/did=3721348/1bb0bsd/index.html).Ehrlich, diese Visualisierung dort ist ja noch viel schlimmer als die Waldschlösschen...

Dass Geld weniger eine Rolle spielt, ist in der Rhein-Main-Region ja eh klar... Der Vorteil dieser Planer ist ja, dass man ganz gewaltig von der Dresdener Situation gelernt hat. Naja...

AeG
09.07.08, 00:03
Der größte Unterschied zwischen den beiden Projekten dürfte der sein, dass man an der Loreley die zeitnahe Wortmeldung der Unesco berücksichtigen kann - und nach den Erfahrungen mit Dresden auch berücksichtigen muss! Bei den Elbwiesen begann die Intervention der Unesco erst, als von der Sache her schon alles in trockenen Tüchern war. 1996 konnte in Sachsen noch keiner ahnen, dass er vielleicht mal in 2008 das x-fache Budget für einen Tunnel benötigen würde. Man konnte ja noch nicht einmal die drohende Aberkennung des Weltkulturerbe-Status fürchten. Den hatte das Gebiet noch längst nicht inne. Aber ich wiederhole mich ...

Was an der Visualisierung so schlimm sein soll, weiß ich allerdings nicht. So kommt das eh nicht, jede Wette. Eine derart extravagante Konstruktion dürfte schon ziemlich nah an den Kosten eines Tunnels liegen (vielleicht hat das ja strategischen Charakter).

dj tinitus
09.07.08, 00:17
na ja, brücke bleibt brücke. im hinblick auf den erhalt des landschaftsbildes ist ein tunnel sicher vorteilhafter. gerade, dass es dort auf 60 km keine gibt, macht doch viel vom romantischen reiz der landschaft aus. und wenn sich dort verkehrstechnisch ein tunnel einfacher realisieren lässt als beispielsweise in dresden, spricht dann alles dafür, das er auch gebaut wird.

AeG
09.07.08, 00:44
Das meine ich ja mit "strategisch":). Gerade gegenüber der gezeigten Brücke wäre der Tunnel nämlich eh nicht so viel teurer.

micro
09.07.08, 00:56
entlang des rheins gibt es bereits uferstrassen und -befestigungen, die tunnelrampen würden auch direkt und parallel zum fluss gebaut - quasi ein tunnel in u-form.
Gut kombiniert -- oder auch ZDF gesehen... Es wurde in der Tat eine Grafik eines U-förmigen Tunnels gezeigt, der inklusive Rampen fast dreimal so lang wäre wie eine gerade Brückenverbindung.

Torsten
10.07.08, 00:25
Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, so wird doch der Weltkulturerbestatus auf Antrag verliehen. Die UNESCO kommt also nicht so einfach daher und verleiht mal schnell den Weltkulturerbetitel, um vielleicht nach langer Beobachtung der lokalen Entwicklung diese in eine ihr genehme Richtung zu lenken. Der UNESCO Unredlichkeit oder Berechnung bei der Vergabe des Titels zu unterstellen halte ich für schäbig.
Wieso ist denn nicht mehr die Rede davon, daß im Antrag zwar die Brückenbaupläne erwähnt waren, die Baustelle aber einige Kilometer flußabwärts zur heutigen Baustelle eingezeichnet war und damit aus dem Fokus der UNESCO? Ich kann mich noch lebhaft an die öffentliche Diskussion erinnern, wer denn nun der Schuldige für diesen Fehler im Antrag gewesen sei.

Hier geht es außerdem nicht um einfach nur eine weitere Brücke, wo denn doch schon so viele da stehen. Es ist der erste Brückenneubau im Weltkulturerbegebiet. Wenn jetzt hier argumentiert wird, daß diese ja wohl gut zu den anderen Brücken passen würde, dann wird übersehen, daß eine der Einzigartigkeiten dieser städtischen Flußlandschaft darin besteht, daß diese eben nur an einer Stelle durch einen Verkehrszug in Form einer historisch bedeutenden Brücke (sogenanntes "Blaues Wunder") gekreuzt wird.
Außerdem kann der Titel immer nur nach Prüfung des zum Vergabezeitpunkt herrschenden Status quo vergeben werden. Logischerweise muß die Berechtigung für diesen Titel bei einer Änderung des Status neu geprüft werden. Und wenn nun diese Landschaft an ihrer breitesten Stelle durch einen vierspurigen Verkehrszug mit allen seinen Auswirkungen (optisch, akustisch, Emissionen) durchschnitten werden soll, dann ist diese Landschaft eben nicht mehr einmalig. Innerstädtische Flußauen von vierspurigen Brücken gekreuzt gibt es unzählige weltweit.

Wenn es nicht so absurd klingen würde, dann kann ja Dresden nach dem Entzug des Titels diesen erneut beantragen mit der Begründung, daß es weltweit einmalig ist, daß durch eine Landschaft mit UNESCO Welterbetitel eine vierspurige Brücke gebaut wurde. Dann müßte die UNESCO mit Entzug des Titels drohen, wenn die Brücke abgerissen würde :lach:

Für mich stellt sich dieses ganze An- und Aberkennungsprozedere als Routinevorgang dar und daß es nun durch entsprechende Stellen so aufgewertet wird, zeigt für mich sogar noch wie sich die Brückenbefürworterschaft als Opfer der UNESCO fühlt. Schlimm ist nur, daß genau diese Emotionen durch interessierte parteipolitische Kreise für deren Machterhalt genutzt werden. Die Opferschaft sammelt sich geeint hinter der Partei.

