Industrie- und Gewerbeneubauten in und um Leipzig

  • ^ + ^^ also ich habe wirklich keine Ahnung was dort hin kommen soll. Ich kann mir aber denken, dass ihr beiden irgendwo recht habt. Apple hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Ansonsten gab es ja noch die Gerüchte um Bayer, Dornier, und eine weitere Batteriefabrik. Letzteres wird mittlerweile übrigens in Bitterfeld-Wolfen realisiert. Was dem Speckgürtel hilft, wird auch positive Effekte auf Leipzig haben.


    Bei dem was alles so angekündigt ist, auch im Umkreis mit Halle und Bitterfeld-Wolfen wie auch Leuna etc, frage ich mich wie der Arbeitsmarkt in zehn Jahren in der Region aussehen soll. Ohne ein umfangreiches Einwanderungsgesetz. Alleine der Arbeitsmarkt in Leipzig selbst wird wohl 2021 rund 10.000 offene Stellen auf dem Markt haben. Aber anderes Thema.....




    Birte: vom "Umfang" meinte ich nicht die Arbeitnehmeranzahl, sondern die wirtschaftliche Wirkung. Zum Beispiel einen neuen Industriezweig etc. Deswegen wurde zu mir mit "Porsche, BMW, und DHL" gemunkelt. Aber deswegen auch meine abwartende Haltung - mal schauen ob das wirklich so stimmt. Aber kein reines verarbeitendes sondern produzierendes Gewerbe ist schon einmal ein positives Signal.





    BTW und OFF-Topic: der jetzige MP Kretschmer wirbt im Wahlkampf übrigens mit "einer neuen Gründerzeit für Leipzig". Für den November hat er den CDU-Bundesparteitag nach Leipzig geholt. Der zweite Bundesparteitag einer Partei in Leipzig in diesem Jahr. Und gegenwärtig schraubt man im Hintergrund fleißig an einer Bewerbung für eine Superbehörde in Leipzig. Dazu hier und hier. Obwohl das wohl an Potsdam gehen wird... Für Leipzig hätte eine solche Behörde aber sehr weitreichende Folgen. Dann könnte man im Rathaus wohl wirklich die Korken knallen lassen.

  • ^ Was die Jobsituation angeht sehe ich aber auch Chancen, weil der Westen ein Problem mit Lebenshaltungskosten hat, und der Osten ein Demografieproblem... Wenn es die Metropolregion Leipzig/Halle in den kommenden Jahren also schafft die Mieten bezahlbar zu halten und gute Jobs zu bieten kann die Region massiv profitieren und vielleicht sogar das Ost-West-Gefälle etwas ausgeglichen werden.

  • ^ Glaube ich nicht. Der Osten, und damit auch Leipzig, hinkt dem Westen wie immer hinterher. Erfolgreiche Ballungszentren im Westen holen ihre Fachkräfte inzwischen von ganz woanders her. Die sind gar nicht mehr auf gut ausgebildete Leute aus dem Osten angewiesen. Von daher sehe ich es ähnlich wie hedges: Der Fachkräftemangel wirkt sich hierzulande schon jetzt stärker aus als woanders in Deutschland.


    BTW und OFF-Topic: der jetzige MP Kretschmer wirbt im Wahlkampf übrigens mit "einer neuen Gründerzeit für Leipzig". Für den November hat er den CDU-Bundesparteitag nach Leipzig geholt.


    Mit Saggsen-Kretsche habe ich das Gefühl, dass mal wieder frischer Wind in die selbstgefällige Landes-CDU gekommen ist. Und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass überhaupt ein sächs. MP ernsthaft am wirtschaftlichen Erfolg der Messestadt interessiert ist. Aber ob das reicht, in drei Wochen gegen die vor allem in Ostsachsen omnipräsente AfD anzukommen...?

  • ^Ich denke da eher an die Heimkehrer. Ich arbeite in der Personalabteilung eines Großkonzerns und wir sehen das immer mehr Menschen aus dem Westen zurückkehren, weil die Lebensqualität hier sehr hoch ist und es natürlich auch einen Unterschied macht, ob ich nur 20% meines Einkommens für das Wohnen ausgeben muss, oder 50%. Vorausgesetzt natürlich, dass hochwertige Jobs hier verfügbar sind. Meine Prognose ist daher, dass beim aktuellen Jobboom immer mehr Menschen heimkehren werden.

