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Alt 20.04.12, 13:54   #31
Noc Aud
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Ich denke, man sollte diesem verfehlten Protest hier nicht die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die sich die "Protester" wünschen. Das ist doch bloß Wasser auf den Mühlen dieser Leute.
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Alt 20.04.12, 13:58   #32
nachtgoblin
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nachtgoblin sitzt schon auf dem ersten Ast
Naja, das Gallus ist als unmittelbares Grenze zum Europaviertel, ich wage zu behaupten, eines der letzten noch relativ authentisch gelebten Stadtteile Frankfurts.

Schaut man sich die Graffiti pro qm² dort an, darf es einen kaum wundern, dass da was überschwappt. Es sollte einen ausserdem nicht wundern, dass die dort lebenden Menschen um ihre Zukunft bangen wenn "die Juppies" sich auch dort Altbauten unter ihre Nägel reißen.

Soviel aber weiß der sog. Trend-Juppie aka Hippster, so wie wir ihn aus Berlin kennen: er möchte wohl eher nicht in so einem modernen Plattenbau wohnen, wie im Europaviertel.
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Alt 20.04.12, 14:25   #33
RMA
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RMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle ZukunftRMA hat eine wundervolle Zukunft
Zitat:
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Aha. Wenn jetzt aber "Juppies" drin wohnen würden, wäre dann der Farbbeutel gerechtfertigt?
Nö, war eher als Hinweis auf die Intelligenz der Farbbeutelwerfer gedacht. Denn es gilt in der Tat das, was nachtgoblin im letzten Absatz schreibt. „Trendigere“ Altbauten, die in der Frankenallee übrigens jetzt schon horrende Preise erzielen, gibt es im Gallus genug.
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Alt 20.04.12, 18:49   #34
teleny
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Oh Mann, das ist Vandalismus und nicht Protest!

Zitat:
Zitat von RMA Beitrag anzeigen
Läuft eher unter verfehlter Protest – in diesen modernen Plattenbauten wohnen wohl kaum Juppies, sondern allerhöchstens Mittelstand.
Protest? Wenn ich das schon höre! Lächerlich! Das was hier im Europaviertel passiert, ist Vandalismus!! Das mit "Protest" zu verharmlosen ist eine Unverschämtheit gegenüber den Bewohnern!

Mal davon abgesehen, dass Vandalismus grundsätzlich schonmal nicht zu tolerieren ist, egal wer das Haus bewohnt, oder wo es steht, ist es an dieser Stelle gleich doppelt schwachsinnig: Die Häuser an der Europaallee und weiter im Westen des Viertels sind allesamt Neubauten für die kein einziger Altbau weichen musste und nicht ein alteingesessener Mieter weichen musste. Außerdem kommt die dort geschaffene Infrastruktur allen Zugute, die in dieser Ecke von Frankfurt wohnen.

Ich bin nicht der Meinung, dass das Europaviertel grundsätzlich von den Bewohnern des Gallus abgelehnt wird, vielmehr ist mein Eindruck, dass es sich hier um einen Einzeltäter handelt, der seit Monaten im Europaviertel randaliert. Ich hoffe sehr, dass das asoziale Schwein (Sorry, aber das ist teffend!) bald geschnappt wird und zur Verantwortung gezogen wird! Die Anmaßung dieser Person regt mich unglaublich auf! (Im übrigen wurde auch zwei Nachbarhäuser von dem Haus in dem ich wohne bereits Ziel eines solchen "Anschlags" - die Beseitigung der Schäden wurden jeweils aus der Rücklage des Hauses bezahlt und damit indirekt von dessen Bewohnern!)

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das Nebeneinander von Gallus und Europaviertel ansonsten sehr gut klappt und denke auch gerne an ein gemeinsam organisiertes Bürgerfest von Bewohnern der Sindlinger-/Hattersheimer-Strasse/Frankenallee (altes Gallus) und der Schwalbacher Niedernhausener Strasse (Europaviertel) zurück...

Bin mir sicher, dass auch die Gallus-Bewohner den Vandalismus nicht akzeptieren!!
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Alt 21.04.12, 08:39   #35
Bau-Lcfr
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Zitat:
Zitat von Golden Age Beitrag anzeigen
Die hellen Fassaden sind zumindest wertiger als was im Rebstockviertel oder größtenteils in City-West und Riedberg entstanden ist, allerdings sind die Baukörper zu würfelformig und zu ähnlich in Farbgebung, Dachgestaltung und Struktur. Bei einem geschlossenen Blockrand mit weniger breiten Einheiten wäre schon deutlich mehr optische Abwechslung möglich gewesen.
Das stimmt - den von Golden Age angeführten Beispielen darf ich eine Neubausiedlung in Düsseldorf-Derendorf hinzufügen. Genauso wie hier handelt es sich dabei um Wohnungen für gehobene Mittelschicht auf Konversionsflächen - ein durchaus vergleichbares Projekt. Der Investor legte absichtlich viel Wert auf diversifizierte Fassadengestaltung.

