Zurück   Deutsches Architektur-Forum > Architektur, Städtebau und Bauwesen: Regionale Themen > Mitte > Frankfurt am Main

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 09.09.19, 14:48   #181
Odysseus
Silbernes Mitglied

 
Registriert seit: 01.07.2014
Ort: Deutschland
Beiträge: 900
Odysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz sein
Ich habe mir das gesamte Ensemble letzte Woche vor Ort angeschaut. Daher jetzt eine ausführlichere Bewertung. Ich hoffe, die DAF-Moderation erträgt es, dass man sich durchaus kritisch zu einem Gebäude äußert.

Ich fange einfach mal mit dem Positiven an:

Gut finde ich, dass durch die farbliche Gliederung ein Eindruck von Parzellenstruktur erzeugt werden soll. Wie so oft ist die grundsätzliche Herangehensweise von Mäckler also gar nicht schlecht. Und wenn man ganz schräg von der Seite drauf schaut, kann man zumindest die Idee erahnen, die intellektuell hinter dem Entwurf stand.

Aber dann muss man sagen, dass die Umsetzung leider völlig fehlgeschlagen ist. Das hängt zunächst einmal an der völlig fehlgeleiteten Architektursprache, die man für eine moderne Interpretation des Vergangenen verwendet hat. Denn sie ist weder modern noch originell, sondern einfach völlig aus der Zeit gefallen. Mit einer Saalgasse 2.0 hätte ich noch mitgehen können. Aber hier ging bereits in den Grundsätzen viel daneben. Das beginnt bei der fehlenden Dachausbildung und den damit völlig falschen Proportionen.

Dazu kommt, dass der Einsatz der Gesimse ohne jede Kenntnis von Architekturgeschichte zu erfolgen scheint, so dass diese scheinbar schwebend und rein zufällig an der Fassade erscheinen. Das größte Manko ist aber, dass bei aller vorgegaukelter Parzellenstruktur hier in Wahrheit einfach eine riesige Betonwand gestalterisch aufgehübscht wurde. So wie man es eben mit städtischen Bunkern aber auch mit riesigen Plattenbauriegeln in der Vergangenheit auch schon versucht hat. Dies mag für Bestandsbauten eine gute Idee sein, greift aber bei einem Neubau viel zu kurz.

Was mich vor Ort am meisten entsetzt hat, war die unglaublich schlechte Farbauswahl. Man bekommt einen halben Augenschaden, wenn man die Straße lang läuft, weil die Töne erstens untereinander nicht harmonieren und weil sie derart präsent sind, dass die weiteren Baudetails erst mal gar nicht auffallen, weil man nur auf die Farben starrt. Ich war mit einem Freund unterwegs, der wahrlich kein Freund traditioneller Architektur ist, aber selbst er fand es "scheußlich". Es sieht von den Farben her einfach aus wie riesige Testflächen, die man aus dem Baumarkt kennt.

Der größte Hammer war aber für mich die Bauausführung. Gerade was den Putz angeht, war das Ergebnis teils .... mir fällt kein Wort ein, um es zu beschreiben, vielleicht homemade. Gerade beim ganz gelben Bau in der Mitte war der Putzauftrag derart schlecht, dass das eigentlich so nicht bleiben kann. Auch bin ich mal gespannt, wie man im Riffelputz die riesigen Löcher durch die Gerüste so verdeckt bekommt, dass man es später nicht mehr wahrnimmt.

Ich hätte mir echt gewünscht, das man hier ein gutes Ergebnis zu sehen bekommt, grade weil Mäckler theoretisch sehr viele gute Ansätze formuliert hat, wenn man ihm zuhört und unter seiner Leitung ist auch sehr viel Gutes in der neuen Altstadt entstanden. Nur leider hat er selbst die Bauaufgabe hier aus meiner Sicht völlig verfehlt. Der Wille mag dagewesen sein, aber letztlich scheiterte es schon daran, dass man sich im Vornherein auf eine Straßenfront festgelegt hat, die weitestgehned ohne Fenster als Gliedrungselemente auskommen sollte. Alle Versuche, diese Wand mit historischen Architekturzitaten, Farben und sonstigen Mitteln zu gestalten, ist leider völlig missraten. Dazu kommt die miserable Bauausführung und ein Goethehaus, dass wie ein Fremdkörper an die Seite gedrägt wird und durch die fehlende Dachausprägung von dem gesamten Block faktisch erdrückt wird.

