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Alt 16.03.17, 17:07   #76
Batō
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Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Aber es gibt hier einen Hass auf die Moderne, der alles als intellektualistische Verblasenheit hinstellt, was man an solchen Entwürfen entdecken und schön finden kann; eine Unversöhnlichkeit, die jedes Argument für ein (neo-)modernes Gebäude als Angriff auf den vermeintlichen "gesunden Menschenverstand" abwehrt. Und diese Masche halte ich einfach schlecht aus...
Erstmal an die eigene Nase fassen bevor man gegen andere austeilt und Gegner dieses Projektes über einen Kamm schert.
Zitat:
^^ und ^^^ Jetzt wird es albern: Angeblich ignoriert der Entwurf die Stadt
Häng dich doch bitte nicht so sehr an der Typologie auf. Die Gründe weshalb der geplante Baukörper m.E. so unpassend für diesen Ort ist wurden doch genannt und gelten unabhängig davon.

@Bau-Lcfr
Man braucht sich gar nicht so weit entfernen. Selbst in Berlin, ja in unmittelbarer Umgebung, gibt es diverse Beispiele für gelungene moderne Bauten die es dennoch schaffen sich in das Umfeld zu integrieren.
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Alt 16.03.17, 17:09   #77
Pumpernickel
 
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^^naja Architektenkind, dieses Forum ist eine Gemeinschaft meinungsstarker und selbstbewusster Männer (oder ist eine Dame unter uns?), wer von uns hat hier schonmal in einer Diskussion gesagt "Okay, ihr habt vielleicht doch recht, ich habe mich geirrt", kommt seltenst vor (ich schließe mich da durchaus ein). Keiner von uns kann für sich in Anspruch nehmen nicht eine gewisse Sturheit an den Tag zu legen. Also reagier nicht so beleidigt.

Im Übrigen ist es die schlimmste Eigenschaft der "Architektur der Moderne" überhaupt, dass sie sich einfach mal so eben das positive besetzte Adjektiv "modern" geschnappt hat bzw. dieses darauf angewendet wurde. Das ist so eine Art ständiger, unterbewusste Suggestion (würden Suggestionen nicht funktionieren, dann würde es keinerlei Werbewirtschaft usw. geben). Somit klingt es natürlich erstmal sehr progressiv, anderen "Hass auf die Moderne" vorzuwerfen. Dennoch hat kein Architekturstil auf alle Zeiten für sich gepachtet progressiv oder "avantgardistisch" zu sein. Anstrengend an der Neomoderne ist nun einmal, dass sie und ihre Verfechter wieder mit dem Unterton der "unverstandenen Avantgarde" daher kommen. Nach dem Motto "ihr seid ja nur nicht in der Lage das Genie dahinter zu erfassen, kommt, geht zurück zu euren Butzenscheiben und Schrankwand rustikal, ihr Spießer".

Dabei ist - für mich, aus meiner Warte - nichts so spießig und altbacken wie die Moderne der 70er und 80er. Da waren die 50er und 60er (Aufbruchsstimmung), aber auch 20er (Aufbruchsstimmung), lange davor viel mutiger und avantgardistischer. In den 70ern und 80ern hat man sich "eingebunkert", kulturgeschichtlich wird man das vermutlich mit dem Kalten Krieg, Ölkrise, RAF, "Waldsterben", diverse Umweltkatastrophen, Flüsse die so giftig waren, dass man darin nicht mehr baden durfte und anderen Unsicherheiten der Zeit, deuten können. Architektur ist immer ein Spiegel der jeweiligen Zeit gewesen.

Und was für ein Zufall, auf die zarten Pflänzchen einer Nachmoderne in den sehr optimistischen 1990ern, siehe was da am Potsdamer Platz aus dem Boden gestampft wurde, folgt nun ein Megaretro-Trend einer Neomoderne, in erneut zutiefst unsicheren Zeiten (nachdem man sich zwischenzeitlich schon wieder hinter Rasterfassaden verschanzt hatte, die wie die Gitter von Gefängniszellen aussahen, vgl. die monotonen Rasterfassaden der letzten Jahre, kommt jetzt der ultimative Schutz, der Sichtbetonbunker, zurück). Nein, kein Zufall. So banal ist das mit der Architektur. Hinter diesen Moden steckt kein größeres Genie, sondern soziokultureller Kontext. Tut mir leid, wenn ich die vermeintlich unverstandene Avantgarde a lá "des Kaisers neue Kleider" entzaubern musste.

