Zurück   Deutsches Architektur-Forum > Architektur, Städtebau und Bauwesen: Regionale Themen > Mitte > Frankfurt am Main

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 14.05.14, 09:23   #106
mikesch
Junior-Mitglied

 
Registriert seit: 14.04.2014
Ort: Frankfurt am Main
Alter: 52
Beiträge: 42
mikesch ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Leider muß ich immer wieder feststellen, daß den meisten Leuten nicht nur das Innere eines Gebäudes egal ist sonder auch das Äußere, das ist schon ein wenig frustrierend.
mikesch ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.14, 12:06   #107
export
Senior-Mitglied

 
Benutzerbild von export
 
Registriert seit: 25.02.2007
Ort: Wiesbaden
Beiträge: 224
export ist ein hoch geschätzer Menschexport ist ein hoch geschätzer Menschexport ist ein hoch geschätzer Menschexport ist ein hoch geschätzer Mensch
Das spannenste Zitat aus dem Artikel ist meiner Meinung nach:

„Wir haben hier kein Baudenkmal erster Güte, sondern einen Nutzbau, der mehrfach überformt wurde.“

Da fragt man sich natürlich, was so eine umgangssprachliche Kategorie wie Nutzbau an dieser Stelle bedeuten soll. Irgendwie ist jeder Bau ein Nutzbau, auch eine Kirche wird irgendwie genutzt. Wahrscheinlich wollte er nur sagen, dass bei der Planung allein die spätere Nutzung im Vordergrund stand und eben nicht die Gestaltung, was dann mit dem Zeitschichten-Geschwurbel verklärt wird!

Und das mit dem Baudenkmal erster Güte ist natürlich ein Witz, bzw lässt tief blicken. Wenn so viele Frankfurter und Nicht-Frankfurter eine so starke emotionale Bindung zu diesem Gebäude aufgebaut haben, was man auch hier im Forum merkt, dann ist der herausragende Denkmalscharakter doch ganz offensichtlich. Aber leider und offensichtlich zählen nur die blutleeren, abstrakten, politisierten Kategorien, die dann den achso bedeutenden Rechnungshof zu einem Denkmal aller ersten Ranges werden lassen!
export ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.14, 13:47   #108
penultimo
Wichtiges Mitglied

 
Benutzerbild von penultimo
 
Registriert seit: 14.09.2010
Ort: ffm
Beiträge: 416
penultimo ist im DAF unverzichtbarpenultimo ist im DAF unverzichtbarpenultimo ist im DAF unverzichtbarpenultimo ist im DAF unverzichtbarpenultimo ist im DAF unverzichtbarpenultimo ist im DAF unverzichtbarpenultimo ist im DAF unverzichtbarpenultimo ist im DAF unverzichtbar
Bankrotterklärung

Das ist doch die eigentliche Bankrotterklärung eines jeden Architekten:

Zitat:
Nun verteidigt Kulka seinen Entwurf: "Es ist ein schwieriges Projekt, weil es so komplex ist" sagt er.
Mit anderen Worten: er hat es einfach nicht hinbekommen, Nutzen und Gestaltung in Einklang zu bringen.
penultimo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.14, 14:52   #109
Schmittchen
DAF-Team
 
Benutzerbild von Schmittchen
 
Registriert seit: 04.04.2003
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 8.216
Schmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes Ansehen
Eine der Wurzeln des Übels ist, dass die Planung eine sehr hohe Ausnutzung des historischen Ensembles vorsieht. In den nach Teilabriss neu zu errichtenden fensterlosen weißen Kuben werden Magazinflächen vorgesehen sein. Man fragt sich, ob die Sammlungen wirklich auf Kosten der Verschandelung der alten Universität an eben diesen Stellen untergebracht werden müssen. Warum nicht in einem oder mehreren separaten Neubauten im Innenhof, etwa dort wo bis vor kurzem noch sehr unauffällig die Wolfgang-Steubing-Halle für Sonderausstellungen stand? Oder eben wie bisher in dem ein paar Minuten entfernten Arthur-von-Weinberg-Haus in der City-West (dieser Standort soll aufgegeben werden). Außer Bequemlichkeit fällt mir kein Grund dafür ein.

