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Alt 21.12.12, 03:44   #31
dj tinitus
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dj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nettdj tinitus ist einfach richtig nett
@lemonhist:
wenn's so ist, nehme ich alles persönliche zurück und formuliere es allgemeiner: die erfahrung zeigt, dass nichts so heiß gegessen wie gekocht wird.

die ddr-altschulden der lwb sind in der tat ein großes problem, welches das unternehmen zeitweise bis an den rand seiner handlungsfähigkeit gebracht hat. deswegen fielen und fallen die sanierungen der lwb-bestände quantitativ wie qualitativ zumeist eher bescheiden aus. die sogenannte abrissprämie schafft hier besserung. vor allem, seit sie endlich nicht mehr für altbauten gezahlt wird. denn - und hier schließt sich der kreis - sind diese altschulden ja nichts anderes als die verschleppten kosten für den (staatlich verordneten) bau der plattensiedlungen. wie wirtschaftlich sinnvoll das war, hat stahlbauer bestens zusammengefasst.

zu den blackstone-käufen in grünau: irgendwo müssen solche fonds ja ihre gelder parken. denen gehört doch auch das hotel astoria. viel interessanter ist, dass sie die wohnungen aus der insolvenzmasse der level one-gruppe erwarben. falls die je geglaubt hatte, in grünau geld verdienen zu können, dann hatte sie sich wohl getäuscht. genau wie der vorbesitzer baywobau, an den die lwb die wohnungen in den 90ern verkaufte, um ihre ddr-altschulden zu senken...

...das klingt irgendwie nicht nach einer erfolgsgeschichte (außer für die lwb).
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Alt 21.12.12, 11:10   #32
LE Mon. hist.
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LE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfachLE Mon. hist. braucht man einfach
Warum verkauft dann z.B. die LWB ihre Bestände, die sie selbst nicht sanieren kann bzw. will, im "Stadtumbaugürtel" nicht? Interessenten scheint es ja zur Zeit wieder zu geben, siehe den aktuellen Kauf von 978 Wohnungen in Plattenbauten in Halle an der Saale durch die Ulmer Grundbesitzgesellschaft Monarchis, die 2008/09 bereits 427 Wohnungen in der Zingster Straße 12 bis 30 erworben hatte, oder den Verkauf der TLG Wohnen oder das Gerangel um die Dresdner Woba.

Als Überschlag gehe mal von einem Kaufpreis von ca. 30.000 EUR für eine teilsanierte Wohnung im industriellen Wohnungsbau aus ( http://www.deutsches-architektur-for...897#post328897 ). Dem stehen bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 50 m² und dem besagten Zuschuss von 70 Euro pro Quadratmeter abgerissener Wohnfläche 3.500 Euro Abbruchprämie minus die Abbruchkosten entgegen. Die Grundstücke werden ja in den WK 7 und 8 anders als etwa in Schönau in den nächsten Jahren kaum neu zu bebauen und zu verkaufen sein, sind damit auch nur sehr begrenzt "wertvoll".

Offenbar fürchtet man Konkurrenz im eigenen Hinterhof. Um nicht falsch verstanden zu werden: Mir sind Wohnungen im Besitz der LWB oder der Genossenschaften viel lieber als z.B. von Fonds oder Private-Equity-Gesellschaften. Aber wenn die Wahl zwischen Abbruch und Verkauf fällt, dann erscheint mir wie auch bei den Gründerzeitbeständen ein Verkauf und eine anschliessende Sanierung durch andere sinnvoller.

Nachtrag: Bei der LWB hat sich die Frage erledigt, die hat nur eine recht überschaubare Anzahl leerstehender Wohnungen in Grünau.

Aktueller Wohnungsleerstand in Großsiedlungen des DDR-Wohnungsbaus
http://notes.leipzig.de/appl/laura/wp5/kais02.nsf/docid/4D2ABDD961692737C12579C80047C448/$FILE/V-f-540-antwort.pdf

b. Eigentümer
Die leerstehenden Wohnungen in Grünau verteilten sich Ende 2010:
- zur Hälfte auf Bestände der Genossenschaften,
- zu 40 % auf private Bestände,
- zu 8 % auf Bestände der LWB.
Prozentual weisen die Bestände der privaten Eigentümer (Anteil am Gesamtwohnungsbestand nur 1/3) mit 21 % gegenüber den Genossenschaften (16 %) jedoch eine deutlich höhere Leerstandsquote auf.

Bei einem Gesamtleerstand von ca. 4.700 WE am Ende 2010 sind dies etwa 2.400 leerstehende Wohnungen der Genossenschaften, 1.900 der privaten Eigentümer und 380 der LWB. In Schönau werden nun 291 Wohnungen abgerissen und vermutlich sind nicht wenige der 126 Mietparteien, die innerhalb Grünaus neue Wohnungen fanden, bei der LWB als Vermieterin geblieben.

Im online-Katalog der LWB werden aktuell 211 Mietwohnungen im Stadtbezirk West angeboten. Stadtweit sind es derzeit 1642 Mietangebote, d.h. 13 Prozent der aktuellen LWB-Angebote liegen in West.

