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Alt 08.01.19, 11:36   #1306
arnold
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arnold ist im DAF berühmtarnold ist im DAF berühmt
Ich finde es etwas schwierig Halle an der Saale mit Chemnitz zu vergleichen. Halle hat eine intakte Innenstadt mit nur geringen Kriegszerstörungen und einem in seinen wesentlichen Strukturen erhaltenen Kern. Dort hat man sich zu DDR-Zeiten - statt im Zentrum - lieber in Halle Neustadt ausgetobt. Ebenfalls Fluch und Segen gleichermaßen. Großer Vorteil aber wie gesagt: ein nahezu komplett erhaltenes Zentrum mit Gassen, kleinen Plätzen und einer Architektur, die gewachsen ist. Chemnitz hingegen wurde im Krieg nahezu vollständig zerstört. Die DDR- Ideologie hat ihr übriges getan und die teilweise nach dem Krieg noch erhaltenen Strukturen komplett überformt und in Großstrukturen aufgelöst. Ohne großflächige Abrisse im Zentrum ist dort eine kleinteilige Struktur nicht herzustellen. Am Getreidemarkt wäre das noch am besten möglich gewesen - hier hätte man sich an den Strukturen der Inneren Klosterstraße und der Theaterstraße orientieren können. Kritik am dortigen Neubau-Projekt kann ich verstehen. Allerdings muss man hier auch sehen, wie lange es überhaupt gedauert hat einen Investor für diese Fläche zu finden. Von daher kann ich mit dem Ergebnis im Endeffekt gut leben und hoffe, dass das Projekt auf die Umgebung ausstrahlt. Auch ist der Getreidemarkt aus meiner Sicht der einzige Platz in der Innenstadt, an der zukünftig der Rückbau der beiden Plattenbauten am Rosenhof sowie zur Theaterstraße möglich sein könnte. Alles andere halte ich für politischen Selbstmord und in einer Stadt, die derart gespalten ist wie Chemnitz, für nicht durchsetzbar. Stell dir nur mal vor, wie AfD und ProChemnitz Stimmung machen, wenn eine SPD-Regierung günstigen Wohnraum im Zentrum abräumt, um diese Fläche kleinteilig an wohlhabende Chemnitzer zu verkaufen, die dort mehr oder weniger ihr Eigenheim (in Form eines Stadthauses) hinsetzen?

Ich verstehe den Wunsch nach einer intakten Innenstadt durchaus. Und wie schön wäre es, würde es noch einen kleinen Altstadtteil in Chemnitz geben. Allerdings sind derartige Träume mit der Realität in Chemnitz nicht vereinbar. Auch halte ich das Dresdner Modell (Neumarkt) für nicht zielführend und nicht nachhaltig. Im Grunde sind es ebenfalls nur Großstrukturen, die mit einer Wärmedämmung und etwas Stuck eine Kleinteiligkeit vortäuschen, die es aber überhaupt nicht gibt. Die neue Altstadt in Frankfurt am Main ist für mich ein gutes Beispiel einer nachhaltigen Stadtentwicklung - sowohl was die Konstruktion der Einzelgebäude als auch die Strukturen des Gebietes betrifft. Schaut man sich jedoch die Wohnpreise an, so handelt es sich dabei um ein ziemlich segregiertes Viertel. Das kann in Chemnitz nicht funktionieren.

Was Geschäfte im Bereich der "Ringstraße" angeht: Natürlich machen Geschäfte nicht überall am Ring Sinn - in der Theaterstraße oder im Bereich der Sparkasse hinter dem Tietz wird es auch in Zukunft wohl keinen Einzelhandel geben. Dort fehlen einfach intakte Wegebeziehungen und Wohngebiete, die damit "versorgt" werden könnten. Gerade der Bereich zwischen Tietz und Stefan-Heim-Platz ist aber aufgrund Zenti, Tietz-Kaufhaus, SMAC, Bahnhof und den zahlreichen Regionalbussen aus Süden durchaus belebt. Hier machen Geschäfte schon Sinn und können aus meiner Sicht gut funktionieren. Auch kann das leidende Tietz dadurch profitieren. Dass sich zukünftig der gesamte Einzelhandel ins Internet verlagert, glaube ich ebenfalls nicht. Mir jedenfalls macht Online-Handel keinen Spaß. Ist es nicht eher so, dass man vor allem auf das Internet ausweicht, wenn das Angebot vor Ort fehlt?

