Übertriebener Denkmalschutz

  • Übertriebener Denkmalschutz

    Ich finde, wenn man sich mit dem Thema Denkmalpflege befaßt, muß man auch diesen Aspekt ansprechen. Ich glaube, ich habe mich hier bisher nicht gerade als fanatischer Modernist geoutet. Aber ich erlebe oft, wie kleinlicher Denkmalschutz das Gegenteil dessen bewirkt, was er eigentlich sollte. Da verfallen Häuser, weil ihre Besitzer sie wegen unüberwindlicher Bauvorschriften nicht in bezahlbarer Art und Weise modernisieren dürfen, oder aber weil sie niemand kaufen will, weil das Etikett "Denkmalgeschützt" für jeden Investor gleichbedeutend ist mit "Finger weg!"


    In dem Bemühen, alte Bausubstanz um jeden Preis zu erhalten, werden in manchen Regionen auch in Fällen, wo es Schaden anrichtet, Prinzipien geritten und damit das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. Dabei gibt es von Bundesland zu Bundesland Unterschiede. Hier in Baden-Württemberg scheint es besonders schlimm zu sein, während Bayern eine bessere Balance zun finden scheint. Ich erinnere mich jedenfalls daran, daß vor Jahren in einer Runde führender Vertreter des Denkmalschutzes der bayerische Abgesandte mit Naserümpfen betrachtet wurde, weil er nicht die "reine Lehre" vertrat.


    Also die Frage an alle: Wie weit darf/muß Denkmalschutz gehen? Wo liegen seine Grenzen?

  • du meinst also, eine art denkmalschutz "light" mit weniger reglementierungen wäre sinnvoller, um investoren nicht abzuschrecken?


    übrigens, es ist schon aberwitzig, was manchmal als denkmalgeschützt verkauft werden soll. da denke ich zum beispiel an das hochtief-hochhaus in frankfurt :lol:
    hier ging die denkmalschutz-lobby eindeutig zu weit

  • Ach, die armen Investoren, den geht es ja allen so schlecht. :lol:


    Der Denkmalschutz hat immer noch einen beschissenen Stellenwert in Deutschland. Wenn man mal genauer hinschaut, stehen einem die Haare zu Berge. Der Respekt vor Kulturgütern ist gleich null.

  • Das Thema scheint niemanden wirklich zu interessieren, aber ich finde es sehr ernst. Ich weiß von mindestens zwei historischen Häusern in meiner persönlichen (räumlichen) Umgebung, die schließlich von ihren Besitzern angezündet worden sind, weil es ihnen die Denkmalschutzauflagen unmöglich gemacht hatten, mit ihrem Besitz auf einen grünen Zweig zu kommen.


    Klar: Das ist ein Verbrechen, das durch nichts zu entschuldigen ist. Aber mit etwas weniger Purismus könnten diese Häuser heute noch stehen.

  • Wir bräuchten keinen Denkmalschutz, wenn wir nicht so häßliche Gebäude bekämen. Wieso baut man nicht mehr historisch ? Dieses Projekt für die Museumsinsel in Berlin, also diese Galeire hätte Säulen bekommen sollen und ein kleiner Tempel werden sollen und stattdessen nahm man etwas was jeder baut.

  • Das Ziel des Denkmal schutzes ist es nicht nach formalästhetischen Gesichtspunkten schöne Gebäude zu erhalten, sondern "besondere" Bauwerke die Zeugen unserer Geschichte und Kultur sind. Das hässliche alte Hochtief Hochhaus ist ist in meinen Augen Symbol einer vergangen Ära deutscher Geschichte und zugleich als eine Art Kulturgut bzw. Kunstwerk anzusehen, da es von einem namhaften Architekten in einem speziellen Stil erbaut worden ist.


    Ich hänge trotzdem nicht an diesem Gebäude (weils hässlich ist), aber das ist Geschmackssache und ich fände es Schade, wenn all diese 50er bis 70er Bauten abgerissen würden, da sie trotz iherer hässlichkeit eine historische Bedeutung haben.


    Nehmen wir mal an es wäre in diesem fall des Hochtief HH nur ein Umbau erlaubt worden. Die hässlichkeit wäre erhalten geblieben nund wirklich hätte es keinem Genützt. Das "Gesamtkunstwerk" des Architekten, zu dem auch der Innenausbau usw. gehört wäre trotzdem zerstört worden. Ich bin mir da nichht sicher, ob man wirklich die Regeln des Denkmalschutzes lockern sollte. Auf jeden Fall kann ich keine ideale Möglichkeit finden.

  • Ich finde Denkmalschutz in jeder Hinsicht überflüssig und schwachsinnig. Was bringt es irgendwelche alte Gebäude ewig zu erhalten? Das ist doch purer Käse. Eine Frucht einer stockkonservativen Gesellschaft. Aber ich kann euch beruhigen. In England z.B. ist die Gesellschaft noch weit konservativer. Da werden sogar die Einfamilienhäuser im typisch englischen Stil gebaut und ein Neubau ist nicht von einem altbau zu unterscheiden... Good bye Individualität.....

  • Aber dafür sehen die englischen Einfamilienhäuser wenigstens besser aus als unsere. Mit ihren roten Ziegeln haben sie richtig schönes Flair. Unsere sind durch Hecken umgeben während in London diese direkt an der Strasse mit der Tür zum Gehweg zeigen und einen Honterhof haben.