Geradezu lachhaft in diesem Zusammenhang der vorgesehene "Museumspark" gleich westlich der Alten Physik. Wer braucht ein fast den ganzen Tag im Schatten liegendes Hundeklo auf heute bebauten Flächen? Besser wäre es, dort die benötigten Magazinflächen zu schaffen, gegebenenfalls (auch) unterirdisch, statt die gründerzeitlichen Gebäude mit Funktionen zu überfrachten und dabei völlig zu entstellen.

Ausschnitt aus dem demnächst auszulegenden Bebauungsplanentwurf Nr. 569 "Senckenberganlage / Bockenheimer Warte", der "Museumspark" ist schraffiert:


Plan: Stadtplanungsamt Frankfurt am Main
Schmittchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.14, 15:34   #110
Torben
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 25.09.2007
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 276
Torben ist essentiellTorben ist essentiellTorben ist essentiellTorben ist essentiellTorben ist essentiellTorben ist essentiellTorben ist essentiellTorben ist essentiellTorben ist essentiell
Warum unterirdische Magazinflächen neu bauen, wenn es wenige Meter entfernt solche gibt? Im U-Bahnhof Bockenheimer Warte wurden mit der U4-Verlängerung riesige Magazinflächen geschaffen, die seit der Fertigstellung 2001 bisher ungenutzt sind. Ursprünglich waren sie mal als Erweiterungsflächen für die Uni-Bibliothek vorgesehen. Doch dieser Plan wurde aufgegeben als klar wurde, dass die Uni den Standort verlässt. Die Räume wurden trotzdem gebaut - mit Ausnahme der Magazinflächen über der Bahnsteighalle (die ursprünglich einstöckig geplante Bahnsteighalle der U4 erstreckt sich deshalb heute über zwei Ebenen). Über den Weichenstraßen vor und nach der Station und über der Wendeanlage unter der Zeppelinallee gibt es die Räume aber ... meiner Kenntnis nach leerstehend.
Torben ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.14, 15:43   #111
Fachwerkhaus
retroprogressiv™
 
Benutzerbild von Fachwerkhaus
 
Registriert seit: 04.03.2006
Ort: Helenopolis am Main
Alter: 33
Beiträge: 479
Fachwerkhaus braucht man einfachFachwerkhaus braucht man einfachFachwerkhaus braucht man einfachFachwerkhaus braucht man einfachFachwerkhaus braucht man einfachFachwerkhaus braucht man einfach
Die Lagerräume südlich der Station werden von Anfang an vom Museum als Magazin genutzt, ich war während eines Praktikums vor Jahren mal drin.

Man hat recht hohe Standards für die Lagerung, Halon-Löschanlage inklusive. Empfindliche Exponate von den weiter entfernt liegenden Lagerräumen durch Wind und Wetter ins Hauptgebäude zu schaffen wird den Verantwortlichen wohl zu riskant sein.

Zum Rest des Projekts enthalte ich mich lieber einer Meinung, ist meiner Gesundheit förderlicher.
Fachwerkhaus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.14, 21:57   #112
Wolfman-Al
Mitglied

 
Registriert seit: 07.08.2013
Ort: Frankfurt
Beiträge: 162
Wolfman-Al ist ein hoch geschätzer MenschWolfman-Al ist ein hoch geschätzer MenschWolfman-Al ist ein hoch geschätzer MenschWolfman-Al ist ein hoch geschätzer Mensch
Da geht mir doch der Hut hoch!
Diese halbärschige Rechtfertigung von Kulka ist der letzte Tropfen der dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt. Nicht nur das er mit einer maßlos selbstgefälligen Arroganz für sich in Anspruch nimmt besser zu wissen wie dieses Museum zu sein hat als jeder gebürtige Frankfurter, nein gleichzeitig bezeichnet er die schöne klassische Architektur des Gebäudes als minderwertig!!!
Ich hab es gesagt und sage es wieder, diese monströse Obszönität ist nicht mehr unser Senckenbergmuseum, jeder Frankfurter sollte es boykottieren wenn es so gebaut wird!
Wolfman-Al ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.05.14, 20:51   #113
cjbffm
Junior-Mitglied

