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Alt 21.02.13, 01:09   #46
LE Mon. hist.
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Grünau: leichte Einwohnergewinne im ersten Halbjahr 2012

LVZ, 21.2.2012
Erstmals seit der Wende: Grünau wächst wieder
Monitoring-Bericht der Stadt verzeichnet positive Entwicklungen auch in Leipzigs Altbaugebieten

Laut dem "Monitoring-Bericht Wohnen" bzw. der Präsentation auf der Website der Stadt Leipzig (siehe http://www.deutsches-architektur-for...734#post369734 ) konnte Grünau im ersten Halbjahr 2012 leichte Einwohnergewinne verbuchen. Die Ortsteile Grünau-Nord, Grünau-Mitte sowie Lausen-Grünau verzeichneten Zuwächse in der Kategorie zwischen 0,5 und zwei Prozent. Grünau-Ost (WK 1 und 2), Grünau-Siedlung sowie Miltitz schnitten ausgeglichen ab.

Der deutlichen Rückgang um 4,4 Prozent in Schönau lag an der Freilenkung mehrerer Wohnblöcke für den Abriss - siehe Beitrag #2: http://www.deutsches-architektur-for...554#post362554
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Alt 21.02.13, 02:04   #47
dj tinitus
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wenn der deutliche rückgang in schönau auf die freilenkungen zurückzuführen ist, dann sind es die leichten zuwächse in grünau erst recht. schließlich sind von den betroffenen 160 schönauer haushalten 126 nach grünau umgezogen.
das gesundschrumpfen der plattenbaugebiete wird daher wohl auch in zukunft nötig sein, wie die differenz aus diesen beiden zahlen zeigt.
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Alt 21.02.13, 06:09   #48
LE Mon. hist.
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Schönau: 4.524 Einwohner_innen, davon 4,4 % = 200 Menschen

Grünau-Mitte: 11.682
Lausen-Grünau: 11.447
Grünau-Nord: 7.802

zusammen: 30.931 Einwohner_innen,
zwischen 0,5 Prozent = 155 Menschen
und zwei Prozent = 619 Menschen

Grünau Ende 2011: 40.469
Juni 2012: 40.397
Differenz: -72

2006 auf 2007: -2014
2007 auf 2008: -1000
2008 auf 2009: -890
2009 auf 2010: -743
2010 auf 2011: -395

Vielleicht sollten wir doch auf die genauen Zahlen für das erste Halbjahr 2012 bzw. das gesamte Jahr 2012 warten, bevor wir da genaue Schlüsse ziehen.

Geändert von LE Mon. hist. (21.02.13 um 06:37 Uhr)
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Alt 23.08.13, 02:25   #49
LE Mon. hist.
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Und auch hier sei noch einmal extra auf den gestern erschienenen Statistischen Quartalsbericht II/2013 - http://www.leipzig.de/imperia/md/con...n/lz_qb132.pdf - hingewiesen mit einem eigenen Artikel:

Falk Abel, Peter Dütthorn, Andreas Martin, Ruth Schmidt: Trendwende für Grünau? S. 15-26:

Zitat:
Nach jahrelangem Rückgang ist in einigen Grünauer Ortsteilen jetzt ein leichter Anstieg der
Einwohnerzahlen festzustellen; die aktuelle Grünauer Entwicklung sieht durchaus nach Konsolidierung aus - mit hoffnungsvollen Ansätzen für die Zukunft.
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Alt 23.08.13, 20:18   #50
LE Mon. hist.
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Das Grünau-Comeback

Die BILD-Zeitung trägt wie gewohnt etwas zu dick auf:

BILD, 23.08.2013
Leipzigs Plattenbau-Stadtteil ist beliebt wie noch nie
Das Grünau-Comeback
Zufriedene Menschen, günstige Wohnungen, weniger Arbeitslose – und wieder mehr Zuzüge
http://www.bild.de/regional/leipzig/...1400.bild.html
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Alt 23.08.13, 20:42   #51
Saxonia
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"Ashley Jamilia (1)" - großes Kino

Bei der Aufzählung vergisst die gute Bild aber natürlich zu erwähnen, dass Grünau selbstverständlich von der Properität der Gesamtstadt profitiert.
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Alt 09.02.14, 08:29   #52
LE Mon. hist.
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Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept für Grünau

PM Stadt Leipzig, 04.02.2014
http://www.leipzig.de/news/news/inte...-fuer-gruenau/

Zitat:
Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept für Grünau

Für Grünau soll ein Integriertes Stadtteilkonzept erarbeitet werden. Oberbürgermeister Burkhard Jung hat auf Vorschlag von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau der Verwaltung den entsprechenden Auftrag erteilt.

