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Alt 24.01.19, 00:22   #331
Joseph
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Joseph könnte bald berühmt werden
Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 - Wir sanieren eine Fabrik

Nö, deine Auffassung teile ich nicht.

Zwar halte ich von dem Kulturhaupstadtgedöns mittlerweile auch rein gar nichts mehr, das hat aber mit meiner Vorstellung von Moral, Werten, Ehrlichkeit und Selbstkritik und einigen persönlichen Erlebnissen dahingehend zu tun.

Im Gegenteil. Ich sorge mich momentan eher um die Kulturprojekte die in den letzten Jahren so mühsam gewachsen sind. Geht die Bewerbung schief, wird das sicherlich sehr negative Auswirkungen auf die Szene haben.

Wäre der Stadt Kultur wirklich wichtig und auch was wert - dann würde sie nicht warten was irgend ein seltsamer Ausschuss bewertet, sondern hätte schon lange gehandelt und die Weichen gestellt.

Selbst wenn ich großer Fan der Kulturhauptstadtbewerbung wäre, hielte ich es nicht für richtig das auf eine Fläche zu fixieren - es geht ja nicht um einen Jahrmarkt, sondern um viele große und kleine Projekte die bestenfalls quer durch die Stadt die schon bestehenden Institutionen / Veranstaltungen gut vernetzen. Klar, neue kleine Zentren darf es ruhig geben, aber Wanderer ist da definitiv eine viel zu große (und abgelegene) Nummer.

Trotzdem: Eine Belebung des Areals würde ich sehr begrüßen.
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Alt 24.01.19, 12:21   #332
arnold
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arnold ist im DAF berühmtarnold ist im DAF berühmt
Zitat:
Zitat von Joseph Beitrag anzeigen
Ich lese da bei dir irgendwie schwarz / weiß -Malerei raus... Ich sage ja nicht, dass sich die CWE oder die Stadt ausschließlich nur noch um solche Objekte kümmern soll - das ist ja auch Quatsch. Aktuell besteht lediglich das Angebot der Stadt / CWE dass sich die Eigentümer dort melden können. Da erwarte ich einfach ein wenig mehr Aktivität und ein direktes Zugehen - und das erlebe ich nicht wirklich, zumindest nicht in einem Maßstab der was bringt.
Dann lass es mich mit Huxley sagen: "Fakten hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden." Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass die CWE nicht über fremdes Eigentum entscheiden kann - weder über deines, noch über meines noch über die Wanderer-Werke oder die Schönherr-Fabrik. Wenn bestimmte Eigentümer andere Pläne verfolgen (und diese Pläne können auch ein weiteres brachliegen sein), so muss sich Stadtverwaltung und CWE daran halten und (vorerst) damit abfinden, bis der Eigentümer die Stadt irgendwann ins Boot holt. Geltendes Recht gilt auch für Verwaltungen. Kein Eigentümer kann zu einer Nutzung oder Sanierung seiner Immobilien gezwungen werden. Und keine CWE kann fremdes Eigentum vermarkten. In einer Stadt existieren zahlreiche Akteure, die alle unterschiedliche Interessen verfolgen. Inwieweit die Chemnitzer Verwaltung in der Lage ist, diese Akteure an einen Tisch zu holen, ist eine andere Frage.

