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Alt 04.07.08, 17:31   #1
AIG_Singer
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AIG_Singer sitzt schon auf dem ersten Ast
Andernach: Abriss eines Kulturdenkmals

Vielleicht ist es nicht ganz so interessant für dieses Forum aber ich wollte gerne den Abriss der "Villa Weissheimer" in meiner Heimatstadt Andernach erwähnen. Die Jugendstil Villa die jahrzehntelang das Stadtbild am Rhein geprägt hat wurde bereits, im zuge des Abbruchs der Malzfabik Weissheimer und ihren glotzigen Silotürmen, im März abgerissen. Mittlerweile sind alle Spuren der Villa beseitigt.
Der Erhalt und die Sicherung ,beim Abbruch der gut 50m hohen, massiven Silotürme, des Kulturdenkmals (Rheinzeitung) hätte rund 1Mio. gekostet. Weder die Stadt noch angebliche Investoren zeigten Interesse am Erhalt des Bauwerkes das zum Weissheimer Komplex gehörte und schon seit Jahren bewußt dem Verfall überlassen wurde...
Ich fand denn Abriss sehr bedauerlich weil sich in Andernach nur noch sehr wenige dieser schmucken Jugenstil Villen befinden. Ich selbst bin schon ein paar mal früher in die Villa "eingestiegen" die ,trotz ihres runtergekommen Zustandes auch im Inneren, noch vom Wohlstand ihrer Besitzer zeugte. Einige Elemente, die bunten Bleiveglasungen im Wintergarten, die fein gearbeitete Eingangstür sowie einige Dekorative Elemente der Innenverkleidungen konnten "gerettet" werden, ich selber besitze das alte Schild mit der Hausnummer 40.
Die Qualität der Fotos ist mäßig, konnte nur noch schnell ein paar Handyfotos machen....

Die Villa wie sie das Rheinpanorama prägte. Im Hintergrund die mittlerweile abgerissen Silotürme...


Der Abriss











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Alt 06.07.08, 12:47   #2
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Bewacher hat die ersten Äste schon erklommen...
Ich war bereits mehrmals in Andernach und habe die Stadt über 100mal beim Vorbeifahren gesehen. Ein Höhepunkt der Rheinromantik auf der linken Rheinseite zwischen Bonn und Koblenz. Die Silos habe ich immer als sehr störend empfunden - die Villa war zwar nett, aber mächtig heruntergekommen (s. Bilder) und auch kein Unikat.

Ich würde eher die Aufmerksamkeit der Frage widmen, ob die eventuellen Neubauten an dieser Stelle zu einer Rheinromantik-Altstadt passen werden. Hoffentlich ja - sicher ist das leider nicht.
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Alt 06.07.08, 14:04   #3
AIG_Singer
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AIG_Singer sitzt schon auf dem ersten Ast
Für die Andernacher war die Villa schon was besonderes. Der Abriss hat bei vielen bedauern ausgelöst obwohl sie vielleicht nicht so ein bedeutendes Bauwerk war wie die in Andernach bekannten Villen Koch und Michels es sind. Zumal es hieß es sei kein Geld da um sie zu erhalten, der Bürgermeister hat dies ja ausdrücklich bedauert, aber zur gleichen Zeit wurde/wird an den Rheinalagen zwischen der Neu- und Bürresheimer Gasse das Betonmonster des "Geysir Erlebnis Zentrum" für über 7 Mio Euro hochgezogen. Werde bei Gelegenheit ein paar Fotos des Bauwerks reinstellen.

Über die Neubebauung hab ich noch keine klaren Infos. Lediglich steht fest das es ein 4 Sterne Plus Hotel und ein paar Wohnhäuser werden sollen. Einigen Stadtratsmitgliedern schwebt wohl ein rundes Glasgebäude vor, andere wollen einen zwanzig-bis dreißig m hohen Turm als Hotel Gebäude.
Kurz zur Info: die abgebrochenen Silo-Türme waren um die 50m hoch, in unmittelbarer nähe befinden sich der "Mariendom" ( Baubeginn 12 Jahrhundert, höhe der Doppeltürme gut 50m) und der Runde Turm, mit 56m der höhste mittelalterliche Wehrturm am Rhein.
Auf dem Weissheimer Gelände befinden sich zudem noch die "Villa Regia" (ursprung 800n Chr., jetztige Bebauung von 1731), ehemalige Propstei der Benediktiner, sowie ein Bürogebäude aus den 50er Jahren (?) das erhalten werden soll weil es maßgeblich die Form und das Bild des Merowingerplatzes prägt.

Ich zitiere zur der Beplanung die CDU : „Damit wird uns eine tolle städteplanerische Gelegenheit zur Stadtentwicklung auf dem rund 9000 Quadratmeter großen Gelände geboten“, betonte Hans-Jochen Annuß gegenüber den beiden Abgeordneten. Gleichzeitig sei das die Chance, das gesamte Gebiet im Bereich zwischen Rhein, Merowingerplatz, Hochstraße und dem Runden Turm planerisch neu zu gestalten und ein hochattraktives Viertel im Herzen der Stadt entstehen zu lassen"

„Mit dem Kauf des Geländes und dem Abriß der Silotürme geht ein langgehegter Wunsch vieler Andernacher in Erfüllung. Endlich kann das Gelände einer vernünftigen städtebaulichen Nutzung zugeführt werden. Dabei gibt es mehrere Nutzungsmöglichkeiten, die bereits in einer Machbarkeitsstudie aufgezeigt wurden. Allerdings wird es keine Schnellschüsse geben. Nicht irgendeine, sondern die bestmögliche Nutzung muss hier mit viel Fingerspitzengefühl erarbeitet werden“, so (Hedi)Thelen.
Quelle: www.hedi-thelen.de

