Nbger Zentrum: Sebalder und Lorenzer Altstadt

  • Zum Neubau in der Weißgerbergasse bietet die Website des Architekturbüros Rester eine umfangreiche Bildserie, die auch Innenaufnahmen zeigt.



    Foto: Architekturbüro Rester


    Besonders interessant finde ich den Lichtschacht, der sehr altstadttypisch ist. Die Altstadtfreunde loben in ihrem aktuellem Newsletter den Neubau ebenfalls, da er die historische Straßenkante und Dachlandschaft wiederherstellt. Zugleich wird damit der Baukunstbeirat kritisiert, der eben jenes unverständlicherweise abgelehnt hatte. Eigentlich können die Altstadtfreunde den Baukunstbeirat ersetzen, im Altstadtfreundeverein scheinen mir mehr ästhetisches Verständnis und mehr historische Kenntnisse vorhanden zu sein.

  • Irrerstraße 13


    Mit diesem historischen Gebäude begann dieser Strang im April 2012.
    http://www.deutsches-architekt…um/showthread.php?t=10333



    Damals war der Bau mit Kern aus dem frühen 14. Jahrhundert für ca. 300 000 EUR zu haben. Nun, 5 Jahre später, wurde der Bau erneut angeboten. Diesmal allerdings für 680 000 EUR.
    Was ist anders? Offenbar existieren fertige Ausbaupläne sowie ein Bauantrag für insgesamt 6 Wohnungen für die Gesamtwohnfläche von 340qm. Bei Kauf sei eine Genehmigung für die Sanierungsmaßnahmen bereits inbegriffen.
    Tatsächlich ist die betreffende Seite auf ImmobilienScout24 bereits im Archiv, evtl. hat sich also ein Käufer bereits gefunden?


    https://www.immobilienscout24.de/expose/94121374


    Zu wünschen wäre es, das Gebäude hat viel Potenzial und könnte an dieser sensiblen städtebaulichen Situation viel positives bewirken.
    Allerdings wirkt die Homepage des Anbieters nicht sehr professionell:


    https://www.imo-bau.com/



    d.

  • Maxtormauer 50


    Das Wohn- und Geschäftshaus Maxtormauer 50 aus dem Jahr 1928 steht seit einiger Zeit leer. Das 3-geschossige Gebäude beherbergt im Erdgeschoss Geschäftsräume und in den oberen Stockwerken - vermutlich - Wohnungen. Zum Gelände gehören noch zahlreiche Nebengebäude, die als Garagen genutzt werden.






    An einem rückwärtigen Garagentor sind Promo-Fotos des Objektes zu sehen, was darauf hindeutet, dass es aktuell zum Verkauf steht. Im Netz konnte ich dazu allerdings noch nichts finden. Der Hof und die Garagen jedoch sind in meinen Augen eine deutliche Unternutzung und auch nicht schön anzusehen. Der Erwerber des Grundstücks dürfte somit sicherlich Raum haben diese abzuräumen und einen angepassten Neubau zu errichten.



    Das Wohn- und Geschäftshaus aus dem jahr 1928 darf als gelungen an die Stadtmauer angepasster Bau angesehen werden und sollte vom Ensembleschutz, der die Altstadt umfasst, abgedeckt werden. Genau das erwartet man anzutreffen, wenn man die aufwändig restaurierte und teuer unterhaltene Stadtmauer entlangspaziert.



    Ein Erhalt und die denkmalgerechte Herrichtung des dieses Hauses sollte obligatorisch sein. Zumal das Objekt in meinen Augen auch die Gestalungsqualität für stadtmauernahe Neubauten vorgibt: Sandsteinerne Sockelzone, Rundbogenfenster und ein ordentliches Satteldach. Die Fensterläden an der Südfassade sind zudem auch noch viel hübscher als es diese Plastik-Rollläden sind, die man heutzutage sparsamerweise gerne verbaut. Hier wird sich sicherlich bald etwas tun.

  • Sanierung Sebalder Pfarrhof


    Es sollte nicht unerwähnt bleiben. Die Sanierung des Sebalder Pfarrhofs am Sebalder Platz ist zwar keine spektakuläre Maßnahme, denn es ist offiziell beabsichtigt, dass er hinterher genau so aussieht wie vorher, aber die Maßnahme hat mit einem investitionsvolumen von 4,5 Millionen EUR doch ein beachtliches Volumen.