Eine weitere Posse ist, daß der größte Brückenverfechter, das Regierungspräsidium, über die Rechtmäßigkeit eines möglichen Tunnelbegehrens zu befinden hatte. Ergebnis war vorhersehbar.

Unabhängig von diesem "unsäglichen, erpresserischen Ultimatum" (Warum dramatisierst Du eigentlich den an sich schon eindeutigen Begriff "Ultimatum" AeG?) der UNESCO droht ja auch noch eine Verschlechterung der Umweltbedingungen für Anwohner. Ich hatte es schon mal in einem meiner früheren Beiträge erwähnt, es soll noch Stadtplaner geben, die eine Stadt nicht nur als Ansammlung von Touristenattraktionen betrachten, sondern auch als Lebensmittelpunkt ihrer Einwohner. Dabei denke ich vor allem an die unmittelbaren Anwohner.
Mir ist durchaus klar, daß es ein Prohliser klasse findet in Zukunft mit viel weniger Ampeln und mit kürzerer Strecke in den Norden der Stadt zu gelangen. Wenn er dann auch noch Pillnitz und Großzschachwitz naheliegenderweise als sein Naherholungsgebiet betrachtet, warum sollte er bei einem Bürgerentscheid, welcher nach einer Brücke an ganz anderer Stelle fragt und nur nach einer Brücke (wahlweise keine) mit "nein" stimmen?

Wenn der Klüngel aus überregionaler Politik, Institutionen und Bauindustrie auch Beziehungen zu Tunnelbauunternehmen hätte, dann müßte diese Brücke auch nicht unbedingt durchgeboxt werden und man hätte eine bequeme Alternative um der öffentlichen Diskussion aus dem Weg zu gehen und trotzdem abzusahnen. Aber so muß es dann wohl die Brücke sein.
Tschuldigung für die Polemik zum Schluß. Den konnte ich mir nicht verkneifen.

dj tinitus
10.07.08, 01:21
das regierungspräsidium entschied nicht über sinn oder folgen der brücke, sondern über die rechtmässigkeit des brückenbaus.

Torsten
10.07.08, 01:45
ja und?

AeG
10.07.08, 02:53
Die Motivation für die von mir verfassten letzten Beitrage war, die chronologischen Zusammenhänge aufzuzeigen, die in den Medien mit Blick auf die heutigen Resultate häufig zu kurz kommen und an die Vernunft zu appellieren, die Notwendigkeit einer Elbquerung einzusehen und die Interessen der Nutznießer der Brücke nicht gegen jene, der um das Weltkulturerbe besorgten, auszuspielen. Weiter nichts. Ich bin auch kein Prohliser oder sonstwie Begünstigter. Was ist Deine Motivation dafür, das Pferd von der anderen Seite aufzuzäumen, Torsten?

Du schreibst ja selbst, es gebe unzählige Landschaften, durch die Brücken führen. Warum ist das denn so? Wegen des Klüngels zwischen Brückenbauern und Politik - wie Du im vorliegenden Fall mutmaßt? Oder vielleicht, weil hier und da Brücken notwendig sind? Das Zerstören von Statuen, das Roden von Wäldern oder das Überformen historischer Stätten mit neuzeitlichen Funktionsbauten - ein grober Überblick über die üblichen Fälle, die meist aus ideologischen oder privat- und volkswirtschaftlichen Gründen auf der "roten Liste" landen - ist nicht notwendig. Eine Brücke ist dagegen meist ein benötigter Funktionsbau, der Mehrheiten zugute kommt. Schon deren übliche Kosten lassen es kaum zu, rein spekulativ zu bauen. Auch wenn Du durch das Aufzählen einiger Fälle begünstigter Anwohner versuchen magst, die Notwendigkeit des Brückenbaus kleinzureden, sie ist gegeben! Es genügt, Dich dazu mit ein paar unvorbelasteten Dresdnern zu unterhalten. Die Beeinträchtigungen, die die heutige, ungenügende Nord-Süd-Verbindung generiert, reichen bis weit in die Stadthälften hinein. Und schon deshalb ist auch Dein Verweis auf die zusätzlichen Emissionen am Brückenstandort nicht stichhaltig. Insgesamt werden die Emissionen eher abnehmen, vor allem in den enger besiedelten Gebieten. (es sei denn, man glaubt der überholten, aus den Wirtschaftwunderjahren stammenden These, mehr Straßen würden linear mehr Verkehr generieren). Mal abgesehen davon ist das Emissionsargument schon deshalb nicht besonders zielführend, weil es grundsätzlich jede zivilisatorische Aktivität in Frage stellt, sonst aber nichts Dediziertes mit diesem Projekt zu tun hat. Bei dessen Anwendung im Fall Waldschlösschenbrücke vermute ich eher generelle Argumentatuionsarmut (bzw. das Verschleiernwollen der wahren Argumente; s. u.).

Apropos Argumentationsarmut: weshalb reitest Du eigentlich auf meinem "erpresserischen Ultimatum" herum? Du hast natürlich recht, das ist irgendwie doppelt-gemoppelt. Ich wollte damit aber veranschaulichen, welchem Zweck dieses Ultimatum hier im Besonderen dient, wie sehr sich die massive Drohung vom eigentlichen Streitgegenstand entfernt hat und darüber hinaus reicht. Das ist einem Ultimatum nicht immanent.