 
Registriert seit: 04.05.2014
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 41
cjbffm sorgt für eine nette Atmosphärecjbffm sorgt für eine nette Atmosphärecjbffm sorgt für eine nette Atmosphäre
Hier ist doch schon von weit höheren Summen berichtet worden, die der Umbau kosten soll als die neuerdings kolportierten 70 Millionen (von 110 bis 180 Milionen war alles dabei).
Und wenn der Betrag so knapp bemessen ist, warum muß man Sammlungen im Jügelhaus (die alte Physik lasse ich jetzt mal außen vor) unterbringen, die eine Feuerlöschanlage, völlige Dunkelheit oder Klimatisierung benötigen oder von utopischem Gewicht sind? Dann wäre es doch besser und billiger gewesen, bei der alten optischen Fabrik in der Kuhwaldstraße zu bleiben oder neue Magazingebäude zu errichten. Zum Beispiel anstelle des Hörsaalgebäudes Ecke Gräfstraße / Mertonstraße oder des Heizkraftwerkes gleich daneben. - Doch halt! Das ist ja einer der geschätzen Kramerbauten...

Und zu Kulkas "Nutzgebäude". Dabei unterschlägt er aber (wahrscheinlich absichtlich), daß es zu den Zeiten, als das Jügelhaus entstand, üblich war, solch einem "Nutzbau" eine Gestalt zu geben, die nach außen hin weit mehr ausdrückte als den bloßen Zweck. So soll das Jügelhaus angelehnt sein an das Mannheimer Schloß. Und damit hat das Bürgertum, welches damals die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften ins Leben rief, ausdrücken wollen, daß es keinen Landesherrscher benötigte, um solch eine Einrichtung zu finanzieren und ein solch prächtiges Gebäude zu errichten.

Nun soll ihm offenbar die letzte Pracht genommen werden, um es zu einem Zweckbau herabzuwürdigen. Aber denke ich an die schrecklichen Fenster im Senckenberg-Hauptgebäude oder die völlige Verunstaltung des Senckenberg-Festsaals war aus diese Richtung leider nichts anderes zu erwarten. Wenn ich dennoch auf besseres gehofft hatte, dann dewegen, weil ich glaubte, die Sünden der 60er und 70er Jahre würden unter Moosbrugger nicht fortgesetzt, weil er eine andere Generation repräsentiert. Aber sicher haben er und die anderen Verantwortlichen bei Senckenberg die Geschmacksverirrung von ihren Vorgängern geerbt.

Geändert von cjbffm (16.05.14 um 13:30 Uhr)
cjbffm ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.05.14, 21:34   #114
skyliner
Goldenes Mitglied

 
Benutzerbild von skyliner
 
Registriert seit: 17.01.2008
Ort: Niederdorfelden
Alter: 47
Beiträge: 1.468
skyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehenskyliner genießt höchstes Ansehen
Der Vollständigkeit halber: Im HR-Videotext wird über den heute begonnenen Senckenberg-Umbau berichtet und von rund 116 Mio. € gesprochen!

Ja was denn nun, wenn gestern noch in der FNP von ca. 70 Mio. € berichtet wurde!? Eine Steigerung von über 50% oder schlappen 46 Mio. € nach 1 Tag!?

Was soll das? Wird hier jeweils von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgegangen?

Wer kolportiert welche Zahlen? Handelt es sich nur um schlechten Journalismus von einer der Seiten? Gar absichtliche Leuteverdummung? Auch das läßt schon tief blicken. Man kann als Bürger noch nicht mal erwarten, daß man eine einigermaßen belastbare Zahl genannt bekommt. Wie soll man dann erwarten, das "anständig" und den Bauten "angemessen" renoviert wird? Man könnte glatt heulen!

-----------------
Mod: Der erwähnte FNP-Artikel ist auch online zu finden.
skyliner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.05.14, 23:36   #115
cjbffm
Junior-Mitglied

 
Registriert seit: 04.05.2014
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 41
cjbffm sorgt für eine nette Atmosphärecjbffm sorgt für eine nette Atmosphärecjbffm sorgt für eine nette Atmosphäre
Schlimmer noch: im Kurznachrichtenblock in der Hessenschau von heute, 19h30, wurde "berichtet", die anliegenden Gebäude hätten länger Zeit leergestanden und seien baufällig (!).

