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Alt 10.06.19, 17:27   #316
BautzenFan
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Kurze Vorbemerkung: Der Beitrag entwickelte sich leider zu einer „Klick-Orgie“, ging nicht anders. Ich empfehle, alle verlinkten Fotos aus der fotothek nach dem Öffnen mittels Plus-Icon zu vergrößern – dann sieht man (meistens) mehr.

Vor kurzem brachte ein lokaler Radiosender (mdr) eine Reportage über den aktuellen Arbeitsstand in der Gewehrgalerie. In dem online-Bericht darüber waren auch einige Fotos integriert. Eines davon wurde mit der Untertitelung versehen: "Die Hälfte der rund 100 Meter langen Decke ist fertig".
https://cdn.mdr.de/sachsenradio/moni...?version=59448

Das nächste Foto zeigt die Maler bei ihrer Arbeit in dem noch nicht fertigen Teil der Decke (man muss dazu wissen, dass die Kassettentafeln in der Werkstatt bemalt werden und anschließend fertig bemalt eingesetzt werden):
https://cdn.mdr.de/sachsenradio/moni...?version=35922

Wie man auf dem ersten Bild schön sieht, wird im Inneren jede 2. Fensternische durch die Ausstellungsvitrinen zugestellt. Diese Situation hat logischerweise Konsequenzen für die Situation außen, was aber für die Hof- bzw. Straßenseite unterschiedlich gelöst worden ist. Beginnen wir mal mit der Straßenseite (Augustusstraße, Front mit dem Fürstenzug). Die Fenster sind – wie in der Entstehungszeit des Gebäudes - paarig angeordnet (der Lange Gang entstand ja um 1590, so eine Fensteranordnung ist typisch Renaissance). Aber nun ist jedes 2. Fensterpaar (wo innen Vitrinen stehen) zugemauert. Die folgende Abbildung stammt aus den Planunterlagen von 2016 (Ausschreibung: *Erneuerung der Fenster im Langen Gang).


Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

Dieser Zustand entspricht genau dem unmittelbaren Vorkriegszustand (mit Ausnahme der Butzenscheiben, aber dazu später):
http://www.deutschefotothek.de/docum...atalog_0054833


Beim Wiederaufbau nach dem Krieg (Außenaufbau bis 1958) war auf der Straßenseite eine andere Fensterlösung realisiert worden: Fast alle Fenster wurden zugemauert, bis auf die beiden Fensterpaare in Nähe der beiden Gebäudeenden:
http://www.deutschefotothek.de/docum...bs_0080011_002

Das wiederum resultierte aus einem völlig anderem Innenraumkonzept des Wiederaufbaus – an die Rekonstruktion der Gewehrgalerie war damals nicht ansatzweise zu denken. Hier der Rohbauzustand 1958 nach dem Wiederaufbau (der Fotograf stand mit dem Rücken zur Verbindungstür in das Johanneum, im Bildhintergrund die Tür zum – noch zerstörten – Georgenbau):
http://www.deutschefotothek.de/docum...atalog_0137613

Kommen wir nun zur Stallhofseite. Im unmittelbaren Vorkriegszustand war auch hier jedes 2. Fensterpaar zugemauert (Stichwort: Vitrinen innen):
http://www.deutschefotothek.de/docum...atalog_0148596


Dieser Zustand wurde beim Wiederaufbau (Außenaufbau bis 1958) nicht wiederhergestellt, man realisierte vielmehr die Situation aus der Entstehungszeit des Gebäudes (in jeder dieser ursprünglichen Fensteröffnungen war jetzt wieder ein „richtiges“ Fenster – siehe vorletzten Fotolink).
Jetzt, aufgrund der (weitgehenden) Rekonstruktion der Gewehrgalerie wird nun auch auf der Hofseite in jeder 2. Fensternische eine Ausstellungsvitrine stehen. Die Lösung für den Außenzustand sieht so aus, dass die betreffenden Fenster als so genannte „Blindfenster“ gestaltet werden. Hier ein Planauszug mit Legende aus den Ausschreibungsunterlagen von 2016:




Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

Zum aktuell laufenden Reko-Projekt *Gewehrgalerie* gehört auch die Erneuerung aller Fenster. Und hier kommen nun die eingangs schon erwähnten Butzenscheiben ins Spiel. Die gab es im unmittelbaren Vorkriegszustand nicht. Besser gesagt – nicht mehr, denn damit waren die Fenster im ursprünglichen Zustand ausgestattet (wie schon gesagt: typisch Renaissance). Hier ein Kupferstich von Weck aus dem Jahr 1680:
http://www.deutschefotothek.de/docum...atalog_0121618

Beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren hatte man noch keine Butzscheiben verwendet, erst irgendwann bei den diversen DDR-Maßnahmen ab Ende der 1970er Jahre erfolgte ein Austausch.
Die schon mehrfach erwähnte Ausschreibung zur Fenstererneuerung (veröffentlicht im November 2016) erbrachte bzgl. der vorgesehenen Fensterverglasung folgende Information (sinngemäße Zusammenfassung):
Alle Fenster (auch die auf der Straßenseite) werden mit Butzenscheiben ausgestattet. Dabei sollen die vorhandenen Bleiglaselemente für eine Wiederverwendung am Objekt aufgearbeitet werden.
Da es nunmehr mehr Fenster-ÖFFNUNGEN geben wird als unmittelbar VOR den aktuellen Baumaßnahmen (aufgrund der vorher zugemauerten Fenster auf der Straßenseite, die jetzt bereits wieder geöffnet worden sind), wird man auch etliche Verglasungselemente (Butzenscheiben) neu herstellen müssen. Vielleicht ist das der Grund für die erhebliche Verzögerung der Fertigstellung der Fenster, denn laut Ausschreibungstext vom Nov. 2016 sollte diese Maßnahme im August 2018 abgeschlossen sein.
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Alt 10.06.19, 20:27   #317
Chris1988
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Am Altan werden wohl die ersten Malereien aufgetragen. Ein Teil ist zumindest eingerüstet und verdeckt.



Am Schlosshof selber passiert noch nichts.
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Alt 13.06.19, 13:06   #318
Chris1988
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Zwinger Dresden

https://www.saechsische.de/plus/zeit...e-5081994.html

Anlässlich der Jahrhunderthochzeit 1719 wird gerade eine provisorische Kuppel im Zwingerhof aufgebaut, wo ein Auschnitt der neuen Austellung "Zwinger Xperience" als audiovisuelle 270-Grad-Projektion ab 29.Juni zu sehen sein wird.
Für 3€ erlebt man 8 Minuten des Reiterballetts.

Ab September 2020 wird diese Ausstellung dann nocch größer in der dann fertig sanierten Bogengalerie L zu sehen sein.
In den Französische Pavillon kommt das Foyer und ein Cafe. Außerdem wird ein Aufzug in den Verbindungsgang zur Sempergalerie eingebaut

Anschließend beginnt die schrittweiße Zwingerhofsanierung, wo der rötliche Belag gegen eine gelbe sandgeschlemmte Decke ausgetauscht wird und wie ich früher schon mal erwähnte werden die Asphaltbahnen der Hauptwege durch einen Sandsteinbelag ersetzt.

Zitat:
Geplant ist, ab Herbst 2020 zwei Jahre lang schrittweise den Hof zu sanieren. Die rötliche Schotterdecke soll durch eine besser wasserdurchlässige gelbe Schicht ersetzt werden. Zudem sind die asphaltierten Hauptwege zwischen Kronentor und Sempergalerie sowie Glockenspiel- und Wallpavillon dem großen Besucheransturm nicht mehr gewachsen. Deshalb ist geplant, dass diese Hauptwege einen stabilen Sandsteinbelag bekommen.
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Alt 14.06.19, 05:49   #319
Elli Kny
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Frauenkirche bekommt neue (LED)-Aussenbeleuchtung

DNN berichtete. Damit dürfte ein weiteres Puzzleteil des Lichtmasterplans umgesetzt werden, denn die Kirche soll im Dunkeln etwas heller erstrahlen als bisher.

Edit:
DD-TV zeigt es nochmal genauer im Film - v.a. im 1. Film von dreien.

Geändert von Elli Kny (18.06.19 um 14:59 Uhr) Grund: edit
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Alt 15.06.19, 00:10   #320
Elli Kny
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^^ Baumaßnahmen am Zwinger

Die PM des Freistaates gibt noch weitere Einblicke:

Insgesamt wurden seit 1991 sage und schreibe 176 Mio Euro investiert (inkl. Semperbau). Das ist etwa die Hälfte in Relation zum Residenzschloß und sehr erstaunlich.
Die aktuelle Maßnahme an der Bogengalerie L kostet 14,3 Mio. Die kommende Hofsanierung nochmals stolze 10 Mio.