    Den Anfang machte das berühmte Sebalder Chörlein aus dem 14. Jahrhundert, wobei der Bestand eine Kopie vom Original ist, die wiederum ebenfalls schon über 110 Jahre auf dem Buckel hat. Die Sanierung des nun über anderthalb Jahre verhüllten Juwels allein hat 60.000 EUR gekostet, die vom Lions-Club Nürnberg-Noris gespendet wurden. Ziel laut Bauherr, Pfarrer Jonas Schiller war es, das Chörlein vor dem Verfall zu retten und zu sichern und energetisch zu ertüchtigen - ich erinnere mich daran gelesen zu haben, dass es durch das alte Chörlein in der Pfarrerswohnung im Winter eisekalt gewesen soll. Es war aber nicht beabsichtigt, das Chörlein zu restaurieren, es sollten also keine Kriegsschäden und Fehlstellen ergänzt werden, es sollte nicht wieder aussehen wie neu:




    Also das scheint mir nicht ganz geklappt zu haben, denn ich finde das Chörlein sieht wieder aus wie neu. Das mag auch an der grauen Färbung liegen, die es aussehen lässt wie frisch aus Beton gegossen. Die NZ brachte heute hierzu einen Beitrag, leider steht da auch nichts über die Materialität des Chörleins geschrieben. Die sanierung des Pfarrhos zieht sich noch bis Ende 2019, bis dahin wird das gesamte gebäude nochmal eingerüstet werden und dabei der fehlende Verputz rundherum ergänzt.
    Um die Finanzmittel für die Sanierung aufzubringen musste die Gemeinde bereits vor ca. 2 Jahren ein Filetobjekt in der Burgstraße 6 an einen Investor verkaufen, der es derzeit saniert.

  • Neubau der Neuapostolischen Kirche

    Nicht ganz zu vernachlässigen ist der offensichtlich bevorstehende Abriss der Neuapostolischen Kirche gegenüber des Augustinerareals. Der Kirchenbau aus den schätzungsweise 1960'er Jahren entspricht wohl nicht mehr den Bedürfnissen der Gemeinde, die sich immerhin für den gesamten Nürnberger Westen zuständig sieht.
    Darauf gekommen bin ich schon vor längerer Zeit, als ich im Netz entsprechende Informationen und Visualisierungen vorfand. Auf Competitionline steht seit einigen Jahren ein Wettbewerbsergebnis mit dem Urteil der Preisrichter zum Nachlesen. Der damalige Wettbewerbsgewinner war ein Vorschlag von Löhle Neubauer Architekten aus Augsburg:



    Visualisierung: Löhle Neubauer Architekten, Augsburg


    Nicht nachvollziehen kann ich dabei eine Bemerkung im Urteil des Preisgerichts:

    Der optional vorgeschlagene Turm ist verzichtbar.

    Quelle: Competitionline
    Hallo? Eine Altstadtsilouette lebt doch von seiner abwechslungsreichen Dachlandschaft, das haben die Architekten richtig erkannt! Soweit also die Gemeinde einen Kirchenturm benötigt, soll sie ihn sehr gerne bauen. Der aktuelle Bestandsbau, an dem sich der Entwurf für den Neubau stark orientiert, hat allerdings keinen Turm:



    Man kann auch einwenden, dass man anstelle des Turmes auch einen Baum belassen bzw, pflanzen könne. Eine Aktualisierung des Wettbewerbseintrags indes hat ein neues Ergebnis geliefert, ohne Turm:



    Entwurf: umarchitekt Bamberg



    Visualisierung: JOMA Landschaftsarchitekten, Bamberg


    Nun denn, das Neubauprojekt wird einen durchaus beispielhaften Kirchenneubau aus den 1960'er Jahren verschwinden lassen. Ob man es mag oder nicht, aber diese Wiederaufbauzeit ist etwas, mit dessen Ergebnissen man sich in Nürnberg von offizieller Seite gerne schmückt. Dabei scheint man aber bemerkenswert wenig Ambitionen zu zeigen, das entsprechend zu pflegen und zu erhalten.



    Aktuell sind Bauzäune um Teile des Gebäudes gestellt und es sind Schuttcontainer dort. Möglicherweise steht der Abriss bevor, die Website der Kirchengemeinde hat mir dazu aber nichts mitgeteilt.

  • Ich bin ein bekennender Nicht-Freund der Wiederaufbau-Architektur, auch wenn ich zugestehe, dass stadtbildprägende Bauten und solche mit historischer Bedeutung erhaltenswert sind.


