Stadtgestaltung/ -entwicklung

  • Osiris: Man kann natürlich der Ansicht von Herrn Soénius sein. Dieser vertritt als IHK Präsident natürlich auch die Interessen der Industrie, also ist bauen damit tendenziell immer gut. ;)


    Albert Speer hat ja durchaus mehrfach bergründet warum er den großen Wurf nicht in seinen Masterplan mit aufgenommen hat. Er hält, nach Jahren der "offenen Wunde" im Herzen der Innenstadt, durch die Nord-Süd-Stadtbahn, eine weitere Baustelle auf Jahre hinaus, den Kölnern für nicht vermittelbar.


    Der Artikel aus dem Spiegel kann mich nicht wirklich überzeugen. Ich denke, die Fehlplanung liegt vielmehr am falschen Areal, wie man dem Artikel im übrigen auch entnehmen kann. Selbst wenn man landestypisch gebaut hätte wäre das wohl ein Flop geworden. Diese Fehlplanungen und Geisterstädte finden sich übrigens überall in China und zeugen wohl eher von den Unfähigkeiten der Städteplaner vor Ort.


    Wie der chinesische Stadtplaner in dem Artikel selbst beschreibt scheitert das Projekt an der mangelhaften Infrastruktur. Zitat: "Die Neubausiedlung liegt abgelegen, umgeben von Industrie- und Brachflächen. Zum Rest der Stadt verhält sie sich "wie ein Fremdkörper"."


    Hier mal ein Link zu Google Maps und dem aktuellen Zustand des Areals "Gürzenich-Quartier":


    http://g.co/maps/3npf5

    2 Mal editiert, zuletzt von RainerCGN ()

  • An dieser Stelle mittelalterliche Altstadt nachzuahmen, in direkter Nachbarschaft zum Interconti, würde vermutlich einfach nur dämlich aussehen.


    Um das noch klarzustellen: Mit Kleinteiligkeit meinte ich nicht, hier irgendeine Mittelalterkulisse aufzubauen, sondern den Baukörper zumindest äußerlich in kleinteilige Abschnitte zu unterteilen (wie Osiris schon beschrieben hat). Diese können durchaus modern ausgeführt sein, hochwertige Materialien wie Naturstein oder Klinker wären dabei natürlich wünschenswert. Das Dominium ist da das reizvollste (und wenn ich mich nicht irre momentan einzige) Beispiel. Zumindest in der Altstadt halte ich derartige Ideen für absolut angebracht und erforderlich. Es wird in absehbarer Zukunft noch eine Reihe weiterer Bauvorhaben in der Innenstadt geben, wo diese Thematik auch interessant wird. Als Beispiel sei da nur mal das Planungsgebiet zwischen Unter Goldschmied/Am Hof genannt. Nicht auszumalen, wenn dort ein komplett uniformer Neubaukörper reingeplant würde.

  • Hallo, ich habe in einem Beitrag aus einem Berliner Thread den folgenden Link zu einem Neubauprojekt gefunden. Hierbei handelt es sich um eine kleinteilige Bebauung was die Fassadengestaltung angeht. Natürlich handelt es sich hierbei um Luxuswohnungen. Ich wüsste trotzdem gern was ihr davon haltet!


    http://www.kronprinzengaerten.de

  • Rainer Ich kann dem von dir geposteten Beispiel auch durchaus etwas abgewinnen. Könnte mir in Köln so etwas durchaus in einem neuzubebauendem Block mit vornehmlich umgebender Gründerzeitbausubstanz vorstellen.

  • Dieses Bauprojekt gefällt mir wirklich sehr sehr gut!


    Hätte man doch architektonisch lieber sowas an den Rudolfplatz gesetzt als das im Gegenzug dazu "langweilige" Westgate-Gebäude. Hätte im Essemble mit einer Umgestalteten "Insel" (Grundstücke zwischen Ring, Rudolfplatz und Pilgrimstraße) doch etwas sehr anspruchsvolles abgegeben.


    Hoffen wir, dass die Kölner Städteplaner sich davon immerhin etwas abgucken!

  • Ich finde es interessant, dass die Umsetzung eines solchen Entwurfes überhaupt in Erwägung gezogen wird. Normalerweise wird die Verwendung der Formensprache des 19. Jahrhunderts direkt von den Kritikern zerfetzt. Mir gefällt der Entwurf hingegen sehr gut, wenn auch die Friedrich Werdersche Kirche etwas bedrängt wird und die Bewohner der zweistöckigen Häuser sich auf Grund der Nachbarbebauung wie auf einer Bühne fühlen dürften.
    Für Köln ist etwas Vergleichbares aus meiner Sicht aber leider undenkbar. Dafür sind die Vertreter der zeitgenössischen Architektur hier viel zu stark. So ein Entwurf würde direkt als rückwärtsgewandt und der "modernen Metropole" Köln nicht angemessen verworfen. Statt dessen entsteht dann halt so langweilige Blockbebauung wie des Westgate oder das geplante Gürzenichquartier.