Laut http://www.lwb.de/unternehmen/die-lw...en-und-fakten/ hatte die LWB am 1.8.2012 im Stadtbezirk West einen Bestand von 1018 sanierten und 2676 teilsanierten Wohneinheiten, insgesamt also 3694 Einheiten. Dies entspricht den Zahlen, die im April 2011 im Zusammenhang mit dem Verkauf an Brack Capital veröffentlicht wurden. In diesem Paket waren keine Wohnungen in Grünau.
http://www.lvz-online.de/leipzig/cit...s-a-83754.html

Geändert von LE Mon. hist. (21.12.12 um 13:55 Uhr)
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Alt 21.12.12, 13:36   #33
LE Mon. hist.
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Eigentümer_innen in Grünau

Die Studie des UFZ "Grünau 2009. Einwohnerbefragung im Rahmen der Intervallstudie
„Wohnen und Leben in Leipzig-Grünau“ - Ergebnisbericht" ( http://www.ufz.de/export/data/1/2557...ht2010_web.pdf ) nennt 14 Eigentümer_innen in Grünau, wobei die "in Zwangsverwaltung" hierfür nicht relevant sein dürfte:

Kommunale Wohnungsunternehmen
- LWB - ca. 3.400 Wohneinheiten

Genossenschaften - insgesamt ca. 15.000 Wohneinheiten
- VLWG
- Pro Leipzig
- BGL
- Kontakt
- Unitas
- Wogetra
- Lipsia

Eigentumswohnungen - ???

Private Wohnungsunternehmen - insgesamt ca. 9.000 Wohneinheiten
- Gutburg: http://www.gutburg.de/leipzig, Bestand: mehr als 4.000 Wohnungen, aktuell 69 Wohnungen im Mietangebot
- Krulich (B+K): http://www.krulich.de/
- Atira, mittlerweile Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH: http://www.berlinovo.de/de
- WVB Centuria GmbH: http://www.wvbcenturia.de/

Hinzukommen wie schon gesagt seither mindestens noch
- die Ulmer Grundbesitzgesellschaft Monarchis mit 427 Wohnungen
- Blackstone Group L.P. mit 926 Wohnungen

Ob unter den 94 Häusern mit 1.251 Einheiten in und um Leipzig, die das Investmentfondsmanagementunternehme n Cerberus Capital Management ( http://de.wikipedia.org/wiki/Cerberu...tal_Management) im April/Mai diesen Jahres von der Speymill Deutsche Immobilien Company (SDIC) übernommen hat, auch Wohnungen in Grünau sind, weiß ich leider nicht.

Geändert von LE Mon. hist. (21.12.12 um 14:19 Uhr)
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Alt 21.12.12, 14:50   #34
raubbau
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raubbau könnte bald berühmt werden
@Stahlbauer
Mit Ureinwohnern meine ich die Menschen, die zwischen 1977 und 1989 hier eine Wohnung bekommen haben und heute noch hier wohnen, weil sie diesen Stadtteil als Heimat empfinden.
Ich weiß nicht, was Du unter „normal arbeiten“ verstehst aber ich interpretiere das jetzt mal als Kritik am Dogma der industriellen Bauweise. Aber eben durch diese auf rein industrielle Herstellungsweise ausgerichteten Baupolitik war keine andere wirtschaftliche Lösung möglich. Als man zu Beginn der 1980er Jahre mit der gezielten Altbaumodernisierung begann, waren die Kapazitäten schon weitestgehend erschöpft und die Substanz in ihrer Gesamtheit kaum noch zu retten. Das ist historischer Fakt und kann auch nicht schön geredet werden aber gerade aus der Sicht von heute würde ich mir gegenüber der Vergangenheit etwas mehr Gelassenheit und distanziertes Gesamtverständnis wünschen.

@djtinitus
Das mag jetzt zwar zynisch klingen aber mir sind vor allem die Selbstmorde im Gedächtnis geblieben, die aufgrund der katastrophalen Wohnsituation in den Altbauten begangen wurden. Umzüge nach Grünau wurden dagegen ausgelassen gefeiert. Vom Warmwasser-Badewannen-Tourismus aufgrund nicht zu zahlender Nebenkosten will ich hier gar nicht weiter schreiben...

@cowboy
Grünau ist durch die bereits weiter oben im Thema genannte Intervallstudie der am besten beleuchtetste Stadtteil Leipzigs. Aufgrund der Bedingungen, die an eine Wohnungszuweisung in Grünau geknüpft waren, gab es eine vollkommen andere demographische Zusammensetzung der Bevölkerung als in den alten gewachsenen Stadtteilen, mit all seinen spezifischen Folgen. Lies mal nach, dann findest auch Du die richtigen Antworten.



Ich halte Grünau generell für einen liebens- und lebenswerten Stadtteil von Leipzig, der – wie alle anderen Viertel auch – seine individuellen Vorzüge und Probleme hat. Der aus den alten Bundesländern eingeschleppte Irrglaube industrielle Bauweise=billiger sozialer Wohnungsbau=Randgruppenghetto sollte sich mittlerweile eigentlich überholt haben. In die Mottenkiste gehören ebenso die absurden Schaugefechte Platte versus Gründerzeit. Auf lange Sichten werden sich die Qualitäten, die Grünau besitzt durchsetzten und sich neue eigene urbane Qualitäten einstellen.

In diesem Sinne frohe Weihnachten zusammen!
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Alt 21.12.12, 14:59   #35
Saxonia
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Ich glaub Stahlbauers "normal arbeiten" bezog sich eher ganz allgemein auf so gängige planwirtschaftliche Praktiken wie bspw. Arbeit für 1 Person von 3 erledigen zu lassen, weil es offiziell keine Arbeitslose geben darf.