Der Trend der Neomoderne dürfte gerade erst begonnen haben, wenn er auch nicht homogen auftritt, vgl. zB zeitgleich das Riesenprojekt "Four Frankfurt" (vgl. hier im FFM Forum), das sich jeglicher Einordnung in hergebrachte Architekturepochen entzieht. Und das ist dann letztlich das, was mich hier so enttäuscht. Die Avantgarde findet woanders statt. Berlin betreibt Retro.
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Alt 16.03.17, 17:38   #78
TowerMaranhão
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Zitat:
Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Aber es gibt hier einen Hass auf die Moderne
Es gibt doch diesen Hass auf "die" Moderne gar nicht, so wenig wie es "die" Moderne gibt. Es gibt vor allem eine Abneigung gegen die starre, undynamische, sachlich-ruhige, oft repititive Art Moderne, die gerade in Berlin im Zentrum wieder so en vogue ist und die einfach keine urbane Atmosphäre zulässt. Dieser deutsche Widerstreit Blockrand-Klassik vs. Moderne muss eine Nachwirkung der 30er Jahre sein und er wirkt auf mich konstruiert. Zum Beispiel gibt es doch dieses wunderbare Projekt in der Mediaspree mit Streamline-Anklängen, dass hier von allen Seiten hoch gelobt wurde. Es ist nämlich gar nicht so schwer hier auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
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Alt 16.03.17, 18:16   #79
ElleDeBE
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@ Bato
"Der ist doch lediglich der Grundstücksform geschuldet."

Genau, aber der Architekt berücksichtigt sie, statt sie zu ignorieren, wie dies jene schlechte Moderne tat, mit der dieser Entwurf fortwährend vermischt wird, und die (siehe etwa die Kleine Alexanderstraße unweit dieses Ortes hier) wahre Unorte geschaffen hat.

@ Bato "Was nützen die kleinen Details, wenn das große Ganze nicht stimmt?"

Ja, da mag was dran sein. Auch ich bin (wie ich von Anfang an sagte) nicht vollkommen überzeugt, und vielleicht ist das der Grund: Der Bau ist komplex, (für mich) intellektuell anregend, er antwortet in vielschichtiger Art auf die Umgebung, aber vielleicht genau deswegen bleibt er, isoliert als Bau betrachtet, in sich heterogen und wirkt auf mich nicht ganz stimmig.

@ TowerMaranhão "Man schaut sich ein Gebäude nicht erst lange an und analysiert es."

Man kann es gewiss mit der Komplexität übertreiben, eine solche führt nicht notwendig zu gelungenen Ergebnissen. Aber wenn sich Architekten umgekehrt nur dem oberflächlichen Blick des desinteressierten Passanten anpassen, kommt garantiert nichts Gutes heraus.

@ Bau-Lcfr "Der Entwurf muss die Betrachter überzeugen - aber kein Betrachter muss sich bemühen, auf Teufel komm raus Gefallen am Ding zu finden."

Nein, natürlich nicht, und niemand hat hier dafür plädiert. Das einzige was ich (und Architektenkind) einforden ist eine Bereitschaft zur Auseinandersetzung.

@ Pumpernickel:
"Hinter diesen Moden steckt kein größeres Genie, sondern soziokultureller Kontext. Tut mir leid, wenn ich die vermeintlich unverstandene Avantgarde a lá "des Kaisers neue Kleider" entzaubern musste."

Gut, dass Du jenen Geniebegriff entzauberst, den kein anderer als Du selbst hier in die Diskussion eingebracht hat (und der übrigens vor Dir schon die Moderne verabschiedet hat).