Ich habe mir nochmal die Ergebnisse zur "Weiterentwicklung der Innenstadt im Umfeld der Bahnhofstraße und Brückenstraße" von 2015 (https://www.competitionline.com/de/ergebnisse/234622) angeschaut und bin da eigentlich ganz angetan von der Überplanung des Areals zwischen Augustusburger Straße/ DD-Platz und den Schienen durch die Büros Sudio2/ Storch/ EIBS. Weil weiter oben die schlechte Anbindung der Neuen Johannisvordtadt an die "Reststadt" kritisiert wurde.... Durch den Rückbau der unsanierten Plattenbauten neben der Eins-Zentrale und eine Neuordnung des Areals würde eine attraktive Verbindung zwischen Innenstadt und Sonnenberg bzw. zwischen Neuer Johannisvorstadt und Sonnenberg geschaffen werden. Darum gehts: https://abload.de/img/chemnitz2d2f7l.jpg

Geändert von arnold (08.01.19 um 12:26 Uhr)
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Alt 08.01.19, 13:31   #1307
chemnitz_er
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Zitat von arnold Beitrag anzeigen
Ich finde es etwas schwierig Halle an der Saale mit Chemnitz zu vergleichen. ...
Passiert mir selten aber 100%ige Zustimmung zu allen Ausführungen.

Nur eins: Falls ich gemeint war mit "...weiter oben die schlechte Anbindung der Neuen Johannisvordtadt an die "Reststadt" kritisiert...": Ich meinte mit "... dass die Blick- und Laufachsen meiner Ansicht nach nicht stimmig sind." eher die Wegebeziehungen in Richtung eins, Tietz und Stadtwerkehaus, da passen für mich alle Achsen irgendwie nicht - wozu trifft der Weg mittig auf die neue eins-Zentrale, warum steht vorm Übergang zum Tietz (über die Zschopauer) dieses "L" quer usw. Das kst (sogar) beim Technischen Rauthaus irgendwie besser gelöst.

P.S.: "Durch den Rückbau der unsanierten Plattenbauten neben der Eins-Zentrale..." - ist das "beschlossene Sache"?
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Alt 08.01.19, 14:11   #1308
arnold
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^Nein, um Gottes Willen. Nichts beschlossen - deswegen auch "würde"

Der Weg in Richtung neuer Eins-Zentrale resultiert wohl noch aus dem Wettbewerb. Am Johannisplatz hatten die Planer ursprünglich ja eine Weiterführung über das noch unbebaute Grundstück auf die Brandwand des alten Bankgebäudes am Johannisplatz geplant (siehe Modell: https://www.tag24.de/nachrichten/che...rogerie-318758). Diese Planung wird aber zum Glück so nicht umgesetzt. Dass die Straße und somit auch der Blick am neuen Eins-Gebäude bzw. am Hotel-Neubau daneben landet, finde ich allerdings nicht schlimm - zumal die Bahnhofsstraße dort eh breit genug ist. Laut städtischen Planungen soll in Verlängerung der neuen Straße zwischen den Baufeldern ein Fußgängerüberweg über die Bahnhofstraße führen. Wenn der wirklich kommt, dann ist die Wegeführung vollkommen in Ordnung und bietet die Möglichkeit ohne großen Umweg sowohl in Richtung Wall/ Roter Turm oder zum SMAC zu gehen.