Geändert von Saxonia (21.12.12 um 16:04 Uhr)
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Alt 21.12.12, 15:12   #36
DaseBLN
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@raubbau: ich kann jetzt nicht für Leipzig sprechen, da ich 19 Jahre im Plattenbau in Grimma gewohnt habe, aber dort war es ganz einfach so, dass, nachdem man zu DDR-Zeiten überglücklich war, eine solche Wohnung zu erhalten, weil es meist die einzige Möglichkeit war, Fernwärme und eine ordentliche Toilette zu erhalten, in den Neunzigern jeder, der konnte, so schnell wie möglich aus der Plattenbausiedlung weggezogen ist. Natürlich gibt es Rentner, die bleiben, aber das hat weniger mit der Qualität der Siedlungen zu tun als vielmehr mit der Tatsache, dass man in einem gewissen Alter nur schwierig mit Veränderungen klar kommt.

Ich als jemand, der 19 Jahre im Plattenbau verbracht hat, kann dir jedenfalls versichern, dass mein Unwille, jemals wieder in so etwas zu ziehen, nicht auf einem aus den alten Bundesländern eingeschleppten Irrglauben basiert.

Geändert von DaseBLN (21.12.12 um 15:43 Uhr)
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Alt 21.12.12, 18:56   #37
Klarenbach
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Klarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz seinKlarenbach kann im DAF auf vieles stolz sein
Zunächst einmal will ich noch ein paar Dinge zur Frage anmerken, ob Grünau eine Fehlplanung war. Cowboy hat als Beleg den großen Bevölkerungsverlust in Grünau nach 1990 verwiesen. Dieses Argument ist meiner Ansicht aber nicht stichhaltig, weil es diese Bevölkerungsverluste ja in fast allen Großsiedlungen Ostdeutschlands gab. Diese Entwicklung hatte mehrere Gründe. In vielen, vor allem den jüngeren Großsiedlungen gab es eine Bevölkerung, die einerseits überdurchschnittlich jung und die gleichzeitig überdurchschnittlich qualifiziert war. Diese Bevölkerungsgruppen sind dann nach 1990 in überdurchschnittlichem Maße in die alten Bundesländer abgewandert, und sie haben sich ebenfalls in überdurchschnittlichem Maße Einfamilienhäuser gebaut. Beide Entwicklungen führten zu einer Abwanderung aus den Großsiedlungen. Nennenswerte Abwanderungen aus den Großsiedlungen in die Altbauquartiere gab es dagegen nicht. Zudem waren Großsiedlungen von den ganz normalen "demografischen Wellen" betroffen, die es schon zu DDR-Zeiten gegeben hat. Konkret: Nach Fertigstellung der Großsiedlungen wurden diese vorwiegend von jungen Familien bezogen. Da diese Familien oft noch weitere Kinder bekamen, kam es in den ersten Jahren nach dem Bezug zu einem Bevölkerungswachstum. Es folgte dann eine ca. 15-jährige Phase stabiler Einwohnerzahlen. Anschließend begann ein Bevölkerungsrückgang, weil dann die mittlerweile erwachsenen Kinder die Elternhaushalte verlassen haben.

Aus diesen Entwicklungen lässt sich aber nicht der Schluss ableiten, dass Grünau eine Fehlplanung wäre. Denn diese Entwicklungen gab es auch in Berlin-Marzahn, Berlin-Lichtenberg, Potsdam-Schlaatz, Erfurt-Wiesenhügel etc. etc., und diese Siedlungen haben sich ja auch wieder aufgerappelt. Daher überzeugt mich dieses Argument nicht.

dJ Tinitus hat ein paar konkrete Dinge angeführt, die seiner Meinung nach die Fehlplanung Grünau belegen. Das Argument mit den Tiefgaragen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, da eine Tiefgarage keineswegs zum normalen Standard in den Gründerzeitvierteln gehört. Ich habe Bekannte, die in Leizig im Gründerzeitaltbau wohnen, und die haben keine Tiefgarage und erleben die Parkplatzsuche als ein ziemlich stressiges Unterfangen. In Grünau dagegen gibt es überhaupt keine Parkplatzprobleme. Dieser Punkt spricht meiner Meinung nach eher für Grünau.
Dann zu den Bädern: Einerseits gibt es mittlerweile auch Plattenbauwohnungen mit Bädern mit Fenstern. Andererseits zählt ein Bad mit Fenster auch im Gründerzeitbestand keineswegs zum Standard. Ich habe mir bei Immoscout 24 zahlreiche Leipziger Gründerzeitgrundrisse angeschaut, und sie alle verfügten über ein Bad ohne Fenster. http://www.immobilienscout24.de/expose/31690778
http://www.immobilienscout24.de/expose/31164946
http://www.immobilienscout24.de/expose/30260334
http://www.immobilienscout24.de/expose/32915468Daher finde ich auch dieses Argument nicht stichhaltig. Die Einkaufsmöglichkeiten in Grünau würde ich ebenfalls nicht so schlecht einschätzen, teilweise ist gerade das Angebot an Lebensmittelmärkten in Grünau größer als in Gründerzeitbeständen. Das Angebot an Nachtbars dürfte in Grünau tatsächlich nicht so toll sein, doch wie oft besucht der Durchschnittsbürger eine Nachtbar? Und was die halbleeren Häuser angeht: Wer in der Eisenbahn-, der Wurzner oder der Lützner Straße wohnt, der schaut nicht auf halbleere, sondern komplett leere Häuser. Das diese attraktiver sind, möchte ich bezweifeln. Daher finde ich die Argumente von dj tinitus nicht überzeugend. Es gibt übrigens auch ein paar Vorteile der Grünauer Plattenbauten: Die ruhige Lage habe ich schon erwähnt, weiterhin gibt es bei den meisten WBS 70 - Wohnungen 6 Meter breite Balkone, die in dieser Dimension bei Gründerzeitwohnungen selten sind. Zudem sind die meisten Grünauer Wohnungen ziemlich hell, zumindest deutlich heller als viele Gründerzeitwohnungen.