Das benachbarte Projekt LeFlair war ursprünglich einheitlicher gestaltet - der Investor meinte, ein paar Gesimse auf den Fassaden würden für genügend Hochwertigkeit sorgen. Das Projekt wurde doch umgeplant, jetzt ähnelt es mehr einem gewachsenen Block mit einzelnen Wohnhäusern.

Mülheimer Ruhrbania - selbst die Flussnähe bewahrte mehrere Wohneinheiten im minimalistisch gestalteten Anbau nicht vor jahrelangen Leerständen (erstes Foto unter #28). Daraus hat man dazugelernt, der Neubau auf der anderen Seite der Marina wurde entgegen früheren Planungen wesentlich interessanter entworfen (s. Fotos und Visualisierungen).
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Alt 21.04.12, 11:13   #36
Goldfischbauch
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Gute Architektur kann ein bisschen Vandalismus aushalten. Im Gallus oder Nordend ist auch vieles beschmiert ohne dass davon die Welt untergeht. Hier wurde aber so steril gebaut, dass jeder Kleks schon auffällt. Wie wird das erst, wenn die ersten Mängel, Grundverschmutzung, Wasserablaufspuren, Veralgungen sichtbar werden, wenn die abgestellten Fahrräder das WDVS ankratzen, die erste Satellitenschüsseln montiert werden?

Foto von mir

Ehrlich: ich kann an solchen Fassaden (hier meine ich die Architektur, nicht den Städtebau) nichts hochwertiges erkennen. Es sind einfach nur schlichte Blöcke, wie aus den 50ern. Häuser hatten schon immer Rückseiten, jedes Gründerzeithaus hat eine Prunkseite zur Strasse und eine einfache zum Hof. Hier präsentieren sich aber die Eingangsseiten so.
Vielleicht hat es auch was mit dem Bauherrnprinzip zu tun. Keiner ist für die Erscheinung des Hauses verantwortlich. Die Stadt kann sowas nicht vorgeben, der Bauherr will nur seinen Gewinn, der Käufer sieht nur die Animation im Prospekt und der Architekt muss ständig auf die Kosten achten. Wer soll da auf Nachhaltigkeit achten, auf Wartungsfreundliche, robuste Baustruktur, die 30 Jahre ohne Pflege trotzdem anständig aussieht? Die ABG macht das bei ihren innerstädtischen Baumaßnahmen (Klinker oder Naturstein EG)

Was mich am meisten stört ist, dass ganze Strassenzüge mit einer Fassadengestaltung erstellt werden. Früher waren die Leute Stolz (=Identität, Zugehörigkeitsgefühl), das IHR Haus in der Strasse gut dasteht und sich etwas individuallisiert (aber ansonsten in einem einheitlichen Rahmen bleibt, Dachform, Kanten, dreigliedrige Fassade, Fenstergewände, Materialien, etc. Heute können sich die Leute nur noch mit dem Viertel identifizieren.
@Bau-Lcfr: Düsseldorf-Derendorf find ich klasse, die anderen sind nette Animationen, wenn sie gebaut sind fürchte ich aber auch nicht mehr so attraktiv.

Geändert von Goldfischbauch (21.04.12 um 11:14 Uhr) Grund: Linksschreibung
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Alt 21.04.12, 12:16   #37
EV-FFM
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Toller Beitrag Goldfischbauch! Dann sollten doch künftig gleich alle neuen Häuser schlampig und schmuddelig gebaut werden, dann sind diese für die Zukunft ja bestens gewappnet
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Alt 21.04.12, 13:41   #38
Goldfischbauch
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@EV-FFM: Deinen Einwand versteh' ich nicht.