Der Weltkulturerbe-Status muss quasi "beantragt" werden, da hast Du schon recht. Ich habe das mit "Zuarbeit nationaler Kommitees" beschrieben. Diese Beantragung, wie Du das nennst, ist aber weder zwingend erforderlich (da es auch vorkommen kann, dass, aus aus welchen Gründen auch immer, kein Antragsteller exisitert, trotzdem jedoch ein öffentliches Interesse besteht), noch muss der Aufnahmewunsch auf Ebene der Landesregierung erfolgen. Dass das dennoch manchmal vorkommt, begründet sich schlicht in der Verwertbarkeit beim Tourismusmarketing. Ich bin nicht darüber informiert, wer im vorliegenden Fall Auslöser für die besondere Beachtung des Areals und des Bauprojektes durch die Unesco war. Deine Formulierung klingt gerade so, als ob die gleichen Leute dafür verantwortlich gewesen wären, die heute für die Brücke einstehen. Kannst du das belegen? Das ist schon wegen der zeitlichen Abläufe sehr unwahrscheinlich. Gerade weil die "Beantragung" so viel jünger als die Brückenplanung ist und da sie im direkten Anschluss an die Verwerfungen auf regionalpolitischer Ebene geschehen ist, gehe ich schließlich von einem politischen Mißbrauch aus.

Warum ein Tunnel - obwohl objektiv gesehen sinnvoller - kaum mehr ernsthaft in Betracht gezogen werden kann, steht schon mehrfach weiter oben. Ich glaube, mit der angeblichen sächsischen Brückenlobby hat das am wenigsten zu tun. Einem der zahleichen Betroffenen zu erklären, weshalb er eine nicht unbeträchtliche Zeit seines Daseins im Stau verbringen bzw. unter der vermeidbaren Verkehrslast in Dresden zu leiden habe, düfte sehr schwer fallen. Ihn damit zu beschwichtigen, dass aus der 1996 begonnen Planung vielleicht mal 2020 ein Tunnel wird, weil die Haushaltslage 2008 auf Bundesebene das gerade befürwortet (noch einmal: warum gab es diese Zugeständnisse nicht schon vor zehn Jahren?), dürfte auch nicht leicht sein - erst recht nicht, wenn er auf die oft wesentlich bessere Verkehrsinfrastruktur der Kritker-Wohnorte hingewiesen wird.



Ich glaube, die Waldschlösschenbrücke steht deshalb so stark in öffentlichem Interesse - weit über die sächsische Landesgrenze hinaus - weil ihr Bau wunderbar als Projektionsfläche für alle möglichen ideologischen Strömungen taugt. Sie dient den Kritikern des Individualverkehrs, also den Ökologisten ebenso wie den Stadtumbauern und den generellen Wachstumskritikern, als Zielscheibe, sie bedient die Ressentiments der Politikverdrossenen und derer, die überall Klüngel und Korruption vermuten und sie liefert denen Stoff, die gegen Ost-Subventionen wettern oder ganz allgemein Zonen-feindlich sind. Leute, denen der neuzeitliche, oft plump erscheinende Ingenieurbau eh ein Dorn im Auge ist, werden hier auch mit Futter versorgt. Die tatsächlich am Weltkulturerbe Interessierten, die Szenarien der Unesco unreflektiert übernehmenden, düften eher in der Minderheit sein. Die Statusaberkennung sehe ich mehr als "göttliche Fügung", die ein Ventil für all diese Projektionen schafft. Warum sonst ist das Projekt von so großem gesamtgesellschaftlichen Interesse und wird medial so gerne verkürzt dargestellt? Oder warum müssen sich hier ein Frankfurter und ein Berliner, die offenbar beide nicht über alle notwendigen Kenntnisse des Vorgangs verfügen, über eine Dresdener Angelegenheit streiten? ;)

Ich jedenfalls rieche in der Waldschlösschenbrücken-Debatte eine gehörige Portion Ideologie. Darauf reagiere ich allergisch und das ist dann der Grund dafür, weshalb ich hier sehr unfreundlich schreibe. Man muss mir das auch nicht verzeihen.

Cowboy
09.10.08, 10:56
Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen kippt die Zulässigkeit eines vorläufigen Bürgerbegehrens gegen die Waldschlösschenbrücke. Als Gründe werden genannt, dass kein unzumutbarer Nachteil drohe, wenn kein zweites Bürgerbegehren stattfinde, und dass die in der Gemeindeordnung festgeschriebene Frist von zwei Monaten gegen die Entscheidung des Stadtrates vom 12. Juni 2007 nicht eingehalten wurde. Außerdem können die Fördergelder zum Bau der Brücke nicht einfach so auf den Tunnel übertragen werden, so wie es das Bürgerbegehren fordere.

http://www.dnn.de/aktuell/content/75343.html

arnd
19.01.09, 10:10
http://www.focus.de/kultur/kunst/waldschloesschenbruecke-infopunkt-fuer-mehr-akzeptanz_aid_362694.html

Mit einem sog. Info-Point (Stirbt anständiges Deutsch jetzt auf breiter Front aus?) will die Stadtverwaltung mittels klarer Fakten (Baupläne & Dokumente) die Bürger beschwichtigen. Gleichzeitig wird mit der UNESCO weiter über das Schicksal des Titels für das Elbtal verhandelt. Die Autos sollen ab Mitte des übernächsten Jahres rollen können. Im April beginnen die Montagearbeiten für die Brückenteile.

micro
19.01.09, 19:39
"Außerdem können die Fördergelder zum Bau der Brücke nicht einfach so auf den Tunnel übertragen werden, so wie es das Bürgerbegehren fordere."

