Nbger Zentrum: Sebalder und Lorenzer Altstadt

  • Allgemeine Meldungen Altstadt

    Ich habe hier noch keinen allgemeinen Thread zum Thema Altstadt gefunden, auch wenn vereinzelt zu bestimmten Projekten Threads existieren. Aber mir ist die mögliche Auflösung der zwei Hauptthreads "News, Fragen & Antworten zu aktuellen Bauvorhaben" und "Kleinere oder resonanzarme Projekte" etwas zu niedirg für die doch vielen sehr unterschiedlichen Baustellen in der Stadt. Aber um nicht für jede Baugrube einen eigenen Thread zu erstellen kann doch für kleine Dinge ein eigener Thread da sein. Ich fang einfach mal an:


    Im Immobilienscout gefunden, der Altbau "Buchbinderei" von 1393 in der Irrerstraße 13 steht zum Verkauf. Schon die Anzeige zeigt auf, dass dabei viel falsch aber auch viel richtiges getan werden kann für die Altstadt. Vor allem die Frage nach einer passenden Fassadengestaltung kann rege diskutiert werden. Hoffentlich passiert da nicht etwas an der Öffentlichen Aufmerksamkeit vorbei?
    Ich meine 1393!!!! Das ist doch mal ne Hausnummer, welche Stadt kann soetwas bieten? Derjenige, der das kauft, kann sich a) dafür feiern lassen, hat aber auch b) (zumindest meinerseits) hohe Erwartungen.


    Aber wie gesagt, ebenfalls Teil der Anzeige ist eine schauerliche Visualisierung wie es sein könnte (abe rnicht sein sollte): Link Zeichnung.


    Weiss wer mehr?


    Ein paar Bilder:
    vom Geiersberg aus gesehen






    Ansicht von der Gasse an der Weissgerbergasse aus gesehen, wo die Altstadtfreunde gerade ein Fachwerkhaus vorbildlich wieder hergerichtet haben. Wäre doch jammerschade, wenn dieses Haus gegenüber, das jetzt zum Verkauf steht, die Rekoarbeit der Altstadtfreunde verhöhnen würde :(


  • Eigentlich sind ja 300 000 Euro für ein dreistöckiges Haus in bester Innenstadtlage und gutem Grundstückszuschnitt (Innenhof zur Südseite, Nordseite mit repräsentativem Vorplatz) ein Schnäppchen.


    Nur wird da sicherlich der Denkmalschutz so umfassend im Boot sitzen das die Renovierungs- und Ausbaukosten sicher noch mal die doppelte Summe verschlingen. Zum Vergleich: Für das baufällige Haus in der Oberen Krämersgasse, ebenfalls im Kern 14. Jahrhundert, wird mindestens 700 000 Euro veranschlagt. Hier hat ja "ein finanzkräftiger Privatmann" zu geschlagen (http://www.nordbayern.de/nuern…sse-ist-gerettet-1.364277).


    Ich denke wir sollten uns hier keine Sorgen machen, es freut mich das hier ein Juwel mit großer Wahrscheinlichkeit wieder entsteht.
    Übrigens hatte ich mal gehört, dass jenes Gebäude links der Fotos, als auf der anderen Seite der kleinen Treppe (oder hinter dem "Mulzer-Haus"), auch verkauft wird oder bereits wurde. Da war lange eine Backstube drin. Auch daraus ließe sich was herrliches zaubern.


    d.

  • Die ehemalige Buchbinderei steht nun schon recht lange zum Verkauf.
    Das Haus links (ehemalige Bäckerei) soll das benachbarte Hotel Elch gekauft haben. Wollte wohl erweitern, rührt sich aber im Moment nichts.

  • Sebalder Höfe

    @ harher: Ist wohl kein gutes Zeichen schätze ich, dass es sich nicht an den Mann bringen lässt. Was ich dennoch beunruhigend finde ist, dass die Skizze des wiederaufgebauten Hauses suggeriert, man könne es auch ohne Rücksicht auf die Wiederherstellung einer historischen Ausstrahlung einfach nur wohnfertig sanieren. Das wäre mir persönlich nicht genug. Da gefallen mir die historischen (?) Zeichnungen in der Anzeige deutlich besser. Es kommt nur nicht heraus welche Erwartungen an den Käufer gestellt werden.


    Sebalder Höfe:


    Verdient wohl immerhin eine Erwähnung: Berger Immobilien wird großflächig sanieren an der Inneren Kramer Klett Straße. Schwieriges Terrain, liegt es doch inmitten der sog. "Steppe", wo es weit und breit kein einziges Haus über das Jahr 1945 geschafft hat. Außerdem ist die Straße eine dreispurige Hauptausfallstraße aus der nördlichen Altstadt mit schmalem Gehweg.