Die Wegeverbindung zwischen Tietz und Neuer Johannisvorstadt finde ich auch gut. Welches L meinst du denn? Im Grunde verläuft der neue Weg nur wenige Meter parallel zur heutigen Fußgängerampel an der Zschopauer Straße. Dadurch dass die ZP-Straße ihren breiten Querschnitt verliert, wird es auch einfacher sein, diese zukünftig zu kreuzen. Gut gelöst finde ich auch die Nase, die das Gebäude an der Moritzstraße zum neuen Wiesenplatz ausbildet. Dadurch entsteht ein Platz, der von allen vier Seiten komplett umschlossen ist. Im Zentrum der Stadt - abgesehen vom Markt, ein Novum. Die allermeisten "Plätze" zerfallen in irgendeine Richtung.

Problematisch sehe ich lediglich den Weg (Passage?) durch den Simmelkomplex in Richtung alter Eins-Zentrale. Eine Passage - vor allem wenn da ein eher billiger Supermarkt auf der einen Seite und ein Parkaus auf der anderen Seite des Durchgangs liegen, kann schnell schäbig aussehen und zu einem Angstraum werden. Ich hoffe, dass man die Passagen-Lösung hier wieder verwirft und eine normale Straße zwischen den beiden Baufeldern anlegt. Dann geht diese Wegebeziehung für mich auch vollkommen in Ordnung.
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Alt 08.01.19, 17:58   #1309
lguenth1
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Zitat von arnold Beitrag anzeigen
Alles andere halte ich für politischen Selbstmord und in einer Stadt, die derart gespalten ist wie Chemnitz, für nicht durchsetzbar. Stell dir nur mal vor, wie AfD und ProChemnitz Stimmung machen, wenn eine SPD-Regierung günstigen Wohnraum im Zentrum abräumt, um diese Fläche kleinteilig an wohlhabende Chemnitzer zu verkaufen, die dort mehr oder weniger ihr Eigenheim (in Form eines Stadthauses) hinsetzen?
Bisher ist vorrangig die Linke als Verteidiger der Chemnitzer Plattenbauten aufgefallen - was bei einem kurzfristigen Abriss und dem Ersatz durch Stadthäuser auch richtig wäre. Leider werden aber auch langfristige Perspektiven der Schaffung von Karreestrukturen verbaut, siehe Sanierung des Hochhauses an der Gorgstraße. Würde man die Plattenbauwohnungen an Theaterstraße, Rosenhof und Richtung Brühl einfach nicht mehr neu vermieten, wäre das der Stein der Weisen. Die GGG würde keine Einnahmen verlieren, weil sie Mietinteressenten in andere leerstehende Wohnungen leiten könnte. Deren Angebot ist in Chemnitz so groß, dass auch alle sozial Schwachen problemlos trotzdem Wohnungen finden würden. Ich bin mir sicher, dass innerhalb von vielleicht zehn Jahren die Plattenbauten weitgehend leer wären, da ich gerade in der Innenstadt mit einem hohen Anteil an Ausländern und tendenziell wohl eher älteren Einheimischen von einer großen Fluktuation ausgehe. Und für die Neubebauung könnte man jederzeit eine bestimmte Anzahl von Sozialwohnungen vorschreiben. Wer sollte etwas gegen ein solches Konzept haben? Leider kommt man aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nicht darüber hinaus, den Ersatz der Plattenbauten durch urbane und lebenswerte Neubaukarrees nur in wolkigen Konzepte zu skizzieren, ohne auch nur den geringsten Schritt zur Umsetzung zu unternehmen.
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Alt 08.01.19, 19:59   #1310
arnold
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^Mir geht es hier nicht um "Verteidiger". Der Linken nehme ich es ab, wenn diese den "Lebensraum" Platte schützen. Der Linken kann man am aller ehesten glauben, dass sie sich für die Interessen "des kleinen Mannes" einsetzen. AfD und ProChemnitz - denen der eher sozial schwache Bürger vollkommen egal ist (siehe neoliberales Parteiprogramm der AfD) - würden daraus lediglich schnelles politisches und populistisches Kapital schlagen - was deutlich schlimmer ist. Aber falsches Thema! Was ich damit sagen möchte: Günstigen Wohnraum abreisen und die Flächen teuer weiterverkaufen ist niemals eine populäre politische Handlung. Selbst wenn die GGG die Wohnungen nicht neu belegt und langsam leer zieht: Am Ende steht der Abriss. Ob und wie lange die Dinger leer waren, interessiert dann erstmal nicht mehr - wir leben in postfaktischen Zeiten. Es wird trotzdem günstiger Wohnraum abgerissen. Anders sieht es bei unsanierten Plattenbauten aus. Hier kann man auf Zeit spielen und die Wohnungen dann rückbauen, wenn sie wirklich schäbig sind - von wegen, Sanierung lohnt sich nicht mehr... An der Zwickauer Straße würde ich mir das beispielsweise wünschen. Kennt sich jemand mit den Verhältnissen dort aus? Wurde der Block leergezogen?
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Alt 08.01.19, 22:35   #1311
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^Falls Du die Zwickauer Straße 10/12 meinst: Dieser Plattenbau soll saniert werden, siehe hier im Forum. Da dort eine andere Nachnutzung ausgeschlossen sein dürfte und der aktuell einen extrem schlechten Eindruck macht, halte ich das auch für richtig. Abrisse ohne Nachnutzung zur Minimierung von Leerständen müssen außerhalb des Stadtkerns stattfinden, wobei das momentan in Chemnitz gar kein Thema mehr zu sein scheint.
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Alt 09.01.19, 10:44   #1312
chemnitz_er
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Zitat:
Zitat von arnold Beitrag anzeigen
Welches L meinst du denn? ...
Am unteren linken Bildrand, leicht nach hinten gewinkelt. Es versperrt die Sicht in Richtung Tietz. Aber sowas kann ja auch Vorteile haben, Lärmabschottung beispielsweise.