Meiner Meinung nach ist das Problem nicht, dass Grünau schlecht geplant wurde, sondern dass Grünau ein Imageproblem hat. Wie schon gesagt, ich habe auch Bekannte in Leipzig, und die wohnen allesamt in Gründerzeitwohnungen und sind keineswegs wunschlos glücklich. Dennoch kommt für sie ein Umzug nach Grünau nicht infrage, und das nicht, weil sie zu doof sind, die Qualitäten von Grünau zu erkennen, sondern weil sie noch nie in Grünau waren. Sie kennen Grünau nur aus dem Fernsehen, und da entstehen dann schnell Vorstellungen wie "In Grünau wohnen doch nur die Assis" oder "In Grünau kann man sich im Dunkeln nicht auf die Straße trauen". Solche Vorurteile sind meines Erachtens ein zentrales Problem von Grünau, genauso wie es solche Vorurteile auch jahrelang über Marzahn gab. Wenn sich solche Vorurteile erst einmal auflösen, und in Marzahn ist diese Entwicklung gerade zu beobachten, dann kommt es zu rapide steigenden Zuzugszahlen.

Weiterhin würde ich der These von LE Mon hist. zustimmen, dass es ein steigendes Interesse privater Investoren an Plattenbauten gibt. Dieser Trend ist in Berlin und anderen Städten ganz klar zu beobachten. Für dieses Interesse gibt es mehrere Gründe: Plattenbauten sind bautechnisch in der Regel sehr solide, gerade der auch in Grünau viel errichtete Typ WBS 70 ist ein ausgereiftes Modell, das hunderttausendfach errichtet worden ist und daher kaum Schwachstellen aufweist. Die Sanierung dieses Typs lässt sich sehr gut planen, es gibt keine bösen Überraschungen, wie durchgefaulte Holzbalkendecken oder Schwammbefall, daher werden bei Plattenbausanierungen die Baukosten und die Bauzeiten in der Regel eingehalten. Allerdings schauen sich seriöse private Investoren sehr genau die Lage der Kaufobjekte an. Und da ist es oft so, dass gerade die Randlagen am begehrtesten sind. Hier ist das Wohnen im Grünen besonders gut zu realisieren, gleichzeitig sind Projektentwicklungen in Randlage weniger abhängig von den Entscheidungen der benachbarten Eigentümer. Das Auslaufen der Altschuldenentlastung Ende 2013 wird meiner Einschätzung nach dazu führen, dass etliche Wohnungsgenossenschaften einzelne Bestände, für deren Sanierung ihnen das Geld fehlt, verkaufen werden.

Level One hat übrigens in etlichen Städten Bestände erworben und durch ein unsolides Geschäftsmodell finanziert. Die Level-One-Pleite lag nicht an den Beständen, sondern am Geschäftsmodell.

Geändert von Klarenbach (21.12.12 um 19:40 Uhr)
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Alt 21.12.12, 19:43   #38
Stahlbauer
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Zitat:
Zitat von raubbau Beitrag anzeigen
... In die Mottenkiste gehören ebenso die absurden Schaugefechte Platte versus Gründerzeit. Auf lange Sichten werden sich die Qualitäten, die Grünau besitzt durchsetzten und sich neue eigene urbane Qualitäten einstellen.
Das irritiert mich jetzt etwas. Da muss ich erst einmal darüber schlafen. Veralberst Du uns auch nicht?

Konntest Du schon mit Ureinwohnern sprechen?






Mal etwas aus der Mottenkiste:




Bundesarchiv, Bild 183-S0207-0002 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/...0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


Originalbeschreibung:
Zitat:
Leipzig, Bauarbeiter
ADN-ZB Gahlbeck 7.2.77 Leipzig: Ihr Optimismus liegt in der kollektiven Kraft ihrer Bauarbeiterbrigade begründet, denn die Mitglieder der Montagebrigade Norbert Hansch bestimmen das Tempo im Leipziger Baukombinat. Das Kollektiv arbeitet derzeit auf der Taktstraße III der Baustelle Mockau-West. Die Kollegen haben bereits zum 6. Mal den Staatstitel "Kollektiv der sozialistischen Arbeit" errungen. Die von ihnen für 1977 geforderten 695 (695) Wohnungen wollen sie mit besten Qualitätsnoten übergeben.
Quelle: WIKIPEDIA










Bundesarchiv, Bild 183-U0507-0013 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/...0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


Originalbeschreibung:
Zitat:
Leipzig, Bauarbeiter im Gespräch
ADN-ZB Gahlbeck 7.5.79 Jugend-Leipzig: Schrittmacher im Leipziger Wohnungsbaukombinat und auf der Großbaustelle Leipzig-Grünau ist die "junge Truppe" um Jugendbrigaider Wilfried Grau (Mitte). Die jungen Bauleute sind jetzt zur Montage in vier Schichten und zur rollenden Woche übergegangen, um die im I. Quartal entstandenen Rückstände aufzuholen. Die Montage eines sechsgeschossigen Blocks dauert jetzt nur noch zweieinhalb Wochen gegenüber vorher vier Wochen. -siehe dazu auch U 0507-1, 12N-
Quelle: WIKIPEDIA