Nach der Horrorsanierung der Senckenberganlage und der kompletten Enttäuschung auf dem Areal des Bundesrechnungshofs ist das leider der dritte riesige Fehlschlag in Frankfurt in den letzten drei Jahren. Ich hoffe die Oper/Schauspiel wird nicht der vierte!
Odysseus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.09.19, 15:48   #182
SchwarzesSchiff
Junior-Mitglied

 
Benutzerbild von SchwarzesSchiff
 
Registriert seit: 10.10.2014
Ort: Frankfurt
Alter: 41
Beiträge: 47
SchwarzesSchiff ist ein geschätzer MenschSchwarzesSchiff ist ein geschätzer MenschSchwarzesSchiff ist ein geschätzer MenschSchwarzesSchiff ist ein geschätzer Mensch
Naja, bei Mäckler bekommt man halt genau das, für das die Marke Mäckler steht. Wenn es darum geht, an einem schwierigen Ort mit unterschiedlichsten Umgebungen ein Bauwerk zu schaffen, das sich trotzdem einfügt, ist Mäckler Meister (Opernturm, Alte Brücke, etc.). Wenn das Umfeld aber wenig hergibt, an das man sich anlehnen kann, und eigentlich neue Impulse benötigt werden (Berliner Zoofenster) oder wenn die Umgebung einen stilistischen Respektabstand fordert (Goethehaus), dann ist sein Ansatz nicht immer der passende.

Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass Mäcklers erster Entwurf sehr viel gelungener war. Die Kombination des städtebaulichen Landes-Entwurfs (Museum entlang des Großen Hirschgrabens) mit der ursprünglichen Mäckler-Architektur funktioniert nur überhaupt nicht.
SchwarzesSchiff ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.09.19, 00:42   #183
Odysseus
Silbernes Mitglied

 
Registriert seit: 01.07.2014
Ort: Deutschland
Beiträge: 900
Odysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz seinOdysseus kann im DAF auf vieles stolz sein
Eben, es ist die Architektur, die hier nicht funktioniert, weil sie leider gar nicht definiert, was sie sein soll. Wenn man mich fragen würde, was für ein Stil hier von Mäckler gebaut wurde, dann könnte ich es nicht mal sagen. Es ist nicht historisierend, nicht modern, es ist weder Bauhaus noch Retro wie z.B. das Flare. Es ist irgendetwas ganz Sonderbares und so fühlt es sich vor Ort auch an. Aber sonderbar nicht im Positiven, sondern im Negativen.

Der Bau hat meiner Meinung nach etwas Infantiles, ja, einen Hauch Kitsch, aber im schlechteren Sinne. Wenn man versucht, mit Architektur zu spielen, man etwas Verspielteres wagen will ohne historisiernd zu werden, dann zeigen Hundertwasser oder Dali wie das geht. Ich war im Sommer in Figures im Dalimuseum. Auch dort wurde ein historischer Bestandsbau integriert wie in Frankfurt das Goethehaus. Aber da ist man dann in die Vollen gegangen und hat es dann richtig krachen lassen was Architekturelemente angeht. Es mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber es ist zumindest spektakulär. Ich fand es im Positiven Sinne kitschig. Ähnlich wie Hundertwasser.