  • ^ Ja, die Rückkehrer sind aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und stellen von den seit Ende der 80er abgewanderten Ostdeutschen nur einen verschwindend geringen Teil dar. Ich kenne in meinem Umfeld auch einige Rückkehrer und bin selbst einer von ihnen. Ich beobachte auch, dass westdeutsche Arbeitnehmer (also keine Rückkehrer und keine Studenten) auf dem hiesigen Arbeitsmarkt Fuß fassen, so ganz ohne Wildostzulage wie noch vor 20 Jahren, und ihre Familien mitbringen. In dem Karree, wo ich wohne, kommen bestimmt ein Viertel der Familien aus dem Westen. Aber unterm Strich ist das nicht die Masse und wird dem Fachkräftemangel kaum etwas entgegensetzen.

  • ^^ die "Rückkehr" der ehemalig in der Gegend aufgewachsenen will ich gar nicht in Frage stellen. Dennoch stellt sich natürlich immer wieder die Frage nach dem, was denn "Heimat" sein soll bzw ist, für jeden einzelnen.


    Meine Eindrücke sind zB jene, dass so manche "Rückkehrer" dann eben nicht in die Kleinstadt oder andere mittelgroße Städte zurückkehren. Sondern den Mix in Leipzig mitnehmen. Also kein komplettes zurück zum Ursprung und die positiven Erfahrungen in etablierten Städten der alten Bundesländern vergessen. Aber in Leipzig dennoch in der Nähe von Familie etc zu sein. Eine oder zwei Stunden Autofahrt zur Familie sind für viele ein wesentlicher Unterschied zu vier oder fünf Stunden Autofahrt. Also da treffen sich in Leipzig eben Leute aus Thüringen, Anhalt, und Sachsen welche vorher in Bayern, BW, oder NRW gearbeitet haben. Das ist das eigentlich interessante und bringt auch den Input. Aber auch das sind ja nicht die Zahlen für die Arbeitsmarkt, die wir hier brauchen.






    BTW und OFF-Topic: der jetzige MP Kretschmer wirbt im Wahlkampf übrigens mit "einer neuen Gründerzeit für Leipzig". Für den November hat er den CDU-Bundesparteitag nach Leipzig geholt.


    Mit Saggsen-Kretsche habe ich das Gefühl, dass mal wieder frischer Wind in die selbstgefällige Landes-CDU gekommen ist. Und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass überhaupt ein sächs. MP ernsthaft am wirtschaftlichen Erfolg der Messestadt interessiert ist. Aber ob das reicht, in drei Wochen gegen die vor allem in Ostsachsen omnipräsente AfD anzukommen...?

    Also Kretschmer hat in der Tat einen ganz anderen Bezug zu Leipzig als seine Vorgänger. Und das obwohl er auch "nur" aus Görlitz kommt. Nicht, dass die drei vorherigen MPs kein Interesse hatten, aber Kretschmer findet sich in der Dynamik wesentlich besser wieder. Auch versteht er sich gut mit dem hiesigen OB Jung. Die Kommunikation läuft wesentlich besser und die Konzentration aufs Elbtal ist weniger gegeben.


    Falls er Leipzig die Superbehörde bringt - was ich nicht glaube - dann hat er sich definitiv ein Bienchen in der Stadt verdient. Ob das dabei hilft so manchen AfD Bezirk zurückzugewinnen, weiss ich nicht. Aber zur Zeit könnte zumindest der Regierungsbezirk Leipzig der einzige im Freistaat sein, in dem die AfD kein Direktmandat holt. Und im Gegensatz dazu, die CDU dort einen höheren Anteil an Direktmandaten hat als im Regierungsbezirk Chemnitz und Regierungsbezirk Dresden.


    Was für Zeiten....

  • ... aber wirklich.


    Leipzig ist in einer besseren Lage als jede andere ostdeutsche Stadt - jung, weltoffen, mit hoher Lebensqualität. Das (noch) bezahlbare Wohnen wird ebenfalls dazu beitragen, die Arbeitnehmersuche etwas einfacher zu gestalten und auch den ein oder anderen AN aus dem Ausland anzuwerben.


    Ich bin gespannt, ob die Kombi "hervorragend ausgebauter Frachtflughafen und (noch) ausreichend Platz" vielleicht sogar noch etwas ganz Großes hervorbringen wird. Wobei auch absolut nichts gegen mehrere mittelgroße bis große Ansiedlungen zu sagen ist.