Sobald irgendwas genaueres feststeht werde ich ausführlich darüber berichten...

www.andernach.de

www.de.wikipedia.org/wiki/Andernach
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Alt 06.07.08, 14:27   #4
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Bewacher hat die ersten Äste schon erklommen...
Zitat:
Zitat von AIG_Singer Beitrag anzeigen
Einigen Stadtratsmitgliedern schwebt wohl ein rundes Glasgebäude vor, andere wollen einen zwanzig-bis dreißig m hohen Turm als Hotel Gebäude.
Genau solche Einfälle befürchte ich stark - Andernach wird nie eine Megacity, man sollte also auch nix in diese Richtung vortäuschen. Dafür könnte man das kaputtmachen, wovon die Stadt wohl zum großen Teil lebt - ihren Rheinromantik-Touch. Runde Glaszylinder-Türme habe ich auch im Ruhrgebiet und in Düsseldorf, zur Rheinromantik gehören eher Fachwerkfassaden und Naturstein.

Ich habe einige derart angepasste Luxushotels gesehen, auf die Schnelle fehlen mir leider konkrete Beispiele - ich glaube, in Unkel steht so eine Anlage.
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Alt 06.07.08, 14:48   #5
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AIG_Singer sitzt schon auf dem ersten Ast
Da geb ich dir recht, Andernach übernimmt sich einfach. Wir brauchen kein Luxus Hotel vor allem nicht in dieser Größenordnung. Der Stadtrat spekuliert auf den Erfolg des Geysirs und der BuGa 2011 in Koblenz dann soll auch das Gesamte Gelände bebaut sein. Das ist ja nicht das einzige aktuelle Bauvorhaben in der Stadt es kommen ja noch das Multi-Millionon Geysir-Erlebnis-Zentrum und der kostspielige, komplette Umbau des ehemaligen Horten-Kaufhauses in der Altstadt zur "Stadthausgalerie" hinzu. Dafür könnte man einen eigenen Treath eröffnen
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Alt 07.07.08, 21:33   #6
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Hier noch ein paar Fotos der Villa aus meinem Archiv:







Vom Dach eines der Silo-Türme


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Alt 14.07.08, 20:21   #7
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Villa Neizert / Neuwied

Da ich den Threat eröffnet habe erlaube ich mir mal diese kleine extravaganz

An alle Interessierten aus MYK, NR, KO, WW: Erinnert ihr euch noch an die berühmte Villa Neizert am Rasselstein in Neuwied? Jenem bekannten "Spukhaus" dessen Abriss bis vors BVG ging:


foto von mir

Kurz zur Info: Die Villa wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Direktorenwohnhaus errichtet und diente danach dem Rasselstein als Labor.
Die "palastartige" ( Grundbuch) Gründerzeitvilla mit einer Nutzfläche von 950 Quadratmetern wurde nach 1980 dem Verfall überlassen und wurde 2002 nach langen und zähen Verhandlungen zwischen Rasselstein und dem Land ,die sogar Studentenproteste mit sich führten, abgerissen. Der BVG entschied exemplarisch:

Weder die klagende Aktiengesellschaft als Eigentümerin noch das Land Rheinland-Pfalz vermochten mit dem "Direktorenwohnhaus" irgendetwas anzufangen. Der für eine Verwendung als Museum notwendige Sanierungsaufwand wurde auf eine Million Mark geschätzt. Die jährlichen Unterhaltskosten wurden von der Firma mit 300.000 Mark angegeben. Sie beantragte den Abbruch des Gebäudes, das daraufhin als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt wurde. ...[Auch die untere] Denkmalschutzbehörde [empfand] ... Erhaltung und Pflege als "unzumutbar" ....
... auch das Bundesverfassungsgericht [stellte] die Frage nach der Zumutbarkeit. Es bezeichnete zwar den Schutz von Denkmälern als legitimes gesetzgeberisches Anliegen, das den Eigentümern mannigfache Bindungen auferlege. Anders lägen die Dinge aber, wenn für ein geschütztes Baudenkmal keinerlei sinnvolle Nutzungsmöglichkeit bestehe. "Wenn selbst ein dem Denkmalschutz aufgeschlossener Eigentümer von einem Baudenkmal keinen vernünftigen Gebrauch machen und es praktisch auch nicht veräußern kann, wird dessen Privatnützigkeit nahezu vollständig beseitigt." Nehme man die gesetzliche Erhaltungspflicht hinzu, werde "aus dem Recht eine Last". Die Rechtsposition des Betroffenen nähere sich einer Lage, in der sie den Namen "Eigentum" nicht mehr verdiene.
Quelle: Konrad Fischer

Bereits in den 80er wurde die Villa zum "Spukhaus" verklärt. Europaweit wurde und wird in Geister/Spuk- und Okkulten-Foren über das Anwesen diskutiert:

"Die Villa wurde auf einem ehemaligen Friedhof erbaut. In der Villa soll eine Witwe gelebt haben und diese soll auch in der Villa verstorben sein. Die Witwe soll nach ihrem Tot allerdings noch öfters mal am Fenster gesehen worden sein, als die Villa noch stand..." beepworld.de

nur eine der Zahllosen Geschichten von Verschwundenen und Toten die in den Jahren immer unglaublicher wurden.

Hier eines der Typischen Gruselbilder:


Meine Frage: besitzt jemand noch Fotos der Villa? Da sie ein regionales Wahrzeichen war wurde sie ja bestimmt des öfteren Fotografiert.
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