Zurück   Deutsches Architektur-Forum > Architektur, Städtebau und Bauwesen: Regionale Themen > Mitte > Frankfurt am Main

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 09.08.15, 13:39   #136
Eagle1
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 21.10.2012
Ort: Hamburg/Frankfurt
Beiträge: 308
Eagle1 ist im DAF berühmtEagle1 ist im DAF berühmt
Zitat:
Zitat von Pumpernickel Beitrag anzeigen
So kommt es ja auch, dass eine Stadt wie Frankfurt am Main als Wirtschaftsstandort zwar ein richtiges "Powerhouse" ist, dort wird enorm viel und enorm überdurchschnittlich Bruttosozialprodukt erwirtschaftet, die Einpendler tragen aber einen Großteil davon wieder aus Frankfurt heraus, konsumieren andernorts, zahlen andernorts Einkommenssteuer (wo man ihnen eben bzgl. ihrer Lebensvorstellungen stadtplanerisch mehr entgegen kommt). Das führt im Resultat dazu, dass Frankfurt am Main als Kommune, komplett entgegengesetzt zu seiner volkswirtschaftlichen Rolle, eine vergleichsweise "arme Kirchenmaus" ist (so wie alle westdeutschen Großstädte, die solch eine Wohnungsbaupolitik - somit indirekt auch Bevölkerungspolitik - betrieben haben!).
Aber genau das ändert sich doch gerade in Frankfurt, wenn man sieht was alles so im Bau ist und demnächst startet (relativ viele neue Wohnungen aller Kategorien im Stadtbereich, natürlich viel im Europaviertel, aber nicht nur). In Zukunft, werden deutlich mehr Menschen direkt in der City wohnen. Das Thema ist gerade aktuell für mich, ich werde sehr wahrscheinlich nächstes Jahr wieder fest nach Frankfurt zurückziehen und bin schon etwas auf Wohnungssuche: Mir ist dabei aufgefallen, der Anteil an demnächst verfügbaren Neubauwohnungen (insbesondere ab 2016) direkt in Frankfurt City ist relativ groß.
Eagle1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 16:57   #137
Pumpernickel
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Xalinai Beitrag anzeigen
Bei höheren Häusern, bei denen man stets einen Teil der gg. dem RH eingesparten Fläche als gemeinsame Freifläche nutzen müsste, wären beispielsweise in die Freifläche integrierte Terassen und Gerätehäuser (z.B. bei TG-Abgängen) für die Bewohner möglich, die eine gartenähnliche Nutzung erlauben, ohne alles Zubehör aus der Wohnung herbeischleppen zu müssen.
Ach komm, aus gutem Grund ist das überall massig vorhandene "Abstandsgrün" dieser Wohnanlagen selbst bei bestem Wetter verwaist. Kein Mensch hat Lust, sich auf einem Präsentierteller zu bewegen, noch "gemeinsam"-irgendwas zu nutzen. Man hat den ganzen Tag was mit massig Menschen zwangsläufig "gemeinsam" als Stadtbewohner. "Gemeinsame" Verkehrswege, "gemeinsamer" Arbeitsplatz, "gemeinsamer" Supermarkt, usw., ständig muss man sich "gemeinsam" arrangieren, Kompromisse schließen, sich wohlverhalten, ...

Wenn ich daheim bin will ich meine Ruhe und im Zweifel jeden, der mich nervt, einfach aussperren können. Gerade inmitten des städtischen Lebens sind solche privaten Rückzugsflächen, die einen mit der tollen "Gemeinsamkeit" (Modewort "sharing") auch mal in Ruhe lassen, wichtig. Und schon gar nicht ist eine "gemeinsame" Rasenfläche, wo ich nicht schalten, pflanzen und walten kann, wie in einem eigenen Gärtchen, auch nur ein halbwegs tauglicher Ersatz. Du bist ggf. kein Gartenfreund und mit einem Raucheraustritt zufrieden, ich zB bin ein großer Gartenfreund und für mich heißt Lebensqualität zwangsläufig ein eigenes Gärtchen zu haben. Gibt man mir das in der Stadt nicht, dann zieh ich woanders hin und nehme lieber Pendelei in Kauf - so wichtig ist mir das.

