Nürnberg: Planungen der 1960er und 1970er

  • Nürnberg: Planungen der 1960er und 1970er

    Hoffe hier gibt es Leute die ein reichhaltiges Bildarchiv haben.
    Würde gerne mehr zu den Größenwahnsinnigen Planungen der 60er und 70er lesen und noch lieber sehen.


    Bsp. : KöMa, Überbauung des Hbf, Autobahnkreuz an den Rampen


    Hab auch mal gelesen daß das (der) Norikus mal 40 Etagen haben sollte.. die Nördliche Bebauung am Wöhrder See mit 30 Stöckigen Hochhäusern geplant war... usw.


    Gibt es Bilder von dem ganzen Größenwahn ? .. finde im Netz nichts.

  • Da müßte man ins Stadtarchiv gehen und mal in die Tiefe gehen. Vielleicht hat auch das Hochbauamt einige Entwürfe, oder sicher auch das Bildarchiv der NN bzw. NZ.


    Es wäre m. E. sogar mal ein interessantes Thema für ein Buch, diese ganzen Projekte aufzuarbeiten. Ich selbst kenne z. B. die Autobahnplanungen von meinen alten Stadtplänen, wo die vierspurige krezungsfreie "Südstraße" von den Rampen bis zur A3 bei Schwaig eingezeichnet ist, mit einer zusätzlichen Querverbindung von der Regensburger Straße (kurz vor dem Valznerweiher) durch den Wald bis in die Nähe des Tiergartens - und ähnliche Projekte.

  • soweit ich weis, ist man ja in den Nachkriegsjahren davon ausgegangen, dass Nürnberg bis auf 900.000EW anwachsen sollte! Eigendlich müssten aus dieser Annahme heraus doch etliche Pläne existieren!? Über München wurde ein ähnliches Buch bereits herausgebracht...

  • Mit Bildern kann ich (noch) nicht dienen, allerdings fallen mir auch ein paar dieser sehr optimistischen Projekte ein:

    • Die Kongresshalle sollte nach einem Architekturwettbewerb in den 50/60er Jahren beispielsweise ein großes Einkaufszentrum werden
    • Es wurden diverse U-Bahn-Netze durchgespielt; bei mindestens einem hätte Nürnberg heute fünf oder mehr Linien mit einigen größeren Bahnhöfen.


    Ich recherchiere mal nach Fotos, zur Kongresshalle habe ich irgendwo mal eines gehabt.

  • im norden nürnbergs sollte noch eine großwohnsiedlung entstehen, ähnlich wie langwasser. namen und standort hab ich leider vergessen...

  • Wetzendorf. Architekt: Dittrich. Investor: Bayerische Versicherungskammer. Der Vergleich mit Langwasser ist aber nicht unbedingt angebracht, zum einen aufgrund der unterschiedlichen Größenordnungen (Wetzendorf war für gerade mal 5000 Menschen geplant), zum anderen da Langwasser keine reine Hochhaussiedlung ist, sondern beispielsweise mit Reihenhäusern (im Osten; dort wohnt z. B. unser Ministerpräsident a.D.) oder mit dem Baugebiet P (bei der Bert-Brecht-Gesamtschule) ganz unterschiedliche Bereiche aufweist. Ich nehme an, Du meinst mit Langwasser v. a. das Baugebiet U und Neuselsbrunn.
    Vom gleichen Investor mit dem gleichen Architekten wie das nicht realisierte Wetzendorf-Projekt stammt übrigens die Wohnanlage Einsteinring.
    Quelle: Der Nürnberger Weg 1945-1995. Eine Stadtgeschichte in Bildern und Texten (Sandberg Verlag, Nürnberg 1995), S. 107-109


    Dieses Buch enthält auch zahlreiche Interviews, hauptsächlich mit Politikern und hier wieder fast ausschließlich von der SPD (das Buch wurde ja auch vom SPD-Unterbezirk Nürnberg herausgegeben). Einer der Interviewpartner ist natürlich Hermann Glaser, der sich nicht entblödet, das Scheitern des KöMa-Projekts zu bedauern - und das Mitte der 90er! Aber ich habe ja noch nie verstanden, warum Glaser angeblich ein so wichtiger Kulturpolitiker und Intellektueller (gewesen) sein soll.