Bundesarchiv, Bild 183-T0529-0002 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/...0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


Originalbeschreibung:
Zitat:
Leipzig, Bauarbeiter Schornstein mauernd
ADN-ZB Gahlbeck 29.5.78 Leipzig: Fließstrecken sollen in der Ostvorstadt von Leipzig ein rationelles Instandsetzen von Dächern und Fassaden der Alfbeusubstanz sichern. Im Bereich Thälmannstraße-Ludwigstraße gehen diese Technologie die Arbeiten zügig voran. Auch die Schornsteine werden bei den Rekonstruktionsarbeiten ernuert. 954 Dächer und die Fassaden von 619 (619) Wohnungen wollen die Arbeiter des Kombinates für Baureparaturen und Rekonstruktion in diesem Jahr durch die zeit- und aufwandssparende Fließstreckentechnologie instandsetzen.
Quelle: WIKIPEDIA












Bundesarchiv, Bild 183-R0202-0012 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/...0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


Originalbeschreibung:
Zitat:
Leipzig, Bauarbeiter
ADN-ZB Gahlbeck 2.2.76 eng-Leipzig: "Wer will fleißige Handwerker seh`n?" Die Malerbrigade Scholz gehört mit zu den zuverlässigsten Kollektiven im Modernierungskomplex Leipzig-Leutsch. Wie hier so leisten viele Baubrigaden in der Republik durch die Werterhaltung und Rekonstruktion von Altbausubstanz einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Wohnungsbauprogramms. Im Leipziger Westen sollen sich durch Badeinbau, umgestaltete Hinterhöfe und großzugig rekonstruierte Wohnungen bis 1980 für über 850 Familien bessere Wohnverhältnisse ergeben. Im Republiksmaßstab werden es 200.000 (200000) sein, für die sich auf diese Art das Wohnungsproblem lösen wird.
Quelle: WIKIPEDIA








Man beachte die moderne Heizung, sauber an der linken Wand montiert.



Bundesarchiv, Bild 183-R0202-013 / Gahlbeck, Friedrich / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/...0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


Originalbeschreibung:
Zitat:
ADN-ZB-Gahlbeck-2.3.76-Leipzig: Ein neues Bad im alten Haus bringt für Frau Ziegler und ihre Familie fast den Komfort einer Neubauwohnung. Ihre völlig rekonstruierte Wohnung, das frischverputzte Haus im Arbeiterwohngebiet Leipzig-Leutsch haben für Familie Ziegler das Wohnungsproblem gelöst. Die Modernisierung der Altbausubstanz ist neben dem Wohnungsneubau ein wichtiger Beitrag zur Verwirklichung des Wohnungsbauprogramms. Bis 1980 sollen in Leutsch über 870 (870) Wohnungen modernisiert und umgebaut werden.
Quelle: WIKIPEDIA








Beschlossen wurde das Wohnungsbauprogramm auf dem VIII. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Das WOHNUNGSBAUPROGRAMM sah vor, das Wohnungsproblem bis 1990 als soziales Problem zu lösen. Wie viele Wohnungen waren 1990 in Leipzig unbewohnbar?



Bundesarchiv, Bild 183-K0616-0001-128 / Gahlbeck, Friedrich / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/...0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons



Originalbeschreibung:
Zitat:
ADN-ZB Gahlbeck-VIII B-Bi-Schm 16.6.1971 Berlin: VIII. Parteitag der SED. Zu einem Höhepunkt des zweiten Beratungstages wurde die vom Kollektiv der Parteiführung, von Delegierten und Gästen des VIII. Parteitages der SED mit stürmischem Beifall aufgenommene Grußansprache des Generalsekretärs des ZK der KPdSU, Leonid Breshnew. Hochrufe auf die Partei Lenins und auf die unverbrüchliche Freundschaft zwischen den Bruderparteien und Völkern beider Länder waren eine überwältigende Meinungsmanifestation. (zweiteiliges Panorama)
Quelle: WIKIPEDIA

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Alt 21.12.12, 22:09   #39
Stahlbauer
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@Klarenbach


Grünau als solches mag ja heute seine Vorteile haben, problematisch war aber, dass man die alten Viertel massiv vernachlässigte. Das führte dazu, dass die Verluste an Bausubstanz größer wurden als neu gebaut werden konnte.


Ein echtes Problem war die Garnison der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) aka Freunde aka Russen.

Man kann ja gerne über Völkerfreundschaft, die russische Seele und anderes aus der Gutmenschenwelt reden, im Alltag waren die Russen einfach Besatzer, die mit den Deutschen wenig am Hut hatten. Russische Kasernen waren immer problematisch. Musste man aber Ostdeutschlands zweitgrößtes Plattenbaugebiet gerade um eine bestehende Kaserne bauen? Der laxe Umgang der Russen mit Munition war allgemein bekannt.