Ich unterstelle jetzt mal der Eigentümerin vollkommen andere Interessen, als wir sie hier im Forum verfolgen. Dieser Absatz ist reine Annahme und entbehrt jeglicher Kenntnis meinerseits. Aber es könnte sein, dass die Dame das Flurstück samt Bebauung gekauft hat, weil sie damit vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgt. Laut RAPIS hat das Flurstück (192/11) eine Größe von rund 15.000 m2. Laut BORIS liegen die Bodenpreise pro qm für dieses Flurstück bei 35 Euro/m2. Die Dame sitzt also allein mit dem Flurstück, auf dem das Hauptgebäude steht, auf einem Wert von rund 525.000 Euro. Ob die Flurstücke der Erweiterungsbauten auch ihr gehören, weiß ich leider nicht. Es ist davon auszugehen, dass der Wert des Flurstückes ohne Gebäude noch um einiges höher wäre - die Anbindung an Schiene und Autobahn ist hervorragend, die Messe direkt angrenzend. Auch ist es aus meiner Sicht etwas offensichtlich, wie sich innerhalb kurzer Zeit der Zustand des Gebäudes derart verschlechtert hat: Auf Bildern von 2014 sind noch alle Fenster im Gebäude und auch die Regenrinnen scheinen noch intakt. Ein Schelm der böses denkt, wenn man weiß, dass im Länder-Programm "Brachenberäumung" (https://www.sab.sachsen.de/förderpro...nprogramm).jsp) seit Beginn des Jahres eine 90%-Rückbau-Förderung für Industrie-Brachen möglich ist, wenn das Gebäude erhebliche Mängel aufweist und die Standsicherheit gefährdet bzw. eine neue Nutzung nicht mehr möglich ist.



Zitat:
Zitat von Joseph Beitrag anzeigen
Die Stadt könnte ebenfalls den Druck auf solche Gebäude erhöhen, wenn man weniger neue Gewerbegebiete erschließen würde. Wenn ein Unternehmer die Wahl hat zwischen Neubau direkt an der Autobahn und Fabrikhalle in der Nähe der Autobahn - für was wird er sich wohl entscheiden?
Dazu würde ich gerne folgenden Facebook-Beitrag von Stadtrat Lars Fassmann verlinken: https://www.facebook.com/photo.php?f...type=3&theater
Die Zahl der Erwerbstätigen hat in Chemnitz (Stadt) zwischen 2010 und 2017 lediglich um 0,3% zugenommen - weniger als in einigen ländlichen Kreisen Sachsens. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl in Dresden (Stadt) um 8,7 % in Leipzig (Stadt) sogar um 12,2% gestiegen. Weniger Gewerbegebiete halte ich jedenfalls nicht für die richtige Lösung.

Geändert von arnold (24.01.19 um 12:41 Uhr)
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Alt 24.01.19, 12:37   #333
arnold
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Zitat:
Zitat von KMS1983 Beitrag anzeigen
Die Sanierung der Wanderer Werke hätte DAS Projekt für die Bewerbung zur Kulturhaupstadt 2025 sein können. Zusammen mit den angrenzenden Industriebauten bis hin zur Messe hätte dieses Gebiet auf völlig neue Beine gestellt werden können. Und dafür wären Fördertöpfe in Millionenhöhe aufgegangen. Ein Gebäude mit einer derartigen Geschichte hätte DAS Aushängeschild für die Stadt werden können. Das Fahrzeugmuseum hätte endlich eine würdige Präsentationsfläche bekommen und es wären hunderte von ideen zur weiteren Nutzung entstanden. Dieses Jahr ist Bewerbungsschluss und ich kenne NICHTS was uns von den anderen Bewerberstädten unterscheidet. Chance vertan. Hauptsache Hutfesitival. Alles Luftnummern ohne Nachhall.

Hier möchte ich auch noch darauf eingehen, weil es mir wirklich auch ein persönliches Anliegen ist. Ich glaube du verstehst den ganzen Bewerbungsprozess komplett falsch, KMS. Das was aktuell läuft - von Hut-Festival über die Veranstaltungen in der Hartmann-Fabrik bis hin zum Aufruf, Projektideen für Chemnitzer Plätze einzureichen (und vieles, vieles mehr!) - ist NUR Bestandteil der Bewerbung und hat noch nichts mit den tatsächlichen Interventionsfläche zu tun, die es geben, soll, wenn Chemnitz den Zuschlag erhält. Diese Interventionsflächen sind noch geheim bzw. werden erst noch ermittelt, sobald Chemnitz den Zuschlag erhalten hat. Lediglich das Motto "Creating Spaces - Opening Minds" ist bekannt. Es soll sich mit den Freiräumen der Stadt befassen und ich gehe ganz stark davon aus, dass alte Industrie-Brachen eine wesentliche Rolle dabei spielen werden.