    Der Verkauf der Wohnungen in den einschlägigen Portalen hat begonnen, es wird mit Luxus geworben. Die Häuser sind derzeit kaum noch bewohnt.


    Nachtrag: Link zu Visualisierungen über die geplanten Anpassungen. Tatsächlich werden die Häuerreihen nur behutsam verändert. Der Ensembledenkmalschutz, der die ganze Altstadt überzieht, greift hier voll zu. Wenn man sich die Lage vor Ort anschaut, kommt einem eigentlich eher das Grausen....

  • Der geplante Bau eines Mehrfamilenhauses neben dem Unschlittplatz, direkt an der Pegnitz, wurde im Baukunstbeirat behandelt. Derzeit stehen auf dem Grundstück Untere Wörthstraße 16 noch Garagen.


    Bei der öffentlichen Sitzung kam es zu heftiger Kritik an der Ausformung und Erdgeschossgestaltung des geplanten Wohngebäudes. Zum einen sei das Dach zu flach um die typischen Nürnberger Schleppgauben statt der angedachten Flachdachgauben zu verwirklichen. Zum anderen sei es ein Armutszeugnis, dass das Erdegeschoss zur Unteren Wörthstraße lediglich als Tiefgarageneinfahrt und Notausgang herhalten müsse.
    Immerhin zeigen die Pläne Laubengänge zur Pegnitz. Der Baukunstbeirat hat mit seiner Kritik allerdings völlig recht. Der Bauherr wäre gut beraten hier auf die Hinweise des Rates einzugehen. Allerdings sind der Stadt die Hände gebunden. Alle rechtlichen Bedingungen erfüllt das geplante Gebäude.


    Berichtet wurde darüber in der NZ:
    http://www.nordbayern.de/nuern…-harsche-kritik-1.2065683


    die Pläne sind hier einsehbar:
    http://www.nuernberg.de/intern…ell_31922_2012_05_10.html


    Luftbild:
    http://maps.google.de/maps?q=U…lfranken,+Bayern&t=h&z=19




    d.

  • Das ist die nähere Umgebung: google street view.
    Die Umgebung ist bautechnisch höchst anspruchsvoll und sensibel! Den Vorschlag, einen Wettbewerb zu veranstalten, finde ich gut.


    Leider konnte ich da gestern nicht dabei sein, hätte sich sicher gelohnt. Die Protokolle zur Sitzung sind ja noch nicht online.

  • In der Königstraße Ecke Adlerstraße in der Altstadt ist das Haus Juwelier Wempe eingerüstet. Findet dort eine Fassadensanierung statt?




    Immer wenn ich in Nürnberg ein eingerüstetes Gebäude sehe fährt mir ein Schauer über den Rücken. Hier ist absolut kein Gespür für Stadtbild vorhanden, da wird ein Haus nach dem anderen glattverputzt und weiss gestrichen, dass einem übel werden kann:


    Direkt gegenüber, zwischen dem Bankhaus Hypovereinsbank und dem Admiral, Königstraße Ecke Findelgasse geht das Haus in die letzte Phase der Sanierung. Dämmstoff in Form von Mineralwolle kommt drauf, und verblendet wird mit Naturstein, vermutlich Granit. Sieht hinterher sicherlich ganz passabel aus:



    Nachdem nun das Haus Königstraße Ecke Kaiserstraße ein Jahr lang steht ist der untere Teil des Ladengeschosses immernoch nicht vermietet. Wer mal einen Blick durch das Schaufenster wirft kann dabei die problematische Ladenfläche aufgrund des seltsamen Grundrisses gut erkennen. Das haus sieht zwar ganz anständig aus, aber die Ecke alles andere als clever gelöst:



    Bin mal gespannt, wer sich erbarmt und dort Quartier bezieht, nachdem darüber eine Nobelkette eigezogen ist.

  • Wie in der NZ berichtet wird, renoviert ein Architekt derzeit Nürnbergs ältestes Fachwerkhaus von 1338.


    http://www.nordbayern.de/nuern…fachwerkgebaude-1.2122856


    Der neue Bezitzer hat das Haus erst kürzlich erworben und versucht mit viel Eigeninitiative und unter Hilfe der Altstadtfreunde das Anwesen wieder auf vorderman zu bringen.