So eine hirnverbrannter Unfug hat mich herausgefordert, denen zu mailen. Ob diese Aussagen in der Hessenschau Kompakt um 22h30 dann immer noch kamen, konnte ich bisher mangels Bandbreite beim Surfen per Handy noch nicht überprüfen. Die Sendung habe ich vorhin verpaßt.
cjbffm ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.14, 01:02   #116
Saxonia
Diamant-Mitglied

 
Benutzerbild von Saxonia
 
Registriert seit: 26.08.2011
Ort: Altenburg
Beiträge: 3.231
Saxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz seinSaxonia kann im DAF auf vieles stolz sein
Wurde das Interview der FAZ mit Peter Kulka und Volker Mosbrugger hier schon erwähnt respektive verlinkt?
„Wir nennen das evolutionäres Bauen“
http://www.faz.net/aktuell/rhein-mai...-12940248.html

Die gravierenden Eingriffe in das Äußere werden abermals mit den Nutzungsansprüchen gerechtfertigt. Hinzu kommt die lapidare Festellung des Herrn Mosbruggers, es handele sich ja nur um ein historisches Denkmal, nicht um ein künstlerisches.
__________________
Für den Erhalt der Zittauer Mandaukaserne
Kontoinhaber: Freunde der Mandaukaserne e.V.
IBAN: DE17 1207 0024 0568 8833 60 BIC:DEUTDXXX Deutsche Bank PGK
Saxonia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.14, 05:59   #117
AndoBrando
Junior-Mitglied

 
Registriert seit: 16.02.2014
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 82
AndoBrando sorgt für eine nette AtmosphäreAndoBrando sorgt für eine nette AtmosphäreAndoBrando sorgt für eine nette Atmosphäre
"Wir nennen das evolutionäres Bauen" - das ist zutreffend, nur leider führt ein schwerer Gendefekt in der jüngsten Evolutionsstufe zu einer fatalen Mutation - Gebäude tot! Der Architekt erweist sch als ein Hybrid aus Frankenstein und Aasgeier, der dieses arme Geschöpf erst in die Welt setzt und schließlich bei dessen Tod seine eigene Selbstgefälligkeit am verwesenden Kadaver weidet.
Solche Bilder kommen einem wenn man wie in dieser Nacht sehr schlecht schläft und/oder wenn man das entlarvende Interview mit Kulka liest.
Als habe es die letzten 30-40 Jahre Architekturgeschichte nicht gegeben, wird jede Form von Repräsentation und Ästhetik vollkommen negiert. Es ist bezeichnend, mit welcher Süffisanz Kulka von den "Türmchen" spricht und von der Fassade die "So tut als ob" sie ein Schloss wäre. Ist denn nicht Repräsentation durchaus ein Zweck? "Das tun als ob", das darstellen wollen, das sich zeigen wollen, das Eigenwillige, das Eigene, der Wunsch nach Identität eines Gebäudes ist aus Sicht der klassischen Moderne immer noch ein Frevel, den es mit aller inquisitorischen Strenge auszutreiben gilt... naja zumindest weiß man Fassaden immer noch nicht zu schätzen. Ein Gebäude das nur aussieht wie ein Schloss, auch wenn darin kein König haust, hat dennoch ein Recht so auszusehen, weil seine Fassade die Funktion erfüllt, Ausdruck des Stolzes, der Lebenslust seiner Besitzer zu sein. Repräsention ist kein Verbrechen. Häuser müssen nicht tot sein wie calvinistische Kirchen. Keine der angesprochenen Evolutionsstufen, nicht mal Kramer (!), hat diese grundlegende Funktion des Gebäudes prinzipiell in Frage gestellt, bis auf die Letzte. Die zerstört die Arbeit und den Schöpfergeist der Vorgänger.