  • Ich habe hier noch einen Link gefunden, der Pläne über einen Nord-Süd-Tunnel beschreibt! Ebenfalls war anscheinend nach dem Krieg geplant, über die Pegnitz eine Schnellstraße zu bauen!?! Naja... ich denk wenn man damals nach dem Krieg die Stadt gesehn hat war der Gedanke die Stadt komplett neu umzugestallten, nicht abwegig! Le Havre hat ja ebenfalls ein neues Antlitz erhalten...


    http://www.nuernberginfos.de/b…nberg/burgbergtunnel.html

  • In Wetzendorf sollten sich übrigens neben der bereits bekannten Großbebauung noch Teilbereiche der Universität Erlangen-Nürnberg ansiedeln. Daher auch das ursprünglich avisierte Ende der U-Bahnlinie U3 (heute U4) im dortigen Bereich. Eine verbesserte Straßenführung zur Anbindung von Wetzendorf sollte übrigens über den Nordring erfolgen: Noch heute erinnert der Grünstreifen zwischen Schöller und GfK (teils bereits als Rampe ausgeführt) an die einstigen Planungen. Der Anschluss dieser Straße sollte an der Düsseldorfer Straße erfolgen (heute noch an ihrer seltsamen Form erkennbar), ein weiterer Teil sollte weiter zur Bielefelder Straße führen.


    Auch gab es Planungen für eine Direktverbindung von der Innenstadt zum
    Flughafen: Der Rollnerstraße folgend sollte an der Kreuzung mit der Kilianstraße eine Straße gen Norden gebaut werden, die an der Marienbergstraße Anschluss hätte finden sollen. Bis auf die beiden überdimensionierten Kreuzungen wurde nichts gebaut. Die Fläche hierfür wird immer noch freigehalten.


    Daneben war (jedoch viel früher) ein Straßenbahntunnel unter dem Burgberg geplant, der eine nie realisierte Linie von der Altstadt über Pirckheimerstraße zum Nordbahnhof (Wende ungefähr an der Uhland-Schule) aufnehmen sollte. Noch heute zeugt der Grünstreifen in der Pilotystraße von der damals geplanten Tunnelrampe.


    Für das "Colosseum" am Dutzendteich gab es neben den Planungen als Einkaufszentrum und Fußballstadion auch den Vorschlag, dort eine Art "Indoor-Freizeitpark" einzurichten.


    Zudem gibt es natürlich noch viele nie realisierte Autobahn/-Schnellstraßenplanungen rund um Nürnberg: Zentralquerung Fürth (FÜ-Dambach-Jakobinenstraße-FU-Pillenreuth-Bamberger Str.-Marienbergstraße-Bierweg), die nie vollendete Südwesttangente, Autobahn nach Donauwörth, nie realisierte Südosttangente (realisierte Teile sind die gleichnamigen Straßen "Am Europakanal" in Nürnberg und Erlangen) und einige mehr.


    Auch ist schon seit knapp drei Jahrzehnten geplant, den Osttunnel am Hauptbahnhof mit einem Ausgang zur Südseite (Nelson-Mandela-Platz) zu öffnen. Dieses Projekt soll nun endlich bis 2013 verwirklicht werden.


    In Bezug auf die einstigen U-Bahnplanungen kann ich diese beiden Seiten empfehlen. Erstere listet die einst geplanten Netze auf, letztere zeigt die erbrachten Vorleistungen.


    http://cityverkehr.de/alteu3.htm
    http://www.gleistreff.de/U4_I.htm

    3 Mal editiert, zuletzt von Toasty () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Bei der Diskussion zum Deutschen Hof ist der Wunsch aufgetaucht, den Frauentorgraben auf eine Spur pro Richtung zu verengen.
    Hätte man damals die Autobahn südlich der Bahnlinie verwirklicht, dann wäre das verkehrstechnisch gegangen. So aber ist dieses Stück des Altstadtringes unersetzbar.
    Natürlich war die damalige Planung einer Autobahn sehr brutal gewesen, obwohl auch kaum brutaler als die Bahntrasse. Beide zerschneiden die Stadt.
    Man hätte aber z.B. eine unterirdische Autobahn bauen können...


    Der Punkt ist aber, dass man damals sich immerhin Gedanken gemacht hat und Pläne entwickelt hat. Manches, wie Frankenschnellweg oder Süd-West-Tangente wurde schließlich ja auch verwirklicht.
    Heute gibt es ganz offensichtlich gar keine Planungen für den Straßenverkehr mehr. Nicht mal die eigentlich spruchreifen Projekte kommen vom Fleck (Durchbau Frankenschnellweg).
    Dabei wäre schon einiges überfällig:
    Flughafenanbindung (wie auch immer)
    Bamberger Straße
    Ausbau der überlasteten Sigmundstraße
    Durchbau Frankenschnellweg
    Ortsumgehung Eibach
    Ortsumgehung Stein

  • es gibt gute Gründe für den Tod einiger der genannten Projekte.


