Bauakademie - Rekonstruktion und Geschichte

  • @ Ben und Andi777:


    Am Platz steht eine Infotafel (noch ohne Graffiti), die auch über die fehlenden bzw. nicht originalen Details informiert.


    Soweit ich mich erinnere, sind die Thaer-Reliefs verschollen und sollen irgendwann (wenn sie auftauchen oder Geld für Kopien da ist) angebracht werden.
    Die Ecksäulen am Schinkelsockel sind provisorisch, da sich dort einst Figuren befanden, die ebenfalls verloren gingen. Auf dem historischen SW-Bild in Bens Beitrag sind die auch zu erkennen. Auch hier sollen diese ggf. irgendwann nachträglich angebracht werden.

  • Insgesamt wirklich sehr schön! Vielen Dank für die Fotos. :)
    Das mit den hässlichen Fehlstellen am Thaer-Denkmal stört mich aber schon. Schaut da etwa der blanke Beton (plus Löcher) hervor?
    Wenn auf einem Schild schon darauf hingewiesen wird, dass einige Reliefplatten fehlen, dann wird das wohl noch eine ganze Weile dauern, bis diese tatsächlich ersetzt werden... Warum sonst extra auf einem Schild (das sicher auch nicht ganz billig war und so schnell auch nicht ersetzt /ausgetauscht wird) vermerken?

  • Ich war gerade in der Mittagspause am Schinkelplatz und hab noch mal nachgelesen. 3 der Thaer-Reliefs wurden anhand der Originalabdrücke nachgegossen, die anderen 5 von einem Künstler anhand von Fotos nachgefertigt. Da der Text dort in Vergangenheitsform steht, müssten die Reliefs also alle fertig sein - und die noch fehlenden 3 hoffentlich bald auch angebracht werden.


    Ansonsten sind die Plastersteinchen tatsächlich allesamt ziemlich bis sehr lose, egal wo man hintritt und etwas den Fuß dreht, die Dinger lockern sich sofort. Ich hoffe, das Mosaikpflaster verfestigt sich bald, sonst wird es wohl nicht lange halten.


    Außerdem sind schon Nacharbeiten im Gange, Teile des Pflaters sind abgesperrt und rausgepult worden. Manche Bereiche wurden neu bzw. erneut eingeschlämmt.


    Erfreulich ist, dass man den Brunnen noch laufen lässt - immerhin haben wir schon Anfang November und meist wird da ja sehr gegeizt...

  • Gut, das freut mich, dass die Reliefs wohl doch bald nachkommen. :)
    Das mit den lockeren Steinen ist aber schon etwas seltsam, oder? Warum hat man da nicht mehr auf Haltbarkeit geachtet? War sicherlich eine Heidenarbeit und hat einiges gekostet. Außerdem wurde irgendwo noch angegeben, dass man ziemlich lange nach einer Firma hatte suchen müssen, die diese Art von Mosaiktechnik beherrscht. Warum dann also lockere Steine am Ende?

  • Nochmal zum Schinkelplatz.


    Ich habe mal die Infotafel abfotografiert, da ich den genauen Inhalt immer wieder vergesse :D
    Wer's also lesen will, klicke hier: (verlinktes originalbild ist ca. 1,4 MB groß, sonst könnte man nix lesen):



    Nicht nur Schlangen, auch die Plastik-Bauakademie häutet sich ab und an ;) :


  • Vielen Dabk für das Foto des Schildes! :)
    Dann bin ich mal gespannt, wann die restlichen drei Reliefs am Thaer-Denkmal endlich angebracht werden...

  • Der Artikel der Morgenpost fand im Zusammenhang mit dem Marx-Engels-Forum zwar schonmal Erwähnung. Ich wollte ihn in Hinblick auf die Schinkelplatzbebauung allerdings auch nochmal anführen.
    Er enthält nämlich Interessantes zu Verzögerungen was die zukünftige Platzbebauung betrifft. So hat man zwar grünes Lickt vom Land für die Bauten (Wohnungen, Dienstleistungen, Handel, Gastronomie, Verwaltung) bekommen, sieht sich jetzt aber mit Restitutionsansprüchen konfrontiert. Laut Liegenschaftsfonds soll das Ganze wohl erst bis Ende des Jahres geklärt werden, weshalb es derzeit keinen konkreten Terminplan für die Baupläne gebe.


    Ich denke mal, daß die Bauakademie selbst hiervon nicht betroffen ist, da aber Sämtliches in Bezug auf den Schinkelplatz bisher in diesem Thread diskutiert wurde dachte ich es gehört sicherlich mit hierher.


    Nachschlag:


    Das Niveau der Platzumgebung scheint an den Schinkelplatz angepaßt und neu gepflastert zu werden:

    dafür reichte mein Handyakku gerade noch

    4 Mal editiert, zuletzt von brako ()

  • Hm, da warste wohl etwas schneller...Trotzdem hier noch mal meine Handybilder - von höchster Qualität, versteht sich...



    Irgendwie siehts schon lustig aus, wie der schöne Platz zw. den Gerüsten und Baugruben zu einer Insel geworden ist...

  • Der Schinkelplatz scheint jetzt auch straßenräumlich eingefasst zu werden. Bild von heute (Bild von mir).


    http://img132.imageshack.us/img132/79/city30509015.jpg" style="float:right; width:auto; margin-right:10px; margin-bottom:10px;" alt="" />


    Bild natürlich von mir. Man achte auch auf die Laternenpfähle links im Bild, denen noch der obere Teil fehlt. Es scheint alles eingefasst zu werden bis auf die rechts angrenzenden Grundstücke, wegen derer ja noch Rückgabeforderungskonflikte bestehen, die im Jahresverlauf gelöst sein sollen. Hoffen wir's.