Natürlich hat der Architekt recht, wenn er von einem Gebäude verlangt, ein Nutzgebäude für die gegenwärtige Funktion (Forschung und Lehre) zu sein. Den Weg, den er für das Gebäude dahin wählt ist leider der Zerstörerischste. Wenn der Altbau in seiner Repräsentativen und dabei unpraktischen Ausführung wirklich so schwer vereinbar oder gar unvereinbar mit der neuen Funktion ist, dann sollte man darüber nachdenken, ob es nicht besser wäre, an anderer Stelle einen kompletten Neubau zu errichten. Wenn man aber die alte Funktion der Repräsentation vernichtet, um die neuen Herausforderungen irgendwie in das Gebäude zu zwängen, dann ist niemandem gedient. Nicht dem Altbau und nicht den Forschern.
Ich will gar nicht für eine Totalrekonstruktion werben, die vermutlich wirklich den Kostenrahmen sprengen würde und jeder heutigen Funktion ihre Grenzen aufzeigt. Auch das Geld für einen wirklich spektakulären, eigenwilligen Bau der Gegenwartsarchitektur, der in einen Dialog mit dem Bestand tritt, scheint zu fehlen (ach, was könnte Chipperflied hier bewirken!), aber die letzten Jahrtausende Architekturgeschichte haben den Herren Architekten doch das ein oder andere einfache Werkzeug zur Hand gegeben, das es dann wohl auch Herrn Kulka ermöglichen sollte die Proportionen seiner Erweiterung zu gliedern (ganz im Sinne eines "Baukastens" mit dem selbst der stümperhafte Laie Architektur gestalten kann).
Die Aufgabe ist ja tatsächlich Heikel. Wie bereits von Vorrednern erwähnt, versucht man hier offensichtlich auf Gedeih und Verderb möglichst viel Nutzfläche in das altehrwürdige Gebäude zu stopfen. Aber die Lösung von Kulka erscheint Plump. Muss sich das letzte Geschoss denn wirklich wie ein Kuhfladen auf dem Altbau ausbreiten, dass man Angst haben muss, es läuft bald über? Kann man denn die Höhe nicht ein wenig variieren? Oder der Gebäudeteil, der von diesem weißen Kubus erdrückt wird - wären denn da nicht das ein oder andere Fenster denkbar, oder irgendetwas anderes, es muss ja nicht die Welt kosten, das dieses Monstrum einer Fassade mit ein paar einfachen Linien zähmt? Am Rossmarkt und in immer mehr Teilen der Stadt macht man doch vor, wie die klare Sprache der Moderne und das wissen um Proportion sich nicht ausschließen müssen.
Kulka mag lapidar behaupten, Schönheit liege im Auge des Betrachters und sei deswegen kein Kriterium, aber damit irrt er. Ein goldener Schnitt war noch nie geschmäcklerisch. Solche ästhetischen Grundmuster sind doch recht konstant, weswegen es ratsam ist, sie nicht zu ignorieren. Es gibt eben doch Dinge, die alle Moden überdauern und dabei immer als ansprechend empfunden werden. Zusammen mit einem positiven Bezug, den die Einwohner zu einem Gebäude, macht es dieses erhaltenswert. Aber das zählt ja nicht... nur das Zeugnis der Geschichte ist erhaltenswert! Architektur als Dokument! Ach, hätte doch Goethe persönlich unters Dach geschissen, dann würden die Denkmalpfleger noch das Geld für ein pädagogisches, multimediales Klosettmuseum im rekonstruierten Dachstuhl beschaffen... aber die sind ja gerade damit beschäftigt den ehemaligen Bundesrechnungshof gegen die ästhetisch so naiven Bürger der Stadt zu schützen, die nicht den Denkmalwert fehlgeleiteten Städtebaus aus der Vergangenheit erkennen wollen.... Ich schweife ab. Das war jetzt auch wirklich genug Polemik.
Die Nacht ist vorbei, jetzt muss ich zumindest nicht mehr von dem Gebäudemonstrum träumen. Ich hoffe mal, die natürliche Selektion übernimmt den Rest.