    Was aber immer wieder und umso mehr schmerzt, ist, wenn die mäßig überzeugende Ästhetik der Nachkriegsbauten durch sie ersetzende Neubauten nochmals unterboten wird. Und das ist hier eklatant der Fall.


    „Himmelherrgott!“ (im wahrsten Sinne des Wortes) – was soll denn das für ein Kirchenneubau sein? Der sieht ja aus wie eine LIDL-Filiale im Industriegebiet!! Und das an so einer markanten Stelle der sog. Altstadt, unmittelbar neben dem Henkerssteg und direkt gegenüber dem ambitionierten Augustinerhof-Projekt.


    Ich bin fassungslos.


    :Nieder: :Nieder: :Nieder:

  • Ja, da beginnen die Bauwerke aus den 1960'ern gerade interessant zu werden, da sie sich doch angenehm von dem heutigen Bunker-Schuhschachtel-Einheitsbrei abheben, werden sie noch eilig weg geräumt. Ich finde den Neubauentwurf auch nicht so befriedigend. Der könnte so überall auf dem Land entstehen, und hat weder in Materialität noch Kubatur irgend etwas mit der Nürnberger Altstadt zu tun. Weniger Fensterfläche (dachte ein christliches Gotteshaus erkennt man an nach Osten gen Sonnenaufgang gerichtete Fenster) und ein gedrungener Eingangsbereich wie bei einem Supermarkt. Hier werden die Fehler aus den 1960'ern wiederholt, nämlich nichts erkennbar Herausragendes geschaffen zu haben, was nun den Bestandsbau seine Existenzberechtigung kostet. So wird es dem Neubau in 50 Jahren auch ergehen.

  • Innere Cramer-Klett-Str. 22

    Zum Thema "Denkmalschutz der Wiederaufbauarchitektur": Das markante Wohn- und Geschäftshaus Innere Cramer-Klett-Str. 22 dürfte durch die markanten Leuchtreklame "Roth wäscht weiß" den meisten Nürnbergern bekannt sein, auch wenn das Haus an sich ja nicht so spektakulär ist. Aber durch die gekonnt kunstvoll eingesetzte Leuchtreklame, die unübersehbar ein Kind ihrer Zeit ist, hat das Haus einen festen Platz im Stadtbild Nürnbergs:



    Die Wäscherei gibt es nicht mehr, also liegt der Umbau zu Wohnraum nahe. Der Bauherr ist lt. Bauschild die Familie Roth, das Haus ist also immernoch in Familienbesitz.



    Und da über der gesamten Altstadt glücklicherweise Ensembleschutz liegt, bleiben die Schriftzüge auch über den Umbau hinaus erhalten. Toll wäre es natürlich, wenn deren elektrische Funktion wieder hergestellt würde, und man zumindest in der dunklen Jahreszeit vie Zeitschaltung bis 22 Uhr was sehen könnte. Wenn ich mich recht erinnere, ist der Umbau der Inneren Cramer-Klett-Straße zu einer normalen Straße vorgesehen, womit diese lächerlich überdimensionierte 3-spurige Ausfahrt aus der Altstadt wieder zu einem Stadtraum werden könnte. Nur vor diesem Hintergrund kann ich mir überhaupt Wohnraum im Erdgeschoss dieses Hauses vorstellen. Denn aktuell stehen die Liefer-LKW dort tuckernd vor der Ampel. Wer will dort schon wohnen?


    Der Umbau des Hauses ist in vollem Gange. Die Balkone werden saniert und das EG zum Ausbau vorbereitet. Womöglich erhalten die Bewohner des Erdgeschosses einst Gartenflächen.



    Über das Schicksal des Hofgebäudes ist mir nichts bekannt:



    Der Ensembleschutz, als eine Unterart des Denkmalschutzes ist ein wirksames Instrument, das Ortsbild zu schützen. Nur leider scheint es nicht für alle zu gelten, denn das Luitpoldhaus war einst ein stattliches Gründerzeitliches Wissenschafts- udn Museumsgebäude, und war ganz sicher Umbau- und erweiterbar. Hier half aber der Ensembleschutz wohl nichts, die Stadt wollte hier unbedingt ein Fanal der Moderne draus machen und hat das wiederherstellbare Gebäude völlig verunstaltet. Hier sollte das Ortsbild bewusst gestört werden, irgendwer ist stampfend durch den Raum gesprungen und rief "Ich will jetz aber was Modernes!". Aber durch solche Zusammenhänge erhärtet sich der oft geäußerte Verdacht, dass Gesetze nur für jene gelten, die sich nicht mit Macht und Geld wehren können.