Sicher kann das so auch funktionieren. Ich finde aber, dass Häuserfluchten und Sichtachsen "schön" sind. "Früher" wurde auf soetwas sehr geachtet. Ich finde z.B., dass die neuen Gebäude (also die meisten) der Chemnitzer Innenstadt für sich betrachtet gut sind, allerdings wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, wenn zentrale Dinge wie Rathaus und Roter Turm von mehr Blickwinkeln gut sichtbar wären.

An neuen rundum gefassten Plätzen fallen mir noch der Düsseldorfer Platz und der Jacobikirchplatz ein, ersterer wird irgendwie stiefmütterlich behandelt, zweitrerer ist inzwischen ja ganz schick.
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Alt 09.01.19, 18:41   #1313
arnold
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^^Ich habe gestern eine Grafik in einer offiziellen Power-Point-Präsentation auf der Homepage der Stadt gefunden, da waren die Plattenbauten an der Zwickauer Straße zugunsten eines Grünzuges verschwunden. Das hat mir ganz gut gefallen und macht aus meiner Sicht dort an dieser Ecke durchaus Sinn. Dafür sollte dann jedoch die gegenüberliegende Seite stärker verdichtet werden. Die Sanierungsankündigung habe ich gelesen - leider ist wohl wieder eine bunte Billigsanierung zu erwarten.

Ich finde die Chemnitzer Architektur auch nicht per se schlecht. Es fehlt allerdings jede städtebauliche Eingebundenheit.
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Alt 09.01.19, 19:11   #1314
ErHaTse
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Zitat:
Zitat von chemnitz_er Beitrag anzeigen
Sichtachsen "schön" sind. "Früher" wurde auf soetwas sehr geachtet.
"Früher" stand der Rote Turm im Hinterhof, die Bretgasse war das, was der Name nahelegt, der Jakobikirchplatz im Norden war halb so breit wie heute, die Straße Am Rathaus nicht existent und auch alle übrigen Wege in der Innenstadt waren schmaler, kürzer und verwinkelter als im aktuellen Stadtbild ersichtlich.
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Alt 10.01.19, 00:15   #1315
Joseph
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Joseph könnte bald berühmt werden
Bevor die Diskussion um die Innenstadt in eine andere Richtung weitergeht, möchte ich noch etwas klar stellen, da ich das Gefühl habe in gewissen Dingen völlig missverstanden zu werden.