Das Konzept erweitert die 2007 vom Stadtrat beschlossene, vor allem auf städtebauliche Themen fokussierte „Entwicklungsstrategie Grünau 2020“ um andere Themen und Handlungsfelder, die für die Entwicklung des Stadtteils relevant sind. Dieser Ansatz entspricht dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (SEKo), zudem ist er eine Voraussetzung für die zukünftige Inanspruchnahme von Städtebau-Fördermitteln.

Grünau ist aufgrund der demographischen Situation und des daraus resultierenden Anpassungsbedarfs ein Schwerpunkt der Stadterneuerung. Derzeit ist es Fördergebiet der Programme Soziale Stadt und Stadtumbau Ost; in den Wohnkomplexen 7 und 8 wird zusätzlich das städtebauliche Sanierungsrecht angewandt.

In mehreren Themenabenden und im „Forum Grünau“ werden die Bürger und Akteure des Stadtteils in die Erarbeitung des Konzepts eingebunden."

Bild und Unterschrift:
Angesichts steigender Einwohnerzahlen für Leipzig soll das Konzept vor allem die Chancen Grünaus auf dem sich verändernden Wohnungsmarkt herausarbeiten. Daher wird es in enger Verzahnung mit dem derzeit zu aktualisierenden Wohnungspolitischen Konzept aufgestellt.
LVZ-Online, 04.02.2014
Rathaus plant integriertes Stadtteilkonzept für Leipzig-Grünau
http://www.lvz-online.de/leipzig/sta...-a-225462.html


PM Wohnen bei uns, 06.02.2014
Leipziger Wohngenossenschaften gegen Stadtteilkonzept Grünau

Zitat:
Schon wieder wird Grünau stigmatisiert. Die Plattform von Leipziger Wohnungsgenossenschaften stellt sich ausdrücklich gegen das von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau vorgeschlagene Integrierte Stadtteilkonzept für Grünau. Durch solche Maßnahmen wird einem Stadtteil, der sich gerade am Beginn einer konsolidierenden Entwicklung befindet, mehr geschadet als genutzt. Jede Sonderbehandlung verfestigt bestehende Vorurteile, allein durch das Betonen einer vermeintlichen Sonderstellung. Seit Jahren steht Grünau im negativen Fokus der Öffentlichkeit – und dass, obwohl sich das weiterhin hohe Leerstandsniveau in Teilbereichen schrittweise normalisiert und andere Stadtteile ähnlichen Entwicklungsbedarf haben. Wenn man Dubraus Vorschlag konsequent umsetzen würde, müssten auch Schönefeld, Paunsdorf, Reudnitz-Thonberg und der Leipziger Osten ein integriertes Stadtteilkonzept dieser Art erhalten.

Mehrfach hat die Plattform darauf hingewiesen, dass Konzepte wie das von Frau Dubrau vorgeschlagene, der Außenwahrnehmung von Grünau schaden. Die zuständigen Akteure führten bereits umfangreiche Gespräche im Vorfeld des 1. Workshops zum Wohnungsmarktpolitischen Konzept. Für die Akteure stellt sich nun die Frage nach dem Wert ihrer Anregungen, wenn diese nicht mit einbezogen werden. Denn ungeachtet der Gespräche wurde am Dienstag der Verwaltung der Auftrag zur Erstellung eines gesonderten integrierten Stadtteilkonzeptes für Grünau erteilt.

