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Alt 28.12.09, 16:39   #1
Mattes
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Mattes wird schon bald berühmt werdenMattes wird schon bald berühmt werden
Highlights der 50er/60er Jahre

Bisher wurde allerhand über die Altstadtrekonstruktion und ihre noch ausstehenden Korrekturen debattiert, mir wurden hierbei allerdings die highlights der ersten 30Jahre nach dem Krieg etwas unter den Tisch gekehrt!

Aus dem Stehgreif würden mir folgende einfallen:

PlärrerHH
VR Gebäude hinter der LorenzKirche
Pellerhaus
HM Versicheungsgebäude am Marientorzwinger
...

wie steht ihr zu dieser Bauepoche und dem entstandenen Erbe?
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Alt 29.12.09, 11:07   #2
Altbaufreund
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Altbaufreund befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Ich halte es für falsch die 50er immer mit den 60ern "in einen Topf" zu werfen. Architektonisch sehe ich die 50er nämlich um einiges hochwertiger an als die 60er und 70er.

Das neue Rathaus halte ich auch für einen sehr gelungenen Bau.

Beim Plärrer-Hochhaus Zustimmung, das ist neben den wenigen Altbauten in diesem Bereich einer der architektonischen Höhepunkte an einem Platz, der ansonsten leider vom "Nordatlantikwall-Stil" der 60er und 70er geprägt ist.

Das Pellerhaus sehe ich hingegen als das mißlungenste Gebäude Nürnbergs aus den 50er Jahren an - die Architekten zeigten keinerlei Respekt vor alter Bausubstanz, vor einer durchaus wiederaufbaufähigen Runie (wenn man bedenkt, was sonst in Sachen Wiederaufbau so alles geleistet wurde!). Es steht in einer Reihe mit den Altstadt-Parkhäusern und dem Scharrer-Gymnasium: hier sollte man ganz dringend die Abrißbirne schwingen und die Ursprungsbebauung rekonstruieren.
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Alt 29.12.09, 14:17   #3
MarQi
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MarQi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Zitat:
Ich halte es für falsch die 50er immer mit den 60ern "in einen Topf" zu werfen. Architektonisch sehe ich die 50er nämlich um einiges hochwertiger an als die 60er und 70er.
volle zustimmung! man muss dazu nur die siedlung planetenring aus den 50ern mit der siedlung neuselsbrunn direkt nebenan aus den 60ern vergleichen. planetenring ist eindeutig gelungener und wirkt viel großzügiger.
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Alt 29.12.09, 18:55   #4
harher
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Zitat:
Zitat von Altbaufreund Beitrag anzeigen

Das Pellerhaus sehe ich hingegen als das mißlungenste Gebäude Nürnbergs aus den 50er Jahren an - die Architekten zeigten keinerlei Respekt vor alter Bausubstanz, vor einer durchaus wiederaufbaufähigen Runie (wenn man bedenkt, was sonst in Sachen Wiederaufbau so alles geleistet wurde!). Es steht in einer Reihe mit den Altstadt-Parkhäusern und dem Scharrer-Gymnasium: hier sollte man ganz dringend die Abrißbirne schwingen und die Ursprungsbebauung rekonstruieren.
Man hätte wohl damals das Pellerhaus in der alten Form wieder aufbauen sollen. Doch finde ich den Bau - jedenfalls im Vergleich zum Scharrer doch noch viel wertiger. Man hat da durchaus noch Wert auf gestalterische Details gelegt.
Gelungen waren auch einige Versicherungsgebäude am Rathenauplatz. Leider wurden die Fassaden inzwischen "modernisiert", sprich verunstaltet.
Übrigens liegt auch in dieser albernen Klima-Hysterie und der Wärmedämmung von Fassaden eine große ästhetische Gefahr. Da wurde auch schon viel Unsinn angerichtet.