    Wieder mal ein Beispiel für das wirklich vorbidlhafte bürgerliche Engagement in der Stadt. Auffällig ist dabei, das nicht nur die großen Mäzene solche Projekte stemmen, sondern eben auch "normale Familien" oder Einzelpersonen. Man denke hier an das derzeit in Sanierung befindliche Schloss in Schoppershof oder ein weiteres Fachwerkaus ganz in der Nähe.


    d.


  • Traurig ist aber in dem Zusammenhang, dass die Stadt Nürnberg nur wenig finanzielle Unterstützung gibt - jedenfalls im Vergleich z.B. mit Bamberg.
    Oftmals ist übrigens der Denkmalschutz eher eine Bremse für privates Engagement. Da muss alter, aber nicht mehr zumutbarer Putz an Wänden erhalten werden - Lösung eine Trockenbauwand wird vorgeblendet. Oder alte Dachbalken müssen mühsam, Stück für Stück, restauriert werden - nur um dann für immer unsichtbar feuerfest ummantelt zu werden.

  • Ein paar Bilder von heute zu dem in Rede stehendem "ältesten Fachwerkhaus Nürnbergs". Es handelt sich um das ganz rechts außen. Das Fachwerk ist nicht zu sehen bzw. wurde die Giebelseite komplett aus Sandstein neu aufgebaut. Der gepostete Artikel in der Tagespresse gibt dazu gut auskunft.


    Heute war sogar ein Blick in einer der Räume im 2. OG möglich. Stuck, vermutlich barock oder später, vielleicht vereinfacht... :)



    Oberere Krämersgasse Ecke Untere Schmidgasse

    Unweit davon wird ein weiteres Fachwerkgebäude kernsaniert. Der Vorzustand in Google Streetview Linky sieht ja sooo schlecht garnicht aus. Es scheint, als würde das gebäude u.a. aufgestockt und der Dachaufbau, der nach 19 Jhrd. aussieht, durch einen mehrgeschossigen ersetzt. Weiss da jemand mehr? Bilder von heute:



    In den Details kann man gut die neuen Balken erkennen. In den Wänden werden Kupferrohre verputzt(?), als eine Art Heizung (?):




  • Ich sehe ein Erdgeschoß aus Sandstein, darüber zwei Obergeschosse in Fachwerk und obendrauf ein Mansarddach - genau wie vorher. Lediglich der obere Teil des Daches über der Mansarde (ich habe keine Ahnung ob es hierfür einen eigenen Begriff gibt) könnte eventuell etwas steiler sein als vorher; wetten würde ich darauf aber nicht, vielleicht täuschen mich hier auch nur die unterschiedlichen Blickwinkel.


    Beim letzten Sanierungsprojekt in der Pfeifergasse haben die Altstadtfreunde auch Wandheizungen installiert; das scheint inzwischen durchaus üblich zu sein.

  • Aufgrund des Erweiterungswunsches des Hotel Elchs in der Irrerstraße 9 kam es nun zu einer leichten Modifizierung des Bebauungsplans "Nordwestliche Altstadt".
    Wie oben bereits mal angeschnitten, haben die Hoteleigentümer das historische, weigehend leer stehende Nachbargebäude Irrerstraße 11 (im Thread oben mit abgebildet) gekauft und möchten dort sanieren und zusätzliche Zimmer einrichten. Das schöne Gebäude, im Kern 16. Jahrhundert, steht direkt hinter dem kürzlich sanierten "Mulzerhaus", dem Sitz der Altstadtfreunde in der Weißgerbergasse.
    Das ganze ist nun rechtlich abgesegnet. Dies kann der Ecke nur gut tun, ich finde sie bislang etwas zu stark auf Wohnen ausgerichtet. Etwas mehr Leben, gerade am Abend, würde hier gut tun.


    Auch das Burghotel in der Lammgasse darf übrigens leicht erweitern.


    d.

  • Dürer's Rathaussaal-Bemalungen

    In der NN gibt es einen kurzen Beitrag über die Forderung der Altstadtfreunde, Dürers Rathaussaal wiederherzustellen. Link.


    Die derzeitige Kultureferentin der Stadt, Frau Lehner, ist dagegen und meint sinngemäß, dass Dürers Saalgestaltung schon seit Jahrhunderten in Reniovierungsaktien stückweise verändert wurde und verschwand, und letztlich mit 1945 total verloren gegangen ist. Demzufolge sei er gar nicht rekonstruierbar, da die vorbildgebenden Vorlagen ihrerseits nur unvollständigen Dürer zeigten.