  • Das ist eine gute Frage! Ich glaube, die Straße um die Kommandatur herum ist keine private. Wär also möglich, dass man diese dann weiterführen wird. Vielleicht (wenn unbedingt sein muss) eine Einbahnstraße vom Werderschen Markt Richtung Linden am Wasser entlang und noch eine in die andere Richtung zw. Neubauprojekt und Kirche, wo ja jetzt schon eine Fahrbahn ist. So bliebe wenigstens die Fläche zw. Platz und Neubauorjekt zum Schlendern. Es ist schwer zu erkennen...

  • Übrigens erkennt man in der Bildmitte einen Riesenhaufen Kopfsteine - ich würde es schön finden, wenn der Weg damit gepflastert wird. Sieht einfach uriger aus.

  • Naja - Gehwegpflasterung in typischer Brandenburgmanier erfolgt ja auch mit Kopfsteinpflaster: Diese Betonplatten eingefasst mit Kopfsteinpflaster.
    Wobei die - aber das kann man ja schlecht erkennen - eher größer aussehen (die Steine).

  • Das sind die alten Steine, mit denen der Weg entlang des Wassers gepflastert war. Denke auch, dass es die klassische Granitplatte mithellgauem, dunkelgrau eingefasstem Mosaik drumrum wird.

  • Seit längerer Zeit gibt es keine Neuigkeiten zur Bauakademie, trotzdem scheint der Bau durch die Fassadenattrappe eigentlich schon zum Stadtbild zu gehören. In dieses Deutungsvakuum stoßen nun eine Riege Nachwuchsarchitekten, die einen (fiktiven) Wettbewerb veranstaltet haben, um Alternativen zur Rekonstruktion aufzuzeigen. Wie häufig geht es dabei eher um Grabenkämpfe zwischen Traditionalisten und Moderne-Fetischisten, als um eine großartige neue Idee zu der Fläche.


    Ein sehr ausführlicher Artikel dazu im Tagesspiegel:
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/Bauakademie;art772,2817224


    Wahrscheinlich bleibt aber alles wie es ist - die Bauakademie kommt, nur keiner weiß wie und wann...


    Grüße, Jan

  • Ein paar junge "kritische" Architekten haben ein paar Gegenkonzeptionen erarbeitet.


    Dabei wird wieder argumentiert, eine Rekonstruktion der Bauakademie würde einen "städtebaulichen Etikettenschwindel" bedeuten, da man sich der Illusion eines alten Berlin hingeben würde, dass schon untergegangen sei, und zusätzlich die bauliche Entwicklung der Architektur der Neuzeit, im Sinne der Moderne verneinen würde.


    So weit so gut, hier sind die Entwürfe:


    Bauakademie mit Betonung des technischen Bauens nach Sebastian Schuttwolf


    Stadionartiger Bau von MIOM, Paul Kranz und Stephan Cornelius Schmitz


    Ulrich Heckmann versucht mühsam mit einer "satirischen" Verdopplung des Gebäudes zu überraschen.

  • Wow - wie grottig. Da haben sich die jungen wilden wieder was einfallen lassen.
    Ernstgemeint?
    Olympia Peking ist noch nicht lange her
    und das durfte nicht fehlen


    Jeder will immer klüger sein und s'besser wissen (ich übrigens auch ;) )...

  • Etikettenschwindel...

    Dieses Argument ist ja nun wirklich genauso alt, wie es langweilig ist. Das posaunten doch schon (damals) junge Architekten, als im gerade wiedervereinten Berlin noch kein Stein auf den anderen gelegt war. Ob es um die "kritische Rekonstruktion" ging, um die Wiederherstellung alter Straßenfluchten, um die Rekonstruktion der Kommandantur, des Stadtschlosses, alter Platzanlagen, Wiederaufstellung alter Denkmale... die Liste ist lang. Und jedesmal hat der Erfolg des jeweiligen Projekts die Krakeler eines besseren belehrt - oder hätte, wenn entsprechende Protagonisten denn hingeschaut hätten.


    Und nun kommt wieder eine junge Generation von Architekten aus den Hochschulen geschwappt und versucht sich mit derartigen vermeintlichen Provokationen ins Gespräch zu bringen.


    Es wird sich kaum etwas daran geändert haben, daß Architekturstudenten keinerlei Verständnis und erst recht kein Respekt für die Leistungen und die Bedeutung ihrer Vorgänger beigebracht wird. So sind entsprechende architekturpolitische Äußerungen bestenfalls als spaßgesellschaftliche Begriffsstutzigkeit zu sehen - schlimmstenfalls als purer Kulturbolschewismus.


    Die praktische Machbarkeit einer Rekonstruktion wurde in den letzten Jahren wieder und wieder unter Beweis gestellt. Die moralische Machbarkeit haben Alberti und sogar Dehio furios dargelegt.


    Leider scheinen eben jene jungen... unbekannten... Architekten keinerlei Verständnis für die Bedeutung gerade eines Hauses wieder des der Bauakademie zu haben. Gerade diesen Bau qua eigener mediokrer Entwürfe zu ironisieren, müßte einem gebildeten Architekten wirklich gegen die Berufsehre gehen.


    Die Bauakademie mit ihrer seriellen Fassade kann man mit einigem Recht als einen Prototyp modernen Bauens in Berlin verstehen. Zu seiner Zeit, war das Akademiegebäude geradezu avantgardistisch; war etwas wie der Grundstein moderner Architektur in Preußen.


    Geschichte ist kein Abenteuerspielplatz!