Und damit bin ich ganz offensichtlich keine Ausnahme, denkst du die Leute pendeln aus ihrem entfernten "Häuschen im Grünen" solche Strecken, weil es Spaß macht oder sie gerne die Kosten dafür tragen? Man lässt ihnen keine Alternative. Ein Reihenhaus ist ein Kompromiss und im Übrigen gar nicht soviel weniger flächeneffizient, als der typische vierstöckige Riegel mit reichlich Abstandsgrün, das überschätzt man.

Wenn, dann würde ich jenen, denen eine Wohnung vollkommen reicht, der Typus der selbst einen Kaktus auf dem Fensterbrett vertrocknen lässt und von Gartenarbeit höchstens genervt wäre, lieber deutlich höhere Apartment-Highrises zum Ausgleich anbieten, dann stimmt die Flächeneffizienz und wenn man sich ansieht, wie populär die höchsten Etagen stets sind (Aussicht) hätten damit sogar die "Wohnungsfans" mehr von dem was sie schätzen. Allen wäre damit mehr gedient.

Aber aus irgend einem Grund sind die Kreise, die politisch tonangebend sind (die ja mitnichten die Bevölkerung repräsentieren, ich denke da sind wir uns ganz allgemein einig), sowohl gegen Wohnhochhäuser (damit meine ich weniger die typische Problemviertel-Platte aus den 70ern, sondern stylische Highrises, wie sie ja in FFM derzeit auch entstehen, an der Stelle trifft das also zumindest auf FFM weniger zu) als auch gegen Einfamilien/Reihenhaussiedlungen wettern (hier ist man auch in FFM wieder in der bundesdeutschen Normalität).

Die Briten machen das besser. Nicht nur haben die eine höhere Wohneigentumquote, also eher ein Volk von (wenn auch bescheidenen) "Landbesitzern" als von "Habenichtsen", die potentuell nur eine Mietzahlung von der Obdachlosigkeit entfernt sind, die Gartenstadt-Reihenhauswohngebiete britischer Städte sind geradezu legendär. Ich habe britische Verwandtschaft und dort als Kind ganze Sommer verbracht und bin entsprechend durch diese Nachbarschaften gestreift. Ein ganz besonderer, sehr heimeliger, Mix aus Stadt und Dichte und Ruhe und Grün und Privatheit. Das ist seitdem ein bischen mein persönliches Wohnideal geworden und leider findet man das in bundesdeutschen Metropolen in dieser Form kaum noch bei neuen Baugebieten.
  Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 17:36   #138
bridget
Wichtiges Mitglied

 
Registriert seit: 09.01.2008
Ort: FFM
Beiträge: 489
bridget braucht man einfachbridget braucht man einfachbridget braucht man einfachbridget braucht man einfachbridget braucht man einfachbridget braucht man einfach
Ich verstehe trotzdem noch nicht ganz, was genau das Problem ist.
Aufgrund des starken Bevölkerungszuwachses in den letzten Jahren ist es m.E. vorrangige Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass es mehr und bezahlbaren Wohnraum gibt und zwar für möglichst viele Menschen und dass dieser Wohnraum ordentlich mit Infrastruktur versorgt ist, also ÖPNV, Kitas etc. Große EFH-Siedlungen erfüllen diesen Zweck nicht oder nur sehr bedingt (wenig Menschen auf viel Platz), daher sollte die Priorität woanders liegen und vorhandene Flächen besser genutzt werden.
Und ob jetzt am Ende der Ella des Stadtgebiets ohne jeden ÖPNV Anschluss eine solche EFH-Siedlung gebaut wird oder in der Nachbarkommune, macht doch irgendwie auch keinen Unterschied (bis auf den Briefkopf der Bewohner), von daher sehe ich nicht, weshalb sich die Stadt in dem Bereich vermehrt engagieren sollte.
bridget ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 17:38   #139
cardiac
Wichtiges Mitglied

 
Registriert seit: 30.12.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 423
cardiac ist jedem bekannt und beliebtcardiac ist jedem bekannt und beliebtcardiac ist jedem bekannt und beliebtcardiac ist jedem bekannt und beliebtcardiac ist jedem bekannt und beliebtcardiac ist jedem bekannt und beliebtcardiac ist jedem bekannt und beliebt
Also bei allem Respekt, aber man kann nunmal nicht alles haben. In Frankfurt innenstadtnah wohnen, aber bitte in der günstigen, eigenen kleinen Villa, mit großem Garten, und natürlich ohne Fluglärm. ÖPNV-Anschluss bitte auch, aber ohne Lärm bitte, also am besten eine eigene U-Bahn-Station. Und natürlich Möglichkeiten zum Naheinkauf, und eine belebte Kneipenszene um am Wochenende Spaß zu haben, aber wenn man selbst seine Ruhe will, dann haben die anderen bitte wo anders ihren Spaß zu haben.