    Meine Meinung ist da wieder leicht berechenbar: Natürlich muss die Rathaussaal-Bemalung wieder her! Ich bin kein gebürtiger Nürnberger, dennoch kenen auch ich den Nimbus den diese Stadt hat, nämlich eine Schatzkammer des Mittelalters zu sein. Der rathaussaal steht in jedem Reiseführer. Als ich ihn das erste mal selbst mit eigenen Augen gesehen habe, dachte ich das wäre nur der Vorraum zum eigentlichen Saal. Denn er war weissund karg, ohne Gestaltung und ohne irgend etwas mittelalterliches. Aber die Holzkassetendecke war cool. Trotzdem enttäuschend.


    Enderle von den Altstadtfreunden zieht zum Vergleich den rekonstruierten "Goldenen Saal" in Augsburg heran. Den habe ich zufällig sogar selbst mal gesehen und fotografiert, ein absolut phantastisches Kunstwerk!!! Und wenn man etwas nachdenkt kommt man schnell darauf, dass Nürnberg soetwas Jahrhundertelang hatte und derzeit nur der letzte Schritt fehlt: das bemalen. Der Saal ist ja als Rohling schon fertig!


    Ich finde hier unterliegt Frau Lehner einem Irrtum, und sie wird ihrer Aufgabe als Kultureferentin nicht gerecht. Denn Sie ist Teil der Stadtverwaltung, die Stadt ist für die Menschen da, und diese lieben ihre Stadt und die Kultur und Traditionen. Da ist es sicherlich am Thema verfehlt, wenn man als Kulturbeauftragter der Meinung ist, dass (Kriegs-)Schäden zu verwalten und weiße Wände zu bewahren seien, und daher verloren gegangene Kunstwerke auch gefälligst verloren zu bleiben haben.


    Jeder normale Mensch repariert beschädigte Dinge, oder ersetzt Zerstörtes durch gleichwertiges oder besseres. Komischerweise gilt das nicht für Kunstwerke. Ist ein Kunstwerk verloren tritt an dessen Stelle nach geltendem politischem Verständnis unausweichlich kontrastierende Ödnis und Einfalt. So gesehen hatte Nürnberg seinen Höhepunkt ca. 1939 oder so, und ist seither in stetigem Sinkflug. Denn nichts hält ewig, und wenn sich der Mensch nicht mit Erhalt und Wiederherstellung befassen darf, dann hat er bald nichts mehr. :(

  • Fortschritt Obere Krämersgasse Ecke Schmiedgasse

    Die Restaurierung kommt voran. Heute konnte ich den vorbildlich rekonstruierten Holzbalkon ablichten.



    Im Innern konnte ich noch keine Fortschritte erkennen.

  • Barockes Wohnhaus in der Adlerstrasse

    Am Samstag hatten die Altstadtfreunde Nürnberg zu einem ihrer Stadtspaziergänge eingeladen. der Spaziergang stand unter dem Titel "Barocke Spurensuche", denn Nürnberg ist nun wahrlich keine Barockstadt. Eines der seltenden Barocken Wohnhäuser steht in der Adlerstraße 16, und ist derzeit eingerüstet. Vorzustand Google Street View.
    Foto von heute:


    Das Gebäude hat jemand anscheinend überraschend geerbt, und das anscheinend nicht glücklich. Es wurde festgestellt, dass sich das hölzerne Chörlein in Auflösung durch Verrottung befindet und und auch an sonsten einige Baufälligkeiten am Gebäude bestehen. Die Altstadtfreunde greifen dem/der (Un)glücklichen unter die Arme und sichern so das Gebäude für die kommenden Jahrzehnte. Geplant sind folgende Veränderungen, die sich an einem überlieferten Urzustand orientieren und dem gewohnten Anblick nicht entsprechen.


      Die Fassade wird nicht mehr gelb sein, sondern in einem Sandsteinrotton leicht rosa gestrichen. Eigentlich sollte eine Sandsteinstruktur durch Fugenraster aufgemalt werden, was aber aus Kostengründen weggelassen wird. Das Haus bleibt also einfarbig.


      Das Chörlein wird z.Zt. komplett neu erstellt, natürlich aus Holz. Nach dem Anbau soll es nicht wieder in Rohholzoptik erscheinen, wie man es gewohnt ist. Statt dessen ist geplant, das Chörlein ebenfalls zu bemalen in einem Rotton. Die feinen barocken Voluten und Verzierungen bleiben in Ocker, und bekommen in den Vertiefungen leicht bläulichen Schattierungen. Damit will man im Hinblick auf Rekonstruktionen des Historischen Neuland betreten und ist ganz gespannt auf das Ergebnis.


      Der Giebel erhält möglicherweise an seinen seitlichen Schulterstücken links und rechts seine Vasenverzierungen wieder, die sich einmal dort befunden haben.