Ich plädiere doch dafür, dass Häuser sorgfältig und solide gebaut werden. Aber es kann doch nicht sein, dass Häuser am Main / Schlachthof schon nach weniger als 10 Jahren veralgt sind und renovierungsbedürftig aussehen. Das Richard-Maier-Museum ist 20 Jahre alt und die Fassade musste generalüberholt werden. Bei einem Museum kann das angehen, bei einem Wohnhaus ist das ein wirtschaftlicher Schaden für den Eigentümer und daher beim Bau zu beachten, einfach aus Vernunft.
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Alt 14.05.12, 21:57   #39
Bau-Lcfr
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Zitat:
Zitat von Schmittchen Beitrag anzeigen
Die vielfache Wiederholung von Gleichförmigem ist in der Architektur weder neu, noch muss das Ergebnis zwingend reizlos sein
Es kommt darauf an, was wiederholt wird. Paris wurde im 19. Jh. sehr homogen bebaut, doch jedes der sehr ähnlichen Häuser bringt große Fülle an optischen Reizen, was die Wiederholung erträglich macht. Inspiriert durch das Foto der Säulen belege ich die Aussage mit erstbestem meiner Pariser Fotos vom letzten Juni:





Die drei Fassaden sind sich weitgehend ähnlich, aber es gibt auch kleine Details, die sie individuell machen. Ganz anders die Fassaden im Europaviertel - lauter nackter Naturstein (wenn nicht lediglich Putz) ohne irgend etwas, was eine bestimmte Adresse einmalig und wiedererkennbar machen würde. Auch im Jahre 2012 und in Deutschland muss dies nicht zwingend der Fall sein - wie viele in DAF gezeigte Projekte es belegen.
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Alt 14.05.12, 22:22   #40
RMA
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Viel besser könnte man das an den Fassaden des Hochklassizismus zeigen, wenn es sie denn in Frankfurt noch en bloc geben würde. Das beste Beispiel dafür war das heute verheerte Fischerfeldviertel, entstanden zwischen 1792 und 1840. Dessen Häuser hatten (im Gegensatz zu dem Pariser Beispiel) praktisch kein Dekor und wurden nur durch minimale Unterschiede in den Geschoss- und Gebäudehöhen sowie Achsabständen variiert.

Interessant ist, dass die Gebäude des Viertels im Gegensatz zu den späteren Bauten des Historismus auch nicht straßenzügeweise von ein und dem selben Büro entworfen wurden, sondern dort eine größere Zahl an Architekten parallel tätig war, ganz ähnlich also wie heute im Europaviertel. Der Unterschied bestand in einer Gestaltungssatzung, die jedoch auch nur grob die zu verwendenden Materialien sowie die maximale Parzellengröße regelte. Das Ergebnis war sehr überzeugend.

Insofern folge ich Schmittchen, ein Bebauungsplan hätte im Falle des Europaviertels eine geschlossene Blockrandbebauung sowie eine minimale und maximale Gebäudehöhe festlegen müssen, eventuell noch milde gefasste Bestimmungen zur Materialität. Vermutlich hätten wir dann heute ein ähnlich urban wirkendes Quartier wie den Westhafen.

So wie es jetzt ist, erinnert mich das Europaviertel an das gerade in Bebauung befindliche Neubaugebiet meiner 15.000 Seelen-Heimatstadt – eine nicht zusammenpassende Ansammlung von Individualbauten bestenfalls mittelmäßiger architektonischer Qualität. Nur hier halt in groß. Irgendwie finde ich das reichlich beschämend, bedenkt man etwa mal, was in den 1920er Jahren selbst in Zeiten größter wirtschaftlicher Not im sozialen Wohnungsbau (!) geleistet wurde.
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Alt 15.05.12, 23:27   #41
alexander
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Ich finde diese Diskussion sehr interessant und sie zeigt, dass es frühere Architekten und Baumeister anscheinend besser verstanden, ganzen Straßenzügen eine gewisse Lebendigkeit und Abwechslung zu verpassen. Oder liegt es heutzutage nur an den Interessen der Investoren...?
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Alt 16.05.12, 09:25   #42
RMA
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Meines Erachtens liegt es alleine an den Vorgaben, die Architekten und Investoren gemacht werden. Immobilienspekulation gab es sowohl im Fischerfeld als auch in der frühen Gründerzeit in Frankfurt am Main schon zuhauf. Dieses unplanmäßige, spekulationsartige Wuchern der Stadt kann man heute noch in den Straßengrundrissen der Anlagenring-nahen Gründerzeitviertel sehen, im Unterschied zu den nach 1866 ganz planmäßig erbauten Stadtvierteln wie dem nördlicheren Nordend bzw. Bornheim und dem mittleren und äußeren Westend.

Das war früher noch gar nicht mal so dramatisch, sieht man mal von der Platzverschwendung ab, aber zumindest wurde in einem relativ einheitlichen Stil gebaut, selbst die Neostile harmonieren ja gut miteinander, da sie alle mehr oder minder kunsthistorisch aufeinander bezogen sind. Dem ist heute natürlich nicht mehr so. Jeder setzt seinen Brei nach eigenen Gutdünken und funktionalen Ansprüchen in die Landschaft, das Europaviertel steht gerade prototypisch dafür.