Alles was aktuell läuft und bekannt ist, dient dazu, die Öffentlichkeit und die Chemnitzer - dich und mich - ins Boot zu holen und die Akzeptanz für die Kulturhauptstadt (die in Chemnitz aus irgendeinem mir nicht erklärbaren Grund sehr gering ist) zu steigern. Der Jury ist es in der Vergabe sehr wichtig, dass die Bevölkerung der Stadt hinter der Bewerbung steht.

Das Investitionsvolumen - sollte Chemnitz den Zuschlag erhalten - wird bei 70 bis 80 Millionen Euro (!!!) liegen (https://www.freiepresse.de/chemnitz/...rtikel10287375). Natürlich wird da mehr entstehen als ein paar lächerliche Plätze im Zentrum und das Hutfestival. Im Vergleich dazu: In den letzten 25 Jahren wurden 350 Millionen Euro an Städtebaufördermitteln in Chemnitz investiert (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/...twicklung.html). Geht die Kulturhauptstadt-Bewerbung klar, wären innerhalb weniger Jahre knapp 1/4 der Finanzmittel der letzten 25 Jahre in der Stadt vorhanden. Das ist Wahnsinn!


Die Kulturhauptstadt ist für Chemnitz eine riesige Chance - mit Sicherheit die Größte seit der Wiedervereinigung. Und ob sich eine derartige Chance in den nächsten 25 Jahren nochmal bieten wird, wage ich zu bezweifeln.
Ich empfehle hier begleitend etwas Recherche zu Linz. Ehemals eine komplett unterschätzte Stadt, die sich seit der Kulturhauptstadt hervorragend entwickelt hat und mittlerweile kulturell mit Wien und Graz mithalten kann und seine ganz eigene Nische gefunden hat.
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Alt 24.01.19, 19:01   #334
Joseph
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Joseph könnte bald berühmt werden
Zu Wanderer:

Ich weiß nicht wer aktuell Eigentümer/in ist. Ich weiß nur, dass die Fläche nebenan (ehemals Robotron) vor einigen Jahren von Frau K. ersteigert wurde.

Auf Nachfrage sagte Sie mir mal (ich hatte Interesse an einem der Gebäude) dass Sie gerne die Wanderer Werke dazu kaufen würde um dann ein großes Projekt draus zu machen. Das ist aber schon wirklich lange lange her und ich kenne die gute Frau eigentlich nur von Sanierungsprojekten. Ob zwischenzeitlich weiterverkauft wurde oder sie Wanderer ebenfalls erworben hat, das weiß ich nicht.

Du täuschst dich übrigens was die Macht der Stadt angeht. Zumindest im Fall der Wanderer Werke (da unter Denkmalschutz stehend) könnte die Denkmalbehörde Auflagen erteilen und diese auch gerichtlich durchsetzen.

Davon abgesehen sagte ich ja an mehreren Stellen, dass man ja wenigstens mal ein wenig vorausdenken kann und dann mit den Eigentümern Rücksprache halten kann. Wenn die CWE 10 Interessenten zusammenzieht und einem Eigentümer vorstellt, glaube ich kaum, dass sich der Eigentümer einer solchen Immobilie mit Händen und Füßen dagegen wehren wird. Selbst wenn er ablehnt, wäre es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung - zumal man ja genügend Gebäude hätte die es wiederzubeleben gilt.