    Glücklicherweise konnte man auch das Innere des Hauses besichtigen. Das war fotografisch natürlich besonders spannend. Bürgerlichen Barock sieht man nicht alle Tage. Das Prunkstück war der sich über die ganze Gebäudebreite von 3 Fenstern erstreckende Salon im 1. OG mit einer herrlichen, ca. 3 Meter hohe Barockdecke, nicht zu schwulstig aber trotzdem reich. Die Ausmalungen stammen aus der Zeit um die Jahrhundertwende und sollen natürlich bleiben:



    Die Stuckleiste ist scho hier die über die später jahrhundertelang in Nürnberg tradierte Hohlkehle, die so noch in den jüngsten Jugendstilbauten der 20'er Jahre angebracht wurde und eigentlich auch heute noch wohnlich ist und in Neubauten passen würde - solange die Deckenhöhe stimmt.




    Besonders pfiffig ist die Tür, die in den "Nachbarraum" führt. Diesen gibts natürlich gar nicht, da der Raum schon die gesamte Gebäudebreite ausfüllt. Hinter der Doppeltür ist ein Wandschrank. Man beachte auch die originalen barocken Türzargen!



    Und das eigentliche Corpus Delicti: Das Chörlein. Bis jetzt ist in der Straßenfassade nur ein Loch zu sehen. Das Chörlein ist noch nicht fertig, aber immerhin die Fenster wurden bereits rekonstruiert. Die alte Form und das Material werden beibehalten, aber immerhin werden moderne Isolierglasscheiben eingebaut, um immerhin ein gewisses Maß an "Energetischer Sanierung" einfließen zu lassen. Teile des Chörleins sind bereits fertig geschnitzt und warten gemeinsam mit den Fensterflügeln auf den Einbau:






    Ein paar Fotos vom echt bemerkenswerten Treppenhaus sind mri auch gelungen. Die Treppe wendelt sich wirklich sehr eng und steil. Es sollte möglichst wenig Platz für die Treppe verloren gehen, und viel ebene Geschossfläche dasein.




    An den Türen, die vielleicht 1,90 m bis 2,0 m Höhe haben, kann man erkennen das es bis zur Decke noch ein wenig Platz hat und es eigentlich ein recht gutes Raumgefühl dort gibt. Trotzdem, das Leben in so einem Haus ist sicher etwas für Liebhaber. Ein Investor würde das gebäude sicher umbauen ode rganz ersetzen und im heutigen Stil mit bodentiefen Fenstern ausstatten um viel Licht hinein zu lassen.



    So, ich finde es hat sich gelohnt dieses eine gesicherte Altstadtprojekt kurz darzustellen. Es passiert ja sonst augenscheinlich nicht so viel erfreuliches innerhalb der Altstadtmauern. Aber eigentlich hatte ich erwartet dass der Spaziergang nur dieses eine Haus beinhalten würde. Doch der Besucher wurde noch an weiteren Projekten vorbei geführt, einige davon stelle ich hier später noch vor.

  • Vielen Dank, für Deine stets interessanten Beiträge!


    Vor einigen Jahren fragte ich bereits einmal bei einer Besichtigung des Rathaussaales, ob es angedacht ist, die ursprüngliche Bemalung wieder herzustellen. Die momentane Situation ist wirklich alles andere als lobenswert. Daß Nürnberg, dann auf Tourismusseiten diesen, durch die Wucht der simplen Holzkassetten erschlagenden Raum, als Sehenswürdigkeit ausweist, zeigt mal wieder von der geringen Wertschätzung des kulturellen Erbes in Nürnberg. Als unsere Väter/Mütter und Großväter/Großmütter für einen Wiederaufbau entschieden haben, war eine möglichst gute Wiederherstellung der Altstadt angedacht. Heutzutage, in einer Zeit, in der man sicherlich genügend Geld hätte, derartige Projekte in die Hand zu nehmen, kommen von der Seite der Stadt leider kaum Bestrebungen die Situation in der Altstadt zu verbessern. Zum Glück gibt es die Altstadtfreunde, ohne die, die Nürnberger Altstadt so gesichtslos und austauschbar wie viele andere Zentren der deutschen Großstädte wäre.