Der Glaube, dass eine vollkommene Demokratisierung des Bauens zu befriedigenden Ergebnissen führt, ist damit meiner Meinung nach ein Irrglaube. Ich wünsche mir mehr Mut von Seiten der Stadtplanung, Investoren Vorgaben zu machen. Frankfurt am Main kann und sollte es sich meiner Meinung nach leisten.
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Alt 16.05.12, 09:35   #43
Xalinai
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Vermutlich sind die Fortschritte in der Bautechnik und der automatisierten Bearbeitung ein Grund für die Uniformität.
Zu Zeiten als steinerne Fassadenelemente einzeln von Hand gefertigt wurden, bedeutete das Anfertigen großer Mengen identischer Teile, dass Handwerker sehr präzise und dementsprechend langsam arbeiten mussten - Einheitlichkeit war teuer, während die Herstellung nur weniger gleicher Teile und dann wieder einer kleinen Serie ähnlicher Teile billiger zu machen war.

Heute ist Serienfertigung identischer Teile die billigste Produktionsmethode.

Dazu kommt, dass seinerzeit der "Investor" vielleicht ein Gebäude finanziert hat - das Nebendran war jemand Anderes, der die gleichen Regeln etwas anders interpretierte. Heute baut ein Investor 300 Meter Einheitsblock und ist unglücklich, dass es keine 500m werden durften.

Ach ja, Beton ist auch ein Faktor. Wenn man identische Gebäude baut, mit immer gleicher Geschosshöhe, dann kann man mit den immer gleichen Schalungselementen von einer Etage zur Nächsten und von einem Gebäude zum Nächsten ziehen - Dass dieser Plattenbau mit Ortbeton dann genauso aussieht wie 70er Plattenbau mit Fertigteilen ist purer Zufall

An dem Beispiel aus Paris sieht man auch die unterschiedlichen Ansprüche der Bewohner/Mieter und die Preisniveaus der Wohnungen ganz deutlich. Zu Zeiten als Wohnhäuser keine Aufzüge hatten, war die Erste Etage (über der Bobbelage, die nicht nur in Frakfurt vorkommt) die beliebteste Wohnetage, mit der Zunahme an Stufen zur Wohnung fielen dann die Preise. Die Dachkammern über der hier noch sichtbaren Mansarde erforderten immerhin die Bewältigung von mehr als hundert Treppenstufen.

Heute will man am liebsten (Otis sei Dank) ganz nach oben in die oberste Schuhschachtel - und man will nicht mehr in dem Maße seine Individualität zeigen - von Außen soll keiner sehen, das man die Prachtwohnung belegt hat. Wird wohl an der Gewöhnung an Massenproduktion und Einheitsbrei liegen. Zu Zeiten als jeder seine Kleidung und Möbel individuell vom Schneider und Schreiner anfertigen lassen musste, war man es gewohnt, indviduelle Wünsche und Vorlieben umsetzen zu lassen. Heute kauft man vergoldete Wasserhähne, aber das Äußere "is halt so". Es kommt kein Käufer mehr auf die Idee, dass auch der Außeneindruck der Wohnung so individuell sein kann, wie Anstrich und Tapeten innen. Vielleicht hängt das aber auch daran, dass man heute die Wohnung nicht mehr in dem Maße als etwas Beständiges ansieht wie von 150 Jahren.
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Alt 16.05.12, 10:33   #44
tscheibörd
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Inhaltlich möchte ich RMA vollkommen zustimmen, begrifflich aber nicht.
Denn von einer Demokratisierung zu sprechen, wenn doch eine ungeregelte Individualisierung vorliegt, halte ich für falsch.
Eine (sogar direkt-)demokratisch entstandene präzise Vorgabe des Gestaltungsrahmens durch die Stadt würde meiner Meinung nach dieses Durcheinander ebenso gut verhindern können, wie die Vorgabe z.B. des Planungsdezernenten - diese Entscheidung wäre zudem allerdings direkt legitimiert.
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Alt 16.05.12, 11:16   #45
Schmittchen
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Schmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes Ansehen
Die Vorstellung, die Behörden könnten den Bauherrn so einfach und so umfänglich vorschreiben wie sie zu gestalten haben, und zwar so, dass es allen hier gefällt, ist reichlich unrealistisch. Das gibt das Bauordnungsrecht nicht in diesem Ausmaß her, und wer an ein gütiges und gerechtes Geschmacksdiktat glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.
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