Statt dieser Grünauer „Sonderlösung“ empfehlen die Genossenschaften ein wohnungmarktpolitisches Gesamtkonzept für ganz Leipzig. Das vermeidet nicht nur jegliche Stigmatisierung, sondern erfasst auch die spezifischen Situationen aller Stadtteile sowie deren Wechselwirkung untereinander.
L-IZ, 06.02.2014
Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept für Grünau: Wohnungsgenossenschaft kritisieren die Pläne der Stadtverwaltung
http://www.l-iz.de/Politik/Brennpunk...ene-53612.html

PM Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Leipzig, 06.02.2014
http://www.gruene-fraktion-leipzig.d...he=1&tx_ttnews[tt_news]=742&cHash=6eb2d88d8f22edf2ac41d348 06cde7ad

Zitat:
Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept ist Schritt in die richtige Richtung

Jürgen Kasek, Mitglied im Stadtbezirksbeirat West:

"Dass jetzt ein integriertes Stadtteilentwicklungskonzept für Grünau erarbeitet werden soll, ist ein Schritt in die richtige Richtung, der die Möglichkeiten von Grünau endlich aufnimmt und bündelt.
Grünau hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Bereits 2012 war der Bevölkerungstrend leicht positiv, was sich auch 2013 bestätigt hat. Die infrastrukturelle Anbindung ist besser als in vielen Stadtteilen und die Nahversorgung, sowie die Anzahl an Grünflächen ist leipzigweit sogar einmalig.
Dennoch ist es wichtig, dass gerade auf die Erfordernisse einer Großwohnraumsiedlung mit Grünau, deren Charakteristik von anderen Stadtteilen abweicht, entsprechend auch zielgenau Antworten gefunden werden. Das hat in erster Linie nichts mit Stigmatisierung zu tun sondern unterstreicht, dass Grünau Potenzial hat", so Kasek in Richtung der Plattform www.wohnen-bei-uns.de, die das Konzept kritisiert hatte.

"Grünau ist, was viele wissen, deutlich besser als sein Ruf. In keinem anderen Stadtteil gibt es etwa ein Angebot wie den Grünolino, der aus der Bürgerschaft mit Unterstützung von lokalen Unternehmen entwickelt wurde. Dennoch ist zu erleben, dass Grünau oft schlecht geredet wird, offenbar funktioniert die Projektionsfläche Großwohnraumsiedlung gleich Ghettoisierung selbst bei Teilen der Leipziger Wohnungsbaugenossenschaft noch. Dies ist jedoch Gift für den Stadtteil."

"Stattdessen muss darauf geachtet werden, dass es ein breites Beteiligungskonzept gibt, bei der sich Einwohner, Unternehmen, Wohnungswirtschaft und Vereine von Anfang an einbringen können, um gemeinsam Ziele für Grünau zu definieren. Denn nur durch eine breite Beteiligung wird auch eine Legitimationsgrundlage für künftige Entwicklungen geschaffen.

Es wäre schön, wenn die Wohnungswirtschaft die Potenziale, die so ein Konzept hat, erkennt und gemeinsam mit Quartiersmanagement, Quartiersrat und Verwaltung die Vorzüge Grünaus stärker nach außen sichtbar macht, statt Grünau schlecht zu reden.", so Kasek abschließend.
L-IZ, 08.02.2014
Grünen-Stadtbezirksbeirat zur Zukunft in Grünau: Integriertes Stadtentwicklungskonzept ist Schritt in die richtige Richtung
http://www.l-iz.de/Politik/Brennpunk...nau-53634.html
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Alt 09.02.14, 09:44   #53
LE Mon. hist.
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Bevölkerung der Stadt Leipzig mit Hauptwohnung am 30.09.2013 nach Ortsteilen
Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen [Statistischer Quartalsbericht III/2013]
Im Vergleich dazu Ende 2012 und Ende 2011

60. Schönau: 4108 (-72) - 4180 (-344) - 4524
61. Grünau-Ost: 7388 (+49) - 7339 (-59) - 7398
62. Grünau-Mitte: 11720 (-106) - 11826 (+144) - 11682
63. Grünau-Siedlung: 3810 (-78) - 3888 (+2) - 3886
64. Lausen-Grünau: 11896 (+194) - 11702 (+255) - 11447
65. Grünau-Nord: 7918 (-18) - 7936 (+134) - 7802
66. Miltitz: 1891 (+9) - 1882 (-34) - 1916
6. West: 48731 (-22) - 48753 (+98) - 48655
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Alt 17.02.14, 06:46   #54
LE Mon. hist.
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Fakten zu Leipziger Plattenbauten und ihren Bewohner_innen

Bereits in den ersten Tagen des Jahres berichtete die BILD-Zeitung über eine interne oder zu einem späteren Zeitpunkt geplante Veröffentlichung aus dem Amt für Statistik mit "alle(n) Fakten zu Leipziger Plattenbauten und ihren Bewohnern". Aus dem Artikel geht der genaue Titel nicht eindeutig hervor, möglicherweise handelt es sich um den neuen Sozialreport (in Vorbereitung: http://www.deutsches-architektur-for...d.php?p=417239 ) oder den Monitoringbericht Wohnen.