    Übrigens, die Seite "Nürnberg und so" bietet in einer regelmäßig erscheinenden Reihe "Nürnberg - Stadtbild im Wandel" in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag zum gegenüberliegenden, ehemals ähnlich mit Leuchtreklame geschmückten Haus an:


    http://www.nuernberg-und-so.de…aufertormauer-22-2017-619

  • Der Ensembleschutz, als eine Unterart des Denkmalschutzes ist ein wirksames Instrument, das Ortsbild zu schützen. Nur leider scheint es nicht für alle zu gelten, denn das Luitpoldhaus war einst ein stattliches Gründerzeitliches Wissenschafts- udn Museumsgebäude, und war ganz sicher Umbau- und erweiterbar. Hier half aber der Ensembleschutz wohl nichts, die Stadt wollte hier unbedingt ein Fanal der Moderne draus machen und hat das wiederherstellbare Gebäude völlig verunstaltet.


    Du sagst es. Den Nürnberger (insb. in seiner Ausprägung als Politiker) scheint in seiner Seele eine gewaltige Panik anzutreiben, man könnte ihn für unmodern oder spießig oder rückwärtsgewandt halten. Deswegen lässt man lieber alte Schätze verkommen, als dass man sie selbstbewusst wiederherstellt. Deswegen baut man zwanghaft Neues, ohne dabei auch nur einen Hauch Gespür für Ästhetik oder menschenadäquates Bauen zu entwickeln.


    Das Luitpoldhaus ist ebenso wie das Pellerhaus ein besonders eklatantes Beispiel hierfür.


    Neulich war ich in Potsdam. Da entsteht im 21. Jahrhundert ein komplettes "neo-preußisches" barock-klassizistisches Stadtzentrum wieder. Nächstes Millionenprojekt dort ist der Wiederaufbau der kriegszerstörten und in der DDR gesprengten Garnisonkirche, nachdem schon das Stadtschloss aus dem Nichts wiederauferstanden ist.


    In Nürnberg hingegen macht man gerne selbst das wenige noch platt, was noch da ist, oder hintertreibt jedwede Teilrekonstruktion selbst dort, wo noch genügend historische Substanz vorhanden wäre. Ein Trauerspiel.

  • Ja, man krallt sich gewissermaßen an einer Vorstellung von "Moderne" fest, wie sie in den 60'er und 70'er Jahren unumstritten war. Dem Modernen steht alles Traditionelle, Hergebrachte und über Jahrhunderte entwickeltem unversöhnlich entgegen. Während man nun vielerorts erkannt hat, dass genau diese Einstellung zu städtebaulichen Problemen führt, die man nur durch Abrisse lösen kann, hält man in Nürnberg an diesem überholten Dogma fest, und verunglimpft jeden neue Strömung die sich mit rekonstruktiven Konzepten befasst als 'unwissenschaftlich' und 'geschichtsklitternd'. Dabei ist die Auslöschung von Historischem doch die eigentliche Geschichtsklitterung, derer man sich in Nürnberg bis heute nicht entledigt hat. Du triffst es aber auf den Punkt. Mit der aktuellen Politikergeneration ist da wohl nichts zu holen.

  • Sanierungen Luitpoldstraße


    Was ist nur in der Luitpoldstraße los? Das denkt man sich derzeit, und denke ich mir auch jeden morgen, wenn ich dank der durch Bauarbeiten bedingten Umleitung am Hauptbahnhof diesen Schlenker durch die Altstadt machen darf. Dass das Eckhaus Königstraße 70 schon seit längerem umgebaut wird, haben wir im Juni letzten Jahres schon besprochen. Dort ist man zwar weit hinter dem Zeitplan zurück, aber immerhin schon deutlich sichtbar weiter:



    Leider hat das Haus seinen prächtigen Giebel nicht zurück erhalten und wirkt dadurch immernoch etwas unproportioniert. Streng genommen zählt das Haus damit noch als mit Notdach gedeckt. Aber davon gibt es in der Altstadt ja noch ettliche. An den Fassadendetails ist aber schon deutlich gearbeitet worden. Die Brüstungsfelder des Balkon im 4. Obergeschoss haben ihre Maßwerkfüllung zurück, und die Erdgeschosszone wurde mit riesigen Rundbogenfenstern aufgewertet. Bislang waren da unpassende Rechtecköffnungen reingeschnitten. Auch im ersten Obergeschoss sind die Fenster nun wieder bodentief. Erstklassige Geschäftshausarchitektur der Gründerzeit! Davon gibt es in der Luitpoldstraße noch eine ganze Reihe, und ich habe es bislang immer etwas bedauerlich gefunden, dass diese prächtige Straße so schmuddelig und unternutzt ist. Sexshops, peep-shows, Stundenhotels und Spielhöllen prägten die Straße, und wer sich nichtsahnend dorthin verirrte fühlte sich im falschen Film. Aber ich glaube dass der Neubau des Neuen Museums, der sich sehr gelungen in die prächtigen Fassaden einreiht und sicherlich anderes Besucherklientel anlockt, so langsam seine Wirkung auf die Straße entfaltet.



    Denn passend zu meinen Beobachtungen brachte die NZ bereits gestern einen Beitrag zu der Straße und speziell einem Projekt am anderen Ende dieser Fußgängerzone.


    http://www.nordbayern.de/regio…e-1.6528728?searched=true


    Gefühlt ist jedes zweite Haus in der Luitpoldstraße aktuell eingerüstet. Z.B. die Nr. 8, mit noch vollständig intakter Fassadenzier, während das Nachbarhaus Nr. 10 bis auf den Erker komplett entstuckt wurde:



    Aber auch die Nr. 14, ein seltenes Zeugnis des frühen Art-Deko von dem es in Nürnberg sogut wie garnichts mehr zu sehen gibt:



    Glücklicherweise ist dieses Haus aber noch vollständig vorhanden. Hier ein Foto aus den 1920'ern:



    Ebenso direkt gegenüber die Hausnummer 15, um die es sich im Kern des Pressebeitrags auch dreht:



    Hier investiert die Gutmann-Brauerei, die bereits das ehemalige Cafe Wanner am Duzendteich erfolgreich wiederbelebt hat. In der Luitpoldstraße ist ein nicht näher bezeichnetes "Gastronomieprojekt" geplant, ich denke das wird wohl soetwas wie ein Brauhaus, hoffentlich in gehobenerem Niveau. Das passt dann auch gut zusammen mit dem Konzept von Promikoch Alexander herrmann, der in der Königstraße 70 längst hätte sein restaurant mit Delokatessenmarkt eröffnen wollen. In direkter Umgebung des Neuen Museums ist das eine ganz hervorragende Entwicklung für die Ecke!


    Und zuletzt ist auch das Eckhaus Luitpoldstraße 16 an der Sterngasse aktuell eingerüstet:




    Auch bei diesem Haus handelt es sich um einen nicht hergerichteten Kriegsschaden. Das gesamte 4. Obergeschoss fehlt und ist teilweise nur ärmlich verbrettert worden. Ich hege ja die Hoffnung, dass nun, nach bald 10 Jahren brummenden Immobilienmarkt auch hier ein Flächendruck mit der entsprechenden Nachfrage nach Premiumlagen angekommen ist, und wir ein paar tolle Aufwertungen erwarten könnten. Die Lage direkt am Hauptbahnhof und dem Haupteingang zur Altstadt könnte ja kaum besser sein.

  • Tiergärtnertorplatz

    Das Wirtshaus "Zur Schranke" beim Tiergärtnertorplatz 3 steckt gerade in der Komplettsanierung. Anschließend ist die Wiedereröffnung als Gasthaus sogut wie sicher, und das ist wirklich ein Grund zur Freude.



    Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, nach dem 2. WK wieder aufgebaut, steht gottseidank unter Denkmalschutz und wird entsprechend denkmalgerecht wieder aufgebaut.


    Gemeinsam mit dem Pilatushaus (ganz links im Bild) und dem ehem. Kuchelbauer's (ganz rechts im Bild) stehen aber derzeit insgesamt 3 ganz wichtige Häuser an Nürnbergs schönstem Platz leer.



    Am Pilatushaus tut sich leider seit längerem nichts sichtbares mehr, und was in das Restaurant reinkommt habe ich auch noch nicht mitbekommen. Dabei sollte sich Gastronomie doch rechnen, wenn man bedenkt was hier mittlerweile an Streetlife anzutreffen ist (mein Foto ist vom letzten Jahr).