Sehr erfreulich ist zudem Folgendes, was wiederum ein Puzzleteil des Lichtmasterplans Innenstadt betrifft und schon lange überfällig schien:
Zitat:
Auszug aus der PM:
Auch die Beleuchtung im Innenhof wird neu gestaltet. Insgesamt wird eine unauffällige Ausleuchtung der Hoffläche für Fußgänger angestrebt. Zusätzlich zur Ausleuchtung der Wege ist eine dezente Anstrahlung für die Gebäudefassaden der Pavillons, der Lang- und Bogengalerien, des Kronentors und der Gemäldegalerie vorgesehen.

Zur Bewässerung der im Mai 2019 festlich aufgestellten 72 Orangenbäume wird zukünftig eine separate Gießwasseranlage mit aufbereitetem Wasser installiert. Parallel dazu erfolgt die Sanierung von zwei Hofbrunnen.
Damit dürfte das spätabendliche Wandeln im Zwingerhof an Attraktivität zulegen, wobei dies mit späteren Verschließzeiten des Hofs einhergehen müsste. Inzwischen scheint man aber demgegenüber offener zu sein.
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Alt 28.06.19, 22:10   #321
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Im Stallhof ist die Stechbahn aufgebaut

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Alt 01.08.19, 23:27   #322
Elli Kny
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Palais Sekundogenitur - Auffrischung fertig
zuletzt #313




Rückseite an der Terrassengasse



Bonusbild Münzgasse an der Kunstakademie
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Alt 06.08.19, 18:15   #323
Chris1988
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Folgend bewegte Bilder zum aktuellen Ausbaustatus des Langen Gangs

https://www.sachsen-fernsehen.de/lan...losses-645204/

Man sieht auch sehr gut wie mit den Fensternischen umgegangen wird, wo noch Farbreste erhalten sind.

Die Technik ist soweit drin. Es folgen noch MAlerarbeiten und das Verlegen des Fußbodens. Es fehlen auch noch einige goldene Zapfen an der Holzdecke.

An der Außenfassade wurden auch alte Malereien gefunden, die wieder freigelegt werden. Es wird aber nicht weiter darauf eingegangen.
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Alt 11.08.19, 07:00   #324
BautzenFan
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3sat brachte gestern eine Reportage über die aktuellen Festlichkeiten in Dresden zum Jubiläum der Hochzeit 1719. Der Teil, in dem die „Baustelle“ Paraderäume gezeigt wird, ist leider nur wenige Minuten lang. Aber – schon wegen einer Aufnahme lohnt sich die Sache: Man sieht, und zwar in Großaufnahme, die beiden Fayence-Öfen im Eckparadesaal. Die beiden Ofennischen sind offenbar auch fertig.

Beginn Filmsequenz Paraderäume: 20:00
Tischlerarbeiten in einer der beiden Retiraden: 20:01
Eckparadesaal mit Fayence-Öfen: 20:07
Audienzgemach: 20:34 (Das Parkett liegt)
Restaurierungswerkstatt im Schloss/Propositionssaal: 21:05 (bei 21:17 sieht man 2 Supraportenrahmen, die auf den Einbau warten.)
Paradeschlafzimmer: 21:32 (Die Vergoldungsarbeiten an den Profilen der Lambris sind im Gange, einige Abschnitte sind fertig, bei 22:22 sieht man ein Stück in Bearbeitung. / Die ersten Samtbahnen hängen bereits – überall dort, wo die weißen Tücher hängen. / Aussage Chefrestaurator Herr Walther: Im PSZ sind wir am weitesten.)

Viel Freude beim Anschauen:
https://www.3sat.de/gesellschaft/laendermagazin
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Alt 15.08.19, 21:56   #325
Elli Kny
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betreffs: Risalitschmuck Taschenbergpalais - Frage an die Bau- bzw Kunsthistoriker

Nur zufällig machte mich ein Bild in einem Rokoko-Büchlein stutzig, denn erstmals fiel mir auf, daß es Abweichungen des Figurenschmuckes der Traufe am Taschenbergpalais
seit dessen Wiederaufbau gibt. Wenngleich Plastiken an der Traufkante zur Entstehungszeit des Palais teils noch zu fehlen scheinen, ist für die Folgezeiten doch ein
historischer Dauerzustand mit Schmuck in zahlreichem Bildmaterial überliefert.