BILD, 04.01.2014
Neuer Wohn-Report der Stadt
10 Wahrheiten über Leipzigs Platten
http://www.bild.de/regional/leipzig/...1926.bild.html

Für die "zehn erstaunlichsten Fakten" aus dem Bericht hält BILD folgende Angaben:

1. 117.600 Menschen leben in Leipzig in einem Plattenbau. Dies sind 22 Prozent der 534.926 Leipziger_innen und damit etwas mehr als in Gründerzeithäusern (21 % bzw. 112.300 Personen).

2. Seit den 1990er Jahren wurden über 12 000 Wohnungen in Plattenbauten abgerissen.

3. Die typische 2-Raum-Wohnung in der Platte ist 48 m² groß, eine 3-Raum-Wohnung 60 m² und eine 4-Raum-Wohnung 75 m². [Diese Größen sind den Maximalgrößen bei den "Kosten der Unterkunft" sehr ähnlich.]

4. Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete liegt bei 4,70 Euro/m² und damit etwa 45 Cent unter dem städtischen Durchschnitt [Die maximal 4,48 Euro/m² für die Kosten der Unterkunft wurden nun in jedem zweiten Beitrag genannt]. Allerdings rangiert die Warmmiete mit 6,94 Euro über der anderer DDR-Bauten (6,67 Euro) und nur 26 Cent unter Stadt-Schnitt (7,20 Euro). [Die maximale Warmmiete innerhalb der KdU-Sätze beträgt 7,01 Euro/m².]

5. Fast jede_r dritte Einwohner_in (32 %) ist Single. 30 % sind alleinlebende Renter_innen, 21 % Rentner_innenpaare. Lediglich 5 % sind Paare mit Kind(ern).

6. Das Durchschnittsalter der Bewohner_innen liegt bei 58,2 Jahren. Kein anderer Wohnungstyp in Leipzig hat ältere Mieter_innen, 69 % sind über 50 Jahre. Im Vergleich sind die Bewohner_innen von Gründerzeithäusern mit einem Durchschnittsalter von 42,4 Jahren 15,8 Jahre jünger.

7. Beim Erwerbsstatus überwiegen daher Rentner mit 54 %. 34 % sind erwerbstätig, 9 % arbeitslos und 3 % Schüler oder Studenten.

8. Das durchschnittliche Nettoeinkommen von Plattenbau-Bewohner_innen beträgt monatlich 960 Euro und damit deutlich weniger als im städtischen Gesamtdurchschnitt mit 1188 Euro.

9. Nur 7 Prozent der Leipziger_innen können sich einen Umzug in die Platte vorstellen.

10. Dagegen würden 39 Prozent der Bewohner_innen immer wieder in eine Platte ziehen.
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Alt 17.02.14, 13:22   #55
Martin Pohle
 
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Danke für die sehr aufschlussreiche Faktenaufstellung. Für die Zukunft des Plattenbaubestandes sind zwei Fakten sehr interessant:

6. Das Durchschnittsalter der Bewohner_innen liegt bei 58,2 Jahren. Kein anderer Wohnungstyp in Leipzig hat ältere Mieter_innen, 69 % sind über 50 Jahre.

8. Das durchschnittliche Nettoeinkommen von Plattenbau-Bewohner_innen beträgt monatlich 960 Euro und damit deutlich weniger als im städtischen Gesamtdurchschnitt mit 1188 Euro.