  • Josephsplatz

    Auch am Josephsplatz besteht nun die einmalige Chance zu einer wichtigen Aufwertung. Seine Randbebauung ist ja durchaus vorzeigbar und in gepflegtem, repräsentativen Zustand. Die südliche Platzkante zum Beispiel:



    Die Architektur ist zwar nicht wirklich einheitlich, aber angenehm abwechslungsreich und durchweg wertig. Die konsequente Gestaltung aus Natursteinfassaden lässt alles wie ein zusammengehöriges und über lange Zeit gewachsenes Ensemble wirken:




    Die südliche Platzkante ist zwar nicht ganz so repräsentativ, aber ebenfalls altstadttypisch und urban mit einigen richtig alten Perlen:




    Bild von 2014 noch mit dem alten Delphi-Kino


    Dabei wird aktuell, leider etwas schleppend, das Haus Hintere Ledergasse 8 denkmalgerecht renoviert und so die Straße bereichern (ausführlicher Bildbeitrag zum Thema Josephsplatz von Dexter). Außerdem legt der Neubau Anstelle des ehemaligen Delphi-Kinos die qualitative messlatte ebenfalsl ein Stück höher. Seine Außenhaut ist jetzt schon fertig verfugt und die Fenster sind eingepasst:



    Ich denke in den nächsten 4 Wochen wird auch das Gerüst weg sein und man kann das Ergebnis sehen. Letztes Schmuddelkind am Platz ist leider der platzräumlich wichtigste Bau, das völlig ruinierte Gründerzeit-Eckhaus Josephsplatz 34, das auch Dexter schon in seinem Beitrag zeigte:



    Zwischenzeitlich ist aber der GEOX-Schuhladen ausgezogen und die Eigentümer könnten sich nun für eine Auffrischung des Gebäudes entscheiden, um so die Vermietbarkeit und den Immobilienwert weiter positiv zu beeinflussen. Auf einem alten Foto habe ich mal den Ursprungszustand gesehen, und der war durch seine üppigen Verzierungen einfach umwerfend. Aber bereits in den 1930'ern hat man die Fassadenzier entfernt und das "Marmorhaus" daraus gemacht. Die Gestaltung war dann eine eher Bauhaus-typisch streng und klar gegliederte Putzfassade, aber immernoch ansehnlicher als heute. Erdgeschuss und erstes Obergeschoss waren in Naturstein, möglicherweise Marmor verkleidet, daher kam auch der Name und man sieht die Überbleibsel dessen auch noch heute. Im Zuge der nachfolgenden Jahrzehnte kamen und gingen die Mieter, und mit jeder Renovierung wurde der Bau unansehnlicher. Mittlerweile ist es das hässlichste Haus am Platz, das leider auch den Ludwigsplatz beeinträchtigt.



    Hier wäre eine Fassadensanierung - um nicht zusagen eine Rekonstruktion dringend nötig.


    Noch zum Josephsplatz: Wenn es noch gelänge, die Blechdichte am Platz zu verringern wäre das grandios. Die schnurgerade Hintere Ledergasse, die hier zur Adlerstraße wird, ist zwar eine wichtige Anlieferstraße, aber leider auch eine Rennpiste für Freizeitrennfahrer. Was man hier an Halbstarken beobachten kann, die ihre Gaspedale durchtreten in der Erwartung, die Gäste an den anrainenden Lokalen würden davon entzückt sein, ist teilweise schon ärgerlich. Hier gehören nette Bodenwellen in den Asphalt und Bremsinseln. Die vielen verwirrt wendenden SUV's, die dann doch nicht in den teuren Parkhäusern stehen wollen sondern auf den Pflasterflächen herumrangieren, beeinträchtigen die Aufenthaltsqualität am Platz beträchtlich. Außerdem ist der Gehsteig an der nördlichen Platzkante viel zu schmal zum flanieren. Es wäre schön, wenn eines Tages hier etwas umgestaltet würde.

  • Kriegerdenkmal

    Wo wir direkt bei der Aufwertung der Adlerstraße durch den Neubau am Josephsplatz sind, die seit Jahren verhüllte und auf den Sockelstumpf reduzierte Säule des "Kriegerdenkmals am Köpfleinsberg" ist aktuell eingehüllt und wird womöglich jetzt restauriert wieder aufgerichtet:


  • Zwischenzeitlich ist der Neubau am Josephsplatz abgerüstet:




    Die Altstadt ist um eine niegelnagelneue Sandsteinfassade reicher. Im Vergleich zu vorher ist es schon vornehmer und stilvoller geworden:



    Die Straßenfassade zur hinteren Ledergasse bleibt allerdings deutlich zurück. Hier wird nur unterer Standard geboten, der nicht nach Altstadt aussieht. Aber da gleicht man sich der unglücklich tristen Gestaltung der benachbarten Bestandsbauten an.