    Daß die Altstadtfreunde, trotz ihres Großprojektes Pellerhof noch so viele andere Projekte stemmen können, zeugt von wahrer Größe. Ich freue mich jetzt schon auf die Fertigstellung der Renovierung des Barockjuwels in der Adlerstraße. Natürlich werden dann die wunderbaren Räume des Hauses nicht mehr zu besichtigen sein, aber durch deine Dokumentation haben wir ein gutes Bild, wie schön viele Altbauten doch von innen sind. Auch wenn das Gebäude vielleicht nicht modernen Standards entspricht, ich, und ich denke auch viele meiner jungen Freunde, würden sofort in so ein charaktervolles einziehen.


    Ich freue mich jetzt schon auf die weiteren Bilder! So weit ich weiß, ging es ja auch in den Kriegsstulpen der Adlerstr. 36. Eine Rettung dieses Gebäudes ist zu erhoffen, ebenso wie ein ehrwürdiger Wiederaufbau. Damit könnte Nürnberg einen seiner großen Defizite, nämlich der kaum stattgefundene Wiederaufbau von Bürgerhäusern, etwas entgegenwirken.

  • Danke, Nürnberg braucht das denke ich. Im Netz gibts da zu wenig.


    Bei dem Rathhaussaal würde ich mal behaupten sind wir uns alle einig. Und du hast völlig recht, die gewaltige Holztonnendecke macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man die Reko weiter voran bringt. Denn jetzt wirkt sie irgendwie fehlplaziert. Und ich finde auch, dass jetzt die Zeit ist die großen Projekte in Angriff zu nehmen und das weiter zu machen, was nach dem Krieg in den 60'ern eingestellt wurde: Der Wiederaufbau der Altstadt. Mit den Altstadtfreunden hat man ja immerhin einen bedeutenden Verein mit den nötigen Kontakten und Kompetenzen. Leider leiden sie an einer gewissen Überalterung. Ich bin mir aber sicher dass auch die jüngeren das alte Nürnberg durchaus zu schätzen wissen. Ich glaube man unterschätzt dabei die Jugend. Wenn junge Menschen ihren Freunden von Außerhalb ihre Heimat Nürnberg zeigen wollen, was zeigt man da? Das was die Stadt einzigartig macht, und da kann man noch viel wieder herrichten. Aber genug dazu.


    Die Tour stand ja unter dem Zeichen barock und startete in der Adlerstraße. Gezeigt wurden auch zwei Beispiele, die jeder kennt, aber über die sicher nicht jeder richtig informiert ist:




    Diese beiden Gebäude haben den Krieg sehr gut überstanden und wurden auch schnell wieder hergerichtet. In äußerlich exzellentem Zustand existieren sie allerdings nur noch als Fassaden. Denn die Notwendigkeiten der Nachkriegszeit in der Altstadt erforderten den umbau ganzer Komplexe, Nürnberg brauchte ein großes zentrales Kaufhaus, und auch eine Bank wollte auf seinem Gelände ein großzügeres Quartier beziehen. Glücklicherweise verdonnerten die Stadtväter beide Bauherren dazu, die Fassaden zu erhalten und wieder aufzubauen, sodass diese beiden Hüllen heute noch stehen. Dahinter sind auf der Kaufhausseite (osten) ein Parkhaus, und auf der Bankseite Büros und die Tiefgaragenzufahrten. Die Adlerstraße an sich ist ja eine einzige Zuliefererstraße.


    Gegenüber steht dieser stehengebliebene Jugenstilgeschäftsbau, der gewissermaßen ein Dokuemnt dafür ist, wie schon vor dem 2. Weltkrieg die kleinteilige, mittelalterliche Bebauung beseitigt und durch zeitgenössische und wertige Architektur ersetzt worden ist. Man gebe diesem Bau jedoch würdige Fenster anstatt dieser Einscheibenlochfenster.



    Einige Meter weiter dieser, der ebenfalls den Krieg gut überstanden hat:



    Gegenüber steht ein gutes Beispiel von Wiederaufbauleistungen der unmittelbaren Nachkriegszeit, zu denen die Altstadtfreunde anlässlich des Rundganges Aufsteller mit historischen "Vorher-Aufnahmen" zeigen konnten. Dem Bau sieht man seine barocke Herkunft erst auf dem zweiten Blick an. Die aufwändigen, mehrfach profilierten und hochformatigen Fensterlaibungen sind kein Stilkind der Nachkriegsjahre.



    Das Haus hat im Krieg schon einiges abgekriegt, wurde aber im großen und ganzen wieder aufgebaut. Lediglich das Dach ist vereinfacht. Das linke Chörlein ist eine exakte Nachbildung des Rechten, da das Linke leider vollkommen verloren ging. Insgesamt eine gute Wiederaufbauleistung.