LINK
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Normalerweise hielten die Russen Abstand zu den Deutschen. Irgendwann fingen sie aber an, mit der Tram zu und von ihren Geländeübungen zu fahren. Hatte etwas von Filmen aus dem II. Weltkrieg an sich. Plus Geruchseindrücke.
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Alt 21.12.12, 23:34   #40
Saxonia
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Zitat:
Aus diesen Entwicklungen lässt sich aber nicht der Schluss ableiten, dass Grünau eine Fehlplanung wäre. Denn diese Entwicklungen gab es auch in Berlin-Marzahn, Berlin-Lichtenberg, Potsdam-Schlaatz, Erfurt-Wiesenhügel etc. etc., und diese Siedlungen haben sich ja auch wieder aufgerappelt. Daher überzeugt mich dieses Argument nicht.
Nun haben diese Städte aber eine andere (demographische) Geschichte hinter sich als Leipzig.
Potsdam: schwer zerstört, kontinuierliche Einwohnerentwicklung 1939 ca 135.000 Einwohner, 1989 141.000 und heute 157.000 Tendenz steil nach oben.
Berlin: kennst du dich sicher besser aus als ich muss ich nicht viel zu sagen.
Erfurt: kaum zerstört, 1939 140.000 Einwohner, 1989 217.000, heute 207.000 Tendenz steigend.

Fakt ist diese Städte haben gegenüber den Vorkriegsbestand eine durchgehend konstante oder positive Einwohnerentwicklung vorzuweisen. Ganz anders als Leipzig. Ich hatte ja weiter vorne schon mal zu erklären versucht, warum ich Grünau als künstlich empfinde. Ohne die Feinheiten der Großsiedlungsplanung zu kennen, würde ich nicht behaupten, dass Grünau unterdurchschnittliche Qualität besitzt im Vergleich zu ähnlichen Projekten der SED-Stadtplanung. Was es für mich als "Fehlplanung" kennzeichnet, um mal bei der Vokabel zu bleiben, ist die schlichte Nichtbeachtung des vorhandenen Stadtgefüges. Man hat sich ja nicht die Mühe gemacht die vor sich hin rottenden Gründerzeitquartiere abzureissen (wie zum Teil im Zuge der Umgestaltung der Chemnitzer Innenstadt geschehen) sondern hat Grünau einfach davor gesetzt. Wohlgemerkt der Tatsache, dass der Altbaubestand bei ganz normalen Umbautätigkeiten nebst Bebauung von Kriegslücken locker die weitaus geringere Einwohnerzahl hätte aufnehmen können. Man hat also diesen Wohnungsüberschuss einfach ignoriert und munter Neubaugebiete auf die grüne Wiese gesetzt. Konsequent wäre es gewesen zu sagen man reißt die Altbauten ab und setzt dort die Neubaublöcke hin. Das hat man wohl nicht getan um den Unmut der Denkmalschützer auf nicht sich zu ziehen oder um politische Unruhe zu vermeiden. Jetzt stand man 1990 vor dem Problem weiterer Bevölkerungsabnahme, einsetzender Suburbanisierung wie du selber sagst, sanierungsbedürftigen Altbaugebieten und wachsenden Leerständen in den Neubauten. In dieser Situation ist die Entscheidung die Albauten zu sanieren und den schon lange existierenden Wohnungsüberschuss über die Platten abzubauen in meinen Augen völlig richtig. Hätte man sich andersrum entschieden dann wäre die Leipziger Kernstadt zusammengeschrumpft und die Neubaugebiete noch viel weiter von der eigentlichen Stadt entrückt. Entweder das oder eine extreme Perforierung des Stadtbildes, auch nicht unbedingt besser.
Kurzum, dass Grünau massiv an Einwohnern verloren hat ist nicht nur ein Imageproblem sondern ein städtebauliches, dessen Anfang nicht im Jahr 1990 sondern im wesentlichen schon 1973 liegt, also im Grunde schon bei dessen Errichtung. Gleichwohl plädiere ich natürlich für eine realistische Stadtplanung die den heutigen Einwohnerzuwachs berücksichtigt. In den Altbauten leben heute generell weniger Menschen zusammen als das noch früher der Fall war. Sodass man trotz des großen Altbaubestandes natürlich die Neubaugebiete benötigt um eine ähnliche Einwohnerzahl wie vor 75 Jahren bei heutigen Lebensstandards zu beherbergen.
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Alt 22.12.12, 00:09   #41
raubbau
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raubbau könnte bald berühmt werden
Zitat:
Zitat von Stahlbauer Beitrag anzeigen
Das irritiert mich jetzt etwas. Da muss ich erst einmal darüber schlafen. Veralberst Du uns auch nicht?

Konntest Du schon mit Ureinwohnern sprechen?
Na, da melde ich mich nochmal aus dem Weihnachtsurlaub zurück. Du wirst es nicht glauben: Ich kenne Leute, die Grünau geplant und mitgebaut haben, die heute noch gerne dort wohnen oder auch in die benachbarten Einfamilienhaus-Siedlungen umgezogen sind. Und ich kenne sogar einige, die guten Gewissens aus anderen Stadtteilen ihre Kinder dort in Kitas geben.

Mal am Rande: Hätte Grünau nicht das übergestülpte Imageproblem würde es weniger Kita-Kapazitätsprobleme geben. Die Infrastruktur ist dort vorhanden. Da sollte man mal drüber nachdenken, bevor man einen Stadtteil brandmarkt und kaputt redet.