  • Denkmalschutz

    Denkmalschutz sollte, wenn es diesen schon gibt, auch von allen befolgt werden. Wenn zb. ein alles überragender und bestimmender Kirchturm abgerissen wird, und dieser aus kostengründen, nicht in seiner ursprünglichen Form wieder aufgebaut wird, sondern als ein häßlicher Campanile, so frage ich mich, warum müssen dann Hausbesitzer, die sich in Seitenstraßen befinden, an jede noch so kleine Veränderung, die sie an ihrem Haus vornehmen wollen, mit dem Denkmalschutz auseinander setzen? In vielen fällen sollte man den Denkmalschutz schon überdenken.

  • In der Stadt, in der ich lebe gibt es (bzw. gab es) ein wunderschönes rotes haus (um 1800 erbaut). das gebäude stand dort seit jahren - leer, kaputt, mit schwamm. alles im allem hätte ein umbau 8Mio euro gekostet (was Herne nie und nimmer aufbringen könnte). Also hat man es einfach abgerissen. da frage ich mich, ob es nicht klüger gewesen wäre, es "ganz normal" zu renovieren?


    Also das soll mal einer verstehen - umbauen darf man es nicht aber abreissen und durch ein 3 stöckiges "büro und wohn center" erstetzen schon. :mad:
    Kai

  • Ich finde Denkmalschutz in jeder Hinsicht überflüssig und schwachsinnig. Was bringt es irgendwelche alte Gebäude ewig zu erhalten? Das ist doch purer Käse. Eine Frucht einer stockkonservativen Gesellschaft.


    Ich glaube nicht mal, daß sowas, so formuliert, eine Antwort verdient... Noch ein Versuch? :D


    ...und ein Neubau ist nicht von einem altbau zu unterscheiden... Good bye Individualität.....


    Die gegenwärtige Praxis ist, daß kaum ein Neubau von einem anderen unterschieden werden kann.
    Good bye Individualität... :D :D :D :D

  • Also das soll mal einer verstehen - umbauen darf man es nicht aber abreissen und durch ein 3 stöckiges "büro und wohn center" erstetzen schon.


    Manchmal wäre es wirtschaftlicher, abzureissen und neu zu bauen - aber mit einer Fassade, die wie die alte aussieht. Auch eine Lösung...

  • Re: Denkmalschutz

    Original geschrieben von Dirk
    Denkmalschutz sollte, wenn es diesen schon gibt, auch von allen befolgt werden. Wenn zb. ein alles überragender und bestimmender Kirchturm abgerissen wird, und dieser aus kostengründen, nicht in seiner ursprünglichen Form wieder aufgebaut wird, sondern als ein häßlicher Campanile, so frage ich mich, warum müssen dann Hausbesitzer, die sich in Seitenstraßen befinden, an jede noch so kleine Veränderung, die sie an ihrem Haus vornehmen wollen, mit dem Denkmalschutz auseinander setzen? In vielen fällen sollte man den Denkmalschutz schon überdenken.


    Ja. das meine ich. Natürlich ist der Denkmalschutz eine notwendige und sinnvolle Sache. Ich bin weiß Gott dafür, unsere historisch gewachsenen Städte und ihre Baudenkmäler zu erhalten. Das sind unersetzliche kulturelle Werte!


    Aber der heutige Denkmalschutz neigt dazu, den Leuten vorzuschreiben, sie hätten die Gefache ihrer alten Kuhställe gefälligst wieder mit Stroh, Kuhmist und Buttermilch zu füllen, das ganze in Handarbeit und WEHE, sie gehen zu Obi und kaufen dort ein Standard-Fenster um das fast gleich große verrottete historische Fenster zu ersetzen. Das meinte ich mit übertriebenem Denkmalschutz. Diese Art von Purismus richtet mehr historische Bausubstanz zugrunde als er erhält.


    Aber das heißt NATÜRLICH NICHT, daß Denkmalschutz als Ganzes überflüssig wäre. Um Gottes Willen. Das wollte ich damit nun wirklich nicht gesagt haben!

  • Ich glaube, daß viele Denkmalschützer zu dogmatisch handeln und ihre Arbeit nicht mehr im Kontext sehen. In Markkleeberg bei Leipzig gibt es eine schöne Villa, Ende der 20ger Jahre von Paul Schultze-Naumburg in der Art eines kleinen Dreiseithofes erbaut. Sie wurde im Auftrag der Stadt teilsaniert, unter anderem Wurde der Sockel des Hauses scharriert, ein Detail, das dem Laien nicht weiter ins Auge fällt. Anschließend kam der Denkmalschutz und sagte, daß der Sockel "gekratzt" werden müßte (oder war es umgekehrt?) Also sind die Handwerker nochmals angerückt und haben dieses kaum erhebliche Detail für viel Geld umgearbeitet. Dabei müßten noch weitere Hunderttausende von Euro in die restliche Sanierung gesteckt werden.
    Ich bin heilfroh, daß es den Denkmalschutz gibt, aber er müßte flexibler gehandhabt werden.
    Ebenso macht es wütend, daß z.B. in eine Baulücke zwischen denkmalgeschützten Bauten ein x-beliebiger moderner Neubau gesetzt werden darf.