In den 60/70er Jahren wurde ja wirklich überhaupt nichts Vernünftiges gebaut. Mal ein paar abschreckende Beispiele:
JSG, Postdirektion, Norishalle, Bundesanstalt, Plärrer-Südfront. Hauptmarkt-Südfront, WiSo.
Insgesamt finde ich auch, dass die Gebäude aus den 50er Jahren gar nicht schlecht waren. Wenn man bedenkt, welche Situation damals herrschte.
Umso trauriger sind dann eben die Gebäude aus späterer Zeit, auch aus den letzten Jahren, z.B. Wirtschaftsrathaus. Da wurde vorwiegend mit 08-15-Architektur herumgepfuscht.
Man muss sich da wirklich fragen, was manche Architekten eigentlich gelernt haben. Das ist ja an sich ein sehr interessanter Beruf - halb technisch, halb künstlerisch. Dies ist auch eine Herausforderung. Ehrlich gesagt, habe ich oft den Eindruck, dass viele Architekten sowohl als Techniker, als auch als Künstler völlige Versager sind.
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Alt 30.12.09, 18:59   #5
Mattes
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"alberne Klima-Hysterie" - aha, das lass ich nun mal als albern stehen.

den Brutalismus komplett zu verteufeln halte ich für falsch! Mir gefallen einige Bauten von Ihrer Form her sehr, ich hab eher mit dem Sichtbeton zu kämpfen... und dass sich die Gebäude oft nicht an die Umgebung angliedern.

Dann gehen wir mehr auf die 60er/70er ein! Leider weiß ich nicht genau, welche Nürnberger Gebäude in diesem Zeitraum erbaut wurden.

Es liegt weniger an den Architekten, dass schlechte Architektur entsteht, sondern meist an ökonomischen Zwängen. Kunst im öffenlichen Raum kostet und bringt nicht kurzfristige Rendite.
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Alt 31.12.09, 08:00   #6
harher
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Zitat:
Zitat von Mattes Beitrag anzeigen
"alberne Klima-Hysterie" - aha, das lass ich nun mal als albern stehen.
Der Punkt ist doch, dass man diesem einen Ziel offenbar alles andere unterordnet, auch die Ästhetik.
Es gab gerade bei Gebäuden aus den 50ern viele Fassaden mit Bemalungen. Und die werden nun einfach reihenweise mit Wärmedämmung zugeknallt.
Ist ja schon ein Wunder, dass wenigstens denkmalgeschützte Häuser von diesem Wahn ausgenommen sind.
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Alt 31.12.09, 15:09   #7
harher
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Zitat:
Zitat von Mattes Beitrag anzeigen
Es liegt weniger an den Architekten, dass schlechte Architektur entsteht, sondern meist an ökonomischen Zwängen. Kunst im öffenlichen Raum kostet und bringt nicht kurzfristige Rendite.
Tja, die ökonomischen Zwänge.
Da glaube ich nicht so ganz dran, denn erstens waren nach dem Krieg diese Zwänge bestimmt noch auf einem ganz anderen Niveau und trotzdem hat man da einiges an gestalterisch Interessantem geschaffen.
Und dann ist es ja nicht so, dass die neueren Gebäude besonders kostengünstig waren.
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Alt 02.01.10, 22:01   #8
Mattes
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OK, bezüglich der Gebäudeisolierung gebe ich dir recht! Es hörte sich eher so an, als würdest du generell die Frage des Klimawandels und der damit verbundenden Notwendigkeit der Sanierung bezweifeln. Es kommt immer darauf an, wie man etwas macht...

Bezüglich der ökonomischen Zwänge: Man wird beim schmerzenden Anblick der ausgelöschten Großstädte doch sehr daran gearbeitet haben, das unwiederbringlich zerstörte durch eine neue Ästhetik ersetzen zu können. Im Zuge des Wirtschaftswunders hat hat diese wieder unter den klingelnden Kassen gelitten.
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Alt 04.01.10, 18:30   #9
Mattes
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Ne Frage an euch: Weiß jemand, warum und wie in Großsiedlungen wie M-Neuperlach, oder N-Langwasser, die Wohnblöcke zueinander angelegt worden sind?
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Alt 05.01.10, 23:09   #10
Sprudel
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Sprudel ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Zitat:
Zitat von Mattes Beitrag anzeigen
Ne Frage an euch: Weiß jemand, warum und wie in Großsiedlungen wie M-Neuperlach, oder N-Langwasser, die Wohnblöcke zueinander angelegt worden sind?
Ich hatte die Gelegenheit aus dem schönen Frankfurt (was geschichtlich viel mit den Franken zu tun hat) in Nürnberg 4 tolle Tage mit meiner Familie zu verbringen (über Weihnachten in einem tollen Hotel bei der Meistersingerhalle). Eine tolle Stadt für die geschichtsjunkies und für uns, Merci.
Wir hatten ein sehr schöne Zeit bei euch. Die unterschiede zu Ffm können in Süddeutschland nicht größer sein!
Eine sehr gute Erfahrung. Am 23.01. bin ich zum Buli Duell zwischen FCN und SGE eingeladen, ich freue mich.
Grüße
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Alt 06.01.10, 13:50   #11
MarQi
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MarQi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
@ sprudel, gibt es auch etwas informatives, dass du uns berichten kannst? ich glaub' deine urlaubserfahrung in dieser form interessiert hier keinen