So zeigen Motive aus der Dt. Fotothek den historischen Zustand über dem Mittelrisaliten mit bekrönter Kartusche samt Mars- und Minervafigur links und rechts davon.
Siehe Bild 1, Bild 2 oder Bild 3.

Selbst über die Jahrzehnte des Ruinen-Daseins nach dem 2.WK sowie noch bis zum Rekonstruktionsbeginn Anfang der 1990er Jahre verblieben jene Figuren an Ort und Stelle.
Siehe Bild 4, Bild 5 oder Bild 6.

Über dem heutigen Hauptzugang befindet sich seit dem Wiederaufbau jene bekrönte (Wappen)Kartusche (soll ggf den Haupteingang markieren), während Mars und Minerva am Mittelrisalit des Innenhofes (Südfassade) neue Verortung fanden. Letztere flankieren jedoch nun die Putten-Girlande - siehe an unbetimmten Ort in Bild 7, wogegen über heutigem Haupteingang einst noch kein Schmuck vorlag - siehe Bild 8.

Heute präsentiert es sich so (Bild von 2008): Mittelrisalit oben leer, rechts überm Eingang die bekrönte Kartusche. Auch die Gaubenanordnung ist geändert, was ich nicht infrage stelle.


Im Innenhof dann die Putten-Girlanden-Gaube flankiert von Mars und Minerva:





^ Detail mit Minerva

Fragen: Warum wurde das alles beim Wiederaufbau abgeändert, wie ist dies bauhistorisch und denkmalpflegerisch erklärbar?
Eine mutmaßlich historisch "korrekte und überlieferte" Aufmachung wirkte zum Theaterplatz doch deutlich attraktiver als für die Meisten versteckt im Innenhof.
Offenbar orientierte sich der Denkmalschutz am frühesten Ur-Zustand gemäß zB diesem Bild oder dieser Planansicht. Das könnte die Lösung sein.
Eine Markierung (sofern beabsichtigt) des neuen Haupteingangs ist zwar verständlich, warum aber entkoppelte man zudem die Figuren von der Kartusche hin zur Gauben-Girlande?

Nunmehr bekommen nur Kunden oder Gäste des Nobelhotels die Figuren im Hof zu Gesicht sowie die interessierte Kundschaft der Schlittschuhbahn im Winter.



Bonusbild: Haupttreppenhaus mittig des Palais

Bilder: ich

Geändert von Elli Kny (15.08.19 um 22:15 Uhr)
Elli Kny ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.19, 02:16   #326
BautzenFan
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Zitat:
Warum wurde das alles beim Wiederaufbau abgeändert, wie ist dies bauhistorisch und denkmalpflegerisch erklärbar?
Die Vermutung von Elli Kny ist völlig richtig, ich habe den Sachverhalt mal etwas ausführlicher dargelegt.
Zur gedanklichen Anbindung zunächst die Kurzfassung der Baugeschichte des Taschenbergpalais (basierend auf Löffler):

- Mitteltrakt von Pöppelmann 1707 bis 1711 („reiner“ Barock)
- 1756: Schwarze („Hauptakteur“ des Dresdner Rokoko) erhält den Auftrag zur Erweiterung, er schuf die westlichen Flügelbereiche und die mittlere Hofanlage
- Den Ostbau übernahm nach dem siebenjähriegen Krieg der „nüchterne“ Exner, der die Gegenseite (A: Westflügel) einfach wiederholte – ohne die Brunnen.
Erst um 1850, nach dem Verzicht auf das Mansarddach, stellte man auf den Hauptsims des Pöppelmannschen Mittelbaues das Wappen sowie die beiden bekrönenden Statuen des Mars und der Minerva vom Mitteltrakt Schwarzes.