Ich bin kein "Ewiggestriger" - auch wenn das vermeintlich so anzukommen scheint.

Ich bin ganz und gar dagegen, eine nicht mehr im Ansatz vorhandene Altstadt gekünstelt wieder aufzubauen. In einem Kontext wie es um die Frauenkirche geschehen ist kann ich solche Entscheidungen zwar nachvollziehen und auch in Breslau gibt es ein gutes Beispiel eines Wiederaufbaus aus den 70er Jahren - sowas wie Berliner Schloss finde ich allerdings absolut bescheuert und auch in Chemnitz wäre das nicht der richtige Weg.

Ich halte es aber dennoch für durchführbar eine große Fläche so zu unterteilen, dass man ein wenig Diversität hineinbekommt und gleichzeitig stadtplanerisch sich ruhig einmal alten Vorbildern widmet - gerade am Getreidemarkt ist hier eine große Chance verpasst worden. Als Vorbild kann die alte Unterteilung dienen, aber eben genauso auch ein völlig neues Konzept, was aber eben die Kleinteiligkeit fördert und eben auch mal die genannten Nachteile der heutigen Innenstadt etwas abmildert.

Auch wegen Investoren mache ich mir da keinerlei Gedanken, alleine schon weil die Lage dort so gut ist, dass manche auch mit kleineren Flächen zufrieden wären. Kleinere Flächen würden womöglich gar die Anzahl der Investoren /Interessenten erhöhen, da diese sicherlich günstiger zu erwerben und bebauen wären - vielleicht gar eine Chance für kleinere Unternehmen.

Da es zur Bebauung des Getreidemarktes keine Diskussionen von wegen "Luwuswohnungen" gab, nehme ich an, dass man auch einen Rückbau von Plattenbauten zugunsten besserer Konzepte durchaus in Betracht ziehen und auch durchführen könnte - allerdings auch nur dann, wenn Sorge getragen wird, dass es nicht NUR Luxuswohnungen werden und die Bürger der Stadt generell von einem schönen neuen Viertel profitieren.

Aber wie schon erwähnt: Ich muss es ja auch nicht mögen. Nur: so wird die Innenstadt halt auch nie ein Anziehungspunkt für mich, andere Bürger oder auch Auswärtige. Da fährt man dann zum bummeln weiterhin nach Dresden und Leipzig, zum spazieren dann halt eher in Richtung Schloßteich, Küchwald oder ins Gebirge. Mir (und anderen) bietet das Chemnitzer Zentrum nichts, was es anderswo nicht auch gibt oder gar besser ist. Zum Einkaufen ist es kein Muss, zum Entspannen nicht geeignet und gastronomisch kommt man an vielen anderen Stellen der Stadt ebenfalls besser unter... so what?

Wie gerne erinnere ich mich da an die weitläufige Fussgängerzone kreuz und quer durch meine Heimatstadt... Was konnte man da alles erleben und entdecken und traf man einen, war es nie weit zu einer der Charakterkopf-Stammkneipen. Auch da gab es große Hauptverkehrsstraßen und auch da wurde zu Kriegszeiten sehr vieles zerbombt und anschließend in typischer West-Manier aufgeräumt und neu betoniert - und trotzdem hat man sich über viele Jahrzehnte eine urbane Innenstadt wieder aufgebaut und gepflegt - bis jetzt zuletzt von ECE ein mehr schlecht als recht funktionierender Einkauftempel mitten in die City gesetzt wurde. Das einzig Gute daran: Eine der Hauptverkehrsstraßen ist nur noch für Busse befahrbar und durch den Neubau entstand eine wunderbare und zur Innenstadt gut passende Straßenschlucht - in einem großen Bogen, der sehr angenehm zu laufen ist. Durch die Kleinteiligkeit ist man fix von A nach B und durch die vielen kleineren und größeren Plätze sind Straßenfeste immer wieder sehr vielfältig und toll zu erleben.