  • ^^ also man sagt bei der Stadt eigentlich immer, dass die ganz großen Ansiedlungen vorbei sind. Bei den mittleren Betrieben ist aber auch mehr Stabilität gegeben. Was nun mit 'Seehausen II' passiert oder wer dort aufschlägt, müssen wir abwarten. Dornier ist ja nun am Flughafen. Also könnte hier durchaus ein weiterer Industriezweig dazukommen.


    Das für mich eigentlich interessante ist die mittlerweile erkennbare Diversifizierung der Wirtschaftssektoren in und um die Stadt. Das sind normalerweise Faktoren mit denen Standorte besser gegen die normalen Auf- und Abschwünge umgehen können. Beim Flughafen sind mittlerweile nicht nur die Kennzahlen der verarbeitenden Gewerbe beachtlich, sondern eben auch die Kette an Arbeitnehmern. Dass dort auch Stellen wie Flugzeugmechaniker und zB Piloten in großer Anzahl entstehen, hätte ich so auch nicht gedacht vor rund zehn Jahren. Das ist aber genau das, was einen funktionierenden Kreislauf ausmacht.


    Mittlerweile erlebt ja sogar die in den 1990er Jahren so geförderte aber mit schwachem Effekt auf den lokalen Arbeitsmarkt gescholtene Finanzdienstleistung in der Stadt, wieder einen Aufschwung.

  • ^Die Katze ist aus dem Sack: Wie die LVZ online meldet, wird die Beiersdorf AG auf der oben besprochen Fläche Seehausen II ein hochmodernes Werk für Körperpflege- und Kosmetikprodukte errichten. Bestandteil dessen wird auch eine eigene Photovoltaik- sowie Abwasseraufbereitungsanlage sein.
    Voraussetzung ist, dass der Stadtrat der Veräußerung des Grundstücks an die AG in der Sitzung vom 30.10. zustimmt, wovon auszugehen ist.
    Parallel wird sofort mit der Planung und Errichtung des Werkes begonnen. Produktionsstart soll voraussichtlich 2022 sein.
    Zunächst sind am Standort um die 200 Arbeitsplätze geplant; mit später möglicher Erweiterung des Werkes dann bis zu 700.

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  • Schöne Sache für Leipzig!


    Auf das nach modernsten Umweltgesichtspunkten errichtete Werk bin ich gespannt - ich hoffe, wir bekommen nicht wieder Vollversiegelung und Blechdach zu sehen.

  • Steht hinter der Bezahlschranke etwas, ob und ggf. wie sich das auf den Beiersdorf-Standort in Waldheim (früher Florena) auswirkt? Danke.

  • ^^ Ein Großteil des LVZ-Artikels widmet sich in der Tat dem Standort in Waldheim. Demnach soll dieser weiterhin bestehen bleiben und - ferner noch - man überlegt, ob der Leipziger Standort künftig als Außenstelle der Beiersdorf Manufacturing GmbH Waldheim fungiert. Das soll zumindest der Waldheimer Betriebsleiter seinen Mitarbeitern erzählt haben, als er sie heute über das neue Werk in Leipzig informierte. Eine Außenstelle Leipzig halte ich für etwas abwegig, zumindest dann, wenn die Mitarbeiterzahl am Leipziger Standort tatsächlich auf 700 wächst. Am Standort Waldheim sind 260 Angestellte beschäftigt.

  • Gut, ich hatte schon befürchtet, dass man sich aus Waldheim verabschiedet und den Standort nur verlagert. Mit hunderten Mitarbeitern kann man nämlich sehr viele Kosmetikprodukte produzieren - einen solchen Volumenzuwachs muss man erst mal auf dem Markt platzieren können, ohne anderswo Stellen abzubauen. Aber angeblich sollen andere Männer ja heute mehr als Seife und Wasser benutzen, vielleicht ist das eine Erklärung :-).


    Es ist schon etwas überraschend, dass trotz eines bestehenden Standortes in unmittelbarer Nähe eine solche Entscheidung für Leipzig fällt, da wären die genauen Gründe interessant. Das Arbeitskräftepotenzial in Leipzig ist sicherlich höher, aber nicht ohne Grund sind viele Industriebetriebe mit Weltmarktniveau auch in der Provinz beheimatet, wo man nicht eine Nummer unter vielen bei der Arbeitsplatz- und vor allem Ausbildungsplatzsuche ist wie in der Großstadt, sondern der Anlaufpunkt Nummer eins.