  • Rainer: Finde dieses Projekt absolut interessant und bereichernd. Ich denke es trifft das, was in diesem Strang hier zum Teil schon aufgegriffen wurde. Kleinteilige Townhouses sind ein in Berlin verbreitetes und kontrovers diskutiertes Thema. Die Kölner Innenstadt könnte vergleichbare Projekte mehr als gebrauchen (wobei ich jetzt die Fassadenarchitektur noch extra diskutieren wollte). Von daher: :daumen:


    Bevor wir das jetzt aber mit einem "Oh wie toll, da sollen sich die Kölner Stadtplaner aber mal eine Scheibe abschneiden" enden lassen, möchte ich gerne in die Runde fragen: Wo konkret könnte sich so etwas in Köln umsetzen lassen? Wo gäbe es dafür Nachfrage? (gerade im Hinblick auf das Preissegment). Gäbe es hierfür auch Entwicklungsmöglichkeiten jenseits der Luxus-Schiene?


    Eklektizist: Grundsätzlich gebe ich dir recht, allerdings findet man auch in Köln Projekte mit historischer Formensprache, als Beispiele mal "sülz pur" (in Beitrag #68) oder das Aggripina-Palais im Gerling-Quartier.

  • Wo konkret könnte sich so etwas in Köln umsetzen lassen? Wo gäbe es dafür Nachfrage? (gerade im Hinblick auf das Preissegment). Gäbe es hierfür auch Entwicklungsmöglichkeiten jenseits der Luxus-Schiene?


    Was mir so spontan in den Sinn kommt:


    Ein solches Wohnquatier könnte man , wie im Berliner Beispiel, auf dem Gelände am Grünen Weg in Ehrenfeld bauen (dort, wo bis vor einiger Zeit noch die Papierfabrik stand etc). Nur ob dort Luxuswohnungen Sinn ergeben würden ist fraglich.


    Ansonsten wäre ein solcher Baustil (jetzt mal weg von der Luxuswohnungschiene) eine gute Alternative zum geplanten Gürzenich Quartier abgeben. Vielleicht ein paar Stockwerke weniger als im Berliner Beispiel, damit der Gürzenich nicht ganz so verschwindet.


    Desweiteren , wie von mir genannt, die Insel am Rudolfplatz, als passendes Gegenüber zu den Fassaden auf der Nordseite.


    Was mir auch noch einfällt wäre das Gründstück am Kümpchenshof , wo momentan nur der Parkplatz und die Würstchenbude stehen. Allerdings hör ich da schon die Kritiker, dass ein solcher historisierender Baustil nicht zum Mediapark passt. Vom Ring aus betrachtet würde es sicher gut zur dort bestehenden Alltbaustruktur passen und die häßliche Lücke schließen.


    Liebe Grüße,
    Toni

  • Sowas wäre sicher toll für den Block "An den Dominikanern"-"St. Andreas"-"Marzellenstr.", der wird von einem wuchtigen 70er-Bürogebäude zerschnitten. Weg damit, und in dieser Premiumlage ein solches Projekt.


    Gerne - oder eigentlich sogar noch lieber - auch die komplette (bis auf das Fremdenverkehrsamt) Zeile "Burgmauer"-"Komödienstr.". Gehört vor allem im westlichen Abschnitt hinter der Treppe zur Burgmauer mit zum übelsten in der Domumgebung, wie ich finde. Dort ein solches Ensemble mit Penthouses und Dachgärten... wow!

  • Super. Ganz klar.


    Ich würde mich sogar mit einer der Fassaden zufrieden geben im Tausch zu anderen Einheitsbrei bei Neubauten in Köln. Gefallen mir sehr sehr gut!

  • Vorschlag Bürgerhaushalt

    Hi,
    ich habe mal so aus einer Laune heraus einen Vorschlag bezüglich der Fassadenverschönerung im Bürgerhaushalt abgegeben. Was haltet Ihr davon?


