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Alt 26.09.16, 18:12   #30
antonstädter
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Es war ein wahres Idyll, das Schlößchen Antons an der Elbe am, wie der Name unmissverständlich verriet, Elbufer gelegen, schräg gegenüber der Prießnitzmündung und des Linckeschen Gartens. 1754 entstand das spätbarocke Kleinod als Wohnsitz des Steuerrates Christian Gottlob Anton auf dem Gelände einer defizitären Kalkbrennerei. Da ihm das ganze Projekt doch etwas über den Kopf wuchs, richtete er von Beginn an einen kleinen Gastronomiebetrieb nebst Gästezimmern ein. Die gastronomische Nutzung des Anwesens sollte sich bis zu dessen Untergang 1945 fortsetzen.

Nach diversen Betreiberwechseln, zahlreichen Hochwässern und einem klassizistischen Umbau 1828, dem das Antons seinen markanten Uhrturm verdankte, ging es 1898 in den Besitz der Stadt Dresden über, die es für die geplante Hochuferstraße und aus Hochwasserschutzgründen plattmachen wollte. Letztlich jedoch blieb es bestehen, die Straße wurde weit landeinwärts angelegt (das heutige Käthe-Kollwitz-Ufer), das Schlösschen wurde durch Dammanlagen vor Hochwässern geschützt (die wahrscheinlich 2002 und 2013 herzlich wenig hätten ausrichten können) und ein erfolgreicher Gastronomiebetrieb eingerichtet, zu dem sich in den zwanziger Jahren noch ein Elbbad gesellte, das allerdings nur eine kurze Halbwertszeit haben sollte.

Das Schlösschen Antons überlebte schließlich bis zum 13. Februar 1945. Nach dem Krieg wurden die Ruinen abgeräumt, auf dem Gelände entstand die Kleingartensparte „Elbfrieden II“. Dieser wiederum machte der Hochwasserschutz nach dem Desaster von 2002 den Garaus. Von Antons an der Elbe zeugen heute nur noch die Reste der Uferbefestigung und die Bäume des einstigen Gartens, die den Luftangriffen erfolgreich trotzen konnten.

Näheres zur Geschichte von Antons findet man im Johannstadt-Archiv oder bei Tante Wiki.


Lage von Antons an der Elbe auf einer aktuellen Luftansicht aus dem Themenstadtplan.




Blick auf die Stadt Dresden von der Bautzner Straße in Höhe Waldschlößchen 1830. Links allein auf weiter Flur das Antons noch ohne Turm. (Deutsche Fotothek). Dieser Blick wird heute durch ein gewisses Brückenbauwerk massiv entstellt.




Annäherung an das Grundstück vom Käthe-Kollwitz-Ufer aus.




Die Gorbitz (oder ist es die Prohlis?) passiert den Standort des Schlösschens Antons.




Antons an der Elbe, Blick in Richtung Innenstadt um 1900.




Vergleichsansicht. Das Schlösschen hätte sich links des Weges befunden. Rechts zeugt das Gebüsch vom einstigen Biergarten, darunter die mit Trümmerschutt angefüllten Reste der dem Hochwasserschutz dienenden Uferbefestigung des Anwesens.




Nichts zeugt mehr vom geschäftigen Treiben der Sommerfrischler, die sich unter dem üppigen Baumbestand ihr Bierchen, Schälchen Heeßn oder ein Stück Eierschecke zu Gemüte führten. Das Antons war ein sehr volkstümliches Etablissement.




Die einstigen Wiesen des Anwesens wurden nach dem Krieg der Kleingartensparte „Elbfrieden II“ zur Verfügung gestellt. Diese hielt sich bis 2002.





Uferbefestigung.






Standort des Antons in flussaufwärtiger Richtung geschaut.




Zwei Vergleichsbilder aus der Deutschen Fotothek.






Fassadenaufriss des Hauptbaus (Deutsche Fotothek).




Antons von der Johannstädter Fähre aus gesehen.




Standort des Antons vom Antonstädter Elbufer aus.




Ähnliche Perspektive bereits mit Elbbad, Foto aus der Fotothek. Beachtenswert: Die alten Bäume im Garten sind heute noch sehr gut zu erkennen!




Weiteres Vergleichsbild auf alter Postkarte, um 1900. Noch ist an den Badebetrieb nicht zu denken.




Die Ruine überlebte noch einige Zeit nach der Zerstörung, wurde jedoch später abgetragen und das Gelände als Kleingartensparte genutzt. Die traurigen Bilder entstammen ebenfalls der Deutschen Fotothek.






Die „Kurort Rathen (III)“, Baujahr 1896 und bis 1956 als "Bastei" bezeichnet, passiert Antons auf voller Fahrt flussabwärts und hat bereits den Schornstein zur Durchfahrt der Innenstadtbrücken umgelegt. Die Waldschlößchenbrücke konnte sie noch erigiert unterqueren. Das Schiff wurde ursprünglich als Glattdeckdampfer gebaut und erhielt sein Oberdeck erst 1927/28. Die grün-weiße Lackierung der meisten Elbdampfer entspricht übrigens dem Anstrich der Glattdeckdampfer, die historische „Oberdecklackierung“ trägt (fälschlicherweise) nur die Stadt Wehlen.



Mit der Johannstädter Elbfähre, einer von nur noch drei der ursprünglich zahllosen Fährstellen im Stadtgebiet, werden wir nach dem Besuch in der Johannstadt wieder in heimatliche Gefilde übersetzen.

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