Was mir auch diese Diskussion wieder deutlich gezeigt hat ist, dass der Unterschied nicht verläuft zwischen "Moderne" und was auch immer, sondern zwischen der Bereitschaft, sich vertieft mit Entwürfen auseinanderzusetzen und die mangelnde Bereitschaft dazu. In Deinem langen Post etwa ist, anders als beim von Dir kritisierten Architektenkind, nicht eine Beobachtung, die mir hilft, etwas an dem Objekt, um das es hier geht, besser zu verstehen oder zu erkennen.
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Alt 16.03.17, 19:27   #80
Architektenkind
 
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Zitat:
Zitat von Pumpernickel Beitrag anzeigen
in erneut zutiefst unsicheren Zeiten [...] kommt jetzt der ultimative Schutz, der Sichtbetonbunker, zurück). Nein, kein Zufall. So banal ist das mit der Architektur.
Seit zwei Tagen bitte ich die Gegner des Hauses, es sich anzusehen, bevor sie es verreißen. Hilft nix, Du nimmst "Sichtbeton" wahr, assoziierst "Bunker" und stellst den Entwurf als Ergebnis einer kollektiven Angstneurose hin. Was Dir dabei entgeht: Dutzende Quadratmeter geweißtes Aluminium, ein fast komplett verglastes Erdgeschoss, ca. 130 bodentiefe und meterbreite Fenster, neun Balkone und zwei Dachterassen. Weil Du die Gleichung Beton=Bunker aufmachen willst, musst Du vier Fünftel des Gebäudes ignorieren.

Ich habe heute Vormittag schon geschrieben, dass ich meine Wahrnehmung gelungener Details ein Stück weit relativiere, weil mir an dem Entwurf auf den ersten Blick manches zusagt und ich deshalb vielleicht zu großzügig gegenüber den Mängeln bin. Ich würde mir auch von einigen der Gegner hier wünschen, ihre eigene Wahrnehmung nicht absolut zu setzen.

Zitat:
Zitat von TowerMaranhao
Es gibt vor allem eine Abneigung gegen die starre, undynamische, sachlich-ruhige, oft repititive Art Moderne, die gerade in Berlin im Zentrum wieder so en vogue ist und die einfach keine urbane Atmosphäre zulässt. Dieser deutsche Widerstreit Blockrand-Klassik vs. Moderne muss eine Nachwirkung der 30er Jahre sein und er wirkt auf mich konstruiert.
Sagen wir Bauhaus-Moderne (was aber auch nicht unproblematisch ist). Die ist als städtebauliches Konzept aus den 1920er Jahren ohne Frage gescheitert und Ende der Siebziger zurecht aufgegeben worden. Dass sie einst als utopisches Konzept Antworten auf reale Probleme suchte, steht auf einem anderen Blatt – wiederhaben will ich so etwas trotzdem nicht. Das ändert aber nichts daran, dass klassisch-moderne Architektur ganz fantastische Gebäude hervorgebracht hat. In diesem Sinne darf man gern an diese Tradition anknüpfen.

In dem Suhrkamp-Bau sehe ich einen Zwitter: Städtebaulich schließt er sehr wohl die Lücke in der Torstraße, greift die Gebäudekanten seiner Pendants sowohl in der Tor- wie in der Rosa-Luxemburg-Straße auf, schließt die Brandmauer zum Altbau in der Linienstraße, zitiert dessen Balkon-Erker (oder wie das heißt), etc. Ein dem Städtebau der Moderne verpflichteter Architekt hätte einen rechteckigen Solitär mitten auf das Grundstück gestellt, vor dem Gebäude vielleicht noch Platz für Parkplätze gelassen und fertig.

Andererseits ist der Entwurf von der Formensprache her deutlich modern, verzichtet auf den Schluss des offenen Blocks, ignoriert in der Torstraße die Traufhöhe und will – gemeinsam mit dem Schwarzbeton-Gegenüber – ein extrovertiertes Statement abgeben, die große Geste eines Architekten. Das finde ich in der Tat ein bisschen aufdringlich, und da hätte ich mir mehr Zurückhaltung gewünscht. Andererseits bindet der Entwurf den derzeit ziemlich isolierten Schwarzbetonler in einen Kontext ein, was städtebaulich wieder interessant wirken könnte.