  • Laut Bild ist es in Bezug auf den Standort Waldheim offen ob die Produktion von dort zukünftig nach Leipzig verlagert wird. Die genannten 700 Stellen sind für die zweite Ausbaustufe vorgesehen die perspektivisch "auf über 1000 anwachsen sollen". Außerdem weiß die Bild, dass eine zweite Großansiedlung eines milliardenschweren Weltkonzerns aus dem Sektor möglich ist:


    https://www.bild.de/regional/l…eipzig-65065342.bild.html

  • Zitat von lguenth1

    Das Arbeitskräftepotenzial in Leipzig ist sicherlich höher, aber nicht ohne Grund sind viele Industriebetriebe mit Weltmarktniveau auch in der Provinz beheimatet, wo man nicht eine Nummer unter vielen bei der Arbeitsplatz- und vor allem Ausbildungsplatzsuche ist wie in der Großstadt, sondern der Anlaufpunkt Nummer eins.


    Deine Analyse trifft aber ausschließlich auf die alten Bundesländer zu, vor allem auf Süd- und Südwestdeutschland. Die hiesige ostdeutsche Provinz kennt nur Abwicklung und Abwanderung mit all seinen negativen Folgen, die die Politik der letzten 30 Jahre auch noch forcierte. Dafür ist Sachsen Sparmeister der Republik. :applause:

  • Vielleicht passend dazu ein Artikel in der heutigen LVZ mit dem Präsidenten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, Reint Gropp, der u.a. für eine Stärkung der (ostdt.) Städte plädiert (diese Diskussion hatten wir hier vor geraumer Zeit schon einmal mit der These, dass eine Region langfristig am besten über einen starken Nukleus stabilisiert wird - als Beispiele dienen FFM und München):


    https://www.lvz.de/Nachrichten…ie-Politik-gegen-sich-auf

  • ^ das hatte ich schon des öfteren Angemerkt und fast schon gebetsmühlenartig gesungen.

    Das Arbeitskräftepotenzial in Leipzig ist sicherlich höher, aber nicht ohne Grund sind viele Industriebetriebe mit Weltmarktniveau auch in der Provinz beheimatet, wo man nicht eine Nummer unter vielen bei der Arbeitsplatz- und vor allem Ausbildungsplatzsuche ist wie in der Großstadt, sondern der Anlaufpunkt Nummer eins.


    Die wirtschaftlich guten Regionen im Süden haben ihre positive Wirtschaftsentwicklung vor allem durch drei starke Städte entwickelt. Das sind München, Frankfurt, und Stuttgart. Diese ziehen ganze Regionen wirtschaftlich nach oben. Dazu kommen starke Pendelverflechtungen, Erreichbarkeit, die Zulieferindustrie/Dienstleistungen im Einzugsgebiet sowie öffentliche Einrichtungen mit Aus-/Weiter- /Hoschschulbildung und Forschung.


    Keine ländliche Region verfügt über derlei Potential, da die Schnittpunkte fehlen. Fakt! Ausnahmen gibt es in manchen Regionen Deutschlands, wo mittelständische Betriebe und sog. "hidden-champions" ab den 1960er entstanden (teilweise früher) sind und im Weltmarkt meist bei Produkt-Lücken extrem starkt vertreten sind. Oder Ausnahmen wir Ulm und Regensburg, wo aber auch von der politischen Seite der damaligen Landesregierungen in den stärker ländlichen geprägten Gebieten um diese beiden Städte, eine Menge getan wurde.


    Aber das ist in "Mitteldeutschland" alles schon vorhanden. Die Hochschullandschaft ist dort sehr gut und dicht ausgeprägt. Was eben fehlt, ist ein Großraum ähnlich der oben genannten Städte München, Frankfurt, und Stuttgart. Und bei Leipzig kann man so ganz langsam einen Ansatz dafür erkennen. Das infrastrukturelle/kulturelle/gesellschaftliche Zentrum der drei Bundesländer mit einer stark wachsen Wirtschaft und einem hohen Beschäftigungswachstum, auch durch stärkere Zuzugswellen und einer notwendigen Migration.