Das erscheint wie Bürokratie pur.

dj tinitus
19.01.09, 20:39
fördergelder sind immer zweckgebunden. aus gutem grund.

micro
19.01.09, 22:19
Und der Zweck ist, den Fluss zu kreuzen ;)
Hat jemand etwas über die genaueren Gründe gehört, warum die Fördergelder nicht verwendet werden können?
Andersrum könnte ich es verstehen. Einen Förderanteil für einen Tunnel könnte man nicht für etwas Billigeres verwenden, ohne einen Teil der Fördergelder zurückzubezahlen, weil der Tunnel teurer ist. Aber wenn zum Förderanteil für eine Brücke was dazubezahlt wird, um einen Tunnel daraus zu machen, warum nicht?

Aixois
19.01.09, 22:28
Wie wäre es einfach mit einer schönen Brücke im Stil der anderen? Diese konstruktivistischen Monster, die da angeboten werden, finde ich alle furchtbar.

dj tinitus
20.01.09, 00:06
@aixois: es ist zum beispiel nicht zulässig, in schiffbaren flüssen brückenpfeiler zu errichten.

@micro: die fördergelder müssten neu beantragt werden. wenn der zweck ist, den fluss zu kreuzen, so trifft dies bei der genehmigten förderung der brücke auch für fussgänger und radfahrer zu. diesen zweck erfüllt das tunnel-projekt nicht, was auswirkungen auf die förderfähigkeit haben kann. im übrigen wurde die zulässigkeit des bürgerbegehrens vom gericht auch deswegen verneint, weil die wahren bau- und folgekosten eines tunnels von den initiatoren verschleiert wurden. (zum beispiel käme ein kostenneutraler bus-shuttle für den unmotorisierten individualverkehr durch den tunnel einer maut gleich oder würde - wenn untentgeldlich angeboten - den städtischen haushalt in nicht genannter summe belasten.)

micro
20.01.09, 08:29
Verstehe.
Danke.

arnd
15.05.09, 15:22
Im Juni könnte die UNESCO ernst machen. Dann könnte das Elbflorenz den Status los sein.
Link: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,625026,00.html
Die OB versucht noch, dem Gremium klarzumachen, dass die Gerichtsurteile und der Bürgerentscheid zu akzeptieren seien, aber Paris will sich auf nichts einlassen, besonders da inzwischen die Tatsachen schon weitgehend in Stahl und Beton eingegossen worden sind.

DrZott
25.06.09, 18:24
Jetzt ist es amtlich: Dresden, oder besser: das obere Elbtal ist den Weltkulturerbetitel los!
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,631956,00.html
Laut Spiegel online entschieden sich die Vertreter mit 14 zu 5 Stimmen für die Aberkennung. Diverse Würdenträger wußten schon Bedauern auszudrücken.
Finanzielle Zuwendungen in Höhe von 13 Millionen Euro stünden zur Disposition - oder eher nicht mehr. Weitere Verluste durch ausbleibende Besucher werden befürchtet.
Ich hoffe, daß die Touristen nicht derart mit den Füßen stimmen, schießlich sieht man einer Stadt / einem Ort nicht explizit den Weltkulturerbetitel an!

Martin Pohle
25.06.09, 19:15
Das war ja nun abzusehenn. Insgesamt eine tragische Geschichte. Aber lieber ein Ende mit Schrekcen, als ein Schrecken ohne Ende. Dieses ewige Gezerre hat die Stadt seit Jahren Nerven gekostet.

Ich persönlich bin für die Waldschlösschenbrücke. Man sollte sie nun auch zu Ende bauen, davon geht das Abendland nicht unter. Und: wir werden uns wieder sprechen wenn die Brücke fertig ist. Dann stehen dort die Touristen und knipsen das Elbpanorama von Dresden. Insofern finde ich das weinerliche Geraune, das nun die Touristen ausbleiben, auch maßlos übertreiben.
Wenn man die Brücke baut, muss man auch die Folgen tragen. Es hat ja keinen Sinn, einer modernen Großstadt eine Käseglocke aufzusetzen, bloß weil irgendwelche Komittees das gern so hätten.

NewUrban
25.06.09, 22:22
Nachdem die Maxime "Freihe Fahrt für freie Bürger" endlich als überwunden galt, hat Dresden einen drauf gesetzt. Fortschritt, aber natürlich, jedoch nicht um jeden Preis. Es ist schon ziemlich bigott, dass man versucht, mit ach und krach, die Dresdener Innenstadt wieder im schmucken Barrock her zu stellen, ein international aber bedeutendes Erbe durch eine Autotrasse zerschnitten wird.

LEgende
25.06.09, 22:46
^ Nicht wirklich, wenn man um das Gerangel am Dresdner Neumarkt weiß! So klar wie es nach außen scheint, sind die Positionen dort in Bezug auf die GHND und den Neumarkt nämlich nicht. Das heute zu Sehende ist (Teil-)Ergebnis jahrelangen Kampfes. Und das geht bei jedem Häuschen weiter...

Fritz
08.07.09, 17:20
@aixois: es ist zum beispiel nicht zulässig, in schiffbaren flüssen brückenpfeiler zu errichten.