    - Dem Frankenschnellweg von Reichelsdorf bis Schwabach würde z.B. ein wertvolles Natur- und Wasserschutzgebiet zum Opfer fallen, und das noch dazu in der ohnehin recht ungrünen Stadt Nürnberg. Die parallele S-Bahn, welche ja für teures Geld erst in den 90ern ihr eigenes Gleisbett bekommen hat, würde ausserdem verkehrlich in Frage gestellt.


    - Eine Ortsumgehung von Eibach ist ausserdem mit dem Frankenschnellweg schon vorhanden. Was hier sinnvoll wäre ist die Verknüpfung der Wiener Straße mit der Reichelsdorfer Hauptsstraße. so könnte der Verkehr besser verteilt werden. Dazu müssten aber Häuser weichen, ein heißes Eisen.


    - Stein liegt geografisch so unglücklich, da ist einfach kein Platz für ein Ortsumgehung. wo sollte die denn lang?


    - Die Nordanbindung ist sowas von tod. die gründe sind ja vielfältig. kein verkerlicher bedarf, teure bodensanierung ohne bisherige expertise dazu usw...



    Abgesehen davon bemüht sich die Stadt sehr den ÖPNV und das Radwegentz auszubauen. Das Geld ist da auch sehr viel sinnvoller, da die Straßen durch einen weiteren Bau zusätzlicher Trassen nicht leerer werden. Diversifizierung und sinnvolle Verknüpfung verschiedener Verkehrsteilnehmer heißen die Stichworte.
    Rund 400 Millionen Euro würden die bereits als wirtschaftlich eingestuften U- und Straßenbahnprojekte nach dem NVEP 2025+ kosten. Eine ähnliche Summe der Frankenschnellweg.
    Es gibt genügend Planungen die sinnvoll sind. nur die von dir aufgezählten sind es eben nicht.


    zur autobahn entlang des bahnhofvorfelds: ich kannte die idee. aber wo sollte die eigentlich enden? oder wohin führen?


    d.

  • die Autobahn sollte von den Rampen aus ostwärts .. südlich der Gleise entlangeführt werden. Wo sie enden sollte weiß ich auch nicht.
    Aber auch heute finden sich viele "Relikte"(freigehaltene Bauflächen) entlang dieser Strecke. z.B. die Gebrauchtwagenhändler am Marientunnel/Regensburgerstr. Bis vor, sagen wir mal 15 Jahren, wäre das alles noch zu verwirklichen gewesen. Dann wurde langsam die geplante Trasse zugebaut. Seniorenheim an der Tafelfeldstraße, Südstadtpark usw.


    Ich weiß das sich eine Skizze von dem geplanten Autobahndreieck "An den Rampen" in dem Buch .. Nürnberg in den 50ern befindet. Hat jemand das Buch ? .. ein Scan wäre mal sehr interessant.

  • Ich glaube, die "Autobahn" sollte von den Rampen in Richtung Schwaig führen.


    Das mit der Notwendigkeit von Straßen ist Ansichtssache. Tatsache ist nun mal, dass in den letzten Jahrzehnten der Verkehr zugenommen hat. Der ÖPNV mag das zwar etwas abfedern, ist aber eben auch nicht die alleinige Lösung. Jedenfalls geht man mit dem Thema in anderen Städten wesentlich pragmatischer und nicht so ideologisch um wie in Nürnberg.

  • na das kann auch nur sagen wer sich aus Nürnberg nicht raus bewegt.
    ich sag nur A100, Berlin. weniger prominente Beispiele aus anderen deutschen Städten gibts zuhauf.
    Es gibt für das Verkehrsproblem nicht DIE lösung, das kann nur eine gute Kombi aus unterschiedlichen VerkehrstrÄgern sein. Die Straße wurde seit mitte der 1950ern krass bevorzugt (finanziell, planerisch).


    d.

  • Weil hier jetzt schon mehrfach das Argument Berlin fiel: Berlin ist von Ausdehnung her eine ganz andere Hausnummer als Nürnberg:


    Die größeren Hauptstrassen parallel zum Kudamm sind genauso weit weg wie der Südring vom Frauentorgraben. (Was aber dennoch nicht heissen soll dass man den wiederum einfach einspurig umbauen kann. Hauptgrund dafür ist aber aus meiner Sicht der Hbf, den man nicht mal eben in eine verkehrsberuhigte Zone packen kann.


    Genauso die A100: Die ist ewig lang und hat daher eine ganz andere Bedeutung als eine 5km lange Autobahn quer durch die Nürnberger Innenstadt je haben könnte.