Datiert vom Juni 1986 hatte man seitens der Dresdner Denkmalpflege eine fachlich fundierte „Denkmalpflegerische Zielstellung“ für das Taschenbergpalais erarbeitet, die analog der entsprechenden Ausarbeitung für das Residenzschloss nur als vorbildlich bezeichnet werden kann. Inwieweit dieses Programm unter den wirtschaftlichen Bedingungen der Spät-DDR Chancen auf Realisierung hatte, steht dabei natürlich auf einem anderen Blatt.
Wenige Jahre später kam die politische Wende. Der Freistaat Sachsen als Eigentümer der Immobilie schloss mit dem Investor Advanta einen Vertrag über den Wiederaufbau des Palais – Es wurde aber nicht verkauft, sondern man übereignete es mit Erbbaurechtsvertrag auf 99 Jahre. Dem Investor wurde dabei als Bedingung „aufgedrückt“, die vorliegende Denkmalpflegerische Zielstellung von 1986 zu verwirklichen. Dazu Auszüge aus einem Artikel:
Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen – Sonderheft 1997

Zitat:
Als der Freistaat Sachsen als Eigentümer der ehemaligen sächsischen Thronfolgerresidenz am 6. September 1991 mit der Advanta Management AG Frankfurt/M. den Erbbaurechtsvertrag auf 99 Jahre abschloss, das Gebäude als Hotel wiederaufzubauen, waren noch immer erhebliche Teile der originalen Substanz erhalten. Es standen – dank der Mauerkronensicherungen 1952 – sämtliche Außenwände des Hauptgebäudes mit ihren Stuck- und Putzdekorationen, mit der Mehrzahl der Gewölbe der Vestibüle und Gänge im Erdgeschoss und mit Teilen des barocken Haupttreppenhauses…….

Davon ausgehend hatte das Staatsministerium der Finanzen im Erbbaurechtsvertrag formuliert: „Die Erbbauberechtigten sind berechtigt und verpflichtet, die auf dem Grundstück befindlichen Gebäude (Taschenbergpalais) zu einem Hotel der obersten Kategorie aus- und umzubauen, wobei die Erbauberechtigten die als Anlage 2 beigefügten denkmalschützerischen Vorgaben unter Berücksichtigung der für den Hotelbetrieb erforderlichen organisatorischen Notwendigkeiten zu beachten haben. Die vorhandene Bausubstanz ist nach Absprache mit dem Landesdenkmalamt so weit wie möglich zu erhalten und in den Neuaufbau des Taschenbergpalais einzubeziehen.“ Die Anlage 2 beinhaltet die Kurzfassung der vom Landesamt für Denkmalpflege vorbereiteten Denkmalpflegerischen Zielsetzung vom Juni 1986.

[Anm.: Nachfolgend Auszüge aus dieser Liste (war wie gesagt Vertragsbestandteil), stark gekürzt, aber in den wiedergegebenen Passagen wörtlich zitiert:]

Zur Untersuchung und Dokumentation
[Anm.: Mega-Umfang, ich sage nur: das volle denkbare Programm]

Zur Wiederherstellung des Äußeren
[u. a.]
- Erhaltung und Ergänzung aller Fassaden nach Norden im Zustand von 1767, d. h. ohne die Aufstockung der Altane um 1850 in den beiden Ehrenhöfen;
- Wiederherstellung der hohen Mansarddächer von 1767 im Wechsel mit Walmdächern;
- Rückführung der um 1850 umgeordneten Plastiken auf dem Hauptsims des Hauptvordergebäudes an ihre ursprünglichen Standorte von 1767 im großen Innenhof bzw. westlichen Ehrenhof;

Zur Wiederherstellung des Innern
[u. a.]
- Hauptvordergebäude: Wiederherstellung der ursprünglichen Grundrisslösung und Erhaltung bzw. Rekonstruktion der drei Eingangshallen, der Vestibüle, des inneren Längsganges und des Haupttreppenhauses (A: siehe Foto von Saibo) bei maximaler Verwendung originaler Substanz an inneren Wänden, Gewölben, Pfeilern und Pilastern. Bewahrung der Grundrissstrukturen im 1. und 2. Obergeschoss.
-Haupthintergebäude: (u. a.) Rekonstruktion der Geometrie der Hauskapelle und der anliegenden Kapellentreppe.
- Erhaltung aller Keller in ihrer originalen Substanz.
Auch die Einflussnahme der Denkmalpflege während des Baus war optimal:
(Quelle noch mal das bereits genannte Mitteilungsheft)