    [EDIT] Nach weiterer Beschäftigung mit dem Bürgerhaushalt befürchte ich, dass dieser Vorschlag nicht in die diesjährigen Kategorien fällt. Nun, vielleicht merkt's die Stadt ja nicht :) [/EDIT]


    ANFANG VORSCHLAG



    Viele Straßenzüge in Köln sind von Nachkriegs- oder misshandelte Vorkriegsbauten durchsetzt und bieten ein uneinheitliches, oft auch hässliches Bild dar. Man betrachte bspw. die Ringe, die an vielen Stellen gerade aufgrund der Fassaden und trotz geplanter Umgestaltung weit weg sind von einem Großstadt- Boulevard.
    Mein Vorschlag:
    - Man nehme einen Prämientopf mit einer bestimmten jährlichen Summe von bspw. 200.000€
    - Man prämiere alle Fassadenneu- und -umgestaltung, sowie Restaurierungen und Sanierungen eines Jahres (ggf. nur im Innenstadtbereich) nach ästhetischen Kriterien durch eine Jury (Künstler, Historiker, Politiker, Verwaltung, Bürger)
    - Die Fassaden werden mit den Kategorien A, B und C prämiert
    - Unter den Werken, die zur A- Kategorie gezählt werden, werden 3/4 des Prämientopfes ausgeschüttet, wobei kein Werk mehr Geld bekommen darf, als es gekostet hat (und optional nicht mehr als eine festgelegte Obergrenze, bspw. 30.000€). Der Rest wird unter den Werken der B- Kategorie ausgeschüttet. C erhält nichts.


    Bsp.:
    - Im Jahr 2012 werden 34 Häuserfassaden neugestaltet.
    - 5 davon werden als A- Kategorie prämiert, 10 weitere als B- Kategorie.
    - Für die A- Kategorie stehen von 200.000€ Prämiengeldern 150.000€ zur Verfügung.
    - Von den 5 Häusern hat die Fassadengestaltung bei einem 30.000€ gekostet, und bei den anderen 20.000€. Das sind 110.000€.
    - Ausgeschüttet werden also 110.000€, der Rest von 40.000€ bleibt bei der Stadt
    - Die Fassaden der 10 weiteren Häuser würden zusammen zwar eigentlich 100.000€ gekostet haben (also 10.000€ pro Fassade), aber es sind nur 50.000€ für die B- Kategorie vorgesehen (1/4). Daher erhält jedes Werk nur 5.000€.


    Klärende Fragen:
    Warum eine Prämierung, und kein Wettkampf?
    Bei einem Wettkampf gäbe es nur einen Gewinner und vielleicht noch zwei weitere, die sich für Gelder qualifizieren würden. Das ist keine besonders große Motivation. Eine Prämierung begrenzt die Zahl der Gewinner dagegen nicht, wohl aber das aufzuteilende Prämiengeld


    Warum wird der Gewinn auf die Selbstkosten und ggf. eine Obergrenze begrenzt?
    Um Absprachen zwischen Hauseigentümern zuvorzukommen, werden die Gelder nur voll ausbezahlt, wenn sich genügend Fassaden qualifizieren. Außerdem sollen nicht nur Großbaustellen, oder absolute Luxussanierungen von der Prämierung profitieren, deshalb wird eine Obergrenze festgelegt.


    ENDE VORSCHLAG

    Einmal editiert, zuletzt von So_Ge ()

  • Ich finde den Kommentar unter dem eigentlichen Vorschlag sehr interessant!
    Zumal in letzter Zeit einige Fassaden oder Mauern durch Kunstwerke aufgehübscht wurden.
    Spontan fällt mir das Gebäude ein, an dem man bei der Einfahrt in den Kölner Hbf auf Gleis 1 vorbeikommt.


    Über Geschmack lässt sich allerdings streiten... Es gibt bestimmt gute und schlechte Vorbilder dafür.

  • Den Kommentar hatte ich noch gar nicht gesehen.
    Nun, Graffiti ist auch ein interessanter Aspekt. Das Festival City Leaks im September hat da ja schon einige schöne Dinge produziert.
    Aber das war eigentlich nicht Grundlage meiner Idee. Ich dachte da eher an "echter" Fassadenverschönerung, so in Richtung moderner, oder aber auch - wenn's passt - historisierender Ornamentik und Vielschichtigkeit.
    Modernes Bsp. wäre am Hansaring zu finden, das Haus mit den herausstehenden Ecken. Historisierende Beispiele findet man eher in Form von Sanierungen, wie in der Ehrenstraße.
    Der Ansatz sollte auf jeden Fall "unparteiisch" bezüglich eines bestimmten Stils sein, allerdings sehr wohl den Stil der Umgebung mit berücksichtigen.
    NUR: Ein Stil sollte halt trotzdem erkennbar sein, um die unzähligen weißgetünchten Fassaden moderner Bauart zu vertreiben.