Naja, wäre das der wichtigste Punkt in meinem Leben, so würde ich nicht in Chemnitz wohnen, allerdings wäre es schon nett, wenn sich die Stadt in diesen Dingen etwas positiver entwickeln würde - aber das lässt sich ja offenbar nicht in Zahlen fassen. Wobei ich der festen Überzeugung bin, dass solche Standortfaktoren auf Dauer der Innenstadt und den Geschäften sehr viel zuträglicher wären als die reine Schaffung von wie auch immer geartetem Wohnraum. In meiner Heimat haben nicht die Bewohner der Innenstadt diese belebt, sondern ALLE Bürger.

Gut jetzt. Von meiner Seite her jetzt Ende zu dem Thema. Mein Post ist eh schon wieder viel zu lang geworden...
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Alt 13.01.19, 16:47   #1316
KMS1983
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KMS1983 hat die ersten Äste schon erklommen...
Ich finde eine solche Diskussion sehr angenehm. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin der einzige, den die Stadtentwicklung interessiert.

Zum Plattenbauabriss möchte ich aber auch nochmal etwas sagen. Ich unterstütze solche Konzepte vollends. Und würde mich freuen, wenn auf einer Zeitschiene bis zur nächsten Kernsanierung der Platten am Rosenhof und dem alten Postgebäude eine politische Route vorgegeben würde. Ich sehe nämlich die Platte als Teil des Problems. Man muss ja nicht alle sofort entfernen und damit den sozial schwächeren den Wohnraum nehmen, aber man sollte ihn im Zentrum in einem ausgewogenen Mischungsverhältnis zur Mittel- und gehobenen Mittelschicht vorhalten. Im Moment stimmt das Verhältnis nicht, weshalb die Stadt tagsüber gut besucht wird, Abends aber wie ausgestorben wirkt. Durch die Neubauten hoffe ich, dass sich dieses Verhältnis verbessert. Genügt dies nicht, sollte ernsthaft über den Abriss der ersten Platten in den nächsten 10 bis 20 Jahren diskutiert werden. Ihre Sanierung läge dann auch schon gut 30 bis 40 Jahre zurück und es gäbe genug Zeit alles vorzubereiten.

Neben der Durchmischung sehe ausserdem ein Problem in der Optik der Gebäude. Die wird nicht besser, auch wenn ich sie noch so aufwendig gestalten würde. Eine Bauweise wie in der Mittelstandsmeile, kleinteiliger und abwechslungsreich hat eine viel angenehmere räumliche Wirkung. Für grössere fehlt es in Chemnitzer Zentrum, zumindest im Bereich Rosenhof, Markt und alter Post einfach an Volumen und Platz. Dort sollte man sich wieder auf kleinteilige Bebauung konzentrieren. Der Bereich Joahnnisvorstadt bis Stadtwerkehaus und Theterstraße Richtung Thetaterplatz kann für große Klötzer genutzt werden. Dort passt auch wieder Raumwirkung und Dimension.

Und wenn ich mal schwelgen darf.