Zum Thema Gewerbegebiete und Arbeitsplätze:

Ich hätte letztes Jahr um ein Haar jemanden angestellt. 54 Jahre alt und aus Darmstadt - leider hat die Stadt dafür gesorgt dass ich meine Fläche verliere und damit ein heilloses Chaos gestiftet - auch bei allen anderen Firmen, eine davon schließt aktuell. Da ich dem guten Mann keine Sicherheit bieten konnte, habe ich ihm schlussendlich abgesagt und mein Arbeitskräfteproblem anderweitig gelöst. Die neu aus dem Boden gestampften Gewerbegebiete sind nur für wenige Firmen interessant. Neugründer / kleine Betriebe suchen eher was im Bestand - und der Markt ist so gut wie leer - selbst für Leute mit größerem Geldbeutel. Auch mein Bekannter mit der raketenmäßigen Firma hat einen Neubau in Erwägung gezogen, hat sich aber erstmal für den Bestand entschieden, weil er noch nicht weiß inwiefern er sich in Zukunft noch erwetern muss. Davon abgesehen brauchte er schnell was neues, mit einem Neubau wäre er sicherlich sehr viel länger beschäftigt gewesen.

Wie dem auch sei, es war ja auch nur EIN Beispiel wie man den Druck auf Bestandsflächen erhöhen könnte, sicherlich gibts noch eine ganze Menge anderer und vielleicht auch geeignetere Instrumente - dafür haben wir ja aber Fachleute. Angeblich
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Alt 24.01.19, 23:09   #335
Joseph
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Joseph könnte bald berühmt werden
"...ins Boot zu holen und die Akzeptanz für die Kulturhauptstadt (die in Chemnitz aus irgendeinem mir nicht erklärbaren Grund sehr gering ist) zu steigern"

Wieso denn nicht erklärbar? Die Gründe liegen doch auf der Hand:

Einerseits gibt es eine breite Bevölkerungsschicht, der ganz andere Dinge wichtig sind und die sich darunter auch so gar nichts vorstellen können. Vielen ist das schlichtweg egal - die haben ganz andere Probleme

Andererseits ist das ja mit dem "ins Boot holen" von Anfang an ziemlich gescheitert. Diese ganze Geheimniskrämerei, der Fauxpas mit der Ostrale, das mangelnde Vertrauen in die eigene Szene, nicht eingehaltene Versprechungen und zuletzt auch die Nicht-Unterstützung seit Jahren engagierter Bürger beim Erfi... also mich wundert es nicht, wenn immer weniger mit dem Kulturhauptstadtzeugs nichts mehr zu tun haben wollen - es läuft ja im Alltag schon nicht sauber. Mich wundert es nicht, wenn das Vertrauen in die Stadtverwaltung / Stadtspitze wie weggeblasen ist...

Die Stadt torpediert sich ja auch ständig gegenseitig: Die Verwaltung macht was sie will (und ist selbst untereinander oft auf Kriegsfuß), der Stadtrat wird nicht ernstgenommen und der Aufruf zu mehr Bürgerengagement ist auch nur heiße Luft. Unter solchen Umständen wird auch ein noch so guter Bürgermeister irgendwann mürbe...

Klar, das Geld könnte neue Möglichkeiten eröffnen, aber ich glaube bei dem was in den letzten Jahren so gelaufen ist nicht daran, dass man was gescheites draus macht.

Chemnitz hat unglaublich viel Potential, aber es wird nicht urbar gemacht - und erst Recht wird nicht aus den Fehlern vergangener Tage gelernt.

Meines Erachtens nach liegt es jedenfalls nicht am Geld, sondern an einer gemeinsamen Strategie, dem Willen Dinge umsetzen zu wollen und dem Vertrauen in die hiesigen Akteure und die Bürger.

Es wäre zu einfach gedacht, die Zukunft dieser Stadt von der Bewerbung abhängig zu machen - ohne Kulturhauptstadt muss es ja schließlich auch weitergehen. Sowas ist allenfalls ein nettes Bonbon - nicht mehr, nicht weniger.