@ mattes, ich kenn sowohl neuperlach als auch langwasser und große unterschiede gibt es nicht. in der mitte hat man einfach ein großes einkaufszentrum gesetzt (franken-center/perlacher einkaufpassagen) und drum rum die wohnbebauung mit sub-zentren. dazwischen verlaufen schachbrettartig die hauptstraßen, von denen aus die einzelnen wohnquartiere erschlossen werden.
an der bebauung in neuperlach ist mir aufgefallen, dass es nur zwei punkthochhäuser gibt. der rest besteht aus zeilenförmigen ich sag jetz mal im durchschnitt 10-stöckigen hochhäusern. in langwasser ist die bebauung dafür differenzierter. gibt ja alles vom efh bis hin zu den wohntürmen in neuselsbrunn. in neuperlach sind die wohnblöcke eher "verbunden" und wirken dadurch an manchen straßen wie eine riesige mauer. in nürnberg stehen die häuser mehr oder weniger einzeln und verloren in der gegend rum. sehenswert in neuperlach ist der wohnring und das schwarze karl-marx zentrum. sieht richtig düster dort aus!
mir persönlich gefällt neuperlach besser als langwasser. wurde großzügiger angelegt. (meine meinung)
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Alt 12.01.10, 20:16   #12
Jugend_Stil
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Jugend_Stil befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Plärrer-Hochhaus der Städtischen Werke, ganz klar.

Das Gebäude am Katharinenkloster... mir fällt gerade der Namen nicht ein, Musikkonservatorium, oder wie heißt es? Ist als Ausweichquartier der Bibliothek in Gebrauch.

Auch z.B. das VDM-Verwaltungshochhaus in Schweinau ist ein Juwel in einer formvollendet-eleganten Schlichtheit. Viel wurde ja leider in dieser Richtung vernichtet, man denke an den alten Schlachthof...
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Alt 13.01.10, 13:56   #13
Mattes
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Ich bin neulich an der Deutschherrenwiese, nachts an einem Bürogebäude entlang gegangen, dessen komplett einsehbares beleuchtetes Treppenhaus einem den Athem geraubt hat! Ich schau mal, dass ich ein Bild demnächst mache...
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Alt 24.07.10, 13:10   #14
Planer
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Beiträge: 335
Planer wird schon bald berühmt werdenPlaner wird schon bald berühmt werden
Passend zum Thema findet noch bis Mitte August eine Austellung zu Architektur und städtebaulichen Konzepten der 1950er bis 1970er Jahre im Neuen Museum statt.
Eintritt frei!

Mehr Infos:
http://nmn.de/programm.0.html?&pruid...ash=71613075f2
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Alt 24.07.10, 14:49   #15
Augsburger
Noch nicht bestätigt!
 
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Ort: Augsburg
Beiträge: 120
Augsburger könnte bald berühmt werden
Die 50er und frühen 60er heben sich durch zweierlei in der Tat positiv ab von den restlichen Nachkriegsjahrzehnten:

Man hat, in teilweise sicherlich auch nicht gesunder Verdrängung, nur noch nach vorne schauen wollen und dieser Optimismus, Tatendrang und Zukunftsglaube schlug sich architektonisch nieder. Lichte Bauweise, helle Materialien - und vor allem sehr viel Farbe (den 70ern sieht man hingegen die unruhigen Zeiten an, viele Gebäude dieser Zeit werden nicht grundlos mit dem Spottbegriff "Betonbunker" beschrieben; Fensterwülste mit zurückgesetzten Gucklöchern, breite Vertikale, dunkle Farben oder gleich grauer Sichtbeton,...).

Zum anderen hat man mangels entsprechender Mittel noch stärker auf bewährte Bautechniken gesetzt und dadurch nicht soviele Bauruinen erzeugt wie in den Jahrzehnten darauf. "Betonkrebs", chronisch undichte Flachdächer, rasend verwitternder Sichtbeton mangels Witterungsschutz und Fassaden, minderwertige Fertigbauteile, Dachsteine aus gefärbtem Beton statt echter Ziegel - das kam alles erst später. Man baute noch "für die Ewigkeit". Auch das sieht man den Gebäuden an, sie altern "schön", entwickeln "Patina".
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