    Mal zur Einordnung: der Arbeitsmarkt in der Stadt Leipzig wächst im Jahr um rund 6.000 Stellen. Dabei kommen zur Zeit "nur" rund 5.000 neue sozialversicherungspflichtig Beschäftigte dazu. Was übrigens rund zweidrittel der neuen Beschäftigten im Freistaat ausmacht. Rund 1.000 Stellen bleiben unbesetzt was mittlerweile zu knapp 9.000 freien Stellen (!) in der Stadt geführt hat. Zum Vergleich, in München selbst sind knapp über 10.000 freie Stellen. Das ist hier also schon eine Hausnummer.

    Dazu mehr hier
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    Zum Thema:


    Es ist schon etwas überraschend, dass trotz eines bestehenden Standortes in unmittelbarer Nähe eine solche Entscheidung für Leipzig fällt, da wären die genauen Gründe interessant.

    Es wurde seitens Beiersdorf gemeint, dass man keinerlei Produktüberschneidung mit Waldheim haben werde. Die neue Produktionsstätte in Leipzig soll ein wichtiger Teil eines neuen europaweiten Netzwerkes sein. Mit der Infrastruktur (Straße/Schiene/Luft) wird man von Leipzig aus größere Teile Europas schnell beliefern können. Langfristig sind am Standort auch Arbeitsstellen im vierstelligen Bereich angedacht. Dass man z.B. einen Schienanschluss bauen wird, deutet auch auf eine größere Ansiedlung hin.


    Derweil meint der regionale Teil der Bild, dass ein weiterer Weltkonzern aus der gleichen Branche in Leipzig aufschlagen könnte. Mit den in den letzten Monaten bekanntgewordenen Ansiedlungen (Batteriefabrik in Bitterfeld, Autozulieferer zwischen Halle und Leipzig, Flugzeugbauer und erweiterung Cargo-Branche am Flughafen, Philip-Morris, sowie den neuen und erweiterten Bundeseinrichtungen) wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt also weiter zuspitzen. Auch wenn es natürlich erstmal sehr positiv für die Stadt und die komplette Region ist. Zumindest sehe ich die Zahl von 300.000 Beschäftigten in der Stadt in nicht zu weiter Ferne. Und auch wird es wohl damit einen schnellere Suburbanisierung geben, als noch vor ein paar Jahren gedacht. Die Arbeitslosenquote in den beiden Landkreisen um die Stadt Leipzig (LK Nordsachen und LK Leipzig) sinkt trotz eines leichten Bevölkerungswachstums mittlerweile auch stärker als in Leipzig selbst.

  • Die hiesige ostdeutsche Provinz kennt nur Abwicklung und Abwanderung mit all seinen negativen Folgen...


    Das halte ich für eine völlig verfälschte Sicht aus der Großstadt. Natürlich gibt es in Ostdeutschland wegen der Stunde Null nach der Wende nicht die vielen mittelständischen Weltmarktführer, und auch die Abwanderung in den früheren Zeiten der Massenarbeitslosigkeit ist ein Fakt. Seit einigen Jahren ist das aber Vergangenheit. Wenn man mal auf die südwestsächsische Provinz schaut, findet man überall extrem niedrige Arbeitslosenquoten nahe der Vollbeschäftigung und auch unzählige höchst erfolgreiche Industriebetriebe, denen es meist nur an der Bekanntheit fehlt. Wer kennt denn die Nickelhütte Aue, die Leiterplattenfabrik KSG in Gornsdorf, die KOBRA Formen GmbH oder das Eisenwerk Erla? Auch Bevölkerungsrückgänge erklären sich mittlerweile ausschließlich demographisch und nicht mehr abwanderungsbedingt. Dass Leute wie Gropp diese Erfolgsgeschichten ignorieren, anstatt den Stolz darauf zu wecken, sehe ich als das eigentliche Problem.


    Die wirtschaftlich guten Regionen im Süden haben ihre positive Wirtschaftsentwicklung vor allem durch drei starke Städte entwickelt. Das sind München, Frankfurt, und Stuttgart.


    Was soll denn München für Effekte auf Franken haben, oder Stuttgart auf die Entwicklung in Heidenheim oder dem Neckar-Odenwald-Kreis? Glaub mir, ich kann aus eigenen Erfahrungen in der süddeutschen Provinz beurteilen, dass die Landeshauptstädte nicht ausschlaggebend für deren Wirtschaftsstärke sind. Das soll natürlich nicht heißen, dass man die positive Entwicklung in Leipzig nicht massiv fördern sollte, aber die ländlichen Regionen in Sachsen darf man dabei nicht vergessen.