Wie man sieht: Es ist kompliziert, und auf ein simples "gefällt mir/gefällt mir nicht"-Urteil lasse ich mich nicht ein.
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Alt 16.03.17, 20:04   #81
TowerMaranhão
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^ Dem L40 kann ich ja tatsächlich durchaus etwas abgewinnen. Das ist ein Bau, der im positiven Sinne tatsächlich Spannung erzeugt und angemessen urban wirkt. Obwohl vom gleichen Architekten entfaltet er eine völlig andere Wirkung als der Suhrkamp-Entwurf. Das hat vielleicht auch mit dem schmalen Grundstück zu tun, dass wenig Spielraum für eine freie Entfaltung gelassen hat.
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Alt 17.03.17, 01:14   #82
Taxodium
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Jetzt sind die Schlachten geschlagen, die Erschöpfung macht sich breit, schon seit fünf Stunden kein neuer Beitrag mehr.

Zeit um sich von der Oberflächlichkeit zu verabschieden und zu hinterfragen welche Heilsbotschaft der Verfasser dieses Textes (und Entwerfer des Suhrkamp-Gebäudes) den Bewohnern dieser Stadt bringen möchte: „Das Gebäude ist (..) Teil unserer Arbeit an der Auflösung des rigiden Blockrandkonzeptes der hierarchisch geprägten Stadt Berlin zugunsten eines offeneren, heterarchischen Systems“.

Was heißt hier hierarchisch geprägte Stadt? Das es Haupt- und Nebenstraßen gibt? Berlin, eine Stadt die auf Grund der Polyzentralität jedem Neu-Bürger im ersten Jahr des Einzugs erst mal zum Geocaching zwingt. Wo ist denn das hierarchische Berlin?? Und wo gibt es im Stadtkörper nach der Vernichtung durch den Krieg und dem noch radikaleren Kahlschlag unter der anti-urbanen Doktrin der Modernen (im dritten Viertel des letzen Jahrhunderts) noch nicht gebrochene rigide Blockrandkonzepte die nach Auflösung verlangen?? Und mit Heterarchie wird ein wohlklingendes Wort aus der Neurophysiologie zweckentfremdet und wohlfeil auf die Stadt projiziert.

Na gut, könnte man einwerfen, ein Architekt muss kein Schriftsteller sein. Und Logik ist etwas für hierarchische Langweiler. Aber das ganze riecht schwer nach den paranoid-kritischen Konzepten von Schriftsteller-Kollege Koolhaas.

Koolhaas hat das andere Verlagshaus geplant, jedenfalls hat er das Konzept vorgegeben. Die aktuelle Arbeit ist mittlerweile von weniger geistreichen Kollegen übernommen. Auch hier ein Beispiel nicht stadtverträglicher Architektur. Es wird der Typus des Flugzeughangars bemüht. Allerdings nicht dreißig Kilometer vor der Stadt sondern mittendrin, dort wo früher mal Innenstadt war.

Und auch die kleine Schwester TAZ möchte nicht zurückstecken. Vom Land Berlin alimentiert wird an der Friedrichstraße, einstige Hauptachse der verschwundenen Barockstadt, ein eckiger Gasometer errichtet. Ein Gebäudetypus aus der industriellen Revolution, also aus der Zeit der rußgeschwängerten Lüfte . Ob die gestapelten Andreaskreuze als Christliche Symbolik verstanden werden sollen, ist nicht klar. Der Balken vor dem Kopf ist für die Mitarbeiter jedenfalls faktisch.

Verlage wollen sich im 21. Jahrhundert nicht mehr mit feinsinniger Architektur auszeichnen, wie es mal beim Mosse-Haus oder dem Ullsteinhaus der Fall war. Es muss krachen und brechen. Die (harmonische) Einfügung in einen städtischen Kontext ist wohl das allerletzte was gefragt ist. Der Niedergang der Printmedien findet nicht kampflos statt, es wird mit alle Macht gegen die urbane Stadt gekämpft.