Mäkler hat hier gedanklich etwas ähnliches versucht, ist aber in den Ansätzen stecken geblieben. Und daher wird auch überhaupt kein Stil und kein logisches Konzept deutlich, weil für einen modernen Bau ist es alles viel zu bunt und zu wenig stringent. Historisierend ist es auch nicht, somit ist es eine Pop Art Variante einer Neuinterpretation, nur eben ohne Pop.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber vor dem Hintergrund des Gesehenen hätte eine Waschbetonwand besser ausgesehen und wäre ehrlicher gewesen. So ist jetzt ein Gebilde entstanden, dass letztlich überhaupt nichts ist.

Letztlich wäre das ja verkraftbar, wenn man dadurch nicht das Goethehaus so entwertet hätte. Dieser Bau ist der Diamant in dieser Straße. Er hätte einfach eine Fassung gebraucht, der die Straße auf genau dieses Haus ausrichtet und es in dem bestmöglichen Licht erscheinen lässt. Das wäre die städtebauliche und architektonische Bauaufgabe gewesen.

Jetzt nimmt man das Goethehaus entweder gar nicht wahr, weil man von der gelben Farbexplosion völlig geblendet ist oder das Goethehaus erscheint als Fremdkörper und Störfaktor, weil der Anschluss insbesondere im Dachbeich gar nicht gelungen ist. Wie Mäckler das passieren konnte, wo in der neuen Altstadt so viel Energie in genau diesen Abstimmungsprozess geflossen ist, das verstehe ich einfach nicht. Ich kann es mir nur so erklären, dass man zu große Ambitionen hatte und am Ende die wahre Bauaufgabe aus dem Fokus verloren hat.
Odysseus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.09.19, 10:48   #184
Golden Age
Goldenes Mitglied

 
Benutzerbild von Golden Age
 
Registriert seit: 01.09.2008
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 1.166
Golden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle ZukunftGolden Age hat eine wundervolle Zukunft
Innenhof wird den Bau aufwerten

Zitat:
Zitat von Odysseus Beitrag anzeigen
Nach der Horrorsanierung der Senckenberganlage und der kompletten Enttäuschung auf dem Areal des Bundesrechnungshofs ist das leider der dritte riesige Fehlschlag...!
Einspruch, ein Finales Urteil dieses Baus mit der zugegebenermaßen enttäuschenden Fassade kann erst im Zusammenhang mit dem vielversprechenden Innenhof gesehen werden, der zu einer echten Bereicherung werden kann. Hier entsteht wahrscheinlich eine kleine Oase der Erholung in einer Innenstadt, die wirklich nicht mit vielen Kleinod-Rückzugsorten gesegnet ist (ähnlich zum Innenhofcafe des Liebighauses). Also Abwarten bis das Gesamtwerk vollbracht ist, dann ist das Urteil auch ausgewogener.

Eine Katastrophe wie beim Senckenberg erkenne ich hier noch nicht und auch die Kornmarkt Arkaden halte ich längst nicht für die epochale Enttäuschung, für die sie hier gehalten wird. Ist die Fassade auch dort zu monoton und wenig einfallsreich? Ja. Ist der Bau deutlich besser als der vorherige? Das ist für mich die entscheidende Frage und die muss mit einem klaren Ja beantwortet werden. Auch dort muss sich das Gebäude noch mit Leben füllen bevor abschließEnde Urteile ausgesprochen werden sollten.
Golden Age ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.09.19, 11:10   #185
marty-ffm
Wichtiges Mitglied

 
Benutzerbild von marty-ffm
 
Registriert seit: 19.02.2011
Ort: Frankfurt am Main
Alter: 52
Beiträge: 458
marty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiellmarty-ffm ist essentiell
Ich kann die grundsätzliche Kritik hier durchaus nachvollziehen. Leider kann ich mir derzeit aber kein eigenes Bild in Natura machen, da ich mir den Fuß gebrochen habe und daher immobil bin.