  • In Potsdam wird gegenüber der Schinkel-Kirche ein Neubauviertel errichtet. In Potsdam meinen sie mehrheitlich, dass sich die neuen Gebäude an dieser zentralen Stelle auf den Dom und das bald wieder errichtete Schloss und nicht auf benachbarte Fünfzigerjahre- oder Sechzigerjahrebebaung beziehen sollte. Deswegen an dieser ausgewählten Stelle Kleinteiligkeit und tradierte Formensprache - privat finanziert.


    http://www.pnn.de/mediathek/589561/1/


    Der Markt ist meiner Meinung nach für die Versäumnisse in Köln kein Argument. Im Kölner Gerling-Quartier kostet ein Quadratmeter Wohneigentum ab knapp 4.000,00, bis hoch zu 12.000 Euro. Das liegt über dem Nivau Berlins im Luxussegment. Das Gerling-Quartier ist ein hervorragendes Beispiel in der Kölner Innenstadt für den traditionsbewussten Umgang mit dem Bauerbe, dass sich am Markt durchsetzen wird. Solche Beispiele wünschte ich mir mehr für Köln. Neben dem Gürzenich-Quartier ist für mich die lustlose Bebauung des mittelalterlichen Waidmarkts eines der größten aktuellen Versäumnisse. Die Bebauung des Rudolfplatzes wird der nächste große Test sein. Möchte man hier Druck auf die Stadt erzeugen, um mal eine ambitionierte Ausschreibung an den Start zu bringen, braucht es wohl eines Vereins. Sonst entsteht hier, so meine Prognose, WEST GATE II.

  • Monade Auch wenn ich solchen Projekten wirklich einiges abgewinnen kann - so fürchte ich, man würde dies in Köln, wie fast üblich - pauschal als "Disneyland" abtun. :mad:

  • Möchte man hier Druck auf die Stadt erzeugen, um mal eine ambitionierte Ausschreibung an den Start zu bringen, braucht es wohl eines Vereins

    :daumen:


    Wo kann ich mitgründen?:D

  • Sehr interessante Diskussion hier!


    Ich möchte dazu ergänzen:


    1) In Köln gibt es, so glaube ich, ein Interesse an einer visuell anspruchsvollen Stadtgestaltung. Als Beispiel möchte ich die (meines Erachtens architektonisch attraktive) Neustadt-Süd nennen.
    Hier gibt es Bürgerinterventionen z.B. bzgl. der Gestaltung des Chlodwigplatzes oder der Bebauung des ehemaligen Brauerei-Geländes (eine weitere Chance attraktiver Neubebauung).


    2) Häufig überlagern soziale und infrastrukturelle Fragestellungen (Schule, Kindergarten oder Supermarkt) aber die gestalterischen. Zudem habe ich den Eindruck, dass der Glaube exisitiert "visuell anspruchsvolle" und "sozial verträgliche" Bebauung stehen sich ausschließend gegenüber. Da neigt der Kölner sich eher sozialen Strukturen zu, als vermeindlich "exklusivem".


    3) Auch schlichte Bebauung (z.B. Fritz-Hecker-Str., Raderberg) verkauft sich blendend. Offensichtlich nutzen die "Nachfragenden" nicht die Chance, den Markt zu bestimmen. Ich würde nicht in optische Trivialarchitektur investieren,
    aber da bin ich wohl in der Minderheit.


    4) Ein für micht sehr interessanter und entscheidender Aspekt: In der Kölner Presse findet meines Erachtens kaum eine globale Diskussion über Kölner Stadtentwicklung statt.


    Die lokale Zeitung mit dem roten Logo berichtet regelmässig über Kölner Architektur, allerdings in der Form welcher Tourist den Kölner Dom auf welche Weise fotografiert. Hier besteht die flächenmässig drittgrößte Stadt zu 90 % aus dem Kölner Dom. Dann ein bischen Aktuelles wie schön alles wird (Oper, Rheinboulevard und etwas Kritik über etwaige Verzögerungen).


    Die beiden Zeitungen mit den blauen Logos berichten differenzierter über Bauvorhaben und zum Teil auch durchaus kritisch. Aber eher punktuell und selten im Sinne einer globalen Richtungsdiskussion im historischen Kontext der Stadt.


    Manchmal braucht es ein Schlüsselerlebnis um das Interesse an der Stadt zu entfalten. Bei mir war es, ganz nebenbei, als ich recherchierte, ob Hoffnung bestünde, dass die Dom-Seniorenresidenz (Kölner Stadtplanung ist nicht besser karrikierbar!) bald abgerissen würde, um festzustellen, das es sich um einen neueren Bau handelt! :nono:
    Als vor ein paar Wochen ein Interview des damaligen Stadtkonservators erschien, mit dem Tenor, dass "Altes bewahrt werden müsse", war mir das sogar einen Leserbrief wert.


    Ich würde mir mal eine Schlagzeile wünschen "Kölner, soll so eure Stadt aussehen?" mit einem Bild der Seniorenresidenz. Aber stattdessen zum 1000sten Mal "Wat is der Dom schööön"...;)