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Alt 26.06.18, 20:17   #77
Heinzer
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Da ist was dran, Tonsteine. Die Verschüttung des Überseehafens war sicher einer der größeren Böcke im Bremer Städtebau. Man darf aber die Entstehung dieser Aktion nicht vergessen: Damals schrumpfte Bremen und der gesamte Freihafenbereich war eine riesige fast tote oder zumindest mindergenutzte Fläche. Es dachte damals auch niemand daran, dass da jemand wohnen wollte oder könnte, denn die damals noch sehr mächtige Hafenwirtschaft wollte um jeden Fall Flächenkonkurrenz und Auflagen für Lärmschutz, Emissionen etc. verhindern. Der neue Großmarkt war ein typisches Kompromiss-Starterprojekt für eine damals klar gewerblich ausgerichtete Neuplanung der heute Überseestadt genannten Flächen.

Erst etwa zur Jahrtausendwende schwante den Verantwortlichen, was man alles mit einer solchen Fläche machen könnte, damals ging es langsam in der Hafencity los und es kursierten erste Masterpläne. Aber noch bis weit in die Nuller Jahre hinein gab es massive Widerstände gegen Wohnbebauung, der Bausenator konnte gerade noch "Wohnen als Sonderform" für etwa 1000 EW (!!) in die Pläne bekommen, gegen den Widerstand des Wirtschafts- und Häfensenators.

Dass das Wohnen dort so brennen wurde, kündigte sich erst ab 2009/2010 und verstärkt dann mit der demografischen Wende ab 2014/15 an. Seitdem werden dort Flächen, die für Büros vorgesehen waren, sogar als Wohnen vermarktet.

In den letzten 5 Jahren ist es dann richtig explodiert dort, in einem Ausmaß, das ich nicht für möglich gehalten hätte. Im letzten Jahr sind mit dem Europaquartier (ehemaliger Schuppen 3), der Überseeinsel (Ex-Kelloggs-Gelände) und den oben gezeigten Zechgebäuden am Europahafenkopf allein drei für eine Stadt wie Bremen riesige Entwicklungsprojekte an den Start gegangen - es wird in die Höhe gebaut, es hat sich ein gewisser postindustrieller/20er Jahre-Backsteinstil herausgebildet, das ganze hat wirklich heftig Fahrt aufgenommen. Die erste Reihe der Hafenkante genannten Wohnungsprojekte in der hinteren Überseestadt ist bereits voll bebaut, die zweite im Bau, in den aktuellen Planungen ist von 25.000- 30.000 Einwohnern die Rede. Und auch vorne geht es richtig los jetzt, mit dem ebenfalls gezeigten "Bömers Spitze" und den ganzen Projekten um die Straße "An der Reeperbahn".

Alles in allem hat das Projekt in einem für mich nicht vorstellbaren Ausmaß an Fahrt aufgenommen, und auch die Architekturqualität hat sich von "öde WDVS-Kiste" über "generische Klinkerarbeitsamtarchitektur" extrem gesteigert in den letzten 5 Jahren.

Nein, bei allem immer berechtigten Spott und Häme gegenüber den etwas bräsigen Bremer Entscheidungsträgern, das Ding brennt, und zwar richtig. Noch 2006/2007 war der Tenor hier und in anderen Foren "wenn Bremen sich da mal nicht verhebt", und "ob das nicht in die lange Reihe von Pleiteplanungen in Bremen passt" - jetzt kann ich nur allen Spöttern mal einen Besuch vor Ort oder zumindest der entsprechenden Homepages empfehlen. Da geht richtig was, und die große Welle kommt erst noch ab 2019 mit dem ganzen Europahafen und ehemaligen Kelloggsgelände.
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