Gleichwohl ist der Wunsch (s. aixois) nach einer besseren Gestaltung zuzustimmen. In den Ausschreibungsbedingungen des Brücken-Wettbewerbs ist es versäumt worden, den Anspruch des Auslobers an eine angemessene Gestaltung verbindlich vorzugeben. Vielmehr wären Vorgaben hinsichtlich Material, Farbe und Transparenz notwendig gewesen, um eine der Umgebung angepasste und damit mit dem Weltkulturerbe vereinbare Formgebung zu erreichen - auch ohne Brückenpfeiler.

Letztlich ist es doch das Aussehen der Brücke, welches störend ist. Mittels Marterialbeschränkungen auf Elbsandstein und/oder in Kombination mit einer transparenten Stahlkonstruktion unter Beachtung von Farbvorgaben (z.B. Blaues Wunder) bis hin zu Anlehnung/Interpretation der Formen von bestehenden Elbquerungen oder früheren Entwürfen hätte das Desaster mit Sicherheit abgewendet werden können.

Hier musste die Verwaltung aber letztlich versagen, weil Ihr die Grundüberzeugung von Baukultur, Wertschätzung für erhaltenswerte Kulturlandschaften und generelle Entschlossenheit zu Gestaltungsqualität fehlt.

Beggi
27.07.09, 20:15
Von der Kuppel der Frauenkirche aus ist noch nicht sehr viel vom Baufortschritt zu sehen.
Die Brücke wird auch so weit außerhalb des Stadtkerns gebaut, dass man sie m. E. ohne Teleobjektiv kaum wahrnehmen wird.

http://www.abload.de/img/img_14794l4x.jpg

Über die Gestaltungsmerkmale der Brücke (http://iale-deutschland-e-v.online.de/__oneclick_uploads/2008/02/waldschlosschenbrucke.jpg) kann man gewiss unterschiedlicher Auffassung sein, was mir als Nicht-Dresdner gestern jedoch sofort auffiel, war eine andere Nachkriegsbrücke in der Innenstadt. Mit Verlaub, aber die passt ja wohl noch weniger in die (Stadt-)Landschaft.

http://www.abload.de/img/img_1478sad3.jpg

Cowboy
27.07.09, 21:06
^ Die Dresdner Altstadt war nicht Unesco-Weltkulturerbe, sondern das Dresdner Elbtal als einzigartige Kulturlandschaft in einer Großstadt. Die Aberkennung, bevor auch nur ein Brückenpfeiler in den Boden gerammt wurde, erfolgte, weil die Damen und Herren von der Unesco befanden, dass eine Brücke (deren geplanter Bau der Unesco bekannt war, bevor sie dem Elbtal 2004 den Welterbetitel verlieh) in dieser Kulturlandschaft (= eine durch den Menschen geschaffene Landschaft) landschaftszerstörerisch sei. Nun denn, jetzt ist es eben passiert...

Die Nachkriegsbrücke, die du ansprichst, ist die neue Carolabrücke (http://de.wikipedia.org/wiki/Carolabr%C3%BCcke_(Dresden)). Danke für die Fotos.

Torsten
28.08.09, 00:52
^^wenn man nicht gerade jede Brücke als Steinbogenbrücke bauen will, wüßte ich keine Konstruktion welche sich dezenter über die Elbe spannen läßt als die Carolabrücke. Minimaler geht es kaum.

Indessen tut sich einiges auf der Baustelle der WSB. Das 140 Meter lange sogenannte Stromfeld der Brücke wird auf der Altstädter Seite montiert. Dabei handelt es sich um den Bogen und die stählerne Trägerkonstruktion für die Fahrbahn sowie die Anbauten für die Geh- und Radwege. Die Montage soll bis Jahresende beendet sein, so daß Anfang 2010 diese Konstruktion über Hilfswagen, Pontons und Hubtürme über den Fluß geschoben werden kann. Der Brückenteil über dem Neustädter Ufer (Vorlandbrücke) wird ab Oktober entstehen. Auf der Altstädter Seite erst nach dem Einschieben des Stromfeldes.
Der 300 Meter lange östliche Ausfahrtstunnel (stadtauswärts) auf der Neustädter Seite ist so gut wie fertig. Noch dieses Jahr sollen wieder Straßenbahnen über die Bautzner Straße rollen.

Hier noch ein paar Impressionen:

die Zufahrt von Dresden Johannstadt aus:
http://img1.myimg.de/waldschlbruecke1fdb8e.jpg (http://www.myimg.de)

Blick zur Neustädter Seite:
http://img1.myimg.de/waldschlbruecke26b49b.jpg (http://www.myimg.de)

http://img1.myimg.de/waldschlbruecke34778b.jpg (http://www.myimg.de)

Das Käthe Kollwitz Ufer ist inzwischen komplett verlegt und wieder befahrbar. Zu sehen auch der große Raupenkran zur Montage der Stahlteile:
http://img1.myimg.de/waldschlbruecke49c7b7.jpg (http://www.myimg.de)
Bilder sind von mir gemacht

Fritz
05.10.09, 20:09
Ja. Ich halte die Carolabrücke auch für eher unkritisch. Hier durfte seinerzeit aber auch noch ein Brückenpfeiler errichtet werden. Die Waldschlössenbrücke hat mit Ihrer Lage in der Landschaft weder eine vergleichbare Leichtigkeit noch gestalterische Anknüpfungspunkte an die ortsübliche Baukultur. Das ist nicht gut.