Ansonsten schöne Fotos mit fröhlichen Menschen. Die Texte drunter waren sicher schon damals für die Kumpels vom Baukombinat die reinsten Schenkelklopfer. Aus heutiger Sicht war das aber das letzte mal, das wirklich die Menschen geehrt wurden, die Häuser bauen. Einem Max Dudler (siehe mein Beitrag heute zum City-Tunnel) wäre soetwas sicher fremd.
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Alt 22.12.12, 00:23   #42
LE Mon. hist.
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Sanierung der Fußgängerbrücke in der Miltitzer Allee

Zur Abwechslung mal eine Nachricht aus dem Jahr 2012, die auf die Zukunft gerichtet ist:

LVZ-Online, 21.12.2012
Stadtteile
Leipzig erhält Förderbescheid zur Sanierung der Fußgängerbrücke in der Miltitzer Allee
http://www.lvz-online.de/leipzig/sta...-a-168177.html

Die Fußgängerbrücke über die Eisenbahngleise der S-Bahn-Strecke 1 in der Miltitzer Allee wird im nächsten Jahr saniert. Die 1983 errichtete Brücke dient als wichtige Wegeverbindung im Stadtteil Grünau und ist der einzige Zugang zum Bahnsteig Miltitzer Allee, musste jedoch 2009 teilweise gesperrt werden. Während der Bauarbeiten soll eine Behelfsbrücke die Überquerung der Gleise sicherstellen. Mit der Inbetriebnahme des City-Tunnels wird die S 1 wieder fahren.

Die Sanierung der Brücke wird mit 600.000 Euro vom sächsischen Wirtschaftsministerium geförder, leider deutlich weniger, als von der Stadtverwaltung erhofft, Diese hat bei geschätzten Gesamtkosten von rund 930.000 Euro mit einem 90-prozentigen Zuschuss gerechnet.

http://www.dafmap.de/d/lhal.html?id=1402&mt=2&zoom=16

Bau- und Finanzierungsbeschluss zur Instandsetzung der Fußgängerüberführung Miltitzer Allee über die DB AG
http://notes.leipzig.de/appl/laura/w...579F400454CAA/

http://www.gruen-as.de/2011/29/artikel2.html
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Alt 22.12.12, 09:45   #43
Cowboy
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Was die immer wiederkehrenden Vergleiche mit anderen Großsiedlungen in anderen Städten angeht, hat Saxonia schon gut dargelegt, dass es für die Errichtung von Grünau und Paunsdorf in Leipzig keine Notwendigkeit bestand und auch in Zukunft trotz starkem Einwohnerzuwachs nicht auf Plattenbauten zurückgegriffen werden muss. In Berlin, Potsdam, Cottbus, Erfurt oder Neubrandenburg ist die Situation völlig anders. Und dass Grünau so viele Einwohner aufgrund anders gelagerter Einwohnerzusammensetzung verloren hat, Klarenbach, überzeugt mich auch wenig. In ganz Leipzig sind in den 1990er-Jahren rund 90 Prozent der Einwohner in andere Stadtteile oder über die Stadtgrenze hinweg gezogen. Die allerwenigsten dabei nach Grünau oder Paunsdorf, nicht weil diese Stadtteile angeblich ohne Grund schlecht geredet werden, sondern weil ihnen Wohnungen und Umfeld nicht zusagen. Übrigens hatte der Stadtteil Plagwitz wohl mit den größten Imageproblemen zu kämpfen (Industrie, Altlasten, sozial benachteiligte Einwohnerschaft). Gestern nun lese ich im neuen Ortsteilkatalog, dass dieser Stadtteil in den letzten 10 Jahren 46 Prozent an Einwohnern hinzugewonnen hat, so viele wie in keinem anderen Leipziger Stadtteil. Grünau hingegen hat in den letzten 10 Jahren bis zu einem Viertel seiner Einwohner verloren.

Natürlich sollte Grünau nicht aufgegeben werden - schreibt hier auch keiner -, sondern weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, dass sich dieser Stadtteil irgendwann mal einer gesunden Einwohnerzusammensetzung erfreut. Es wurde bislang ja auch schon viel in Sanierung, Neu- und Rückbau, Aufwertung sowie Infrastruktur investiert und es zeichnet sich bereits ab, dass die Bevölkerung nach Jahren des Rückgangs sich jetzt bei etwa 40.000 einpendeln wird. Alles toll, aber kein Grund, sich Grünau schönzureden und auf weitere Abrisse zu verzichten. Dieser Stadtteil war in meinen Augen eine absolute Fehlplanung, und zwar eine, für die u.a. der Steuerzahler noch viele, viele Jahre aufkommen muss.
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Alt 10.01.13, 14:07   #44
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Stigmatisierung Marzahns als Ausdruck kultureller Hegemonie

Zitat:
Zitat von Klarenbach Beitrag anzeigen
Meiner Meinung nach ist das Problem nicht, dass Grünau schlecht geplant wurde, sondern dass Grünau ein Imageproblem hat.
Hier mal ein Blick von außen auf die Frage nach den DDR-Plattenbaugebieten und der Zeit nach der Wende. Es geht zwar nicht um Grünau, sondern um Berlin-Marzahn, aber da die Veranstaltung hier in Leipzig stattfindet, ist es vielleicht besser, hier darauf zu verweisen als im Berlin-Forum.

Zeit: Donnerstag, 24.01.2013, 15 Uhr
Ort: GWZO, Specks Hof (Eingang A), Reichsstr. 4–6, 4. Etg.

Mary Dellenbaugh, MLA (Humboldt Universität zu Berlin)
Die Stigmatisierung Berlin-Marzahns als Ausdruck kultureller Hegemonie des Westens im vereinten Deutschland
Projektvortrag, Gast der GWZO-Projektgruppe "Spielplätze der Verweigerung"
http://de.linkedin.com/in/marydellenbaugh/de

Andere Arbeiten von ihr, in denen teilweise auch Leipzig gestreift wurde:

Spatial Appropriation for Cultural Production.
Two Case Studies in East Berlin after German Reunification
http://www.changing-europe.org/downl...ellenbaugh.pdf

After the fall of the Berlin Wall, Marzahn and the other complexes of its style were suddenly and radically stigmatized within the new cultural context. Case study 2 discusses the stigmatization of the district of Berlin-Marzahn in terms of symbolic capital and western cultural hegemony.