  • Ja, der Vergleich mit Berlin und den dortigen infrastrukturellen gegenbeinheiten hinkt etwas. Die A 100 bindet vielleicht 1 Million Menschen an das Autobahnnetz an?!?! Der Frauentorgraben und die Landgrabenstraße, bzw. eine früher einmal geplante dazwischen liegende Autobahn würde nichtmal 10 % von dieser Verkehrleistung bewältigen müssen.


    Das Grundsätzliche Problem bleibt aber: Die Südstadt leidet extrem unter dem Autoverkehr.


    Übrigens, das mit dem einspurigen Frauentorgraben war nur eine von zwei Ideen, die ich mal in den Raum warf. die andere wäre den Frauentorgraben in eine Einbahnstraße richtung Osten (Hbf) zu verwandeln, ähnwie der Altstadtring im Norden auch eine Einbahnstraße ist. Alle Autos, die von Osten am HBF vorbei kommen würden unter den Celtis-Tunnel abgeleitet. Alles was am Plärrer von Westen kommt würde unter den Steinbühler Tunnel nach Süden kanalisiert.


    Das würde den Frauentorgraben massiv entlasten und in attraktiver machen für Hotels. Allerdings verlagert man das Problem in die Südstadt, die jetzt schon "dicht" ist....

  • na ich wollte auch keine infrastrukurellen Gegebenheiten vergleichen sondern lediglich darauf hinweisen das straßenprojekte nicht nur in Nürnberg, wie hier ja behauptet wurde, kritisch hinterfragt werden.
    Den Ausbau der 100 in Berlin befürworte ich, den Tunnel des Frankenschnellwegs in Nürnberg auch. Es ist eben abhängig vom jeweiligen Sinn des Projektes.
    Aber die damals geplante Trasse hätte der Südstadt wohl den Todesstoß gegeben. Alleine die Rampenbauwerke zum Anschluss der Hauptstraßen und dergleichen hätten das Areal zwischen Landgrabenstraße und Gleisen des Bahnhofs völlig aus den Angeln gehoben.
    Die Nationalsozialisten planten übrigens mal eine Autotrasse entlang der nördlichen Pegnitzbank in der Altstadt. Ein noch absurderes Projekt das gottseidank so nie kam.


    zum frauentrograben:
    ich fürchte da lässt sich nicht viel machen. es ist eben die zentrale Achse zwischen ost und west. die einbahnstraßenregelung im norden des Altstadtrings funktioniert dort nur, weil die sehr nahe Pirckheimer Straße viel abfängt und ausserdem im norden viel weniger Verkehr zwischen Ost und West herrscht.


    d.

  • Ich stimme zu, dass in den 50er bis zu den 70er Jahren der Autoverkehr stark bevorzugt wurde. Richtig ist aber auch, dass in den letzten 30 Jahren genau das Gegenteil erfolgte.


    Notwendig ist wirklich ein sich ergänzendes Verkehrssystem.


    Nehmen wir aber doch mal die Sigmundstraße. Dort ist Industriegebiet mit viel Lkw-Verkehr. Außerdem ist das eine Hauptachse N-S. Dort hilft ÖPNV gar nichts! Was spricht denn gegen einen Ausbau mit 4 echten Fahrspuren und mit vernünftigen Abbiegespuren?
    Ebenso muss der Flughafen eine bessere Anbindung bekommen. Das muss ja kein Autobahnanschluss sein. Aber, auch wenn jetzt eine Delle bei den Fluggastzahlen ist, wenn man die Entwicklung seit der Eröffnung des Flughafens bis heute ansieht und die immer noch gleiche Flughafenstraße dagegen hält - so geht das einfach nicht! Macht ja im übrigen auch einen recht provinziellen Eindruck, vor allem wenn die Ampel an der Marienbergstraße wegen eines querenden Traktors auf Rot geht.

  • Nun ja, gegen eine verbesserte ÖPNV-Anbindung der Sigmundstraße hätte ich persönlich nichts, da ich beruflich dort öfters zu tun habe. Besonders in der HVZ sind die Busse meist bis zum Bersten gefüllt. Allerdings würde das natürlich nicht gegen den LKW-Verkehr helfen.


    Am Frauentorgraben würde ich nichts ändern, da sich dann - wie bereits geschrieben wurde - der Verkehr in der (eh schon gebeutelten) Südstadt drastisch erhöhen würde.


    Einer verbesserten Anbindung des Flughafens stehe ich positiv gegenüber, allerdings nicht in Form der geplanten Nordspange. Stattdessen lieber einen Anschluss an die A73 über AS Poppenreuth und weiter über die "Bauruine" Wilhelm-Hoegner-Straße zum Flughafen.