Was passiert eigentlich, wenn wir nicht gewinnen? Gibt es dafür Konzepte?
Hat sich da einer der Verantwortlichen je zu geäußert? Ist Chemnitz dann endgültig und ganz offiziell als die grauseligste Stadt dieses Landes abgehakt? Was passiert mit all den Ideen die jetzt gesammelt werden? Verstauben die dann in der Schublade?
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Alt 25.01.19, 10:04   #336
chemnitz_er
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Zitat von arnold Beitrag anzeigen
Alles was aktuell läuft und bekannt ist, dient dazu, die Öffentlichkeit und die Chemnitzer - dich und mich - ins Boot zu holen und die Akzeptanz für die Kulturhauptstadt (die in Chemnitz aus irgendeinem mir nicht erklärbaren Grund sehr gering ist) zu steigern. Der Jury ist es in der Vergabe sehr wichtig, dass die Bevölkerung der Stadt hinter der Bewerbung steht.
Joseph hat hier schon sehr ausführlich viel Richtiges gesagt, besser könnte ich es nicht schreiben.

"Die Chemnitzer" sind eben keine homogene Masse. Ich für meinen Teil war von Anfang an Fan der Kulturhauptstadt-Idee. Ich "mag" Kultur in (fast) all ihren Facetten, (fast) jeglicher Wirbel und (fast) jede Investition tut der Stadt gut... .

ABER: "Die Chemnitzer" haben eben auch ernstzunehmende Themen und da gehört "das ganze Kultur-Chichi" bei den meisten eher nicht dazu.
- Warum bekomme ich keinen Kita-Platz?
- Warum fällt ständig der Unterricht aus?
- Warum hat der CFC eine neues Stadion aber die Spielplätze verrotten?
- Warum nutzt die (Viertelmillioneinwohner-!)Stadt die Chance eines Badneubaus nicht, um endlich ein familiengerechtes Bad zu bauen?
- Warum findet man plötzlich keine (für Chemnitzer Verhältnisse) bezahlbaren größeren Wohnungen mehr?
- Warum schließen Kultureinrichtungen und Jugendclubs wegen weniger 1000 Euro, die die Stadt plötzlich nicht mehr zahlt?
- ...

Und etwas weniger ernst aber in engem Zusammenhang mit dem Thema:
- Warum stand bisher die Stadt meistens auf Seite der Polizeirufer und seltenst auf Seite der ("lärmenden") Kultur?
- Warum bekommt man in einer Stadt mit (Wovonauchimmer-)hauptstadtambitionen nie ein Taxi?
- Warum haben Aue und Limbach schönere Zoos als wir?
- Warum wird immer wieder über die Schließung des großartigen Botanischen Gartens diskutiert?
- Warum ist die billigste Schauspielhauskarte preiswerter, als Schlittschuhlaufen mit Schuhausleihe oder Basketball?
- Warum liegen da diese verrottenden 70.000€-Holzstämme?
- Warum wurden jahre(zehnt)elang Kleinstveranstaltungen wegen Lärm- oder Finanzierungsproblemen nicht genehmigt, nun gibt es aber permanent (diskutierbare) neue Formate mit viel Krach und Tamm-Tamm?
- Warum werden Programmkinos nicht (ausreichend) unterstützt, Oper&Co. aber ausufernd?
- Warum war der Stadt "die Szene" jahrzehntelang (fast) egal und plötzlich biedert sie sich in dieser Form an?
- Warum wird jeder Häuslebauer mit unüberschaubaren und teils unsinnigen Auflagen gequält, "die Stadt" oder Private bauzen aber im Großformat scheinbar ohne Rücksicht auf jegliche Gestaltungskonventionen?
- Warum werden auf Teilen des Sonnenbergs und dem Brühl für den "schnellen Euro" Einzelinvestoren hofiert und so beste Möglichkeiten für wirkliche Kieze im Keim erstickt?
- Warum halten sich die Stadttöchter (GGG, CWE, ...) nicht an die eigenen Rahmenpläne und Visionen sondern machen teils das exakte Gegenteil?
- Warum wurden jahrzehntelang rettbare Industriebrachen zerstört, um sie jetzt als unseren großen Stolz zu präsentieren?
- ...

