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Alt 17.07.12, 15:21   #27
nothor
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Hintere Ledergasse 43

Um den Samstäglichen Spaziergang auch hier abzuschließen kommt nun der kurze Beitrag zum aktuellen Projekt der Altstadtfreunde "Hintere Ledergasse 43". Google maps Link.

Das Projekt wurde bereits 2003 hier im Forum vorgestellt: Link, aber seit dem ruht der See.

Das Haus stammt in seinen Grundstrukturen aus dem 17. Jahrhundert, während seine Geschichte noch weiter zurück reicht. In einem großen Stadtbrand ging der ursprüngliche Bau verloren und wurde ab 1697 wieder neu aufgebaut. Damals gab es nur das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss als massiv ausgemauerte Fassadenteile, die oberen Stockwerke waren in Fachwerksmanier offen gebaut. Dort waren Lager- und Trockenräume für gegerbtes Leder, das lange auslüften musste. Daher hat man die oberen Stockwerke offen gebaut. Die Altstadtfreunde haben das zeichnerisch mit einem Aufsteller visualisiert:



Im späteren 19. Jhrd wurden die oberen Stockwerke in einfacher Form massiv gemauert um Wohnraum darin zu schaffen. Der Unterschied der Substanz des 17 Jhrd's und des 19. Jhrd's lässt sich an den Fensterlaibungen erkennen, die im 1. OG barock mehrfach profiliert sind.



Die Altstadtfreunde haben dieses Haus vor etwa 10 Jahren gekauft, als es noch bewohnt war. Untersuchungen haben gezeigt dass es massiv baufällig und einsturzgefährdet ist, und schnell geräumt werden musste. Seither steht es leer.


Sicherungsmaßnahmen im Innern erhalten es aufrecht, um es sorgfältig zu entkernen und alle tragenden Teile zu stabilisieren. Im Erdgeschoss befindet sich auf etwa dem ersten Drittel der Gebäudelänge, dort, wo man eine tragende Innenwand vermuten würde, eine massive Sandsteinsäule, die einen gewaltigen Holzbalken trägt. Im folgenden Bild ist der alte Holzbalken als weiss gestrichenes Gesims sichtbar, links sind die gegenwärtigen Sicherungsbalken zu sehen:



Die Geschichte des Hauses zeigt auch dass es unregelmäßig wieder aufgebaut wurde. Der damalige barocke Hausherr hatte wohl keine Mittel für einen zügigen und massiven Wiederaufbau nach dem Brand, daher hat er ersteinmal die östliche Seite des Hauses wieder errichtet, wobei der Balken und die Säule wohl ausreichend stark waren. Erst später kam die Last der übrigen Gebäudestruktur hinzu.

Heute stehen die Altstadtfreunde als Eigentümer und rekonstruktionsfreudige Bauherren vor der Qual der Wahl: Soll das Gebäude in seiner jetzigen Form erhalten bleiben, so wie der linke Nachbar, oder soll es in den Ursprungszustand eines "Ledererhauses" zurück versetzt werden mit den damals offenen 2. und 3. Obergeschossen, und damit als Beispiel eines solchen Gebäudetyus wieder auferstehen? Fördermittel für die Sanierung gibt es wohl nur dann, wenn der Zustand 19. Jhrd. (Ist-Zustand) gesichert wird. Eine Reko würde wohl nicht unterstützt werden, so unser Guide.
Es wurde auch zu bedenken gegeben, dass die Altstadtfreunde als Eigentümer an einer anschließenden Vermarktung interessiert sind, d.h. den entstehenden Wohnraum anschließend vermieten wollen. Vor diesem Hintergrund wird auch überlegt, wie man das mit der Reko vereinbaren kann, da ja letztlich eine echte Fensterfront verloren geht. Laubengänge und Studentenzimmer wären denkbar....
In jedem Falle ist die Rekonstruktion des Hauses eine kostentechnische Mammutaufgabe, und wird auf längere Zeit viele Ressourcen des Vereins binden, insbesondere da noch andere Projekte laufen und es eine Warte-/Wunschliste für die mittelfristige Zukunft gibt. Daher ist auch die Hoffnung für die Adlerstraße 36 eher gering.

An dieser Stelle auch noch einmal einen herzlichen Dank an die Altstadtfreunde Nürnberg für diese sehr interessanten (und kostenlose) Stadtführung.
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