Ps: Dieser Text wurde auf einem Smartphone im Bett getippt... nach dem EDIT sollte man das aber nicht mehr merken.

Geändert von AndoBrando (17.05.14 um 16:41 Uhr) Grund: EDIT: In der ersten Version war von dem Bundesgerichtshof die Rede. Es war natürlich der Bundesrechnungshof gemeint.
AndoBrando ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.14, 06:46   #118
Schmittchen
DAF-Team
 
Benutzerbild von Schmittchen
 
Registriert seit: 04.04.2003
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 8.216
Schmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes AnsehenSchmittchen genießt höchstes Ansehen
Wer von Leichtgewicht Peter Feldmann tatsächlich den markigen Sprüchen ("ich interveniere!") entsprechendes Engagement erwartet hat, der wird einmal mehr enttäuscht. Laut FNP möchte er einer "ästhetischen Diskussion" aus dem Weg gehen. Feldmanns Amtsvorgängerin hätte sich gewiss energisch dafür eingesetzt, dieses Debakel zu verhindern. Vom aktuellen Oberbürgermeister hingegen gibt es warme Worte zum Spatenstich, ansonsten geht er lieber Bähnchenfahren im Odenwald.

Zu #115: Die hier im Thread mehrfach erwähnten 116,8 Millionen Euro Steuergeld ergeben sich aus dem Bewilligungsbescheid (Beitrag #12 von Juli 2012). 70 Millionen beträgt der Anteil des Landes Hessen daran (Quelle). Diese Zahl hat den Verfasser des Zeitungsartikels offenbar ins Schleudern gebracht.
Schmittchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.14, 08:35   #119
Hausmeister
Senior-Mitglied

 
Registriert seit: 01.05.2014
Ort: Friedrichsdorf
Beiträge: 228
Hausmeister ist im DAF berühmtHausmeister ist im DAF berühmt
In ihrer heutigen Printausgabe berichtet die FAZ vom gestrigen Spatenstich. Direktor Mosbrugger sprach von einer "Jahrhundertchance" und lobte Kulka für seinen sensiblen Umgang mit alter Bausubstanz. Kulka bezeichnete die neuen Dachaufbauten als angemessen; sie seien aber durchaus eine "Provokation der Sentimentalität". Man habe "von innen heraus" geplant, die Vernetzung der Gebäude habe im Vordergrund gestanden. Eine Rekonstruktion stünde dem Inhalt und der Idee der Vernetzung entgegen.

Da haben wir es: Alle, die es wagen, gegen die katastrophalen Pläne Widerspruch einzulegen, sind sentimentale Spinner. Asche über unser Haupt, wir sind einfach zu blöd, die "Von innen heraus"-Idee und überhaupt die ganze Vernetzungs-Geschichte zu verstehen. Danke, Herr Kulka, für die Erleuchtung!

Laut FAZ stammen übrigens 70 Mio. EUR vom Land und 46 Mio. EUR vom Bund, macht zusammen 116 Mio. EUR.
Hausmeister ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.14, 10:25   #120
frank353
Wichtiges Mitglied

 
Benutzerbild von frank353
 
Registriert seit: 14.09.2006
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 420
frank353 ist ein hoch geschätzer Menschfrank353 ist ein hoch geschätzer Menschfrank353 ist ein hoch geschätzer Menschfrank353 ist ein hoch geschätzer Mensch
Eine unglaubliche Arroganz, die Herr Kulka an den Tag legt.

Das Gebäude nennt er abwertend - wilhelminische, also autoritäre Architektur - wobei er um die Zustimmung vom links-liberalen Lager buhlt. Die wiederum, wie er wahrscheinlich auch privat ganz gerne in einer Altbauwohnung (dann eher nicht wilhelminisch genannt) in bevorzugten Lagen in Frankfurt, Wiesbaden oder Köln wohnen.

Ausserdem sei es kein Pöppelmann oder Knobelsdorff.

Stimmt. Die beiden haben im Barock gelebt, also 100 Jahre bevor das Senckenbergmuseum gebaut wurde.

Das Gebäude wird durch seine Umbauten ein reiner Zweckbau bleiben, ohne Charme, Form und Fassung. Beliebig und kann in dreissig Jahren abgerissen werden.

Herr Kulka ist aber nur ausführendes Organ und handelt im Rahmen seiner Auftraggeber.

Die Senckenberg Stiftung hat ein Grundstück und Gebäude geerbt, dessen Wert sie offensichtlich weder erkennt noch schätzt.

Sonst wäre das Gebäude über die Jahrzente nicht so verwahrlost und verunstaltet worden.

Der Staat Hessen als Hauptgeldgeber kümmert sich auch nicht um die Mittelverwendung.

Ich bezweifele, dass so ein schwacher Entwurf für Wiesbaden genehmigt worden wäre.

Herr Feldmann und der Baubrürgermeister faleln als Korrektiv ebenfalls aus, wie die handzahme Presse, allen voran die FAZ, die das beißen verlernt zu haben scheint.

Mehr als aus dem Forum abzukupfern haben sie nicht zu Stande gebracht. Eine eigene gute Architekturkritik habe ich weder in der FAZ noch in einer anderen Zeitung gesehen.

Damit ist Frankfurt enttäuschen provinziell und ein Speilball von Architekten und Geldgebern die hier nicht wohnen und denen es daher egal ist, wie die Stadt aussieht.
frank353 ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.



Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 09:31 Uhr.


Powered by vBulletin (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2019, Jelsoft Enterprises Ltd.
©2003 - 2019 Deutsches Architektur-Forum