Man muss nicht doof, ignorant oder kleingeistig sein, um zu sehen, dass im Rathaus und in der Stadtverwaltung großteils immernoch die gleichen Leute sitzen. Es ist ja nicht so, dass wir hier jetzt mit komplett neuem Personal den großen Aufbruch wagen.

Also auch von mir: Kulturhauptstadt(bewerbung), ja bitte! Trotzdem darf gern ausführlich auf die Missstände hingewiesen werden. Auch das ist eine wichtige Chance dieser Bewerbung. Vielleicht sogar die realistischere.

Geändert von chemnitz_er (25.01.19 um 10:44 Uhr)
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Alt 25.01.19, 12:50   #337
arnold
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Zitat von Joseph Beitrag anzeigen
Du täuschst dich übrigens was die Macht der Stadt angeht. Zumindest im Fall der Wanderer Werke (da unter Denkmalschutz stehend) könnte die Denkmalbehörde Auflagen erteilen und diese auch gerichtlich durchsetzen.
Sagen wir es mal so: Wenn es so einfach wäre ein Sicherungsgebot auszusprechen und es für den Eigentümer dann auch verpflichtend wäre, würde es nicht so viele Denkmale in ruinösem Zustand geben. Theorie und Praxis gehen hier sehr (!) weit auseinander. Ich plaudere aus dem Nähkästchen: Wir warten in meiner Stadt (Umland Chemnitz) schon seit drei Jahren (!!) auf die Sicherung des Gebäudes. Mittlerweile sind Decken durchgebrochen und das Dach komplett undicht. Ich gehe davon aus, dass sich dann ab Mai ungefähr das Problem von selbst erledigt hat - leider. Städtebaulich und architektonisch äußerst tragisch.

Nach zwei aufeinanderfolgenden Diktaturen (in denen Eigentum jeweils ein "unberechenbares" Gut war) ist man in Deutschland - was das Eigentum angeht - sehr vorsichtig geworden. Es ist quasi unmöglich über den Kopf des Eigentümers hinweg zu entscheiden - weder was Enteignung, Sanierungs- und Sicherungsauflagen, etc. angeht. Die Hände der Stadt sind da gebunden.

Die Untere Denkmalbehörde kommt übrigens frühestens dann ins Spiel, wenn das Gebäude abgerissen werden soll - dazu muss diese ihr Einverständnis geben oder eben verweigern - oder wenn die Sanierung ansteht und die Eigenheiten des Denkmals geschützt werden sollen.

Zitat:
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Davon abgesehen sagte ich ja an mehreren Stellen, dass man ja wenigstens mal ein wenig vorausdenken kann und dann mit den Eigentümern Rücksprache halten kann. Wenn die CWE 10 Interessenten zusammenzieht und einem Eigentümer vorstellt, glaube ich kaum, dass sich der Eigentümer einer solchen Immobilie mit Händen und Füßen dagegen wehren wird. Selbst wenn er ablehnt, wäre es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung - zumal man ja genügend Gebäude hätte die es wiederzubeleben gilt.
Woher weißt du denn, dass da so in ähnlicher Form in Chemnitz noch nicht passiert ist und - sagen wir mal - am Gegenwillen der Eigentümer gescheitert ist