Geändert von Taxodium (17.03.17 um 01:36 Uhr)
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Alt 17.03.17, 09:23   #83
Batō
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Zitat:
Zitat von ElleDeBE Beitrag anzeigen
Genau, aber der Architekt berücksichtigt sie, statt sie zu ignorieren, wie dies jene schlechte Moderne tat, mit der dieser Entwurf fortwährend vermischt wird, und die (siehe etwa die Kleine Alexanderstraße unweit dieses Ortes hier) wahre Unorte geschaffen hat.
Auch der Architekt muss sich dem Flächenbedarf des Bauherrn beugen. Bei einer Umsetzung eines rechten Winkels gingen hier locker 6 kleine Büros verloren.

@Architektenkind
Zitat:
Wie man sieht: Es ist kompliziert,
Für dich vielleicht.
Zitat:
und auf ein simples "gefällt mir/gefällt mir nicht"-Urteil lasse ich mich nicht ein.
Musst du ja auch nicht. Wenn dir meine oder andere Begründungen und/oder Assoziationen zu trivial sind, nun gut, was soll man da noch weiterdiskutieren?
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Alt 17.03.17, 09:28   #84
Pumpernickel
 
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^^ bei der TAZ hat man es übrigens auch wieder mit den Hirarchien ("System ohne Hierachien", http://www.taz.de/Zwischen-Fachwerk-...ghain/!142208/), scheint so eine Mode der Architekturlyrik zu sein.

^ in der Tat fragt man sich, was Architektur denn eigentlich in den Augen von Zeitgenossen sein und erbringen soll, wenn das bloße Gefallen in einem Gespräch über Architektur zur trivialen Banalität abgestuft wird. Also doch wieder Architekturlyrik? Das artet dann halt gern in Bullshit-Bingo aus. Bezüge, Brüche, Scharnier, ... Hirarchie!
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Alt 17.03.17, 10:24   #85
Architektenkind
 
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^und ^^ Das Wort "trivial" habe ich weder verwendet noch gemeint, das hat Bato mir untergeschoben. Ich habe bloß gesagt, dass "gut" vs. "schlecht" mir für mein Urteil hier nicht reicht, weil ich an dem Entwurf Aspekte finde, die mir gefallen und solche, die mir nicht gefallen. Wenn der Hinweis auf einen "Bezug" zum gegenüberliegenden Gebäude schon Bullshit-Bingo ist, dann können wir es echt sein lassen. Und wie soll man ein "Gespräch über Architektur" führen, wenn nach "Finde ich gut", "Ich nicht" schon alle Argumente getauscht sind?

Im übrigen hat das Wort "Hierarchie" in Bezug auf die Berliner Mietskasernen-Stadt eine ganz klare und allgemein bekannte Bedeutung: Es bezieht sich auf die Hierarchie der Vorder- und Hinterhäuser, der Stockwerke und der Höfe. Mit Lyrik hat das nichts zu tun. (Andererseits haben die Hinterhöfe auch mit dem Suhrkamp-Entwurf nichts zu tun, aber das steht auf einem anderen Blatt – verzeiht mir, wenn ich differenziere.)

@ Taxodium:

Reinste Literatur! So viele Metaphern: "Andreaskreuze", "Flugzeughangar", "eckiges Gasometer"! Und der hohe Ton: "Das andere Verlagshaus" statt Springer-Neubau, "rußgeschwängerte Lüfte" statt dreckige Luft. Und dieser subtile, politische Witz: Taz-Mitarbeiter haben Balken vor dem Kopf – was habe ich gelacht! Nur die doppelten Fragezeichen hinter rhetorischen Fragen solltest Du Dir abgewöhnen, das ist ein Stilmittel für Facebook-Querulanten. Zum Inhalt:

Zitat:
Zitat von Taxodium
Der Niedergang der Printmedien findet nicht kampflos statt, es wird mit alle(r) Macht gegen die urbane Stadt gekämpft.
Wer hinter jedem Bau, der ihm nicht passt, Kriegführung gegen die Stadt vermutet, sollte anderen keine Paranoia unterstellen. In allen drei von Dir genannten Fällen (Suhrkamp, Springer, Taz) werden keine Blockränder zerstört, sondern leerstehende Grundstücke bebaut. Es findet also eine Verdichtung statt, keine Auflockerung, wie es für den Städtebau der Moderne typisch war.