5.2 Berlin-Marzahn: Socialist Ideology as Stigma
The self-conscious construction of Berlin as a symbol and embodiment of the socialist way of life made the situation after reunification extremely difficult for buildings and structures that couldn’t be removed or changed. The large scale housing complexes erected by the socialist regime were no exception to the new overarching hegemonic value shift. The sudden and universal stigmatization of the complexes after 1990 is well documented [63.]
[...]
In the West German context, this was achieved through the construction of social housing complexes, in the East German context through the erection of housing in the planned economy. The western complexes were initially erected for middle- to lower-class German families [71], while the eastern complexes were preferentially given to loyal party members, workers, and conformist young families.
[...] the Platte has be-come a convenient target for the collective negative symbolic capital associated with the fallen regime [76], a process constantly and consistently reinforced by the mechanisms of cultural hegemony, above all the “legitimate” speakers and the media; “The image of Marzahn is so strongly influenced by the media. It’s relatively one-sided. People like simple truths, or it’s easy to offer people simple truths, let’s say it that way, and through this process the public image is created. And if you look for stereotypes, you’ll find them“(Interview, 4 July 2011).
[...]
As a symbol of East Germany, the Platte has become “a projection screen for other desires and fears” [77]. With the progressive removal of the legacy of the socialist regime from the landscape, the Plattenbauten have become the largest remaining embodiment and spatial focal point for the GDR [78]. Discursive processes have linked the Plattenbau with both East Germany and various negative identifiers, creating a “catch-all” for various forms of negative traits, identifying these negative traits as distinctly “East German”, and thus allowing a spatial concentration and perpetuation of the “otherness” spawned by the Berlin Wall.


Shrinking Cities: Design Challenge on a Shoestring Budget
http://www.asla.org/ppn/Article.aspx?id=32266

Bereits etwas älter, aber ein ähnlicher Ansatz:

Adam Brailich, Mélina Germes, Henning Schirmel, Georg Glasze und Robert Pütz:
Die diskursive Konstitution von Großwohnsiedlungen in Deutschland, Frankreich und Polen.
In: Europa Regional 17 (2008), S. 113-128.
http://www.geographie.uni-erlangen.d...fdp_100423.pdf

Adam Brailich, Mélina Germes, Henning Schirmel, Robert Pütz und Georg Glasze:
Großwohnsiedlungen als bedrohliche und bedrohte Orte. Sicherheitsdiskurse in Deutschland, Frankreich und Polen. In: Hans-Georg Soeffner (Hrsg.): Unsichere Zeiten. Herausforderungen gesellschaftlicher Transformationen. Wiesbaden 2010 (CD-ROM).
http://www.geographie.uni-erlangen.d...rte_101104.pdf

Geändert von LE Mon. hist. (10.01.13 um 14:36 Uhr)
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Alt 10.01.13, 23:14   #45
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Mietervertreter schreiben an Stadtoberhaupt

LVZ, 11.1.2013
Grünau. Mietervertreter schreiben an Stadtoberhaupt

Die Mietervertreter der Breisgaustraße 59-81 in Grünau Juliane Zweckerl, Irmgard Pikos und Wolfgang Rösicke haben einen offenen Brief an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verfaßt, in dem sie Hilfe bei ihrem Kampf gegen die geplante Stilllegung von 150 Wohnungen fordern. Die Wohnungsgenossenschaft Wogetra will den mittleren Teil eines Elfgeschossers in der Breisgaustraße freilenken und dauerhaft nicht mehr nutzen. Der Wogetra-Vorstand Tobias Luft gab an, dass bereits 60 der 150 Wohnungen leerstehen würden und die Genossenschaft daher wirtschaftlich dazu gezwungen sei. Die Betroffene Monika Kuntzsch habe nun selbst gezählt und dabei festgestellt, dass noch 102 Wohnungen belegt seien.

Die Mietervertreter verlangen nun in ihrem offenen Brief, dass die Stadt ihre Wohnungspolitik in Grünau grundsätzlich ändert. Sie verweisen auf den Stadtratsbeschluss vom 18. Juli 2007, demzufolge Kerngebiete wie der Wohnkomplex 4 rings um die Stuttgarter Allee ab dem Jahr 2009 vor Abrissen geschützt bleiben sollen. Nun hätten jedoch Vertreter der Kommune Abrissfördermittel für die dort befindliche Breisgaustraße in Aussicht gestellt, sofern die Wogetra vor Ort auch Aufwertungen vornehme. Ihrer Ansicht nach torpediere dies den Stadtratsbeschluss und die Zukunft Grünaus. Wie hier bereits thematisiert sind sie der Ansicht, dass der für die nächsten Jahre avisierte Abriss von 5000 Wohnungen potenzielle Mieter_innen von einem Umzug nach Grünau abhalten würde. "10000 Wohnungen wurden bereits vernichtet", doch so lasse sich keine Stabilität schaffen.

Zum Schluß wird auf ein Wahlforum am 21. Januar um 19 Uhr im Grünauer Komm-Haus hingeweisen, bei dem OBM Jung seinen Standpunkt hierzu darlegen solle.
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