    Das vollflächig verspachtelte WDVS mit den Schießschartenfenstern ordnen das Gebäude eindeutig den Baujahren um 2015 zu, wird man einst urteilen. Dafür ist nun das historische Haus Vordere Ledergasse Nr. 8 eingerüstet, und wird nun hoffentlich endlich mal sichtbar angepackt. Das Dach wird aktuell auch gerade neu gedeckt:



    Ich hoffe ja dass man hier zu Weihnachten endlich mal Fortschritte sehen wird.


    Unterdessen wird eher unspektakulär in der Burgstraße das ehemalige Dekanatsgebäude der evangelischen Gemeinde saniert. Die Gemeinde hatte das Gebäude unter anderem auch deshalb verkauft, um mit dem Erlös die Sanierung des historisch deutlich wichtigeren Sebalder Pfarrhofs zu finanzieren. Aber das scheint wohl nicht auszureichen. Die Entkerung ist vermutlich abgeschlossen, denn Innen scheint nichts mehr an erhaltenswerter Substanz vorhanden zu sein:





    Hier sollen schließlich Luxuswohnungen entstehen. Bin mal gespannt, wer hier wohnen will, die Burgstraße ist schließlich eine Touristenhauptroute zur Burg und Teil des Konzeptes der Museumsmeile sowie sämtlicher Veranstaltungen in der Altstadt. Und leider auch eine der wenigen Kopfsteinfplasterstraßen mit erwähnenswertem PKW-Verkehr.

  • Der Neubau am Josephsplatz anstelle des alten Delphi-Kinos ist schon eine deutliche Aufwertung, insbesondere im Vergleich zum Vorzustand. Die verfugte Sandsteinfassade wirkt ordentlich und die Gesamtgestaltung ist unaufgeregt und doch auf Höhe der Zeit.
    Leider sind die Fassaden der Gebäude rechts und links echt übel. Dies ist ganz klar die schwächste Seite des Platzes.



    Ich finde die Rückseite in der Hinteren Ledergasse okay, vor allem wenn man noch den Vorzustand mit dieser riesigen fensterlosen und mit aparten Kratzputz versehen Wand kennt.
    Positiv ist sicher auch, das die Infrastruktur des Neubaus dem direkten Umfeld eine Möglichkeit auf Tiefgaragenplätze gibt. Dies wäre der beste Moment um in der engen Hinteren Ledergasse ein Paar Parkplätze zu reduzieren.



    d.


  • Leider sind die Fassaden der Gebäude rechts und links echt übel. Dies ist ganz klar die schwächste Seite des Platzes.


    Dein Urteil ist aber stark geschmacklich geprägt. Ich gehe da zwar grundsätzlich mit, muss aber einwänden, dass die Nachbarbauten immerhin noch original-originell sind, und beispielhaft die 50'er-Jahre Geschäftshausarchitektur abbilden. Ich sehe da nicht wirkllich akuten Handlungsbedarf, zumal ich es sehr bedauern würde, wenn die Gebäude einst verschwinden und die Parzellen zusammengelegt und großvolumiger bebaut würden.
    Gestalterischer Tiefpunkt ist doch wirklich der Kopfbau des ehemaligen GEOX-Schuhgeschäfts. Der sticht mir jedesmal negativ ins Auge.

  • Luitpoldstraße 15

    ^ Super!


    Unterdessen geht es in der Luitpoldstraße 15 zur Sache, das Gutmannprojekt geht tief in die Substanz. Gestern sind bereits die alten Fenster ausgebaut worden, es müssten dann bald die neuen Holzfenster kommen:



  • Wettbewerbsergebnis: Maxtormauer 50-52



    Ein Erhalt und die denkmalgerechte Herrichtung des dieses Hauses sollte obligatorisch sein...