Zitat:
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass das mit der Funktionsplanung beauftragte Architekturbüro noch keine Erfahrungen im Umgang mit historischen Strukturen und Baudetails hatte, entschloss sich das Amt, einen Mitarbeiter weitgehend für diese Bauaufgabe freizustellen, denn es hätte zu keinem Erfolg geführt, vorgelegte Planungen nach denkmalschutzrechtlichen bürokratischen Verfahren zu bestätigen oder nicht zu bestätigen. Hier galt es, während der Planung und dann auf der Baustelle direkt mitzuwirken.
Es bleibt festzuhalten:
Die baulichen Veränderungen im Vergleich mit dem unmittelbaren Vorkriegszustand sind allesamt durch zwingende Vorgaben der Denkmalpflege zustande gekommen. Man kann die Vorkriegslösung durchaus ästhetisch finden, aber zum Beispiel die zur Rokoko-Zeit von Schwarze geschaffene Bekrönung im Westflügel hat nun mal entstehungsgeschichtlich nichts mit dem Pöppelmann-Bau zu tun.
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Alt 16.08.19, 13:06   #327
Elli Kny
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^ Danke sehr, das ist genau eine zureichende Fachantwort. Ich habe es gestern bereits beim Posting und weiteren Bildbetrachtungen in der Fotothek selbst gelöst, allerdings ohne die Bauphasen nochmal nachgelesen zu haben (nur gedacht daß...). Ich beließ die Sache aber als interessante Beobachtung und Hinterfragung im Strang stehen. Solche Dinge können ggf auch an anderen Bauwerken auftauchen, und zeigen auch für andere unerwartete Hintergrunddinge auf.

Am Taschenbergpalais gab es zudem keine dominierende Zeitspanne eines Zustandes (wie ich anfangs vermutete), und wenn - wäre das denkmalpflegerisch nicht unbedingt Argument. Eben genau durch das "hohe Mansarddach" sowie langer Traufkante, galt es in der "Zwischenzeit" (also ab dem 19.Jh.) wohl als architektonisch-harmonisierende Verbesserung, als man den Figurenschmuck anders organisierte. Wirkt hohes Dach samt weiter Trauflänge am Gesamtgebäude doch irgendwie als wie ein bißchen "abgesägt" - irgendwas fehlt noch... .
Die denkmalpflegerische Zielstellung war aber - wie besagt - hervorragend herausgearbeitet, insofern kann es hierzu keinen Einwand geben. Geschmäcklerische Rest-Tatbestände sind einer solchen fundierten Zielstellung unterzuordnen. Der Bau sollte einer bestimmten Zeitschicht wieder zugeführt werden, was wohl auch ganz gut zur zeitlichen Reko-Zielstellung am benachbarten Schloss passt.
Natürlich wird manches andernorts anders gehandhabt - es liegt doch auch immer am jeweiligen Personal der Zeit, aber auch das ist unerheblich. Soll nur heißen: auch im Zustand um 1850 wäre das neue Taschenbergpalais sicher ein tolles Ergebnis gewesen, man entschied sich aber für eine andere Zielstellung, welche die "Verbesserungsbemühungen" des 19.Jh. doch lieber entwertete. Hier fängt dann schon Denkmalphilosophie an, sollte man spätere Zeitschichten als natürlichen Prozess und folglich ebenbürtigen Bestandteil eines Bauwerklebens betrachten, so stellt ein Rückgriff auf Urzustände samt Auslassung der Zwischenzeit letztlich auch eine von mehreren gangbaren Positionierungen in der Denkmalpflege dar - oder täusche ich mich?

Die DDR-Zeit bot den "Vorteil" genügender Zeit für ausführliche Recherche und Überlegung von künftigen Bauaufgaben. Zudem konnte die Denkmalbehörde durch universitäre Beihilfen teils kräftig unterstützt werden. Die Ergebnisse in den Schubladen wurden bekanntlich zum hochgeschätzten und abrufbaren Fundus für die dann nachwendlich möglich werdenden Projekte. Insofern ist alles in Ordnung und weder fachlich noch subjektiv zu beanstanden.
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Alt 16.08.19, 17:14   #328
antonstädter
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^Das Taschenbergpalais hatte nach dem Verlust des Mansarddaches eher die Anmutung einer Kaserne denn eines Palastes. Insofern kann man die damalige Entscheidung der Denkmalpflege nur begrüßen.
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