Und auch wenn sich für Dich die Frage, ob ein Gebäude urban ist, allein am Blockrand entscheidet – es gibt Leute, die den Suhrkamp-Entwurf durchaus für urban halten und mit den städtebaulichen Vorstellungen aus dem "dritten Viertel des letz(t)en Jahrhunderts" dennoch nichts zu tun haben wollen. Räudige Leute natürlich, Typen wie mich, aber es gibt sie. Und ich bilde mir zumindest ein, dass ich für die Stadt eintrete, nicht gegen sie kämpfe.

Im Übrigen mag ich Stimmann und den Blockrand und das Architekten-Zitat* halte ich inhaltlich für eine krasse Selbstüberhebung und sprachlich für aufgeblasen – der Begriff "Heterarchie" ist hier dennoch weder "zweckentfremdet" noch "wohlfeil projiziert", sondern korrekt in seiner sozialwissenschaftlichen (bzw. organisationstheoretischen) Bedeutung als Gegenstück zur Hierarchie verwendet.

*Zu dem Du eine Quelle angeben solltest, damit man den Kontext nachlesen kann.
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Alt 17.03.17, 10:59   #86
Pumpernickel
 
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Was hat Architektur mit "Sozialwissenschaften" zu tun? Soll ich jetzt anfangen Begriffe aus den Rechtswissenschaften auf Architektur zu projezieren? Falsa demonstratio non nocet des Blockrands?

Natürlich ist das "aufgeblasen". Aber lassen wir das. Ich will dich ja auch nicht verächtlich machen. Solange man sich darauf einigen kann, dass es nicht jedem, der den Entwurf rundherum ablehnt, gleich an "Verständnis" oder "Modernität" gebricht oder diese Ablehnung lediglich darauf beruhe, dass man nicht bereit sei sich den Entwurf genau anzuschauen (worauf denn auch sonst, denn wer ihn sich genau anschaut kann ihn ja gar nicht ablehnen, so zumindest wirken die Ausführungen von @ElleDeBE auf mich), dann kann ich gut damit leben, dass es hier einen Dissenz gibt.

Architektur die polarisiert muss ja auch nicht schlecht sein. Nur den Pathos der mit dem Entwurf verknüpft wurde, der Wappen der Progressivität, das konnte ich so einfach nicht hinnehmen.
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Alt 17.03.17, 12:57   #87
Architektenkind
 
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Zitat:
Zitat von Pumpernickel Beitrag anzeigen
Was hat Architektur mit "Sozialwissenschaften" zu tun?
Langsam bin ich echt am Verzweifeln hier: Gestern hast Du selber noch den "soziokulturellen Kontext" bemüht, um die vermeintliche Bunkerhaftigkeit des Entwurfs zu erklären. Selbstverständlich sind Städte komplexe soziale Systeme und damit ein Gegenstand der Sozialwissenschaften. Es gibt sogar einen ganzen Fachbereich, der sich ausschließlich mit Architektur und Stadt und deren Wirkung auf das Leben der Leute beschäftigt. Nennt sich Stadtsoziologie.

Aber auch um die ging es mir nicht, sondern einzig und allein darum, dass Taxodium falsch liegt, wenn er behauptet, der Begriff "Heterarchie" gehöre nur in die Neurophysiologie und sei hier "zweckentfremdet" worden. Wurde er nicht, Punkt. Und nochmal: Ich habe Bundschuhs Zitat nicht verteidigt – die Bezeichnung "aufgeblasen" für seinen Stil habe ich selbst in die Debatte gebracht. Mann...