    Die Chörlein selbst sind eine Spezialität der Altstadtfreunde. Wer aufmerksam durch die Altstadt wandert stellt schließlich schnell fest, dass sie sich auch an jüngeren Gebäuden befinden. Um den Charakter der Altstadt als Gesamtensemblezu erhalten, sind im laufe der Zeit viele gerettete, rechtzeitig abmontierte oder auch einfach kopierte Chörlein an anderen Gebäuden angebracht worden. Die Chörlein sind als nicht immer ein Beweis dafür, dass man es mit einem echten historischen Haus zu tun hat.

  • Adlerstraße 36

    Aber nun zu dem was du angesprochen hast: Die Adlerstraße 36. Zustand vor dem 2. WK.:



    Der Ist-Zustand. Das Chörlein ist verschwunden, aber sicher rekonstruierbar. Das Fenster ganz links ist zugemauert:




    Dieses Gebäude gilt als Top-Wiederaufbaukandidat. Äußerlich ist nur noch ein Stumpf vorhanden, aber der scheint ja in guter Verfassung zu sein. Die Grundstücksgrenzen sind noch vorhanden und auch sonst scheint ja alles möglich. Unser Guide gab allerdings als Info zu bedenken, dass die Altstadtfreunde sich dieses Gebäudes nicht annehmen, da sie derzeit schon zu viele Projekte stemmten (insbesondere der Pellerhof), und dieses hier ihre Möglichkeiten sprengen würde. Das Gebäude befindet sich in einer sehr schlechten Verfassung. Standen nach dem Krieg noch 2 Obergeschosse, musste das oberste wegen statischen Problemen abgetragen werden und das Notdach wurde tiefer gesetzt. Der Besitzer hat es schon einmal abreissen lassen wollen. Dann jedoch nicht vollzogen und den Abrissgenehmigungszeitraum verstreichen lassen. Anschließend griff der Denkmalschutz zu, nun steht das Haus unter Denkmalschutz da und wechselndes Gewerbe bezieht im Erdgeschoss Quartier, während die historischen Teile immer weiter verfallen. Wir konnten rein, ein paar Bilder sind mir gelungen:


    Zunächst die Treppe in das 1. OG mit Kreuzrippengewölbe. Links sieht man die Fenster mit Blick in ein einstmals wunderschönen Innenhof, der heute vom Notdach mit überspannt wird und diesen düsteren Charakter hervorruft. Licht fällt da keines mehr hinein.



    Im 1. OG. war ein Fenster zum "Innenhof" offen, durch das man die gegenüberliegende Wand und das seitliche Treppenhausfenster sehen könnte:



    An der gegenüberliegenden Wand lässt sich noch eine Malerei erkennen. Ich vermute, dass das Notdach den Innenhof deswegen mit überspannt, damit die Malerei vor Wind und Wetter geschützt ist:




    Eigentlich lässt sich sonst für den Laien nicht viel sehen und eine Betsandsaufnahme der Schäden sowie der noch vorhandenen historischen Elemente ist schwierig. Würde man sich entschließen es zu sanieren und zu rekonstruieren könnte es sein, dass man viele (vielleicht auch positive) Überraschungen findet. Tatsache ist, es findet sich niemand der das nötige Kleingeld hat. So ist zu erwarten dass das Haus irgendwann baufällig wird und abgerissen werden muss. Wenn also jemand jemanden kennt, der ein paar Millionen übrig hat und sich ein kulturelles Denkmal setzen will.....


    Das war's erstmal zur Adlerstraße. Als eine der verkehrsreichsten Straßen der Altstadt und ihrer Funktion als Lieferweg für die Geschäfte der Kaiser- udn Königstraße ist die Lage als Wohngebiet sicherlich nicht ideal. Wollte man also Adlerstraße 36 retten und rekonstruieren, müsste sich schon im Vorfeld jemand finden der dort Quartier beziehen will.


    __________________ Ergänzung:
    In den Nürnberger Nachrichten ist heute ein Online-Artikel zum Thema erschienen: Link.

  • Im Grunde ist die Stadt beim Thema Denkmalschutz und Wiederaufbau ziemlich schwach auf der Brust. OK, man hat die Stadtmauer so einigermaßen wieder hergerichtet. Dann gibt es noch das Rathaus und so einige historische städtische Gebäude. Aber besonders hervorgetan hat man sich eigentlich nicht. Während z.B. Augsburg den Goldenen Saal geschafft hat, ist man in Nürnberg auf halbem Weg stehen geblieben. Beim Pellerhof wurde ja die Stadt durch den verdienstvollen Einsatz von Harald Pollmann regelrecht überrumpelt. Ansonsten wäre an der Stelle gar nichts passiert. Wenn man sich mal vor Augen hält, dass z.B. die Stadt Kronach die recht große Festung Rosenberg an der Backe hat ...
    Fazit: in anderen Städten ist man da einfach aktiver und auch flexibler. Offenbar hat Nürnberg bei den Ausgaben schon seltsame Prioritäten - ein großer Teil wird mit Konsumleistungen versenkt. So was bringt aber die Stadt und seine Infrastruktur nicht voran!