Das wäre dann auch wieder eine Rückbesinnung auf die Stadtgeschichte. Der alte Kern innerhalb der Stadtmauer wird wieder etwas kleinteiliger mit gewünschten Plätzchen, Nieschen, Gassen. Ab dem Stadtring wird es wieder größer, offener, weiter. Das wäre ein Konzept was mir sehr gefallen würde und was Chemnitz sicherlich auch überregional Bekanntheit verschafft. Denn was man deutlich sehen kann ist, dass die Städte, die ihre Altstadt wieder aufgebaut haben deutlich an Bekanntheit und Beliebtheit gewonnen haben. Und ich meine jetzt nicht, dass wir es 1 zu 1 wiederaufbauen sollten ala Neumarkt oder Frankfurter Römer. Aber die Kernstadt, wie es sie bis 45 auch optisch gab, sollte unbedingt wieder hergestellt werden und das als Vision für unsere Stadt zu sehen, fände ich persönlich grandios.
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Alt 13.01.19, 17:33   #1317
DieJugend
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DieJugend hat die ersten Äste schon erklommen...
KMS, ich finde die Disskussion ebenfalls sehr angenehm und nein, nicht nur du interessierst dich für die Stadtentwicklung, bzw. für die Bebauung. Hätte ich die Millionen, würden diese sich schon längst in Gebäuden wiederfinden
Ich gebe dir Recht, das zumindest im Innenstadtkern die Platten weg müssen. Ich erinnere mich noch als kleiner Stift, der in die große Stadt gefahren ist und das erste was er sieht, wenn er aus Richtung Annaberger Straße kam, waren riesige hässliche Platten (die leider immernoch stehen). Das Beste Beispiel wie es um das Zentrum steht ist die Beschwerde eines Anwohners am Rosenhof, dass ab 10Uhr der Springbrunnen aufgrund Ruhestörung abzustellen sei. Die Stadtverwaltung ist eingeknickt und der Brunnen ist aus. Sowas spricht Bände und zieht sich wie ein roter Faden fast durchs gesammte Zentrum.

Zum Thema Park am Tiez. Hier muss ich nochmals einlenken. Danke lguenth für die Visualisierung. Es ist ja eine kleine Fläche zwischen Neubau und Tietz eingeplant. Dieser Platz sollte auch hochwertig angelegt sein und nicht wie die Fläche an der alten Markthalle, die von Jahr zu Jahr immer mehr verwaist.

Bis dahin bleiben wir gespannt was kommt und nicht kommt. Ich hoffe das viel von dem angedachten Konzept kommt, vorallem im Bereich "Nischl" - Brückenstraße, StraNa, Tietz, Johannisvorstadt.
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Alt 19.01.19, 21:39   #1318
(dwt).
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Bei den drei Leerstehenden Häusern, Theaterstraße 31, 33 & >35<, welche als Sanierung angekündigt wurden, tut sich bis dato noch nichts.
Nun tut sich etwas bei dem Eckhaus, Theaterstraße 35.
Ein Bauzaun ist an der Seitenstraße (Straße: Getreidemarkt) aufgestellt und eine Schuttrutsche am Gebäude.
Bei den beiden anderen Nachbarn war noch nichts genaueres zu sehen.
__________________
((-yt-))
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Alt 22.01.19, 12:06   #1319
arnold
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Nach Zara gibt nun auch Xquisit die Filiale an der Zenti auf.

https://www.bild.de/regional/chemnit...9698.bild.html

Ich hatte es schon vor einiger Zeit mal angebracht: Ich fordere für die Innenstadt ein Innenstadtmanagement, das ähnlich einem Zentren-Management funktioniert. Aus meiner Sicht wäre ein gemeinsames Management mit der Galerie Roter Turm sinnvoll. Eine Konkurrenz der Galerie zur Innenstadt schadet im Endeffekt auch der Galerie selbst.

Während der oben verlinkte Artikel vor allem die gefühlte Unsicherheit als Grund sieht, fordert die IHK im folgenden Artikel eine Erhöhung der Einzelhandelsflächen in der Innenstadt. https://www.bild.de/regional/chemnit...2246.bild.html
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Alt 22.01.19, 14:18   #1320
kt_kb
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kt_kb sitzt schon auf dem ersten Ast
Ich sehe es ähnlich wie die IHK: das Publikum kommt erst mit dem Angebot. Und das stimmt aus meiner Sicht in der Innenstadt gerade für die Preisklasse, die Xquisit bedient hat, überhaupt nicht. Mit Einschränkungen wird dort vorwiegend das Niedrigpreissegment bedient.
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