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Alt 07.07.14, 17:38  
nothor
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Dämmorgien in Wöhrd

Der Stadtteil Wöhrd ist nun leider nicht der attraktivste, was die Qualität der Bebauung angeht. Schnurgerade Straßen mit endlosen Hausfassaden aus den viel geschmähten Wiederaufbaujahren prägen das Stadtbild. Dennoch lassen sich zwischendrin immer wieder ein paar Edelsteine finden, die durch die Kunst der 50'er und 60'er Jahre den Passanten mal aufgucken lassen. Und anders als in der Südstadt, wo sich die Kunst am Bau mit großformatigen Sgraffito thematisch mit dem Wiederaufbau befasst, ist in Whörd die Kunst etwas abstrakter, zeitloser. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist am unteren Ende in der Bauvereinstraße zu finden:



Die Brüstungsfelder unterhalb der selbstbewusst breiten Fenster, die damals als Kontrapunkt zu den stets aufrecht stehenden Altbaufenstern der letzte Schrei gewesen sind, wurden kunstvoll verziert. Diese Mischung aus Jugendstilornamentik und gegenständlicher, fast volkstümlicher Darstellung hat die Jahrzenhte Wind und Wetter bestens überstanden. Detail:



Ein anderes Beispiel findet sich in der Kühnhoferstraße, wo sich der Architekt eindeutig Gedanken gemacht hat und das gebäude sich heute wohltuend (und auch wertsteigernd) von den übrigen abhebt:



Ein anderes Haus in der Nunnenbeckstraße rezitierte die Glanzzeit Nürnbergs, das ehem. Fanny-Siegel-Haus.



Der Architekt Siegel nahm sich als Thema für sein Haus den Straßennamen vor, und stiftete dem Viertel damit sogar ein wenig Identität. Auf der Seite der Stadtbildinitiative Nürnberg (SBIN) lässt sich über die Geschichte des Hauses einiges nachlesen. Details:



Leider sind die Eigentümer auf die Versprechen der Werbung "dämmen lohnt sich" herein gefallen, und haben den Charakter des Hauses zerstört. Heute schaut es so aus:



Schade, doppelt schade, da nicht wirklich zu erwarten ist, dass die Eigentümer etwas davon haben werden. Dämmen ist teuer, Dämmen ist riskant und unberechenbar. Lässt sich in der Sulzbacher Straße, nur wenige Meter weiter, gut beobachten: Das Haus wurde vor knapp 2 Jahren erst saniert, und an der Fassade muss bereits nachgebessert werden:



Das plötzliche Aufstellen von Gerüsten an kürzlich sanierten Häusern lässt sich immer wieder in der Stadt beobachten. Glück für die Besitzer, wenn es in die Gewährleistung des Handwerkers fällt, aber die trägt nur 5 Jahre. Es gab Zeiten, da konnte man sich darauf verlassen dass eine Fassade 50 Jahre wartungsfrei durchhält. Mit Dämmung erreicht man oft nichtmal 5.
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