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  • Was soll denn München für Effekte auf Franken haben, oder Stuttgart auf die Entwicklung in Heidenheim oder dem Neckar-Odenwald-Kreis? Glaub mir, ich kann aus eigenen Erfahrungen in der süddeutschen Provinz beurteilen, dass die Landeshauptstädte nicht ausschlaggebend für deren Wirtschaftsstärke sind. Das soll natürlich nicht heißen, dass man die positive Entwicklung in Leipzig nicht massiv fördern sollte, aber die ländlichen Regionen in Sachsen darf man dabei nicht vergessen.


    Vogtlandkreis 1322 pro 100.000 Einwohner


    Vielleicht wird es klarer wenn man sich die genannten Länder mal ohne diese Zentren vorstellt oder konkreter - und da sind wir dann auch beim Thema „Image“ - mal Thüringen ohne Erfurt, Sachsen-Anhalt ohne Halle und Magdeburg, Sachsen ohne seine drei Großstädte. Ich habe über 20 Jahre in der südwestdt. Provinz gelebt und weiss auch wovon ich spreche. Die Situation dort kannst Du mit der hiesigen nicht gleichsetzen. Deine genannten Beispiele sind aller Ehren wert aber leider stellen sie die Ausnahme dar. In BaWü z. B. verfügt gefühlt jedes „...ingen“ über einen oder mehrere starke Arbeitgeber vor Ort (das nicht jeder einen Weltmarktführer beheimatet ist klar). Die Sozialstruktur ist dort eine völlig andere als in der hiesigen Provinz. Dort gibt es zwar auch Probleme was z.B. den ÖPNV angeht aber das fällt nicht so sehr ins Gewicht weil die meisten Haushalte einen oder eher zwei PKW in der Garage stehen haben. In den ländlich geprägten Räumen hier fehlen vor allem die jungen Familien, die es in die Städte oder deren Umland zieht. Die Eigentumsquote ist im Vergleich gering, Vermögenstransfer über Erbschaft ebenso. Zurück bleiben oftmals die Alten und gering mobilen, die dann zunehmend ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten machen.


    Dagegen hat man in den südlichen Bundesländern vor Jahrzehnten in zukunftsfähiges, produktives Know-how investiert und massiv die Wissenschaftslandschaft gestärkt. Das eine bedingt das andere. Flughäfen, Universitäten, Hoch-Kultureinrichtungen, eine Messe-und Kongresslandschaft, all dies sind Bereiche, die nur in Ballungsräumen in dieser Massivität zu finden sind und die einen Namen auch in die Welt zu tragen vermögen. Die Frage, die sich nun stellt ist wie man künftig mit einer geringer werdenden Förderung verfährt. Versucht man krampfhaft das in den 90ern hinsubventionierte Spaßbad in Kleinkleckersdorf am laufen zu halten und Ärzte mit Unmengen an Steuergeldern zu zwingen sich auf dem Land niederzulassen. Wohlwissend, dass die Kohorten trotzdem frei in Ihrer Entscheidung sind wo sie sich niederlassen wollen - was bei jungen Erwachsenen eben sehr oft dann doch der urbane Raum ist. Oder stärkt man mit den begrenzten(!) Mitteln eben genau diesen Raum mit zukunftsfähigen Wirtschafts- und Wissenschaftszweigen weil nur hier der strukturelle backround stark genug ist um nachhaltig(!) anzudocken. Womit wir wieder beim Thema Image sind. Wäre es nicht besser einen Kern, den es ja eh schon gibt, zu stärken und darüber einen „brain-gain“ (insbesondere von außerhalb der Region) zu fördern der aufzeigt, dass der Osten ja doch nicht so...(Adjektiv kann jeder nach eigenem Gusto einsetzen)...ist um in Folge dessen - zusätzlich zum wirtschaftlichen Benefit - eine Wahrnehmungsänderung nach Innen und Außen herbeizuführen. Diese positive Entwicklung strahlt aus dem Kern über das Umland dann in die erweiterte Region wobei auch klar ist, dass man damit nicht jedes Dorf im hintersten Winkel wird erreichen geschweige denn retten können. Aber darin liegt ja vielleicht eben auch die schon so oft ins Spiel gebrachte Chance mit den Stichworten: Entsiegelung, Natur, Erholung und neu entstehende Rückzugsräume. Das der Verlust von Heimat durch Aufgabe dieser dörfl. Strukturen zunächst einmal schmerzhaft ist steht dabei völlig außer Frage.