9. Nur 7 Prozent der Leipziger_innen können sich einen Umzug in die Platte vorstellen.

Zugespitzt formuliert bedeutet das, wer dort wohnt ist alt und arm und wird dort bald weniger Nachbarn haben. Offenbar ist es trotz der sehr hohen Infrastrukturinvestitionen in diese Gebiete nicht gelungen, die Attraktivität nachhaltig zu steigern und die Bevölkerungsverluste durch Zuzug aufzuhalten. Ich hatte schon immer die Meinung, dass dieser Siedlungstyp aus einer halbautoritären Zeitepoche stammt, da der Mensch eher als Arbeiter wahrgenommen wurde und das seine Bedürfnisse dort nicht berücksichtigt werden, wie es sich für attraktive Stadtteile gebührt. Wenn sich das trotz hoher Sanierungsaufwendungen nicht nachträglich kitten lässt, wäre es nicht besser, diese Stadteile leerzuziehen und wieder einzuebenen bzw. schrittweise mit lockerer einstöckiger Vorstadtbebebauung zu überformen?
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Alt 17.02.14, 13:50   #56
DrZott
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Die spannende Frage vor diesem Hintergrund bleibt, wie sich die Bevölkerung in Leipzig in den nächsten 5-10 Jahren weiterentwickelt.

Bei Steigerungen von 10.000 Einwohnern jährlich wird Grünau sicher auch eine andere Perspektive als die des steten Rückbaus haben.

Meine These wäre, daß Grünau einen Teil eines möglichen Wohnungsmangels auffangen könnte und damit deeskalierend auf den Wohnungsmarkt wirkt. Inwiefern wir dann die Themen Verdrängung und Gentrifizierung streifen müssen, sei mal dahingestellt. Zumindest dürften die klassischen Gründerzeitviertel, da sie die Wunschheimat vieler sind, eher weniger für Einkommenschwächere bieten.
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Alt 17.02.14, 14:12   #57
LE Mon. hist.
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Die durchschnittliche Lebenserwartung in Sachsen liegt derzeit für Männer bei 76,76 Jahren, für Frauen schon bei 82,71 Jahren. Bis der oder die durchschnittliche Plattenbaumieter_in sterben wird, vergehen also noch mal 18,6 bzw. 24,5 Jahre. Eher noch mehr, denn die durchschnittliche Lebenserwartung steigt ja noch an. Bei den durchschnittlich 58,2 jährigen Bewohner_innen von Plattenbauten beträgt sie (deutschlandweit) bereits 91,05 und 95,1 Jahre ( http://www.bild.de/ratgeber/2013/alt...5242.bild.html ).

Es wird also noch etwas dauern, bis das "baldige" Szenario einsetzt. Für deutlich wahrscheinlicher halte ich allerdings, dass es so nie kommen wird. Die Bevölkerung wird wachsen, wenn die Mieten in den stadtnahen Gründerzeitgebieten noch weiter steigen und gleichzeitig die 90er-Jahre-Einfamilienhaussiedlungen am Stadtrand immer teurer im Unterhalt und langsam leerer werden. Das Durchschnittsalter ist in Probstheida (51,4), Mölkau (51,2) oder Thekla (52,8) in etwa gleich. Manchmal hilft ein Blick nach Ostberlin, Potsdam, Dresden, Jena, Erfurt .... , um klarer zu sehen.

Der Gedanke mit dem "Siedlungstyp aus einer halbautoritären Zeitepoche" gewinnt noch mal an argumentativer Kraft, wenn man an die traumhaften Zeiten voller glückseliger Demokratie und guten Leben insbesondere für Arbeiterfamilien im Deutschen Kaiserreich, der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus denkt. Der Mensch an sich wurde da ausschließlich als Individuum und Schöngeist wahrgenommen. Vor allem bei den gründerzeitlichen Arbeitervierteln wurde an Licht, Luft und Sonne und Platz für alle gedacht, wenn sich 4 Erwachsene und 8 Kinder eine 60 qm große Wohnung teilen oder diese sogar trockenwohnen durften. Ein Umbau und eine Anpassung an moderne Wohnansprüche ist bei Gründerzeitgebäuden oder Häusern der 1920er/30er Jahre natürlich ebensowenig üblich und möglich wie bei Plattenbauten. Und so heizen wir in den gründerzeitlichen Arbeitervierteln wie Plagwitz, Lindenau, Volkmarsdorf ... weiter alle mit noch Kohlen, gehen auf der halben Treppe aufs Klo und riechen die Abgase der vielen Hinterhofwerkstätten.