Was die Kulturhauptstadt angeht möchte ich eigentlich keine Diskussion über Sinn oder Unsinn führen. Der Chemnitzer (ich weiß, keine homogene Masse) ist ein schwieriges Wesen - schon immer gewesen - obrigkeitstreu auf der einen Seite, im stillen Kämmerlein dann aber überkritisch. Gepaart mit einem Hass auf die eigene Stadt und einem gewissen Komplex, dann aber doch auch nicht Willens daran etwas zu ändern. Time will tell...
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Alt 25.01.19, 14:09   #338
chemnitz_er
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Zitat von arnold Beitrag anzeigen
Was die Kulturhauptstadt angeht möchte ich eigentlich keine Diskussion über Sinn oder Unsinn führen. Der Chemnitzer (ich weiß, keine homogene Masse) ist ein schwieriges Wesen - schon immer gewesen - obrigkeitstreu auf der einen Seite, im stillen Kämmerlein dann aber überkritisch. Gepaart mit einem Hass auf die eigene Stadt und einem gewissen Komplex, dann aber doch auch nicht Willens daran etwas zu ändern. Time will tell...
Schade. Aber sicher ist das hier auch nicht das geeignete (Unter)Forum. Es geht auch weniger um Sinn oder um Unsinn, sondern um Prioritäten und für den Einzelnen wichtig und weniger bis (individuell gefühlt) gar nicht wichtig.

Diese Pauschalschelte auf die - du erkennst es ja an - eben nicht homogenen Chemnitzer finde ich eigenartig bis daneben. Es hat nichts mit Hass oder überkritisch zu tun, wenn Missstände offen angesprochen werden und eben auch darauf hingewiesen wird, dass in den letzten Jahren und auch der jüngeren Vergangenheit vieles ziemlich inkonsistent ist. Deine einzelnen Attribute (obrigkeitstreu, überkritisch, Hass [was für ein unnötig starkes Wort] auf die eigene Stadt usw.) zu diskutieren, führt sicher zuweit. Komplexe kann man in einer Stadt ohne Familien-Hallenbad, vernünftigen Zoo, Szenekiez, Bahnfernverkehr, Wirtschafts- und (eng verbunden) Bevölkerungswachstum und ohne ernsthafte Visionen (außer natürlich "Kulturhauptstadt") durchaus einmal bekommen. Aber immerhin wurde das erkannt und das Thema Stadtstategie jetzt angegangen.
chemnitz_er ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.01.19, 23:35   #339
Joseph
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Joseph könnte bald berühmt werden
Mir ist das jetzt zu müßig geltendes Recht in allen Details hier zu diskutieren. Die Macht ist da, ob sie genutzt wird, steht auf einem anderen Blatt.

An der Stelle möchte ich allerdings in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass ich generell kein Fan davon bin Macht durch Zwang auszuüben. Vielmehr sehe ich hier die Stadt bzw. die einzelnen Behörden in der Verantwortung auf (offensichtlich überforderte?) Eigentümer zuzugehen und mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu suchen - sofern möglich. Wird sicherlich nicht in allen Fällen fruchten, aber da in der Vergangenheit einige Gebäude in der Stadt erfolgreich notgesichert wurden (zum Teil mittlerweile auch saniert) ist das schon ein Beweis dafür dass es Wege gibt. Aus irgend einem Grund leider doch zu selten gegangen? Da müsste man mal recherchieren.

Übrigens: Wenn das was du sagst zu 100% stimmen würde, dürfte die Stadt kein einziges Haus in Ersatzvornahme komplett abreissen, denn im Moment der Auftragsbestätigung geht das Eigentum vom Haus (nicht vom Grundstück!) an den Abbruchunternehmer über - ein Problem, weswegen die Stadt fast keine Möglichkeit hat Auflagen durchzudrücken was zum Beispiel die Bergung von Porphyr und anderen historischen Baumaterialien erheblich erschwert. Lediglich beim Abbruch von denkmalgeschützten Häusern hat die Denkmalbehörde die Möglichkeit das zu beauflagen. So geschehen zum Beispiel beim Abbruch der Annaberger Straße 431 - und die Stücke wurden zum Teil für die Nordfassade Schlosskirche wiederverwendet.