Sonst: Meine Güte, ja. Einigen wir uns in aller Freundschaft darauf, dass wir uns nicht einig sein müssen.
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Alt 17.03.17, 19:48   #88
TwistedRoad
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Zitat von Architektenkind Beitrag anzeigen
Im übrigen hat das Wort "Hierarchie" in Bezug auf die Berliner Mietskasernen-Stadt eine ganz klare und allgemein bekannte Bedeutung: Es bezieht sich auf die Hierarchie der Vorder- und Hinterhäuser, der Stockwerke und der Höfe. Mit Lyrik hat das nichts zu tun. (Andererseits haben die Hinterhöfe auch mit dem Suhrkamp-Entwurf nichts zu tun...
Ich weiss nicht ob ich dieser Diskussion noch einen neuen Aspekt hinzufügen kann, aber ich glaube der Suhrkamp Entwurf hat doch etwas mit der Hirarchie der Höfe und Hinter bzw. Innenhöfe bei der Blockrandbebauung zu tun.

Ich persönlich hätte mir an dieser Stelle zwar einen den Block schliessenden Bau gewünscht der den Blockrand hier eher repariert und das Gesamterscheinen des Viertels harmonisiert aber als Mitarbeiter würde ich hier, denke ich, sehr gerne einziehen.

Aus der Perspektive der Leute die hier arbeiten werden ist es doch so: Ein Bau der den Blockrand hier schliesst hätte bedeutet: Ein Teil der Büros wäre innenliegend mit Ausblick in einen relativ engen Innenhof mit großer Brandmauer!

Dieser Entwurf lässt jedoch jeden Mitarbeiter an der Urbanität der Umgebung teilhaben, denn im Hauptgebäude (Und im "Nebengebäude" zumindest an der Kopfseite) kann jeder auf die rundherum belebten Strassen blicken. Wenn der innenliegende "Betonriegel" im Inneren durchlässig ist, geht das Licht auch durch alle Räume hier hindurch. Das erinnert mich ein wenig an das Konzept des Foyers der Deutschen Oper welches in die Bismarckstrasse "hineinreicht" um einen attraktiven Ausblick für die Foyergäste bereitzuhalten.
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Alt 17.03.17, 20:27   #89
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Zitat von TwistedRoad Beitrag anzeigen
mit großer Brandmauer!
Wo hätte die denn entstehen sollen?

Ansonsten möchte ich anmerken, dass man auch enge Innenhöfe lebenswert gestalten kann. Die Japaner machen's vor. Und wenn ich ein wenig suche werden sich bestimmt auch in Berlin gute Beispiele finden.
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Alt 17.03.17, 21:27   #90
Rotes Rathaus
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Grundsätzlich liege ich auf der Linie der Blockrandfreunde. Dennoch kann man, wenn man es gut macht, was ich diesem Entwurf durchaus attestieren würde, den Blockrand auch in geschlossenen Gebieten punktuell öffnen, ohne einen Schaden hervor zu rufen. Dass Suhrkamp hier seinen Verlagssitz baut, was schon etwas besonderes ist, sollte zudem doch erstmal positiv aufgenommen werden.

Schlimmer als eine bewusste und harmonische Öffnung eines Blocks, finde ich die städtebauliche Todsünde Brandwände frei zu lassen. Deshalb sehe ich auch den Park an der Gipsstrasse kritisch genau wie die Lücke vor Klärchens.

Ich würde den Bundschuh eher mit dem Entwurf für das Tachelesareal vergleichen. Auch hier wird der Block aufgebrochen. Ob dies komplett überzeugt, weiß ich nicht. Mit gutem Hänchen kann man es aber machen.

Aus einer Öffnung aber eine ideologische Frage zu machen und sie damit zur Doktrin zu erheben: Pfui Kuckuck! Ganz dickes Minus für Bundschuh und co.

Leider gibt es in Berlin immer noch viele Neubauten, wo aus reiner Bequemlichkeit, ohne eine besondere Idee zu verfolgen, Blöcke nich geschlossen und Brandwände stehen bleiben oder sogar durch eine zweite Brandwand zu einem düsteren Loch ergänzt werden. Dies sollte die Verwaltung abstellen. De Facto macht es die Stadt jedoch als Bauherr selber - sehr zum Nachteil des Berliner Stadtbildes.
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