Während ich die Grundkritik ja verstehe, und man gewiss über den Anteil an verschiedenen Bauformen streiten kann, schießt du m.E. etwas über das Ziel hinaus und forderst quasi die eierlegende Wollmilchsau im Wohnungsbau.
cardiac ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 18:01   #140
Immobilienmogul
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 31.08.2008
Ort: Frankfurt a.M.
Beiträge: 298
Immobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfach
Naja, was ist denn bitte daran so verkehrt, sich von Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu wünschen und auch zu fordern, dass im Rhein-Main-Gebiet endlich wieder bauträgerfreie Grundstücke für Einfamilienhausbau vorgehalten werden und die wenigstens vom oberen Drittel der Einkommensbezieher zu bezahlen sind ?? Also für Leute, die für sich selber sorgen wollen und können?

Vielleicht könnte man auch mal wieder weniger totregulierte B-Pläne erlassen, so dass man sich noch Dachneigung und Baumsorte selbst aussuchen darf??

Schade, dass die Politik sich um alles Mögliche kümmert und hier diesen Bedarf ignoriert. Wo sie doch sonst so sozial und gerecht sein will und alle möglichen Bedarfe entdeckt und kreiert.....
Immobilienmogul ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 18:26   #141
Bau-Lcfr
Diamant-Mitglied

 
Registriert seit: 20.11.2010
Ort: Rheinland
Beiträge: 12.828
Bau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes Ansehen
^ Solche dünn besiedelte Gebiete kann man nicht vernünftig mit dem ÖV erschliessen und so kommen daraus weitere Blechlavinen in die Stadt - zusätzlich zu den bereits vorhandenen. Diese widerlegen übrigens, dass die Dichte solcher Reihenhausgebiete "optimal" sei (wie jemand vor einigen Beiträgen behauptete) - ähnliche wurden bereits in den 1960er/1970er Jahren massenweise gebaut. Wenn das alles so optimal sein sollte, woher kommen die Staus um etliche Städte ähnlicher Größe wie Frankfurt?
Leute, die in der Innenstadt leben oder sich dort nur temporär aufhalten, haben ebenso das Recht, sich zu wünschen, nicht ewig von Blechlavinen erdrückt zu werden. Da tröstet wenig, wenn diese kurz vor der offiziellen Stadtgrenze den Anfang nimmt statt kurz dahinter. (Vernünftige Regionalpolitik sollte dafür sorgen, dass auch Nachbarsgemeinden ähnliche EFH-Baugebiete nicht ausweisen - in der Region Stuttgart werden solche Begehrlichkeiten schon mal abgelehnt. Dort ist auch laut einer Umfrage die meiste Bevölkerung gegen weitere Zersiedlung.)

Die Eindämmung der Zersiedlung und des Flächenverbrauchs steht in den Plänen etlicher Bundesländer - in Hessen genauso. Dazu kommen die erhöhten Infrastrukturkosten pro Einwohner, die die Nutznießer solcher Siedlungen am liebsten der Allgemeinheit überlassen wollen.

Kurzum - vielleicht hätte man das diskutierte Gebiet oder einen großen Teil davon einfach unbebaut lassen sollen - dafür mehr Dichte irgendwo zentraler am ÖV-Netz einplanen.
Bau-Lcfr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 19:00   #142
laoshii
Fast ein Mitglied

 
Registriert seit: 21.07.2015
Ort: Frankfurt
Beiträge: 7
laoshii befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Zitat:
Zitat von Immobilienmogul Beitrag anzeigen
Naja, was ist denn bitte daran so verkehrt, sich von Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu wünschen und auch zu fordern, dass im Rhein-Main-Gebiet endlich wieder bauträgerfreie Grundstücke für Einfamilienhausbau vorgehalten werden
Niemand hier hat etwas gegen EFH-Siedlungen im Rhein-Main-Gebiet, denke ich. Viel mehr geht es um die Forderung nach solchen Siedlungen in Innenstadtnähe, die eben etwas schizophren daher kommt wie #144 schon aufzeigte (besonders merkwürdig scheint hier die Feststellung, dass der "Nanny-Staat" vorschreibe wie Menschen zu leben hätten, nur um im nächsten Satz dann den Wegfall der Eigenheimzulage zu bedauern).