Es ist die logische Folge einer unkritischen Diskussion, in der man entweder dafür oder dagegen sein durfte. Eine typische Autobahngestaltung hätte aber vorher ausgeschlossen werden müssen, bevor man sich für eine Brücke an dieser Stelle entschieden hat. Dieses Selbstverständnis fehlt im Tiefbau noch völlig.

Um es klar zu sagen: Die Zustimmung zu dem Bauwerk in dieser Form wirkt auf mich wie etwa eine Baugenehmigung für ein Hochhaus auf dem Gewandhausareal am Neumarkt.

micro
05.10.09, 21:02
Über die Gestaltungsmerkmale der Brücke (http://iale-deutschland-e-v.online.de/__oneclick_uploads/2008/02/waldschlosschenbrucke.jpg) kann man gewiss unterschiedlicher Auffassung sein, was mir als Nicht-Dresdner gestern jedoch sofort auffiel, war eine andere Nachkriegsbrücke in der Innenstadt. Mit Verlaub, aber die passt ja wohl noch weniger in die (Stadt-)Landschaft.
Ich denke mal, es gibt bedeutende und unbedeutendere Welterbestätten. Bei den einen ist es klar, dass sie den Titel unbedingt verdienen, bei den anderen steht es auf der Kippe. Ob die Pyramiden von Gizeh oder die Chinesische Mauer den Titel bekommen sollten, darüber gab es sicher wenig Meinungsverschiedenheiten, und bevor man ihn wieder aberkennt, müsste schon einiges passieren. Aber wenn die Kriterien mal so gerade eben erfüllt sind, reicht schon eine kleinere Verschandelung, und der Titel ist wieder weg.

Es war eine Anerkennung, den Titel zu bekommen, und die Unesco kann nicht mehr tun, als Ratschläge zu geben, wie der Titel behalten werden kann, falls Verschandelungen drohen. Wenn man aber die Anerkennung nicht zu würdigen weiß und wegen Vermutung Stasi-ähnlicher Machenschaften bei der Unesco stur dagegen hält, ist der Titel eben weg. Die Vermutung Stasi-ähnlicher Machenschaften erweist sich dann als selbsterfüllende Prophezeiung.

million
26.09.10, 12:07
Hier mal ein kleines Photoupdate zum Vortschritt der Waldschlösschenbrücke:

http://img689.imageshack.us/img689/3288/p1020898s.th.jpg (http://img689.imageshack.us/i/p1020898s.jpg/)

heiji
27.09.10, 18:22
Ich finde die Brückenform auch immernoch angenehmer als die der neuen Carolabrücke. Es hätte deutlich schlimmer kommen können, zB eine Hängebrücke ala Radebeul. Wenigstens ist sie aus Stahl, wie das Blaue Wunder oder der Hauptbahnhof aus Stahl sind. Meiner Meinung nach tun die vielen Plattenhochbauten viel mehr im Auge weh.

Backstein
05.10.10, 21:48
Ich war seit fast 10 Jahren endlich mal wieder in Dresden (tolle Stadt!) - und u. a. auch an der Baustelle der Waldschlösschenbrücke.

Meist bin ich ja eher gegen naturzerstörende und umstrittene Verkehrsprojekte, aber bei der Waldschlösschenbrücke verstehe ich den Aufruhr zumindest bzgl. des Ausblicks nicht so recht. Den "berühmten" Blick auf das wiederaufgebaute Ensemble an der Elbe habe ich doch eher westlich der in Bau befindlichen Brücke - und der bleibt ja erhalten. Die bisher gebauten Brückenteile machen auch keinen allzu monströsen oder klobigen Eindruck auf mich. Da stören mich die Plattenburgen und Betonbrücken schon mehr.

Ich finde eher die Beeinträchtigung der Flussauenlandschaft problematisch. Über den verkehrstechnischen Sinn der Brücke kann ich mir als Nichtdresdner kein wirkliches Urteil bilden.

Drei Bilder von mir dazu:

http://www.abload.de/img/1_wsbuwf4.jpg

http://www.abload.de/img/2_wsb6418.jpg

http://www.abload.de/img/3_wsbh33t.jpg

erschonwieder
12.12.10, 18:34
Irgendwie geht es weiter und irgendwie auch nicht ;-)
Hier berichtet der mdr vom letzten Stand der Dinge. Vorschob ist bis ans Ufer passiert, aber die Übernahme auf ein Schwimmpoton funktioniert wegen des niedrigen Wasserstandes (noch) nicht.
Im Filmbeitrag schön erklärt
http://www.mdr.de/nachrichten/7959895.html

erschonwieder
15.12.10, 22:28
Die Bauleitung der Waldschlößchenbrücke hat heute entschieden, dass es auf Grund der aktuellen Wetterbedingungen morgen (14.12.2010) nicht zum Beginn des Verschubes des Brückenbogens der Waldschlößchenbrücke kommen wird. Im Laufe des 15. Dezember wird die Entscheidung über das weitere Vorgehen erwartet. Sollten die Wetterbedingungen es zulassen, könnte ggf. Ende der Woche mit dem Einschwimmen begonnen werden. Schritt 1: Verschub des Brückenbogens an das Elbufer (etwa 20 Stunden), Schritt 2: Verschub des Brückenbogens auf Pontons (etwa acht Stunden) und Schritt 3: Einschwimmen des Brückenteils (etwa 12 Stunden).