    Einmal editiert, zuletzt von harher ()

  • Wenn man sich die Vorgänge in der Stadt ansieht bekommt man tatsächlich den Eindruck, stimmt. Die Wiederherstellungsprojekte der Stadt liegen derzeit bei nahezu 0. Man hat wohl anscheinend genug mit Instandhaltung zu tun, und die Altstadtmauer ist ja immernoch nicht ganz fertig, an der Burg werden derzeit Millionen verbaut für die Jugendherberge. Allerdings fehlt es in der Altstadt an einem Programm, das private Investitionen fördert und durch städtisch Programme unterstützt. Wenn man schon kein Geld zuschießt könnte man ja eine Art Steuerersparnis oder gar ein 10-jährigen Grundsteuererlass o.ä. bewirken, wenn jemand bereit ist Maßnahmen in Angriff zu nehmen, die als Rekonstruktionen gewertet werden können. Bei Autos kann man ja von öffentlicher Hand auch Steuerersparnisse bei Neukauf als Investitionsanreiz anbieten, grundsätzlich geht sowas also. Man will ja schließlich keine Altstadt voller Millionäre in Glaskästen (die da sowieso nicht wohnen wollen) Aber die Altstadt soll trotzdem dicht bewohnt bleiben. Und Mittelalterlich soll sie ja auch bleiben. Da MUSS die Stadt ein Programm auflegen.


    Ich war im Mai in Wien. Bis in die 1850'er Jahre waren sich die Städte Wien und Nürnberg wohl recht ähnlich, allerdings hat Wien anschließend als Hauptstadt eines Kaiserreichs einen anderen Weg eingeschlagen. Die Altstadtmauer wurde komplett geschliffen und in der Innenstadt wurde nahezu alles Mittelalterliche komplett beseitigt. Das hat mich damals am meisten beeindruckt, aber auch verwirrt, denn eigentlich ist da kaum etwas älter gewesen als vielleicht 200 Jahre. Überall überbordener, aber auch hervorragend gepflegter Historismus. In einer Ausprägung, wie man sie auch aus Prag, Budapest und aus Berlin oder München kennt. Also so ganz einzigartig ist Wien nicht, es sticht nur heute durch die echt hervorragende Erhaltung und fast lückenloser Geschlossenheit besonders hervor.


    In Nürnberg hatte man sich entschieden, die Altstadtmauer grundsätzlich zu erhalten. Und auch in der Altstadt blieb die Kleinteiligkeit und die sehr alte Substanz grundsätzlich erhalten. Und so entstand Nürnbergs Bedeutung des Schatzkästleins. Doch dann kam der Cut: 1945. Die Wiener bauten sorgfältig wieder auf. Und Nürnberg kam der Bagger und es wurde rigoros "Moderne" gebaut. Die politischen Hintergründe kann man sich bestimmt leicht herleiten, dazu führe ich hier mal nichts aus. Immerhin hat man dort, wo das wegplanieren zu barbarisch gewesen wäre, einzelne Gebäude wieder originalgetreu rekonstruiert. Das heutige Nürnberg zeigt sich sehr inhomogen und seine Altstädtischen Sehenswürdigkeiten passen auf zwei Postkarten. Eine Ensemblewirkung stellt sich nicht ein.
    Der Besuch in Wien hat mir gezeigt, was Nürnberg eigentlich besonderes hat. Obwohl die einzelnen Bauwerke über die Stadt verstreut stehen ist es doch aber trotzdem wichtig, dort wo es geht, wieder aufzubauen. Denn ein anderes Image als das der mittelalterlichen, historischen Altstadt kann man der Innenstadt doch beim besten Willen nicht geben. Demzufolge muss man doch jedes Stück Mittelalter hegen und pflegen. Oder jene dazu ermutigen, die es anpacken wollen. Nürnberg verliert bei der Entwicklung des Stadtbildes immer mehr den Anschluss an vergleichbare europäische Städte. Ständig werden Chancen vertan.
    Und unter dieser Sichtweise ist die Adlerstraße 36 ein echtes Drama. Die Stadt wirkt hier völlig hilflos. Nur ein Wunder kann hier helfen.