Ich persönlich finde die Art und Weise der Kritik im Übrigen auch ziemlich dürftig, denn es scheint als würden hier persönliche Vorlieben zu einem Leitbild hochstilisiert und alles was dort nicht reinpasst, entspricht generell erstmal einem negativ belasteten Stereotyp ("unterste Lebensverhältnisse", "Yuppie", etc.). Meine kleine Familie würde sich beispielsweise wunderbar in die Zielgruppe für EFH einfügen und dennoch kann ich mir kein schlimmeres Übel vorstellen als in einer solchen Siedlung zu wohnen. Und wer ernsthaft meint das "Zivilisationsgefälle" zwischen Stadt und Vorstadt/Land sei in Deutschland wesentlich größer als in anderen westlichen Ländern war offenbar noch nie in einer amerikanischen Großstadt oder hat einmal in einer Studenten-WG mitten in der Stadt gewohnt. Jedenfalls finde ich es bedenklich solche "man müsste mal, aber keiner macht, weil niemand unsere Interessen vertritt"-Parolen aufgrund lediglich anekdotischer Evidenz, in Form der bloßen persönlichen Empfindung, rauszuschmeißen.
laoshii ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 20:25   #143
Immobilienmogul
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 31.08.2008
Ort: Frankfurt a.M.
Beiträge: 298
Immobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfach
Doch, sehr viele haben etwas gegen neue EFH-Gebiete im Rhein-Main-Gebiet (siehe die obigen saturierten Kommentare) und dennoch sind Sie begehrter und notwendiger denn je, wie ja die Preisentwicklung zeigt.

Leider sind mittlerweile über 90% der Bevölkerung aufgrund dieser Preise aus diesen Markt gedrängt und das ist nicht fair und ausgewogen.

Auch die Erbfolge in den bestehenden EFH-Gebieten stimmt mittlerweile nicht mehr und zeigt die künstliche Verknappung - stirbt die Nachkriegsgeneration, die sich mit einem Postbotengehalt noch ein Haus erschaffen konnte, bleibt der Erbengemeinschaft oft nichts anderes übrig, als zu verkaufen - vor 15 Jahren hingegen konnte einer noch eher ausbezahlen und das Haus in der Familie halten. ...

Dabei muss man noch nicht mal von Frankfurt-Harheim oder -Zeilsheim, also Frankfurter Stadtgebiet, reden - das ist im vorderen Rheingau genauso wie im Landkeis Offenbach etc.

Wenn man hier der Diskussion folgt, könnte man meinen, dass die gefürchteten Häuslebauer alle in der Innenstadt arbeiten und abends nichts besseres zu tun haben, als in Nordendkneipen abzuhängen und dann mit einer neuen U-Bahnlinie in die Vorgartenidylle wollen.

Das ist doch ein schiefes Bild und gibt nicht annähernd die Lebenswirklichkeit wider von Leuten, die schon lange oder erst seit kürzerer Zeit in Rhein-Main leben.

Geändert von Immobilienmogul (09.08.15 um 20:30 Uhr) Grund: Rechtschreibung
Immobilienmogul ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 21:03   #144
Xalinai
Goldenes Mitglied