Beggi
20.12.10, 10:44
Das Wetter war gestern anscheinend gut genug zum "Einschwimmen" des Brückenmittelteils. Der 1800 Tonnen schwere Brückenbogen wurde am Sonntagmorgen 54 Meter flussaufwärts transportiert. Eine Seite des Teils war auf Schwimmpotons, die andere auf Rädern gelagert. Nach der mehrstündigen Verlagerung wurde der Bogen auf seinen endgültigen Halterungen aufgelegt und verankert. Ende 2011 soll die Brücke in Betrieb genommen werden.

Ein ausführlicher Bericht findet sich >> hier (http://www.mdr.de/sachsenspiegel/8013028.html) << (Sachsen Spiegel)
Sogar mit Video (http://www.mdr.de/sachsenspiegel/8014487.html)!

tiefbauer
21.12.10, 16:36
Schöne Brücke, gefällt mir!

Und Volkes Wille wurde vollstreckt :lach:

Phoenix
21.12.10, 21:52
Schöne Brücke, gefällt mir!

Und Volkes Wille wurde vollstreckt :lach:


Wie wußte bereits Hegel:
"Das Volk ist derjenige Teil des Staates, der nicht weiß, was er will."

Beggi
24.08.13, 14:44
Heute wird die Walschlösschenbrücke eröffnet. Für Autos ist sie ab dem kommenden Montag befahrbar.

Die Bauzeit betrug 6 Jahre, die Kosten betragen 181 Millionen Euro. Weitere Daten und Informationen gibt es z. B. >>> hier (http://www.n24.de/n24/Wissen/Kultur-Gesellschaft/d/3404614/dresden-feiert-die-waldschloesschenbruecke.html) <<< und auch >>> da (http://www.sueddeutsche.de/kultur/waldschloesschenbruecke-dresden-erlebt-sein-graues-wunder-1.1753635) <<<.

Interessant: Die Kleine Hufeisennase (Fledermaus), die Grund für einen Baustopp vor ein paar Jahren, besondere Beleuchtung und ein zukünftiges nächtliches Tempolimt ist, wurde bisher nicht gesichtet. Die Dresdner Bürger meinen nach dem jahrelangen Zank: "So schlimm ist sie gar nicht geworden." Mir gefällt sie auch gut.

Saxonia
24.08.13, 15:05
Da kann ich es wirklich nur mit Max Liebermann halten. Am liebsten würde man dieses Desaster ja vergessen aber man kann es leider nicht.

Die Zeit trifft den Kern der Sache meiner Ansicht nach recht gut. http://www.zeit.de/2013/35/dresden-waldschloesschenbruecke-eroeffnung

(dwt).
26.08.13, 19:59
Waldschlösschenbrücke: 26.August 2013 Erster Durchfahrverkehrstag

>>>>>>>>>Clip (http://www.youtube.com/watch?v=az2syfcKT_A)<<<<<<

(dwt).
28.08.13, 23:12
Dresdner Waldschlößchenbrücke ist weiter Staufalle

Bereits am Tag eins nach der Eröffnung ist die Brücke eine Staufalle.

Hier (http://www.freiepresse.de/SACHSEN/Dresdner-Waldschloesschenbruecke-ist-weiter-Staufalle-artikel8508610.php) eine mögliche Antwort darauf.

Bei einen anderen Bericht heißt es wiederum das man die Umliegenden Straßen,
weit vor der Brücke ausbauen müsse, was aber nicht möglich sei,
da es in die Millionen gehe und somit erstmal nicht machbar ist.
Somit kann es durchaus sein, das der Verkehr auch weiterhin nicht wirklich fließt.

spock99
22.09.13, 13:13
In letzter Zeit gab es einige Beschwerden über den Fahrbahnbelag der Waldschlösschenbrücke.
Beim Darüberfahren entsteht ein sehr ruckelndes Gefühl, als wäre es nicht richtig verarbeitet worden. Ich habe es selbst schon ab und zu mitbekommen.
Mich würde interessieren, was darüber manch anderer hier denkt.
Grüße,
Spock

Elli Kny
22.09.13, 15:53
Ich habe mich bisher nur als Radfahrer gewundert, warum es trotz des tagsüber vorbeifahrenden Verkehrsstroms so dermaßen leise auf der Brücke ist, geradezu still, auch an der Tunneleinfahrt, so als schwebten die Fahrzeuge. Ich guckte mir daraufhin den Asphalt an. Er hat eine sehr grobe Oberfläche, so als ob eine letzte Kieslage nur teilweise eingewalzt wurde. Ist das eine Variante des lärmreduzierenden, offenporigen Asphalts? Gut vorstellbar, um den Wohnlagen ringsum ein permanentes Lärmrauschen von der Brücke zu ersparen. Oder ist es eine Oberflächenart, die schlechter Glatteis bildet, weil Wasser in der Porigkeit und Quergefälle abfließt? Kann sein, dass es sich etwas rauer drüberfährt. Ob es uneben ist, kann ich noch nicht beurteilen. Eine gewisse Rauigkeit und kleine Unebenheiten sind meines Erachtens zu Beginn normal und fahren sich mit der Zeit ab.

spock99
22.09.13, 21:54
Leider kenne ich mich mit Asphaltarten viel zu wenig aus. Aber deine Erklärungen klingen logisch. Hinsichtlich Glatteis könnte wegen der steileren Brückenauffahrt seitens der Johannstadt tatsächlich so ein Belag zur Verwendung gekommen sein. Dass sich das abfährt, ist schwer zu hoffen!