Letztendlich ist es natürlich eine Frage des Geschmacks, ob man das Ergebnis jetzt gut findet oder nicht. Zumindest die hier sehr lebhafte Diskussion und auch durchaus vehement vorgetragene Kritik zeigen zumindest, dass der Bau aneckt und Reaktionen - welcher Art auch immer - hervorruft. Ich habe mich ja auch bereits in meinem Beitrag #168 zurückhaltend kritisch, aber in Bezug auf die angedeutete Kleinteiligkeit positiv geäußert. Die Farben - zumindest von den dankenswerterweise eingestelllten Photos zufolge - sind jetzt auch nicht so mein Fall. Ich empfinde sie auch etwas zu grell und zu dominierend. Aber sie werden mit der Zeit etwas verblassen, denke ich.

Was ich persönlich nicht so ganz nachvollziehen kann, ist die Kritik, dass sich der Mäcklersche Bau stilistisch nicht einordnen lasse und weder "modern" noch historisierend sei und kein logisches Konzept verfolge. Möglicherweise war ja gerade das vom Architekten auch so bezweckt? Eine Art Verbindung zwischen dem Alten und dem Modernen schaffen - unabhängig, ob es uns jetzt gefällt oder nicht.

Das wirft die Frage auf: muss sich ein Gebäude immer zwangsläufig einem Stil zuordnen lassen? M.E. nein, auch wenn es für mich, wie oben bereits geschrieben, in die Richtung Postmoderne geht. Aber die Frage der Stileinordnung ist auch gar nicht entscheidend. Für mich ist immer u.a. mit wesentlich, ob ein Neubau in sein unmittelbares Umfeld passt oder nicht. Diesbezüglich kann man hier natürlich durchaus unterschiedlicher Auffassung sein.
marty-ffm ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.09.19, 12:15   #186
Baurat Schulze
Debütant

 
Registriert seit: 27.02.2014
Ort: Frankfurt
Beiträge: 3
Baurat Schulze befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Epirrhema

Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten;
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
Denn was innen, das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis.

Freuet euch des wahren Scheins,
Euch des ernsten Spieles:
Kein Lebendiges ist ein Eins,
Immer ist's ein Vieles.

Goethens Diktum gilt vermutlich auch für die Architekturbetrachtung. Warten wir mal ab, wie das ganze zusammenhängt, wenn es fertig und begehbar ist. Auch in seinem Spiel mit der "Deutschen Romantik": schon der rosa Beton ...
Baurat Schulze ist offline   Mit Zitat antworten
Alt Gestern, 13:41   #187
Faust
Junior-Mitglied

 
Registriert seit: 16.04.2015
Ort: Frankfurt
Beiträge: 25
Faust befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Sugar-Coating: "Weshalb Schönreden schön blöd ist"

Zitat:
Zitat von marty-ffm Beitrag anzeigen
Ich kann die grundsätzliche Kritik hier durchaus....
.....merkwürdig, so fangen beinah alle Kommentare an: aber ....."Laß die Menschen reden, was sie wollen. Du weißt ja die Art des ganzen Geschlechts, daß es lieber beunruhigt und hetzt, als tröstet und aufrichtet." sagt Goethe, der Nachbar. Sind Worte mächtiger als Bilder? Oder sind Gefühle wichtiger, wenn man dort, vor Ort, die Augen schließt und die Atmosphäre genießt?
Schöngeredet wird das Museum schon, ohne Zweifel, egal ob "schön" oder nicht, die Goethehöfe - vielleicht, die Politiker freuen sich zweifellos, die Bürger - vielleicht, aber:
Zitat:
Zitat von marty-ffm Beitrag anzeigen
Ich kann die grundsätzliche Kritik hier durchaus....
......verstehen, sagt dazu Seneca: "Erfährst Du, daß jemand schlecht über Dich gesprochen hat, so überlege, ob Du es nicht zuerst selbst getan hast und über wieviele Du selbst sprichst!"
Faust ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 13:59 Uhr.


Powered by vBulletin (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2019, Jelsoft Enterprises Ltd.
©2003 - 2019 Deutsches Architektur-Forum