 
Benutzerbild von Xalinai
 
Registriert seit: 22.05.2008
Ort: Köln
Alter: 57
Beiträge: 1.280
Xalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiellXalinai ist essentiell
Man muss bei den EFH-Siedlungen auch noch unterscheiden: Es gibt diejenigen, die bereits etabliert sind, wo die Häuser in dere Masse bezahlt sind, die Altersstruktur gemischt, die Bewohner auch mal auswärts essen gehen wollen und inzwischen verstanden haben, dass es nicht wirklich gut ist, wenn der gesamte Einzelhandel aus den Zigarettenautomaten am Zaun es übernachten Nachbarn besteht. Und es gibt die neuen EFH-Siedlungen, in denen alle gerade frisch gebaut haben, die Bewohner alle Anfang, Mitte Dreißig sind, die Kinder noch in die Kita oder eben gerade in die Schule gehen und man sich typischerweise so aufgestellt hat, dass man gerade eben so über die Runden kommt - entweder weil man sich knapp überhoben hat, oder um möglichst schnell zu tilgen.
Da gibt es dann keine Restaurants im Umkreis, weil es Abends nur 'n Butterbrot gibt und der Nahversorger muss vier Buchstaben haben, die d, i und l enthalten. Das ist dann echt anstrengend, wenn man nicht exakt zur gleichen Gruppe gehört, denn die Gespräche mit den Bewohnern des Viertels haben meist nur drei Themen - Kinder, Anliegerbeteiligung, Bauprobleme.

Ich kenne inzwischen die meisten Wohnformen, vom Zweifamilienhaus meines Großvaters (oben er, die Großmutter und meine Mutter, unten sein Sohn mit Familie) in ländlicher Umgebung. Das freistehende Haus das meine Mutter auf'm Kaff gekauft hat. Die Wohnungen, die wir in Frankfurt und OF hatten, 1950er Wohnblock mit erst Kohleöfen, dann Gasheizungen am Stadtrand, Hochhaus in Eckenheim, Azubi-WGs während der Ausbildung, Hochhaus-EG am Atzelberg, höhere Etage in OF - und jetzt sehr ländlich in einer gepflegten Anlage in Köln.

Was man dabei sieht, ist dass die echte Landbevölkerung (sei es Froschhausen oder ehemalige Eckenheimer Bäuerchen) dazu neigt, pflegeleichte Flächen zu bauen ("Mehr Grün wollense? Na dann streich ich den Beton im Hof..."), während es die Städter sind, die in der Stadt und außerhalb jedes Fitzelchen Boden freilegen und bepflanzen wollen. Meine Großmutter (Landei) wäre nie auf die Idee gekommen, im Hof zu frühstücken, dafür hatte sie doch den schönen Esstisch in der Küche. Meine Freunde aus Frankfurt, Berlin oder der Kölner Innenstadt finden dagegen die Idee, sich zum Frühstück im Park oder irgendwo wo die nächste Wand weiter als 10m entfernt ist, niederzulassen, richtig prima.

Nebenbei ist den wenigsten Wohnungsbewohnern, die vom EFH mit großem Garten träumen, klar, wie viel Arbeit ein solcher Garten macht.

Was das Einkommensthema angeht: Man zur 8%-Zins-Zeit früher mal gesagt, dass man, wenn man bislang 25% seines Einkommens für die Kalt-Miete ausgibt, etwa fünf Jahres-Nettogehälter finanzieren kann. Gemeint war, dass man in 28 Jahren schuldenfrei sein wollte. Bei aktuellen Zinsen sind das etwa sieben Nettogehälter bei entsprechend höherer Einstiegstilgung. Zwanzig Prozent Eigenkapital erschien damals sinnvoll, das kann heute auch wegen der niedrigeren Zinsen etwas weniger sein, aber knapp zehn Prozent gehen für Grunderwerbsteuer, Notar und Abwicklungskosten drauf.
Der statistische Durchschnitt Thomas Müller, der mit seiner Frau Sabine auf rund 50000€ netto im Jahr kommt, kann also 350.000€ stemmen. Das gibt reichlich 100m² Neubau ETW in Offenbach-Zentrum, schon deutlich drunter im Hafenviertel und in Frankfurt kann er damit die Garage zum EFH bezahlen.
Für welche Zielgruppe die EFH-Neubaugebiete gedacht sind, ist damit ablesbar - das sind Leute, die durchaus eine Lobby haben.
Xalinai ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.15, 23:33   #145
Bau-Lcfr
Diamant-Mitglied

 
Registriert seit: 20.11.2010
Ort: Rheinland
Beiträge: 12.828
Bau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes Ansehen
Zitat:
Zitat von Immobilienmogul Beitrag anzeigen
Doch, sehr viele haben etwas gegen neue EFH-Gebiete im Rhein-Main-Gebiet (siehe die obigen saturierten Kommentare) und dennoch sind Sie begehrter und notwendiger denn je, wie ja die Preisentwicklung zeigt.
Es gibt unzählige Studien über Probleme, die EFH-Siedlungen bringen von den Finanzen (Infrastrukturkosten) bis zum Verkehr und Flächenverbrauch, von vielen Forschungseinrichtungen und Unis - viele habe ich hier im DAF verlinkt. Wozu werden Millionen für die Wissenschaft ausgegeben, wenn die Erkenntnisse ignoriert werden würden?