Man wird in naher Zukunft - wie in den Gründerzeitvierteln auch - wohl eher noch manchen Abriss der letzten Jahre bedauern.

Geändert von LE Mon. hist. (17.02.14 um 14:33 Uhr)
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Alt 17.02.14, 15:47   #58
Martin Pohle
 
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Die Ironie ist unverkennbar. Jedoch wurden die Gründerzeitler wenigstens errichtet, weil private Vermögende dies für eine gewinnbringende Investition hielten. Gerade die rasterförmig angelegten Gründerzeitviertel Volkmarsdorf und die Südvorstadt stammen aus einer Zeit des größen Bevölkerungsanstiegs. Sie bauten aber, damit die Gebäude vermietet werden konnten. Grünau wurde gebaut weil im Wohnungsbauprogramm der DDR soundsoviele Wohnkästen fertig werden mussten. Alles andere war zweitrangig und entsprechend wenig wurde in attraktive äussere Anmutung, abwechslungsreiche, kleinteilige Architektur, Individualität der Wohnquartiere, Grüngestaltung und das allgemeine infrastrukturelle Umfeld investiert. Stattdessen strahlen diese Gebäude aus meiner Sicht lähmende Gleichförmigkeit und eine irgendwie dumpfe Mittelmäßigkeit aus. Es ist kein Wunder, weswegen sie heute nicht vermietbar sind, und nur wer muss dort hinzieht bzw. diejenigen dort wohnen, die als Erstmieter eingezogen sind. Diese Leute kennen noch die schlimmen DDR-Altbauzustände und sind mit ungefliesten Nasszellen und Schlauchküche zufrieden gewesen. Das ist heute jedoch kein Maßstab mehr.
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Alt 17.02.14, 16:43   #59
Saxonia
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Die Plattenbauten wurden zu großen Teilen am Bestand vorbeigebaut bzw. sollten diesen über kurz oder lang ersetzen. Trotz mit der Zeit gestiegenem Wohnflächenbedarf, hatte man durch die nach der Wende massenhaft sanierten Altbauten, kombiniert mit einem ruckartigen Bevölkerungsschwund, einen enormen Wohnraumüberschuss. Diesen zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes über den Rückbau der Großwohnsiedlungen abzuwickeln, war logisch und richtig. Die Platten standen an der Peripherie, waren im Vergleich historisch weitgehend wertlos und ein Abriss hinterlies aufgrund der offenen, lockeren Bebauung nicht den Eindruck eines zerfledderten Stadtgefüges wie das beim Abriss im Blockrand der Fall ist und war.
Zudem befanden sich die Platten in öffentlicher Hand. Ein schnelles Bevölkerungswachstum wie heute war in den 90ern und Anfang des Jahrtausends nicht in Sicht.

Die Architektur von möglichen Neubauten wird denen der Platten wahrscheinlich optisch nicht nachstehen. Von daher hält sich meine Trauer über deren Abriss in Grenzen.

Geändert von Saxonia (17.02.14 um 22:28 Uhr)
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Alt 17.02.14, 17:22   #60
Martin Pohle
 
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Dem kann ich nur zustimmen. In meinem Ausgangsposting kam ich auf den Gedanken, inwiefern man sich von solchen Stadtteilen trennen müsse. Saxonia greift das gerade auf, indem er richtig sagt, dass diese Gebiete große Nachteile aufweisen: architekturhistorisch in ihrer großen, uniformen, groben Masse wertlos, peripher gelegen, perforierte Erscheinung.
Ich wäre dafür, Grünau schrittweise rückzubauen, bzw. durch intelligenten Teilrückbau die Nachteile der Gleichförmigkeit und Langweile abzumildern. Leinefelde hat dies beispielhaft vorgemacht, auch Schwerin ist ein gutes Beispiel. Gleichzeitig sollte man im Zuge der verstärkten Entwicklungen rund um den Lindenauer Hafen versuchen, diese kompletten Neubauten mit einer teilweise Neubebauung von Grünau (im wahrsten Sinne des Wortes mit lockerer Bebauung in GRÜNer AUe) zu verbinden. So kann eines der spannensten Projekte der letzten Jahre, die Revitalisierung und erneute Einbindung des Lindenauer Hafens in den Stadtkörper Impulse für das Dauerproblemviertel Grünau entfalten!
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