Aber lassen wir das und kommen mal zu deinem anderen Punkt der mich gleich wieder "triggert"

Ich liebe Chemnitz - und genau das ist auch der Grund weshalb ich die Stadt(verwaltung) so für ihren verzapften Schwachsinn kritisiere. Ich bin kein Chemnitzer, ich kam vor 12 Jahren in die Stadt und konnte auch so manche vom Charme und den Möglichkeiten hier überzeugen.
Leider ist Chemnitz aber nicht mehr die "Stadt der Optionen" wie ich sie kennengelernt habe. Damals lag sehr vieles brach, es gab kaum noch Clubs und wenn, waren die kaum besucht. Selber machen war die Devise und da ist ja auch einiges draus entstanden. Leider ist der "Geist" dieser Jahre mehr oder weniger verflogen, Akteure sind abgehauen und der Rest ist in einer seltsamen Art und sehr umfassenden Weise dem Kapitalismus gewichen - mit ganz wenigen Ausnahmen. Sicherlich auch Zeichen unserer Zeit, manchmal meinetwegen auch Notwendigkeit, aber eben lange nicht mehr so "frei" und entspannt wie früher...
...und JA, ich glaube die Chemnitzer haben mich in den 12 Jahren schon auch ein wenig mit dem Mecker-Virus angesteckt, wobei ich immer versuche konstruktiv zu bleiben.

Ich sehe jedenfalls weder meine Generation, noch meinen Wirtschaftszweig, noch meine Vorstellung vom Leben hier in der Politik vertreten - mit ganz sehr wenigen (leider fast machtlosen) Ausnahmen.

Chemnitz ist heute für mich so unattraktiv wie noch nie - obwohl alles so "schick" saniert ist (was mich natürlich auch ein Stück weit freut, zumindest wenn die Qualität stimmt).

Wenn ich mir aber den ganzen Kulturbewerbungsquatsch ansehe, spüre ich jedenfalls keinen Hauch von Selbstkritik und erst Recht fühle ich mich da null mitgenommen, ganz im Gegenteil.

Gestern habe ich ürigens mal den Blick auf die Website der Stadt Magdeburg gewagt und das direkt mit Chemnitz verglichen. Alleine da stellt sich Magdeburg schon sehr viel besser auf als Chemnitz - und erklärt auch ganz offen die Ziele und Ideen.

Ich zitiere:

"Der Bewerbungsprozess ist ein einzigartiger Anlass, um eine gründliche Standortbestimmung vorzunehmen, um genau zu analysieren, welche Potentiale in einem stecken – und welchen Herausforderungen man sich gegenübersieht. Ein Anlass, um innovative Zukunftspläne zu schmieden, die genau zu einem passen. Und das ganz unabhängig vom Titelgewinn."

(Quelle:https://www.magdeburg2025.de/die-bewerbung/)

Das klingt für mich persönlich alles sehr viel positiver, frischer, jünger als was die Chemnitzer Seite (inkl. Broschüre) zu dem Thema bietet...

Als Pendant zu den Mikroprojekten die hierzulande mit 2500€ gefördert werden gibt es dort Projekte die mit 5000€ gefördert werden - und die Zielvorgaben sind wesentlich deutlicher formuliert.

Insgesamt ist Magdeburg jedenfalls in Sachen Kommunikation auf den ersten Blick erheblich attraktiver aufgestellt als Chemnitz - was sich einmal mehr als grau und langweilig präsentiert...

Eine Diskussion wie sie hier stattfindet konnte ich im Magdeburger Thread hier im Forum nicht finden - vielleicht übersehen?

Es mag eine einmalige Chance sein, ja, und sicherlich täte das Chemnitz auch gut.... aber die Umsetzung - wie immer lieblos .

Das hat Chemnitz einfach nicht verdient.
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Alt 04.03.19, 12:10   #340
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Zitat von lguenth1 Beitrag anzeigen
Das Verwaltungsgebäude der Kammgarnspinnerei an der Klaffenbacher Straße 45 in Harthau soll saniert werden und vom benachbarten Pflegezentrum genutzt werden (Quelle: https://www.facebook.com/StadtbildChemnitz/).


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Das Gebäude befindet sich nun in der Sanierung.
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