Dass etwas von einigen Leuten begehrt ist, bedeutet nicht automatisch, dass es für die Allgemeinheit gut ist, also auch nicht dass es 'notwendig' sein sollte. Die Kommunalpolitik und die Stadtplanung sollten die Allgemeinheit vor Augen haben und nicht den Begehrlichkeiten jeder Einzelperson nachjagen.

Zitat:
Leider sind mittlerweile über 90% der Bevölkerung aufgrund dieser Preise aus diesen Markt gedrängt und das ist nicht fair und ausgewogen.
Um den Populismus dieser Formulierung zu veranschaulichen: Über 90% der Bevölkerung sind aus den Märkten der mehrgeschossigen Penthouses und der Wohnungen mit vergoldeten Wasserhähnen 'verdrängt', vom Markt der Privatjets mindestens 99,99%. Höchste Zeit offen darüber zu reden, dass in einer Metropole wie Frankfurt (die einzige Global City der Alpha-Kategorie in Deutschland) Fläche knapp, also ein Luxus ist. Es gibt zwar ein Recht auf ein Dach über dem Kopf, aber es gibt kein Naturrecht auf einen Privatgarten. Man kann ohne ihn ganz gut leben, das tun Millionen Menschen in vergleichbaren Metropolen.
Bau-Lcfr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.15, 01:16   #146
Äppler111
Mitglied

 
Registriert seit: 06.12.2012
Ort: Frankfurt
Beiträge: 115
Äppler111 wird schon bald berühmt werdenÄppler111 wird schon bald berühmt werden
Also dass sich alle Familien mit Kindern nach einem Häuschen im Grünen sehnen, das kann ich nicht bestätigen. Sind wir denn wieder zurück in den 70ern? In meinem Freundeskreis sind viele junge Familien, und sie alle träumen von, sparen für oder finanzieren schon eine schöne, große moderne Wohnung in der City. Es fehlen bestimmt nicht EFH in Frankfurt, es fehlen 3- und 4-Zimmer Wohnungen.
Äppler111 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.15, 08:13   #147
Immobilienmogul
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 31.08.2008
Ort: Frankfurt a.M.
Beiträge: 298
Immobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfachImmobilienmogul braucht man einfach
Zu 150:

Also, wenn wir den jeweiligen Generationen in der Familiengründungsphase wieder mehr Fläche zugestehen, damit sie, wenn sie denn wollen und es sich wieder bezahlbarer wird, auch in Ballungsgebieten ein eigenes Haus bauen / umbauen können; dann hat die Politik Deiner Meinung nach nicht mehr die Allgemeinheit vor Augen sondern jagt den Begehrlichkeiten von Einzelpersonen hinterher?

Sorry, aber diese Gleichsetzung von Fläche = Luxus finde ich sehr unausgewogen und doktrinär.
Immobilienmogul ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.15, 08:27   #148
Bau-Lcfr
Diamant-Mitglied

 
Registriert seit: 20.11.2010
Ort: Rheinland
Beiträge: 12.828
Bau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes AnsehenBau-Lcfr genießt höchstes Ansehen
^ Ganz genau - ausgedehnte EFH/RH-Siedlungen verursachen genau die gleichen Probleme wie seit den 1960er/1970er Jahren; kein Grund sich noch mehr davon aufzuhalsen. Es gibt mehr als genug vorhandene. Wie etwas weiter darüber unter #151 steht, ein Großteil der Generationen in der Familiengründungsphase will ohnehin eine vernünftig zugeschnittene Geschosswohnung, möglichst zentral (Ähnliches beobachte ich auch in meinem Bekanntenkreis) - falls manche Leute zersiedeln und enorme Flächen zupflastern möchten, muss die Allgemeinheit/Politik es nicht mit künstlicher Verbilligung fördern.