    Da hab ich wohl nicht mit der Profitgier gerechnet. Das Haus wird platt gemacht und das Grundstück hochverdichtet neu bebaut. Hierzu hat es einen Wettbewerb (Link) gegeben der dieses Unglück deutlich zeigt. Mindestens die drei Entwürfe lassen sich webweit nachvollziehen, Wettbewerbssieger war ein Entwurf aus Regensburg:


    1. Platz: Dömges Architekten, Regensburg:
    (Link)



    Doemges Architekten, Regensburg


    Der Entwurf wird von funktioneller Seite her sehr gelobt, aber die Beschreibung der Außengestaltung ist grauenvoll: Eine Putzfassade wechselt sich mit weißem Betonteilen und Schiebefenstern ab. Hab ich was verpasst, ist die Altstadt nicht mehr Ensemblegebiet? Ist die Altstadtmauer kein erstklassiges Denkmal mehr? Seit wann "rahmt" man dieses architekturhistorische Aushängeschild so ungeschickt und beliebig ein? Hier werden unsägliche Fehler der 80'er und 90'er Jahre weiterentwickelt, womit sich die Städtebauliche Situation in Sebald weiter verschlimmert. Von Nordost frisst sich eine Flachdach-Beton-Styroporwüste in die Altstadt hinein, was garnicht mal notwendig wäre. Die Sebalder Kontore haben eindrucksvoll bewiesen, wie man in einer Altstadt bauen kann ohne "altbacken" zu designen. Ich bin entsetzt!


    Der zweitplatzierte Entwurf ist aber auch nicht viel besser, Blick von Süden gesehen:


    2. Platz: bogevischs buero, München:
    (Link)



    Visu: bogevischs buero, München


    Zwar wird seitens des Preisgerichts die innere Erschließung weniger gelobt, aber die Fassade aus hellem Backstein wird als abweisend kritisiert. Als wäre eine weiße Styroporfassade einladender.


    Der dritte Entwurf wird direkt als nicht überzeugend abgelehnt:


    Anerkennung: johannsraum Architekten, Nürnberg:
    Link




    Skizzen: johannsraum Architekten, Nürnberg


    Dies ist immerhin ein Entwurf - eines ortsansässigen Büros - der eine Passung zur Altstadtmauer versucht und diese nicht völlig ignoriert. Diesen sollte man weiterentwickeln, nicht die banalen Profitkisten oben.


    Die komplette Dokumentation des Wettbewerbs bieten johannsraum auf ihrer Website an: https://johannsraum.files.word…-dokumentation-170801.pdf


    Klar wird aus meiner Sicht mal wieder, dass der Wettbewerb in der Architektur wohl nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen kann. Klar, Architektur ist Geschmackssache. Aber das wäre zu einfach, denn der kleinste gemeinsame Nenner geschmacklicher Verschiedenheiten ist der gestaltungsbefreite Kubus. Und komischerweise kommt in den Wettbewerben auch fast immer dieser Kubus heraus, wie erst der jüngste bekannte Wettbewerb für den Neubau der AOK am Frauentorgraben gezeigt hat. Wenn stattdessen eine direkte Beziehung zwischen Investor und Architekten besteht und sich weiterentwickeln kann, bekommt man plötzlich ganz andere Ergebnisse. So sind weite Teile unserer teils verloren gegangenen Stadtbilder entstanden. Es gab Hofarchitekten, die nicht nur einzelne Fassaden im Blick hatten sondern ganze Ortsbilder, und diese behutsam weiterentwickeln konnten. Die Bahn, die Post, staatliche Einrichtungen hatten ihre eigenen Architekten und konnten so eine erkennbare Architektursprache entwickeln, so wie sie heute nicht mehr erkennbar ist. Ist ein Neubau ein Bahnhof, ein Stadion oder eine Messehalle? Oft nicht zu erkennen. Der heutige "Wettbewerb" dient i.d.R. nur der Findung der effizientesten Konstruktion. Effizienz ist keine Geschmacksfrage und kann neutral bewertet werden. Und so bekommen die Freunde "klarer Linien" auch zielsicher den "spannenden Kontrast" mit der Umgebung durch einen Kubus geliefert, insbesondere bei kleineren Projekten wie diesem hier. Wozu also der Wettbewerb? 40.000 EUR Preisgelder für einen Schuhkarton. Schonwieder. Die Wettbewerbskonzepte führen meilenweit an gestalterischer Qualität vorbei. Stattdessen führen sie zu gestalterisch verwahrlosten Stadtbildern, in der sich konkurrierende Solitäre aneinander reihen und nichts mehr Bezug zueinander nimmt, es entstehen öde Ansammlung von Kisten, Kartons und Glaskästen. Aber keine Orte mehr mit Identität und zum Wohlfühlen.


    Dieser Siegerentwurf geht leider völlig daneben und gehört nicht 5 Meter neben die Nürnberger Altstadtmauer.