RianMa
23.09.13, 23:04
Was hier noch fehlt, sind Fotos von der fertiggestellten Waldschlösschenbrücke. Vorgestern bin ich dort mal entlangspaziert und ich persönlich muss sagen, dass sie mir gefällt. Und wie Elli Kny in Post #141 erwähnt hat, muss ich auch sagen, dass es trotz des vielen Verkehrs unglaublich ruhig war. Man hat unterhalb der Brücke so wenig gehört, dass man auch hätte denken können, dass gerade kein Auto über die Brücke fährt. Wenn das bewusst so geplant worden ist, dann herzlichen Glückwunsch. Es hat geklappt. ;)

http://abload.de/img/img_5038nyirb.jpg

http://abload.de/img/img_5040gpd18.jpg

Im Moment werden noch die Geh- und Radwege hergestellt sowie Pflasterarbeiten im Bereich der Fundamente durchgeführt. Ich bin der Meinung, dass man hier den asphaltierten Weg gleich um ein oder zwei Meter breiter hätte ausführen können. Auf diesem Teil des Elbweges schubsen sich zu Stoßzeiten die Fußgänger, Radfahrer und Inlineskater gegenseitig von der Strecke. Aber gut, ich will mich nicht beklagen. Der Weg ist ja ansonsten in gutem Zustand.

http://abload.de/img/img_5042axdl2.jpg

http://abload.de/img/img_5045ikcek.jpg

http://abload.de/img/img_5046imc3f.jpg

http://abload.de/img/img_5047bqc3b.jpg

http://abload.de/img/img_5049i4eeb.jpg

Und noch ein letzter Blick aus einiger Entfernung:

http://abload.de/img/img_5051ryfc3.jpg

Elli Kny
03.10.13, 19:37
Also wie ich mich im Straßen- und Tiefbauamt informieren konnte, wurde weder offenporiger, noch sonst irgendein spezieller Asphalt eingebaut. Die Unebenheiten konnten ebenso noch nicht beurteilt werden. Die scheinbare Stille auf der Brücke ist wohl doch der Offenheit des Raums und dem Wind zuzuschreiben. Viel zu hell ist es nachts auf der Brücke aber trotzdem. Die Beleuchtungsrichtlinie hat wieder über die Gestaltung und den gesunden Menschenverstand gesiegt. Aber meines Erachtens kann man LEDs doch unproblematisch abdimmen - in (ferner) Zukunft.

Elli Kny
12.03.14, 21:07
Landschaftbau am Waldschlösschen

aktuell erfolgt endlich die finale gestaltung des umfeldes des rechtselbischen brückenkopfes. mutterboden wird an den elbwiesen aufgebracht, die schütthügel am hang werden abgetragen. seit monaten wartet man auf diese fertigstellung, aber es wird sich noch um allemöglichen rechnungen vor gericht gestritten und die baufirmen glänzten durch nichtstun.
http://abload.de/img/dscf8940a0qqp.jpg

Elli Kny
23.08.14, 00:30
Waldschlösschenbrücke wird 1

das projekt ist immer noch permanenter dauerbrenner der lokalmedien und vieler anderer. ständig erscheinen artikel und berichte zu allem möglichen rund um diese brücke. in den kommentaren wird die grundtiefe zwei-spaltung der stadt zum thema deutlich, die sich wohl nun eine ganze generation halten wird und für dauerstichelei sorgt.

zum 1. geburtstag der brücke gibts nun torte und die SäZ schreibt einen zeigbaren und kurzen überblick über das erste lebensjahr:
sz-online - das-erste-jahr-der-waldschloesschenbruecke (http://www.sz-online.de/nachrichten/das-erste-jahr-der-waldschloesschenbruecke-2911984.html)
oder etwas genauer:
sz-online - ueberraschungen-am-waldschloesschen (http://www.sz-online.de/nachrichten/ueberraschungen-am-waldschloesschen-2911594.html)

http://abload.de/img/was48c1k93.jpg
^älteres foto

Elli Kny
18.11.14, 19:00
kurze Nachbetrachtungen zur Waldschlösschenbrücke

es geht um blitzer, led-leuchten, kosten und fledermäuse sowie den stand zu den neuen parkplätzen am altstädter brückenkopf

das kurzvideo entbehrt nicht einer gewissen komik - auch des herrn strassenbau-amtsleiters
baubeobachter der woche (http://www.dresden-fernsehen.de/Mediathek/Baubeobachter-der-Woche/Artikel/1369429/Baubeobachter-LEDs-an-der-Waldschloesschenbruecke-eine-Fehlkonstruktion/)

efhdd
18.11.14, 19:41
Der Freistaat bezahlt ja 90% des Projekts - bezieht sich das auf den ersten Kostenvoranschlag oder auf die endgültigen Kosten?
(Zumindest bei SAB-Projekten in Privatunternehmen wird ja am Ende abgerechnet und nur der Fördersatz wie etwa hier 90% steht fest - das würde bedeuten, dass die Brücke für Dresden etwa 18 Mio. EUR gekostet hätte abzüglich der Förderung)

Die Brücke spart durch kürzere Wege übrigens 3.000 Liter Kraftstoff pro Tag und damit 7,1 Tonnen CO2. Kürzere Fahrzeiten und weniger Staus kommen hinzu.

Mit durchweg Tempo 50 statt Tempo 30 könnten noch ein paar weitere Tonnen CO2 gespart werden, aber da hat die Hufeisennase ja etwas dagegen. :)