Zitat:
Sorry, aber diese Gleichsetzung von Fläche = Luxus finde ich sehr unausgewogen und doktrinär.
Dann begib sich nach London und schaue, wieviel dort Häuser mit eigenen Gärten kosten. Die Wohnungsbau-Musik spielt im mehrgeschossigen MFH-Bau. Was ist "unausgewogen und doktrinär" daran, dass Millionen Menschen (das Rhein-Main-Gebiet hat um 5 Millionen Einwohner) auf einem begrenztem Raum leben wollen (möglichst nah des Zentrums) in dem noch etwas Natur verbleiben sollte?

Übrigens - in Düsseldorf wurde kürzlich ein 18geschossiges Hochhaus in ein Wohnhaus umgebaut, darin eine KiTa eingerichtet - auch in Deutschland kann es Familiengründungsphase-orientiert ohne viel Flächenverbrauch gehen.
Bau-Lcfr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.15, 08:43   #149
Eagle1
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 21.10.2012
Ort: Hamburg/Frankfurt
Beiträge: 308
Eagle1 ist im DAF berühmtEagle1 ist im DAF berühmt
Jeder so wie er möchte. Es sollten alle Optionen zur Verfügung stehen. Ich selbst könnte mir beides vorstellen: City Apartment oder Suburbia mit Hund. Beides finde ich durchaus attraktiv.
Eagle1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.15, 20:53   #150
Informatikfuzzi
Mitglied

 
Registriert seit: 01.05.2012
Ort: Saarland
Alter: 42
Beiträge: 106
Informatikfuzzi könnte bald berühmt werden
Na dann frage ich mich wer denn die ganzen frei plan- und bebaubaren Grundstücke im Rhein-Main Gebiet so kauft? Frankfurt Riedberg - die für 600 €/qm von der Hessen-Agentur abgegebenen Grundstücke sind alle reserviert, wo hingegen Ballwanz auch nach 2 Jahren seine Buden (Rosenbaumhöhe) nicht wegbekommen hat. Oberursel Altkönigsportplatz Preise von über 1.000 €/qm alles weg; Offenbach An den Eichen ab 360 €/qm - ruck zuck weg; Heusenstamm 500 €/qm - weg; Dreieich Heckenborn - nur noch Bauträgerobjekte, Grundstücke (angekündigt mit 410 €/qm dann waren es am Ende >500 €/qm) weg; Rödermark Rennwiesen 360 €/qm - weg; Egelsbach Brühl ab 320 €/qm - alles weg; Mainz Gonsbachterrassen 470 €/qm ruckzuck weg . Und wie schon angegeben - großteils werden im Umland qm-Preise erreicht welche die Werte des Gutachterausschuss Frankfurt noch übertreffen.

Zusammen mehrere hundert frei plan- und bebaubare Grundstücke! Alle innerhalb kurzer Zeit vertickt, dagegen Bauträgerobjekte (mit dicker Gewinnmarge!!) in den gleichen Neubaugebieten Vermarktungszeiträume von teilweise über 2 Jahren!

Vielleicht auch mal hinterfragen warum "die Bekannten" nun eine Wohnung statt Haus kaufen? Vielleicht resigniert man und holt sich lieber jetzt noch eine Eigentumswohnung bevor noch weiter auf das eigene Haus gewartet wird, und wenn dies nicht kommt auch die Wohnung nicht mehr finanzierbar wäre?

Mal als Gegenbeispiel: von meinen Arbeitskollegen nur auf dem Flur (18) wohnt nicht einer in einer Wohnung geschweige zur Miete - alle im eigenen Haus! Dafür nehmen die teilweise Anfahrtszeiten mit Bahn/Auto von >1 1/2 Stunden aus dem tiefsten Hochtaunus-, Wetteraukreis oder Kreis Bergstraße in Kauf! Vorherige Bleiben (Wohnungen z. B. in Hofheim, Neu-Isenburg, alles viel näher) wurden verkauft oder sind nun Vermietobjekt und das Sprichwort "Wohnungen hat man zur Vermietung und wohnen tut man im eigenen Haus" gilt.

Geändert von Informatikfuzzi (10.08.15 um 21:19 Uhr)
Informatikfuzzi ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 05:46 Uhr.


Powered by vBulletin (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2019, Jelsoft Enterprises Ltd.
©2003 - 2019 Deutsches Architektur-Forum